{"id":120404,"date":"2011-09-01T12:00:00","date_gmt":"2011-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/09\/flueckiger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:17","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:17","slug":"flueckiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/09\/flueckiger\/","title":{"rendered":"Die OECD: Eine Organisation im Wandel"},"content":{"rendered":"<p>Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) feiert dieses Jahr ihren 50. Geburtstag. Im vergangenen halben Jahrhundert haben sich sowohl der politische Hintergrund, das globale wirtschaftliche Gef\u00fcge wie auch die Organisation selber fundamental ver\u00e4ndert. Die OECD hat sich in drei Phasen von einer europ\u00e4ischen zu einer transatlantischen und zu einer globalen Organisation gewandelt. Die Schweiz hat die wechselvolle Entwicklung dieser Organisation seit ihrer Gr\u00fcndung mitgestaltet.&#13;<br \/>\nDer Autor dankt Frau Dominique Jordan (Seco) f\u00fcr die Mitarbeit an diesem Artikel.<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201109_19_Flueckiger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"252\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Vorsteher des Eidgen\u00f6ssischen Volkswirtschaftsdepartements, Bundesrat Johann Schneider-Ammann, war einer von rund 80 Ministern und Staatschefs, die am 25. Mai dieses Jahres am 50-Jahr-Jubil\u00e4um der OECD in Paris teilnahmen: Ein Diner im historischen Hotel Talleyrand an der Place de la Concorde, unter dem Vorsitz der amerikanischen Aussenministerin Hillary Clinton, kr\u00f6nte diesen Anlass.&#13;<\/p>\n<h2>Erste und zweite Phase: Verfassung und Verbreitung einer gemeinsamen wirtschaftspolitischen Philosophie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Vorsitz der USA in diesem Jubil\u00e4umsjahr war kein Zufall, war es doch der damalige US-Aussenminister George C. Marshall, der in seiner Rede 1947 in Harvard die Vorg\u00e4nger-Organisation ins Leben rief. Der <i>Marshall-Plan<\/i> zum Wiederaufbau Europas ben\u00f6tigte ein Sekretariat und einen multilateralen Rahmen. Die <i>Organisation for European Economic Cooperation (OEEC)<\/i> erf\u00fcllte diesen Zweck, und ihre Aufgabe war Ende der 1950er-Jahre erfolgreich abgeschlossen. Westeuropa war nach dem Zweiten Weltkrieg unter der Schutzmacht USA zu einem langanhaltenden Wachstumspfad zur\u00fcckgekehrt. In der Zwischenzeit hatten sich jedoch die geopolitischen Umst\u00e4nde ver\u00e4ndert. Die unmittelbare Bedrohung durch die Sowjetunion und ihre indirekte Einflussnahme in den Entwicklungsl\u00e4ndern liessen es sinnvoll erscheinen, die freien L\u00e4nder Westeuropas zu einer Organisation zusammenzufassen, welche die Werte eines \u00abwestlichen Wirtschaftens\u00bb vertrat: \u00f6konomisches Wachstum als Motor von allgemeinem Wohlstand, basierend auf freiem Kapitalverkehr, Finanzstabilit\u00e4t, freier Handel, marktwirtschaftliche und demokratische Prinzipien. Diese Prinzipien sind in der Gr\u00fcndungskonvention verankert. Aus heutiger Sicht ist dazu anzumerken, dass man es aus \u00fcbergeordneten Interessen mit den demokratischen Prinzipien nicht so genau nahm: In Griechenland, Portugal, Spanien und der T\u00fcrkei regierten noch jahrelang Milit\u00e4rdiktaturen, und der internationale Handel war \u2013 verglichen mit heute \u2013 alles andere als frei. \u00dcber die Jahre traten Italien (1962), Japan (1964), Australien (1971) und Neuseeland (1973) der OECD bei. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der \u00d6ffnung Chinas schien auch diese Mission der OECD eigentlich erf\u00fcllt, aber im R\u00fcckblick war dies nur ihre erste Phase. In der nun folgenden zweiten Phase bot die OECD eine willkommene Gelegenheit f\u00fcr die L\u00e4nder Ost- und Zentraleuropas, sich wirtschaftspolitisch und symbolisch vom sozialistischen System zu l\u00f6sen und sie bei ihren Strukturanpassungen zu unterst\u00fctzen. Die Tschechische Republik (1995), Polen (1996), Ungarn (1996) und die Slowakei (2000) wurden sukzessive Mitglieder. Zudem traten mit Mexiko (1994) und Korea (1996) erstmals zwei Entwicklungsl\u00e4nder bei. W\u00e4hrend dieser Zeit weitete die OECD ihre Aktivit\u00e4ten st\u00e4ndig aus. Anf\u00e4nglich konzentriert auf makro\u00f6konomische Fragestellungen, hat sie sich in den 1980er- und 1990er-Jahren zusehends der Strukturpolitik verschrieben und ist heute in allen Bereichen t\u00e4tig mit Ausnahme der Kultur- und der Sicherheitspolitik. Die OECD hat wesentliche Vorarbeiten f\u00fcr die Gatt-Verhandlungen geleistet, die schliesslich zum Abschluss der Uruguay-Runde und 1995 zur Gr\u00fcndung der Welthandelsorganisation (WTO) f\u00fchrten. Sie hat die Deregulierung der staatlichen Regiebetriebe (Telekommunikation, Post, Transport- und Energiewesen) mitgestaltet sowie die Liberalisierung der Agrar- und Arbeitsm\u00e4rkte mit wissenschaftlichen Analysen und Berichten vorbereitet. Heute steht mit der Modernisierung der \u00d6konomien zusehends die Verbesserung des Humankapitals \u2013 und damit Themen wie Bildung und Innovation \u2013 im Vordergrund; die Pisa-Studien sind wohl das bekannteste OECD-Produkt. Die Mitgliedstaaten einigten sich von Anfang an auf eine sehr informelle Arbeitsweise. St\u00e4ndiges Vergleichen (<i>Benchmarking<\/i>) sowie \u00dcberzeugen durch Fakten und Ergebnisse (<i>Peer Pressure<\/i>) erzeugten in vielen Bereichen <i>Standards<\/i> und <i>Best Practices<\/i>. Zuweilen entstanden daraus globale Grunds\u00e4tze wie die <i>Millenium-Entwicklungsziele<\/i> oder das <i>Polluter-Pays-Prinzip<\/i>. Hauptakteure sind die Experten aus den Hauptst\u00e4dten der Mitglieder, die sich in ihren jeweiligen Komitees am Sitz der OECD in Paris treffen. Dort werten rund 2500 Analysten permanent die neuesten Ergebnisse aus Wissenschaft und Praxis aus und stellen sie den Mitgliedern zur Diskussion. Vielleicht ist die Organisation deshalb auch nach 50 Jahren noch weithin wenig bekannt, weil sie sehr technokratisch ausgerichtet ist und sich der Tagespolitik entzieht. Allerdings erlaubt das einen sehr direkten und freien Austausch der Meinungen, der \u00fcber die in vielen anderen internationalen Organisationen \u00fcblichen Allgemeinheiten hinausgeht.&#13;<\/p>\n<h2>Die OECD in ihrer dritten Phase: Shifting Wealth<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas 50-Jahre-Jubil\u00e4um steht nach einer ersten (europ\u00e4ischen) und einer zweiten (transatlantischen) am Anfang einer fundamental neuen dritten Phase \u2013 vor einem \u00dcbergang in ein globales Netzwerk, dessen Ausgestaltung und Funktionsweise zum heutigen Tag noch nicht feststeht. Verschiedene Entwicklungen haben dazu beigetragen:\u2013 <i>Erstens<\/i> hat die beschleunigte Globalisierung eine Abgleichung der verschiedenen Politikbereiche noch dringender gemacht. Mit dem exponentiellen Wachstum des Handels und dem Auseinanderbrechen der Produkte in globale und regionale Wertsch\u00f6pfungsketten wird die <i>Koordination der Politikbereiche<\/i> als Kernaufgabe der OECD noch dringender. \u2013 <i>Zweitens<\/i> hat sich das <i>Verh\u00e4ltnis zu den Entwicklungsl\u00e4ndern<\/i> fundamental ge\u00e4ndert. Das Schicksal dieser L\u00e4nder ist heute durch die Globalisierung der Unternehmen sowie durch die Verf\u00fcgbarkeit und Mobilit\u00e4t von G\u00fctern, Kapital, Personen und Ideen aufs Engste mit der Welt der OECD-L\u00e4nder vernetzt. Entwicklung ist ein horizontales Thema, das die OECD in den kommenden Jahren intensiv besch\u00e4ftigen wird. \u2013 <i>Drittens<\/i> sind zunehmend regionale und globale <i>Umwelt- und Klimaprobleme<\/i> in den Vordergrund ger\u00fcckt, die OECD- und Entwicklungsl\u00e4nder gleichermassen betreffen. Die OECD hat sich deshalb einer <i>Green Growth Strategy<\/i> verschrieben, die ihren Mitgliedern den \u00dcbergang zu gr\u00fcnem Wachstum erm\u00f6glichen soll. \u2013 <i>Viertens<\/i> sind die OECD-L\u00e4nder nach mehreren Jahrzehnten De-Industrialisierung, Auslagerung und st\u00e4ndigen Strukturanpassungen heute darauf angewiesen, ihre Wertsch\u00f6pfung im obersten Segment der Wertsch\u00f6pfungskette anzusiedeln, d.h. im hochwertigen Dienstleistungsbereich, in Research, Design oder Business Development. Arbeitsm\u00e4rkte, Familienstrukturen, Karrieren sowie die Anspr\u00fcche an die Arbeitsbev\u00f6lkerung und Management haben sich ge\u00e4ndert. Die OECD hat eine <i>Innovationsstrategie<\/i> entworfen und ist daran, eine <i>Skills Strategy<\/i> zu entwickeln, die diesen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgen soll. \u2013 <i>F\u00fcnftens<\/i> ist auch eine grunds\u00e4tzliche Zieldiskussion im Gange. Standen in den vergangenen 50 Jahren Wiederaufbau und Wohlstand als messbare Gr\u00f6sse im Zentrum, stellen sich \u00d6konomen die Frage, ob das Bruttoinlandprodukt pro Kopf die richtige Gr\u00f6sse ist, um das menschliche Wohlergehen zu beurteilen. Diese Arbeiten sind zum Teil philosophischer Natur und enthalten Werturteile. Deshalb werden konkrete, allgemein anerkannte Massst\u00e4be wohl nicht so rasch verf\u00fcgbar sein. Somit ist die OECD f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre mit einer ganzen Reihe von Querschnittthemen besch\u00e4ftigt, welche \u00fcber einzelne Fachbereiche, Komitees und Direktionen hinausgehen. Die wichtigste Ver\u00e4nderung in dieser dritten Phase ist der fulminante Aufschwung der Schwellenl\u00e4nder und die damit verbundenen Verschiebung des globalen wirtschaftlichen Gleichgewichts (<i>Shifting Wealth<\/i>). Waren bis nach dem Ende des Kalten Krieges die OECD-L\u00e4nder als Gruppe bestimmend f\u00fcr die wichtigsten Entscheidungen globaler Politik, ist das heutige nicht mehr der Fall. 1995 repr\u00e4sentierten die OECD-L\u00e4nder noch 54% des Welt-BIP, 2020 werden es 35%\u201340% sein. Die WTO-Verhandlungen der Doha-Runde ebenso wie die Klimaverhandlungen im Rahmen der UNO waren gepr\u00e4gt von einem ein Tauziehen zwischen Schwellen- und OECD-L\u00e4ndern mit ihren unterschiedlichen Interessen. Heute ist eine Einigung wichtiger globaler Probleme kaum mehr denkbar ohne die Zustimmung der Schwellenl\u00e4nder. Damit haben sich auch die geopolitischen Interessen der USA (sie bestreiten einen Viertel des OECD-Budgets) neu ausgerichtet. Noch immer sind 25 der 34 OECD-Mitglieder europ\u00e4isch. Trotzdem steht die Organisation vor dem Dilemma: entweder einen kulturellen und wirtschaftsphilosophischen Konsens zu erhalten, daf\u00fcr aber an globaler Deutungsmacht \u2013 und das politische Engagement ihrer wichtigsten Mitgliedsl\u00e4nder \u2013 zu verlieren, oder eine Partnerschaft mit den aufstrebenden L\u00e4ndern zu schmieden, dies um den Preis einer Transformation mit noch ungewissem Ausgang.Letztlich muss diese Neuorientierung auch aus eigenem Interesse geschehen. Die dringendsten Herausforderungen sind nicht mehr nationaler, sondern globaler Natur. Will die OECD eine global relevante Organisation bleiben, muss sie einen Weg finden, die Schwellenl\u00e4nder f\u00fcr ihre Arbeiten zu interessieren. Aus diesem Grund hatten die Mitglieder 2007 beschlossen, die f\u00fcnf wichtigsten Schwellenl\u00e4nder (Brasilien, China, Indien, Indonesien, S\u00fcdafrika) im Rahmen eines <i>Enhanced Engagement (EE)<\/i> systematisch in ihre Arbeiten einzubeziehen. Allerdings haben sich die Vorzeichen ge\u00e4ndert. Fr\u00fcher waren neue Kandidaten <i>Demandeurs<\/i> f\u00fcr einen Beitritt. Auch die j\u00fcngsten Mitglieder Chile, Estland, Israel und Slowenien (alle 2010) hatten noch um einen Beitritt ersucht; Russland befindet sich ebenfalls in einem strengen Aufnahmeverfahren. Die neuen Schwellenl\u00e4nder sind sich jedoch ihrer Macht bewusst. Sie sind einer systemischen politischen Ann\u00e4herung gegen\u00fcber skeptisch, unter anderem aufgrund ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zur G77, die sich noch immer als Gegengewicht zum \u00abNorden\u00bb versteht. Nichtsdestotrotz sind die EE-L\u00e4nder sehr interessiert an Analysen einzelner Sektoren, und mit den betroffenen Sektorministerien findet ein reger Austausch statt, auch wenn die Ann\u00e4herung punktuell bleibt. Ein Beitritt dieser L\u00e4nder ist nicht in Sicht. Die OECD ist selbst zum <i>Demandeur<\/i> geworden.Gegenw\u00e4rtig findet unter den OECD-Mitgliedern eine Diskussion dar\u00fcber statt, welche institutionellen Arrangements getroffen werden m\u00fcssen, damit die EE- und anderen Entwicklungsl\u00e4nder unter den gegebenen Umst\u00e4nden optimal mit der OECD zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Eine m\u00f6gliche Entwicklung ist eine aktivere Bewirtschaftung der sogenannten Global Forums. Seit einiger Zeit finden in zahlreichen Komitees punktuell solche Konferenzen zu Spezialthemen statt, zu denen auch interessierte Nichtmitglieder als ebenb\u00fcrtige Teilnehmer eingeladen wurden (<i>Global Forum on Trade, Investment, Development, the Knowledge Economy<\/i> u.a.). Mit dem <i>Global Forum on Transparency and Exchange of Information for Tax Purposes<\/i>, das den f\u00fcr die Schweiz wichtigen Informationsaustausch in Steuerangelegenheiten verfolgt, wurde dieses Format 2009 zum ersten Mal ausgeweitet und institutionalisiert. Der Vorteil dieses Vorgehens best\u00fcnde darin, in den jeweiligen Politikbereichen die wichtigsten Teilnehmer \u00fcber den OECD-Bereich hinaus an einem Tisch zu versammeln. Der Nachteil ist, dass die Nicht-OECD-Mitglieder sich nur in jenen spezifischen Bereichen zu gemeinsamen Arbeiten, Analysen und gegebenenfalls Beschl\u00fcssen verpflichten m\u00fcssten. Den <i>OECD-Acquis<\/i> und die damit verbundenen Standards und Normen hingegen m\u00fcssten sie nicht wie die Vollmitglieder in allen OECD-Bereichen \u00fcbernehmen. So k\u00f6nnte sich die OECD noch st\u00e4rker zu einer Organisation <i>\u00e0 g\u00e9om\u00e9trie variable<\/i> entwickeln.&#13;<\/p>\n<h2>Was heisst das f\u00fcr die Schweiz?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie OECD war im vergangenen halben Jahrhundert f\u00fcr die Schweiz eine wertvolle Organisation. Mit ihrer grunds\u00e4tzlich liberalen Grundhaltung, ihren auf Konsens ruhenden Beschl\u00fcssen und auf wissenschaftlicher Analyse begr\u00fcndeten Empfehlungen entsprach sie in fast allen Politikbereichen der offenen, flexiblen und liberalen helvetischen Politik. Die Schweiz gestaltete viele Empfehlungen und Kodizes aktiv mit. Zudem bot und bietet die OECD eine ideale Plattform f\u00fcr Begegnungen auf technischer und politischer Ebene \u2013 gerade f\u00fcr ein Land ausserhalb aller formalen Allianzen. Das f\u00fcr die Schweiz zentrale Anliegen \u2013 n\u00e4mlich die Verteidigung und F\u00f6rderung optimaler Rahmenbedingungen f\u00fcr den Standort in einer globalisierten Welt \u2013 konnte sie hier unter ihresgleichen diskutieren und weiterentwickeln. Die Finanzkrise 2008 und die daraus erfolgte aktuelle Prominenz der G20 auf der globalen B\u00fchne haben auch auf die betuliche Gangart der OECD ausgestrahlt. Standen bisher gegenseitige \u00dcberzeugung und Konsens im Zentrum, ist durch die Pr\u00e4senz der G20 eine neue Dynamik entstanden. Dieser informelle Zusammenschluss der m\u00e4chtigsten OECD- und Schwellenl\u00e4nder spielt seit der Finanzkrise eine Art Taktgeber in jenen Bereichen, die sie als global relevant erachtet. Die G20 scheut sich nicht, internationale Organisationen wie die OECD daf\u00fcr einzuspannen, um durch politischen Druck Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren. Die Schweiz musste das bekanntlich im Fr\u00fchling 2009 im Bereich der Steuerpolitik erfahren. Die Schweiz steht somit vor einer G\u00fcterabw\u00e4gung: Will sie die OECD in ihrer urspr\u00fcnglichen, Europa-dominierten und damit k\u00fcnftig global weniger relevanten Rolle sehen, aber daf\u00fcr einen maximalen Einfluss behalten? Oder will sie sich mit den anderen Nicht-G20-Staaten in der OECD ebenfalls daf\u00fcr einsetzen, die neuen Schwellenl\u00e4nder einzubeziehen, die globale Relevanz der Organisation zu erhalten und von gegenseitigen Austausch mit den neuen Players ebenfalls zu profitieren?In der kurzen Zeit seit der Anpassung ihrer Steuerpolitik 2009 hat die Schweiz mit der letzteren Option gute Erfahrungen sammeln k\u00f6nnen. Die OECD ist \u2013 nicht zuletzt dank dem sehr aktiven und auf globaler Ebene gut vernetzten Generalsekret\u00e4r Angel Gurr\u00eda \u2013 in fast allen Arbeitsgruppen der G20 sowie auf Sherpa-Ebene vertreten. Die Schweiz hat aufgrund der Erfahrungen 2009 an vorderster Front darauf bestanden, dass die Nicht-G20-Mitglieder in der OECD regelm\u00e4ssig und fr\u00fchzeitig \u00fcber s\u00e4mtliche Arbeiten in allen Bereichen der G20 informiert werden. Als Resultat ist die OECD heute zu einer der besten und verl\u00e4sslichsten Quellen \u00fcber die G20-Arbeiten geworden.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie OECD ist trotz der wechselvollen Geschichte der vergangenen 50 Jahre ihren Grunds\u00e4tzen treu geblieben: der wirtschaftlichen \u00d6ffnungspolitik ihrer Mitglieder aufgrund einer wissenschaftlichen Analyse und der Verbreitung von gemeinsamen Normen und Standards. Diese Eckpfeiler haben sich sowohl f\u00fcr die Organisation wie auch f\u00fcr die Schweiz als verl\u00e4ssliche Orientierungss\u00e4ulen erwiesen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) feiert dieses Jahr ihren 50. Geburtstag. Im vergangenen halben Jahrhundert haben sich sowohl der politische Hintergrund, das globale wirtschaftliche Gef\u00fcge wie auch die Organisation selber fundamental ver\u00e4ndert. 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