{"id":120149,"date":"2011-12-01T12:00:00","date_gmt":"2011-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/12\/eymann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:38","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:38","slug":"eymann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/12\/eymann\/","title":{"rendered":"Flexible Arbeitsm\u00e4rkte und Berufsbildung"},"content":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich hat die Schweiz an den Berufsweltmeisterschaften erneut den vordersten Rang unter den europ\u00e4ischen Staaten errungen. Doch bereitet die berufliche Grundbildung in der Schweiz auch den Durchschnitt der Lernenden gut auf einen Arbeitsmarkt vor, der Flexibilit\u00e4t und Mobilit\u00e4t verlangt? Forschungsresultate belegen, dass beim \u00dcbergang in den Arbeitsmarkt nach der Lehre nur wenige Berufswechsel stattfinden und zun\u00e4chst im erlernten Beruf Erfahrung gesammelt wird. Im weiteren Verlauf der Berufskarriere finden sich keine Hinweise auf eine geringere Mobilit\u00e4t von Personen mit Berufsbildungsabschluss auf dem Arbeitsmarkt.&#13;<br \/>\nDie in diesem Artikel dargestellten Studien wurden finanziell unterst\u00fctzt vom Bundesamt f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) \u00fcber das \u00abLeading House f\u00fcr Bildungs\u00f6konomie: Betriebliche Entscheidungen und Bildungspolitik\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Elite des schweizerischen Berufsnachwuchses hat an der \u00abWorldskills 2011\u00bb in London sechs goldene und elf weitere Medaillen erzielt und wurde damit im weltweiten Vergleich nur noch von Korea und Japan \u00fcbertroffen. Was die Leistungsf\u00e4higkeit und Zukunft des dualen Berufsbildungssystems f\u00fcr die ganze Breite der Lernenden angeht, sind die Urteile jedoch national wie international uneinheitlich.&#13;<\/p>\n<h2>Spezialisierung in der Berufsbildung: Schw\u00e4che \u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine regelm\u00e4ssig ge\u00e4usserte Bef\u00fcrchtung ist, dass Berufslehren ein B\u00fcndel an relativ engen und spezifischen Fachkompetenzen vermitteln. Das w\u00e4re f\u00fcr die Berufslernenden in zweifacher Hinsicht nachteilig: Im Zuge des Strukturwandels nimmt der Anteil der Dienstleistungsberufe an der Besch\u00e4ftigung laufend zu. Bei den Lehrberufen sind die gewerblich-industriellen Berufe \u00fcberproportional vertreten, obwohl auch dort die Zahl der Lehrstellen in den Dienstleistungsberufen steigt. Lernende m\u00fcssen daher m\u00f6glicherweise bereits am Ende der Lehre den Beruf wechseln und k\u00f6nnen ihre soeben erlernten Kompetenzen nur noch teilweise einsetzen. Zus\u00e4tzlich f\u00fchren der rasche Strukturwandel und der technologische Fortschritt dazu, dass auf dem Arbeitsmarkt eine erh\u00f6hte Flexibilit\u00e4t \u00fcber die ganze Berufslaufbahn gefragt ist. Falls Personen mit allgemein bildenden Abschl\u00fcssen mehr Schl\u00fcsselkompetenzen erworben haben, w\u00e4ren sie mittel- und langfristig flexibler als Absolventinnen und Absolventen von Berufsausbildungen.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026 oder St\u00e4rke?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiesen Bef\u00fcrchtungen lassen sich zwei \u00dcberlegungen entgegenhalten: Erstens ist es dank der beruflichen Spezialisierung in der Berufsbildung m\u00f6glich, die Arbeitsmarktf\u00e4higkeit der Jugendlichen gezielt zu entwickeln. Auf diese Weise stehen nicht nur der Wirtschaft gut ausgebildete Fachkr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung; die ausgebildeten Personen profitieren auch pers\u00f6nlich von guten Stellenaussichten und entsprechenden L\u00f6hnen im Vergleich zu Personen, die nach allgemein bildenden Abschl\u00fcssen ihre Arbeitsmarktf\u00e4higkeit oft noch weiterentwickeln m\u00fcssen. Zweitens sind berufliche Kompetenzen nicht automatisch rascher \u00fcberholt als jene, die in allgemein bildenden Ausbildungen erworben werden. In der Berufsbildung bietet das Lernen in konkreten Arbeitssituationen eine ideale Gelegenheit, Fach-, Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenzen im betrieblichen Ernstfall zu erwerben, unterst\u00fctzt durch den Unterricht in der Berufsfachschule und in \u00fcberbetrieblichen Kursen. Aus p\u00e4dagogischer Sicht ist diese Art des Lernens optimal, um nachhaltige und flexibel einsetzbare Kompetenzen zu entwickeln. M\u00f6glicherweise ist das berufliche Lernen, welches betriebliche und schulische Lernorte verbindet, diesbez\u00fcglich sogar erfolgreicher als Lernen, das ausschliesslich im Klassenzimmer oder Vorlesungssaal stattfindet.&#13;<\/p>\n<h2>Humankapital und Flexibilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Grundlage f\u00fcr die Analyse der Arbeitsmarktmobilit\u00e4t bietet die Humankapitaltheorie, welche betriebsspezifisches von generellem Humankapital unterscheidet. W\u00e4hrend generelles Humankapital in allen Betrieben einsetzbar ist, kann betriebsspezifisches Humankapital nur im Ausbildungsbetrieb eingesetzt werden. Das betriebsspezifische Humankapital kann Wissen um den Gebrauch spezialisierter Maschinen betreffen oder um Abl\u00e4ufe im Betrieb, oder detaillierte Kenntnisse \u00fcber Kundenbed\u00fcrfnisse und \u00e4hnliches mit einschliessen. In analoger Weise umfasst das berufsspezifische Humankapital jene F\u00e4higkeiten und Kenntnisse, die nur im erlernten Beruf zur Geltung kommen.Wendet man die Humankapitaltheorie auf die Mobilit\u00e4t von Personen mit Berufsbildungsabschluss an, stellen sich folgende Fragen: Erfahren Lehrabsolventinnen und -absolventen, die eine Stelle in einem anderen Betrieb antreten, Lohnnachteile gegen\u00fcber jenen, die im Lehrbetrieb verbleiben? Dies w\u00e4re gem\u00e4ss Theorie der Fall, wenn sie viel betriebsspezifisches Humankapital erworben haben, das in einem anderen Betrieb nicht mehr nutzbar ist und demzufolge nicht entl\u00f6hnt wird. Ebenso stellt sich die Frage, ob Berufswechsel nach der Lehre mit Lohnnachteilen verbunden sind, was ein Hinweis auf berufsspezifisches Humankapital w\u00e4re, das w\u00e4hrend der Lehre erworben wurde. Bei Verlassen des erlernten Berufs k\u00f6nnte dieses nicht mehr produktiv eingesetzt werden. Dies w\u00e4re ein Mobilit\u00e4tshindernis, da ein Berufswechsel angesichts der Lohneinbusse wenig attraktiv w\u00e4re.Im ersten Teil des Artikels gehen wir den Mobilit\u00e4tsaspekten direkt nach Lehrabschluss nach. Im zweiten Teil des Artikels besch\u00e4ftigen wir uns mit der Frage, ob das mittel- und langfristige Mobilit\u00e4tsverhalten von Personen mit Berufsbildungsabschluss gegen\u00fcber jenem von Personen mit anderen Bildungsabschl\u00fcssen eingeschr\u00e4nkt ist, was ein Anzeichen f\u00fcr mangelnde Flexibilit\u00e4t w\u00e4re.&#13;<\/p>\n<h2>Der \u00dcbergang Lehre-Arbeitsmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf der Grundlage der Tree-Daten&#13;<br \/>\nVgl. Tree (2008). Projekt-Dokumentation 2000\u20132008. Bern\/Basel. Tree = Transition von der Erstausbildung ins Erwerbsleben. l\u00e4sst sich der \u00dcbergang von Lehrabsolventinnen und -absolventen in den Arbeitsmarkt untersuchen. Die Jugendlichen, die in der Pisa-2000-Stichprobe der OECD befragt worden waren, wurden in der Tree-Erhebung jedes Jahr erneut befragt, unter anderem nach ihrer Bildungslaufbahn. <i>Tabelle 1<\/i> zeigt, in welcher Situation sich die Jugendlichen, die eine berufliche Grundbildung abgeschlossen haben, ein Jahr nach Lehrabschluss befanden.&#13;<br \/>\nF\u00fcr Details zur verwendeten Stichprobe der Tree-Wellen 2001 bis 2005, siehe M\u00fcller &amp; Schweri (2009). Berufswechsel sind definiert auf der Zweisteller-Ebene der Schweiz. Berufsnomenklatur 2000.Es zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen Jugendlichen mit dualer Lehre und solchen von vollschulischen Berufsbildungen: Die Abg\u00e4ngerinnen und Abg\u00e4nger einer dualen Lehre sind h\u00e4ufiger erwerbst\u00e4tig, seltener in einer weiteren Ausbildung und etwas seltener arbeitslos. Rund die H\u00e4lfte der Erwerbst\u00e4tigen mit dualer Berufsausbildung arbeitet nicht mehr im ehemaligen Lehrbetrieb. Berufswechsel sind dagegen eher selten: Nur 7% der erwerbst\u00e4tigen Abg\u00e4ngerinnen und Abg\u00e4nger einer dualen Lehre haben ihren erlernten Beruf aufgegeben. Unter den erwerbst\u00e4tigen Abg\u00e4ngerinnen und Abg\u00e4ngern einer vollschulischen Berufsausbildung hat dagegen rund ein Viertel den Beruf gewechselt. Dies l\u00e4sst vermuten, dass die berufsspezifische Komponente bei den vollschulischen Berufsausbildungen etwas schw\u00e4cher ausgepr\u00e4gt ist als bei der dualen Lehre. Die insgesamt relativ niedrige Zahl an Berufswechseln zeigt keine grossen Friktionen zwischen beruflicher Grundbildung und Arbeitsmarkt. Diese Resultate geben keine Hinweise, dass in der Berufsbildung in grossem Ausmass in Berufen ausgebildet wird, die auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt sind.&#13;<\/p>\n<h2>Lohnfolgen von Betriebs- und Berufswechseln direkt nach der Lehre<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBetrachtet man die L\u00f6hne der Erwerbst\u00e4tigen in multiplen Regressionsanalysen, stellt man fest, dass Betriebswechsel f\u00fcr die Abg\u00e4ngerinnen und Abg\u00e4nger dualer Lehren im Durchschnitt nicht zu Lohnunterschieden gegen\u00fcber Personen f\u00fchren, die im Lehrbetrieb weiterbesch\u00e4ftigt werden. Offenbar spielt das betriebsspezifische Humankapital keine entscheidende Rolle; die in der Lehre erworbenen Kompetenzen sind vollst\u00e4ndig \u00fcber den Lehrbetrieb hinaus verwendbar. Hingegen verdienen jene, die mit dem Betrieb auch den Beruf wechseln, im Schnitt rund 5% weniger als sonst vergleichbare Personen. Offenbar gibt es berufsspezifisches Humankapital, das nur denjenigen einen Lohnvorteil bringt, die noch auf dem erlernten Beruf arbeiten. Weitere Analysen zeigen, dass jene Berufswechsler, die angeben, das w\u00e4hrend der Lehre Erlernte weiterhin anwenden zu k\u00f6nnen, keine Lohneinbusse erleiden. Jene H\u00e4lfte der Berufswechsler, die das Erlernte nicht mehr gut anwenden kann, weist jedoch entsprechend h\u00f6here Lohneinbussen auf.Aus Sicht der Humankapitaltheorie sind die Lohnunterschiede zwischen Berufswechslern und den \u00fcbrigen Personen ein Mass f\u00fcr die Transferierbarkeit des Humankapitals, das heisst f\u00fcr die Rolle der berufsspezifischen F\u00e4higkeiten und Kenntnisse, die nicht \u00fcber den erlernten Beruf hinaus einsetzbar sind. In der Analyse stellt sich jedoch ein methodisches Problem: Wenn Berufswechsel mit Lohneinbussen einhergehen, dann werden m\u00f6glichst viele Personen einen Berufswechsel vermeiden und nach einer Stelle im erlernten Beruf suchen. Tats\u00e4chlich beobachten wir nur relativ wenige Berufswechsel. F\u00fcr die realisierten Berufswechsel ist zu erwarten, dass sie unter anderem aus dem Grund vollzogen wurden, weil keine oder nur geringe Lohneinbussen entstanden sind. Die Effekte der beobachteten Berufswechsel sind daher kein unverzerrtes Mass f\u00fcr die Lohneffekte, die bei einer zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlten Person bei einem Berufswechsel im Schnitt zu erwarten w\u00e4ren. Dieser Lohneffekt w\u00e4re das korrekte Mass, um die Transferierbarkeit des Humankapitals von Lehrabsolventinnen und -absolventen zu beurteilen. Dieses in der Literatur als Endogenit\u00e4t bekannte Problem l\u00e4sst sich mit \u00f6konometrischen Methoden beheben.&#13;<br \/>\nSiehe hierzu M\u00fcller &amp; Schweri (2011). Die diesbez\u00fcglichen Resultate best\u00e4tigen die Vermutung aus der Theorie: Der kausale, mittlere Lohnunterschied zwischen Erwerbst\u00e4tigen auf dem erlernten Beruf und denjenigen ausserhalb des erlernten Berufes w\u00e4re um Einiges h\u00f6her als der zuvor festgestellte Unterschied von 5%. Entsprechend l\u00e4sst sich festhalten, dass in Berufslehren unter anderem berufsspezifisches Humankapital vermittelt wird, f\u00fcr das die Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt entl\u00f6hnt werden, solange sie im erlernten Beruf arbeiten. Die Berufsbildung beinhaltet somit neben den generellen Kompetenzen nachweislich eine Spezialisierung auf berufsspezifische Kompetenzen. Ob die Gewinne aus dieser Spezialisierung die Kosten der dadurch eingeschr\u00e4nkten Berufsmobilit\u00e4t \u00fcbertreffen, l\u00e4sst sich mit dieser Analyse nicht eindeutig sagen. Um die Kosten der Spezialisierung zu beurteilen, stellt sich die Anschlussfrage, ob die Mobilit\u00e4t von Lehrabsolventinnen und -absolventen auf dem Arbeitsmarkt mittel- und langfristig st\u00e4rker eingeschr\u00e4nkt ist als diejenige von Erwerbst\u00e4tigen mit anderen Ausbildungen.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarktmobilit\u00e4t w\u00e4hrend der Berufslaufbahn<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Analyse der Arbeitsmarktmobilit\u00e4t von Personen mit unterschiedlichem Bildungshintergrund greifen wir auf die Schweizerische Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) zur\u00fcck und verwenden die Erhebungen der Jahre 1996 bis 2008. Es gehen Personen in die Untersuchung ein, die in zwei aufeinanderfolgenden Jahren in Sake erfasst sind und im ersten Jahr als Angestellte erwerbst\u00e4tig waren.&#13;<br \/>\nDie Details der Analyse sind publiziert in Eymann &amp; Schweri (2011). Die Frage lautet, in welcher Situation sich diese Personen ein Jahr sp\u00e4ter befinden: Sind sie noch erwerbst\u00e4tig? Haben sie den Betrieb oder gar den Beruf gewechselt? Wir untersuchen, welchen Einfluss die h\u00f6chste abgeschlossene Ausbildung auf die Wahrscheinlichkeit hat, sich nach einem Jahr in diesen verschiedenen Zust\u00e4nden zu befinden.In <i>Grafik 1<\/i> werden einerseits Wechsel von einer Erwerbst\u00e4tigkeit in eine andere unterschieden, namentlich Betriebswechsel, Wechsel von Betrieb und Beruf sowie andere Erwerbst\u00e4tigkeit (vor allem Wechsel in die Selbst\u00e4ndigkeit).&#13;<br \/>\nBerufswechsel ohne Betriebswechsel wurden aus methodischen Gr\u00fcnden von der Analyse ausgeschlossen, siehe Eymann &amp; Schweri (2011). Andererseits werden Wechsel von der Erwerbst\u00e4tigkeit in eine Nichterwerbst\u00e4tigkeit dargestellt, namentlich Arbeitslosigkeit und andere Formen der Nichterwerbst\u00e4tigkeit (Pensionierung, Ausbildung, Hausarbeit). In den Jahren 1996 bis 2008 haben durchschnittlich insgesamt 13,8% der Personen in der Schweiz ihren Arbeitsmarktstatus und\/oder ihre Erwerbst\u00e4tigkeit in einem Jahr ver\u00e4ndert.Die Job-to-Job-Wechselrate betr\u00e4gt 10,4%. Gemessen an der Erwerbsbev\u00f6lkerung im Angestelltenverh\u00e4ltnis zwischen 20 und 60 Jahren haben in einem Jahr im Schnitt 5,26% der Personen einen Betriebswechsel vorgenommen, welcher keinen Berufswechsel beinhaltet. Einen kombinierten Berufs- und Betriebswechsel erlebten 2,25%.Die Job-to-no-Job-Wechselrate ist mit 3,4% wesentlich kleiner; knapp die H\u00e4lfte davon sind Wechsel in die Arbeitslosigkeit. Die deskriptive Analyse zeigt, dass Personen mit einer Berufsbildung nur unwesentlich andere Wechselwahrscheinlichkeiten aufweisen als Personen ohne Berufsbildung.Zur Beantwortung der Frage, ob die h\u00f6chste abgeschlossene Ausbildung einen Einfluss auf die Wechselwahrscheinlichkeiten hat, bedarf es einer multivariaten Analyse (mlogit), in der die Wirkung der Ausbildung um verschiedene Einflussfaktoren bereinigt wird. Die multivariate Analyse der Wechselraten (vgl. <i>Tabelle 2<\/i>) zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Job-to-Job-Wechsels umso h\u00f6her ist, je h\u00f6her die h\u00f6chste abgeschlossene Bildungsstufe einer Person ist. Insbesondere wechseln Personen mit einer terti\u00e4ren Ausbildung gegen\u00fcber Personen mit dualer Berufslehre (=Vergleichsgruppe) vermehrt den Betrieb; ebenso sind kombinierte Berufs- und Betriebswechsel bei Personen mit Abschl\u00fcssen H\u00f6herer Fachschulen oder von Hochschulen (Uni, FH, PH) \u00f6fter anzutreffen. Werden hingegen Personen mit einer dualen Berufslehre mit Personen verglichen, welche eine andere Ausbildung auf Sekundarstufe II (allgemeinbildende Schule, vollschulische Berufslehre, Berufsmaturit\u00e4t, gymnasiale Maturit\u00e4t) aufweisen, unterscheiden sich die Betriebs- sowie die Berufs- und Betriebswechselraten nicht signifikant. In dieser Untersuchung l\u00e4sst sich f\u00fcr Personen mit einer Berufsausbildung keine eingeschr\u00e4nkte Arbeitsmarktmobilit\u00e4t nachweisen gegen\u00fcber Personen mit anderen Bildungsabschl\u00fcssen auf der gleichen Stufe.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie die dargestellten Berufswechselanalysen zeigen, gibt es wenig Hinweise darauf, dass die Berufslehre den Lernenden zu spezialisierte Kompetenzen vermitteln und zu einer eingeschr\u00e4nkten Flexibilit\u00e4t auf dem Arbeitsmarkt f\u00fchren w\u00fcrde. Direkt im Anschluss an die Lehre sind Betriebswechsel h\u00e4ufig und haben keine Auswirkung auf den Lohn. Berufswechsel sind in dieser Phase relativ selten; die Berufsverbleiber verdienen mehr als die -wechsler. In der weiteren Berufslaufbahn kann f\u00fcr Absolvierende einer beruflichen Grundbildung keine eingeschr\u00e4nkte Arbeitsmarktmobilit\u00e4t festgestellt werden. Diese Befunde deuten auf eine breite Verwendbarkeit der in der Berufslehre erworbenen beruflichen und generellen Kompetenzen hin. Viele Fragen m\u00fcssen jedoch offen bleiben: Die Berufsbildung zeichnet sich durch eine hohe Heterogenit\u00e4t aus, zuvorderst zwischen den verschiedenen Berufen und Berufsfeldern, aber auch zwischen Landesregionen, Branchen usw. Um die Analysen vertieft f\u00fcr einzelne Berufe oder f\u00fcr bestimmte Untergruppen \u2013 z.B. sozial Benachteiligte, Differenzierung nach Geschlecht usw. \u2013 vorzunehmen, fehlen gen\u00fcgende Fallzahlen in den verf\u00fcgbaren Datens\u00e4tzen. F\u00fcr die ideale Analyse m\u00fcssten die verschiedenen beruflichen Grundbildungen in ihrer Vielfalt \u2013 inkl. den Ereignissen w\u00e4hrend der Lehre \u2013 detailliert erfasst und mit der anschliessenden, kurz- und mittelfristigen Berufslaufbahn der Absolventinnen und Absolventen in Beziehung gesetzt werden. Daf\u00fcr br\u00e4uchte es neue Datengrundlagen, welche es erm\u00f6glichen w\u00fcrden, die verschiedentlich ge\u00e4usserten Vermutungen \u00fcber Erfolg oder Krise der dualen Berufsausbildung empirisch zu untermauern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abJ\u00e4hrliche Wechselraten in der Erwerbst\u00e4tigkeit\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abSituation und Verbleib von Lehrabsolventinnen und -absolventen ein Jahr nach Lehrabschluss\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abEinfluss des h\u00f6chsten Bildungsabschlusses auf Arbeitsmarktmobilit\u00e4t\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Eymann A. &amp; Schweri J. (2011): Arbeitsmarktmobilit\u00e4t von Personen mit beruflicher Bildung in der Schweiz. In: Markowitsch et al. (Hrsg.): Turbulenzen auf Arbeitsm\u00e4rkten und in Bildungssystemen, Innsbruck: StudienVerlag, S. 236\u2013251.\u2212 M\u00fcller B. &amp; Schweri J. (2009): Berufswechsel beim \u00dcbergang von der Lehre in den Arbeitsmarkt. In: Schweizerische Zeitschrift f\u00fcr Bildungswissenschaften 31(2), S. 199\u2013248.\u2212 M\u00fcller B. &amp; Schweri J. (2011): The Returns to Occupation-Specific Human capital \u2013 Evidence from mobility after apprenticeship. Working Paper, EHB.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich hat die Schweiz an den Berufsweltmeisterschaften erneut den vordersten Rang unter den europ\u00e4ischen Staaten errungen. Doch bereitet die berufliche Grundbildung in der Schweiz auch den Durchschnitt der Lernenden gut auf einen Arbeitsmarkt vor, der Flexibilit\u00e4t und Mobilit\u00e4t verlangt? 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