{"id":120269,"date":"2011-11-01T12:00:00","date_gmt":"2011-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/11\/babey-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:45","slug":"babey-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/11\/babey-5\/","title":{"rendered":"Arbeitslosenversicherung im Jahr 2010"},"content":{"rendered":"<p>Die Arbeitslosenquote, die Anfang 2010 noch bei 4,5% lag, bildete sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung bis Ende 2010 auf 3,8% zur\u00fcck. Im Jahresdurchschnitt 2010 lag sie mit 3,9% noch \u00fcber dem Vorjahreswert von 3,7%. Die Arbeitslosenzahl stieg um 4% auf 151&#8217;986 Personen an. Einen deutlichen R\u00fcckgang gab es dagegen bereits bei der Kurzarbeit: 2010 bezogen durchschnittlich noch gut 23&nbsp;000 Arbeitnehmende Kurzarbeitsentsch\u00e4digung (2009: 67 000). Die Rechnung schloss im Berichtsjahr mit einem Verlust von 1705,1 Mio. Franken ab. Im laufenden Jahr setzte sich die Arbeitsmarkterholung unvermindert fort: Die Arbeitslosenquote erreichte Ende September 2011 2,8%. Auch wenn in der zweiten Jahresh\u00e4lfte mit einer Verlangsamung der Konjunktur zu rechnen ist, wird sich der Aufschwung in der diesj\u00e4hrigen Rechnung der Arbeitslosenversicherung (ALV) niederschlagen.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung der Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNachdem die Arbeitslosenzahlen in der Rezession 2009 steil angestiegen waren, f\u00fchrte die wirtschaftliche Erholung bereits ab Anfang 2010 wieder zu sinkender Arbeitslosigkeit. Um die Jahreswende 2009\/2010 waren bis zu 175&nbsp;000 Personen arbeitslos gemeldet und die Arbeitslosenquote erreichte Ende Januar 2010 einen Maximalwert von 4,5%. Vor allem die Industrie, welche von der Rezession am h\u00e4rtesten getroffen wurde, verzeichnete eine ausserordentlich hohe Arbeitslosigkeit. 2010 wirkte sich die wirtschaftliche Erholung rasch auf den Arbeitsmarkt aus: Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote sank im Jahresverlauf stetig, und die Kurzarbeit, welche in der Industrie sehr intensiv eingesetzt wurde, konnte wieder um rund die H\u00e4lfte abgebaut werden. Der R\u00fcckgang der Arbeitslosenzahlen und der Kurzarbeit setzte sich 2011 bisher unvermindert fort. Ende September erreichte die Arbeitslosenquote 2,8%.&#13;<br \/>\nDie AVIG-Revision trug ab April 2011 zum R\u00fcckgang der Arbeitslosenzahlen bei. Rund 7000 Personen, welche in den Monaten April bis Juni durch die Revision ihre Anspr\u00fcche auf Arbeitslosenentsch\u00e4digung fr\u00fchzeitig ausgesch\u00f6pft hatten, d\u00fcrften sich erfahrungsgem\u00e4ss nicht mehr beim RAV melden. Aktuell befindet sich die Schweizer Wirtschaft auf einem sich abschw\u00e4chenden Expansionskurs. Allerdings ist damit zu rechnen, dass die Aufwertung des Schweizer Frankens die Entwicklung der Exportindustrie d\u00e4mpfen wird. Auch eine Straffung der weltweit sehr expansiv ausgerichteten Fiskal- und Geldpolitik d\u00fcrfte das heutige Wachstumstempo mittelfristig bremsen. Die Expertengruppe Konjunkturprognosen des Bundes rechnet daher mit einer deutlichen Verlangsamung des Schweizer Wirtschaftswachstums ab der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2011 und mit einem vor\u00fcbergehenden Anstieg der Arbeitslosigkeit im Jahr 2012. Mit einem R\u00fcckfall in eine Rezession (d.h. einer Schrumpfung der Wirtschaftsleistung) wird hingegen nicht gerechnet. In etwa parallel zur Arbeitslosigkeit entwickelte sich 2010 die Zahl der Stellensuchenden, d.h. Summe von registrierten Arbeitslosen und registrierten nichtarbeitslosen Stellensuchenden. Sie sank von 234&nbsp;000 Anfang 2010 auf 212&nbsp;000 am Ende des Jahres. Der durchschnittliche Bestand registrierter Stellensuchender belief sich 2010 auf 215&nbsp;524 Personen, was gegen\u00fcber dem Vorjahreswert einer Zunahme von 6% entspricht. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen (d.h. Arbeitslose mit einer Dauer der Arbeitslosigkeit von mehr als einem Jahr) nahm von durchschnittlich 19&nbsp;169 im Jahr 2009 auf 32&nbsp;512 im Jahr 2010 zu. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen am Total aller Arbeitslosen stieg von 13% auf 21% an. Typischerweise steigt die Langzeitarbeitslosigkeit mit rund einem Jahr Verz\u00f6gerung auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die absolute Zahl der Langzeitarbeitslosen ist entsprechend erst seit Anfang 2011 leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Der Bedarf f\u00fcr Massnahmen zur Unterst\u00fctzung von Langzeitarbeitslosen ist daher weiterhin relativ hoch.&#13;<\/p>\n<h2>Aufsichtskommission ALV<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Aufsichtskommission \u00fcbernimmt im Bereich der ALV \u00dcberwachungs-, Beratungs- und Entscheidfunktionen. Sie trat im Berichtsjahr zu insgesamt 4 Sitzungen (Vorjahr 4) zusammen und befasste sich unter anderem mit folgenden Themen: 4. AVIG-Revision, Schaffung eines Audit Committees, Beurteilung von verschiedenen Studien- und Evaluationsantr\u00e4gen sowie Beurteilung der Durchf\u00fchrung eines Pilotprojektes.Die Subkommission Finanzen ber\u00e4t die Aufsichtskommission in finanziellen Fragen der ALV. Sie stellt sicher, dass die gesetzlichen Aufgaben der Aufsichtskommission in diesem Bereich wahrgenommen werden. Antr\u00e4ge der Ausgleichsstelle zu Budget und Jahresrechnung sowie zur Informatiksteuerung werden von der Subkommission Finanzen begutachtet. Sie richtet Empfehlungen an die Aufsichtskommission und kann eigene Antr\u00e4ge stellen.Als Vorinstanz der Aufsichtskommission befasste sie sich gem\u00e4ss T\u00e4tigkeitsbericht haupts\u00e4chlich mit folgenden Themen:\u2212 Jahresrechnung 2009 des ALV-Ausgleichsfonds sowie Voranschl\u00e4ge 2011 der Ausgleichsstelle der ALV, der Vollzugsstellen und der AMM;\u2212 \u00dcberwachen der finanziellen Situation des Ausgleichsfonds;\u2212 Ausbreitung des Dokumentenmanagementsystems der Arbeitslosenkassen;\u2212 Controlling der Informatikkosten, insbesondere des Projektes und des Betriebes der Neukonzeption Avam;\u2212 Anpassung der IT-Strategie.Im Jahr 2010 wurde von der Aufsichtskommission ein Audit Committee gebildet. Es beurteilt die Funktionsf\u00e4higkeit der internen Kontrollsysteme in den Vollzugsstellen sowie die Wirksamkeit der Revisionen und Aus\u00fcbung der Assurance-Funktion der Ausgleichstelle gegen\u00fcber den Vollzugsstellen unter Einbezug des Risikomanagements. Die konstituierende Sitzung hat im Herbst stattgefunden. Das Audit Committee wird die Arbeit im Jahr 2011 aufnehmen.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Beitr\u00e4ge der Versicherten und Arbeitgeber<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei einem Beitragssatz von 2% beliefen sich die Beitr\u00e4ge der Versicherten und Arbeitgeber im Berichtsjahr auf 5195,8 Mio. Franken (2009: 5253,0 Mio. Fr.). Diese haben gegen\u00fcber dem Vorjahr um 57,2 Mio. Franken oder 1,1% abgenommen.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitslosenentsch\u00e4digungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Berichtsjahr sind insgesamt 5439,4 Mio. Franken (2009: 4781,6 Mio. Fr.) Entsch\u00e4digungen an Arbeitslose ausgerichtet worden; das sind 657,8 Mio. Franken oder 13,8% mehr als im Vorjahr. Es wurden somit durchschnittlich je Monat rund 453,3 Mio. Franken ausbezahlt.&#13;<\/p>\n<h2>Kurzarbeitsentsch\u00e4digung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kurzarbeitsentsch\u00e4digungen haben gegen\u00fcber dem Vorjahr um 458,5 Mio. Franken auf 538,8 Mio. Franken abgenommen (2009: 997,3 Mio. Fr.).&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarktliche Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAn individuellen arbeitsmarktlichen Massnahmen sind im Berichtsjahr 155,7 Mio. Franken (2009: 127,6 Mio. Fr.) ausbezahlt worden; das sind 28,1 Mio. Franken oder 22,0% mehr als im Vorjahr. Die Kosten der kollektiven arbeitsmarktlichen Massnahmen haben sich gegen\u00fcber dem Vorjahr um 75,7 Mio. Franken oder 18,2% auf 490,4 Mio. Franken erh\u00f6ht (2009: 414,7 Mio. Fr.). Der Beitrag der Kantone an Kurskosten betr\u00e4gt im Berichtsjahr 2,5 Mio. Franken (2009: 3,0 Mio. Fr.). Dies entspricht einer Abnahme von 0,5 Mio. Franken oder 16,7%.&#13;<\/p>\n<h2>Beitragsr\u00fcckerstattungen an Nachbarstaaten f\u00fcr Grenzg\u00e4nger<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHier handelt es sich erstens um erhobene ALV-Beitr\u00e4ge von Grenzg\u00e4ngern, die in der Schweiz arbeiten, jedoch im Ausland wohnen. Die Schweiz als Besch\u00e4ftigungsstaat \u00fcberweist an vier Nachbarstaaten gem\u00e4ss den einzelnen Abkommen diese Beitr\u00e4ge zur Abdeckung des Risikos der Ganzarbeitslosigkeit. Im Gegenzug erstatten die vier Nachbarstaaten dem ALV-Fonds ihre Lohnabz\u00fcge der schweizerischen Grenzg\u00e4nger (Wohnort Schweiz, Arbeitsort Nachbarstaat). Die Abkommen mit den vier Nachbarstaaten hatten nur bis Ende Mai 2009 G\u00fcltigkeit. Im Berichtsjahr fallen diese Beitr\u00e4ge weg (2009: 107,1 Mio. Fr. f\u00fcr 5 Monate).&#13;<\/p>\n<h2>Beitragsr\u00fcckerstattungen Kurzaufenthalter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Einf\u00fchrung der bilateralen Vertr\u00e4ge per 1. Juni 2002 mit den EU-Staaten und der Efta-Konvention wurde die Schweiz verpflichtet, die Retrozessionen (ohne Liechtenstein) bis und mit 31.5.2009 durchzuf\u00fchren. Seit dem 1. April 2006 sind auch noch die 10 Staaten der Osterweiterung der EU dazu gekommen, wobei die Retrozessionen f\u00fcr Zypern und Malta ebenfalls per 31.5.2009 endeten. F\u00fcr die verbleibenden acht Staaten der Osterweiterung werden die Betr\u00e4ge bis 30.4.2011 weiterhin retrozediert. Zus\u00e4tzlich werden neu ab 1.6.2009 Bulgarien und Rum\u00e4nien retrozediert. Im Berichtsjahr betragen diese 4,0 Mio. Franken (2009: 11,8 Mio. Fr.).&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Rechnung schloss im Berichtsjahr mit einem Verlust von 1705,1 Mio. Franken ab (2009: Verlust von 1463,8 Mio. Fr).&#13;<\/p>\n<h2>Bundestresoreriedarlehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Finanzierung der Leistungen des ALV-Fonds mussten im Berichtsjahr 1800,0 Mio. Franken zus\u00e4tzliche Tresoreriedarlehen beim Bund aufgenommen werden (2009: 1500,0 Mio. Fr.). Ende Jahr belaufen sich diese Darlehen total auf 7400,0 Mio. Franken (2009: 5600,0 Mio. Fr.).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAuszahlungen der Arbeitslosenkassen, 1999\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abAusgleichsfonds der Arbeitsolsenversicherung: Bilanz per 31. Dezember 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abAusgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung: Rechnungsergebnis 1. Januar bis 31. Dezember 2010\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Arbeitslosenquote, die Anfang 2010 noch bei 4,5% lag, bildete sich im Zuge der wirtschaftlichen Erholung bis Ende 2010 auf 3,8% zur\u00fcck. Im Jahresdurchschnitt 2010 lag sie mit 3,9% noch \u00fcber dem Vorjahreswert von 3,7%. Die Arbeitslosenzahl stieg um 4% auf 151&#8217;986 Personen an. 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