{"id":120139,"date":"2011-12-01T12:00:00","date_gmt":"2011-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/12\/cattaneo-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:19","slug":"cattaneo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/12\/cattaneo\/","title":{"rendered":"Der individuelle Ertrag einer h\u00f6heren Berufsbildung"},"content":{"rendered":"<p>Die Finanzierung der h\u00f6heren Berufsbildung, der sogenannten Terti\u00e4r B-Ausbildungen, weicht teilweise erheblich von der Finanzierung der Hochschulen im Terti\u00e4r A-Bereich ab. Politisch werden deshalb immer wieder Stimmen laut, dass sich insbesondere die staatlichen Subventionen der h\u00f6heren Berufsbildung an jene im Hochschulbereich angleichen sollten. Bildungspolitisch ist bei dieser Frage mitentscheidend, ob sich die h\u00f6heren privaten Kosten bei den Ausbildungen in der h\u00f6heren Berufsbildung negativ auf die privaten Renditen einer solchen Ausbildung niederschlagen und somit die Nachfrage d\u00e4mpfen. Deshalb werden in diesem Artikel neueste Berechnungen der individuellen Bildungsrenditen, die aus der h\u00f6heren Berufsbildung resultieren, pr\u00e4sentiert und interpretiert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201112_21_Cattaneo_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"243\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Wichtiger Pfeiler terti\u00e4rer Abschl\u00fcsse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den universit\u00e4ren Hochschulen, den Fachhochschulen und den p\u00e4dagogischen Hochschulen spielt die h\u00f6here Berufsbildung in der Schweiz eine wichtige Rolle und erf\u00e4hrt eine breite politische Unterst\u00fctzung.&#13;<br \/>\nVgl Busemeyer et al. (2011). Einerseits bietet sie eine Alternative, um sich auf terti\u00e4rer Bildungsstufe zu qualifizieren. Das zeigt sich daran, dass \u2013 gemessen am h\u00f6chsten Bildungsstand der im erwerbsf\u00e4higen Alter stehenden Bev\u00f6lkerung \u2013 fast ein Drittel der terti\u00e4ren Abschl\u00fcsse auf die h\u00f6here Berufsbildung entf\u00e4llt.&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss Schweizerischer Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake), 2010. Andererseits ist sie eine M\u00f6glichkeit, um sich auch nach einem Hochschulabschluss in einem bestimmten Beruf weiter zu qualifizieren. 2010 wurden denn auch fast gleich viele Abschl\u00fcsse in der h\u00f6heren Berufsbildung erzielt wie Erstabschl\u00fcsse (Diplome, Lizenziate und Bachelor) an den Hochschulen (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Der Vergleich zwischen der Anzahl vergebener Diplome und der Statistik \u00fcber den h\u00f6chsten Bildungsstand der Bev\u00f6lkerung zeigt aber auch, dass ein recht grosser Teil der Abschl\u00fcsse in der h\u00f6heren Berufsbildung an Personen geht, die schon einen Abschluss auf terti\u00e4rer Stufe haben. Zudem sind Mehrfachabschl\u00fcsse in der h\u00f6heren Berufsbildung keine Seltenheit.&#13;<\/p>\n<h2>Grosse System- und Bildungsvielfalt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie h\u00f6here Berufsbildung besteht \u2013 kurz ausgedr\u00fcckt \u2013 aus <i>zwei verschiedenen Systemen<\/i> von Ausbildungsmodellen.&#13;<br \/>\nVgl. auch SKBF (2010). Im ersten Modell, dem <i>Studium an den h\u00f6heren Fachschulen (HF),<\/i> werden in einem zweij\u00e4hrigen Studium (Vollzeit) oder dreij\u00e4hrigen Studium (berufsbegleitend) vor allem Abschl\u00fcsse in den Bereichen Gesundheit (Krankenpflege), Technik, Wirtschaft sowie Tourismus und Gastgewerbe erworben. Diese Ausbildungen mit ihrem formalen Bildungsanteil entsprechen einem Studium an einer Hochschule \u2013 mit dem Unterschied, dass die Ausbildung st\u00e4rker praxisorientiert und mehrheitlich berufsbegleitend erfolgt, was sich auch in einem leicht h\u00f6heren Alter der Studierenden niederschl\u00e4gt. Das zweite Modell sind die <i>Berufs- und h\u00f6heren Fachpr\u00fcfungen,<\/i> nach deren Abschluss eidgen\u00f6ssische Fachausweise bzw. eidgen\u00f6ssische Diplome erworben werden. Es zeichnet sich dadurch aus, dass zur Vorbereitung der Pr\u00fcfungen von den Studierenden zwar h\u00e4ufig sogenannte Vorkurse besucht werden, diese oder andere formale Ausbildungsg\u00e4nge aber keine Vorbedingung f\u00fcr die Teilnahme an den entsprechenden Pr\u00fcfungen sind. Jemand kann sich also auch autodidaktisch auf eine solche Pr\u00fcfung vorbereiten und so das Diplom erwerben. Bei den meisten dieser Pr\u00fcfungen wird eine mehrj\u00e4hrige Berufserfahrung vorausgesetzt, so dass in der Folge das Durchschnittsalter der Diplomierten noch h\u00f6her liegt als bei den Absolventinnen und Absolventen der h\u00f6heren Fachschulen. Neben der Systemvielfalt der Ausbildungsarten besteht auch eine sehr grosse Vielfalt an m\u00f6glichen Abschl\u00fcssen. Ausser den rund 240 verschiedenen Berufspr\u00fcfungen existieren etwa 160 verschiedene Diplomkategorien f\u00fcr Berufs- und h\u00f6here Fachpr\u00fcfungen, und es wurden \u00fcber 50 unterschiedliche Rahmenlehrpl\u00e4ne f\u00fcr h\u00f6here Fachschulen erstellt. Mit \u00fcber 450 verschiedenen Abschl\u00fcssen ist die Bildungsvielfalt auf der Ebene der h\u00f6heren Berufsbildung somit noch gr\u00f6sser als bei der beruflichen Grundbildung mit ihren rund 250 verschiedenen Lehrabschl\u00fcssen.&#13;<\/p>\n<h2>Staatliche und private Finanzierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie beiden beschriebenen Dimensionen von Bildungs- und Systemvielfalt haben auch ihre Konsequenzen auf die Finanzierung der h\u00f6heren Berufsbildung. Wie hoch der Anteil der Ausbildungskosten ist, den die sich ausbildende Person zu tragen hat, h\u00e4ngt erstens davon ab, ob sie oder er ein Studium an einer h\u00f6heren Fachschule macht, die zu rund 90% vom Staat (Kantone) finanziert werden,&#13;<br \/>\nVgl. Seiler et al. (2009). oder ob eine h\u00f6here Berufspr\u00fcfung absolviert wird, deren Vorkurse praktisch vollst\u00e4ndig privat finanziert sind. Die Finanzierung der Bildungsleistungen bei den Berufs- und h\u00f6heren Fachpr\u00fcfungen folgt dementsprechend eher der Logik der Weiterbildungsfinanzierung als jener der Hochschulfinanzierung.&#13;<br \/>\nFolgerichtig entspricht aber auch die Steuerungslogik in diesem Teil der h\u00f6heren Berufsbildung eher jener der Nachdiplompr\u00fcfungen an Universit\u00e4ten (z.B. Anwaltspr\u00fcfungen oder FMH) als jener der universit\u00e4ren Regelstudieng\u00e4nge (Bachelor und Master); d.h. die Berufsverb\u00e4nde regulieren die Inhalte und bestimmen bei den Pr\u00fcfungen, wer die Zulassung erh\u00e4lt und wer nicht. Zweitens h\u00e4ngt es bei den h\u00f6heren Fachschulen und teilweise auch bei den Vorkursen von tradierten Systemen davon ab, ob die Bildungskosten vom Kanton \u00fcbernommen werden oder nicht, und drittens, ob der Arbeitgeber sich an den Kosten beteiligt,&#13;<br \/>\nVgl. Sch\u00e4rrer et al. (2009). was bei den Pr\u00fcfungen in rund der H\u00e4lfte der F\u00e4lle geschieht. So existiert also heute eine sehr schwer \u00fcberblickbare Finanzierungsvielfalt, die dazu f\u00fchrt, dass einzelne Studierende in der h\u00f6heren Berufsbildung die gesamten Ausbildungskosten (Vollkostenstudiengeb\u00fchren) pers\u00f6nlich finanzieren m\u00fcssen, w\u00e4hrend andere Studierende praktisch alle Ausbildungskosten vom Staat und\/oder den Arbeitgebern finanziert erhalten.&#13;<\/p>\n<h2>Lohneffekte h\u00f6herer Berufsbildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBerechnet man den Lohnvorteil von Absolventinnen und Absolventen der h\u00f6heren Berufsbildung mittels einer sogenannten klassischen Mincer-Lohnregression, ergibt sich ein Lohnvorteil von 25% f\u00fcr den Besuch einer h\u00f6heren Fachschule und von 16% f\u00fcr eine Berufs- und h\u00f6here Fachpr\u00fcfung (immer relativ zu Personen mit einer beruflichen Grundbildung mit h\u00f6chstem Bildungsabschluss).&#13;<br \/>\nDie detaillierten Ergebnisse zu diesen Berechnungen finden sich in Cattaneo (2011). Ber\u00fccksichtigt man weiter, dass der Besuch einer h\u00f6heren Fachschule in der Regel zwei Jahre Vollzeitstudium bedeuten und man f\u00fcr eine Berufs- und h\u00f6here Fachpr\u00fcfung nicht von einer Bildungsdauer von mehr als drei Semestern (in Vollzeit\u00e4quivalenten) ausgehen muss, dann ist der Ertrag f\u00fcr beide Typen von Ausbildungen der h\u00f6heren Berufsbildung \u00e4hnlich hoch. Vergleicht man den Ertrag pro eingesetztes Bildungsjahr mit den Ertr\u00e4gen eines Fachhochschulstudiums oder eines Studiums an einer Universit\u00e4t, welche zwischen 8% und 9% bzw. 6% und 7% liegen,&#13;<br \/>\nVgl. SKBF (2010), S. 275. wird zudem deutlich, dass der Arbeitsmarkt Abschl\u00fcsse der h\u00f6heren Berufsbildung offenbar klar h\u00f6her monet\u00e4r bewertet als solche des Terti\u00e4r A-Systems. Berechnet man die Bildungsrendite sehr konservativ (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Verzerrungen wegen unterschiedlicher F\u00e4higkeiten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Problem bei der Berechnung von individuellen Bildungsrenditen besteht generell darin, dass man wissen m\u00f6chte, welchen Lohnvorteil eine bestimmte Person aus einer Ausbildung ziehen kann, dass empirisch aber nur Personen mit und ohne Ausbildung beobachtet werden k\u00f6nnen. Da es in der Regel die begabteren Personen sind, die sich l\u00e4nger ausbilden und solche Personen tendenziell auch ohne Bildung mehr verdienen w\u00fcrden, wird die Rendite aus Bildung bei einem simplen Vergleich zwischen sich bildenden und nicht bildenden Personen \u00fcbersch\u00e4tzt (Ability Bias oder F\u00e4higkeitsverzerrung). Nur ein Teil der berechneten Bildungsrendite stammt kausal aus der Bildung; ein anderer Teil ist die Folge der Selektion begabterer Personen in weiterf\u00fchrende Ausbildungen.Die Wissenschaft versucht seit Jahrzehnten, mit statistischen Methoden, Zwillingsstudien und nat\u00fcrlichen Experimenten den kausalen Anteil an Bildungsrenditen besser berechnen zu k\u00f6nnen. Verallgemeinerungen aus solchen Studien sind zwar schwierig. Es ist aber davon auszugehen, dass \u2013 je nach Bildungsform und Land \u2013 die H\u00e4lfte bis zwei Drittel der berechneten Bildungsrendite kausal auf die Ausbildung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.Bei den hier pr\u00e4sentierten Ergebnissen arbeiten wir mit drei verschiedenen Bildungsrenditen: \u2212 Im <i>ersten<\/i> Fall mit der klassischen Bildungsrendite, die aus dem simplen Vergleich der Lohnprofile von Personen mit und ohne h\u00f6here Berufsbildung berechnet werden k\u00f6nnen. Dieser Fall ist somit die Obergrenze der Rentabilit\u00e4t der h\u00f6heren Berufsbildung. \u2212 Im <i>zweiten<\/i> Fall machen wir eine einfache Korrektur der ersten Rendite, indem angenommen wird, dass nur zwei Drittel der ersten Rendite kausal auf den Abschluss einer h\u00f6heren Berufsbildung zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. \u2212 Der <i>dritte<\/i> Fall bedient sich der Panelstruktur der Erhebungen der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) und berechnet die Bildungsrendite f\u00fcr jene Personen, die w\u00e4hrend der f\u00fcnfj\u00e4hrigen individuellen Befragungsperiode eine h\u00f6here Berufsbildung abschlossen. Somit kann der individuelle Lohnverlauf (vor und nach der h\u00f6heren Berufsbildung) zur Berechnung verwendet und auf einen Vergleich mit anderen Personen verzichtet werden.aDie auf der Basis dieser Daten berechnete Bildungsrendite ist als untere Grenze zu sehen, da sie das Risiko aufweist, die kausale Bildungsrendite eher zu untersch\u00e4tzen. Der Grund hierf\u00fcr liegt darin, dass viele Arbeitnehmende eine finanzielle Unterst\u00fctzung ihres Studiums erhalten und sich die Arbeitgeber mit einem m\u00e4ssigen Lohnaufschlag nach der Ausbildung ihre Ausbildungsunterst\u00fctzung ganz oder teilweise r\u00fcckfinanzieren. Somit ist anzunehmen, dass der Lohnsprung nach Abschluss der Ausbildung den l\u00e4ngerfristigen Lohnvorteil aus der Ausbildung eher untersch\u00e4tzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Siehe dazu auch Schwerdt et al. (2011) in einer Anwendung auf die Weiterbildung.; Berechnungsmethode 3), dann resultiert aus einer Ausbildung an einer h\u00f6heren Fachschule eine Rendite von 7% und bei einer Berufs- oder h\u00f6heren Fachpr\u00fcfung eine solche von 3%. Diese Renditen sind mit den oben erw\u00e4hnten Renditen einer Hochschulbildung allerdings nicht vergleichbar. Sie lassen sich eher mit Renditen aus Weiterbildungsmassnahmen vergleichen, bei denen sich selbst finanzierte Kursteilnahmen mit rund 1,3% rentieren.&#13;<br \/>\nVgl. Schwerdt et al. (2011). Der Besuch einer h\u00f6heren Fachschule erg\u00e4be demnach einen Lohneffekt in der H\u00f6he von rund f\u00fcnf durchschnittlichen Weiterbildungsmassnahmen.&#13;<\/p>\n<h2>Rentabilit\u00e4t nach Szenarien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die individuelle Rentabilit\u00e4t einer h\u00f6heren Berufsbildung zu berechnen, muss auch in Betracht gezogen werden, dass dem beschriebenen Lohnvorteil auch individuelle Kosten gegen\u00fcberstehen, welche sich in direkten Bildungskosten (Studien- oder Kursgeb\u00fchren) und Lohnausf\u00e4llen (Opportunit\u00e4tskosten) ausdr\u00fccken.&#13;<br \/>\nZur Berechnung der Bildungsrendite wird das in Wolter und Weber (1999) beschriebene Bildungsrenditenmodell verwendet. Wie bereits beschrieben, pr\u00e4sentiert sich auf der Kostenseite die Situation f\u00fcr die einzelnen Studierenden sehr unterschiedlich, je nachdem, wo sie ihre Ausbildung machen (staatliche Finanzierung der Bildungskosten) und ob ihre Arbeitgeber den Lohnausfall w\u00e4hrend der Ausbildung decken. Eine Durchschnittsannahme f\u00fcr diese Kostenparameter w\u00fcrde aus diesem Grund keinen grossen Sinn machen. <i>Grafik 2<\/i> und <i>Grafik 3<\/i> zeigen deshalb die Bildungsrenditen f\u00fcr Szenarien, die mit unterschiedlichen Kostenannahmen und Lohneffekten berechnet wurden, f\u00fcr die h\u00f6heren Fachschulen und die Berufspr\u00fcfungen getrennt. Die Ergebnisse lassen sich so zusammenfassen, dass sich der Besuch einer h\u00f6heren Fachschule monet\u00e4r auch dann noch auszahlt, wenn man im schlechtesten aller F\u00e4lle von den tiefsten Lohneffekten ausgeht und gleichzeitig die Kombination mit den h\u00f6chsten Kosten (Vollkosten beim Studium und keine Unterst\u00fctzung seitens eines Arbeitgebers) annimmt. Bei den Berufs- und h\u00f6heren Fachpr\u00fcfungen resultieren nur dann negative Ertr\u00e4ge der Ausbildung, wenn einerseits die tiefsten Lohneffekte und andererseits die ung\u00fcnstigsten Finanzierungsmodalit\u00e4ten angenommen werden. Alle anderen Szenarien f\u00fchren auch hier zu teilweise recht ansehnlichen privaten Ertr\u00e4gen aus der Ausbildung.Nat\u00fcrlich sind im Einzelfall auch noch andere Kombinationen von Kosten und Ertr\u00e4gen denkbar. Nimmt man aber die Durchschnittsf\u00e4lle f\u00fcr die einzelnen Ausbildungstypen und das Szenario der mittleren Lohnertr\u00e4ge, dann kann man f\u00fcr Absolventinnen und Absolventen der h\u00f6heren Fachschulen von einer gesamten \u2013 d.h. f\u00fcr die ganze Ausbildung kumulierten \u2013 Bildungsrendite von 9% bis 13% ausgehen. Bei den Berufs- und h\u00f6heren Fachpr\u00fcfungen liegt sie bei 7% bis 9%.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie h\u00f6here Berufsbildung weist gesamthaft gesehen ein st\u00e4rkeres privates Engagement bei der Finanzierung auf als die \u00fcbrige, hochschulbasierte terti\u00e4re Ausbildung. F\u00fcr die Politik stellt sich die Frage, ob die h\u00f6here individuelle finanzielle Belastung in der h\u00f6heren Berufsbildung die Nachfrage nach solchen Abschl\u00fcssen und Ausbildungen negativ beeinflusst. Um diese Frage beantworten zu k\u00f6nnen, ist es wichtig zu wissen, ob sich solche Abschl\u00fcsse aus individueller Sicht auch dann noch lohnen, wenn die h\u00f6heren Bildungskosten individuell getragen werden m\u00fcssen. Die hier pr\u00e4sentierten empirischen Berechnungen lassen vermuten, dass sich eine h\u00f6here Berufsbildung heute auch im Umfeld h\u00f6herer privater Kosten f\u00fcr die Studierenden immer noch in positiven privaten Bildungsrenditen niederschlagen. Die anders gelagerten Finanzierungskonzepte der h\u00f6heren Berufsbildung f\u00fchren deshalb nicht zu erheblichen Beeintr\u00e4chtigungen der Nachfrage nach solchen Ausbildungen. Bei einem Umbau der Finanzierung der h\u00f6heren Berufsbildung stellt sich dringender die Frage, ob die Akteure der h\u00f6heren Berufsbildung bei einer Finanzierung \u00e4hnlich der Hochschulen auch bereit w\u00e4ren, die damit verbundenen staatlichen und institutionellen Steuerungsmodelle und deren Logik zu \u00fcbernehmen, oder ob der Erfolg der h\u00f6heren Berufsbildung nicht vor allem darauf beruht, dass sie einer eigenen Steuerungslogik folgen darf. Es k\u00f6nnte n\u00e4mlich durchaus sein, dass die im Vergleich zur Hochschulbildung hohen Lohnwirkungen der h\u00f6heren Berufsbildung ein Ergebnis dieser Steuerungslogik sind und diese gef\u00e4hrdet w\u00e4ren, wenn sich daran etwas \u00e4ndern w\u00fcrde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abTerti\u00e4r B- und A-Abschl\u00fcsse, 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abBildungsrenditen f\u00fcr h\u00f6here Fachschulen mit unterschiedlichen Lohn- und Kostenszenarien\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abBildungsrenditen f\u00fcr Berufs- und h\u00f6here Fachpr\u00fcfungen mit unterschiedlichen Lohn- und Kostenszenarien\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Verzerrungen wegen unterschiedlicher F\u00e4higkeiten&#13;<\/p>\n<h3>Verzerrungen wegen unterschiedlicher F\u00e4higkeiten<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Problem bei der Berechnung von individuellen Bildungsrenditen besteht generell darin, dass man wissen m\u00f6chte, welchen Lohnvorteil eine <i>bestimmte<\/i> Person aus einer Ausbildung ziehen kann, dass empirisch aber nur Personen mit und ohne Ausbildung beobachtet werden k\u00f6nnen. Da es in der Regel die begabteren Personen sind, die sich l\u00e4nger ausbilden und solche Personen tendenziell auch ohne Bildung mehr verdienen w\u00fcrden, wird die Rendite aus Bildung bei einem simplen Vergleich zwischen sich bildenden und nicht bildenden Personen \u00fcbersch\u00e4tzt <i>(Ability Bias<\/i> oder F\u00e4higkeitsverzerrung). Nur ein Teil der berechneten Bildungsrendite stammt kausal aus der Bildung; ein anderer Teil ist die Folge der Selektion begabterer Personen in weiterf\u00fchrende Ausbildungen.Die Wissenschaft versucht seit Jahrzehnten, mit statistischen Methoden, Zwillingsstudien und nat\u00fcrlichen Experimenten den kausalen Anteil an Bildungsrenditen besser berechnen zu k\u00f6nnen. Verallgemeinerungen aus solchen Studien sind zwar schwierig. Es ist aber davon auszugehen, dass \u2013 je nach Bildungsform und Land \u2013 die H\u00e4lfte bis zwei Drittel der berechneten Bildungsrendite kausal auf die Ausbildung zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.Bei den hier pr\u00e4sentierten Ergebnissen arbeiten wir mit drei verschiedenen Bildungsrenditen: \u2212 Im <i>ersten<\/i> Fall mit der klassischen Bildungsrendite, die aus dem simplen Vergleich der Lohnprofile von Personen mit und ohne h\u00f6here Berufsbildung berechnet werden k\u00f6nnen. Dieser Fall ist somit die Obergrenze der Rentabilit\u00e4t der h\u00f6heren Berufsbildung. \u2212 Im <i>zweiten<\/i> Fall machen wir eine einfache Korrektur der ersten Rendite, indem angenommen wird, dass nur zwei Drittel der ersten Rendite kausal auf den Abschluss einer h\u00f6heren Berufsbildung zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. \u2212 Der <i>dritte<\/i> Fall bedient sich der Panelstruktur der Erhebungen der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) und berechnet die Bildungsrendite f\u00fcr jene Personen, die w\u00e4hrend der f\u00fcnfj\u00e4hrigen individuellen Befragungsperiode eine h\u00f6here Berufsbildung abschlossen. Somit kann der individuelle Lohnverlauf (vor und nach der h\u00f6heren Berufsbildung) zur Berechnung verwendet und auf einen Vergleich mit anderen Personen verzichtet werden.aDie auf der Basis dieser Daten berechnete Bildungsrendite ist als untere Grenze zu sehen, da sie das Risiko aufweist, die kausale Bildungsrendite eher zu untersch\u00e4tzen. Der Grund hierf\u00fcr liegt darin, dass viele Arbeitnehmende eine finanzielle Unterst\u00fctzung ihres Studiums erhalten und sich die Arbeitgeber mit einem m\u00e4ssigen Lohnaufschlag nach der Ausbildung ihre Ausbildungsunterst\u00fctzung ganz oder teilweise r\u00fcckfinanzieren. Somit ist anzunehmen, dass der Lohnsprung nach Abschluss der Ausbildung den l\u00e4ngerfristigen Lohnvorteil aus der Ausbildung eher untersch\u00e4tzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Siehe dazu auch Schwerdt et al. (2011) in einer Anwendung auf die Weiterbildung.&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Busemeyer M. R., Cattaneo M. A. &amp; Wolter S. C. (2011): Individual Policy Preferences for Vocational versus Academic Education. Micro Level Evidence for the Case of Switzerland, Journal of European Social Policy, 21(3), S. 253\u2013273.\u2212 Cattaneo M. A. (2011): New Estimation of Returns to Higher Professional Education and Training, Empirical Research in Vocational Education and Training, 3(2), S. 71\u201384. \u2212 Sch\u00e4rrer M., Fritsch T. &amp; Dubach P. et al. (2009): Finanzfl\u00fcsse in der h\u00f6heren Berufsbildung \u2013 Eine Analyse aus der Sicht der Studierenden. Bern: B\u00fcro BASS.\u2212 Schwerdt G., Messer D., W\u00f6ssmann L. &amp; Wolter S. C. (2011): Effects of Adult Education Vouchers on the Labor Market: Evidence from a Randomized Field Experiment. IZA DP Nr. 5431.\u2212 Seiler P., Muggli M. &amp; Sommer P. (2009): Analyse der Finanzfl\u00fcsse in der h\u00f6heren Berufsbildung. Bern: Price Waterhouse Coopers. \u2212 SKBF (2010): Bildungsbericht Schweiz 2010, Aarau: Schweizerische Koordinationsstelle f\u00fcr Bildungsforschung. \u2212 Wolter S. C. &amp; Weber B. A. (1999). On the Measurement of Private Rates of Return to Education. In: Jahrb\u00fccher f\u00fcr National\u00f6konomie und Statistik, 218\/5+6, S. 605\u2013618.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzierung der h\u00f6heren Berufsbildung, der sogenannten Terti\u00e4r B-Ausbildungen, weicht teilweise erheblich von der Finanzierung der Hochschulen im Terti\u00e4r A-Bereich ab. Politisch werden deshalb immer wieder Stimmen laut, dass sich insbesondere die staatlichen Subventionen der h\u00f6heren Berufsbildung an jene im Hochschulbereich angleichen sollten. 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