{"id":120284,"date":"2011-11-01T12:00:00","date_gmt":"2011-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/11\/bregnard-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:49","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:49","slug":"bregnard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/11\/bregnard\/","title":{"rendered":"Die wirtschaftliche Entwicklung des Kantons Jura im Zentrum von Exzellenznetzwerken"},"content":{"rendered":"<p>Der TGV-Anschluss und die Autobahn bringen dem Kanton Jura eine bessere geografische Erschliessung. Die Wirtschaft des Kantons, die traditionell in den \u00abArc Jurassien\u00bb eingegliedert ist, r\u00fcckt damit n\u00e4her zur Metropolitanregion Basel und gewinnt an Attraktivit\u00e4t. Mit seiner Kompetenz im Bereich der Pr\u00e4zisionsinstrumente will der Kanton die Schwerpunkte Mikrotechnik und Uhrenindustrie weiter st\u00e4rken und gleichzeitig in den Bereichen Medizinaltechnik, saubere Technologien und Tourismus diversifizieren. Um dies zu erreichen, braucht es eine Vervielfachung der Netzwerke, und zwar sowohl innerhalb wie auch ausserhalb des Kantons. Der Grund f\u00fcr diese Notwendigkeit liegt in der Fragmentierung der Wirtschaftsaktivit\u00e4ten und dem Fehlen eines st\u00e4dtischen Zentrums.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Topografie des Juras ist nicht nur landschaftlich attraktiv, sondern bildet auch einen Schmelztiegel f\u00fcr hohe Kreativit\u00e4t, was sich in der einmaligen Pr\u00e4zisionsinstrumente-Industrie manifestiert. Das h\u00fcgelige Relief und die zerstreute Besiedlung beg\u00fcnstigt indes weder die Mobilit\u00e4t noch den Austausch. Vielmehr besteht die Gefahr, dass dadurch die menschlichen Aktivit\u00e4ten isoliert werden. Der Jura ist so zum Sinnbild der \u00abPeripherie\u00bb geworden. Darauf hat der Kanton Jura reagiert und bez\u00fcglich Infrastruktur bedeutend aufgeholt. Die territoriale Erreichbarkeit wird mit den neuen, leistungsf\u00e4higen Verbindungen deutlich verbessert: mit der A16, die bis 2016 realisiert wird, mit der Entwicklung des nahe gelegenen Euroairport Basel-Mulhouse (erreichbar in 30 Minuten) sowie mit dem TGV-Anschluss, der den Kanton Jura in 2h40 mit Paris verbindet. Auf wirtschaftlicher Ebene profitiert der Kanton von den Netzwerken des Basler Wirtschaftsraums, die sich mit jenen des Arc Jurassien zusammenschliessen.&#13;<\/p>\n<h2>Eine gezielte Strategie der wirtschaftlichen Entwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Kanton Jura verfolgt eine Reihe von Zielen: Schaffung qualifizierter Arbeitspl\u00e4tze, Diversifizierung in Aktivit\u00e4ten mit hoher Wertsch\u00f6pfung, Modernisierung der Wirtschaftsstruktur, Erh\u00f6hung des Lebensstandards der Bev\u00f6lkerung und demografisches Wachstum. Seine Strategie st\u00fctzt sich auf zwei Hauptpfeiler:\u2212 die <i>globalen Haupttendenzen:<\/i> Sie umfassen die Erhaltung der nat\u00fcrlichen Ressourcen und der Umwelt, die demografische Entwicklung (allen voran die Alterung der Bev\u00f6lkerung) sowie den vermehrten Austausch und die h\u00f6here Mobilit\u00e4t der Gesellschaft.\u2212 die <i>eigenen wirtschaftlichen St\u00e4rken:<\/i> Dazu geh\u00f6ren die Rahmenbedingungen der Schweiz (politisches und soziales System, Arbeitsmarkt, Bildung, Innovation, Infrastruktur und Steuersystem), g\u00fcnstige Produktionsfaktoren (Know-how in Pr\u00e4zisionsindustrie, qualifiziertes Personal, Umwelt, Grundst\u00fccke) und andere Vorteile wie die hohe Lebensqualit\u00e4t, die zentrale Lage in Europa oder die N\u00e4he zum Wirtschaftszentrum Basel.Die Strategie ist auf eine St\u00e4rkung des <i>Kompetenzzentrums in Mikrotechnik und Uhrenindustrie<\/i> sowie auf eine <i>gezielte Diversifizierung<\/i> ausgerichtet. Die Mittel zur Umsetzung der Strategie orientieren sich entlang von f\u00fcnf komplement\u00e4ren Hauptachsen:\u2212 dem Dispositiv der Wirtschaftsf\u00f6rderung;\u2212 den Systemen von Innovation und Know-how-Transfer;\u2212 dem internen und externen Netzwerk von Partnerschaften;\u2212 der wirtschaftlichen Infrastruktur;\u2212 den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.&#13;<\/p>\n<h2>Organisches Wachstum und exogene Entwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer gr\u00f6sste Teil des Wachstumspotenzials ist endogen. Auf lange Sicht beinhaltet es aber auch einen exogenen Anteil und beruht zudem auf dem strategischen Anschluss an Netzwerke sowie auf kantonsexternen Partnerschaften. Angesichts der geringen Kantonsgr\u00f6sse gilt es, sich auf einige technologische Nischen und Anwendungsgebiete zu konzentrieren. Das Kantonale Wirtschaftsamt, das die Bereiche Entwicklung, Promotion, Regionalpolitik und Tourismus in sich vereint, ist f\u00fcr die Umsetzung der Massnahmen und das Setzen der Anreize verantwortlich. Auch wenn diese Konzentration der Kr\u00e4fte die Effizienz des staatlichen Handelns erh\u00f6ht, bleiben die Unternehmen nach wie vor zentral f\u00fcr das Wirtschaftswachstum.&#13;<\/p>\n<h2>Pr\u00e4zisionsindustrie als Herzst\u00fcck des jurassischen Know-hows<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer ausgepr\u00e4gte Industriesektor mit einem Besch\u00e4ftigungsanteil von \u00fcber einem Drittel ist der Trumpf der jurassischen Wirtschaft. Charakteristisch ist die Konzentration auf Mikrotechnik und Uhrenindustrie sowie der hohe Anteil an exportorientierten KMU und Subunternehmen. Diese Eigenschaften verst\u00e4rken zwar die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Konjunktureinbr\u00fcche und limitieren strukturell die Wertsch\u00f6pfung. Dennoch bleibt die Pr\u00e4zisionsindustrie eine St\u00e4rke des Kantons. Ein grosser Teil der Komponenten von <i>Swiss-made-<\/i>Zeitmessern werden hier produziert. Uhrmacher siedeln sich im Kanton an und expandieren aufgrund geeigneter Ausbildungsstrukturen und der Verf\u00fcgbarkeit qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte. Die Wirtschaftsstruktur ist zudem von einem sehr dichten Netz von KMU im Bereich Metallverarbeitung, Pr\u00e4zisionsinstrumenten und Industrieger\u00e4ten gepr\u00e4gt. Es ist daher logisch, dass diese Kompetenzen f\u00fcr eine Diversifizierung auf <i>zwei Ebenen<\/i> genutzt werden: erstens der <i>vorhanden Kernkompetenzen<\/i> (\u00abnat\u00fcrliche\u00bb Diversifizierung) und zweitens der <i>Entwicklung neuer Aktivit\u00e4ten.<\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Pr\u00e4zision im Dienste von Med- und Cleantech<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie <i>erste Ebene<\/i> der Diversifizierung ist auf neue Wirtschaftsbereiche ausgerichtet, allen voran die Medizinaltechnik <i>(Medtech)<\/i> und die sauberen Technologien <i>(Cleantech),<\/i> aber auch Bereiche wie Sicherheits- oder Anschlusstechnik. Die Entwicklung und Herstellung von Apparaten, Zubeh\u00f6r und Bestanteilen des Medtech-Bereichs ben\u00f6tigen hohe spezifische Kompetenzen, speziell in der Mikromechanik, Robotik, Metallverarbeitung, Elektronik oder Kunststoffverarbeitung. Diese F\u00e4higkeiten sind bei jurassischen Unternehmen ausgepr\u00e4gt vorhanden. Medtech bildet den Schnittpunkt der jurassischen Mikrotechnologie und den Basler <i>Life Sciences.<\/i> Zudem wird die Nachfrage nach Medtech in Zukunft durch die Bev\u00f6lkerungsalterung und -zunahme, die vermehrte Verwendung von Implantaten und das Fortschreiten der Zivilisationskrankheiten noch zunehmen.Die Perspektiven, die sich aus der Erhaltung der nat\u00fcrlichen Ressourcen und der Umwelt ergeben, sind ebenfalls strategischer Art und stehen im Einklang mit den industriellen Kompetenzen des Kantons Jura. Dieses breite Innovationsfeld umfasst nicht nur die Produktion von und Versorgung mit Rohstoffen und Energie, sondern auch die Optimierung von Produktgestaltung, Produktionsprozessen und Mobilit\u00e4t (breite Konzeption von Cleantech). Somit umfassen die sauberen Technologien alle Felder der wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t. Zwei Gebiete, die auf die Reduktion des Konsums zielen, sind besonders kompatibel mit der jurassischen Industrie und ihrem mikrotechnischen Know-how: Dazu geh\u00f6ren die nachhaltige Mobilit\u00e4t in den Bereichen Transport und IKT (vgl. etwa den Schwerpunkt <i>Mobil-IT<\/i> mit der Unterst\u00fctzung des NFP) und die Automatisierung von Produktionsprozessen mit dem Ziel der Qualit\u00e4tsverbesserung und Produktivit\u00e4tssteigerung.&#13;<\/p>\n<h2>Eine Strategie zu erweiterten wirtschaftlichen Diversifizierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie zweite Ebene der Diversifizierung der jurassischen Wirtschaft ist bereits im Gang, insbesondere im Dienstleistungssektor, der mehr als die H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigung im Kanton ausmacht. Sie umfasst:\u2212 den Erwerb neuer, komplement\u00e4rer Kompetenzen, insbesondere in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie Nanotechnologie;\u2212 den Ausbau von Unternehmensdienstleistungen mit hoher Wertsch\u00f6pfung (z.B. F&amp;E, Qualit\u00e4tssicherung, Marketing);\u2212 den Anschluss an die Metropolregion Basel mit Spin-offs im Basler Life-Science-Cluster (im weiteren Sinne, d.h. Pharma, Biotech, Ern\u00e4hrung usw.) sowie mit gemeinsamem Wohn- und Erholungsraum (personenbezogene Dienstleistungen);\u2212 das Hervorheben der eigenen St\u00e4rken wie die intakte Umwelt, hohe Lebensqualit\u00e4t und verbesserte Erreichbarkeit, um den Tourismus und die Freizeitindustrie auszubauen sowie die Attraktivit\u00e4t f\u00fcr mobile Berufe (Kommunikation, Informatik, kreative Branchen usw.) zu erh\u00f6hen;\u2212 die F\u00f6rderung der Produktion von sauberer und nachhaltiger Energie, der Holzbranche und der Verarbeitung landwirtschaftlicher G\u00fcter (Besch\u00e4ftigungsanteil des prim\u00e4ren Sektors von 7%).Vorgesehen ist \u00fcberdies eine Strategie f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsentwicklung.&#13;<br \/>\nVgl. Le Jura au centre de l\u2019action. Programme de l\u00e9gislature 2011-2015 de la r\u00e9publique et canton du Jura, Juni 2011. Der Wohnraum und das frei verf\u00fcgbare Einkommen sind wettbewerbsf\u00e4hig. Es geht auch darum, den <i>Brain Drain<\/i> \u2013 also die Abwanderung qualifizierter Arbeitnehmender \u2013 zu reduzieren und die Netzwerke der Jurassier ausserhalb des Kantons zu nutzen. Geplant ist zudem die Reduktion der Steuerbelastung f\u00fcr nat\u00fcrliche und juristische Personen. Zur Steigerung des Bekanntheitsgrades des Kantons wurde eine Werbekampagne lanciert (Neue Marke: <i>Jura l\u2019original suisse<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Partnerschaften und attraktive Zentren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Kanton Jura umfasst etwas mehr als 70&nbsp;000 Einwohner und rund 30&nbsp;000 vollzeit\u00e4quivalente Stellen. Die Wirtschaftsaktivit\u00e4ten sind in eine Vielzahl kleiner Einheiten und in hoch spezialisierte Produkte aufgesplittert. Diese Atomisierung hat zwar den Vorteil einer sehr hohen Flexibilit\u00e4t. Es fehlt aber an einer kritischen Masse, um Skalenertr\u00e4ge zu generieren und das Entwicklungspotenzial aussch\u00f6pfen zu k\u00f6nnen. Diese Feststellung gilt auch f\u00fcr die Raumentwicklung und das Angebot von Basisdienstleistungen. Das fehlende urbane Zentrum macht sich ebenso bemerkbar wie die ungen\u00fcgenden h\u00f6heren Bildungsstrukturen oder die Absenz von Spitzenforschung. Um dieses Manko zu kompensieren, wurden bedeutende Anstrengungen unternommen. Die besonders gut ausgestatteten und vernetzten <i>Zones d\u2019activit\u00e9s \u00e9conomiques d\u2019int\u00e9r\u00eat cantonal (Zaic)<\/i> bieten eine Kombination von \u00fcberaus leistungsf\u00e4higen Funktionalit\u00e4ten (Energie, Mobilit\u00e4t, IKT, Dienstleistungen, Kaufpreise von unter 100 Fr.\/m2). Ein schweizweit einmaliges Angebot ist die Erteilung einer Baubewilligung in diesen Zonen innerhalb von 14 Tagen.&#13;<br \/>\nEntscheid des jurassischen Parlaments vom 28. September 2011 (\u00c4nderung des Loi sur les constructions et l\u2019am\u00e9nagement du territoire und des D\u00e9cret concernant le permis de construire). Die <i>Agglomeration Del\u00e9mont<\/i> mit ihren 25&nbsp;000 Einwohnern liegt im Einzugsgebiet von Basel (erreichbar in 30 Minuten). Del\u00e9mont will seine Attraktivit\u00e4t steigern und das Angebot an Freizeitbesch\u00e4ftigungen, Kultur, Sport, Mobilit\u00e4t, Dienstleistungen sowie Wirtschaftsaktivit\u00e4ten ausbauen. Der <i>Campus tertiaire in Del\u00e9mont<\/i> bietet im neuen Geb\u00e4ude im Bahnhofsareal eine Reihe von Ausbildungen auf Terti\u00e4rniveau f\u00fcr \u00fcber 500 Studierende in den Bereichen Wirtschaft, Ingenieurwesen, Gesundheit und P\u00e4dagogik. Ausserdem werden etliche Dienstleistungen und F&amp;E-Aktivit\u00e4ten angeboten.&#13;<br \/>\nFilialen der Haute \u00e9cole Arc (Mitglied der HES-SO) bzw. der Haute \u00e9cole p\u00e9dagogique (Bejune), gemeinsame Institutionen der Kantone Bern, Jura und Neuenburg.&#13;<\/p>\n<h2>\u00d6ffnung zum Zentrum Basel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Kanton Jura hat sich der <i>BaselArea<\/i> angeschlossen, dem Organ von Basel-Stadt und Basel-Landschaft zur F\u00f6rderung seiner Wirtschaft im Ausland. Dieser Entscheid erkl\u00e4rt sich aus einer geo\u00f6konomischen Logik:\u2212 St\u00e4rke und Visibilit\u00e4t der Marke BaselArea;\u2212 Komplementarit\u00e4t bez\u00fcglich Kompetenzen, Territorien, Umwelt, Sprache, M\u00e4rkte usw.;\u2212 geografische N\u00e4he (nat\u00fcrliches Gravitationszentrum);\u2212 gemeinsame Lebens- und Wirtschaftsr\u00e4ume;\u2212 anderweitig angestrebte Zusammenarbeit und optimale Ausn\u00fctzung der von der benachbarten Metropolitanregion ausgehenden Dynamik.Mit diesem Entscheid distanziert sich der Kanton Jura nicht von anderen Regionen, im Gegenteil: Der Kanton positioniert sich als \u00dcbergang vom Baselbiet zum Jurabogen und der \u00fcbrigen Westschweiz. Die Verankerung im Jurabogen mit seiner Mikrotechnik und dem gemeinsamen Kompetenz-, Innovations- und Wirtschaftsraum ist eminent wichtig, bildet doch die Westschweiz einen gemeinsamen Entwicklungsraum. Dank dieser interregionalen Vernetzung wird die kritische Masse erreicht und der Zugang zu den notwendigen Kompetenzen zur Erhaltung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit gew\u00e4hrleistet.&#13;<\/p>\n<h2>Hebelwirkungen der Vernetzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Vernetzung hat eine Vielzahl von Vorteilen:&#13;<br \/>\nVgl. Eco\u2019diagnostic in Zusammenarbeit mit Ecopo: \u00abCluster\u00bb in der Schweizer Wirtschaft: statistische und politische Betrachtung, Schlussbericht im Auftrag des Seco, Genf 2008.\u2212 Die Qualit\u00e4t des Arbeitskr\u00e4fteangebots ist besser.\u2212 Die Produktionskosten sinken dank Skalenertr\u00e4gen aufgrund der Zusammenarbeit und der N\u00e4he zu Kunden und Lieferanten.\u2212 N\u00e4he und Vertrauensbasis reduzieren die Transaktionskosten.\u2212 Der Zugang zu Innovation ist schneller und effizienter.Die \u00dcbertragungseffekte <i>(Spillovers)<\/i> verbessern die Produktivit\u00e4t markant und beg\u00fcnstigen Innovationen. Allerdings m\u00fcssen dazu ein paar Vorbedingungen erf\u00fcllt sein: eine bestimmte Masse an Akteuren, eine ausreichende Dichte der Aktivit\u00e4ten, eine minimale Anzahl an Interaktionen, die geografische N\u00e4he und Kontakte zu externen Akteuren.&#13;<br \/>\nVgl. Porter M. E.: Location, Competition, and Economic Development: Local Clusters in a Global Economy, Economic Development Quarterly, Bd. 14, Nr. 1, 2000. Der Kanton Jura weist Defizite im Bereich der Interaktionen und in der \u00abStrukturierung\u00bb der Netzwerke auf. Gleichzeitig bieten sich dem Kanton aber auch echte Chancen mit seiner Position inmitten von komplement\u00e4ren Clustern (Arc Jurassien, Mittelland, Basel, Belfort-Montb\u00e9liard). Die strukturellen Schw\u00e4chen des Juras k\u00f6nnen dank ausgewogenen Kooperationen mit externen Partnern sowie Wissens- und Technologietransfer (WTT) kompensiert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Innovationspolitik und Wissenstransfer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie wirtschaftliche Wertsch\u00f6pfungskette basiert im Wesentlichen auf Innovation und WTT. Um diese zu st\u00e4rken und zu dynamisieren, hat der Jura drei komplement\u00e4re Institutionen ins Leben gerufen:\u2212 Die <i>Creapole SA,<\/i> deren Aufgabe die Begleitung von Erfindern und Unternehmen im Bereich WTT ist,\u2212 die <i>Fondation d\u2019impulsion technologique et \u00e9conomique (Fitec)<\/i> zur Finanzierung von Start-ups und Spin-offs, \u2212 die <i>Soci\u00e9t\u00e9 jurassienne d\u2019\u00e9quipement SA (SJE),<\/i> welche drei Inkubatoren (IKT, Life Sciences\/Medtech, Mikrotechnik\/Uhrenbau) aufgebaut hat.Weitere Aktivit\u00e4ten verst\u00e4rken dieses Dispositiv, so z.B. die steuerlichen Massnahmen zu Gunsten von Innovation&#13;<br \/>\nDie Vorlage befindet sich in parlamentarischer Beratung im Hinblick auf ein Inkrafttreten Anfang Januar 2012. und die Schaffung eines Innovationsfonds.&#13;<br \/>\nVgl. Le Jura au centre de l\u2019action. Die externe WTT-Strategie orientiert sich am Konzept der funktionalen Wirtschaftsregionen, die von der Kommission f\u00fcr Technologie und Innovation (KTI) auf eidgen\u00f6ssischer Ebene koordiniert wird. Der Kanton Jura ist Mitglied der Plattformen <i>i-net Innovations Network<\/i> (Region Basel)&#13;<br \/>\nVgl. Hess S., Kl\u00f6pper C.: Innovationsf\u00f6rderung als Beitrag zu mehr Wachstum in der Schweiz, in: Die Volkswirtschaft 10-2011. sowie <i>Platinn<\/i> und <i>Alliance<\/i> (Westschweiz).&#13;<br \/>\nDiese Plattformen werden aktiv unterst\u00fctzt von der Conf\u00e9rence des Directeurs cantonaux de l&#8217;\u00e9conomie publique de Suisse occidentale (CDEP-SO) und der Neuen Regionalpolitik NRP (mit Unterst\u00fctzung des Seco). Das Ziel dieser Massnahmen ist es, die Innovation auf die Bed\u00fcrfnisse der Unternehmen auszurichten und ihnen zu erm\u00f6glichen, von den WTT-Netzwerken und ihren wertvollen Kontakten (Hochschulen, F&amp;E-Zentren, Unternehmen) zu profitieren. Innovationsprozesse sind Teamwork. Doch auch ein offener Arbeitsmarkt (freier Personenverkehr in Kombination mit grenzspezifischen Eigenheiten), ein leistungsf\u00e4higes Ausbildungssystem \u2013 speziell f\u00fcr technische Berufe, Sprachkompetenz, Kreativit\u00e4t und Risikobereitschaft \u2013 sind unabdingbar, um die zwei langfristigen Wachstumsmotoren anzutreiben: Humankapital und Wissenszuwachs.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Aufschwung und die Diversifizierung der Wirtschaft im Kanton Jura sind in vollem Gang. Diese Dynamik wird durch die j\u00fcngsten Entscheide der Ansiedelung und Expansion von Unternehmen mit der mittelfristigen Schaffung von \u00fcber 2000 Arbeitspl\u00e4tzen best\u00e4tigt. Dank den Kompetenzen in der Pr\u00e4zisionsindustrie kann sich der Kanton in anderen fortschrittlichen, vielversprechenden Technologien profilieren. Die Erschliessung des Kantons ist nicht nur auf dem Territorium, sondern auch im Geist der Akteure der Entwicklung zu sp\u00fcren. Die Netzwerke wirken wie Magnete, welche ihrerseits weitere willkommene Akteure anziehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Jurassische Mikrotechnik im Fokus der Medtech-Branche&#13;<\/p>\n<h3>Jurassische Mikrotechnik im Fokus der Medtech-Branche<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDank den gemeinsamen und komplement\u00e4ren Anstrengungen von Unternehmen, kantonaler Wirtschaftsf\u00f6rderung, den Institutionen der Innovationspolitik (Creapole, SJE, Fitec), der neuen Regionalpolitik (NRP, mit Unterst\u00fctzung des Seco) und die Partnerschaften (Region Basel, Arc Jurassien) ist es m\u00f6glich, mit der Zeit eine Art \u00abBiotop\u00bb der Medizinaltechnik im Kanton Jura aufzubauen:\u2212 Gezielte <i>F\u00f6rdermassnahmen<\/i> im Rahmen der Wirtschaftsf\u00f6rderung, wie z.B. Unterst\u00fctzung bei der ISO 13485-Zertifizierung (Medtech), der Gr\u00fcndung von Start-ups oder Spin-offs, der Hinterlegung von Patenten und Marken, der Suche nach qualifiziertem Personal oder der Realisierung von KTI-Projekten;\u2212 Bereitstellung f\u00fcr Life Sciences und Medtech reservierten <i>Zone d\u2019activit\u00e9 Innodel,<\/i> in der Agglomeration Del\u00e9mont mit einer Gewerbefl\u00e4che von \u00fcber 100 000m2 und direktem Autobahnanschluss;\u2212 Lancierung des <i>Medtech Process<\/i> von Creapole, einer Plattform bzw. eines Kompetenzzentrums, das Unterst\u00fctzung f\u00fcr Unternehmen, Start-ups und Spin-offs in Form von Zusammenarbeit mit grossen Firmen, Hochschulen, Spit\u00e4lern und Medizinern (von der Idee \u00fcber die Entwicklung bis hin zum Verkauf) bietet;\u2212 Einrichtung des <i>Inkubators medtech.lab<\/i> im Innodel, einem Areal von 1500 m2 frei unterteilbarer Fl\u00e4che mit \u00absauberen\u00bb Produktionsbedingungen, welche den h\u00f6heren Anforderungen der Medizinalbranche entsprechen;\u2212 Ansiedelung eines <i>universit\u00e4ren Forschungsinstituts<\/i> im Innodel, dem <i>Swiss Institute for Computer Assisted Surgery (SI-CAS),<\/i> das im Bereich der computerunterst\u00fctzten Chirurgie internationale Ausstrahlung hat, als wissenschaftliches Herzst\u00fcck des Medtech-Biotops des Kantons Jura;\u2212 <i>Medtech-Initiativen<\/i> im Rahmen von <i>i-net Innovation Networks,<\/i> der gemeinsamen WTT-Plattform der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Tourismus \u2013 ein ernst zu nehmender Wirtschaftszweig des Juras&#13;<\/p>\n<h3>Tourismus \u2013 ein ernst zu nehmender Wirtschaftszweig des Juras<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00abVon Januar bis Juli 2011 war eine Erh\u00f6hung um 18,2% der jurassischen Hotel\u00fcbernachtungen im Vergleich zur Vorjahresperiode zu verzeichnen.\u00bb Das Communiqu\u00e9 von <i>Jura Tourisme<\/i> zeigt eindr\u00fccklich den Aufw\u00e4rtstrend des Tourismus im Kanton Jura \u2013 und dies im aktuell schwierigen Umfeld f\u00fcr den Schweizer Tourismus mit dem starken Franken. Die neue Regionalpolitik (NRP) hat mit Unterst\u00fctzung des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) den Bau eines Wellness- und Fitnesszentrums in Saignel\u00e9gier unterst\u00fctzt; in Saint-Ursanne wurden die Er\u00f6ffnung einer Tourismus-Information und andere Verbesserungen in der mittelalterlichen Stadt erm\u00f6glicht. Weitere von der NRP unterst\u00fctzte Projekte wurden lanciert, wie z.B. die touristische Nutzung der pal\u00e4ontologischen Entdeckungen oder der Freiberger-Pferdezucht. Geplant ist die Realisierung von Leuchtturmprojekten.Parallel dazu wurden die Anstrengungen zugunsten von Investitionen in \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten (Hotels, Feriend\u00f6rfer) intensiviert. Die Er\u00f6ffnung von zwei Hotels Anfang 2011 hat rund 100 neue Betten geschaffen. Mit dem Zusammenschluss zur Tourismusdestination Jura &amp; Dreiseenland wird eine kritische Masse f\u00fcr eine wirksame Tourismuswerbung erreicht. Zudem wurde eine Partnerschaft mit Schweiz Tourismus gebildet, um im Jahr 2012 im Hinblick auf den neue TGV-Anschluss gezielt den franz\u00f6sischen Markt zu bewerben. Ein weiteres strategisches Element der Tourismuspolitik des Kantons Jura ist die Neuorientierung der Aufgaben von Jura Tourisme bez\u00fcglich Empfang, F\u00f6rderung und Vernetzung der touristischen Angebote.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der TGV-Anschluss und die Autobahn bringen dem Kanton Jura eine bessere geografische Erschliessung. Die Wirtschaft des Kantons, die traditionell in den \u00abArc Jurassien\u00bb eingegliedert ist, r\u00fcckt damit n\u00e4her zur Metropolitanregion Basel und gewinnt an Attraktivit\u00e4t. 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