{"id":120164,"date":"2011-12-01T12:00:00","date_gmt":"2011-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/12\/gardiol-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:28","slug":"gardiol-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/12\/gardiol-3\/","title":{"rendered":"Immigration 2030: Szenarien f\u00fcr die Z\u00fcrcher Wirtschaft und Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die diesem Artikel zugrunde liegende Studie untersucht, wie sich die Zuwanderung in den Wirtschaftsraum Z\u00fcrich langfristig entwickeln k\u00f6nnte und welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen bei unterschiedlichen Szenarien zu erwarten sind. Gezeigt wird, wie die wirtschaftliche Entwicklung mit ihrem Strukturwandel hin zu bildungsintensiveren T\u00e4tigkeiten das Migrationsgeschehen pr\u00e4gt und sich auf die Bev\u00f6lkerungsentwicklung, den Arbeits- und Wohnungsmarkt sowie auf die Sozialausgaben auswirkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZuwanderung ist nichts Neues im weit gefassten Wirtschaftsraum Z\u00fcrich, der 14 Kantone und Halbkantone bis in die Zentral- und Nordostschweiz umfasst. Sie hat jedoch ihr Gesicht ver\u00e4ndert. Es sind immer mehr die hochqualifizierten Arbeitskr\u00e4fte, die das Bild der Migration bestimmen, und nicht mehr die Tiefqualifizierten.&#13;<br \/>\nVgl. den Artikel von I. Steiner und P. Wanner auf S. 8 ff. in dieser Ausgabe. Hinter dem neuen Profil der Immigrierten steht der grundlegende wirtschaftliche Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Durch die Personenfreiz\u00fcgigkeit hat dieser Strukturwandel eine zus\u00e4tzliche Dynamik erhalten. Die Immigration erlaubte der Z\u00fcrcher Wirtschaft, den Pool der Hochqualifizierten rasch zu erweitern und so von Wachstumschancen zu profitieren. Die Frage ist, wie sich dies auf die Konkurrenzsituation im Arbeits- und im Wohnungsmarkt auswirkt und wohin sich der Lebensraum Z\u00fcrich entwickelt, wenn die Bev\u00f6lkerung weiter w\u00e4chst.&#13;<\/p>\n<h2>Wandel der Zuwanderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Ausgangspunkt der Analyse dient der beobachtbare Wandel der Zuwanderung in den zehn Jahren vor 2008. Die neue Zuwanderung aus dem Ausland ist die treibende Kraft hinter dem relativ starken Bev\u00f6lkerungswachstum. Sie hat einen ganz anderen Charakter als die alte Zuwanderung: Sie kommt aus dem Norden und Westen statt aus dem S\u00fcden. Sie ist \u00fcber- und nicht unterschichtend. Knapp 60% aller Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder \u00fcber 25 Jahren aus den typischen neuen Herkunftsl\u00e4ndern sind Terti\u00e4rgebildete \u2013 unter den Schweizerinnen und Schweizern ist dieser Anteil halb so hoch (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Die neu Zugewanderten arbeiten \u00fcberproportional in den Berufsfeldern Wissenschaft und Technik und haben h\u00e4ufiger leitende Positionen. Ver\u00e4ndert hat sich auch die r\u00e4umliche Dimension der Zuwanderung. Die Immigrierten des neuen Typs konzentrieren sich insbesondere in der Stadt Z\u00fcrich, um den Z\u00fcrichsee und um Zug. Sie konfrontieren diese statush\u00f6heren Regionen und Gemeinden mit steigenden Ausl\u00e4nderanteilen, w\u00e4hrend diese in den meisten klassischen Zuwanderergemeinden zur\u00fcckgehen, teilweise allerdings einb\u00fcrgerungsbedingt. Generell mischen sich die schweizerische und ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung immer st\u00e4rker. So lebten 2008 gleich viele Menschen in gemischtnationalen Haushalten wie in ganz ausl\u00e4ndischen.&#13;<\/p>\n<h2>Drei Szenarien der Zuwanderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAlle drei Szenarien gehen davon aus, dass der Wandel der Zuwanderung kein vor\u00fcbergehendes Ph\u00e4nomen ist, sondern in mehr oder weniger starkem Ausmass auch die Immigration 2030 pr\u00e4gen wird. Das verwendete Simulationsmodell st\u00fctzt sich auf Daten der <i>Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake)<\/i> und der <i>Statistik der ausl\u00e4ndischen Wohnbev\u00f6lkerung (Petra)<\/i> aus den Jahren 1999 bis 2008. Die in diesen Daten beobachtbaren Trends der Arbeitsmigration und auch der Migration aus anderen Gr\u00fcnden \u2013 v.a. Familiennachzug inkl. Heirat \u2013 variieren die Szenarien in drei Punkten: Sie unterstellen erstens eine unterschiedliche Migrationsneigung der von der Z\u00fcrcher Wirtschaft Gesuchten. Solche Ver\u00e4nderungen entstehen etwa, wenn die Wirtschaftslage im Herkunftsland sich \u00e4ndert. Sie gehen zweitens von einer unterschiedlich starken Arbeitsnachfrage aus. Und sie modifizieren drittens das Tempo bei der Steigerung des Bildungsniveaus in der Erwerbsbev\u00f6lkerung. Da der Arbeitsmarkt stark nach Bildungsniveau segregiert ist, werden f\u00fcr Hoch-, Mittel- und Tiefgebildete separate Simulationen durchgef\u00fchrt. Im <i>Basis-Szenario,<\/i> das dem erwarteten Trend entspricht, w\u00e4chst die Gesamtbev\u00f6lkerung im Wirtschaftsraum Z\u00fcrich bis 2030 um 8% und die Zahl der Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder um 13%. Die Erwerbsbev\u00f6lkerung (15- bis 64-J\u00e4hrige) nimmt deutlich st\u00e4rker zu, n\u00e4mlich um 24% (die ausl\u00e4ndische um 28%). Die Deutschen sind die mit Abstand gr\u00f6sste ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerungsgruppe, gefolgt von Personen aus dem Raum EU-S\u00fcd sowie der T\u00fcrkei und dem Westbalkan, deren Zahlen r\u00fcckl\u00e4ufig sind. Die Anteile der heute kleinen Gruppen aus anderen Herkunftsl\u00e4ndern nehmen zu, haben aber bei weitem nicht die gleiche Bedeutung. Der Anteil der Hochqualifizierten in der Erwerbsbev\u00f6lkerung steigt von heute 33% auf 45%.Im <i>Boom-Szenario,<\/i> das die starke Zuwanderung der Jahre vor 2008 fortf\u00fchrt, w\u00e4chst die Gesamtbev\u00f6lkerung bis 2030 um 18%, die ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung gar um 43%. Die gesamte Erwerbsbev\u00f6lkerung nimmt um 34%, die Zahl der Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in dieser Gruppe um 64% zu. Es gibt dreimal mehr Deutsche als Personen aus den R\u00e4umen EU-S\u00fcd oder der T\u00fcrkei und dem Westbalkan. Die EU-Nord steigt zur viertgr\u00f6ssten Herkunftsl\u00e4ndergruppe auf. Der Anteil der Hochqualifizierten in der Erwerbsbev\u00f6lkerung steigt auf 49%.Im <i>Konvergenz-Szenario,<\/i> das eine Angleichung des Wirtschaftsraums Z\u00fcrich gegen\u00fcber den benachbarten EU-L\u00e4ndern simuliert, nimmt die Gesamtbev\u00f6lkerung bis 2030 um 1% ab und der Ausl\u00e4nderbestand schrumpft sogar um 27%. Die Erwerbsbev\u00f6lkerung insgesamt steigt dennoch insgesamt um 10%, obwohl die Zahl der Ausl\u00e4nder in dieser Gruppe um 14% sinkt. Der Anteil der Deutschen ist 2030 wieder kleiner als jener der Personen aus der EU-S\u00fcd oder der T\u00fcrkei und dem Westbalkan, wobei auch deren Zahlen stark zur\u00fcckgehen. Tendenziell nimmt nur die Zuwanderung aus heute weniger bedeutenden aussereurop\u00e4ischen L\u00e4ndern zu. Der Anteil der Hochqualifizierten an der Erwerbsbev\u00f6lkerung steigt auf 39%, dies fast ausschliesslich aufgrund der Bildungsentwicklung in der schweizerischen Bev\u00f6lkerung.Die unterschiedlichen Zahlen der drei Szenarien machen deutlich, dass die wirtschaftliche Entwicklung mit ihrem Strukturwandel hin zu bildungsintensiveren T\u00e4tigkeiten eng mit dem Migrationsgeschehen und der gesamten Bev\u00f6lkerungsentwicklung verkn\u00fcpft sind (siehe <i>Grafik 2<\/i>). W\u00e4hrend die Zuwanderung aus den alten Herkunftsl\u00e4ndern mangels Nachfrage der Z\u00fcrcher Wirtschaft nach tiefqualifizierten Arbeitskr\u00e4ften in allen Szenarien in relativ \u00e4hnlichem Mass r\u00fcckl\u00e4ufig ist, steigt der Anteil der neuen Zuwanderung je nach Szenario in ganz unterschiedlichem Mass.&#13;<\/p>\n<h2>Charakteristika der neuen Zuwanderung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Migrationsverhalten wurde aufgrund von Gespr\u00e4chen mit Personalverantwortlichen und Immigrierten n\u00e4her untersucht. Als <i>Motivation<\/i> stehen fast immer entweder ein Jobangebot \u2013 und als Entscheidungshilfe die hohe Lebensqualit\u00e4t im Raum Z\u00fcrich \u2013 oder aber eine Liebe mit dadurch bedingter Jobsuche im Vordergrund. Die wenigsten Hochqualifizierten sind v\u00f6llig ungebunden, und im Laufe der Zeit gewinnen partnerschafts- und beziehungsbedingte \u00dcberlegungen an Gewicht. Da oft beide Partner eine Karriere verfolgen, sind <i>Doppelkarrierem\u00f6glichkeiten<\/i> und die <i>Vereinbarkeit von Familie und Beruf<\/i> gesuchte Rahmenbedingungen. Die Betriebe suchen \u00fcbereinstimmend keine bald weiterziehenden globalen Nomaden, weil sich die Anfangsinvestitionen in neue Mitarbeitende nicht so schnell amortisieren. Viele bem\u00fchen sich daher sehr um die <i>Integration<\/i> der Immigrierten am Arbeitsplatz und dar\u00fcber hinaus. Diese kommen meist ohne fixe Vorstellungen \u00fcber Ort und Dauer ihres Auslandengagements. Im Unterschied zur fr\u00fcheren Migrationsbev\u00f6lkerung haben sie immer gute Alternativen.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftliche Auswirkungen der Immigration 2030<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Kernst\u00fcck der Studie bilden die Analysen zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der k\u00fcnftigen Migration. Grunds\u00e4tzlich hat der Strukturwandel hin zu bildungsintensiveren T\u00e4tigkeiten das Potenzial, die Produktivit\u00e4t pro Kopf \u2013 und damit auch das Wohlstandsniveau \u2013 zu steigern. Die Zuwanderung von Hochqualifizierten erlaubt, diesen Strukturwandel zu beschleunigen und damit das Wachstumspotenzial zu erweitern. Diese Form der Wachstumsf\u00f6rderung hat weiterreichende Implikationen f\u00fcr die Gesellschaft als die traditionelle Standortf\u00f6rderung. Wieweit auch die Einheimischen gewinnen, h\u00e4ngt von den konkreten Verteilungseffekten \u2013 insbesondere im Arbeits- und Wohnungsmarkt \u2013 ab. Doch auch Zersiedelung, Verkehrsprobleme, Umweltbelastung oder soziale Spannungen k\u00f6nnen unerw\u00fcnschte Nebeneffekte sein.Wichtig f\u00fcr Wachstums- und Verteilungseffekte ist, ob die Zuwandernden <i>komplement\u00e4r<\/i> Stellen besetzen, f\u00fcr die im Inland niemand zur Verf\u00fcgung steht, und dadurch die Wirtschaftst\u00e4tigkeit effektiv ausgeweitet werden kann und neue Stellen entstehen, oder ob sie <i>substitutiv<\/i> Arbeitspl\u00e4tze besetzen, um die sie direkt mit Einheimischen konkurrieren. Dann steigt tendenziell die Arbeitslosigkeit und die L\u00f6hne der Einheimischen sinken. Da beides auch von strukturellen und konjunkturellen Wirtschaftsfaktoren beeinflusst wird, ist der Einfluss der Zuwanderung nicht leicht zu isolieren.Die Effekte bez\u00fcglich der <i>Arbeitslosigkeit<\/i> wurden nicht n\u00e4her untersucht. Die Literatur geht davon aus, dass in konjunkturell schw\u00e4cheren Zeiten kurzfristig eine zus\u00e4tzliche Belastung entsteht, die sich langfristig aber zumindest ausgleicht. F\u00fcr die Schweiz kommen verschiedene Studien&#13;<br \/>\nVgl. Observatoriumsberichte des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco), KOF und Stalder (2010). zu unterschiedlichen Erkenntnissen, die sich aber alle in diese Gesamttendenz einordnen lassen.Vertieft untersucht wurden dagegen die <i>Lohneffekte.<\/i> Der dazu gew\u00e4hlte Faktorproportionen-Ansatz war angelehnt an die Studie <i>Gerfin, Kaiser (2010).<\/i> Er entspricht einem Borjas-Modell in der Variante von <i>Ottaviano, Peri (2008).<\/i> Basierend auf einer gesamtwirtschaftlichen Produktionsfunktion werden differenzierte Arbeitsnachfragefunktionen f\u00fcr Arbeitnehmende unterschiedlicher <i>Skill Groups<\/i> gesch\u00e4tzt, die sich im Bildungsniveau und der Berufserfahrung unterscheiden. Personen in der gleichen Gruppe, so die Annahme, sind perfekt substituierbar. Die Substitutionselastizit\u00e4ten zwischen den verschiedenen Gruppen m\u00fcssen auf der Grundlage empirischer Daten gesch\u00e4tzt werden. Der Einfluss der Migration auf die Lohnentwicklung war in den wirtschaftlichen Boomjahren 2003 bis 2008 <i>kurzfristig<\/i> leicht lohnd\u00e4mpfend (\u20131,6%), wobei der Lohndruck f\u00fcr die Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder viel st\u00e4rker war (\u20133,7%) als f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten mit Schweizer Pass (\u20131,1%). Unter den Immigrierten waren die Hochqualifizierten mit \u20136,8% die Hauptbetroffenen, w\u00e4hrend die L\u00f6hne der Tiefqualifizierten kaum litten (\u20130,7%). Ohne Zuwanderung h\u00e4tten sich die L\u00f6hne der Tiefqualifizierten kurzfristig also kaum anders entwickelt; diejenigen der ausl\u00e4ndischen Hochqualifizierten dagegen w\u00e4ren st\u00e4rker gestiegen. Pendelt sich ein neues <i>langfristiges Gleichgewicht<\/i> ein, sind es immer noch die Hochqualifizierten, die den Migrationsdruck auf die L\u00f6hne sp\u00fcren. Nun sind es ausschliesslich jene mit ausl\u00e4ndischem Pass (\u20135,2%). F\u00fcr alle anderen Qualifikationsgruppen liegt der Effekt nahe bei null.Das <i>Basis-Szenario<\/i> f\u00fcr 2030 schreibt die beobachteten Entwicklungen im Wesentlichen fort; deshalb d\u00fcrften die Lohneffekte hier vergleichbar sein. Da im <i>Boom-Szenario<\/i> weniger Tief- und mehr Hochqualifizierte zuwandern, d\u00fcrfte sich die tendenziell lohnd\u00e4mpfende Wirkung auf die Gutqualifizierten beschr\u00e4nken, die Lohnentwicklung aufgrund der guten Wirtschaftslage aber insgesamt g\u00fcnstig sein. Im <i>Konvergenz-Szenario<\/i> sind die Migrationseinfl\u00fcsse auf die L\u00f6hne generell gering; daf\u00fcr k\u00f6nnte die ung\u00fcnstigere Wirtschaftslage einen d\u00e4mpfenden Effekt haben.&#13;<\/p>\n<h2>Steuerzahlungen und Sozialausgaben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBelasten oder entlasten die Zuwandernden die Sozialwerke und den Staat? Die Zuwanderung hilft momentan, die Alterssicherung durch die AHV mitzufinanzieren. Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder (EU25) bezahlten 2008 rund 21% der Beitr\u00e4ge und bezogen nur rund 15% der Leistungen; diese Zahl ist jedoch durch Einb\u00fcrgerungen beeinflusst. Als langfristiger Gesamteffekt ist eher ein Nullsummenspiel zu erwarten, weil die Einzahlenden gleichzeitig Anrechte auf Altersrenten erwerben. Ein Vergleich der erwerbsausfallbezogenen Sozialleistungen und ihrer Finanzierungsbeitr\u00e4ge in der <i>Bev\u00f6lkerung im Erwerbsalter<\/i> macht jedoch deutlich, dass bei Kontrolle anderer Einflussfaktoren Personen mit ausl\u00e4ndischem und schweizerischem Pass nur sehr gering voneinander abweichende Netto-Transferbilanzen aufweisen. Viel wichtiger sind das Bildungsniveau und das Geschlecht. Wandern Gutqualifizierte zu, entlastet dies Sozialwerke und Staatsfinanzen. Dies ist im <i>Boom-Szenario 2030<\/i> noch st\u00e4rker der Fall als im <i>Basis-Szenario.<\/i> Allein im <i>Konvergenz-Szenario<\/i> profitieren Sozialwerke und Staat nicht von diesem positiven Fiskaleffekt der Zuwanderung.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, Verdr\u00e4ngungseffekte und soziale Brennpunkte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der neuen Zuwanderung kommen nicht nur mehr Leute; sie haben auch h\u00f6here Raumanspr\u00fcche als die klassischen Migrantinnen und Migranten. Die neue Zuwanderung konzentriert sich stark auf die Zentren. Insbesondere die Achse Zug-Z\u00fcrich samt der Z\u00fcrichsee-Region ist mit ihrer internationalen Ausstrahlung sehr attraktiv. Dies f\u00fchrt dort zu einem anhaltenden \u00fcberproportionalen Anstieg der Wohnungspreise. Dagegen nimmt in allen Szenarien zur Immigration 2030 in den statustiefen Regionen der gr\u00f6sseren Agglomerationen die Bedeutung der alten Zuwanderungsl\u00e4nder am st\u00e4rksten ab. Gemeinden, die heute die gr\u00f6ssten Integrationslasten tragen, werden durch den Strukturwandel am st\u00e4rksten entlastet.&#13;<\/p>\n<h2>Chancen und Herausforderungen der Immigration 2030<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie neue Zuwanderung, die je nach Szenario 2030 unterschiedlich pr\u00e4gend sein wird, bringt also Chancen und Herausforderungen f\u00fcr den Wirtschaftsraum Z\u00fcrich mit sich. Die <i>Chancen<\/i> liegen in einer erh\u00f6hten internationalen Konkurrenzf\u00e4higkeit, d.h. in den Wohlstandschancen, die mit dem Heranwachsen zu einer Metropolitanregion von europ\u00e4ischer Bedeutung verbunden sind. Die Einheimischen d\u00fcrften auch davon profitieren, dass:\u2212 die Lebensqualit\u00e4t zu einem wichtigen Standortfaktor wird;\u2212 Massnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf Auftrieb erhalten d\u00fcrften;\u2212 die demografische Alterung gemildert wird;\u2212 Sozialwerke und die Steuerzahlenden tendenziell entlastet werden;\u2212 die alten sozialen Disparit\u00e4ten eher abnehmen. <i>Herausforderungen<\/i> sind, dass die Zuwanderung vor allem kurzfristig Arbeitslosigkeit und L\u00f6hne negativ beeinflussen kann, wobei dies in erster Linie die ausl\u00e4ndischen Hochqualifizierten selbst betrifft. Auf dem Wohnungsmarkt kann es zu Verdr\u00e4ngungseffekten kommen. Auch die Karrierechancen der Einheimischen stehen durch die internationale Konkurrenz unter Druck. <i>Handlungsbedarf<\/i> ortet die Studie darin, die arbeitsmarktnahen Steuerungsoptionen von den flankierenden Massnahmen bis zum Bildungssystem zu verbessern und das Bev\u00f6lkerungswachstum in den Zentren raumplanerisch effektiv zu begleiten. Aus Selbstinteresse gilt es, die Entstehung einer v\u00f6llig von der lokalen Realit\u00e4t abgehobenen, geografisch ungebundenen Elite zu vermeiden und stattdessen die vielen Potenziale der Zugewanderten \u00fcber (tempor\u00e4re) Integration fruchtbar zu machen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abBildungsniveaus nach L\u00e4ndergruppen, 2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abPrognose zur Entwicklung der Ausl\u00e4nderanteile in drei Szenarien, 2008\u20132030\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Studie&#13;<\/p>\n<h3>Studie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie in einer Arbeitsgemeinschaft von B\u00fcro BASS, sotomo, Fahrl\u00e4nder Partner und Fachhochschule St.Gallen realisierte Studie kann bezogen werden bei der Z\u00fcrcher Kantonalbank, Postfach, 8010 Z\u00fcrich, und ist auf der Homepage der ZKB verf\u00fcgbar(<i><a href=\"http:\/\/www.zkb.ch\">http:\/\/www.zkb.ch<\/a>,<\/i> \u00dcber uns, Publikationen, Wirtschaft und Gesellschaft). Ein technischer Bericht zum Simulationsmodell und den quantitativ ermittelten Auswirkungen findet sich auf der Website des B\u00fcro BASS <i>(<a href=\"http:\/\/www.buerobass.ch\/studienPopup_d.php?projektId=192\">http:\/\/www.buerobass.ch\/studienPopup_d.php?projektId=192<\/a>)<\/i>.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Aeppli, Roland, Martin Gassebner (2008): Auswirkungen des Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommens mit der EU auf den schweizerischen Arbeitsmarkt. In: Aeppli, Roland et al. (2008): Auswirkungen des Freiz\u00fcgigkeitsabkommens auf den schweizerischen Arbeitsmarkt. KOF ETH, Z\u00fcrich, S. 45\u201367.\u2212 Beine, Michael (2009): Diasporas. CESifo Working Paper Series Nr. 2607.\u2212 Berlin-Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung (Hrsg. 2008): Die demografische Zukunft von Europa \u2013 Wie sich die Regionen ver\u00e4ndern. Berlin.\u2212 Gerfin, Michael, Boris Kaiser (2010): Auswirkungen der Immigration der Jahre 2002 bis 2008 auf die L\u00f6hne in der Schweiz. Im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft SECO, Bern.\u2212 OECD (2008): The Global Competition for Talent: Mobility of the Highly Skilled. Paris.\u2212 Okkerse, Liesbet (2008): How to Measure Labour Market Effects of Immigration: A Review. In: Journal of Economic Surveys, Vol. 22, Nr. 1, S. 1\u201330.\u2212 SECO, BFM, BFS (Hrsg.; 2010): Auswirkungen der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt. 6. Bericht des Observatoriums zum Freiz\u00fcgigkeitsabkommen Schweiz-EU. Bern.\u2212 Stalder, Peter (2010): Free Migration between the EU and Switzerland: Impacts on the Swiss Economy and Implications for Monetary Policy. Paper presented at the SSES Annual Meeting \u00abInternational Migration: Theory, Evidence and Policy\u00bb, 24.\u201325. Juni in Fribourg.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die diesem Artikel zugrunde liegende Studie untersucht, wie sich die Zuwanderung in den Wirtschaftsraum Z\u00fcrich langfristig entwickeln k\u00f6nnte und welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen bei unterschiedlichen Szenarien zu erwarten sind. 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