{"id":120274,"date":"2011-11-01T12:00:00","date_gmt":"2011-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/11\/balaster-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:54","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:54","slug":"balaster-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/11\/balaster-5\/","title":{"rendered":"Weitergabe von Einkaufsvorteilen aufgrund der Frankenst\u00e4rke"},"content":{"rendered":"<p>Der hohe Aussenwert der Schweizer W\u00e4hrung belastet die Schweizer Exporteure, besonders jene, die in die EU exportieren. Ihre Produkte sind deswegen teurer geworden. Beim Import ist keine spiegelbildliche Entwicklung feststellbar, im Gegenteil. Die Differenz der Produktpreise zum Ausland hat sich mit der Frankenhausse noch verst\u00e4rkt: Die Hochpreisinsel Schweiz ist wieder voll zu Tage getreten. Der nachfolgende Artikel untersucht f\u00fcr wichtige G\u00fcterkategorien, ob \u00fcberhaupt Einkaufsvorteile im Euroraum beim Import in die Schweiz und bis zu den Konsumenten weitergegeben werden, und wenn ja in welchem Masse. Die Ursachen der ausbleibenden Preisanpassungen beim Import werden beleuchtet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201111_17_Balaster_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"250\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Hochpreisinsel Schweiz, die 2003 in dieser Zeitschrift stark thematisiert wurde,&#13;<br \/>\nSiehe \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb 7-2003. steht wegen der Frankenst\u00e4rke erneut zur Debatte. Wie gross die Preisdifferenzen sein k\u00f6nnen, zeigt etwa das Beispiel der Babynahrung, das bei einer Erhebung des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zu Preisdifferenzen bei G\u00fctern mit technischen Handelshemmnissen aufgetaucht ist.&#13;<br \/>\nGenauere Angaben zu dieser Erhebung sind bei Isabelle Schluep-Campo, Ressort Wachstum und Wettbewerbspolitik (DPWW), Seco, erh\u00e4ltlich <a href=\"mailto:isabelle.schluep@seco.admin.ch\">isabelle.schluep@seco.admin.ch<\/a> Es verdeutlicht, wie krass das Gesetz des <i>Law of one Price<\/i>&#13;<br \/>\nDas heisst die Regel, dass f\u00fcr international handelbare G\u00fcter ein gleicher Preis bezahlt werden sollte. im Fall der Schweiz da und dort verletzt wird. Die Konsumentenpreise scheinen generell eher der Zahlungsbereitschaft \u2013 und damit der Kaufkraft \u2013 der L\u00e4nder zu folgen und werden an den Konjunkturverlauf im jeweiligen Markt angepasst. Die G\u00fcterarbitrage auf Handelsstufe, welche die Preisdifferenzen einzuebnen h\u00e4tte, ist dagegen schwach ausgepr\u00e4gt. Die daraus resultierenden Preisdifferenzen treiben die Konsumentinnen und Konsumenten in den Einkaufstourismus.&#13;<\/p>\n<h2>Wechselkursschwankungen bestimmen die Aktualit\u00e4t der Debatte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBestimmenden Einfluss auf die Aktualit\u00e4t der Debatte um die Hochpreisinsel hat die schwankende Entwicklung des Aussenwertes des Frankens. Im Sommer 2007 war der Franken im Zeichen der Zinsspekulationsgesch\u00e4fte <i>(Carry Trade)<\/i> mit 1,65 Franken\/Euro ausgepr\u00e4gt schwach. Infolge der Vertrauenskrise im Euroraum ist er derzeit ausgeprochen stark, auch nach Festlegung einer Kursuntergrenze des Euro von 1,20 Franken am 6.9.2011 durch die Schweizerische Nationalbank (SNB).Die nachstehenden Abkl\u00e4rungen konzentrieren sich auf die Weitergabe der Wechselkursvorteile ab dem 2. Quartal 2010, seitdem pro Euro weniger als 1,40 Franken gezahlt werden m\u00fcssen.&#13;<\/p>\n<h2>Hoher Preissockel auch bei durchschnittlichem Wechselkurs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Fokussierung auf diesen Zeitraum wird von einem relativ hohen Preissockel in der Schweiz ausgegangen; denn 2007 beklagte sich kein Hersteller und H\u00e4ndler, die Belieferung der Schweiz zahle sich angesichts der Wechselkursschw\u00e4che kaum mehr aus. In der Tat war das relative Preisniveau in der Schweiz bei G\u00fctern gem\u00e4ss den Kaufkraftsparit\u00e4tsberechnungen von Eurostat und der OECD auch 2007 \u00fcberdurchschnittlich. Der Index f\u00fcr Konsumg\u00fcter stand damals auf 114 Punkten (EU15 = 100).&#13;<br \/>\nDie Detailindizes bei der Berechnung der Kaufkraftparit\u00e4ten legen den Schluss nahe, dass das relative Preisniveau f\u00fcr Konsumg\u00fcter 2007 nicht nur wegen der Produktion aus dem Inland teurer als in den umliegenden L\u00e4ndern war, sondern auch wegen den Endverkaufspreisen von Importware.Mit der Festlegung eines Referenzwertes von 1,40 Franken f\u00fcr die Bestimmung des Preissockels, der bei einer durchschnittlichen Wechselkurssituation besteht, erreichen wir, dass der Untersuchungszeitraum&#13;<br \/>\nDer Untersuchungszeitraum ist vorab durch die Verf\u00fcgbarkeit geeigneter Daten bestimmt. Er beginnt bei der Untersuchung der Importpreise im 1. Quartal 1994 und endet im 2. Quartal 2011. Bei der Untersuchung der Konsumentenpreise umfasst der Untersuchungszeitraum die Periode Mai 2003 bis Juni 2011. sowohl eine Periode eines schwachen Frankens (v.a. 2007) wie eine Periode eines starken Frankens (v.a. 2011) umfasst. So wird es m\u00f6glich zu untersuchen, ob die Folgen der Wechselkursschwankungen auf die Einkaufspreise auf Frankenbasis bei einer \u00fcberbewerten bzw. einer unterbewerteten W\u00e4hrung symmetrisch ausfallen.&#13;<\/p>\n<h2>Bisherige Untersuchungen zum sog. Exchange Rate Pass-Through<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie weit sich Wechselkursschwankungen im Importpreis und im Endkundenpreis niederschlagen \u2013 der so genannte <i>Exchange Rate Pass-Through (ERPT)<\/i> \u2013 wurde 2007 in einer von der SNB publizierten Studie untersucht.&#13;<br \/>\nVgl. Jonas Stulz: Exchange Rate Pass-Through in Switzerland: Evidence From Vector Autoregressions, Swiss National Bank Economic Studies Nr. 4 2007. Sie kam zum Ergebnis, dass sich eine Aufwertung nach wenigen Quartalen zu rund 40% in den Importpreisen niederschl\u00e4gt und es dann im Wesentlichen bei diesem Wert bleibt. Die Konsumentenpreise als Ganzes reagieren zu 30% auf die Schwankungen des Importpreisindex. Dies entspricht einer quasi 100%-igen Weitergabe der Importpreisverg\u00fcnstigung an die Endkunden, machen doch die Importg\u00fcter rund 30% des gesamten Konsumb\u00fcndels der Haushalte aus.&#13;<br \/>\nEs geht hier um den Anteil der vor allem aus Importwaren bestehenden Indexpositionen am Gesamtindex. Diese Positionen enthalten auch Inlandware; ihre Gewichtung schliesst die Bruttovertriebsmarge im Inland mit ein. Eigene Berechnungen haben zum Ergebnis gef\u00fchrt, dass beim Konsum der Haushalte nur einer von sechs Franken direkt ins Ausland geht.&#13;<\/p>\n<h2>Die Seco-Transparenzstudie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWir haben diese Berechnungen zuerst auf der Ebene des Gesamtindexes der Importpreise und des Totals beim Landesindex der Konsumentenpreise repliziert.&#13;<br \/>\nDieser Teil der Untersuchung wurde von Marc Surchat, Ressort DPWW, Seco, bestritten.<i>Grafik 1<\/i> zeigt die Ergebnisse (sie liegen auch auf Ebene einzelner Produktgruppen vor). Das Mass des ERPT ist etwa gleich gross wie in gr\u00f6sseren L\u00e4ndern und in fr\u00fcheren Perioden. Hinweise auf eine gewisse Symmetrie der Weitergabe von ver\u00e4nderten Einkaufspreisen bei hohem bzw. unterbewertetem Franken sind vorhanden. Mit einem Zeitbedarf f\u00fcr die Weitergabe der Wechselkursvorteile ist zu rechnen. Beim Importpreisindex liegt die Verz\u00f6gerung im Bereich von 3 Quartalen.&#13;<\/p>\n<h2>Untersuchung der Importpreise bei 18 G\u00fcterkategorien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einem zweiten Schritt haben wir die Untersuchung nach 18 Kategorien von G\u00fctern aufgeschl\u00fcsselt und uns auf die Importpreise konzentriert. Gest\u00fctzt auf die Importpreisindizes der amtlichen Statistik l\u00e4sst sich Folgendes festhalten:&#13;<br \/>\nDieser Teil der Untersuchung wurde von Christin Erb, Praktikantin im Ressort DPWW, Seco, beigesteuert, dies im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Universit\u00e4t Bern im Fach \u00d6konomie. Bei Textilien und Bekleidung, Gummi- und Kunststoffprodukten, Fahrzeugen und Fahrzeugteilen sowie M\u00f6beln reagierten die Importpreise wenig auf die Aufwertung. Bei Nahrungsmitteln und Getr\u00e4nken, Leder\/Lederwaren\/Schuhen, elektronischem Equipment, chemischen und pharmazeutischen Produkten sowie Maschinen war die Reaktion ebenfalls eher schwach, doch k\u00f6nnte bei Importg\u00fctern, die an Unternehmen gehen, die Anpassung mit Zeitverzug noch in st\u00e4rkerem Mass erfolgen. Bei fertigen Metallprodukten und gewissen elektronischen und optischen Produkten konnte kein statistisch signifikanter ERPT nachgewiesen werden. Gut oder relativ gut weitergegeben wurden die Einkaufsvorteile bei Erd\u00f6l und Erdgas, Mineral\u00f6lprodukten, Metallen, Metallhalbzeug, Papierprodukten, Holzprodukten und Glas\/Keramik\/Betonprodukten.&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnisse einer Panelsch\u00e4tzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Angaben auf Ebene der 18 Produktgruppen wurden im Rahmen einer Panelsch\u00e4tzung auch f\u00fcr die Messung des gesamtwirtschaftlichen ERPT verwendet, wobei sowohl statische wie auch dynamische Modelle \u00fcber den Zeitraum 2004 bis 2011 angewendet wurden. Im Vergleich zur SNB-Studie und unserer Replikation dieser Analyse, die sich der Methode der so genannten VAR-Modelle bedient, zeigt die Panelregression bei einer erh\u00f6hten Signifikanz der gesch\u00e4tzten Werte eine h\u00f6here Weitergabe von Wechselkursvorteilen.&#13;<\/p>\n<h2>Wohin gehen die Importpreisverg\u00fcnstigungen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz importierte im Jahr 2010 Waren im Wert von 174 Mrd. Franken. Eine Aufwertung um 15%, w\u00e4re sie vollst\u00e4ndig an die Schweiz weitergegeben worden, h\u00e4tte \u2013 bei gleich bleibenden Produzentenpreisen im Ausland \u2013 die Importrechnung des Landes um 26 Mrd. Franken erleichtert. Die importierten Waren gehen allerdings nicht nur in den Konsum der Haushalte; ein guter Teil sind Vorleistungen f\u00fcr die Exportwirtschaft. Die Auswertung der Input-Output-Tabelle 2005 zeigt, dass wechselkursbedingte Einsparungen beim Einkauf im Ausland im Fall einer mechanischen \u00dcberw\u00e4lzung zur H\u00e4lfte in den Export, zu einem Sechstel in die Investitionsg\u00fcter und zu einem Drittel in den Konsum gehen w\u00fcrden. F\u00fcr das Konsumentenbudget standen \u2013 gest\u00fctzt auf das Importvolumen 2010 \u2013 nach Abschluss aller Anpassungsvorg\u00e4nge somit potenziell gegen 9 Mrd. Franken an Einsparungen in Aussicht. Die theoretischen Auswirkungen einer Frankenaufwertung von 15% auf die Konsumteuerung sind demnach bei gegen 3% anzusiedeln. Von diesem Betrag haben die Haushalte allerdings erst eine begrenzte Summe gesehen. Dies ergibt sich bereits aus der oben erfolgten Analyse der Importpreisindizes und best\u00e4tigt sich in der nachstehenden Analyse auf Konsumstufe.&#13;<\/p>\n<h2>Zur Analyse auf Konsumstufe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse auf Konsumstufe&#13;<br \/>\nDie Untersuchungen zur Situation der Konsumenten wurden von Sarah Fischer, Praktikantin im Ressort DPWW, Seco, vorgenommen, dies im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Universit\u00e4t Bern im Fach \u00d6konomie. ist durch erhebliche statistische Schwierigkeiten belastet: Aus der amtlichen Statistik lassen sich weder die Bruttomarge des Handels noch der Anteil der Inland- und Auslandware bei den einzelnen G\u00fcterkategorien des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK) entnehmen. Diese Gr\u00f6ssen zu kennen, w\u00e4re aber relevant, denn rein rechnerisch ist zu erwarten, dass bei 15% Aufwertung des Frankens auf Stufe der Konsumentenpreise auch dann erhebliche Preisdifferenzen zum umgebenden Ausland entstehen, wenn die Einkaufsvorteile aufgrund einer Frankenst\u00e4rke durch Hersteller und Handel voll weitergegeben werden. Betrachten wir zur Illustration dieses Punktes eine Position des LIK, die annahmegem\u00e4ss zu 50% aus Inlandware und zu 50% aus Importware zusammengesetzt ist, und gehen wir von einer Bruttomarge des Vertriebs von 50% auf den Importpreisen bzw. den Fabrikabgabepreisen im Inland aus. In diesem Fall hat sich bei zwei Dritteln des Endverkaufspreises rein kostenbedingt wegen der Frankenst\u00e4rke nichts ge\u00e4ndert. Die 15% Aufwertung werden nur auf dem Drittel der Ausgabensumme der Konsumenten wirksam, das f\u00fcr die Bezahlung der Importe aufgewendet werden muss. Mithin ist bei diesen Anteilen von Importen, Inlandware und Bruttovertriebsmarge zu erwarten, dass sich trotz Weitergabe der w\u00e4hrungsbedingten Einkaufsvorteile eine Divergenz bei den korresponierenden Positionen in den Konsumentenpreisen Deutschlands und der Schweiz von 10% ergibt.&#13;<\/p>\n<h2>Deutliche Ausweitung der Preisunterschiede zu Deutschland<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 2<\/i> zeigt, dass die Preisdifferenz \u00fcber ein Jahr betrachtet um gegen 15% zugenommen hat \u2013 auch bei den Positionen mit einem hohen Anteil importierter Produkte. Damit wird die Referenzmarke von 10% bei einem Inlandproduktionsanteil und einer Bruttovertriebsmarge von je 50% deutlich \u00fcbertroffen.An den Ergebnissen zur Ausweitung der Preisdifferenzen zu Deutschland \u00fcberrascht, dass sich gerade bei den Nahrungsmitteln, wo der Inlandkonsum vor allem durch die Inlandproduktion gedeckt wird, vom 2. Quartal 2010 bis zum 2. Quartal 2011 eine kleinere Preisdifferenz zu Deutschland ge\u00f6ffnet hat als bei den Kategorien von Waren, die weitestgehend importiert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Import- und Produzentenpreisindizes haben oft geringe Erkl\u00e4rungskraft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Vergleich anhand des harmonisierten Konsumentenpreisindexes l\u00e4sst die Frage aufkommen, ob \u00fcberhaupt ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen den einschl\u00e4gigen Positionen im Importpreisindex (IPI) und im Produzentenpreisindex der Schweiz (PPI) sowie der Konsumteuerung (gemessen am LIK) besteht. Anhand von VAR-Modellen kommt man zum Schluss, dass die kostenbasierte Preissetzung auf Konsumstufe nicht sehr ausgepr\u00e4gt ist.Bei Gartenbauprodukten, Gefl\u00fcgelfleisch, Zucker, S\u00fcsswaren, Spirituosen, Bier, Mineralwasser, Bekleidung, Schuhen, Papierwaren f\u00fcr die K\u00f6rperpflege, Druckerzeugnissen, K\u00f6rperpflegemitteln, Telekomger\u00e4ten, Unterhaltungselektronik, optischen Ger\u00e4ten, elektrischen Haushaltger\u00e4ten, Automobilen, Fahrr\u00e4dern und Motorfahrr\u00e4dern l\u00e4sst sich bei einer Sch\u00e4tzung \u00fcber den Zeitraum Mai 2003 bis Juni 2011 kein statisch signifikanter Zusammenhang zwischen den so benannten Positionen des LIK und den korrespondierenden Positionen des IPI bzw. PPI feststellen. In <i>Tabelle 1<\/i> wird in der Horizontalen gezeigt, wo der IPI eine geringe, m\u00e4ssige oder grosse Relevanz f\u00fcr die Konsumteuerung hat, dies in Abh\u00e4ngigkeit von der Bedeutung, die dem PPI zukommt (vertikale Dimension).&#13;<\/p>\n<h2>Ursachen ausbleibender Preisanpassungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorangehenden Betrachtungen zum Einsparpotenzial der Haushalte und dessen Realisierung bei den einzelnen Produktkategorien sind in mehrfacher Hinsicht un\u00f6konomisch. Einerseits l\u00e4sst sich argumentieren, dass die Wechselkursver\u00e4nderung die Preise auf viel breiterer Front erfassen sollte. Einmal k\u00f6nnte sich der Wertsch\u00f6pfungsanteil im Inland \u2013 d.h. die Handelsspanne \u2013 parallel zur Importverbilligung ver\u00e4ndern, so etwa wenn der Detailhandel (inkl. Fiskus) einen prozentualen Zuschlag auf den Einstandspreisen franko Grenze macht. Zweitens werden die Konsumenten reagieren und auf die billiger gewordenen Importprodukte umsteigen; ihre Budgetentlastung w\u00e4re daher durch Umstellungen im Konsum gr\u00f6sser. Durch diese Umstellungen im Konsum sollten drittens auch die Preise der Inlandproduktion unter Druck kommen und den Haushalt weiter entlasten. Anderseits gibt es Umst\u00e4nde, die gegen eine Entlastung des Haushaltsbudgets sprechen und die nicht Ausdruck von Preisdiskriminierung zu Lasten der Schweiz und der hiesigen Kunden sind. Insbesondere sind die Ver\u00e4nderungen von Wechselkursen und Produzentenpreisen im In- und Ausland in ihrer Interdependenz zu sehen. Gem\u00e4ss der Kaufkraftparit\u00e4tentheorie in ihrer relativen Fom gleicht der Wechselkurs \u00fcber kurz oder lang die Inflationsdifferenzen zwischen den beiden beteiligten L\u00e4ndern aus. Dies kann f\u00fcr Hersteller und Handel Anlass sein, die Wechselkursver\u00e4nderung nicht weiterzugeben, weil sie davon ausgehen, dass sie bald kompensierende Aufschl\u00e4ge aufgrund des Anstiegs der Produktionskosten im Ausland resp. der Importpreise auf Fremdw\u00e4hrungsbasis vornehmen m\u00fcssen (gem\u00e4ss Kaufkraftparit\u00e4tentheorie per Saldo im Ausmass der Inlandteuerung). Eine solche Tr\u00e4gheit der Preisentwicklung kann aber auch schon resultieren, wenn von den Akteuren nur die Schwankungen des nominellen Wechselkurses als rein tempor\u00e4r eingestuft werden, die den Aufwand einer Preis\u00e4nderung gar nicht rechtfertigen (<i>Menu Cost<\/i> von Preis\u00e4nderungen). F\u00fcr tr\u00e4ge Preisreaktionen spricht weiter, dass Liefervertr\u00e4ge oft weit im Voraus (z.B. bei Maschinen) oder auf Frankenbasis abgeschlossen und nur periodisch erneuert werden. Wenn die mit diesen Vertr\u00e4gen erfassten Waren die Grenze \u00fcberschreiten, reflektiert ihr Preis vergangene Wechselkursverh\u00e4ltnisse. Analoge Verz\u00f6gerungen in der Transmission von Wechselkursver\u00e4nderungen k\u00f6nnen sich ergeben, wenn Lieferungen durch Devisentermingesch\u00e4fte gegen Wechselkursschwankungen abgesichert wurden. Namentlich das Ergebnis f\u00fcr den ERPT in die Importpreise spricht aber daf\u00fcr, dass die nationalen Grenzen in Europa noch bedeutend sind und gerade in der Schweiz eine eigene, am hiesigen K\u00e4uferverhalten orientierte Preispolitik betrieben werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Abkl\u00e4rungen zum ERPT zeigen, dass nationale Grenzen weiterhin eine wichtige Rolle bei der Preisentwicklung in verschiedenen Wirtschaftsr\u00e4umen spielen. Unterschiede in der Kaufkraft, dem Verhalten der Konsumenten und den Regulierungen f\u00fchren zu auseinanderlaufenden Preisentwicklungen. Die Schweiz hat sich politisch entschieden, ein eigener Wirtschaftsraum zu bleiben mit einer eigenen Rechtsordnung und einer eigenen W\u00e4hrung. In diesem Umfeld setzen die Firmen schweizspezifische Preise fest. Handel und Konsumenten k\u00f6nnen mit ihrem Verhalten aber wirkungsvoll der Ausnutzung der hohen Kaufkraft in der Schweiz entgegenwirken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abExchange Rate Pass-Through auf den Importpreisindex\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abAusweitung der Preisdifferenzen zu Deutschland gem\u00e4ss harmonisiertem Verbraucherpreisindex, 2. Quartal 2010\u20132. Quartal 2011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abErkl\u00e4rungskraft von Importpreis- und Produzentenpreisindizes f\u00fcr die Konsumteuerung (IPI: Importpreisindex; PPI: Produzentenpreisindex)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Vorgehen der Transparenzstudie&#13;<\/p>\n<h3>Vorgehen der Transparenzstudie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Transparenzstudie ging in vier Schritten vor: Zun\u00e4chst wurde bestimmt, wieweit die Importpreise in der Schweiz auf die Produzentenpreise im Euroraum und den Wechselkurs reagieren. Dann wurde errechnet, wieweit die Importe (direkt und indirekt) in den Export, die Investitionen und den Konsum gehen. In einem dritten Schritt wurden die Preisdifferenzen betrachtet, die sich zu Deutschland in einem Jahr auf Stufe Konsumentenpreise effektiv ergeben haben. Wieweit sich diese Preisdifferenzen bei voller Weitergabe der Einkaufsvorteile ausgeweitet h\u00e4tten, war mangels Kenntnissen der Bruttovertriebsmarge und der Import- resp. Inlandanteile an den einzelnen Positionen des Konsumentenpreisindex leider nicht zu bestimmen. Ersatzweise wurde daf\u00fcr in einem vierten Schritt untersucht, welche Erkl\u00e4rungskraft die Importpreise und die inl\u00e4ndischen Produzentenpreise f\u00fcr die Konsumteuerung haben. Eine kleine Erkl\u00e4rungskraft der Importpreise und der hiesigen Produzentenpreise spricht daf\u00fcr, dass die Weitergabe der Verg\u00fcnstigungen auf Stufe Importpreise \u2013 soweit es \u00fcberhaupt zu einer solchen kommt \u2013 an die Endkunden gleichfalls mangelhaft bleibt.Das Arbeitspapier zur Transparenzstudie ist unter <i><a href=\"http:\/\/www.seco.admin.ch\">http:\/\/www.seco.admin.ch<\/a><\/i> unter \u00abThemen\u00bb, \u00abWirtschaftspolitik\u00bb, \u00abStrukturanalysen und Wirtschaftswachstum\u00bb aufgeschaltet.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der hohe Aussenwert der Schweizer W\u00e4hrung belastet die Schweizer Exporteure, besonders jene, die in die EU exportieren. 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