{"id":120189,"date":"2011-12-01T12:00:00","date_gmt":"2011-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/12\/meier-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:38","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:38","slug":"meier-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/12\/meier-3\/","title":{"rendered":"Integrationsfit in die Zukunft"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz hat, was die Zuwanderung betrifft, mit klassischen Einwanderungsl\u00e4ndern gleichgezogen. Damit werden Fragen rund um die Gestaltung des Zusammenlebens der Alteingesessenen und der Zugewanderten zur Herausforderung, und Integrationsfragen r\u00fccken in den Fokus. Bisher ging es in der Integration mehrheitlich darum, mit Forderungen und Angeboten an die Migrationsbev\u00f6lkerung individuelle Integrationsh\u00fcrden wie etwa fehlende Sprachkenntnisse zu kompensieren. In Zukunft wird es vermehrt um die Rahmenbedingungen gehen, welche die Integrationsprozesse beeinflussen. Nicht mehr vermeintliche oder tats\u00e4chliche Integrationsdefizite einzelner Personen stehen auf dem Pr\u00fcfstand, sondern die St\u00e4rkung des Integrationsverm\u00f6gens von \u00f6ffentlicher Hand, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Zuwanderung verdankt die Schweiz Wohlstand und Lebensqualit\u00e4t. Aber die Zuwanderung birgt \u2013 wie jeder gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel \u2013 auch Schattenseiten. Soll die Schweiz auch in Zukunft eine Gesellschaft sein, die gut integriert, f\u00fchrt kein Weg an Integrationsfragen vorbei. Integration entpuppt sich als unverzichtbares Element einer erfolgreichen Migrationspolitik.&#13;<\/p>\n<h2>Zwei unterschiedliche Blickwinkel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas unter Integration zu verstehen ist, muss vertieft werden. Das k\u00f6nnen wir auf unterschiedliche Weise tun. Da gibt es einmal den <i>individuellen Blickwinkel.<\/i> Hier geht es beispielsweise darum, welche Merkmale und Kriterien eine Person erf\u00fcllen muss, um als integriert zu gelten: Sie ist wirtschaftlich selbst\u00e4ndig, unterst\u00fctzt die Kinder in der Schule, spricht eine Landessprache, engagiert sich in einem Verein. Es k\u00f6nnen auch Verhaltensvorschriften diskutiert werden, die jemand befolgen muss: Die Person stellt den Abfallsack erst am Tag der M\u00fcllabfuhr an die Strasse, stiehlt nicht, engagiert sich f\u00fcr eine gute Ausbildung, l\u00e4sst das Rasen. Wir k\u00f6nnen aber auch aus <i>institutioneller Sicht<\/i> \u00fcber Integration reden. Wir k\u00f6nnen zum Beispiel Merkmale und Kriterien diskutieren, welche eine Schule erf\u00fcllen muss, um gut zu integrieren: Bietet sie Fr\u00fchf\u00f6rderung an, verf\u00fcgt sie \u00fcber ein repr\u00e4sentatives Elternnetzwerk, richtet sie die Schulhausbibliothek mehrsprachig aus, hat sie Begabtenf\u00f6rderung auf- und ausgebaut? Auch \u00fcber Verhaltensvorgaben f\u00fcr Institutionen \u2013 also \u00fcber Qualit\u00e4tsstandards \u2013 k\u00f6nnen wir uns austauschen, beispielsweise in Spit\u00e4lern: Anspruchsvolle Patientengespr\u00e4che werden mit \u00dcbersetzung gef\u00fchrt, unterschiedliche Vorstellungen von Geschlechterrollen werden beachtet, es werden Mitarbeitende mit Migrationshintergrund rekrutiert, es gibt Weiterbildungsangebote in transkultureller Pflege, ein interreligi\u00f6ser Besinnungsraum wurde eingerichtet, die Informationst\u00e4tigkeit wird bez\u00fcglich Zielgruppenerreichung \u00fcberpr\u00fcft.&#13;<\/p>\n<h2>Fit f\u00fcr die Integration<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas also sind die Herausforderungen der Integration? Die Defizite bei Migrantinnen und Migranten oder die Integrationsf\u00e4higkeit der Aufnahmegesellschaft? Der Fokus und der \u00abgef\u00fchlte Integrationsbedarf\u00bb liegen heute stark auf Ersterem: Die sollen mal! Die m\u00fcssen jetzt endlich! Warum tun die nicht!. Aus fachlicher Sicht kommen wir damit allein aber nicht ans Ziel, die Integrationsf\u00e4higkeit der Gesellschaft zu verbessern. Dazu m\u00fcssen die Fragen vermehrt eine andere Richtung einschlagen: Wie verbessern wir die Integrationskapazit\u00e4t der Schweiz als Aufnahmegesellschaft? Welche Anpassungen \u2013 oder besser: Innovationen \u2013 sind notwendig, damit die Voraussetzungen f\u00fcr eine erfolgreiche Integration stimmen und Integration gelingt? Welche Justierungen im Vorschulbereich, bei der Personalrekrutierung, in der Informationst\u00e4tigkeit \u00f6ffentlicher Stellen, beim konsequenten Durchsetzen von Regeln oder in Bezug auf den Wohnungsmarkt sind angezeigt? Welche Massnahmen zum Abbau von Diskriminierung und zur Verbesserung der Chancengleichheit braucht es? Und was heisst das f\u00fcr \u00f6ffentliche und private Institutionen oder f\u00fcr die Wirtschaft? Kurz: Es m\u00fcsste vermehrt um die Integrationsfitness von Institutionen gehen und um Massnahmen, welche diese Integrationsfitness erh\u00f6hen. Forderungen, aber auch Angebote an die Adresse der Migrationsbev\u00f6lkerung in der Defizit- und Kompensationslogik der 1970er-Jahre allein werden in Zukunft nicht zum Erfolg f\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h2>Eine ausgewogene Integrationsf\u00f6rderung f\u00fcr die Zukunft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kantone und die Integrationsbeauftragten der Kantone und St\u00e4dte haben sich deshalb f\u00fcr die k\u00fcnftigen kantonalen Integrationsprogramme darauf verst\u00e4ndigt, was unter einer erfolgreichen Integrationsf\u00f6rderung zu verstehen ist. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass \u00abdie \u00f6ffentliche Hand sowohl Massnahmen f\u00fcr Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder, Massnahmen f\u00fcr die Schweizerinnen und Schweizer, als auch Massnahmen zur Unterst\u00fctzung und Entlastung von Beh\u00f6rden und Institutionen ergreift und dadurch die Integrationskapazit\u00e4t der Gesellschaft insgesamt verbessert. In den kantonalen Integrationsprogrammen werden diese Zielgruppen angemessen ber\u00fccksichtigt.\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz hat, was die Zuwanderung betrifft, mit klassischen Einwanderungsl\u00e4ndern gleichgezogen. Damit werden Fragen rund um die Gestaltung des Zusammenlebens der Alteingesessenen und der Zugewanderten zur Herausforderung, und Integrationsfragen r\u00fccken in den Fokus. 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