{"id":120264,"date":"2011-11-01T12:00:00","date_gmt":"2011-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/11\/adamek-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:39","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:39","slug":"adamek-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/11\/adamek-3\/","title":{"rendered":"Die Banken in der Eurokrise"},"content":{"rendered":"<p>Sowohl f\u00fcr die Entstehung als auch f\u00fcr die Ausbreitung der Schuldenkrise im Euroraum sind Banken von entscheidender Bedeutung. Ohne die unzureichende Kapitalisierung vieler systemisch relevanter Institute und die weitverzweigten, finanziellen Verflechtungen von Banken und Staaten sowie von Banken untereinander sind die Dimensionen der Eurokrise nicht zu erkl\u00e4ren. Reformen des Bankenwesens stellen daher einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg aus der Krise dar.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGut zwei Jahre nach den ersten Meldungen eines \u00fcberraschenden, ja untragbaren Defizits in Griechenland bleibt das europ\u00e4ische Finanzsystem schwer angeschlagen: Die Stabilit\u00e4t des Bankensektors wird hinterfragt. Zahlreiche Banken sind faktisch vom Interbankenmarkt ausgeschlossen und m\u00fcssen sich \u00fcber das Europ\u00e4ische System der Zentralbanken (ESZB) refinanzieren. Sogar einst als unumst\u00f6sslich geltende Kernl\u00e4nder der Eurozone geraten unter Druck. Ausgehend von erheblichen Schieflagen in den Staatshaushalten von L\u00e4ndern an der Peripherie der Eurozone \u2013 zuerst in Griechenland, danach in Irland und in Portugal \u2013 hat sich eine Schuldenkrise f\u00fcr die gesamte Eurozone entwickelt. Die Krise hat dabei zu tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen in den Institutionen und der Gouvernanz in der Eurozone gef\u00fchrt. Die Einf\u00fchrung von Rettungsschirmen zur Stabilisierung der W\u00e4hrungsunion, die Anpassungen am Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt oder die Hinwendung zur verst\u00e4rkten Zusammenarbeit in der Wirtschafts- und Finanzpolitik sind nur einige Beispiele von den unter dem Druck der Finanzm\u00e4rkte vorangebrachten Reformen.&#13;<\/p>\n<h2>Wie konnte es dazu kommen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie peripheren Eurostaaten werden in der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung h\u00e4ufig als Ursache der Krise ausgemacht. Dabei stehen Ausmass und Auswirkungen der Krise im scharfen Gegensatz zur wirtschaftlichen Gr\u00f6sse dieser Staaten: Sowohl Griechenland als auch Irland und Portugal sind \u2013 gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung \u2013 eher Zwerge in der Eurozone (siehe <i>Tabelle 1<\/i>). Das Bruttoinlandprodukt (BIP) Portugals machte 2010 lediglich 1,9% des BIP der gesamten Eurozone aus, im Fall Irlands gar nur 1,7%. Auch das am st\u00e4rksten unter Druck geratene Griechenland ist mit einem Anteil von 2,5% am BIP der gesamten Eurozone eine kleine Volkswirtschaft. Es dr\u00e4ngt sich daher die Frage auf, wie es m\u00f6glich ist, dass das Schicksal dieser kleinen Volkswirtschaften den gesamten europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum, ja gar die globale Wirtschaft in Atem halten k\u00f6nnen. Der Schl\u00fcssel zur Beantwortung dieser Frage liegt in vielf\u00e4ltigen und weitverzweigten finanziellen Verflechtungen, in denen Banken eine zentrale Rolle spielen.&#13;<\/p>\n<h2>Banken und Staaten sind eng verwoben<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Die nationale Dimension<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nViele Staaten der Eurozone sind mit den jeweils in ihnen domizilierten Banken finanziell eng verbunden. Zum einen halten viele dieser Banken grosse Best\u00e4nde an Staatsanleihen ihres Domizilstaats. So betrugen gem\u00e4ss den Stresstests der European Banking Authority (EBA) Ende 2010 die Forderungen der gr\u00f6ssten griechischen Gesch\u00e4ftsbanken gegen\u00fcber dem griechischen Staat rund 54 Mrd. Euro (vgl. <i>Tabelle 1<\/i>). Auch in Italien besitzen inl\u00e4ndische Banken substanzielle Forderungen gegen\u00fcber dem eigenen Staat. Ende 2010 betrugen diese gem\u00e4ss EBA ca. 165 Mrd. Euro. Gleichzeitig bestehen f\u00fcr viele dieser Finanzinstitute \u2013 insbesondere f\u00fcr die grossen, international t\u00e4tigen Banken \u2013 explizite oder implizite Garantien der jeweiligen Heimatstaaten. Diese Verzahnung von Staat und inl\u00e4ndischen Banken ist problematisch, weil sie das Risiko einer sich selbst verst\u00e4rkenden Abw\u00e4rtsspirale birgt.Folgendes Beispiel illustriert den m\u00f6glichen Teufelskreis: Finanzielle Schwierigkeiten bei einer Bank veranlassen den Staat zu kostspieligen Interventionen, wodurch sich dessen finanzielle Situation verschlechtert. Als Folge davon k\u00f6nnen Zweifel ob der Bonit\u00e4t des Staates \u2013 wom\u00f6glich best\u00e4rkt durch eine Herabstufung des Kreditratings \u2013 aufkommen, so dass die Risikopr\u00e4mien auf Anleihen dieses Staates ansteigen, was deren Wert vermindert. Dadurch verschlechtert sich wiederum die Finanzlage der Bank, weil sie Verluste auf die von ihr gehaltenen Staatsanleihen hinnehmen muss.&#13;<br \/>\nRein buchhalterisch w\u00fcrde sich ein solcher Verlust v.a. dann auswirken, wenn die Staatsanleihen von der Bank zu Handelszwecken gehalten wird. H\u00e4lt die Bank hingegen die Anleihe bis zur F\u00e4lligkeit, ist sie nach g\u00e4ngigen Buchhaltungsregeln nur bei bereits feststehenden Verlusten gezwungen, Wertberichtigungen vorzunehmen. Aus \u00f6konomischer Betrachtungsweise findet jedoch in jedem Fall ein Wertverlust statt, da die Anleihe einen tieferen Wiederverkaufs-\/Marktwert aufweist. Dies f\u00fchrt zur erneuten staatlichen St\u00fctzung \u2013 das \u00abSpiel\u00bb beginnt von vorn. Dieser Teufelskreis l\u00e4sst sich bis zum Bankrott von Staat und Banken fortschreiben. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen dabei sowohl die Banken (z.B. \u00fcberm\u00e4ssige Risikonahme) als auch der Staat (z.B. \u00fcberm\u00e4ssige Defizite) oder beide Seiten gleichzeitig sein.\u00dcber Jahre hatte die oben beschriebene riskante Konstellation zwischen inl\u00e4ndischen Banken und Staat in vielen Eurol\u00e4ndern Bestand, ohne dass gr\u00f6ssere Probleme auftraten. Die Banken galten \u2013 nicht zuletzt wegen der Annahme staatlicher Garantien \u2013 als sicher, und die Staatsfinanzen waren entweder tats\u00e4chlich gesund oder wurden aus verschiedenen Gr\u00fcnden \u2013 sei es wegen Fehlinformationen, Fehleinsch\u00e4tzungen oder in Antizipation einer letztlichen Rettung durch die anderen Eurol\u00e4nder \u2013 als unproblematisch erachtet. Im Zuge der Finanzkrise \u00e4nderte sich dies drastisch. Banken mussten mit staatlichen Mitteln vor der Zahlungsunf\u00e4higkeit gerettet werden, und die Finanzen vieler Staaten verschlechterten sich wegen ebendieser Bankenrettungen sowie der j\u00e4h einsetzenden Rezession.Ein besonders frappierendes Beispiel f\u00fcr diese Entwicklung liefert Irland: 2007 wies der irische Staat gem\u00e4ss Eurostat eine Verschuldung von lediglich rund 25% des BIP auf (Schweiz 2007: 43% gem\u00e4ss Maastricht-Kriterien), und die Banken waren profitabel. Aufgrund der Finanzkrise und dem dadurch ausgel\u00f6sten Platzen einer gewaltigen Immobilienblase in Irland gerieten die Banken jedoch in unmittelbare Insolvenzgefahr, worauf der Staat umfangreiche Garantien zu deren Gunsten aussprach. In der Folge explodierte die Staatsverschuldung: 2010 betrug diese gem\u00e4ss Eurostat bereits 96% des BIP. Die Bonit\u00e4t des irischen Staates wurde massiv herabgestuft, und die Banken konnten die von ihnen gehaltenen Staatsanleihen kaum mehr als Sicherheiten bei der Finanzierung am Markt einsetzen. Internationale Rettungspakete sowie die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Banken bei der Refinanzierung durch das ESZB waren erforderlich, um einen sofortigen Zusammenbruch des Bankensektors und des Staates zu verhindern.Schl\u00fcsselelemente des beschriebenen Teufelskreises sind die hohe Verschuldung der Banken und das sogenannte <i>Too-big-to-fail-Problem (TBTF).<\/i> Der hohe Grad an Fremdfinanzierung erlaubt den Banken, auch mit wenig Eigenkapitalunterlegung erhebliche Aktiven zu erwerben. Treten dann bei vermeintlich sicheren Aktiven wie Staatsanleihen bedeutende Verluste auf, ist die Eigenkapitalbasis der Banken schnell verbraucht. Gleichzeitig \u00fcbernehmen einige Banken jedoch derart wichtige Funktionen f\u00fcr eine Volkswirtschaft bzw. f\u00fcr das Finanzsystem, dass ihr Ausfall nicht verkraftbar w\u00e4re. Diese Banken gelten als TBTF, da die von ihnen erbrachten systemrelevanten Funktionen nicht innerhalb einer vertretbaren Frist substituiert werden k\u00f6nnen. Bestehen keine Mechanismen, die den Erhalt dieser Funktionen gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnten, ist der Staat faktisch zur Rettung dieser Banken gezwungen, selbst wenn die Rettung den Staat finanziell zu \u00fcberfordern droht.&#13;<\/p>\n<h2>Die grenz\u00fcberschreitende Dimension<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer beschriebene Teufelskreis erkl\u00e4rt, weshalb sich nationale Bankensysteme und ihre Heimatstaaten gegenseitig in finanzielle Bedr\u00e4ngnis bringen k\u00f6nnen. Wieso aber stellt eine Bankenkrise in Irland eine Gefahr f\u00fcr andere Staaten dar? Die Gefahr einer internationalen Ansteckung r\u00fchrt zum einen daher, dass Anleihen eines Staates zumeist auch von ausl\u00e4ndischen Banken gehalten werden. Folglich schlagen sich direkte Verluste durch Wert\u00e4nderungen dieser Anleihen nicht nur bei inl\u00e4ndischen, sondern auch bei ausl\u00e4ndischen Banken nieder. Diese Verflechtung zwischen Staaten und ausl\u00e4ndischen Banken ist in Europa stark ausgepr\u00e4gt. So hielten gem\u00e4ss der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) franz\u00f6sische und deutsche Banken Ende des 2. Quartals 2011 Bruttobilanzforderungen gegen\u00fcber dem griechischen Staat von rund 10,5 Mrd. US-Dollar resp. 12,5 Mrd. US-Dollar. Dabei sind einzelne Institute \u2013 wie etwa die belgisch-franz\u00f6sisch-luxemburgische Dexia&#13;<br \/>\nAm 10.10.2011 haben die an Dexia beteiligten Regierungen Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs entschieden, dass der Konzern entlang der nationalen Grenzen aufgespalten und teilweise verstaatlicht wird. Einige Aktivit\u00e4ten der Bank werden verkauft. Die Risikopapiere im Umfang von 90 Mrd. Euro werden in eine sogenannte \u00abBad Bank\u00bb ausgelagert und mit staatlichen Garantien \u00fcber zehn Jahre abgesichert. \u2013 mit Ausst\u00e4nden von ca. 3,5 Mrd. Euro bei einem Tier-1-Eigenkapital von rund 14,5 Mrd. Euro (Juni 2011) massiv exponiert.Zum anderen bestehen \u2013 neben den Verbindungen zwischen Banken und Staaten \u2013 auch Verbindungen zwischen den Bankensektoren verschiedener L\u00e4nder. So besassen beispielsweise Banken aus Deutschland und aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich gem\u00e4ss BIZ im 2. Quartal 2011 Bilanzforderungen gegen\u00fcber irischen Banken von brutto rund 21 Mrd. resp. 17 Mrd. US-Dollar. <i>Grafik 1<\/i> vermittelt ein partielles Bild der internationalen Finanzverflechtungen.\u00dcber diese Bilanzforderungen hinaus bestehen auch finanzielle Verkn\u00fcpfungen zwischen den Bankensektoren aufgrund von Beteiligungen. Die schwer angeschlagene Emporiki, die f\u00fcnftgr\u00f6sste Bank Griechenlands mit Ausleihungen von ca. 22 Mrd. Euro, ist fast zu 100% im Besitz der franz\u00f6sischen Cr\u00e9dit Agricole (CA). Daher ist die CA, welche Tier-1-Eigenkapital in H\u00f6he von ca. 60 Mrd. Euro (Juni 2011) besitzt, gegen\u00fcber Griechenland stark exponiert, auch wenn sie nur rund 650 Mio. Euro an griechischen Staatsanleihen h\u00e4lt.Der Ausfall eines Staates birgt somit die Gefahr einer unkalkulierbaren Kettenreaktion: Zuerst trifft es den nationalen Bankensektor und einzelne ausl\u00e4ndische Banken. Die Schieflage dieser Banken destabilisiert wiederum weitere Bankensektoren in anderen L\u00e4ndern usw. Verst\u00e4rkt wird dieser Prozess dadurch, dass sich angeschlagene Banken zumeist nicht mehr oder nur noch prohibitiv teuer am Interbankenmarkt refinanzieren k\u00f6nnen, da deren R\u00fcckzahlungsf\u00e4higkeit angezweifelt wird \u2013 so geschehen in Griechenland, Irland und Portugal, wo Banken auf Liquidit\u00e4tshilfe durch das ESZB existenziell angewiesen sind, sowie zunehmend auch in Spanien und Italien. Letztlich sehen sich die Staaten mit einem Fl\u00e4chenbrand konfrontiert, dessen Ausmass die finanzielle Kapazit\u00e4t selbst grosser Staaten \u00fcbersteigen k\u00f6nnte. Die bestehenden Verlustrisiken und die finanziellen Verflechtungen werden zudem durch das Halten von derivativen Finanzinstrumenten \u2013 wie etwa Absicherungen gegen Kreditausf\u00e4lle <i>(Credit Default Swaps, CDS)<\/i> von Staaten und Banken \u2013 noch akzentuiert (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Credit Default Swaps<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nCredit Default Swaps (CDS) sind Kreditderivate, mit welchen Verlustrisiken aus einem Zahlungsausfall \u2013 etwa eines Staates oder einer Bank \u2013 abgesichert werden k\u00f6nnen. Die Funktionsweise von CDS \u00e4hnelt derjenigen eines Versicherungsvertrages: Der Sicherungsnehmer erkauft sich mit periodischen Pr\u00e4mienzahlung sowie oftmals einer anf\u00e4nglichen Geb\u00fchr (Upfront) das Recht auf eine Ausgleichszahlung im Fall eines im Voraus festgelegten Kreditereignisses wie beispielsweise einer nicht fristgerechten Bedienung einer Anleihe. Umgekehrt empf\u00e4ngt der Sicherungsgeber die Pr\u00e4mienzahlungen sowie den Upfront und leistet bei einem Kreditereignis die Ausgleichszahlung.F\u00fcr den aktuellen Fall der Schuldenkrise im Euroraum sind diese prinzipiell sinnvollen Sicherungsinstrumente aus zweierlei Gr\u00fcnden von Belang:\u2212 Einerseits erh\u00f6hen CDS potenziell die Verluste, welche beispielsweise bei einem Staatsbankrott entstehen. Im Unterschied zu klassischen Versicherungsvertr\u00e4gen besteht keine Begrenzung der insgesamt durch CDS zu versichernden Summe in H\u00f6he des zugrundeliegenden Verm\u00f6genswerts. Salopp ausgedr\u00fcckt erlauben CDS eine \u00dcberversicherung. Als Folge davon k\u00f6nnen etwa bei einem Staatsbankrott die insgesamt f\u00e4lligen Zahlungen deutlich h\u00f6her ausfallen als die Schulden eines insolventen Staates. Diese CDS-Ausgleichzahlungen kompensieren dabei nicht automatisch die Verluste der Anleihengl\u00e4ubiger, sondern f\u00fchren unter Umst\u00e4nden zu Eink\u00fcnften an dritter Stelle. Grund daf\u00fcr ist, dass bei einem CDS dem Sicherungsnehmer \u2013 ebenfalls im Unterschied zu einer klassischen Versicherung \u2013 kein Schaden entstanden sein muss, um einen Anspruch geltend machen zu k\u00f6nnen. Somit k\u00f6nnen auch Akteure als CDSSicherungsnehmer eines Staates auftreten, welche gegen\u00fcber diesem Staat gar keine Ausst\u00e4nde aufweisen.\u2212 Andererseits f\u00fchren CDS zu einer noch weiter verzweigten Verflechtung auf den Finanzm\u00e4rkten, da verschiedenste Finanzinstitute \u2013 Banken, Versicherungen etc. \u2013 als Sicherungsgeber am Markt aktiv sind. Daher entstehen z.B. bei einem Staatsbankrott nicht nur den unmittelbaren Anleihengl\u00e4ubigern des zahlungsunf\u00e4higen Staates, sondern auch weiteren als Sicherungsgeber auftretenden Instituten Verluste.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Wie gross die durch CDS entstehenden Risiken f\u00fcr einzelne Banken bei einem Zahlungsausfall eines bestimmten Staates oder einer anderen Bank sind, kann allerdings kaum beziffert werden, da keine Zusammenf\u00fchrung der Daten f\u00fcr den CDS-Handel erfolgt. Dies liegt unter anderem daran, dass viele CDS bilateral und ausserb\u00f6rslich \u2013 sogenannt <i>Over the Counter (OTC)<\/i> \u2013 gehandelt werden. F\u00fcr die Marktteilnehmer, aber auch f\u00fcr die Aufsichtsbeh\u00f6rden sind die Folgen eines Ausfalls somit kaum abzusch\u00e4tzen. Diese Unsicherheit \u00fcber die Risikopositionen von Banken kann zu Bedenken hinsichtlich R\u00fcckzahlungsf\u00e4higkeit einzelner Institute f\u00fchren und damit zur obenerw\u00e4hnten Kreditverknappung am Interbankenmarkt beitragen.&#13;<\/p>\n<h2>Wege aus der Krise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSummarisch l\u00e4sst sich festhalten, dass eine Kombination aus unterkapitalisierten Banken, dem TBTF-Problem sowie starken nationalen und internationalen Finanzverflechtungen f\u00fcr die Entstehung und Ausbreitung der Schuldenkrise essenziell war und ist. Auf der Suche nach Auswegen aus der gegenw\u00e4rtigen Krise sowie nach Prophylaxen f\u00fcr k\u00fcnftige Krisen setzen daher aktuelle Reformen \u2013 abgesehen von der unerl\u00e4sslichen, nachhaltigen Sanierung der Staatshaushalte, auf welche in diesem Artikel nicht eingegangen wird \u2013 unter anderem an folgenden Punkten an: \u2212 Durch versch\u00e4rfte Kapital- und Liquidit\u00e4tsvorschriften \u2013 etwa im Rahmen von Initiativen des Basler Ausschusses f\u00fcr Bankenaufsicht (Basel III) oder des Financial Stability Boards (FSB) \u2013 werden insbesondere die Bankbilanzen von systemisch relevanten Instituten mittelfristig gest\u00e4rkt, um damit die Schockresistenz des Finanzsystems zu erh\u00f6hen.\u2212 Mit den vielerorts durchgef\u00fchrten Stresstests und den daraus abgeleiteten Massnahmen werden ebenfalls Schw\u00e4chen bei den Kapitalpolstern aufgedeckt und eliminiert. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchren diese Stresstests durch die Erhebung umfassender Daten zu mehr Transparenz bez\u00fcglich der finanziellen Verpflichtungen von Banken, was Unsicherheit abbaut. Im Fall der Finanzverflechtungen ist dies das prim\u00e4re Ziel, da Verbote schwierig umzusetzen w\u00e4ren und auch zum Verlust von Diversifizierungsvorteilen f\u00fchren k\u00f6nnten.\u2212 Zur L\u00f6sung des TBTF-Problems sehen viele Reformvorhaben \u2013 nebst den erw\u00e4hnten h\u00f6heren Kapital- und Liquidit\u00e4tserfordernissen \u2013 auch organisatorische Vorkehrungen vor. Dank diesen soll es im Notfall m\u00f6glich sein, systemrelevante Teile von Banken herauszul\u00f6sen und weiter zu betreiben, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen Teile in ein geordnetes Konkursverfahren \u00fcberf\u00fchrt werden. Passend dazu werden vielerorts auch \u00c4nderungen am Bankeninsolvenzrecht angestrebt.Grunds\u00e4tzlich sind die Stossrichtungen der genannten Reformen zielf\u00fchrend und sinnvoll. Damit die Reformbem\u00fchungen in der Praxis ihre gew\u00fcnschte Wirkung entfalten k\u00f6nnen, ist es nun notwendig, durchdachte, konkrete Massnahmen zu formulieren und diese vor allem rasch und konsequent umzusetzen. Denn wie sagte schon Erich K\u00e4stner: \u00abEs gibt nichts Gutes ausser: Man tut es.\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abForderungen von Banken gegen\u00fcber anderen L\u00e4ndern (Staaten und Banken), 2011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abStatistischer \u00dcberblick: Periphere Eurol\u00e4nder und gesamte Eurozone, 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Wo stehen die Schweizer Banken?&#13;<\/p>\n<h3>Wo stehen die Schweizer Banken?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Banken in der Schweiz halten gegen\u00fcber den angeschlagenen Eurostaaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien, den sogenannten GIPS-Staaten) und den dort ans\u00e4ssigen Banken Bruttoforderungen in H\u00f6he von rund 35 Mrd. US-Dollar (BIZ, 2. Quartal 2011). Ein Grossteil dieser Forderungen wird durch die Grossbanken und Auslandsbanken in der Schweiz gehalten. Kleinere und mittlere Schweizer Banken sind gegen\u00fcber GIPS-L\u00e4ndern kaum direkt exponiert. Mit gut 15 Mrd. US-Dollar resp. 12,5 Mrd. US-Dollar machen die Ausst\u00e4nde gegen\u00fcber Italien und Spanien den L\u00f6wenanteil aus. Die Forderungen gegen\u00fcber den peripheren L\u00e4ndern Irland (4,5 Mrd. US-Dollar), Portugal (1,5 Mrd. US-Dollar) und Griechenland (1,5 Mrd. US-Dollar) sind hingegen vergleichsweise gering. Nebst diesen Bilanzforderungen bestehen f\u00fcr Schweizer Banken gegen\u00fcber den GIPS-L\u00e4ndern weitere potenzielle Forderungen aus Derivaten, Garantien und Kreditzusagen im Umfang von rund 31 Mrd. US-Dollar). Italien ist erneut Spitzenreiter in dieser Gruppe (16 Mrd. US-Dollar), gefolgt von Spanien (7 Mrd. US-Dollar), Irland (5 Mrd. US-Dollar), Griechenland (1,5 Mrd. US-Dollar) und Portugal (1 Mrd. US-Dollar). Diese potenziellen Guthaben bestehen allerdings nicht nur gegen\u00fcber Staaten und Banken, sondern gegen\u00fcber allen Sektoren in den jeweiligen Volkswirtschaften. Eine Aufschl\u00fcsselung nach einzelnen Sektoren nimmt die BIZ f\u00fcr diese Forderungskategorie nicht vor.An den gesamten Bilanzforderungen der Schweizer Banken gegen\u00fcber den Staaten und Bankensektoren anderer BIZ-Mitgliedsl\u00e4nder machen die entsprechenden Ausst\u00e4nde gegen\u00fcber den GIPS nur rund 4,1% aus. In \u00e4hnlicher Gr\u00f6ssenordnung befindet sich auch der entsprechende Anteil der potenziellen bzw. nicht bilanzierten Forderungen (3,7%). Die BIZ-Zahlen entspringen einer buchhalterischen Optik und vernachl\u00e4ssigen gewisse Verrechnungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Forderungen der Banken. Werden solche Saldierungen einbezogen, verringern sich die Ausst\u00e4nde der Schweizer Banken. Bei Ber\u00fccksichtigung der Risikoabsicherungsinstrumente der Banken reduzieren sich diese potenziell gef\u00e4hrdeten Guthaben weiter. Insgesamt ist die direkte Exposure der Schweizer Banken gegen\u00fcber den GIPS-L\u00e4ndern daher als moderat einzustufen.Das geringe Gewicht dieser Risikopositionen im Verh\u00e4ltnis zu den gesamten Auslandsforderungen darf aber nicht dar\u00fcber hinweg t\u00e4uschen, dass die Exposure im Verh\u00e4ltnis zu den Eigenmitteln der Institute erheblich ist. Die Tier-1 Eigenmittel etwa der Credit Suisse und der UBS betragen rund 37 Mrd. (Juni 2011) resp. 38 Mrd. Franken (September 2011). Zudem ber\u00fccksichtigen die erw\u00e4hnten Risikopositionen nur m\u00f6gliche direkte, jedoch keine indirekten Verluste eines Zahlungsausfalls, welche sich aus der Verbreitung der Krise auf andere Staaten ergeben k\u00f6nnten. Solche Ansteckungseffekte stellen aufgrund der beschriebenen Verflechtung im Bankensektor ein ernstzunehmendes Risiko dar. Zudem k\u00f6nnen sich weitere Risiken (z.B. Wechselkursrisiken im Zuge einer starken Abwertung des Euro) auf schwer abzusch\u00e4tzende Weise in den Bilanzen der Banken niederschlagen. Schliesslich ist auch ungewiss, ob Risikominderungsinstrumente im Falle einer Systemkrise vollumf\u00e4nglich greifen w\u00fcrden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Credit Default Swaps&#13;<\/p>\n<h3>Credit Default Swaps<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nCredit Default Swaps (CDS) sind Kreditderivate, mit welchen Verlustrisiken aus einem Zahlungsausfall \u2013 etwa eines Staates oder einer Bank \u2013 abgesichert werden k\u00f6nnen. Die Funktionsweise von CDS \u00e4hnelt derjenigen eines Versicherungsvertrages: Der <i>Sicherungsnehmer<\/i> erkauft sich mit periodischen Pr\u00e4mienzahlung sowie oftmals einer anf\u00e4nglichen Geb\u00fchr <i>(Upfront)<\/i> das Recht auf eine Ausgleichszahlung im Fall eines im Voraus festgelegten Kreditereignisses wie beispielsweise einer nicht fristgerechten Bedienung einer Anleihe. Umgekehrt empf\u00e4ngt der <i>Sicherungsgeber<\/i> die Pr\u00e4mienzahlungen sowie den Upfront und leistet bei einem Kreditereignis die Ausgleichszahlung.F\u00fcr den aktuellen Fall der Schuldenkrise im Euroraum sind diese prinzipiell sinnvollen Sicherungsinstrumente aus zweierlei Gr\u00fcnden von Belang:\u2212 Einerseits erh\u00f6hen CDS potenziell die Verluste, welche beispielsweise bei einem Staatsbankrott entstehen. Im Unterschied zu klassischen Versicherungsvertr\u00e4gen besteht keine Begrenzung der insgesamt durch CDS zu versichernden Summe in H\u00f6he des zugrundeliegenden Verm\u00f6genswerts. Salopp ausgedr\u00fcckt erlauben CDS eine \u00dcberversicherung. Als Folge davon k\u00f6nnen etwa bei einem Staatsbankrott die insgesamt f\u00e4lligen Zahlungen deutlich h\u00f6her ausfallen als die Schulden eines insolventen Staates. Diese CDS-Ausgleichzahlungen kompensieren dabei nicht automatisch die Verluste der Anleihengl\u00e4ubiger, sondern f\u00fchren unter Umst\u00e4nden zu Eink\u00fcnften an dritter Stelle. Grund daf\u00fcr ist, dass bei einem CDS dem Sicherungsnehmer \u2013 ebenfalls im Unterschied zu einer klassischen Versicherung \u2013 kein Schaden entstanden sein muss, um einen Anspruch geltend machen zu k\u00f6nnen. Somit k\u00f6nnen auch Akteure als CDSSicherungsnehmer eines Staates auftreten, welche gegen\u00fcber diesem Staat gar keine Ausst\u00e4nde aufweisen.\u2212 Andererseits f\u00fchren CDS zu einer noch weiter verzweigten Verflechtung auf den Finanzm\u00e4rkten, da verschiedenste Finanzinstitute \u2013 Banken, Versicherungen etc. \u2013 als Sicherungsgeber am Markt aktiv sind. Daher entstehen z.B. bei einem Staatsbankrott nicht nur den unmittelbaren Anleihengl\u00e4ubigern des zahlungsunf\u00e4higen Staates, sondern auch weiteren als Sicherungsgeber auftretenden Instituten Verluste.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowohl f\u00fcr die Entstehung als auch f\u00fcr die Ausbreitung der Schuldenkrise im Euroraum sind Banken von entscheidender Bedeutung. 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