{"id":120169,"date":"2011-12-01T12:00:00","date_gmt":"2011-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/12\/garson-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:24","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:24","slug":"garson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/12\/garson\/","title":{"rendered":"Integration von Zuwanderern im internationalen Vergleich: Ermutigende Befunde f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist ein bedeutendes Einwanderungsland. Hinter Luxemburg ist es das OECD-Land mit dem zweith\u00f6chsten Ausl\u00e4nderanteil (knapp 22% im Jahr 2009). Zudem tr\u00e4gt die Zuwanderung&#13;<br \/>\nVerstanden als Migrationssaldo. viel mehr zum Bev\u00f6lkerungswachstum bei als die nat\u00fcrliche Bev\u00f6lkerungsentwicklung.&#13;<br \/>\n\u00dcberschuss von Geburten gegen\u00fcber Todesf\u00e4llen. Neben dem Bedarf an Arbeitskr\u00e4ften sind der Familiennachzug und die humanit\u00e4re Aufnahme von Personen die Hauptr\u00fcnde der Zuwanderung. Angesichts der zahlreichen Debatten, welche dies in der Schweiz ausl\u00f6st, stellen sich folgende Fragen: Wie schneidet die Schweiz im Vergleich der OECD-L\u00e4nder punkto Integration der Zuwanderer und ihrer Nachkommen ab? Sind einige Gruppen von Migranten mit gr\u00f6sseren Schwierigkeiten konfrontiert als andere? Sollte die Schweiz der Integration in Zukunft einen gr\u00f6sseren Stellenwert zubilligen als bisher? <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201112_09_Garson_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"256\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend langer Zeit geh\u00f6rte die Integration von Zuwanderern nicht zu den Hauptsorgen der Schweizer Beh\u00f6rden. Solange die Migration aus Besch\u00e4ftigungsgr\u00fcnden \u2013 begleitet von einem mehr oder weniger zeitversetzt stattfindenden Familiennachzug \u2013 vorherrschend war, schien die Integration der Zuwanderer und ihrer Nachkommen auf dem Arbeitsmarkt eine weniger grosse Herausforderung zu sein als der makro\u00f6konomische Einfluss auf die L\u00f6hne und den Strukturwandel.&#13;<br \/>\nVgl. Piguet (2009). In den letzten 20 Jahren haben sich jedoch die Migrationsstr\u00f6me diversifiziert \u2013 vor allem im Zusammenhang mit der humanit\u00e4ren Migration aus Ex-Jugoslawien und weiter entfernten L\u00e4ndern. Diese Diversifizierung, der vermehrte Zuzug aus anderen Motiven als der Arbeitssuche und die Abschw\u00e4chung des Wirtschaftswachstums sind Gr\u00fcnde, weshalb die Integration von Zuwanderern in der \u00f6ffentlichen Debatte an Bedeutung gewonnen hat. Die Schweizer Beh\u00f6rden haben in diesem Kontext beschlossen, der Integration einen gr\u00f6sseren politischen Stellenwert einzur\u00e4umen.&#13;<\/p>\n<h2>Integration der Zuwanderer in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBevor wir auf die Thematik der Integration eingehen, ist zun\u00e4chst darauf hinzuweisen, dass der Integrationsbegriff unter den Spezialisten lebhaft diskutiert wird und bei vielen bereits lange im Zielland ans\u00e4ssigen Einwanderern der ersten und zweiten Generation ein schlechtes Image hat. Fraglich ist auch, wie sinnvoll der internationale Vergleich im Integrationsbereich ist, zumal die Systeme und Institutionen ebenso wie die Migrationsgeschichte je nach Land sehr grosse Unterschiede aufweisen.&#13;<\/p>\n<h2>Integration: Vokabular, Methode und Notwendigkeit einer multivariaten Analyse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn man die Integration von Zuwanderern zu definieren, analysieren und messen versucht, st\u00f6sst man rasch auf eine Reihe von Schwierigkeiten mit dem Vokabular und den Methoden. Integration, Assimilierung, Eingliederung oder Arbeitsmarktf\u00e4higkeit sind als Konzepte alle unterschiedlich konnotiert oder mit einem anderen ideologischen Hintergrund behaftet. Im begrenzten Rahmen dieses Artikels k\u00f6nnen diese Probleme nicht in extenso ausgef\u00fchrt werden. Sicher ist indes, dass Integration ein langwieriger Prozess ist, der nur von der ersten Einwanderungsgeneration her verstanden werden kann. Eine der Methoden zur Messung der Integration besteht in einem Vergleich der Leistungen von Zuwanderern mit jenen der Einheimischen anhand einer Reihe von Indikatoren, um daraus Messgr\u00f6ssen zur Diskrepanz der beiden Gruppen zu gewinnen. In den meisten \u00f6konomischen Untersuchungen dient die Arbeitsmarktintegration als Referenz; daher wird sie auch hier als Indikator verwendet. Um die Arbeitsmarktintegration der Zuwanderer mit jener der einheimischen Bev\u00f6lkerung zu vergleichen, sind weitere Variablen ber\u00fccksichtigt worden: das Alter der Migranten, das Bildungsniveau bei Ankunft im Zielland, das Migrationsmotiv, die Anzahl Jahre der Ans\u00e4ssigkeit sowie der berufliche Werdegang.&#13;<\/p>\n<h2>Weshalb ein Vergleich zwischen der Schweiz und anderen OECD-L\u00e4ndern in Sachen Integration?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz verf\u00fcgt als Einwanderungsland mit langer Tradition \u00fcber sehr umfangreiche und detaillierte Daten zu den hier wohnhaften Ausl\u00e4ndern (im Ausland Geborene sind weniger gut dokumentiert). Jeder internationale Vergleich ist indes mit einem qualitativen oder quantitativen Verlust jener Informationen verbunden, welche nationale Spezialit\u00e4ten darstellen. Das ist in der Schweiz der Fall f\u00fcr das f\u00f6derale System, die Zust\u00e4ndigkeiten der Kantone im Bereich Einwanderung und Einb\u00fcrgerung, die Migrationsgeschichte und die Entwicklung der Migrationspolitik. Ungeachtet dieser Einschr\u00e4nkungen kann ein internationaler Vergleich als Referenz im Sinne einer Standortbestimmung n\u00fctzlich sein und Eigenschaften zu Tage f\u00f6rdern, welche in den nationalen Daten \u2013 so umfangreich sie auch sein m\u00f6gen \u2013 nicht aufscheinen. Der Vergleich erlaubt zudem, gute Praktiken zu identifizieren, die m\u00f6glicherweise von anderen L\u00e4ndern \u00fcbernommen werden k\u00f6nnen. Schliesslich k\u00f6nnen damit neue Ziele definiert werden, um eine Verbesserung der erreichten Resultate \u2013 insbesondere f\u00fcr die am wenigsten beg\u00fcnstigten Gruppen \u2013 zu erzielen oder die Politiken auf lokaler oder nationaler Ebene mit gezielten Massnahmen zu erg\u00e4nzen.&#13;<\/p>\n<h2>Gute Eingliederung der Zuwanderer in den Schweizer Arbeitsmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Vergleich mit anderen OECD-L\u00e4ndern funktioniert die Integration der Zuwanderer in den schweizerischen Arbeitsmarkt recht gut. Dieser Befund&#13;<br \/>\nVgl. OECD (erscheint 2012). mag paradox erscheinen angesichts der Bef\u00fcrchtungen, die von einem bedeutenden Teil der politischen Kr\u00e4fte und der \u00f6ffentlichen Meinung gegen\u00fcber der zunehmenden Einwanderung ge\u00e4ussert werden. Die relativ guten Resultate der Schweiz bez\u00fcglich Integration sind bisher ungen\u00fcgend an die breite Bev\u00f6lkerung kommuniziert worden. Dabei ist der Anteil der Zuwanderer an der aktiven Bev\u00f6lkerung des Landes einer der h\u00f6chsten unter den OECD-L\u00e4ndern.Betrachtet man die Besch\u00e4ftigungs- und die Arbeitslosenquoten \u2013 zwei Schl\u00fcsselindikatoren des Arbeitsmarkts \u2013 der im Inland und im Ausland Geborenen, liegt die Schweiz bez\u00fcglich des ersten Indikators \u00fcber und bez\u00fcglich des zweiten unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Der Befund gilt sowohl f\u00fcr Frauen wie auch f\u00fcr M\u00e4nner.&#13;<br \/>\nVgl. OECDE (erscheint 2012). Diese guten Resultate sind vor allem darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die Zuwanderer grossmehrheitlich aus dem EWR (EU, Norwegen, Island und Liechtenstein) stammen. Die Zuwanderer aus dieser Region finden nicht nur schneller Arbeit; auch ihre Qualifikationen werden besser anerkannt. Sie sind zudem beruflich mobiler und kehren eher in ihr Herkunftsland zur\u00fcck, wenn sie arbeitslos werden. Diese Feststellungen gelten vor allem f\u00fcr die Nachbarl\u00e4nder wie Deutschland, Frankreich und Italien, aber auch f\u00fcr einige s\u00fcdliche EU-L\u00e4nder \u2013 so vor allem Portugal und in eingeschr\u00e4nktem Mass Spanien. Die relativ guten Resultate der Schweiz sind auch damit zu erkl\u00e4ren, dass die generelle Lage auf dem Arbeitsmarkt \u2013 trotz der Wirtschaftskrise \u2013 besser ist als in den meisten anderen OECD-L\u00e4ndern, und dass das Bildungsniveau&#13;<br \/>\nVgl. OECD (2009). der Zuwanderer \u00fcber dem OECD-Durchschnitt liegt (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Die Kombination von wirtschaftlicher Wohlfahrt und einer Migrationspolitik, welche bestrebt war, die Zuwanderung auf die Bed\u00fcrfnisse der Wirtschaft auszurichten, zeigt, dass in der Schweiz die Eingliederung in den Arbeitsmarkt als bestes Mittel zur erfolgreichen Integration der Zuwanderer gilt. Das Land hat \u00fcbrigens auch eine lange Tradition der Aufnahme von Unternehmenspraktikantinnen und -praktikanten sowie von ausl\u00e4ndischen Studierenden. Mit dieser Strategie vermochte sich die Schweiz ein Reservoir von jungen, qualifizierten Ausl\u00e4ndern (in der Schweiz oder im Ausland ausgebildet) zu schaffen, welche im Bedarfsfall rasch in den einheimischen Arbeitsmarkt eingegliedert werden k\u00f6nnen. Diese fundierte Politik wurde mit dem Entscheid best\u00e4rkt, den Arbeitsmarktzugang f\u00fcr Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder, die an einer Schweizer Universit\u00e4t diplomiert worden sind, per 1. Januar 2011 zu erleichtern.Das gute Abschneiden der Zuwanderer in der Schweiz im Vergleich zu anderen OECD-L\u00e4ndern zeigt, dass ein gewisses Gleichgeweicht zwischen dem Bund und den Kantonen gefunden worden ist, um die Arbeitsmigration so zu steuern, dass sie den Bed\u00fcrfnissen der Schweiz wie auch der Zuwanderer entspricht. Dies wird durch die Angleichung der Arbeitslosenquoten von aus dem EWR stammenden Zuwanderern und von Schweizerinnen und Schweizern best\u00e4tigt. Dasselbe Ph\u00e4nomen ist auch f\u00fcr die meisten aus Drittl\u00e4ndern stammenden Personen zu beobachten, hat sich doch der Abstand dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe zu den Einheimischen seit 2003 halbiert. Einzig bei den Frauen aus diesem Kreis ist der Abstand gr\u00f6sser gewordenEines der wirtschaftlich \u00fcberzeugendsten Resultate des k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrten OECD-Examens zur Integration der Zuwanderer in der Schweiz ist, dass die zweite Generation der Zuwanderer \u2013 bei Frauen und M\u00e4nnern \u2013 die h\u00f6chste Besch\u00e4ftigungsquote innerhalb der OECD aufweisen. Dieses ermutigende Bild zeigt sich auch bei den niedrig qualifizierten Nachkommen ausl\u00e4ndischer Eltern.Eine verfeinerte Analyse zeigt allerdings wachsende Schwierigkeiten einiger Gruppen von Zuwanderern mit der Arbeitsmarktintegration auf. Diese Gruppen sollten vermehrt in den Fokus der Schweizer Beh\u00f6rden r\u00fccken. Zuwanderinnen aus L\u00e4ndern mit niedrigem Einkommen ausserhalb des EWR \u2013 insbesondere Neuzuz\u00fcgerinnen \u2013 profitieren nicht in vollem Ausmass von den Massnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik oder von der Sozialhilfe. Die positiven Auswirkungen ihrer Integration auf die arbeitsmarktliche und gesellschaftliche Eingliederung der zweiten Generation w\u00fcrden eigentlich eine Ausweitung der entsprechenden Mittel zugunsten dieser gesellschaftlichen Gruppe rechtfertigen. Die aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden Zugewanderten schneiden generell weniger gut ab. Kurzfristig kann dies durch die erlebte Entwurzelung der Fl\u00fcchtlinge erkl\u00e4rt werden. \u00d6konomisch betrachtet beg\u00fcnstigt indes eine schnelle Eingliederung ihre mittel- und langfristige Integration sowie diejenige ihrer Familienmitglieder. Schliesslich haben Testing-Untersuchungen k\u00fcrzlich folgendes zu Tage gebracht: In den meisten OECD-L\u00e4ndern \u2013 so auch in der Schweiz \u2013 wenden n\u00e4mlich die Nachkommen von Zuwanderern weit mehr Zeit f\u00fcr die Arbeitssuche auf als die Nachkommen von Einheimischen mit gleicher Qualifikation.&#13;<br \/>\nVgl. Fibbi, Kaya et Piguet (2003). Dies sind Anzeichen einer Verschlechterung f\u00fcr gewisse Gruppen von Zuwanderern. Es ist also fraglich, ob die Schweiz die vor der Krise festgestellte relativ gute Integration von Zuwanderern, wie sie haupts\u00e4chlich auf lokaler Ebene \u2013 mit Sprachkursen, schulischer Unterst\u00fctzung und Berufsbildung \u2013 stattfindet, auch in Zukunft beibehalten kann.&#13;<\/p>\n<h2>Sollte die Schweiz die Integration von Zuwanderern der ersten und zweiten Generation st\u00e4rker f\u00f6rdern?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem Fall des Eisernen Vorhangs und den damit verbundenen geopolitischen Folgen, dem Inkrafttreten der Personenfreiz\u00fcgigkeit im Rahmen der bilateralen Abkommen mit der EU im Juni 2002, der EU-Erweiterung 2004 und 2007 sowie der wirtschaftlichen Globalisierung sind neue Herausforderungen im Bereich Migration auf die Schweiz zugekommen. Die Herkunftsl\u00e4nder und die Einwanderungskan\u00e4le haben sich diversifiziert. Insbesondere f\u00e4llt der wachsende Anteil des Familiennachzugs und der humanit\u00e4ren Migration ins Gewicht, auch wenn die Migration aus Besch\u00e4ftigungsgr\u00fcnden \u2013 vor allem dank der Zuwanderung von Arbeitnehmenden aus EU-L\u00e4ndern \u2013 nach wie vor dominiert.&#13;<br \/>\nVgl. Weber (2010).Die Integration der Zuwanderer schien in der Schweiz lange wie von selbst stattzufinden und keiner spezifischen Politik zu bed\u00fcrfen. Heute wird sie von den Beh\u00f6rden aufmerksam beobachtet und von einem Teil der \u00f6ffentlichen Meinung besorgt verfolgt. Einige Zuwanderer weisen denn auch deutlich schlechtere Resultate auf dem Arbeitsmarkt auf als Einheimische.&#13;<br \/>\nVgl. Weber (2010). Auch wenn dieses Ph\u00e4nomen sowohl f\u00fcr die Zuwanderer der ersten wie auch der zweiten Generation weniger ausgepr\u00e4gt ist als in anderen europ\u00e4ischen OECD-L\u00e4ndern, w\u00fcrde ein Fortschreiten dieser Tendenz die Schweiz vor grosse Herausforderungen stellen, zumal sie in den kommenden Jahren vermehrt auf ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte angewiesen ist und den freien Zugang von Arbeitskr\u00e4ften aus dem EWR beibehalten sollte. Die Schweiz sollte deshalb die Anzeichen der schlechteren Integration gewisser Gruppen von Zuwanderern ernst nehmen und zum jetzigen Zeitpunkt, wo das Gesamtresultat noch positiv ist, Massnahmen zugunsten der schlechter gestellten Gruppen ergreifen.Ohne den Entscheidungen vorgreifen zu wollen, ist es sinnvoll, einige Beispiele guter Praktiken in mehreren Bereichen aus den elf L\u00e4ndern, die von der OECD untersucht worden sind, herauszustreichen.&#13;<br \/>\nVgl. OECD (erscheint 2012). Der erste Bereich betrifft die Neuank\u00f6mmlinge aus Nicht-EWR-Staaten. In einigen OECD-L\u00e4ndern hat sich die Massnahme des <i>schnellen Spracherwerbs, verbunden mit einer raschen Eingliederung auf dem Arbeitsmarkt,<\/i> bew\u00e4hrt. Die entsprechenden Kurse werden auf die Bed\u00fcrfnissen der Wirtschaft ausgerichtet und an das Kompetenzniveau der Einwanderer angepasst. Im Fall der Schweiz k\u00f6nnten diese Massnahmen gezielt bei arbeitslosen Fl\u00fcchtlingen oder Jugendlichen \u2013 speziell mit Migrationshintergrund \u2013 ohne Schul- oder Lehrabschluss eingesetzt werden. Die betreffenden Personen w\u00fcrden sich dabei verpflichten, an einem progressiven Integrations- oder Reintegrationsmodell teilzunehmen, das eine Verbesserung der Sprachkompetenz sowie eine On-the-Job-Ausbildung umfasst. Dies k\u00f6nnten auch Stellen mit zeitweiser Unterst\u00fctzung sein.Zweitens sollte ein systematischer <i>Kontakt zwischen Zuwanderern und Arbeitgebern<\/i> hergestellt werden, um die Vorbehalte von Arbeitgebern gegen\u00fcber einer Anstellung von Zuwanderern der ersten und zweiten Generation abzubauen. \u00dcber den Kanal der Berufsbildung sollen komplement\u00e4re Netze der beruflichen Qualifikation f\u00fcr Zuwanderer und ihre Nachkommen \u2013 insbesondere jene, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden von der regul\u00e4ren Berufslehre oder vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind \u2013 gest\u00e4rkt werden. Es geht auch darum, Diskriminierung zu bek\u00e4mpfen und die Akzeptanz kultureller Vielfalt zu verbessern. Dazu geh\u00f6rt auch, die Vorteile der Einb\u00fcrgerung bekannter zu machen und \u2013 speziell im Fall der Schweiz \u2013 diese gegebenenfalls zu erleichtern.&#13;<br \/>\nVgl. Liebig et Von Haaren (2011). Alle OECD-L\u00e4nder setzen das Augenmerk auf die Notwendigkeit, hoch qualifizierte Personen anzuziehen und im Land zu behalten; dieser Personenkreis ist somit sehr umworben. Zahlreiche Studien belegen jedoch, dass die Diplome und Kompetenzen von Zuwanderern bei einer transparenteren Evaluation besser valorisiert werden k\u00f6nnten. Drittens sollte die <i>Aufmerksamkeit st\u00e4rker auf die zweite Generation der Zuwanderer gelenkt<\/i> werden. Die bisherigen Anstrengungen in diesem Bereich waren in vielen L\u00e4ndern ungen\u00fcgend, sodass sich heute ein dringender Handlungsbedarf aufgestaut hat. Der Zeitpunkt zum Handeln ist jedoch denkbar ung\u00fcnstig, da wirtschaftliche Abschw\u00e4chung und staatliche Budgetreduktionen den Handlungsspielraum f\u00fcr zus\u00e4tzliche Massnahmen zur F\u00f6rderung der Arbeitsbeteiligung benachteiligter sozialer Gruppen einschr\u00e4nken. Als gute Praktiken herausgestellt haben sich hier die F\u00f6rderung der Anstellung von Zuwanderern bei der staatlichen Verwaltung, der vorzeitige Kontakt der zweiten Generation mit der Sprache und dem Schulsystem des Landes, gezielte Massnahmen zur F\u00f6rderung eines (Wieder-)Eintritts in den Arbeitsprozess von zugewanderten M\u00fcttern sowie begleitend dazu ein Ausbau der Strukturen zur Kinderbetreuung. Eine Aufstockung der Mittel von Schulen mit einem hohen Anteil an Kindern von Zugewanderten \u2013 insbesondere aus bildungsfernen Schichten \u2013 kann zudem das Risiko eines schulischen Scheiterns sowie eines Ausschlusses vom Bildungssystem und Arbeitsmarkt reduzieren.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Integration von Zuwanderern geh\u00f6rte in der Schweiz bis vor kurzen nicht zu den Hauptzielen der Migrationspolitik, dies aus mindestens zwei Gr\u00fcnden: Erstens gingen die Beh\u00f6rden immer davon aus, dass die Bundespolitik f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung gelte, also auch f\u00fcr die Zugewanderten. Zweitens schnitten die Zuwanderer und ihre Nachkommen im OECD-Vergleich \u2013 auch mit L\u00e4ndern mit einem viel tieferen Ausl\u00e4nderanteil als der Schweiz \u2013 recht gut ab, auch wenn dies in der \u00f6ffentlichen Debatte kaum anerkannt worden ist. Das gute wirtschaftliche und finanzielle Umfeld sowie die verschiedenen auf kantonaler Ebene ergriffenen Integrationsmassnahmen garantierten, dass sich ihre Arbeitsmarktintegration \u2013 je nach Gruppe von Zugewanderten mehr oder weniger schnell \u2013 derjenigen der Einheimischen angeglichen hat. Seit Beginn der 1990er-Jahre ist man sich allerdings der ver\u00e4nderten Zusammensetzung der Migrationsfl\u00fcsse bewusst (Diversifizierung der Herkunftsl\u00e4nder und der Zuwanderungsmotive) und hat auch die Wirkungen des seit 2002 herrschenden freien Personenverkehrs mit der EU gut abgesch\u00e4tzt und vorhergesehen. So beinhaltet das neue Ausl\u00e4ndergesetz, das 2008 in Kraft getreten ist, eine Vielzahl von Hinweisen auf die Integration. Das Bundesamt f\u00fcr Migration (BFM) ist mit der Koordination dieses Bereichs betraut. Erst k\u00fcrzlich hat der Bundesrat im Hinblick auf 2014 beschlossen, die Durchf\u00fchrung der auf eidgen\u00f6ssischer Ebene definierten strategischen Ausrichtung der Integrationspolitik den Kantonen zu \u00fcbertragen. Im Rahmen der Beziehungen zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden\/St\u00e4dten sind bereits Massnahmen&#13;<br \/>\nVgl. De Coulon et G\u00e4uman (2009). ergriffen worden, welche zum Teil in Richtung der oben beschriebenen guten Praktiken gehen: Integrationsvereinbarungen, vorzeitiger Familiennachzug, einmalige Integrationspauschale. Die Schweiz hat ausserdem beschlossen, die Effizienz der lokalen Integrationsmassnahmen zu evaluieren.&#13;<br \/>\nVgl. Conf\u00e9rence tripartite sur les agglom\u00e9rations (2009). Dieses dezentrale, auf eidgen\u00f6ssischer Ebene konzertierte Vorgehen ist eine vielversprechende Etappe auf dem Weg hin zur Einf\u00fchrung eines Gesamtrahmens f\u00fcr die schweizerische Integrationspolitik.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEinheimische und zugewanderte Bev\u00f6lkerung nach Ausbildungsniveau in ausgew\u00e4hlten OECD-L\u00e4ndern, 25\u201354 Jahre (in&nbsp;%), 2006\/2007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abCharakteristika der zugewanderten und einheimischen Bev\u00f6lkerung auf dem Arbeitsmarkt (15-64 Jahre) in ausgew\u00e4hlten OECD-L\u00e4ndern, Durchschnitt 2007\/2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Bibliografie&#13;<\/p>\n<h3>Bibliografie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Tripartite Agglomerationskonferenz: Weiterentwicklung der schweizerischen Migrationspolitik. Konferenz der Kantonsregierungen, Bern, 2009. \u2212 De Coulon C und G\u00e4uman K.: Rapport SOPEMI 2009 pour la Suisse, Bundesamt f\u00fcr Migration, Bern, 2010.\u2212 Fibbi R, Kaya B. und Piguet E.: Le passeport ou le dipl\u00f4me? \u00c9tude des discriminations \u00e0 l\u2019embauche des jeunes issus de la migration. Forschungsbericht Nr. 31, Schweizerisches Forum f\u00fcr Migrations- und Bev\u00f6lkerungsstudien, Neuenburg, 2003.\u2212 Liebig T.: Switzerland\u2019s immigration experiences: lessons for Germany?, Research Institute for Labour Economics and Labour Law, Universit\u00e4t St. Gallen, Discussion Paper Nr. 76, 2002.\u2212 Liebig T. und Von Haaren F.: Citizenship and the Socioeconomic Integration of Immigrants and their Children: an Overview across EU and OECD Countries, in: OECD (Ed.), Naturalisation: A Passport for the Better Integration of Immigrants?, OECD, Paris, 2011.\u2212 Piguet E., L\u2019Immigration en Suisse: soixante ans d\u2019entrouverture, Presses polytechniques romandes, coll. \u00abLe savoir suisse\u00bb, Lausanne, 2008.\u2212 OECD: International Migration Outlook, OECD, Paris, 2009.\u2212 OECD: The Labour Market Integration of Immigrants and their Children in Switzerland , in: Jobs for Immigrants &#8211; The Labour Market Integration of Immigrants in Austria, Norway and Switzerland, Bd. 3, OECD, Paris, erscheint 2012.\u2212 Weber B. (2010), Auswirkungen der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt, in: Die Volkswirtschaft, 6-2010, Bern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz ist ein bedeutendes Einwanderungsland. Hinter Luxemburg ist es das OECD-Land mit dem zweith\u00f6chsten Ausl\u00e4nderanteil (knapp 22% im Jahr 2009). Zudem tr\u00e4gt die Zuwanderung&#13; Verstanden als Migrationssaldo. viel mehr zum Bev\u00f6lkerungswachstum bei als die nat\u00fcrliche Bev\u00f6lkerungsentwicklung.&#13; \u00dcberschuss von Geburten gegen\u00fcber Todesf\u00e4llen. 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