{"id":120179,"date":"2011-12-01T12:00:00","date_gmt":"2011-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/12\/ibraimovic-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:50","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:50","slug":"ibraimovic","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/12\/ibraimovic\/","title":{"rendered":"Zwischen residentieller Integration und Segregation: Herausforderung f\u00fcr die St\u00e4dte"},"content":{"rendered":"<p>Der in ganz Westeuropa zunehmende ethnische Pluralismus hat die Diskussion um die residentielle Segregation angeheizt. In der Schweiz ist dieses Ph\u00e4nomen allerdings noch wenig bekannt. Eine k\u00fcrzlich verfasste Studie der Universit\u00e4t der italienischen Schweiz (USI) zeigt, dass in Lugano&#13;<br \/>\nDie Analyse umfasste das Gebiet und die Wohnbev\u00f6lkerung von \u00abNuova Lugano\u00bb (Definition von 2008) mit seinen alten Gemeinden, die sich inzwischen zu Quartieren entwickelt haben, sowie von sieben weiteren Gemeinden der Region Lugano: Paradiso, Massagno, Capriasca, Agno, Bioggio, Collina d\u2019Oro und Cadempino. \u2013 trotz des grossen Anteils an Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern in der Bev\u00f6lkerung \u2013 die Konzentration der einzelnen eingewanderten Gruppen noch nicht so hoch ist, dass man von einer sozialen Isolierung sprechen k\u00f6nnte. Dennoch sind in einzelnen Quartieren bestimmte Volksgruppen und Nationalit\u00e4ten auffallend stark vertreten. Diese r\u00e4umliche Verteilung h\u00e4ngt gem\u00e4ss den Ergebnissen der Studie nicht allein von sozialwirtschaftlichen Faktoren ab, sondern auch von den individuellen Pr\u00e4ferenzen der Personen in Bezug auf die ethnische Zusammensetzung der eigenen Nachbarschaft. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201112_11_Ibraimovic_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Ethnischer Pluralismus und die Stadt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie soziale Integration in den Wohngebieten stellt f\u00fcr die Stadtentwicklung heute eine der gr\u00f6ssten Herausforderungen dar. Dabei tauchen zwei Hauptprobleme auf: einerseits die immer markantere r\u00e4umliche Trennung zwischen der wohlhabenden Bev\u00f6lkerung und den weniger gut situierten Gesellschaftsschichten und andererseits die geografische Trennung zwischen Einwohnergruppen verschiedener Herkunft, Kultur und Religion. Dieses als ethnische oder sozialwirtschaftliche residentielle Segregation bekannte Ph\u00e4nomen ist Thema zahlreicher Untersuchungen in den USA. Seit kurzem wird ihm aber auch in den Grossst\u00e4dten Europas immer gr\u00f6ssere Aufmerksamkeit zuteil.Von residentieller Segregation spricht man, wenn sich Einwohnergruppen mit unterschiedlicher Herkunft oder unterschiedlichem sozialwirtschaftlichem Profil nicht in den gleichen Quartieren niederlassen. Dies muss nicht per se negativ sein. Es kann f\u00fcr die diversen ethnischen Gruppen sogar Vorteile bringen, zumal sie so ihre Kultur, Sprache und Br\u00e4uche bewahren k\u00f6nnen. Auch der Zugang zum Wohnungs- und Arbeitsmarkt wird damit erleichtert. Wenn die Konzentration \u00e4hnlicher Profile allerdings ein gewisses Niveau \u00fcbersteigt und zur Trennung von den \u00abAndern\u00bb wird, kann es zu Problemen kommen, die man in modernen St\u00e4dten h\u00e4ufig antrifft: soziale Ausgrenzung und Isolierung, Bildung von \u00abGhettos\u00bb und Konzentration von Armut.&#13;<\/p>\n<h2>Ursachen solcher Trends<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass es bei Volksgruppen zu einer hohen Konzentration \u2013 oder zum anderen Extrem, einer starken Zerstreuung \u2013 kommt, kann das Ergebnis einer Vielzahl von Prozessen sein. Dies kann durch das Verhalten der Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder hervorgerufen werden (soziale Mobilit\u00e4t, Integration, Pr\u00e4ferenzen bei der Wahl des Wohngebiets), oder eine Folge des von Bev\u00f6lkerung, Privatsektor und staatlicher Politik verursachten st\u00e4dtischen Wandels sein. Je nach Ursache kann die ethnische Segregation gewollt oder ungewollt sein. Zieht man es beispielsweise vor, in der N\u00e4he von Personen gleicher Nationalit\u00e4t zu wohnen und w\u00e4hlt das Wohnquartier entsprechend aus, entspricht dies einer gewollten ethnischen Konzentrationen. Als Folge davon entstehen monoethnische Stadtviertel. Sind die Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder jedoch wegen ihres Einkommensniveaus oder wegen der Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt bei der Wahl ihres Wohnquartiers eingeschr\u00e4nkt, kann dies zu verschiedenen Formen ungewollter ethnischer Ausgrenzung und Segregation \u2013 sowie als Konsequenz zur Entstehung multiethnischer Immigrantenquartiere \u2013 f\u00fchren. Diese Quartiere sind in der Regel sozialwirtschaftlich benachteiligt. Soll die St\u00e4dtepolitik hier Abhilfe schaffen, m\u00fcssen die effektiven Ursachen eruiert werden, um allf\u00e4lligen negativen Folgen effizient entgegenwirken zu k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung in Lugano<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nLugano geh\u00f6rt zu den Schweizer St\u00e4dten mit dem h\u00f6chsten Ausl\u00e4nderanteil, ist dieser mit rund 40% (vgl. <i>Tabelle 1<\/i>) doch praktisch doppelt so hoch wie der nationale Durchschnitt (22%&#13;<br \/>\nStatistik der ausl\u00e4ndischen Wohnbev\u00f6lkerung (Petra) 2009, Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS), Neuenburg.). Die H\u00e4lfte der Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder sind italienische Staatsangeh\u00f6rige. Weitere 15,5% stammen aus den restlichen EU15-L\u00e4ndern, Nordamerika und Australien. Migrantinnen und Migranten aus anderen L\u00e4ndern machen 31,4% der gesamten ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung aus. Von den Staatsangeh\u00f6rigen aus Drittl\u00e4ndern, die als Arbeitskr\u00e4fte, auf der Suche nach Asyl oder im Rahmen des Familiennachzugs in die Schweiz gekommen sind, stammen die meisten aus Ex-Jugoslawien oder der T\u00fcrkei (16,9% bzw. 2,3%). Staatsangeh\u00f6rige aus Osteuropa, Asien, Lateinamerika, Afrika und dem Nahen Osten machen insgesamt 12,2% der ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung aus.&#13;<\/p>\n<h2>Multiethnische Quartiere und Gemeinden der Region Lugano<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsgesamt variiert der Ausl\u00e4nderanteil des in der Studie untersuchten Gebiets stark: In den peripheren Gemeinden betr\u00e4gt er 12%-30% der Bev\u00f6lkerung, w\u00e4hrend er in den st\u00e4dtischen Quartieren bis zu 57% erreicht. Diese r\u00e4umliche Verteilung deckt sich mit dem restlichen Europa, wo in gemischten Wohnquartieren zahlreiche verschiedene Volksgruppen und Nationalit\u00e4ten zusammenleben. Im Gegensatz dazu sind in Amerika monoethnische Stadtviertel vorherrschend. Die gegenw\u00e4rtige Konzentration der einzelnen Ausl\u00e4ndergruppen in den untersuchten Quartieren h\u00e4lt sich in Grenzen, was unter anderem auch der kompakten St\u00e4dteform und einem breiten Wohnmix zu verdanken ist. Dennoch finden sich auf dem untersuchten Gebiet in bestimmten Wohngegenden mehr oder weniger grosse Ansammlungen von Volksgruppen und Nationalit\u00e4ten. Diese widerspiegeln eine gewisse sozialr\u00e4umliche Hierarchie der Stadt, wobei Staatsangeh\u00f6rige aus den EU15-L\u00e4ndern und Nordamerika vor allem in den exklusiveren Stadtteilen vertreten sind (vgl. <i>Grafik 1<\/i>, Karten C und D), w\u00e4hrend andere Migrantinnen und Migranten gr\u00f6sstenteils in den grossen Wohnquartieren rund um das Altstadtzentrum leben (Karten A und B). Daraus k\u00f6nnte man schliessen, dass diese r\u00e4umliche Verteilung vor allem von sozialwirtschaftlichen Faktoren herr\u00fchrt. Untersucht werden muss aber auch, ob die verschiedenen Volksgruppen jeweils individuelle Pr\u00e4ferenzen haben, die zu solchen Segregationsph\u00e4nomenen f\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h2>Das Experiment Lugano<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusgehend von der beschriebenen Analyse versuchten wir die Dynamik und die Ursachen zu ergr\u00fcnden, die zur Bildung der bestehenden ethnischen Gruppen gef\u00fchrt haben. Ausserdem wollten wir eruieren, ob die Konzentration bestimmter Volksgruppen oder Nationalit\u00e4ten in Lugano aufgrund der gewollten Segregation bestimmter ethnischer Gruppen entstanden ist. Dazu haben wir mittels eines vom Istituto Ricerche Economiche (IRE) im September und Oktober 2010 durchgef\u00fchrten \u00f6konomischen Experiments analysiert, welches Wohnquartier 133 schweizerische und ausl\u00e4ndische Haushalte in der Stadt oder in den anderen sieben Gemeinden ausw\u00e4hlen w\u00fcrden. Diese Analyse sollte die Pr\u00e4ferenzen der Haushalte bez\u00fcglich der in der Nachbarschaft lebenden Nationalit\u00e4ten bzw. der Pr\u00e4senz von Angeh\u00f6rigen gleicher Nationalit\u00e4t und von Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern im gleichen Wohnquartier aufzeigen. Jedem befragten Haushalt wurden zw\u00f6lf verschiedene Auswahlaufgaben vorgelegt, bei denen jeweils drei Nachbarschaftssituationen zur Auswahl standen. Dies ergab 1566 g\u00fcltige \u00abAussagen\u00bb. Die entsprechenden Umfragedaten wurden mittels <i>Discrete-Choice-Modellen<\/i> analysiert (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Methodischer Rahmen: Discrete-Choice-Modelle<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese vom \u00d6konomen Daniel L. McFadden entwickelten Modelle dienen dazu, die Entscheidungsprozesse der Personen bei der Wahl zwischen verschiedenen Alternativen zu analysieren. Mit diesen Modellen k\u00f6nnen die Pr\u00e4ferenzen der Personen f\u00fcr verschiedene G\u00fcter und f\u00fcr verschiedene Eigenschaften dieser G\u00fcter empirisch ermittelt werden. Daraus lassen sich Prognosen f\u00fcr die Auswahlwahrscheinlichkeit (Human Decision Making Behavior) entwickeln, und der monet\u00e4re Wert l\u00e4sst sich sch\u00e4tzen, den die Personen einer bestimmten Verbesserung des Guts oder der gew\u00fcnschten Eigenschaft beimessen. Die f\u00fcr ihre \u00fcberzeugenden Ergebnisse und ihre Vielseitigkeit gesch\u00e4tzten Discrete-ChoiceModelle gelangen heute sehr breit zur Anwendung. Abgesehen vom in dieser Studie analysierten Ph\u00e4nomen im Wohnsektor werden diese Modelle auch in den Bereichen Transport, Umwelt, Marketing und in anderen Zusammenh\u00e4ngen verwendet.Die vom Schweizerischen Nationalfonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung finanzierte Studie wurde zwischen 2007 und 2010 von zwei Forschungszentren der USI, dem Istituto Ricerche Economiche (IRE) und dem MACSLab durchgef\u00fchrt. Damit sollten unter Ber\u00fccksichtigung wirtschaftlicher sowie st\u00e4dtepolitischer und sozialer Aspekte Antworten auf einige der wichtigsten Fragen zum Thema residentielle Segregation gefunden werden. Insbesondere wollte man untersuchen, ob und in welchem Ausmass dieses Ph\u00e4nomen bei uns existiert und welche Faktoren daf\u00fcr verantwortlich sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Einfluss der ethnischen Pr\u00e4ferenzen auf die Wahl des Wohnquartiers<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Wohnen in der N\u00e4he von Personen gleicher Nationalit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bei der Umfrage zur Wahl des Wohnquartiers gesammelten Daten wurden mittels Discrete-Choice-Modellen ausgewertet und ergaben interessante Ergebnisse. Beginnen wir zun\u00e4chst mit dem wichtigsten Ergebnis, das die Hauptfrage der Untersuchung beantwortet: Existiert in der Region Lugano eine gewollte ethnische Segregation? Die Resultate zeigen, dass die Befragten am liebsten in der N\u00e4he von Personen gleicher Nationalit\u00e4t leben, dass dies f\u00fcr die Wahl des Wohnquartiers letztlich jedoch nicht entscheidend ist. Der Einfluss dieser Pr\u00e4ferenz ist \u2013 monet\u00e4r ausgedr\u00fcckt \u2013 effektiv relativ gering. So w\u00e4ren beispielsweise die Befragten unter sonst gleichen Umst\u00e4nden bereit, f\u00fcr 10% mehr Angeh\u00f6rige der gleichen Nationalit\u00e4t im gleichen Wohnquartier monatlich 29 Franken mehr Miete zu bezahlen. Dies entspricht in unserer Studie einer Erh\u00f6hung von 2% einer durchschnittlichen Monatsmiete von 1350 Franken.Je nach Herkunft der Befragten variieren diese Pr\u00e4ferenzen allerdings. Insbesondere Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder aus westlichen L\u00e4ndern sowie Schweizerinnen und Schweizer \u00e4usserten klarere Pr\u00e4ferenzen in Bezug auf die N\u00e4he von Personen ihrer eigenen Nationalit\u00e4t als Angeh\u00f6rige von Drittstaaten. Neben der Herkunft spielt hier auch das Bildungsniveau der einzelnen Personen eine wichtige Rolle. Bei Einwohnerinnen und Einwohnern mit h\u00f6herer Ausbildung ist die bereits schwache Neigung zur Segregation noch weniger ausgepr\u00e4gt: Die Bereitschaft, daf\u00fcr zu bezahlen, um in einem Quartier mit gr\u00f6sserer Konzentration von Personen gleicher Nationalit\u00e4t zu wohnen, ist praktisch gleich null.&#13;<\/p>\n<h2>Wohnen in multiethnischen Quartieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse der Pr\u00e4ferenzen in Bezug auf die Pr\u00e4senz anderer ethnischer Gruppen im Wohnquartier zeigt, dass Quartiere mit einem geringeren Anteil an Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern und folglich mit einer Mehrheit von Schweizerinnen und Schweizern bevorzugt werden. Unter sonst gleichen Umst\u00e4nden w\u00e4ren die Befragten \u2013 monet\u00e4r ausgedr\u00fcckt \u2013 bereit, in einem Quartier mit einem um 10% h\u00f6heren Ausl\u00e4nderanteil zu wohnen, wenn die Miete daf\u00fcr um 1,5%&#13;<br \/>\nDie Berechnung basiert auf einer Miete von 1350 Franken monatlich (Stichprobenmittel). reduziert w\u00fcrde. In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass die Befragten eine Mietreduktion (Entsch\u00e4digung) von 20 Franken monatlich (Stichprobenmittel) f\u00fcr einen um 10% h\u00f6heren Ausl\u00e4nderanteil im Wohnquartier verlangen w\u00fcrden.Diese leichte \u2013 aus monet\u00e4rer Sicht unwesentliche \u2013 Abneigung gegen Quartiere mit h\u00f6herem Ausl\u00e4nderanteil, die sowohl bei den in- als auch bei den ausl\u00e4ndischen Personen festgestellt wurde, k\u00f6nnte als negative Einstellung gegen\u00fcber multiethnischen Quartieren ausgelegt werden, die in den Augen der Befragten als weniger sicher gelten und weniger Infrastruktur aufweisen. Sie k\u00f6nnte aber auch als gr\u00f6ssere Bereitschaft zur Integration in die lokale Bev\u00f6lkerung seitens ausl\u00e4ndischer Staatsangeh\u00f6riger interpretiert werden.Doch nicht alle Befragten reagierten gleich auf ein multikulturelles Umfeld. So unterscheiden sich die Pr\u00e4ferenzen der verschiedenen Haushalte insofern, dass ein Teil der Befragten die ethnische Vielfalt bei der Wohnumgebung und beim Stadtbild vorzieht. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Unterschiede waren aus den Analysen nicht ersichtlich. Die Pr\u00e4ferenz f\u00fcr Multikulturalit\u00e4t war jedenfalls nicht von den sozialwirtschaftlichen und demografischen Eigenschaften der befragten Haushalte abh\u00e4ngig.&#13;<br \/>\nAuch unter Ber\u00fccksichtigung verschiedener sozialwirtschaftlicher und demografischer Variablen in den analysierten Discrete-Choice-Modellen ergaben sich keine signifikanten Ergebnisse, die diese unterschiedlichen Pr\u00e4ferenzen erkl\u00e4ren w\u00fcrden. Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung daf\u00fcr w\u00e4re, dass diese Pr\u00e4ferenzen vermutlich durch die Haltung gegen\u00fcber \u00abAusl\u00e4ndern\u00bb und einem \u00abmultiethnischen Umfeld\u00bb gepr\u00e4gt sind, die mit fr\u00fcheren Erlebnissen oder anderen sozialpsychologischen Faktoren zusammenh\u00e4ngt. Ausschlaggebend f\u00fcr Multikulturalit\u00e4t scheint also eher die individuelle Haltung als sozialwirtschaftliche Faktoren zu sein.&#13;<\/p>\n<h2>Einfluss der ethnischen Pr\u00e4ferenzen auf die Dynamik der Segregation<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Hauptergebnisse der Analyse in der Region Lugano zeigen, dass die ethnischen Konzentrationen nicht so gross sind, dass sich einzelne ethnische Gruppen von den anderen isolieren k\u00f6nnten. Dennoch ist es wichtig, die Faktoren zu identifizieren, welche f\u00fcr die bestehenden Konzentrationen verantwortlich sind, da sie die Wahl der Wohnquartiere von schweizerischen und ausl\u00e4ndischen Haushalten beeinflussen k\u00f6nnten. Die Studie zeigt anhand des Wirtschaftsexperiments, dass die Befragten jene Quartiere leicht vorziehen, in denen mehr Personen gleicher Nationalit\u00e4t wohnen, dass sie aber gleichzeitig die Quartiere mit hohem Ausl\u00e4nderanteil lieber meiden. Dies verdeutlicht zum einen den Wunsch der Immigrantinnen und Immigranten, mit der eigenen Kultur und den eigenen Wurzeln in Kontakt zu bleiben, und zum anderen den Willen, sich ins soziale Netz des Gastgeberlandes zu integrieren.Aufgrund dieser Erkenntnisse k\u00f6nnen gewisse \u00dcberlegungen zum m\u00f6glichen Einfluss der ethnischen Pr\u00e4ferenzen auf die Dynamik der Segregation angestellt werden. Erstens best\u00e4tigen die Ergebnisse, dass sich positive externe Effekte aus der N\u00e4he zu Personen gleicher Herkunft ergeben. Dies ist ein wichtiger Faktor f\u00fcr den Aufbau ethnischer Sozialnetzwerke, die neuen Immigrantinnen und Immigranten den Zugang zum Arbeits- und Wohnungsmarkt erleichtern k\u00f6nnen. Andere soziale Aspekte k\u00f6nnten die Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr ethnische Konzentrationen langfristig ebenfalls verst\u00e4rken, wie die Bewahrung der eigenen Sprache und Herkunftskultur, die Entstehung von und die N\u00e4he zu Begegnungsorten oder das Angebot spezifischer landestypischer Produkte. Nicht zu vernachl\u00e4ssigen ist aber auch der Einfluss des Bildungsniveaus auf diese Pr\u00e4ferenzen. Die ethnische Segregation nimmt denn auch tendenziell ab, je besser die Personen ausgebildet sind. Die Berufsausbildung ist somit doppelt wichtig, da sie einerseits die sozialwirtschaftliche Mobilit\u00e4t, andererseits aber auch die residentielle Integration der ausl\u00e4ndischen Personen im Gastgeberland beg\u00fcnstigt. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Immigrantinnen und Immigranten aus Drittstaaten. So ist es f\u00fcr Hochschulabsolventinnen und -absolventen aus diesen Gemeinschaften wichtiger, mit anderen wohlhabenden Personen im gleichen Quartier zusammenzuleben, als in der N\u00e4he Angeh\u00f6riger gleicher Nationalit\u00e4t zu wohnen. Dieses Ergebnis l\u00e4sst sich auch in anderen L\u00e4ndern beobachten und wird als Wunsch interpretiert, die soziale Leiter hinaufzuklettern und ein vergleichbares sozialwirtschaftliches Niveau wie die inl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung zu erreichen.Ferner kann die ethnische Konzentration in den Quartieren durch Unterschiede bei den ethnischen Pr\u00e4ferenzen der verschiedenen Einwohnergruppen beeinflusst werden. So kann beispielsweise die Pr\u00e4ferenz von Personen gleicher Nationalit\u00e4t in Kombination mit einer Aversion gegen\u00fcber einem hohen Ausl\u00e4nderanteil in der Nachbarschaft bewirken, dass Gruppen verm\u00f6gender Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder sowie Einheimische ethnisch gemischte Quartiere meiden oder verlassen. Das f\u00fchrt unter Umst\u00e4nden zu einer st\u00e4rkeren Segregation der weniger gut situierten Bev\u00f6lkerung in gewissen Stadtteilen. Dieses von der gewollten Segregation einer oder mehrerer Bev\u00f6lkerungsgruppen verursachte Ph\u00e4nomen, das die ungewollte Abgrenzung von den anderen zur Folge hat, kann dauerhafte Formen der Segregation nach sich ziehen: Es entstehen sogenannte \u00abbenachteiligte multiethnische Quartiere\u00bb. Zahlreiche Studien beweisen denn auch, dass die Schichten an den \u00e4ussersten Enden der sozialen Skala in der Regel eine st\u00e4rkere Segregation aufweisen. Bei den privilegierten Gruppen ist dies gewollt, bei den marginalisierten nicht.Abgeleitet vom monet\u00e4ren Mass \u2013 d.h. der Bereitschaft, f\u00fcr bestimmte Eigenschaften des Wohnorts zu bezahlen \u2013 k\u00f6nnen wir schliesslich das Gewicht und die Bedeutung der ethnischen Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr die Wahl des Wohnorts quantifizieren und vergleichen. So k\u00f6nnen wir beurteilen, ob Voraussetzungen und Trends hin zu einer extremeren Form der Konzentration bestehen, die eventuell zu Segregationsph\u00e4nomenen f\u00fchren. Wie aus den Analysen ersichtlich ist, geh\u00f6ren f\u00fcr die befragten Personen ethnische Pr\u00e4ferenzen \u2013 obwohl sie zweifelsohne bestehen \u2013 nicht zu den priorit\u00e4ren Kriterien bei der Wahl des Wohnquartiers. So sind die Befragten nicht unbedingt bereit, mehr zu bezahlen, um in einem Quartier mit einem h\u00f6heren Anteil an Angeh\u00f6rigen der gleichen Nationalit\u00e4t zu wohnen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWir m\u00fcssen die Ursachen f\u00fcr eine m\u00f6gliche residentielle Segregation kennen, um st\u00e4dte- und sozialpolitische Strategien zu erarbeiten und umzusetzen, die den negativen Effekten dieses Ph\u00e4nomens effizient entgegenwirken k\u00f6nnen und die einen besseren sozialen Zusammenhalt in den Wohnquartieren beg\u00fcnstigen. Angesichts der immer internationaleren Zusammensetzung der Schweizer Bev\u00f6lkerung w\u00e4re es daher interessant, diese Studie in verschiedenen st\u00e4dtischen Zentren zu wiederholen. So k\u00f6nnte das Ph\u00e4nomen der ethnischen Segregation im gesamtschweizerischen Zusammenhang besser verstanden und dessen Ursachen identifiziert sowie die m\u00f6gliche k\u00fcnftige Entwicklung untersucht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abVerteilung der ausl\u00e4ndischen Wohnbev\u00f6lkerung in den Quartieren und Gemeinden der Region Lugano, 2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abWohnbev\u00f6lkerung von Lugano gem\u00e4ss Herkunftsland, 2008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Methodischer Rahmen: Discrete-Choice-Modelle&#13;<\/p>\n<h3>Methodischer Rahmen: Discrete-Choice-Modelle<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese vom \u00d6konomen Daniel L. McFadden entwickelten Modelle dienen dazu, die Entscheidungsprozesse der Personen bei der Wahl zwischen verschiedenen Alternativen zu analysieren. Mit diesen Modellen k\u00f6nnen die Pr\u00e4ferenzen der Personen f\u00fcr verschiedene G\u00fcter und f\u00fcr verschiedene Eigenschaften dieser G\u00fcter empirisch ermittelt werden. Daraus lassen sich Prognosen f\u00fcr die Auswahlwahrscheinlichkeit <i>(Human Decision Making Behavior)<\/i> entwickeln, und der monet\u00e4re Wert l\u00e4sst sich sch\u00e4tzen, den die Personen einer bestimmten Verbesserung des Guts oder der gew\u00fcnschten Eigenschaft beimessen. Die f\u00fcr ihre \u00fcberzeugenden Ergebnisse und ihre Vielseitigkeit gesch\u00e4tzten Discrete-ChoiceModelle gelangen heute sehr breit zur Anwendung. Abgesehen vom in dieser Studie analysierten Ph\u00e4nomen im Wohnsektor werden diese Modelle auch in den Bereichen Transport, Umwelt, Marketing und in anderen Zusammenh\u00e4ngen verwendet.Die vom Schweizerischen Nationalfonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung finanzierte Studie wurde zwischen 2007 und 2010 von zwei Forschungszentren der USI, dem Istituto Ricerche Economiche (IRE) und dem MACSLab durchgef\u00fchrt. Damit sollten unter Ber\u00fccksichtigung wirtschaftlicher sowie st\u00e4dtepolitischer und sozialer Aspekte Antworten auf einige der wichtigsten Fragen zum Thema residentielle Segregation gefunden werden. Insbesondere wollte man untersuchen, ob und in welchem Ausmass dieses Ph\u00e4nomen bei uns existiert und welche Faktoren daf\u00fcr verantwortlich sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der in ganz Westeuropa zunehmende ethnische Pluralismus hat die Diskussion um die residentielle Segregation angeheizt. In der Schweiz ist dieses Ph\u00e4nomen allerdings noch wenig bekannt. 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