{"id":120064,"date":"2012-01-01T12:00:00","date_gmt":"2012-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2012\/01\/indergand-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:28:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:28:58","slug":"indergand-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2012\/01\/indergand-3\/","title":{"rendered":"Schweizer Warenexporte im Zeichen der Frankenst\u00e4rke"},"content":{"rendered":"<p>Bereits der weltweite Konjunktureinbruch von 2008\/09 hatte die Exportwirtschaft stark betroffen. Mit der Frankenst\u00e4rke nur zwei Jahre sp\u00e4ter folgte binnen kurzer Zeit ein weiterer R\u00fcckschlag. Erschwerend kommt hinzu, dass die Frankenst\u00e4rke gegenw\u00e4rtig mit einem erneuten Abflauen der Weltkonjunktur zusammenf\u00e4llt. Bis Ende 2011 ist ein dramatischer Einbruch der Exporte noch ausgeblieben. Ist die Gefahr gebannt, oder m\u00fcssen wir in den kommenden Monaten mit einer drastischen Verschlechterung der Situation rechnen? Im folgenden Artikel wird ein nach Wirtschaftszweigen differenziertes Bild gezeichnet und aufgezeigt, welche Faktoren die Exportentwicklung der einzelnen Branchen wie stark beeinflussen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #333333;\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201201_05_Indergand_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/><\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Ein rauer Wind f\u00fcr die Exporteure<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Der fr\u00fcher so erfolgsverw\u00f6hnten Exportindustrie bl\u00e4st seit einigen Jahren ein rauer Wind entgegen. Die wachstumstr\u00e4chtigen Jahre nach der Jahrtausendwende wurden 2008\/09 von einem der gr\u00f6ssten Nachfrageeinbr\u00fcche der Nachkriegszeit unterbrochen. Kaum war diese Krise einigermassen \u00fcberwunden, stellte die Eurokrise und die damit verbundene Frankenhausse die Exportindustrie neuerlich vor eine grosse Herausforderung. Mit der Einf\u00fchrung der Untergrenze f\u00fcr den Franken-Euro-Kurs durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich die Situation immerhin leicht entspannt. Die Schweizer Unternehmen konnten sich seit September 2011 darauf verlassen, dass sich der Franken nicht noch weiter aufwerten w\u00fcrde. Dies sch\u00fctzt die Unternehmen vor einer weiteren Margenerosion und erh\u00f6ht die Planungssicherheit. Mit durchschnittlich ca. 1,23 Franken\/Euro (September-Dezember) bewegt sich der Wechselkurs seither aber noch immer auf einem sehr hohen Niveau. Es mag erstaunen, dass die Gesamtexporte trotz dieser ung\u00fcnstigen Entwicklungen bereits Mitte 2011 ihren H\u00f6chststand von 2007 praktisch wieder erreicht hatten. Seither geriet das Wachstum deutlich ins Stocken (siehe <i>Grafik 1<\/i>).<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Steht das Schlimmste erst noch bevor?<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ein dramatischer Einbruch, welcher angesichts der Aufwertung von bis zu 30% gegen\u00fcber den wichtigsten W\u00e4hrungen zu bef\u00fcrchten war, ist bis Ende 2011 nicht erfolgt. Wechselkurs\u00e4nderungen entfalten aber ihre volle Wirkung auf die Exporte erst mit einiger Verz\u00f6gerung, da Vertr\u00e4ge oft l\u00e4ngerfristig ausgelegt sind. Es stellt sich daher die Frage, ob ein starker Einbruch der Exporte aufgrund des Frankenhochs noch immer bef\u00fcrchtet werden muss, und wenn ja, welche Branchen am meisten betroffen w\u00e4ren. W\u00e4hrend einige Unternehmen durch die Entwicklung am Devisenmarkt in ihrer Existenz bedroht sind (z.B. in der MEM-Industrie), scheint das Frankenhoch an anderen Exporteuren spurlos vorbeizugehen (z.B. Uhrenindustrie). Es ist somit aufschlussreich, die verschiedenen Exportbranchen bzw. Kategorien der G\u00fcterexporte separat zu analysieren. Dies wurde mit den Daten der Oberzolldirektion (durch das Seco preis- und saisonbereinigt) durchgef\u00fchrt.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Determinanten der Exportentwicklung<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Entwicklung der Exporte wird \u00fcblicherweise mithilfe zweier Faktoren modelliert: Zum einen h\u00e4ngen die Exporte vom <i>Gang der Weltwirtschaft<\/i> ab. Befindet sich diese in einer Hochkonjunktur, so steigt die weltweite G\u00fcternachfrage, wovon auch die Schweizer Exporte profitieren. Umgekehrt brachen die Schweizer Exporte z.B. im Krisenjahr 2008\/09 durch einen drastischen Fall der Weltnachfrage ein. Zum anderen wird die Nachfrage durch deren <i>Preise relativ zur ausl\u00e4ndischen Konkurrenz<\/i> beeinflusst. Sind die Schweizer Exporteure im Vergleich mit den ausl\u00e4ndischen Anbietern teuer, so leiden die Exporte tendenziell. Hierbei kommt auch der Wechselkurs ins Spiel, was an einem Beispiel veranschaulicht werden soll: Fragt eine deutsche Firma eine Maschine eines Schweizer Herstellers nach, so ist letztlich nicht der Preis in Franken, sondern der Preis in Euro massgebend, denn die Konkurrenzprodukte werden in der Regel in Euro angeboten. Wertet sich der Franken gegen\u00fcber dem Euro auf, so verteuert sich die Schweizer Maschine in Euro gerechnet, ohne dass sich an den Kosten oder der Marge des Schweizer Herstellers etwas ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Um eine solche Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit auszugleichen, kann der Schweizer Hersteller entweder versuchen, die Herstellungskosten zu senken, oder er kann auf einen Teil seiner Marge verzichten. In der kurzen Frist bleibt oftmals nur letztere M\u00f6glichkeit. So mussten in den letzten beiden Jahren viele Schweizer Unternehmen ihre Marge senken, um eine noch gr\u00f6ssere Erosion ihrer preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu verhindern. Mittels \u00f6konometrischer Methoden kann der Einfluss der Weltnachfrage vom Einfluss der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit getrennt und quantifiziert werden. Es l\u00e4sst sich also sch\u00e4tzen, wie stark die Exportindustrie von der Nachfrage getrieben wird und wie stark sie unter der gegenw\u00e4rtigen Erosion ihrer preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit leidet, wobei letzteres durch \u00c4nderungen der Exportpreise in Franken (Herstellungskosten, Marge), der Preise von Konkurrenten und des Wechselkurses hervorgerufen werden kann. Die vorliegende Analyse konzentriert sich somit auf die Effekte von exogenen \u00c4nderungen der beiden genannten Variablen. Dies darf jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass zumindest in der langen Frist weitere Faktoren die Schweizer Exporte beeinflussen. So sind beispielsweise eine gute Qualit\u00e4t der Produkte (Innovationskraft) oder bessere Rahmenbedingungen durch den Staat notwendige Voraussetzungen f\u00fcr eine florierende Exportwirtschaft.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Gesamte Warenexporte: Weltnachfrage wirkt rasch, Preise zeitverz\u00f6gert<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Betrachtet man die Exporte auf aggregierter Ebene, h\u00e4ngen diese gr\u00f6sstenteils von der Weltwirtschaftsentwicklung ab. Steigt die Weltnachfrage um 1%, so hat dies eine mehr als doppelt so starke, positive Wirkung auf die Schweizer Exporte.<\/span>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">In den letzten Jahrzehnten sind die weltweiten Exporte rund doppelt so stark gestiegen wie das Welt-BIP. Daher \u00fcberrascht auch die starke Abh\u00e4ngigkeit der Schweizer Exporte von der Weltnachfrage kaum. Es ist jedoch m\u00f6glich, dass sich dieser langfristige Zusammenhang in Zukunft \u00e4ndern kann. Die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Unternehmen \u2013 und damit der Wechselkurs \u2013 spielt kurzfristig eine klar untergeordnete Rolle. L\u00e4ngerfristig<\/span>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Im Rahmen eines Fehlerkorrekturmodells l\u00e4sst sich zwischen kurzfristiger Dynamik und langfristigen Effekten (Kointegrationsbeziehung) unterscheiden, sofern die Variablen bestimmte Bedingungen erf\u00fcllen (u.a. Integration, Kointegration). ist der Effekt hingegen deutlich h\u00f6her. Eine Verschlechterung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit um 1% bewirkt nach einigen Quartalen eine Senkung der Exporte von gegen 0,5%. Preisliche Effekte brauchen zu ihrer vollen Entfaltung also Zeit. Dies ist unter anderem damit zu erkl\u00e4ren, dass Firmen zum Teil an Liefervertr\u00e4ge gebunden sind und nicht von einem Tag auf den andern den Lieferanten wechseln k\u00f6nnen. Verharrt aber der Wechselkurs l\u00e4ngerfristig auf einem hohen Niveau und ist der Spielraum zur Senkung der Margen ausgesch\u00f6pft, so verlieren Schweizer Firmen zunehmend Kunden an die Konkurrenz im Ausland. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass auch l\u00e4ngerfristig die Weltnachfrage dominiert, obwohl die Preiseffekte st\u00e4rker werden. Zus\u00e4tzliche Analysen deuten darauf hin, dass die Preiselastizit\u00e4t \u00fcber die letzten Jahre tendenziell gesunken ist (siehe <i>Grafik 2<\/i>).<\/span>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Ein Aufteilen des Datensatzes in zwei Zeitperioden und separate Sch\u00e4tzung erlaubt R\u00fcckschl\u00fcsse f\u00fcr unterschiedliche Nachfrage- und Preissensitivit\u00e4ten. Elaboriertere Methoden sch\u00e4tzen die Koeffizienten dynamisch (Time Varying Coefficient Model). Letztere Methodik deutet auf eine seit einigen Jahren leicht sinkende Preiselastizit\u00e4t der Gesamtexporte hin. Dieser Befund deckt sich mit der Tatsache, dass weniger preissensitive Branchen wie die Pharma- oder Luxusuhrenexporte in den letzten Jahrzehnten massiv an Gewicht in den Gesamtexporten gewonnen haben (siehe <i>Grafik 1<\/i>). F\u00fcr die gesamten Warenexporte wurde eine \u00e4hnliche Analyse in dieser Zeitschrift bereits pr\u00e4sentiert.<\/span>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Vgl. Doytchinov S., Schmidbauer F.: Schweizer Warenexporte im Hoch \u2013 eine Ursachenanalyse, in: Die Volkswirtschaft, 7\/8-2007, S. 38 ff.; siehe auch Konjunkturtendenzen Fr\u00fchjahr 2010. Zus\u00e4tzlich wurden nun die verschiedenen Kategorien der Warenexporte derselben Analyse unterzogen.<\/span>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Rubriken Landwirtschaft, Edelmetalle sowie Steine\/Erden wurden aufgrund zu starker staatlicher Regulierung oder mangelhafter Datenbasis nicht analysiert.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Betr\u00e4chtliche Branchenunterschiede<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">In Hinblick auf die Nachfrage- und Preiselastizit\u00e4ten zeigen sich erwartungsgem\u00e4ss Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren.<\/span>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Eine ausf\u00fchrliche Erl\u00e4uterung der Sch\u00e4tzmethode sowie der Resultate erscheint in der Fr\u00fchjahrsausgabe der Konjunkturtendenzen. Pauschalaussagen zur gesamten Exportindustrie m\u00fcssen aufgrund dieser Differenzen mit einiger Vorsicht formuliert werden, wenn es darum geht, Auswirkungen von Wechselkurs- oder Konjunkturschwankungen abzusch\u00e4tzen.Die Unterschiede zwischen den einzelnen Rubriken sind insbesondere im Falle der Auslandnachfrage relativ ausgepr\u00e4gt. Einige Exportrubriken \u2013 wie z.B. die Chemieexporte \u2013 scheinen deutlich st\u00e4rker von einer steigenden ausl\u00e4ndischen Nachfrage zu profitieren als beispielsweise die Exporte von Textilien oder Papierprodukten. Im Falle der Preissensitivit\u00e4t sind die Exportrubriken homogener; aber auch hier sind Unterschiede erkennbar. So weisen beispielsweise die Chemieerzeugnisse in den letzten Jahren eine deutlich geringere Preiselastizit\u00e4t auf als die Papierexporte. Zudem ergeben sich Unterschiede bez\u00fcglich kurz- und langfristiger Effekte, wie zum Beispiel in der MEM-Industrie. Deren Exporte reagieren in der kurzen Frist nicht sehr preissensibel. Langfristig hingegen weisen diese Rubriken eher eine \u00fcberdurchschnittlich hohe Preissensitivit\u00e4t auf.Zusammenfassend k\u00f6nnen die verschiedenen Exportrubriken in drei Gruppen eingeteilt werden.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Gruppe 1: Dominierende Nachfrageeffekte<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Rubriken Chemie, Leder\/Kautschuk\/Kunststoffe, Fahrzeuge, Energietr\u00e4ger (inkl. Strom) und Uhren\/Pr\u00e4zisionsinstrumente\/Bijouterie reagieren besonders stark auf \u00c4nderungen in der Weltnachfrage. Mit Ausnahme der letztgenannten Rubrik ist auch die Preissensibilit\u00e4t relativ stark ausgepr\u00e4gt; sie wird aber von den Nachfrageeffekten deutlich \u00fcberlagert. Diese Branchen waren es denn auch, welche sich trotz der ung\u00fcnstigen Entwicklung des Wechselkurses nach 2009 sehr gut behaupten konnten (siehe <i>Grafik 3<\/i>). Dank dem weltweiten Wiederaufschwung seit 2009 haben deren Exporte ihren H\u00f6chststand von 2007 beinahe wieder erreicht (Leder\/Kautschuk\/Kunststoffe) oder bereits \u00fcberschritten (Chemie, Pr\u00e4zisionsinstrumente\/Uhren\/Bijouterie, Energie). Im Falle der Fahrzeuge ist die Interpretation etwas schwieriger, da diese Rubrik eine ausgesprochen hohe Volatilit\u00e4t aufweist.Die positive Entwicklung darf aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass die Exporte einiger der genannten Branchen durchaus preissensitiv reagieren. Bei den beiden gr\u00f6ssten Rubriken dieser Gruppe \u2013 Chemische Produkte sowie Uhren\/Pr\u00e4zision\/Bijouterie \u2013 scheint die Preissensitivit\u00e4t in den letzten Jahren allerdings deutlich abgenommen zu haben. Neben der positiven Entwicklung der Weltnachfrage nach 2009 d\u00fcrften diese Exportrubriken also zus\u00e4tzlich stark von einer geringen Preis- und Wechselkurssensibilit\u00e4t profitiert haben. Dies k\u00f6nnte in der erstgenannten Rubrik auf das starke Wachstum der Pharmabranche zur\u00fcckzuf\u00fchren sein, welche vermutlich einem geringeren Preiswettbewerb unterliegt (Patentschutz, preisinelastische Nachfrage, stark regulierte Gesundheitssysteme) als die \u00fcbrigen Chemieexporte.Im Falle der Uhren\/Pr\u00e4zisionsinstrumente\/Bijouterie l\u00e4sst sich der R\u00fcckgang der Preissensitivit\u00e4t mit der j\u00fcngsten Expansion der Luxusg\u00fcterexporte insbesondere im asiatischen Raum begr\u00fcnden (siehe <i>Grafik 3<\/i>). So reagieren beispielsweise die Verk\u00e4ufe von Luxusuhren deutlich weniger preissensitiv als jene von gew\u00f6hnlichen G\u00fctern. Grund f\u00fcr die trotzdem eher hohe Preiselastizit\u00e4t d\u00fcrfte der hohe Anteil an Pr\u00e4zisionsinstrumenten von \u00fcber 40% in dieser Rubrik sein. Diese dienen oft als Investitionsg\u00fcter und sind langfristig relativ preiselastisch.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Gruppe 2: Unsichere Nachfrageeffekte, langfristig hohe Preissensibilit\u00e4t<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Auch die Exportrubriken Metalle und Maschinen\/Apparate\/Elektronik konnten in den letzten beiden Jahren stark vom Anstieg der ausl\u00e4ndischen Nachfrage profitieren (siehe <i>Grafik 3<\/i>). Allerdings zeigt die l\u00e4ngerfristige Betrachtung, dass der Nachfrageeffekt nach einigen Quartalen geringer wird. Grund daf\u00fcr k\u00f6nnte sein, dass beide Rubriken zu einem grossen Teil von den Investitionen im Ausland abh\u00e4ngen, welche in der Regel deutlich volatiler als die BIP-Entwicklung sind. Erholt sich die Weltwirtschaft, so ergibt sich bei vielen Firmen ein grosser Investitionsbedarf. In dieser Phase des Konjunkturzyklus spielt der Preis einer Maschine eine etwas weniger wichtige Rolle. Was z\u00e4hlt, ist der Nachfrage gerecht zu werden. L\u00e4sst das Wirtschaftswachstum nach, so sind viele Kapazit\u00e4ten unterausgelastet, und der Bedarf an Investitionsg\u00fctern sinkt rapide. Aufgrund dieses zyklischen Verhaltens wachsen die Exportrubriken Metalle und Maschinen\/Apparate\/Elektronik kurzfristig rund viermal schneller als die Weltnachfrage. Langfristig entwickeln sich diese hingegen ungef\u00e4hr im Gleichschritt mit der Weltwirtschaft.Preissensitiv sind diese beiden Rubriken aber in der langen Frist (Preiselastizit\u00e4t nahe bei 1), was auf l\u00e4ngerfristig ausgerichtete Vertr\u00e4ge hindeutet (Preisbindungen). Angesichts dieser Ergebnisse verwundert es nicht, dass sich viele Exportunternehmen dieser Branchen vermehrt schwierigen Bedingungen ausgesetzt sehen.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Gruppe 3: Relativ geringe Nachfrage- und relativ hohe Preissensibilit\u00e4t<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Schliesslich lassen sich drei Exportrubriken identifizieren welche sich derzeit in einer besonders unkomfortablen Lage befinden: Papier\/Papierwaren\/grafische Erzeugnisse, Textilien\/Bekleidung\/Schuhe sowie Wohnungseinrichtungen\/Spielzeuge. Diese Sektoren sind einem relativ starken, internationalen Preiswettbewerb ausgesetzt und haben es scheinbar schwer, gegen die ausl\u00e4ndischen Konkurrenten zu bestehen. Von der Weltnachfrage konnten diese Sektoren in den letzten beiden Jahren am wenigsten profitieren. Die j\u00fcngste Aufwertung des Schweizer Frankens sowie allf\u00e4llige Preissenkungen im Ausland d\u00fcrften sich hier vergleichsweise stark ausgewirkt haben. Entsprechend konnten sich diese Exportrubriken vom Einbruch 2008\/09 bis heute kaum erholen oder liegen \u2013 wie im Fall der Rubrik Papier\/Papierwaren\/grafische Erzeugnisse \u2013 sogar deutlich unter dem Niveau von 2009 (siehe <i>Grafik 4<\/i>).<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Vorteilhafter Produktemix der Gesamtexporte<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Exportkategorien der ersten Gruppe (Chemie, Leder\/Kautschuk\/Kunststoffe, Fahrzeuge, Energietr\u00e4ger und Uhren\/Pr\u00e4zisionsinstrumente\/Bijouterie) sind im Aggregat mit Abstand am bedeutendsten. Angesichts dieser Tatsache \u00fcberrascht es nicht, dass f\u00fcr die gesamten Warenexporte der Schweiz der Effekt der Auslandnachfrage klar dominiert. Untergeordnet sind aber auch auf aggregierter Ebene von der Preisvariable bzw. dem starken Franken sp\u00fcrbare Effekte zu erwarten. Wie stark diese im Aggregat sind, h\u00e4ngt jeweils davon ab, inwiefern ung\u00fcnstige Wechselkurseffekte durch Preissenkungen kompensiert werden k\u00f6nnen.<\/span>&#13;<\/p>\n<h2><span style=\"color: #000000;\">Fazit<\/span><\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Sowohl f\u00fcr die Entwicklung der Gesamtexporte wie f\u00fcr den Grossteil der Einzelrubriken spielt die Weltnachfrage die entscheidende Rolle. Jedoch k\u00f6nnen f\u00fcr fast alle Branchen signifikante Effekte der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit \u2013 und damit des Wechselkurses \u2013 nachgewiesen werden. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen sind teilweise betr\u00e4chtlich, was die unterschiedliche Entwicklung der Exportrubriken der letzten Jahre zu einem grossen Teil erkl\u00e4rt. Dass es aufgrund der sehr ung\u00fcnstigen Entwicklung des Wechselkurses bisher nicht zu einem deutlichen Einbruch der gesamten Warenexporte gekommen ist, l\u00e4sst sich auf drei Tatsachen zur\u00fcckf\u00fchren: \u2212 Erstens wurden in einigen Branchen die negativen Effekte des Wechselkurses durch die starke Entwicklung der Auslandnachfrage mehr als wettgemacht. \u2212 Zweitens ist die Preiselastizit\u00e4t in einigen f\u00fcr die Schweiz wichtigen Branchen (Pharma, Uhren) relativ gering oder weist einen Abw\u00e4rtstrend auf. \u2212 Drittens haben die meisten Unternehmen einen gewissen Preissetzungsspielraum, mit dem sie einem starken Wechselkurs entgegenwirken k\u00f6nnen. So hat sich die relative Wettbewerbsf\u00e4higkeit beispielsweise in den Sektoren Metalle oder Leder\/Kautschuk\/Kunststoffe in den letzten Jahren vergleichsweise wenig verschlechtert.Einschr\u00e4nkend bleibt zu erw\u00e4hnen, dass die vorliegende Analyse eine vergangenheitsbezogene Betrachtung ist. Somit ist nicht auszuschliessen, dass sich die Zusammenh\u00e4nge \u2013 und damit die gesch\u00e4tzten Elastizit\u00e4ten \u2013 mittel- bis langfristig wieder \u00e4ndern werden. F\u00fcr die kommenden Quartale sind allerdings bei einigen Exportrubriken weiterhin belastende Effekte der harten W\u00e4hrung zu erwarten. Eine viel wichtigere Rolle spielt jedoch die wirtschaftliche Entwicklung in den Exportdestinationen. Bleiben die Konjunkturaussichten \u2013 insbesondere in Europa \u2013 eher d\u00fcster, d\u00fcrfte auch bei den meisten Exportrubriken mit nur m\u00e4ssigem Wachstum zu rechnen sein.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Grafik 1: \u00abEntwicklung der schweizerischen Warrenexporte, 1989\u20132011\u00bb<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Grafik 2: \u00abPreiselastizit\u00e4t der Schweizer Warenexporte, 2000\u20132011\u00bb<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Grafik 3: \u00abAusgew\u00e4hlte Exportrubriken, 2007\u20132011\u00bb<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Grafik 4: \u00abAusgew\u00e4hlte Exportrubriken, 2007\u20132011\u00bb<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Tabelle 1: \u00abAnteile der einzelnen Rubriken an den gesamten Warenexporten (nominal), 2010\u00bb<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Tabelle 2: \u00abWeltnachfrage und Preiselastizit\u00e4t \u2013 Exportbranchen in der \u00dcbersichtPreiselastizit\u00e4ta\u00bb<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Kasten 1: Erkl\u00e4rungen zu den verwendeten Variablen<\/span>&#13;<\/p>\n<h3><span style=\"color: #000000;\">Erkl\u00e4rungen zu den verwendeten Variablen<\/span><\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die Weltnachfrage<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die wichtigste Determinante der Nachfrage nach Schweizer Exporten ist die Einkommensentwicklung in der \u00fcbrigen Welt. Diese l\u00e4sst sich mit der BIP-Entwicklung relativ zuverl\u00e4ssig messen. Der Indikator f\u00fcr die Weltnachfrage ist daher ein Mittelwert der BIP-Wachstumsraten der wichtigsten Handelspartner der Schweiz, jeweils anhand der Exportanteile gewichtet. Die Gewichte \u00e4ndern sich dabei \u00fcber die Zeit, je nach Anteil an den Schweizer Exporten der einzelnen L\u00e4nder. Ber\u00fccksichtigt wurden: Deutschland (19,3%), USA (10%), Italien (9%), Frankreich (7,8%), Ver. K\u00f6nigreich (4,9%), Spanien (3,5%), China (3,4%), \u00d6sterreich (3,3%), Japan (3,0%), Hongkong (2,5%), Indien (1,4%), Singapur (1,3%), Kanada (1,3%), Brasilien (1,3%), Australien (1,1%), Russland (1%) und Schweden (0,9%). Die ber\u00fccksichtigten L\u00e4nder repr\u00e4sentieren insgesamt rund 75% der schweizerischen Exporte. Die Angaben in Klammern beziehen sich jeweils auf das Jahr 2010.<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/span>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<span style=\"color: #000000;\">Als zweite wesentliche Gr\u00f6sse beeinflusst die preisliche Wettbewerbsf\u00e4higkeit den Export. Im Gegensatz zur Weltnachfrage ist die Messung der preislichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit schwieriger, da diese neben der Entwicklung des nominellen Wechselkurses auch von der Preispolitik der Schweizer Unternehmen sowie deren Konkurrenten abh\u00e4ngt, was eine Vielzahl von Informationen voraussetzt. Generell gilt, dass eine nominale Aufwertung der Landesw\u00e4hrung sowie eine im Vergleich zum Ausland h\u00f6here Preis- und Kostendynamik im Inland der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Exportindustrie schadet. Oftmals wird daher als Preisvariable der reale Aussenwert des Schweizer Frankens (nomineller Wechselkurs, deflationiert mit dem Inflationsdifferential der Konsumentenpreise) gegen\u00fcber den wichtigsten Handelspartnern der Schweiz verwendet. Dieser Berechnungsmethode unterliegt die Annahme, dass sich die Kosten der Exportg\u00fcter ungef\u00e4hr im Gleichschritt mit der generellen Teuerung entwickeln. Ist diese Art Deflationierung f\u00fcr die Gesamtexporte noch relativ gut, so ergeben sich aber Schwierigkeiten bei einer Sektoranalyse. Denn in einigen Branchen d\u00fcrfte sich die Preisentwicklung von der generellen Preisentwicklung (Konsumenten- und Produzentenpreise) deutlich unterscheiden. Aus diesem Grund wurden in der vorliegenden Analyse die Preisvariablen branchenspezifisch berechnet. Verwendet wurden dabei Export- sowie Produzentenpreise. Diese wurden \u00e4hnlich wie im Falle der Weltnachfrage mittels den Exportanteilen einzelner L\u00e4nder gewichtet.<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits der weltweite Konjunktureinbruch von 2008\/09 hatte die Exportwirtschaft stark betroffen. Mit der Frankenst\u00e4rke nur zwei Jahre sp\u00e4ter folgte binnen kurzer Zeit ein weiterer R\u00fcckschlag. Erschwerend kommt hinzu, dass die Frankenst\u00e4rke gegenw\u00e4rtig mit einem erneuten Abflauen der Weltkonjunktur zusammenf\u00e4llt. Bis Ende 2011 ist ein dramatischer Einbruch der Exporte noch ausgeblieben. 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