{"id":120329,"date":"2011-10-01T12:00:00","date_gmt":"2011-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/10\/hess-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:29:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:29:57","slug":"hess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/10\/hess\/","title":{"rendered":"Innovationsf\u00f6rderung als Beitrag zu mehr Wachstum in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>In seinem Bericht zur Wachstumspolitik 2008\u20132011 nannte der Bundesrat mehrere Handlungsfelder, um Wachstum und Produktivit\u00e4t zu steigern. Davon sollen einige von den Kantonen bearbeitet werden. Der Kanton Basel-Stadt hat in den letzten Jahren wesentliche Schritte in die geforderte Richtung gemacht. So wurde zum Beispiel der maximale Gewinnsteuersatz f\u00fcr Unternehmen gesenkt und ein KMU-Entlastungsprogramm \u2013 inklusive einer Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung \u2013 umgesetzt. Im Bereich Innovationsf\u00f6rderung liegt hingegen noch Wachstumspotenzial brach. Dieses kann durch eine Verbesserung der Schnittstellen zwischen Bund und Kantonen, mehr Zusammenarbeit der Kantone und eine konsequente Ausrichtung der Innovationsf\u00f6rderung auf die Bed\u00fcrfnisse der Unternehmen ausgesch\u00f6pft werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201110_14_Hess_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"271\" height=\"273\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Innovation, Innovationsf\u00f6rderung und Wachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTechnischer Fortschritt und technologiegetriebene Innovation sind die einzige langfristig wirksame Quelle f\u00fcr Produktivit\u00e4tssteigerungen und Wirtschaftswachstum. Technologische Innovationen sind auch der wesentliche Grund f\u00fcr die h\u00e4ufig \u00fcberdurchschnittlich gute Positionierung von Schweizer Unternehmen auf dem Weltmarkt. Innovationen k\u00f6nnen aufgrund von Schutzrechten oder fehlender Kompetenzen der Mitbewerber nicht ohne weiteres nachgeahmt werden. Die Chancen in diesem Bereich gilt es \u2013 gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Verwerfungen auf den Devisen- und Kapitalm\u00e4rkten und der daraus resultierenden m\u00f6glichen Abschw\u00e4chung der Konjunktur \u2013 zu nutzen. Der Kanton Basel-Stadt verfolgt seit dem Jahr 2007 eine stark auf innovative Unternehmen ausgerichtete Wirtschaftsf\u00f6rderung und -politik, die eine St\u00e4rkung der Innovationsf\u00f6rderung als wesentliche Massnahme beinhaltet. In den folgenden Kapiteln beschreiben wir, wie wir die spezifische Situation von Basel-Stadt und der Region einsch\u00e4tzen, vor welchen Herausforderungen der Kanton steht, weshalb Innovationsf\u00f6rderung aus unserer Sicht eines der wichtigsten Handlungsfelder der Schweizer Wachstumspolitik sein sollte und wie wir durch eine Verst\u00e4rkung der Innovationsf\u00f6rderung zu mehr Wachstum in der Schweiz beitragen wollen.&#13;<\/p>\n<h2>Ein Erfolgsmodell steht vor Herausforderungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNach einer lange andauernden Wachstumsschw\u00e4che in den 1990er-Jahren ist die Schweizer Wirtschaft seit 2004 wieder deutlich st\u00e4rker gewachsen und hat im Vergleich zu vielen anderen L\u00e4ndern die Rezession der Jahre 2008 und 2009 relativ unbeschadet \u00fcberstanden. Der Hauptgrund f\u00fcr diese positive Entwicklung ist die St\u00e4rke der Schweizer Industrie, die sich auf Basis von hoher Qualit\u00e4t und Innovationskraft erfolgreich im globalen Wettbewerb positioniert hat.&#13;<br \/>\nVgl. M\u00fcller &amp; Eichler (2010).Die Wirtschaft im Kanton Basel-Stadt ist in den vergangenen Jahren deutlich st\u00e4rker gewachsen als der Schweizer Durchschnitt. Auch die Produktivit\u00e4t pro Kopf liegt deutlich \u00fcber dem Schweizer Mittel.&#13;<br \/>\nVgl. zum Beispiel OECD (2011a). Dies verdankt der Kanton unter anderem der hier stark konzentrierten Life-Sciences-Industrie, die als eine der am st\u00e4rksten innovationsgetriebenen Branchen \u00fcberhaupt gilt.&#13;<br \/>\nVgl. Metrobasel (2011). Ihr Wachstum am Forschungs-, Headquarter- und Produktionsstandort Basel h\u00e4ngt sehr eng mit erfolgreich am Markt platzierten technologischen Innovationen zusammen. Trotz dieser Erfolge stehen sowohl die Schweiz wie auch der Kanton Basel-Stadt in Sachen Innovation und Innovationsf\u00f6rderung vor Herausforderungen. So kommt die <i>OECD (2011a)<\/i> zum Schluss, dass es zu viele Einzelinitiativen gibt, dass diese Initiativen zu selten zusammenarbeiten und dass kein koh\u00e4rentes Schweizer System der Innovationsf\u00f6rderung existiert. Hinzu kommen \u00f6konomische Herausforderungen in den Kantonen, denen zum Teil mit einer fokussierten Innovationsf\u00f6rderung begegnet werden kann.F\u00fcr den Kanton Basel-Stadt sehen wir folgende konkrete Herausforderungen:\u2212 Basel verf\u00fcgt zwar \u00fcber eine in ihren Paradedisziplinen sehr gute, von beiden Basler Kantonen getragene Universit\u00e4t. Im Vergleich zu anderen, global f\u00fchrenden Zentren der Hochtechnologie ist die Hochschullandschaft jedoch sowohl quantitativ als auch qualitativ schlechter aufgestellt. \u2212 Unter anderem aufgrund des nachhaltigen Erfolgs der Life-Sciences-Unternehmen sind die Bedeutung dieser Branche und das Gewicht weniger Unternehmen gross. 2006 steuerten in Basel-Stadt 30 Unternehmen (0,4% des Unternehmensbestands) mehr als vier F\u00fcnftel des Gewinnsteuerertrags bei. Eine \u00e4hnliche, wenn auch nicht ganz so ausgepr\u00e4gte Tendenz l\u00e4sst sich f\u00fcr die Besch\u00e4ftigungsanteile erkennen. Dieser Trend f\u00fchrt zu wirtschaftlichen und finanziellen Risiken f\u00fcr den Kanton Basel-Stadt.\u2212 Vielen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gelingt es heute nicht, Kooperationspartner in den Hochschulen, in anderen KMU oder in der Grossindustrie zu finden und daraus Projekte zu generieren. \u2212 Die Gr\u00fcndungsdynamik in der Nordwestschweiz war in den letzten Jahren lediglich durchschnittlich. Manche kleine Unternehmen von heute sind aber die grossen, erfolgreichen von morgen, oder sie bleiben zwar klein, werden aber wichtige Glieder in der regionalen Wertsch\u00f6pfungskette.&#13;<\/p>\n<h2>Verst\u00e4rkung der Innovationsf\u00f6rderung in der Nordwestschweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit 2003 hat der Kanton Basel-Stadt mehrere Massnahmen im Bereich der Innovationsf\u00f6rderung umgesetzt: Gemeinsam mit den Hochschulen wurde ein Spin-Off-Inkubator gegr\u00fcndet, um die Anzahl von Technologieausgr\u00fcndungen der Hochschulen zu steigern. Zusammen mit dem Kanton Basel-Landschaft und der Handelskammer beider Basel wurde eine Life-Sciences-Strategie zur Verbesserung des regionalen Umfeldes f\u00fcr diese Industrie entwickelt und mehrheitlich bereits umgesetzt. Die Standortpromotion der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie des assoziierten Kantons Jura (<i>BaselArea<\/i>) wurde stark auf Hochtechnologieunternehmen (vor allem aus den Life-Sciences) ausgerichtet, und es wurden in einigen Technologiefeldern spezifische Beratungsangebote f\u00fcr KMU aufgebaut. Schliesslich besteht seit Sommer 2011 mit dem vom Kanton gegr\u00fcndeten und betriebenen <i>Technologiepark Basel<\/i> auch ein attraktives Angebot f\u00fcr Jungunternehmen aus Hochtechnologiebranchen. Die Ergebnisse dieser Massnahmen sind \u2013 soweit sie schon beurteilt werden k\u00f6nnen \u2013 ermutigend. In den Technologienetzwerken engagieren sich heute \u00fcber 1000 Unternehmer, Unternehmensvertreter und Forscher im Milizsystem. Im <i>Basel Inkubator<\/i> haben sich innerhalb eines Jahres rund 10 Ausgr\u00fcndungen angesiedelt, nachdem sich die Zahl aller Hochschulausgr\u00fcndungen zuvor bei lediglich 3 bis 4 pro Jahr bewegt hatte.Basel-Stadt wird die beschriebenen Massnahmen in den kommenden Jahren konsequent weiterf\u00fchren. Gleichzeitig will der Kanton gemeinsam mit anderen Nordwestschweizer Kantonen aber auch eine Innovationsf\u00f6rderung aufbauen, die:\u2212 nicht nur selektive Massnahmen umfasst, sondern ein in Bezug auf F\u00f6rdermassnahmen umfassendes und in Bezug auf Technologien spezialisiertes Angebot bietet;\u2212 nicht an Kantonsgrenzen Halt macht, sondern sich an den Grenzen der funktionalen Wirtschaftsregion orientiert;\u2212 stark an den Bed\u00fcrfnissen der Unternehmen ausgerichtet ist (und nicht prim\u00e4r an jenen der Hochschulen).Die Vorstellungen, wie diese Innovationsf\u00f6rderung in der Nordwestschweiz ausgestaltet werden soll, basieren auf den bisherigen Erfahrungen in Basel-Stadt und in den anderen Nordwestschweizer Kantonen. Diese Eckwerte werden in den folgenden Abschnitten dargelegt.&#13;<\/p>\n<h2>Innovationsf\u00f6rderung ist mehr als Wissens- und Technologietransfer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei Innovation geht es immer um die Durchsetzung einer Neuerung am Markt. Daher ist Innovationsf\u00f6rderung Teil der Wirtschaftspolitik und muss sich an wirtschaftlichen Zielen \u2013 zum Beispiel Produktivit\u00e4t und Wachstum \u2013 messen lassen. Aus unserer Sicht heisst dies, dass Innovationsf\u00f6rderung alle Massnahmen umfassen kann, die zu mehr Wertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung durch technologische Innovation und innovative Unternehmen f\u00fchren.&#13;<br \/>\nVgl. auch OECD (2010) und OECD (2011b). Hierzu geh\u00f6ren die Beeinflussung innovationsspezifischer Rahmenbedingungen (z.B. Regulierung zum Schutz des geistigen Eigentums) genauso wie die F\u00f6rderung des Wissens- und Technologietransfers (WTT) oder die Anstrengungen zur Erh\u00f6hung der Zahl innovativer Unternehmen. Die Instrumente der Innovationsf\u00f6rderung entfalten h\u00e4ufig in mehr als einem Bereich der Wirtschaftsf\u00f6rderung und -politik Wirkung. So k\u00f6nnen etwa Angebote im Bereich Unternehmertum auch als Promotionsinstrument eingesetzt werden, oder Feedbacks aus der klassischen Bestandespflege tragen dazu bei, eine innovationsfreundliche Regulierung zu gestalten oder in \u00abBundesbern\u00bb darauf Einfluss zu nehmen. <i>Diese instrumentellen Spill-Overs<\/i> sind im Einzelfall nicht planbar, aber in der Summe eine kalkulierte Folge dieser Innovationsf\u00f6rderung. Damit die erw\u00fcnschten Effekte eintreten, m\u00fcssen allerdings die beteiligten Organisationen nahtlos zusammenarbeiten, oder die Innovationsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten m\u00fcssen in einer spezialisierten Organisation zusammengefasst werden. Dieser Weg soll in der Nordwestschweiz beschritten werden (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Die gemeinsame Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung i-net Innovation Networks<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAnfang 2012 soll mit i-net Innovation Networks eine gemeinsame Innovationsf\u00f6rderung der Nordwestschweizer Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura ihren Betrieb aufnehmen. Diese Organisation wird in Zukunft alle Innovationsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten \u00fcbernehmen, die am besten auf regionaler Ebene erbracht werden. Aktivit\u00e4ten bestehender Programme mit regionaler Ausrichtung, etwa von i-net Basel, dem Wissens- und Technologietransfer-Konsortium Nordwestschweiz der KTI (WKNW) oder Biovalley Interreg sollen in die gemeinsame Innovationsf\u00f6rderung integriert werden. Kern von i-net Innovation Networks werden mehrere technologieorientierte Netzwerke (zum Beispiel zur Nanotechnologie) mit engem Bezug zu den Branchenschwerpunkten der Region sein. Die Organisation \u00fcbernimmt Administration und Kommunikation f\u00fcr diese Netzwerke und stellt f\u00fcr diese Aufgaben eine Person mit Technologie-Knowhow. Die inhaltliche Ausrichtung der technologieorientierten Netzwerke wird von Unternehmern, Unternehmens- und Hochschulvertretern bestimmt werden. Deren Arbeit erfolgt weitgehend ehrenamtlich. Neben diesen Netzwerken bietet i-net Innovation Networks Dienstleistungen in den Bereichen \u00abBusiness Development\u00bb und Internationalisierung an, von denen Unternehmen aus allen Technologiefeldern und -branchen profitieren k\u00f6nnen. Das Netzwerk profitiert dabei von den Kompetenzen der in den Netzwerken aktiven Personen, welche die Organisation beim Erbringen dieser Dienstleistungen unterst\u00fctzen. Zudem wird i-net Innovation Networks eng mit den Standortpromotions- und Bestandespflegeorganisationen der Tr\u00e4gerkantone zusammenarbeiten, um das in den Netzwerken vorhandene Technologie- und Branchen-Knowhow auch f\u00fcr diese Wirtschaftsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten zu nutzen. So sollen zum Beispiel erfahrene Unternehmer aus dem Netzwerk Jungunternehmer beraten oder bei Promotionsveranstaltungen im Ausland Testimonials zum Standort Nordwestschweiz abgeben.Die gemeinsame Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung profitiert von den Erfahrungen, die seit 2003 durch i-net Basel gesammelt wurden. Diese wurde gemeinsam von Unternehmern und dem Kanton Basel-Stadt als Innovationsf\u00f6rderung zun\u00e4chst im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien gegr\u00fcndet und sp\u00e4ter auf die Technologiefelder Nanotechnologie sowie Umwelt- und Energietechnologie ausgeweitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Klare Arbeitsteilung zwischen Bund und Kantonen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeitsteilung zwischen Bund und Kantonen war in der Vergangenheit nicht immer trennscharf.&#13;<br \/>\nVgl. auch OECD (2011a). Mit der Evaluation der KTI \u2013 und den daraus ableitbaren Folgerungen beispielsweise f\u00fcr die Zukunft der WTT-Konsortien \u2013 scheint eine Basis gelegt f\u00fcr eine effizientere Arbeitsteilung zwischen Bund und Kantonen. Diese sollte entlang der in der Diskussion um nationale und regionale Innovationssysteme beschriebenen Trennlinien verlaufen:&#13;<br \/>\nVlg. Asheim &amp; Gertler (2005).\u2212 Innovationsspezifische Rahmenbedingungen (wie etwa der Schutz des geistigen Eigentums) liegen vor allem auf der nationalen Ebene oder m\u00fcssen gar international vereinbart werden. Hier ist das Ziel, einen m\u00f6glichst weit reichenden, einheitlichen und verl\u00e4sslichen Rahmen f\u00fcr die Innovationsaktivit\u00e4ten der Unternehmen zu schaffen. Auch dort, wo kritische Masse oder Wettbewerbsdruck qualit\u00e4tsf\u00f6rdernd sind (wie etwa bei Forschungsf\u00f6rderungsprogrammen), ist eine Steuerung auf nationaler oder sogar internationaler Ebene effizient.\u2212 Andere Aspekte der Innovationsf\u00f6rderung setzen einen engen Kontakt zu den Firmen voraus, da sie z.B. eng mit Wirtschaftsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten zusammenh\u00e4ngen (Unterst\u00fctzung von Gr\u00fcndungen, Aufbau von Technologie- und Gr\u00fcnderzentren) oder auf die F\u00f6rderung regionaler Netzwerke bzw. Cluster ausgerichtet sind. Um eine Innovationsf\u00f6rderung \u00abhors-sol\u00bb zu vermeiden, sollte die Verantwortung f\u00fcr diese Aktivit\u00e4ten auf der kantonalen Ebene verankert sein. Eine solche Arbeitsteilung bedingt, dass es engere Schnittstellen zwischen Bund und Kantonen gibt, als dies heute der Fall ist, und dass die Kantone bereit sind, die Zusammenarbeit untereinander \u2013 z.B. innerhalb einer funktionalen Region \u2013 deutlich zu verst\u00e4rken. Die bei einer solchen Arbeitsteilung auftretende Standortkonkurrenz zwischen den Schweizer Regionen im Bereich der Innovationsf\u00f6rderung erachten wir als positiv, weil dadurch neue L\u00f6sungswege angeregt und verst\u00e4rkt werden. In der Nordwestschweiz sollen k\u00fcnftig m\u00f6glichst viele Massnahmen der Innovationsf\u00f6rderung durch eine gemeinsame Organisation angeboten werden. Diese wird auch als aktive Schnittstelle zur KTI zur Verf\u00fcgung stehen. Vorgesehen sind vor allem Massnahmen, deren Erfolg sowohl vom Erreichen einer kritischen Masse wie auch von r\u00e4umlicher N\u00e4he abh\u00e4ngt \u2013 also Aktivit\u00e4ten im Bereich Innovationsnetzwerke, Wissens- und Technologietransfer, Unternehmertum oder Internationalisierung (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Die gemeinsame Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung i-net Innovation Networks<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAnfang 2012 soll mit i-net Innovation Networks eine gemeinsame Innovationsf\u00f6rderung der Nordwestschweizer Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura ihren Betrieb aufnehmen. Diese Organisation wird in Zukunft alle Innovationsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten \u00fcbernehmen, die am besten auf regionaler Ebene erbracht werden. Aktivit\u00e4ten bestehender Programme mit regionaler Ausrichtung, etwa von i-net Basel, dem Wissens- und Technologietransfer-Konsortium Nordwestschweiz der KTI (WKNW) oder Biovalley Interreg sollen in die gemeinsame Innovationsf\u00f6rderung integriert werden. Kern von i-net Innovation Networks werden mehrere technologieorientierte Netzwerke (zum Beispiel zur Nanotechnologie) mit engem Bezug zu den Branchenschwerpunkten der Region sein. Die Organisation \u00fcbernimmt Administration und Kommunikation f\u00fcr diese Netzwerke und stellt f\u00fcr diese Aufgaben eine Person mit Technologie-Knowhow. Die inhaltliche Ausrichtung der technologieorientierten Netzwerke wird von Unternehmern, Unternehmens- und Hochschulvertretern bestimmt werden. Deren Arbeit erfolgt weitgehend ehrenamtlich. Neben diesen Netzwerken bietet i-net Innovation Networks Dienstleistungen in den Bereichen \u00abBusiness Development\u00bb und Internationalisierung an, von denen Unternehmen aus allen Technologiefeldern und -branchen profitieren k\u00f6nnen. Das Netzwerk profitiert dabei von den Kompetenzen der in den Netzwerken aktiven Personen, welche die Organisation beim Erbringen dieser Dienstleistungen unterst\u00fctzen. Zudem wird i-net Innovation Networks eng mit den Standortpromotions- und Bestandespflegeorganisationen der Tr\u00e4gerkantone zusammenarbeiten, um das in den Netzwerken vorhandene Technologie- und Branchen-Knowhow auch f\u00fcr diese Wirtschaftsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten zu nutzen. So sollen zum Beispiel erfahrene Unternehmer aus dem Netzwerk Jungunternehmer beraten oder bei Promotionsveranstaltungen im Ausland Testimonials zum Standort Nordwestschweiz abgeben.Die gemeinsame Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung profitiert von den Erfahrungen, die seit 2003 durch i-net Basel gesammelt wurden. Diese wurde gemeinsam von Unternehmern und dem Kanton Basel-Stadt als Innovationsf\u00f6rderung zun\u00e4chst im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien gegr\u00fcndet und sp\u00e4ter auf die Technologiefelder Nanotechnologie sowie Umwelt- und Energietechnologie ausgeweitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Regionale Innovationsf\u00f6rderung: Netzwerke, Kundenorientierung, Dienstleistungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnsere Erfahrung zeigt, dass eine gut aufgesetzte F\u00f6rderung von Technologienetzwerken und des dort stattfindenden Wissens- und Technologietransfers die zentrale Massnahme auf der regionalen Ebene ist.&#13;<br \/>\nVgl. Asheim et al. (2007). Netzwerke sind f\u00fcr Unternehmen wichtig, da Innovationsprozesse in zunehmendem Ausmass gemeinsam mit Zulieferern, Kunden, privaten Forschungspartnern oder Hochschulen durchgef\u00fchrt werden. Dabei weisen regionale Netzwerke \u2013 trotz zunehmend globaler Gesch\u00e4ftskontakte \u2013 spezifische Vorteile gegen\u00fcber nationalen oder internationalen Netzwerken auf \u2013 dies aufgrund von tieferen Transaktionskosten, einer \u00e4hnlichen Gesch\u00e4ftskultur oder bestehender Kontakte.&#13;<br \/>\nVgl. Gertler &amp; Levitte (2005). Besonders bei \u00abjungen\u00bb Technologiefeldern bestehen solche Netzwerke h\u00e4ufig noch nicht. Eine Innovationsf\u00f6rderung kann dazu beitragen, dass Netzwerke entstehen und damit die positiven externen Effekte verst\u00e4rkt werden. Deshalb sollen im Rahmen der gemeinsamen Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung mehrere fokussierte Technologiefelder mit engem Bezug zu in der Region starken Branchen unterst\u00fctzt werden.Die F\u00f6rderung von Netzwerken geh\u00f6rt heute zum Standardrepertoire der Wirtschaftsf\u00f6rderung. Dennoch f\u00fchren viele Initiativen nicht zum Erfolg und damit nicht zu mehr Innovation oder Wachstum. Dies liegt aus unserer Sicht an Fehlern in der Konzeption und der Umsetzung. So verf\u00fcgen der Staat oder seine Wirtschaftsf\u00f6rderungsorganisationen in der Regel \u00fcber einen deutlich schlechteren Wissensstand hinsichtlich spezifischer Technologien und Anwendungen als Unternehmen. Deshalb werden bei der gemeinsamen Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung nicht der Staat oder seine Wirtschaftsf\u00f6rderungsorganisationen den inhaltlichen Lead haben. Vielmehr werden Unternehmen, respektive ihre Vertreter, \u00fcber die inhaltliche Ausrichtung der Netzwerke entscheiden. Ziel dieser Einbindung ist es, die Innovationsf\u00f6rderung mit m\u00f6glichst viel Technologiekompetenz auszustatten. Positive Nebenwirkung ist, dass sich nach unserer Erfahrung die im Netzwerk engagierten Unternehmensvertreter auch an anderer Stelle f\u00fcr den Standort einsetzen, zum Beispiel im Rahmen von Promotionsaktivit\u00e4ten im Ausland oder bei Beratungs- und Coachingleistungen f\u00fcr junge Unternehmen. Dem Staat und seinen Wirtschaftsf\u00f6rderern kommt bei der Pflege der Netzwerke eine subsidi\u00e4re, aber dennoch wichtige Rolle zu. Sie liegt darin, Unternehmen als neutraler Partner zu unterst\u00fctzen und \u00abInfrastruktur\u00bb f\u00fcr Netzwerke aufzubauen, zu pflegen und nach innen und aussen zu kommunizieren. Weiter ist wesentlich, dass Aktivit\u00e4ten und Dienstleistungen ohne hohe H\u00fcrden nutzbar und leicht zug\u00e4nglich sein m\u00fcssen. Es m\u00fcssen eindeutige Ansprechpartner definiert sein, und Aktivit\u00e4ten und Dienstleistungen m\u00fcssen klar und einfach kommunizierbare Ziele verfolgen. Bei der gemeinsamen Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung wird es daher ein klar strukturiertes Dienstleistungsportfolio geben, welches \u00fcber alle Technologiefelder hinweg wiedererkennbar ist.Damit die Unternehmen die Vorteile der Innovationsf\u00f6rderung schliesslich n\u00fctzen k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie bereit sein, in substanziellem Ausmass Zeit daf\u00fcr einzusetzen. Diese Bereitschaft der \u00abKunden\u00bb der Innovationsf\u00f6rderung wird zentraler Indikator daf\u00fcr sein, ob von der Innovationsf\u00f6rderung intendierte Themen und angebotene Dienstleistungen wirklich den Bed\u00fcrfnissen entsprechen. Nur solche, die den Markttest bestehen, werden im Sortiment bleiben.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInnovationsf\u00f6rderung hat in Zukunft das Potenzial, einen gr\u00f6sseren Beitrag zu Innovation und Wachstum zu leisten. Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass Organisation und Programme in diesem Bereich optimiert werden. So bedarf es zum Beispiel einer klarer definierten Arbeitsteilung zwischen Bund und Kantonen, welche sich grob mit \u00abRahmenbedingungen auf Bundesebene\u00bb und \u00abWirtschaftsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten auf kantonaler Ebene\u00bb zusammenfassen l\u00e4sst. Eine mit Technologiekompetenz ausgestattete regionale Innovationsf\u00f6rderung bietet sich dabei als leistungsf\u00e4higer Partner einer auf Rahmenbedingungen fokussierten nationalen Innovationsf\u00f6rderung an. Zudem pl\u00e4dieren wir daf\u00fcr, einen institutionellen Wettbewerb zwischen den Regionen zuzulassen und zu f\u00f6rdern.Auf kantonaler Ebene halten wir eine Reduktion der Anzahl staatlich finanzierter Organisationen und eine verst\u00e4rkte regionale Zusammenarbeit der Kantone untereinander f\u00fcr wichtig, auch wenn dies eine m\u00f6glicherweise politisch schmerzhafte Kompetenzdelegation von kantonalen Beh\u00f6rden zu \u00fcberregionalen Organisationen erfordert. Zudem sehen wir in der engen Verkn\u00fcpfung verschiedener Aktivit\u00e4ten \u2013 von der F\u00f6rderung des WTT bis hin zur Standortpromotion \u2013 einen Erfolgsfaktor und Wettbewerbsvorteil. Schliesslich zeigen unsere Erfahrungen, dass die Innovationsf\u00f6rderung so vereinfacht werden muss, dass f\u00fcr die Unternehmen klare Ansprechpartner und eindeutig formulierte, leicht verst\u00e4ndliche Dienstleistungen vorhanden sind. In der Nordwestschweiz sollen die genannten Optimierungen durch den Aufbau einer gemeinsamen Innovationsf\u00f6rderung der Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura umgesetzt werden. Zentrale Erwartung der Kantone an diese Organisation ist dabei, zu Wirtschaftswachstum \u2013 zum Beispiel durch eine h\u00f6here Zahl von Unternehmensgr\u00fcndungen oder durch das Wachstum bestehender Unternehmen \u2013 beizutragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Die gemeinsame Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung i-net Innovation Networks&#13;<\/p>\n<h3>Die gemeinsame Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung i-net Innovation Networks<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nAnfang 2012 soll mit <i>i-net Innovation Networks<\/i> eine gemeinsame Innovationsf\u00f6rderung der Nordwestschweizer Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura ihren Betrieb aufnehmen. Diese Organisation wird in Zukunft alle Innovationsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten \u00fcbernehmen, die am besten auf regionaler Ebene erbracht werden. Aktivit\u00e4ten bestehender Programme mit regionaler Ausrichtung, etwa von <i>i-net Basel<\/i>, dem <i>Wissens- und Technologietransfer-Konsortium Nordwestschweiz der KTI (WKNW)<\/i> oder <i>Biovalley Interreg<\/i> sollen in die gemeinsame Innovationsf\u00f6rderung integriert werden. Kern von i-net Innovation Networks werden mehrere technologieorientierte Netzwerke (zum Beispiel zur Nanotechnologie) mit engem Bezug zu den Branchenschwerpunkten der Region sein. Die Organisation \u00fcbernimmt Administration und Kommunikation f\u00fcr diese Netzwerke und stellt f\u00fcr diese Aufgaben eine Person mit Technologie-Knowhow. Die inhaltliche Ausrichtung der technologieorientierten Netzwerke wird von Unternehmern, Unternehmens- und Hochschulvertretern bestimmt werden. Deren Arbeit erfolgt weitgehend ehrenamtlich. Neben diesen Netzwerken bietet i-net Innovation Networks Dienstleistungen in den Bereichen \u00abBusiness Development\u00bb und Internationalisierung an, von denen Unternehmen aus allen Technologiefeldern und -branchen profitieren k\u00f6nnen. Das Netzwerk profitiert dabei von den Kompetenzen der in den Netzwerken aktiven Personen, welche die Organisation beim Erbringen dieser Dienstleistungen unterst\u00fctzen. Zudem wird i-net Innovation Networks eng mit den Standortpromotions- und Bestandespflegeorganisationen der Tr\u00e4gerkantone zusammenarbeiten, um das in den Netzwerken vorhandene Technologie- und Branchen-Knowhow auch f\u00fcr diese Wirtschaftsf\u00f6rderungsaktivit\u00e4ten zu nutzen. So sollen zum Beispiel erfahrene Unternehmer aus dem Netzwerk Jungunternehmer beraten oder bei Promotionsveranstaltungen im Ausland Testimonials zum Standort Nordwestschweiz abgeben.Die gemeinsame Nordwestschweizer Innovationsf\u00f6rderung profitiert von den Erfahrungen, die seit 2003 durch i-net Basel gesammelt wurden. Diese wurde gemeinsam von Unternehmern und dem Kanton Basel-Stadt als Innovationsf\u00f6rderung zun\u00e4chst im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologien gegr\u00fcndet und sp\u00e4ter auf die Technologiefelder Nanotechnologie sowie Umwelt- und Energietechnologie ausgeweitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Asheim B., Coenen L.; Moodysson J. &amp; J. Vang (2007): Constructing Knowledge-Based Regional Advantage: Implications for Regional Innovation Policy. In: International Journal of Entrepreneurship and Innovation Management 7, 2\u20135: S. 140\u2013155.\u2212 Asheim B.T. &amp; M. Gertler (2005): Regional Innovation Systems and the Geographical Foundations of Innovation. In: Fagerberg J., Mowery D. &amp; R. Nelson (Hrsg.): The Oxford Handbook of Innovation. Oxford: S. 291\u2013317.\u2212 Gertler M. S. &amp; Y. M. Levitte (2005): Local Nodes in Global Networks: The Geography of Knowledge Flows in Biotechnology Innovation. Industry &amp; Innovation, 12, S. 487\u2013507.\u2212 Metrobasel (2011): Die Metropolitanregion Basel, ihre Branchen und Regionen im globalen Standortwettbewerb; Pharmaszenarien 2020 und ihre Auswirkungen. Basel.\u2212 M\u00fcller U. &amp; M. Eichler (2010): Der Wirtschaftsstandort Schweiz im internationalen Vergleich. In: Die Volkswirtschaft 5, 20\u201324.\u2212 OECD (2010): The OECD Innovation Strategy. Getting A Head Start on Tomorrow. Paris. \u2212 OECD (2011a): OECD Territorialexamen: Schweiz 2011. Paris\u2212 OECD (2011b): Attractiveness for Innovation. Location Factors for International Investment. Paris.\u2212 Schweizerischer Bundesrat (2008): Wachstumspolitik 2008-2011: Massnahmen zur weiteren St\u00e4rkung des Schweizer Wirtschaftswachstums. Bericht in Erf\u00fcllung der Motion 01.3089&nbsp;: \u00abWachstumspolitik. Sieben Massnahmen\u00bb. Bern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem Bericht zur Wachstumspolitik 2008\u20132011 nannte der Bundesrat mehrere Handlungsfelder, um Wachstum und Produktivit\u00e4t zu steigern. Davon sollen einige von den Kantonen bearbeitet werden. Der Kanton Basel-Stadt hat in den letzten Jahren wesentliche Schritte in die geforderte Richtung gemacht. 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