{"id":120184,"date":"2011-12-01T12:00:00","date_gmt":"2011-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/12\/kuster-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:30","slug":"kuster-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/12\/kuster-3\/","title":{"rendered":"Die EVD-Fachkr\u00e4fteinitiative: F\u00fcr eine Koh\u00e4renz von Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik"},"content":{"rendered":"<p>Dank des EU-Freiz\u00fcgigkeitsabkommens konnten Schweizer Unternehmen ihren wachsenden Fachkr\u00e4ftebedarf in den letzten Jahren durch Rekrutierung ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte abdecken. Es w\u00e4re aber kurzsichtig, alleine auf die Zuwanderung zu setzen. Das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement (EVD) will deshalb mit einer langfristig angelegten Politik die Verf\u00fcgbarkeit inl\u00e4ndischer Fachkr\u00e4fte erh\u00f6hen. Freie Potenziale in der Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung k\u00f6nnen durch gute Anreize und eine kontinuierliche Aktivierung noch besser ausgesch\u00f6pft werden. Die EVD-Fachkr\u00e4fteinitiative schafft hierzu die n\u00f6tige Koh\u00e4renz von Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik.&#13;<br \/>\nDer vorliegende Beitrag basiert auf dem EVD-Grundlagenbericht \u00abFachkr\u00e4fte f\u00fcr die Schweiz\u00bb vom August 2011. Die Berechnung der hier vorgestellten Potenziale, zus\u00e4tzliche grafische Umsetzungen und weiterf\u00fchrende Literaturangaben sind dort zu finden. Der Bericht steht auf <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/themen\">http:\/\/www.evd.admin.ch\/themen<\/a> unter der Rubrik \u00abBildung, Forschung, Innovation\u00bb zur Verf\u00fcgung.&#13;<\/p>\n<h2>Fachkr\u00e4fte f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin ausreichendes, den Bed\u00fcrfnissen der Unternehmen angepasstes Arbeitskr\u00e4fteangebot geh\u00f6rt mit zu den wichtigsten Standortfaktoren einer Volkswirtschaft. Die Unternehmen in der Schweiz haben sich in den letzten Jahren immer st\u00e4rker auf Produkte mit hoher Wertsch\u00f6pfung spezialisiert. Dies hat \u2013 zusammen mit der technologischen Entwicklung \u2013 zu einem wachsenden Qualifikationsbedarf \u00fcber die gesamte Breite der Produktions- und Dienstleistungst\u00e4tigkeiten gef\u00fchrt. Die Nachfrage ist bis heute vor allem bei qualifizierten und spezialisierten Arbeitskr\u00e4ften gewachsen, also bei \u00abFachkr\u00e4ften\u00bb. Diese Trends sind allen industrialisierten L\u00e4ndern gemeinsam. Fachkr\u00e4fte setzen international mobiles Wissen vor Ort in Innovationen um. Sie generieren damit einen Mehrwert f\u00fcr die Unternehmen, f\u00fcr die Volkswirtschaft und f\u00fcr die Gesellschaft. Innovationen sind zudem die einzige Quelle des Produktivit\u00e4tsfortschritts, die nie versiegen wird.Gleichzeitig stehen die L\u00e4nder Westeuropas vor der demografischen Herausforderung einer stagnierenden bis schrumpfenden Erwerbsbev\u00f6lkerung. Die Demografieszenarien des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) zeigen f\u00fcr die Schweiz, dass in den kommenden Jahren mit einem deutlich schw\u00e4cheren Wachstum der Bev\u00f6lkerung im Erwerbsalter gerechnet werden muss und dass ein R\u00fcckgang der Erwerbsbev\u00f6lkerung ab 2020 immer wahrscheinlicher wird (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Diese Erkenntnis beh\u00e4lt ihre G\u00fcltigkeit auch bei sehr unterschiedlichen Annahmen zur Zuwanderung. Diese Entwicklung wird Unternehmen wie auch Volkswirtschaften vor erhebliche Probleme stellen. Unternehmen stehen international also immer st\u00e4rker in einem permanenten Wettbewerb um Arbeits- und Fachkr\u00e4fte, was sich in Phasen der Hochkonjunktur besonders akzentuiert.&#13;<\/p>\n<h2>Besondere Bedeutung der Zuwanderung f\u00fcr die Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Besonderheit der Schweiz ist, dass unsere Unternehmen zur Deckung des wachsenden Fachkr\u00e4ftebedarfs in den letzten Jahren in vergleichsweise hohem Masse auf ausl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fte zur\u00fcckgreifen konnten. Die hohe Standortattraktivit\u00e4t, eine l\u00e4ngere Phase mit hohem Weltwirtschaftswachstum sowie die schrittweise \u00d6ffnung unseres Arbeitsmarktes gegen\u00fcber der EU ab Mitte 2002 haben diese Tendenz beg\u00fcnstigt und die Versorgung der Unternehmen mit geeigneten Fachkr\u00e4ften hierzulande erleichtert. Die letzten Jahre haben deutlich gemacht, wie wichtig der Zugang zu internationalen Fachkr\u00e4ften f\u00fcr eine kleine Volkswirtschaft wie die Schweiz ist. F\u00fcr viele Branchen, in denen die Schweiz eine starke Position auf den Weltm\u00e4rkten erreichen konnte (wie z.B. in der Pharmaindustrie, bei Finanzdienstleistungen oder in der Maschinenindustrie), w\u00e4re das inl\u00e4ndische Fachkr\u00e4fteangebot zu klein gewesen, um mit dem raschen technologischen Wandel wachsen zu k\u00f6nnen. Die Zuwanderung ist also eine unerl\u00e4ssliche <i>Erg\u00e4nzung,<\/i> welche die Flexibilit\u00e4t des Schweizer Fachkr\u00e4ftemarktes erh\u00f6ht. Vorhersagen \u00fcber die langfristige Entwicklung der Zuwanderung sind jedoch sehr unsicher. Angesichts \u00e4hnlicher demografischer Entwicklungen in der gesamten EU ist l\u00e4ngerfristig vermutlich eher mit einer Abschw\u00e4chung der Migrationspotenziale zu rechnen. Unabh\u00e4ngig vom genauen Ausmass der Zuwanderung wird der Druck in den kommenden Jahren sukzessive zunehmen, das inl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4ftepotenzial in der Schweiz noch besser als bisher zu nutzen. Fachkr\u00e4fte im Inland bilden das eigentliche Fundament unserer Volkswirtschaft. Es stellt sich die Frage, wo in der Schweiz heute noch freie Fachkr\u00e4ftepotenziale zu finden sind und wie diese am besten entwickelt und aktiviert werden k\u00f6nnten. Diese Frage hat Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann an den Anfang der von ihm lancierten EVD-Fachkr\u00e4fteinitiative gestellt und das Bundesamt f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) sowie das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) mit der Erarbeitung von vertiefenden Grundlagen beauftragt. Die Schweiz steht vor einer Herausforderung, da die Erwerbst\u00e4tigenquote der 15- bis 64-j\u00e4hrigen hiesigen Bev\u00f6lkerung europaweit bereits einen Spitzenwert von knapp 80% erreicht. Einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr ist unter anderem die besonders hohe Arbeitsmarktintegration von Jugendlichen. Die berufliche Grundbildung mit ihrem engen Unternehmensbezug ist daf\u00fcr von zentraler Bedeutung. Eine differenzierte Betrachtung zeigt aber dennoch betr\u00e4chtliche Potenziale inaktiver Fachkr\u00e4fte, d.h. \u00abfreie\u00bb Potenziale, auf. Zwei Schwerpunkte sollen dies exemplarisch illustrieren.&#13;<\/p>\n<h2>Wesentliche freie Potenziale bei Frauen und \u00e4lteren Arbeitnehmenden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBesonders bei der Bev\u00f6lkerungsgruppe der 25- bis 54-j\u00e4hrigen Erwachsenen bestehen noch erhebliche Fachkr\u00e4ftepotenziale, da vor allem viele <i>Frauen<\/i> nur teilzeiterwerbst\u00e4tig sind. Besonders h\u00e4ufig trifft dies auf diejenigen Frauen zu, welche eine Erziehungsaufgabe wahrnehmen (siehe <i>Grafik 2<\/i>). In Vollzeit\u00e4quivalenten ausgedr\u00fcckt lag die Erwerbst\u00e4tigenquote von 25- bis 54-j\u00e4hrigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren im Haushalt bei nur 40%. Bei gleichaltrigen Frauen ohne betreuungspflichtige Kinder waren es dagegen fast 70%. Gut 743&nbsp;000 Vollzeit\u00e4quivalente w\u00e4re 2009 das theoretisch verf\u00fcgbare Fachkr\u00e4ftepotenzial von nicht- und teilzeiterwerbst\u00e4tigen Personen sowie von Erwerbslosen im Alter von 25\u201354 Jahren gewesen, die mindestens \u00fcber eine Ausbildung auf Sekundarstufe II verf\u00fcgten. Geht man zur Illustration von einer Zielvorgabe der Aktivierung von 20% dieses Potenzials aus, w\u00fcrde dies rund 149&nbsp;000 Vollzeitarbeitskr\u00e4ften entsprechen.Eine weitere Zielgruppe bilden die <i>\u00e4lteren Arbeitnehmenden.<\/i> H\u00e4tte man das theoretisch verf\u00fcgbare Potenzial von nicht- und teilzeiterwerbst\u00e4tigen Personen und von Erwerbslosen im Alter von 55\u201364 Jahren voll aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen, w\u00e4ren 2009 rund 420&nbsp;000 Vollzeitarbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung gestanden. Geht man wiederum vom Ziel einer Aktivierung von 20% dieses Potenzials aus, w\u00fcrde dies rund 84&nbsp;000 Vollzeitarbeitskr\u00e4ften entsprechen. Nicht darin enthalten sind Personen im Pensionsalter, welche ebenfalls als Potenzialgruppe betrachtet werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\nSiehe u.a. die Antwort des Bundesrates zur Interpellation Maximilian Reimann (11.3112) \u00abArbeitspotenzial \u00e4lterer Menschen. Stopp der Talentverschwendung\u00bb.Nicht nur die Beteiligung und Entfaltung dieser freien Potenziale am Arbeitsmarkt ist zu erm\u00f6glichen: Die Politik muss gleichzeitig auch daf\u00fcr sorgen, dass die Qualifizierung der Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung denjenigen F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten entspricht, welche von der Wirtschaft nachgefragt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Qualifizierung auf die Anforderungen der Wirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Arbeitskr\u00e4fteangebot hat sich den strukturellen Ver\u00e4nderungen der Schweizer Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten insgesamt gut angepasst. Die wachsende Nachfrage nach h\u00f6heren Qualifikationen schlug sich in einer H\u00f6herqualifizierung der Erwerbsbev\u00f6lkerung nieder. W\u00e4hrend sich der Anteil an Erwerbst\u00e4tigen ohne nachobligatorische Ausbildung seit den 1970er-Jahren von 40% auf aktuell rund 16% zur\u00fcckbildete, nahm der Anteil von Erwerbst\u00e4tigen mit terti\u00e4rer Ausbildung von 13% im Jahr 1980 auf aktuell rund 32% zu.Die Fachkr\u00e4ftenachfrage w\u00e4chst aber nicht nur \u2013 wie dies zuweilen verk\u00fcrzt dargestellt wird \u2013 f\u00fcr akademisch ausgebildete Arbeitskr\u00e4fte, sondern auch f\u00fcr Personen mit beruflicher Grundbildung oder mit h\u00f6herer Berufsbildung. <i>Grafik 3<\/i> zeigt, dass gerade Fachkr\u00e4fte mit h\u00f6herer Berufsbildung im Durchschnitt am h\u00e4ufigsten erwerbst\u00e4tig sind. Eine vertiefte Betrachtung der Qualifizierungsstruktur deckt gleichwohl Segmente innerhalb der Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung auf, die \u00fcber Nachholbildung, Weiterbildung und H\u00f6herqualifizierung st\u00e4rker auf die Nachfrage der Wirtschaft ausgerichtet werden k\u00f6nnen.Wie die Analyse der langfristigen Entwicklungen in der Schweiz verdeutlicht, liegt ein Schl\u00fcssel des Erfolgs in einer <i>soliden Grundausbildung der jungen Bev\u00f6lkerung.<\/i> Heute liegt die Abschlussquote auf der Sekundarstufe II von Jugendlichen in der Schweiz bei rund 90%, was im internationalen Vergleich ein ansprechend hoher Wert ist. Bund und Kantone haben in ihrer \u00abgemeinsamen Erkl\u00e4rung\u00bb zu den bildungspolitischen Zielen f\u00fcr den Bildungsraum Schweiz festgehalten, diese Quote auf 95% steigern zu wollen.&#13;<br \/>\nEVD, EDI, EDK. Chancen optimal nutzen: Erkl\u00e4rung 2011 zu den gemeinsamen bildungspolitischen Zielen f\u00fcr den Bildungsraum Schweiz, Bern, Mai 2011.Viele Erwachsene partizipieren wegen Qualifikationsdefiziten nicht am Arbeitsmarkt. Rund 10% der 25- bis 44-J\u00e4hrigen und knapp 20% der 45- bis 64-J\u00e4hrigen verf\u00fcgen in der Schweiz weder \u00fcber einen Lehr- noch \u00fcber einen sonstigen nachobligatorischen Bildungsabschluss. Ihre Arbeitsmarkt- und Weiterbildungsf\u00e4higkeit ist stark einschr\u00e4nkt. Bei Personen ohne Abschluss auf Sekundarstufe II im Alter von 25\u201354 Jahren belief sich das theoretische, nicht ausgesch\u00f6pfte Arbeitskr\u00e4ftepotenzial auf 164&nbsp;000 Vollzeiterwerbst\u00e4tige. Diese Zahl zeigt, dass in der Nachholbildung und H\u00f6herqualifizierung dieser Gruppen ebenfalls ein Potenzial liegt. Bei der bereits aktiven Bev\u00f6lkerung mit nachobligatorischen Bildungsabschl\u00fcssen geht es vor allem darum zu gew\u00e4hrleisten, dass sie ihre Qualifikationen durch H\u00f6her- und Weiterbildung laufend an die Anforderungen der Wirtschaft anpassen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Wie k\u00f6nnen freie Potenziale im Inland aktiviert werden?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz verf\u00fcgt dank eines anpassungsf\u00e4higen Bildungssystems und eines gut funktionierenden Arbeitsmarktes \u00fcber eine gute Ausgangslage. Eine wichtige Aufgabe der Politik besteht darin, die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Bildung und den Arbeitsmarkt in Zukunft optimal zu halten und an sich \u00e4ndernde Bedingungen \u2013 wie z.B. die schrittweise \u00d6ffnung des Schweizer Arbeitsmarktes gegen\u00fcber der EU \u2013 anzupassen. Die folgenden Beispiele illustrieren, wie freie Potenziale aktiviert werden k\u00f6nnen:&#13;<\/p>\n<h2>95% der Jugendlichen erreichen einen Abschluss auf Sekundarstufe II<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Bildungsbericht 2010 verdeutlicht, dass es sich bei der Erh\u00f6hung der Abschlussquote weitgehend um eine Integrationsaufgabe gegen\u00fcber Jugendlichen mit Migrationshintergrund handelt.&#13;<br \/>\nSKBF (2010). Bildungsbericht Schweiz 2010. Aarau: Schweizerische Koordinationsstelle f\u00fcr Bildungsforschung. F\u00fcr Jugendliche gilt die Pr\u00e4misse <i>Bildung vor Arbeit.<\/i> Eine zentrale Massnahme zur Erh\u00f6hung der Abschlussquote ist beispielsweise die St\u00e4rkung des Case Management Berufsbildung. Jugendliche mit mehrfachen Schwierigkeiten nach der obligatorischen Schulzeit werden \u00fcber eine fallf\u00fchrende Stelle in eine berufliche Grundbildung begleitet.&#13;<\/p>\n<h2>Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei Eltern mit Kindern besteht ein sehr grosses Arbeitskr\u00e4ftepotenzial, welches durch bessere Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf st\u00e4rker ausgesch\u00f6pft werden kann. Der Bund hat durch die Ver\u00f6ffentlichung eines Handbuchs wichtige Aufkl\u00e4rungs- und Sensibilisierungsarbeit geleistet, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu verbessern. Auf einer Internetplattform des Bundes k\u00f6nnen zudem die entsprechenden kantonalen Rahmenbedingungen verglichen werden. Im Weiteren unterst\u00fctzt der Bund durch eine Anschubfinanzierung die Schaffung externer Betreuungspl\u00e4tze in den Kantonen. Die F\u00f6rderung von externen Betreuungspl\u00e4tzen f\u00fcr Kinder im Vorschul- und Schulalter sowie die vermehrte Einf\u00fchrung von Blockzeiten und\/oder Tagesstrukturen in den Schulen d\u00fcrfte in den kommenden Jahren noch st\u00e4rker in den Fokus der Politik kommen.&#13;<\/p>\n<h2>Nachholbildung f\u00fcr Erwachsene<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter \u00abNachholbildung\u00bb sind zwei Aspekte gemeint: zum einen das Nachholen eines staatlich geregelten Bildungsabschlusses, zum anderen der Erwerb fehlender Grundkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen). Bei Erwachsenen mit Bedarf zur Nachholbildung handelt es sich h\u00e4ufig um Personen mit Migrationshintergrund, wodurch ein enger Bezug zur Integrationspolitik besteht. Ein wichtiges neues Instrument wird in Zukunft das Weiterbildungsgesetz (WeBiG) sein, das Grunds\u00e4tze der Weiterbildung definiert und dem Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen bei Erwachsenen einen h\u00f6heren Stellenwert geben wird.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00f6herqualifizierung und Weiterbildung der aktiven Erwerbsbev\u00f6lkerung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bereits aktive Erwerbsbev\u00f6lkerung wird ihre Qualifikationsstruktur permanent anpassen m\u00fcssen. Dies ist in der Schweiz durchaus m\u00f6glich, da Bildungswege stark arbeitsmarktorientiert sind. Die erwachsene Erwerbsbev\u00f6lkerung kann der Nachfrage nach neuen Qualifikationen durch Nachholbildung, H\u00f6herqualifizierung und kontinuierliche Weiterbildung nachkommen. Die grosse Herausforderung liegt hier in der Tatsache, dass sich die aktive Erwerbsbev\u00f6lkerung der Notwendigkeit permanenten, lebenslangen Lernens bewusst ist.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeiten bis ins ordentliche Pensionsalter \u2013 und dar\u00fcber hinaus \u2013 erm\u00f6glichen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeitsmarktpartizipation \u00e4lterer Arbeitnehmender l\u00e4sst sich dann steigern, wenn es gelingt, die Anreize und Chancen zur Erwerbst\u00e4tigkeit im Alter zu verbessern und den Verbleib im Erwerbsleben bis zum ordentlichen Pensionsalter \u2013 und dar\u00fcber hinaus \u2013 zu erm\u00f6glichen. Diese Anreize konnten in den letzten Jahren punktuell erh\u00f6ht werden. Daneben ist gerade f\u00fcr diese Gruppe das Aufdatieren von F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten zentral. Der Erwerb und Erhalt von Grundkompetenzen, die Nachholbildung sowie der niederschwellige Zugang zu Passerellen und Umschulungslehrg\u00e4ngen k\u00f6nnen daf\u00fcr sorgen, dass die Erwerbspersonen \u00e0 jour bleiben.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend die Zuwanderung ein unabdingbares Instrument zur Flexibilisierung des Schweizer Arbeitsmarkts bleiben wird, werden die Aktivierung und Entwicklung der Fachkr\u00e4ftepotenziale in der Schweiz zunehmend an Bedeutung gewinnen. Aktivierung und Entwicklung sind eine Verbundaufgabe von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie von den Organisationen der Arbeitswelt und den Unternehmen. Nur in enger Zusammenarbeit k\u00f6nnen Rahmenbedingungen und Arbeitsbedingungen derart ausgestaltet werden, dass freie Potenziale besser ausgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen. Der Bund hat in seinem Kompetenzbereich bereits verschiedene Massnahmen eingeleitet, und einige davon werden in den kommenden Jahren noch weiterentwickelt werden m\u00fcssen. Das Weiterbildungsgesetz kann in diesem Zusammenhang zu einem wichtigen Pfeiler einer langfristigen Fachkr\u00e4ftepolitik werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abVer\u00e4nderung der st\u00e4ndigen Wohnbev\u00f6lkerung, 1990\u20132030\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abErwerbst\u00e4tigenquoten in Vollzeit\u00e4quivalenten, 25- bis 54-j\u00e4hrige Personen mit und ohne Kinder unter 15 Jahren im Haushalt, 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abErwerbst\u00e4tigkeit nach abgeschlossener Bildungsstufe (25- bis 64-j\u00e4hrige Bev\u00f6lkerung), 2009\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank des EU-Freiz\u00fcgigkeitsabkommens konnten Schweizer Unternehmen ihren wachsenden Fachkr\u00e4ftebedarf in den letzten Jahren durch Rekrutierung ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte abdecken. Es w\u00e4re aber kurzsichtig, alleine auf die Zuwanderung zu setzen. Das Eidg. 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