{"id":120289,"date":"2011-11-01T12:00:00","date_gmt":"2011-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/11\/buchwalder-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:58","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:58","slug":"buchwalder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/11\/buchwalder\/","title":{"rendered":"\u00dcberh\u00f6hte Preise: Kampf gegen Windm\u00fchlen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz mit ihrer hohen Kaufkraft l\u00e4dt seit langem ausl\u00e4ndische Konzerne ein, diese abzusch\u00f6pfen. Die Frankenst\u00e4rke hat ein strukturelles Problem bloss akzentuiert. Internationale Hersteller, die den Schweizer Handel zwingen, die Ware \u00fcber den Schweizer Ableger in Schweizer Franken zu beziehen, geben die W\u00e4hrungsvorteile nur teilweise weiter. Aber auch die Preise f\u00fcr Lebensmittel in der Schweiz sind \u00fcberh\u00f6ht: Es besteht akuter Handlungsbedarf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Hochpreisinsel Schweiz und die damit verbundene Marktabschottung ist ein seit \u00fcber zehn Jahren schwelendes Problem. 1999 gew\u00e4hrte das Bundesgericht Kodak mit einem wegweisenden Entscheid praktisch das patentrechtliche Einfuhrmonopol und gew\u00e4hrte ihm dadurch das Recht, die h\u00f6here Schweizer Kaufkraft durch \u00fcberh\u00f6hte Preise abzusch\u00f6pfen. Dieses umstrittene Urteil l\u00f6ste eine Kaskade von politischen Vorst\u00f6ssen zur Hochpreisinsel Schweiz aus. Trotz hartem Widerstand \u2013 auch von Seiten der Wirtschaft \u2013 gelang es mit vereinten Kr\u00e4ften, das faktische Parallelimportverbot patentgesch\u00fctzter G\u00fcter aufzuheben. Nach diesem Durchbruch stimmte das Parlament auch der \u00dcbernahme des Cassis-de-Dijon-Prinzips zu. Dies zeigte Wirkung: Die Preise kamen \u2013 dank hartem Wettbewerb und im internationalen Vergleich hoher Produktivit\u00e4t des Schweizer Detailhandels \u2013 massiv ins Rutschen.&#13;<\/p>\n<h2>Frankenproblematik macht vorherige Anstrengungen zunichte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Frankenhausse hat mit einem Schlag die Preisdifferenzen zum Ausland ins \u00f6ffentliche Bewusstsein ger\u00fcckt. Konsumentenfunktion\u00e4rinnen heizten die Stimmung an, indem sie Produkte einer deutschen Billig-Drogerie, die wegen unterentwickelter sozialer Sensibilit\u00e4t in Gewerkschaftskreisen als schwarzes Schaf galt, mit jenen eines Schweizer Markenartikelh\u00e4ndlers verglichen. Der Unmut bei gewissen Konsumentinnen und Konsumenten entlud sich im verst\u00e4rkten Gang nach Konstanz, Weil und Thoiry. Die Kleinr\u00e4umigkeit unseres Landes erlaubt es den mobilen Kunden dabei relativ leicht, ennet der Grenze zu posten. Dieser Trend ist nicht nur \u00f6kologisch bedenklich, wie die langen Autoschlangen an den Zoll\u00e4mtern belegen, sondern auch volkswirtschaftlich. BAK Basel Economics rechnet damit, dass die Schweizer Haushalte im laufenden Jahr deutlich mehr f\u00fcr Lebensmittel im grenznahen Ausland ausgeben als im vergangenen Jahr. Alleine f\u00fcr Fleisch fliessen gem\u00e4ss Sch\u00e4tzungen des Schweizerischen Fleischfachverbandes SFF sch\u00e4tzungsweise 900 Mio. Franken ins Ausland.F\u00fcr die \u00fcberh\u00f6hten Schweizer Preise gibt es \u2013 nebst dem allgemein hohen Kostenniveau \u2013 objektive Gr\u00fcnde. So haben internationale Hersteller, die den Schweizer Handel zwingen, die Ware \u00fcber den Schweizer Ableger in Schweizer Franken zu beziehen, die W\u00e4hrungsvorteile nur teilweise weitergeben, was in diversen F\u00e4llen zu grotesken Differenzen f\u00fchrte. Sie haben ihr Gesch\u00e4ftsmodell der \u00fcberrissenen Preisdifferenzierungen verfeinert und schliessen, weil sie die Warenfl\u00fcsse beherrschen, den Graumarkt weitgehend aus.&#13;<\/p>\n<h2>Must-in Stock-Problematik muss politisch gel\u00f6st werden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGerade bei den Topmarken spielt der von \u00d6konomen gepriesene Interbrand-Wettbewerb nicht. Die meisten nassrasierenden M\u00e4nner kaufen eben die G-Marke; und wenn sie ins Ausland ausweichen, bleiben sie ihr treu. Deshalb f\u00fchrt der wachsende Einkaufstourismus \u2013 entgegen den Prophezeiungen von amtlicher Seite \u2013 nicht dazu, dass die Preise etwa auf Edelrasierklingen sinken. Der G-Hersteller verkauft dann etwas weniger davon in der Schweiz, daf\u00fcr etwas mehr in Deutschland. Deshalb muss die sogenannte Must-in-Stock-Problematik politisch gel\u00f6st werden. Es kann nicht sein, dass gewisse Produkte im Extremfall beim Harddiscounter in Deutschland billiger angeboten werden als zum Einstandspreis in der Schweiz. W\u00fcrden sich deutsche Beh\u00f6rden im umgekehrten Fall solche Preismissbr\u00e4uche tatenlos gefallen lassen? Mit Sicherheit nicht.&#13;<\/p>\n<h2>\u00dcberh\u00f6hte Lebensmittelpreise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der ganzen Debatte werden die hohen Schweizer Nahrungsmittelpreise erstaunlich wenig thematisiert, obwohl die Konsumenten im Gegensatz zu Rasierklingen fast t\u00e4glich Nahrungsmittel einkaufen. Dieses Preisniveau ist politisch gewollt, um den hohen Schweizer Agrarschutz aufrecht zu erhalten. Doch auch hier gilt: Die Differenzen sind zu gross; es herrscht Handlungsbedarf, wie auch der Bundesrat erkannt hat. Die Migros hat sich politisch stets f\u00fcr Wettbewerb und gegen Marktabschottung eingesetzt. Sie bef\u00fcrwortet die Verhandlungen \u00fcber ein Agrarabkommen mit der EU. Und sie unterst\u00fctzt das Referendum gegen die Buchpreisbindung aus \u00fcbergeordneten Gr\u00fcnden, denn das Buch ist ja nicht ihr Kerngesch\u00e4ft.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz mit ihrer hohen Kaufkraft l\u00e4dt seit langem ausl\u00e4ndische Konzerne ein, diese abzusch\u00f6pfen. Die Frankenst\u00e4rke hat ein strukturelles Problem bloss akzentuiert. Internationale Hersteller, die den Schweizer Handel zwingen, die Ware \u00fcber den Schweizer Ableger in Schweizer Franken zu beziehen, geben die W\u00e4hrungsvorteile nur teilweise weiter. 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