{"id":120439,"date":"2011-09-01T12:00:00","date_gmt":"2011-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/09\/haerry-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:51","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:51","slug":"haerry","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/09\/haerry\/","title":{"rendered":"Mit amtlichem Rat zur eigenen Firma"},"content":{"rendered":"<p>Der Ratgeber sind viele \u2013 zur Tat aber schreitet man allein. Wer sich in der Schweiz mit einer eigenen Firma selbst\u00e4ndig macht, findet vorab im Internet eine reichhaltige Palette von Hinweisen, Tipps und Checklisten f\u00fcr angehende Unternehmer. Die auf unz\u00e4hligen amtlichen und privaten Websites dargebotenen Hilfestellungen sind willkommen und durchaus brauchbar. Dennoch: Bei der Firmengr\u00fcndung f\u00fchlt man sich im Umgang mit \u00c4mtern oftmals kaum als Kunde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNat\u00fcrlich hatte ich mir\u2019s lange \u00fcberlegt, das F\u00fcr und Wider abgewogen, Businesspl\u00e4ne in die Luft gezeichnet und sp\u00e4ter auch auf Papier. Es war ein jahrelanger Reifungsprozess, der mich schliesslich im Sommer 2009 zum Entschluss f\u00fchrte: Ich gr\u00fcnde mein eigenes Unternehmen \u2013 H\u00e4rry und Partner, Unternehmensberatung f\u00fcr Kommunikation. Vom Entscheid bis zum definitiven Schritt in die Selbst\u00e4ndigkeit verging dann nochmals ein Jahr, das ich f\u00fcr Marktabkl\u00e4rungen, Networking und erste Akquisitionsverhandlungen nutzte. Mit vorzeigbarem Resultat: H\u00e4rry und Partner startete im September 2010 mit drei Kunden und damit einer durchaus tragf\u00e4higen Basis f\u00fcrs erste Gesch\u00e4ftsjahr. Ein Jahr nach dem Start sind die Geburtshelfer noch immer als Kunden mit an Bord. Die Gesch\u00e4fte entwickelten sich bislang nahe der Best-Variante des Businessplans: Die Zahl der Mandate stieg erfreulich an, und ebenso erfreulich stieg der Gesch\u00e4ftsumsatz. Keine Frage: Der Start verlief erfolgreich.Drei Faktoren d\u00fcrften die positive Entwicklung wesentlich gepr\u00e4gt haben:\u2212 Die intensive Vorbereitung mit unz\u00e4hligen Gespr\u00e4chen, vertieftem Studium der umfangreichen Startup-Literatur in Internet und Buchform und \u2013 als Resultat dieser Recherchen \u2013 der Entwicklung des Businessplans;\u2212 das aktive und zielgerichtete Networking, das einerseits als Teil des Businessplans einem n\u00fcchternen Konzept mit klaren Zielen und \u00fcberpr\u00fcfbaren Erfolgsindikatoren folgte und andererseits der puren Lust, mich auf Neues einzulassen und Veranstaltungen und Treffpunkte zu besuchen, die ich zuvor nur vom H\u00f6rensagen kannte;\u2212 das unerl\u00e4ssliche Mass an Gl\u00fcck und guten Freunden, die gemeinsam f\u00fcr den n\u00f6tigen R\u00fcckenwind sorgten in der ersten Anlaufzeit.&#13;<\/p>\n<h2>Man kriegt, was man braucht\u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWer sich selbst\u00e4ndig macht, kann sich nicht beklagen, mit all seinen Fragen zu Selbst\u00e4ndigkeit und Firmengr\u00fcndung allein gelassen zu werden. Namentlich im Internet findet sich eine riesige Zahl von einschl\u00e4gigen Websites mit einem umfassenden Angebot an Hinweisen, Ratschl\u00e4gen, Adresslisten, Anleitungen Erfahrungsberichten, Checklisten, Fragebogen und \u00dcbungsfeldern, wo sich die Firmengr\u00fcndung simulieren l\u00e4sst. Das Angebot ist derart gross, dass es sich empfiehlt, als Erstes zu selektieren und zu priorisieren, welche (wenigen) Websites man f\u00fcr die eigenen Pl\u00e4ne nutzen will. Den grossen Rest soll man vergessen, wenn man nicht in der Informationsflut untergehen will.In meinem Fall konzentrierte ich mich im Wesentlichen auf zwei Adressen: das KMU-Portal des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) <i><a href=\"http:\/\/www.kmu.admin.ch\">http:\/\/www.kmu.admin.ch<\/a><\/i> und auf die vom Amt f\u00fcr Wirtschaft und Arbeit des Kantons Z\u00fcrich angebotene Startup-Seite <i><a href=\"http:\/\/www.gruenden.ch\">http:\/\/www.gruenden.ch<\/a><\/i>. Praktisch jeder Schweizer Kanton und viele Wirtschaftsf\u00f6rderorganisationen in den Regionen bieten im Internet Hilfestellung f\u00fcr Firmengr\u00fcndungen an, wobei Umfang und Vertiefungsgrad der offerierten Informationen variieren. Hinzu kommen die Offerten privater Unternehmen, die sich auf Firmengr\u00fcndungen spezialisiert haben und die versprechen, den Gr\u00fcnder nicht nur mit Rat, sondern mit handfester Tat auf dem Weg zur eigenen Firma zu begleiten. Diese Angebote sind selbstredend nicht kostenlos, die Tarife jedoch gr\u00f6sstenteils im Rahmen dessen, was sich ein Firmengr\u00fcnder leisten k\u00f6nnen sollte.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026 f\u00fchlt sich als Kunde jedoch oftmals nicht willkommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Grossangebot an amtlicher Information f\u00fcr Firmengr\u00fcnder l\u00e4sst zwar kaum eine Frage offen. Dennoch d\u00fcrfte es eher die Regel als die Ausnahme sein, dass man auf die eine oder andere konkrete Frage gerne eine pers\u00f6nliche Antwort h\u00e4tte. Hier st\u00f6sst das Internetangebot an seine Grenzen \u2013 f\u00fcr die individuelle und pers\u00f6nliche Betreuung gibt\u2019s praktisch nichts. Wer zum Telefonh\u00f6rer greift und auf diesem Weg um amtliche Auskunft bittet, wird oft frustriert. Der Fragesteller wird h\u00e4ufig schon von der Telefonistin auf den Internet-Auftritt des entsprechenden Amtes verwiesen: \u00abHier steht alles drin, was Sie brauchen.\u00bb Wer es schafft, dennoch weiter verbunden zu werden an die zust\u00e4ndige Fachstelle, erh\u00e4lt auf seine konkrete Frage oftmals den vagen Hinweis, eine \u00abverl\u00e4ssliche Antwort so auf die Schnelle am Telefon\u00bb sei nicht m\u00f6glich. Wahrer Kundendienst geht anders.Auch in den schriftlichen Unterlagen, die einem Firmengr\u00fcnder von Amtes wegen \u2013 zumeist mit der Aufforderung, innert Frist das vom Amt Gew\u00fcnschte zu tun und zu liefern \u2013 zugestellt werden, ist der Servicegedanke \u00f6fters eher weit weg. Das \u00e4ussert sich auch in der Tonlage, in der solche Schreiben verfasst sind. \u00abNachforschungen werden ohne Ausnahme in der Reihenfolge des Eingangs behandelt\u00bb, belehrt etwa das Eidgen\u00f6ssische Amt f\u00fcr das Handelsregister Gesuchsteller, die Auskunft dar\u00fcber m\u00f6chten, ob der vorgesehene Firmenname allenfalls schon anderweitig besetzt sei. Die Belehrung erfolgt standardm\u00e4ssig, auch wenn der Gesuchsteller gar keine Priorisierung verlangt hat. Im selben Schreiben heisst es ebenso unmissverst\u00e4ndlich wie b\u00fcrokratisch: \u00abTelefonisch wird keine Auskunft \u00fcber eingetragene Firmen erteilt. Eine Gew\u00e4hr auf vollst\u00e4ndige Angabe \u00e4hnlicher Firmen und Namen kann aus sachlichen Gr\u00fcnden nicht gegeben werden.\u00bb Wozu denn, fragt sich der ratlose Firmengr\u00fcnder, ist die kostenpflichtige Auskunft also \u00fcberhaupt gut? Man traut sich \u2013 so wie das Schreiben t\u00f6nt \u2013 nicht nachzufragen. Und hegt den Verdacht, dass dies auch die Absicht der Verfasser ist.&#13;<\/p>\n<h2>Gelegentlich beisst sich die Katze in den Schwanz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Weg zur eigenen Firma f\u00fchrt \u00fcber verschiedene H\u00fcrden, die jede f\u00fcr sich eigentlich gut zu nehmen sind. Schwierig wird es, wenn die H\u00fcrden so gestellt sind, dass sich die eine praktisch nicht \u00fcberspringen l\u00e4sst ohne die andere, die im Rennen aber erst nachher folgt und zu der der Weg zwingend \u00fcber die erste H\u00fcrde f\u00fchrt. Da beisst sich die Katze gelegentlich selber in den Schwanz. So verlangt etwa die Hauptabteilung Mehrwertsteuer der Eidgen\u00f6ssischen Steuerverwaltung auf ihrem \u00abAntrag auf Abrechnung nach vereinnahmten Entgelten\u00bb oder auf der \u00abUnterstellungserkl\u00e4rung\u00bb f\u00fcr Saldosteuers\u00e4tze, dass der Gesuchsteller die Antr\u00e4ge nicht nur mit rechtsverbindlicher Unterschrift, sondern auch mit Firmenstempel zu bekr\u00e4ftigen habe. Viele Unternehmer warten mit der Bestellung eines Firmenstempels aber zu, bis sie die Mehrwertsteuernummer ihres Unternehmens kennen und auf den Stempel setzen k\u00f6nnen. Da ist guter Rat teuer, doch kommt das Amt dem Gesuchsteller ganz unverhofft entgegen, indem es nicht auf dem Stempel unter dem Gesuch beharrt. F\u00fcr Startups schwierig zu erf\u00fcllen ist oftmals auch die Forderung der kantonalen Ausgleichskassen, im Fall von Einzelfirmen die vom Firmengr\u00fcnder angemeldete Selbst\u00e4ndigkeit quasi noch vor Gesch\u00e4ftsbeginn anhand einer m\u00f6glichst langen Kundenliste nachzuweisen. Der amtliche Missbrauchsverdacht gegen\u00fcber Gr\u00fcndern von Einzelfirmen sei in diesem Fall f\u00f6rmlich mit den H\u00e4nden zu greifen, berichten \u00fcbereinstimmend verschiedene Kolleginnen und Kollegen. Ebenfalls von der Ausgleichskasse stammt auch die etwas ungeduldig formulierte \u00abAufforderung zur Anschlussbest\u00e4tigung\u00bb. Man habe dem Gesuchsteller einen \u00abFragebogen betreffend den Anschluss Ihrer Fima an eine registrierte Vorsorgeeinrichtung und an eine Unfallversicherung\u00bb zugestellt. Doch \u00abbis heute haben Sie darauf nicht reagiert. Wir schliessen daraus, dass Sie den gesetzlich vorgeschriebenen Anschluss unterlassen haben.\u00bb Die ultimative Aufforderung, das N\u00f6tige jetzt rasch zu tun, ist kostenpflichtig, wie die Ausgleichskasse dem verdutzten Unternehmensgr\u00fcnder bekundet: \u00abWir bitten Sie, die Geb\u00fchr innert dreissig Tagen zu \u00fcberweisen.\u00bbDas Problem dahinter: Eine Vorsorgeeinrichtung zu finden, ist f\u00fcr eine Neufirma unter Umst\u00e4nden nicht einfach. In diesen Tagen ist kaum eine Pensionskasse an neuen Versicherten interessiert, schon gar nicht, wenn diese bereits um die F\u00fcnfzig sind. In unserem Fall dauerte die Suche nach einer Pensionskasse \u00fcber sechs Monate. Als dann endlich eine L\u00f6sung gefunden war, ging die Mitteilung umgehend auch an die kantonale Ausgleichskasse. Dort reagierte man erfreulich konziliant und verzichtete auf die erw\u00e4hnte Strafgeb\u00fchr.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ratgeber sind viele \u2013 zur Tat aber schreitet man allein. Wer sich in der Schweiz mit einer eigenen Firma selbst\u00e4ndig macht, findet vorab im Internet eine reichhaltige Palette von Hinweisen, Tipps und Checklisten f\u00fcr angehende Unternehmer. Die auf unz\u00e4hligen amtlichen und privaten Websites dargebotenen Hilfestellungen sind willkommen und durchaus brauchbar. 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