{"id":120244,"date":"2011-11-01T12:00:00","date_gmt":"2011-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/11\/peritz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:52","slug":"peritz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/11\/peritz\/","title":{"rendered":"Weitergabe von W\u00e4hrungsgewinnen \u2013 ein harter Kampf um Kunden"},"content":{"rendered":"<p>Die Preisdifferenzen zwischen der Schweiz und den umliegenden L\u00e4ndern tendierten \u2013 gem\u00e4ss einer Studie BAK-Basel \u2013 bis zum Einbruch des Euro bei Non-Food-Produkten gegen Null, und bei Lebensmitteln betrugen sie rund 12%. Dieses Resultat war das Ergebnis einer langj\u00e4hrigen Ann\u00e4herung des in- und ausl\u00e4ndischen Preisniveaus, das prim\u00e4r durch nachhaltige Effizienzsteigerungen und Preissenkungen im Schweizer Lebensmitteldetailhandel erzielt wurde. Die aktuelle starke Aufwertung des Schweizerfrankens gegen\u00fcber dem Euro hat eine schnelle Erosion der hart erk\u00e4mpften Fortschritte in Richtung Preisnivellierung gegen\u00fcber dem EU-Ausland zur Folge. Gef\u00f6rdert durch die mediale Omnipr\u00e4senz der Euro-Thematik stieg der Einkaufstourismus 2011 in der Folge stark an.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nCoop gibt w\u00e4hrungsbedingte Einstandspreisverbesserungen, die sie im Rahmen direkter Importe erzielt, umgehend und vollumf\u00e4nglich an ihre Kunden weiter. Zudem f\u00fchrt Coop bereits seit Monaten mit ihren multinationalen Lieferanten Verhandlungen mit dem Ziel, dass sie ihre W\u00e4hrungsgewinne konsequent an Coop \u2013 und damit an die Schweizer Konsumenten \u2013 weitergeben. In der Praxis werden diese Anstrengungen erschwert, weil ein namhafter Teil der multinationalen Lieferanten aus dem Euroraum \u00fcber Schweizer Niederlassungen agiert und die Gesch\u00e4fte \u00fcber Frankenkontrakte abgewickelt werden. Ungeachtet dessen konnte Coop beachtliche Verhandlungserfolge realisieren und dadurch substanzielle Preisabschl\u00e4ge durchf\u00fchren. Dabei entfaltete der steigende mediale Druck eine sp\u00fcrbar Unterst\u00fctzung. In dieselbe Richtung wirkte die Aussprache zwischen Vertretern der Wirtschaft und des Eidgen\u00f6ssischen Volkswirtschaftsdepartementes (EVD) unter der Leitung von Bundesrat Schneider-Ammann. Eine wichtige Erkenntnis war, dass das \u00f6konomische Konstrukt des Interbrand-Wettbewerbs nicht spielt, sondern dass es sogenannte <i>Must-in-Stock-Produkte<\/i> gibt, auf die der Handel angewiesen ist. Die multinationalen Anbieter geniessen bei diesen Produkten hinsichtlich Gestaltung der Einstandspreise grosse Freiheiten. Wer etwa Nivea-Produkte oder Coca Cola kaufen will, der weicht bei hohen Preisen in der Schweiz nicht auf die entsprechenden Eigenmarken der Detailh\u00e4ndler aus, sondern kauft diese Produkte im nahen Ausland.&#13;<\/p>\n<h2>Erfolgreicher Kampf gegen marktm\u00e4chtige renitente Lieferanten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Anerkennung dieser Tatsache erm\u00f6glichte es Coop, Produkte von marktm\u00e4chtigen renitenten Lieferanten, die sich weigerten, ihre W\u00e4hrungsgewinne an die Konsumenten weiterzugeben, vor\u00fcbergehend aus dem Sortiment zu nehmen. Dies w\u00e4re in der Vergangenheit aufgrund des Risikos von Reaktionen seitens der Wettbewerbsbeh\u00f6rde nicht m\u00f6glich gewesen. Mit selektiven Auslistungen hat Coop ein starkes Signal im Markt gesetzt, das zahlreiche multinationale Hersteller zum Einlenken bewegte. Davon profitiert haben \u2013 neben den Kunden \u2013 auch unsere Mitbewerber. Coop versteht jedoch die Auslistungen als Mittel der letzten Wahl, das nur dann zur Anwendung gelangen soll, wenn vorg\u00e4ngig s\u00e4mtliche Verhandlungsoptionen ausgesch\u00f6pft wurden.&#13;<\/p>\n<h2>Vollst\u00e4ndige Preisnivellierung gegen\u00fcber dem Ausland unrealistisch<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nCoop hat seit Beginn der Euroschw\u00e4che bei 2875 Artikeln die Preise gesenkt und 172,5 Mio. Franken abgeschlagen. Einen Teil der Preisabschl\u00e4ge hat das Unternehmen selber bezahlt und mehr weitergegeben, als ihr von den multinationalen Markenartikelherstellern gew\u00e4hrt wurde. So erfreulich die Preisabschl\u00e4ge aus Sicht der Konsumenten auch sind, sie haben auch ihre Schattenseiten. Insbesondere hat der Verlust von Umsatz (preis- und mengenbedingt) im gesamten Detailhandel negative Auswirkungen auf die Besch\u00e4ftigung. Diese werden erst verz\u00f6gert sp\u00fcrbar werden. Der Schweizer Detailhandel wird aber auch in Zukunft in den Bereichen Personal, Logistik, Infrastruktur, Mieten usw. signifikante Kostennachteile gegen\u00fcber ausl\u00e4ndischen Konkurrenten aufweisen. Eine vollst\u00e4ndige Preisnivellierung gegen\u00fcber dem Ausland ist aus Coop-Sicht deshalb nicht realistisch. Die Preisdifferenz zum ausl\u00e4ndischen Detailhandel sollten sich aber mittelfristig auf maximal 20% einpendeln. Coop geht davon aus, dass der Frankenkurs noch l\u00e4nger hoch bleiben wird. Umso wichtiger sind deshalb langfristig gute Rahmenbedingungen f\u00fcr Schweizer Hersteller und Detailh\u00e4ndler. Konkret erwarten wir von den Beh\u00f6rden, dass Parallelimporte durch den Wegfall der restriktiven Produktionsland-Deklarationsvorschriften f\u00fcr Produkte aus der EU wesentlich vereinfacht werden. Zudem erhoffen wir von der Wettbewerbskommission, dass sie gegen multinationale Lieferanten, die ihre marktm\u00e4chtige Stellung vor allem im Kontext der Must-in-stock-Thematik missbrauchen und\/oder Parallelimporte aufgrund der Nichtgew\u00e4hrung von Ursprungszeugnissen verhindern, mit der gebotenen Sch\u00e4rfe vorgeht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Preisdifferenzen zwischen der Schweiz und den umliegenden L\u00e4ndern tendierten \u2013 gem\u00e4ss einer Studie BAK-Basel \u2013 bis zum Einbruch des Euro bei Non-Food-Produkten gegen Null, und bei Lebensmitteln betrugen sie rund 12%. 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