{"id":120399,"date":"2011-09-01T12:00:00","date_gmt":"2011-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/09\/fluder-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:11","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:11","slug":"fluder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/09\/fluder\/","title":{"rendered":"Arbeitsmarkt: Verlaufstypen und Risikoprofile von arbeitslosen Personen"},"content":{"rendered":"<p>In einer neuen Untersuchung der Berner Fachhochschule wird auf der Grundlage der Administrativdaten der Arbeitslosenversicherung (ALV) und der Sozialhilfestatistik eine Typologie der Verl\u00e4ufe von arbeitslos gewordenen Personen erstellt. F\u00fcr die einzelnen Verlaufstypen wird das Profil der betreffenden Personengruppen anhand von soziodemografischen und arbeitsmarktlichen Merkmalen bestimmt. Mittels eines multivariaten Modells werden anschliessend die Einflussfaktoren f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Verlaufstyp analysiert. Im folgenden Artikel werden Ergebnisse dieser Untersuchung vorgestellt, die sich auf die Jahre 2004 bis 2006 beziehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweiz geh\u00f6rt zwar zu den L\u00e4ndern mit einer tiefen Arbeitslosenquote, hat aber unter diesen L\u00e4ndern einen vergleichsweise hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen.&#13;<br \/>\nVgl. Duell et al. (2010). Gem\u00e4ss der Amosa-Studie steigt die Zahl der Personen, denen eine nachhaltige Reintegration in den Arbeitsmarkt nach einer Arbeitslosigkeit nicht gelingt.&#13;<br \/>\nVgl. Amosa (2010). Mit der Dauer der Arbeitslosigkeit und der wiederholten Stellensuche wird die Reintegration in den Arbeitsmarkt schwieriger, und damit steigt das Risiko einer dauerhaften Abh\u00e4ngigkeit von Sozialleistungen.&#13;<br \/>\nVgl. Sheldon (1999). Nach dem Ende der Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenentsch\u00e4digung (ALE) sind 9,5% der Personen, die Arbeitslosengelder bezogen haben, auf Leistungen der Sozialhilfe angewiesen.&#13;<br \/>\nVgl. Fluder et al. (2009a). Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach den Verl\u00e4ufen von arbeitslos gewordenen Personen und deren Merkmale, um die Risiken f\u00fcr Langzeit-, kombinierte ALV- und Sozialhilfebez\u00fcge sowie wiederholte Bez\u00fcge besser zu kennen.Im Folgenden werden Ergebnisse der Studie zu den erw\u00e4hnten Fragestellungen vorgestellt, die auf einer fr\u00fcheren Untersuchung zu den \u00dcberg\u00e4ngen zwischen ALV, Sozialhilfe und IV aufbaut und die gleiche Datenbasis verwendet. Die Untersuchung legt den Fokus darauf, wie lange und wie oft ALE-Neubeziehende Leistungen der ALV beziehen und ob sie gleichzeitig oder sp\u00e4ter Leistungen der Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Dazu wird eine Typologie der zeitlichen Verl\u00e4ufe des Leistungsbezugs entwickelt und das soziodemografische Profil der Personen in den einzelnen Verlaufstypen bestimmt. Damit werden folgende Fragen untersucht: \u2212 Durch welche soziodemografischen Merkmale unterscheiden sich Personengruppen mit unterschiedlichen Verlaufstypen? \u2212 Lassen sich Personengruppen mit einem erh\u00f6hten Risiko eines langen Leistungsbezugs identifizieren oder solche, die nur teilweise oder vor\u00fcbergehend in die wirtschaftliche Selbst\u00e4ndigkeit f\u00fchren (Pendler, Working Poor)? Dabei geht es um Arbeitslose, die unterschiedlich lang und h\u00e4ufig ALE beziehen, die gleichzeitig ALE und Leistungen der Sozialhilfe beziehen (kombinierter Bezug), oder um Personen, die nach einem ALE-Bezug Leistungen der Sozialhilfe beziehen.&#13;<\/p>\n<h2>Methodische \u00dcberlegungen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Datenbasis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Datenbasis dient der Datensatz, der f\u00fcr das Projekt \u00abQuantifizierung der \u00dcberg\u00e4nge zwischen Systemen der Sozialen Sicherheit\u00bb&#13;<br \/>\nVgl. Fluder et al. (2009a). aus den Administrativdaten der ALV (Asal\/Avam), der IV (IV-Rentenregister und IV-Taggelder) sowie der Sozialhilfestatistik der Jahre 2004 bis 2006 erstellt worden ist. Anhand eines eindeutigen Personenidentifikators werden aus den beiden Leistungssystemen ALV und Sozialhilfe monatsgenaue Bezugsperioden gebildet. Damit ist es m\u00f6glich, Verlaufstypen zu bilden und diese zu charakterisieren. Die verwendeten Daten weisen einige Beschr\u00e4nkungen auf.&#13;<br \/>\nSo k\u00f6nnen wegen der nicht vollst\u00e4ndigen Erfassung der Sozialhilfedossiers im Jahr 2004 und der fehlenden M\u00f6glichkeit, die weiteren unterst\u00fctzten Personen zu identifizieren, nicht alle \u00dcberg\u00e4nge in die Sozialhilfe festgestellt werden. Vgl. ausf\u00fchrlich dazu Fluder et al. (2009b). Deshalb werden die Verl\u00e4ufe in Kombination mit Sozialhilfe oder \u00dcberg\u00e4ngen in die Sozialhilfe anhand dieses Datensatzes eher untersch\u00e4tzt.&#13;<\/p>\n<h2>Grundgesamtheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusgangspunkt der Untersuchung sind Personen, die in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2004 neu ALE bezogen haben.&#13;<br \/>\nEs handelt sich um die Periode Februar bis Juni 2004, da aus methodischen Gr\u00fcnden Personen, die im Januar neu Leistungen bezogen haben, nicht ber\u00fccksichtigt wurden. Personen, die im Laufe der Untersuchungsperiode auch mit IV-Leistungen unterst\u00fctzt wurden, wurden ebenfalls nicht einbezogen. F\u00fcr die so identifizierten 48&nbsp;187 Personen werden Bezugsperioden von ALE und Sozialhilfe eruiert und in eine zeitliche Abfolge gestellt: 88,7% haben in den Jahren 2004 bis 2006 ausschliesslich ALE bezogen; 11,3% haben neben ALE auch Leistungen der Sozialhilfe erhalten. Bei der Interpretation ist zu ber\u00fccksichtigen, dass Personen, deren ALE-Bezug im Juni 2004 begonnen hat, nach der maximalen ALEBezugsdauer von 400 bzw. 520 Taggeldern nur 12 bzw. 6 Monate beobachtet werden k\u00f6nnen und daher die Beobachtungszeit eingeschr\u00e4nkt ist.&#13;<\/p>\n<h2>Bestimmen einer Verlaufstypologie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKriterium f\u00fcr die Bildung der Verlaufstypologie ist einerseits die Dauer und die H\u00e4ufigkeit eines ALE-Bezugs und anderseits das Vorhandensein eines Sozialhilfebezugs und die Art des \u00dcberganges. Bei einem ALEBezug bis zu 12 Monaten sprechen wir von einem ALE-Kurzzeitbezug, bei einem l\u00e4ngeren Bezug von einem ALE-Langzeitbezug. Aufgrund der erw\u00e4hnten Kriterien wird aus allen m\u00f6glichen Abfolgen und Kombinationen von Leistungen eine Typologie mit 12 Verlaufstypen definiert.&#13;<\/p>\n<h2>Verlaufstypologie mit 12 Typen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Typenbildung wird unterschieden, ob es sich um einen Kurz- oder Langzeitbezug von ALE handelt (mit einer oder mehreren Bezugsperioden), ob Sozialhilfe bezogen wurde und ob der Bezug von Sozialhilfe gleichzeitig mit dem ALE-Bezug oder sp\u00e4ter erfolgte. F\u00fcr die Bestimmung der Dauer des ALE-Bezugs werden alle ALE-Bezugsperioden vor dem Bezug von Sozialhilfe oder w\u00e4hrend eines kombinierten Bezugs summiert. Wie aus <i>Tabelle 1<\/i> ersichtlich ist, handelt es sich bei 40,9% der Personen, die in der ersten H\u00e4lfte 2004 neu ALE beziehen, um einen ALE-Kurzzeitbezug (bei 60% davon weniger als ein halbes Jahr), bei rund einem Viertel um einen ALE-Langzeitbezug. 22,1% weisen w\u00e4hrend der Beobachtungszeit mehrere ALE-Bezugsperioden auf, die bei rund zwei Dritteln davon insgesamt l\u00e4nger als 12 Monate dauern. Von diesen Personen beziehen 30% am Ende der dreij\u00e4hrigen Beobachtungsperiode immer noch ALE. Fast die H\u00e4lfte der ALE-Neubeziehenden bezieht weniger als ein Jahr ausschliesslich ALE und rund 39% l\u00e4nger als ein Jahr. Bei gut 10% folgt auf einen ALE-Bezug ein Bezug von Sozialhilfe. 6,1% der Personen beziehen \u2013 zumindest w\u00e4hrend einer gewissen Zeit \u2013 gleichzeitig ALE und Leistungen der Sozialhilfe. Bei 1,4% folgt diesem kombinierten Bezug nach Beendigung der ALE keine Periode mit Sozialhilfeleistungen. 1,6% aller Neubeziehenden erhalten nach einem ALE-Kurzzeitbezug Leistungen der Sozialhilfe: Davon haben knapp 40% bereits w\u00e4hrend das ALE-Bezugs Sozialhilfe beansprucht, und etwa die H\u00e4lfte bezieht nach einer Periode ohne Leistungsbezug Sozialhilfe. Es gibt verschiedene Gr\u00fcnde, warum Personen nach einem kurzen ALE-Bezug Sozialhilfe beziehen. Zum einen sind es Personen, die zwar eine Erwerbst\u00e4tigkeit gefunden haben, deren Lohn jedoch nicht zur Existenzsicherung ausreicht, weshalb eine erg\u00e4nzende Unterst\u00fctzung durch die Sozialhilfe n\u00f6tig wird. Zum andern sind es Personen, die nicht (mehr) vermittlungsf\u00e4hig sind (z. B. aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden, aber [noch] ohne Anspruch auf Leistungen der IV). Ein Teil sind Personen, die von der Erf\u00fcllung der Beitragszeit befreit sind und bereits nach einem Jahr ausgesteuert werden.&#13;<br \/>\nMit der 4. AVIG-Revision wurde ab 1. April 2011 die maximale Bezugsdauer der Beitragsbefreiten von 260 auf 90 Tage gek\u00fcrzt. Damit d\u00fcrften k\u00fcnftig mehr Personen diesem Verlaufstyp angeh\u00f6ren. Hier d\u00fcrften junge Erwachsene nach Beendigung ihrer Ausbildung die gr\u00f6sste Gruppe bilden.Bei 5,3% folgt auf einen ALE-Langzeitbezug ein Bezug von Sozialhilfe. Bei rund der H\u00e4lfte davon erfolgt der Sozialhilfebezug unmittelbar nach dem ALE-Bezug. Ein Teil davon beansprucht bereits w\u00e4hrend des ALE-Bezugs Sozialhilfe. Den mehrfachen Wechsel zwischen ALE- und Sozialhilfebezug haben wir zu \u00abPendlerverl\u00e4ufen\u00bb&#13;<br \/>\nDazu geh\u00f6ren auch Personen, die in den Monaten vor dem ersten ALE-Bezug im ersten Halbjahr 2004 Sozialhilfe bezogen haben und einen \u00dcbergang Sozialhilfe ALE und anschliessend erneut einen \u00dcbergang ALE Sozialhilfe aufweisen. zusammengefasst; diese machen rund 3% der Neubeziehenden aus. Darunter sind Working Poor zu finden, die zwar eine Erwerbst\u00e4tigkeit gefunden haben, aber trotzdem erg\u00e4nzend mit Sozialhilfeleistungen unterst\u00fctzt werden und die sp\u00e4ter \u2013 aufgrund der unsicheren Besch\u00e4ftigungslage \u2013 wieder arbeitslos werden und erneut Anspruch auf ALE haben. Fast die H\u00e4lfte davon bezieht am Ende der drei Beobachtungsjahre Sozialhilfe, und 40% sind bereits zu Beginn des ALE-Bezugs in der Sozialhilfe.&#13;<\/p>\n<h2>Risikoprofile<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie lassen sich nun die Personengruppen der einzelnen Verlaufstypen charakterisieren? Welche Personen haben im Vergleich zur Gesamtheit der Neubeziehenden ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr einen ALE-Langzeitbezug oder Sozialhilfebezug? Bei den Altersgruppen weisen v.a. die <i>jungen Erwachsenen<\/i> (18- bis 25-J\u00e4hrige) h\u00e4ufiger kurze und mehrere kurze Bezugsperioden auf. Dabei ist ein Bezug von Sozialhilfe nach einem ALE-Kurzzeitbezug besonders h\u00e4ufig. Ein Teil davon d\u00fcrften Personen sein, die von der Erf\u00fcllung der Beitragszeit befreit sind, bereits nach einem Jahr ausgesteuert werden und anschliessend Sozialhilfe beziehen. Junge Erwachsene finden h\u00e4ufig relativ schnell einen Job, sind aber st\u00e4rker als die anderen Altersgruppen prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen ausgesetzt. Demgegen\u00fcber sind \u00e4ltere Personen \u2013 wenn sie arbeitslos werden \u2013 h\u00e4ufiger beim Verlaufstyp \u00abALE-Langzeitbezug\u00bb zu finden, oft mit anschliessendem Bezug von Sozialhilfe. Beim Geschlecht sind die Auswertungen aus Datengr\u00fcnden auf die nicht verheirateten Personen beschr\u00e4nkt. Hier zeigt sich, dass bei <i>Frauen<\/i> Verl\u00e4ufe in die Sozialhilfe h\u00e4ufiger sind als bei M\u00e4nnern. Dabei d\u00fcrfte es sich in erster Linie um Alleinerziehende handeln, die f\u00fcr mehrere Personen aufkommen m\u00fcssen und aufgrund von Betreuungspflichten nur teilzeitlich arbeiten k\u00f6nnen. Frauen sind zudem h\u00e4ufiger in einem Tieflohnsektor besch\u00e4ftigt und unsicheren Arbeitsverh\u00e4ltnissen ausgesetzt. Auch die <i>Geschiedenen<\/i> sind in Verl\u00e4ufen mit Sozialhilfefolge im Vergleich zu den \u00fcbrigen arbeitslos gewordenen Personen wesentlich h\u00e4ufiger zu finden. Dies gilt auch f\u00fcr kombinierte Bez\u00fcge und f\u00fcr Pendler-Verl\u00e4ufe. Geschiedene haben somit ein erh\u00f6htes Risiko, bei Arbeitslosigkeit l\u00e4ngerfristig und wiederholt auf Sozialleistungen angewiesen zu sein.F\u00fcr die Grafiken 1 und 2 haben wir die Typologie auf 6 Typen reduziert. Wie <i>Grafik 1<\/i> zeigt, sind <i>Personen mit Unterst\u00fctzungspflichten<\/i> bei den Pendlern, bei kombinierten Bez\u00fcgen und bei Verl\u00e4ufen mit Sozialhilfebezug h\u00e4ufiger vertreten. Aufgrund der Betreuungspflichten sind bei diesen Personen die M\u00f6glichkeiten der Erwerbst\u00e4tigkeit eingeschr\u00e4nkt, und aufgrund der Kinderkosten reicht die ALE oder das Erwerbseinkommen oft nicht f\u00fcr die Existenz des gesamten Haushaltes.Spezifische Verlaufsmuster zeigen sich auch aufgrund der <i>Nationalit\u00e4t der Arbeitslosen<\/i>. 17,6% stammen aus L\u00e4ndern ausserhalb der EU\/Efta. Diese \u2013 und v.a. jene aus aussereurop\u00e4ischen L\u00e4ndern \u2013 weisen wesentlich h\u00e4ufiger als Arbeitslose aus EU\/Efta-L\u00e4nder Verl\u00e4ufe mit ALE-Langzeitbezug und Verl\u00e4ufe mit Sozialhilfezug auf. Demgegen\u00fcber sind bei Personen mit Schweizer B\u00fcrgerrecht ALE-Kurzzeitbez\u00fcge viel h\u00e4ufiger als bei der Gesamtheit der Arbeitslosen.Besonders markant sind die Unterschiede aufgrund des <i>Ausbildungsniveaus.<\/i> Fast ein Drittel der ALE-Neubeziehenden verf\u00fcgt \u00fcber keine berufliche Ausbildung. Diese sind bei den Verl\u00e4ufen mit ALE-Langzeitbezug und mit Sozialhilfebezug sowie bei den Pendlern deutlich \u00fcbervertreten (vgl. <i>Grafik 2<\/i>). Wird eine Person ohne Berufsbildung arbeitslos, hat sie somit ein deutlich erh\u00f6htes Risiko eines Verlaufs mit einer l\u00e4ngerfristigen Abh\u00e4ngigkeit von Sozialleistungen. Dies zeigt, dass es f\u00fcr arbeitslose Personen ohne arbeitsmarktrelevante Qualifikationen schwierig ist, eine sichere und ausreichend entlohnte Besch\u00e4ftigung zu finden. Umgekehrt sind Personen mit einer Berufsausbildung und v.a. solche mit einer Terti\u00e4rausbildung bei den Verl\u00e4ufen mit ALE-Kurzzeitbezug \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig vertreten. \u00c4hnliche Muster zeigen sich auch beim Beruf und bei der Branche. Es sind v.a. Personen aus Bereichen mit tiefen L\u00f6hnen und prek\u00e4ren Arbeitsbedingungen, die in Verl\u00e4ufen mit Sozialhilfebezug oder solchen mit kombinierten Leistungsbez\u00fcgen h\u00e4ufiger vertreten sind als die anderen Arbeitslosen.Die Einflussfaktoren f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit zu einem Verlaufstyp sind zudem mittels einer mulitinomialen Logit-Regression gesch\u00e4tzt worden. Im Modell werden neben soziodemografischen Merkmalen, Herkunft (Migrationshintergrund), individuellen Ressourcen (Bildung, Erwerbsstatus) auch Merkmale des Arbeitsmarktes (Berufsart, Region) ber\u00fccksichtigt. Als Risikogruppen f\u00fcr Verl\u00e4ufe mit Sozialhilfebezug oder Pendlerverl\u00e4ufe erweisen sich auch anhand dieser Modellsch\u00e4tzung geschiedene Personen, Personen mit Unterst\u00fctzungspflichten, Personen aus L\u00e4ndern ausserhalb der EU\/Efta (und v.a. ausserhalb von Europa) und Personen ohne Berufsausbildung. Personen \u00fcber 45 Jahre weisen ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Verl\u00e4ufe mit ALE-Langzeitbezug und Sozialhilfebezug auf. Es zeigt sich also, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen bestimmten Verlauf von der individuellen Lebenssituation und den Faktoren des Arbeitsmarktes abh\u00e4ngt.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorliegende Untersuchung hat einen Pilotcharakter. Durch die Begrenzung der Untersuchungsperiode auf die Jahre 2004 bis 2006 ergeben sich verschiedene Einschr\u00e4nkungen: Eine Dreijahresperiode ist zu kurz, um Verl\u00e4ufe mit Bezug von Sozialhilfe in allen F\u00e4llen korrekt zu identifizieren \u2013 insbesondere Pendlerverl\u00e4ufe sowie Langzeitverl\u00e4ufe in der Sozialhilfe \u2013 und um diese weiter typisieren zu k\u00f6nnen. Zudem sind vertiefte Analysen notwendig, um den Einfluss des Berufes, der arbeitsmarktlichen Massnahmen und des regionalen Arbeitsmarktes pr\u00e4ziser zu erfassen. Wir empfehlen deshalb, die Analysen mit einem aktuelleren, erweiterten und verbesserten Datensatz zu wiederholen und zu vertiefen. Wesentliche zus\u00e4tzliche Erkenntnisse w\u00e4ren m\u00f6glich, wenn eine der Arbeitslosigkeit folgende (aber auch gleichzeitige) Erwerbst\u00e4tigkeit korrekt identifiziert werden k\u00f6nnte (z. B. anhand von verkn\u00fcpften Einkommensdaten der AHV-Ausgleichskassen). Auf der Basis dieser Untersuchungen wird es m\u00f6glich sein, die Folgen von Gesetzesrevisionen oder auch \u00c4nderungen in der Sozialhilfepraxis bez\u00fcglich arbeitsmarktlicher Integration abzubilden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAnteil der ALE-Neubeziehenden mit Unterst\u00fctzungspflicht nach Verlaufstyp\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abAnteil der ALE-Neubeziehenden ohne Berufsbildung nach Verlaufstyp\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abTypen von Leistungsverl\u00e4ufen von ALE-Beziehenden\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 AMOSA, Arbeitsmarktbeobachtung Ostschweiz, Aargau und Zug (2010): Wiederholte Arbeitslosigkeit, Situation und Massnahmen. Z\u00fcrich Amt f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit des Kantons Z\u00fcrich. \u2212 Duell Nicola, Tergeist Peter, Bazant Ursula, Cimper Sylvie (2010): Activation Policies in Switzerland, OECD Social, Employment and Migration Working Papers, Nr 112, OECD Publishing.\u2212 Fluder Robert, Graf Thomas, Ruder Rosmarie, Salzgeber Renate (2009a): Quantifizierung der \u00dcberg\u00e4nge zwischen Systemen der Sozialen Sicherheit (IV, ALV und Sozialhilfe). Forschungsbericht Nr. 1\/09 Bern: BSV.\u2212 Fluder, Robert, Graf Thomas, Ruder Rosmarie, Salzgeber Renate (2009b): Quantifizierung der \u00dcberg\u00e4nge zwischen Systemen der Sozialen Sicherheit (IV, ALV und Sozialhilfe). Methodenband Bern: BFH.\u2212 Sheldon George (1999): Die Langzeitarbeitslosigkeit in der Schweiz, Diagnose und Therapie, Hauptverlag, Bern.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer neuen Untersuchung der Berner Fachhochschule wird auf der Grundlage der Administrativdaten der Arbeitslosenversicherung (ALV) und der Sozialhilfestatistik eine Typologie der Verl\u00e4ufe von arbeitslos gewordenen Personen erstellt. F\u00fcr die einzelnen Verlaufstypen wird das Profil der betreffenden Personengruppen anhand von soziodemografischen und arbeitsmarktlichen Merkmalen bestimmt. Mittels eines multivariaten Modells werden anschliessend die Einflussfaktoren f\u00fcr die [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3633,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[76,154],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3633,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Dr. phil. I, Dozent und Projektleiter, Berner Fachhochschule, Soziale Arbeit","seco_author_post_occupation_fr":"Charg\u00e9 de cours, Haute \u00e9cole sp\u00e9cialis\u00e9e bernoise, Travail social","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":120402,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"7603","post_abstract":"","magazine_issue":"20110901","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5508446ea502b"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120399"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3633"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120399"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120399\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127540,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120399\/revisions\/127540"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3633"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=120399"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=120399"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=120399"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=120399"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=120399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}