{"id":120484,"date":"2011-07-01T12:00:00","date_gmt":"2011-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/07\/bigotta-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:57","slug":"bigotta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/07\/bigotta\/","title":{"rendered":"Berufsbiografien von Langzeitarbeitslosen in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer tiefgreifende Wandel der Arbeitswelt beeinflusst bekanntlich auch die individuellen Berufsbiografien. F\u00fcr eine wachsende Zahl von Menschen wird das Berufsleben zu einer Aneinanderreihung von teilweise komplexen beruflichen Stationen mit mehr oder weniger l\u00e4ngeren Unterbr\u00fcchen. Phasen ohne Arbeit werden h\u00e4ufiger; der Status wird schneller gewechselt; und die komplexen Situationen \u2212 wie etwa mehrere Jobs sowie mehrere Jobs gleichzeitig und Arbeitslosigkeit \u2013 nehmen zu. Anders formuliert: Der individuelle Lebenslauf wird immer mehr unvorhersehbar; und zumindest f\u00fcr einen Teil der Menschen nimmt die Prekarisierung der Arbeitsverh\u00e4ltnisse zu.In diesem Themenbereich angesiedelt ist das Forschungsprojekt, welches gegenw\u00e4rtig vom Amt f\u00fcr Statistik des Kantons Tessin (Ustat) in Partnerschaft mit der Universit\u00e4t Genf (Prof. Gilbert Ritschard) sowie mit Unterst\u00fctzung des Bundesamts f\u00fcr Sozialversicherungen (BSV) und der Zentralen AHV-Ausgleichsstelle in Genf durchgef\u00fchrt wird. In seinem Kern greift es auf anonymisierte L\u00e4ngsschnittdaten der sogenannten <i>individuellen AHV-Konten<\/i> zur\u00fcck, womit Analysen von individuellen Berufsverl\u00e4ufen m\u00f6glich werden (siehe <i><\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<\/p>\n<h3 class=\"c1\">Methodischer Rahmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i><b>Quelle der Daten<\/b><\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<p class=\"c2\">Zu den Aufgaben der Zentralen Ausgleichsstelle in Genf als zentrales Ausf\u00fchrungsorgan der Sozialversicherungen AHV\/IV\/EO geh\u00f6rt unter anderem die Bewirtschaftung einer Reihe von Zentralregistern, die mit Daten von kantonalen und privaten Kassen \u00fcbermittelt werden. Zu diesen z\u00e4hlt auch das <i>Register der individuellen Konten<\/i> (im weiteren IK genannt), das Informationen \u00fcber die Einkommen und Beitragszeiten f\u00fcr die Berechnung von AHV\/IV Renten sammelt. Die AHV\/IV Beitragspflicht beginnt f\u00fcr Erwerbst\u00e4tige ab dem 18. Lebensjahr und f\u00fcr Nichterwerbst\u00e4tige ab dem 21. Lebensjahr. F\u00fcr Analysezwecke stehen uns die IK-Daten der <i>Referenzperiode 1997\u20132007<\/i> zur Verf\u00fcgung. Somit besteht die M\u00f6glichkeit, monatliche Sequenzen von 11 Jahren zu beobachten und zu analysieren. Es sind hingegen jene Personen ausgeschlossen, die in der Referenzperiode niemals Beitr\u00e4ge an die erste S\u00e4ule einbezahlt haben.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nVariablen und methodischer Ansatz&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus dem Register wurde die Population der 25&nbsp;556 Personen (in erwerbsf\u00e4higem Alter w\u00e4hrend des gesamten Zeitraums der Analyse) ausgew\u00e4hlt, die einmal langzeitarbeitslos waren (Beginn der Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres 2002). Als Langzeitarbeitslose wurden Personen ausgew\u00e4hlt, welche w\u00e4hrend mindestens 12 aufeinander folgenden Monaten Arbeitslosenentsch\u00e4digung gem\u00e4ss AVIG bezogen haben.Die IK-Datenbank enth\u00e4lt folgende Variablen: Geschlecht, Alter und Nationalit\u00e4t der Personen, Beitragsart,a wobei anhand letzterer eine Klassifikation des Erwerbsstatus erstellt wurde, die normalerweise <i>vier Kategorien<\/i> umfasst: <i>Lohnempf\u00e4nger<\/i>, <i>selbstst\u00e4ndig erwerbende Personen<\/i> (gem\u00e4ss AHV\/IV-Bestimmungen), <i>Stellenlose<\/i> und <i>beruflich Inaktive<\/i>. Die ersten beiden Kategorien bilden die Besch\u00e4ftigten; Besch\u00e4ftigte und Stellenlose zusammen bilden die Gruppe der aktiven Personen. Der Begriff \u00abinaktiv\u00bb unterscheidet sich von jenem, welcher h\u00e4ufig in der \u00f6ffentlichen Statistik verwendet wird. Er bezieht sich auf alle Personen, die aus verschiedenen Gr\u00fcnden \u2013 Inaktivit\u00e4t im engeren Sinne, Auslandaufenthalt\/ R\u00fcckkehr ins Ausland usw. \u2013 im Schweizer Arbeitsmarkt nicht mehr beruflich aktiv sind. Zu dieser Gruppe geh\u00f6ren sowohl nicht registrierte F\u00e4lle wie auch obligatorisch oder freiwillig angemeldete und beruflich inaktive Personen (z.B. Studenten).Die analysierten Biografien beziehen sich auf die 36 Monate vor Beginn der Langzeitarbeitslosigkeit und erstrecken sich auf die folgenden 36 Monate nach Austritt aus der Arbeitslosigkeit. Die Biografien decken maximal einen Zeitraum von 1999-2007 ab.In den in diesem Text enthaltenen Grafiken ist die Dauer der Langzeitarbeitslosigkeit nicht aufgef\u00fchrt worden, da sich das Interesse sowohl auf die vorhergehende als auch auf die folgende Erwerbsbiografie konzentriert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Die IK geben keine Informationen \u00fcber Wohnort, Arbeitsort, Wirtschaftszweig oder Besch\u00e4ftigungsgrad der Person.). Das Projekt besch\u00e4ftigt sich u.a. mit der Langzeitarbeitslosigkeit, welche das Thema des vorliegenden Beitrags ist. Im Zentrum der Analyse stehen Berufsbiografien von Personen, die im Laufe des Jahres 2002 in der Schweiz langzeitarbeitslos wurden. Dies betraf rund 15% all jener Personen, welche 2002 eine neue Rahmenfrist zum Bezug der Leistungen der ALV er\u00f6ffneten.&#13;<br \/>\nAls langzeitarbeitslos gelten hier Personen, welche \u00fcber einen Zeitraum von mindestens 12 aufeinanderfolgenden Monaten Taggelder gem\u00e4ss Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG) ausbezahlt erhielten. Analysiert werden deren Biografien jeweils 36 Monate vor dem Beginn und 36 Monate nach dem Ende einer Episode von Langzeitarbeitslosigkeit.&#13;<\/p>\n<h2>Schwieriger Wiedereinstieg nach Langzeitarbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Jahre 2001 und 2002 waren wirtschaftlich durch ein sehr tiefes Wirtschaftswachstum, sinkende Besch\u00e4ftigung und steigende Arbeitslosigkeit gepr\u00e4gt. Die wirtschaftliche Erholung setzte im Verlauf von 2003 ein, w\u00e4hrend die positive Wende am Arbeitsmarkt bis 2005 auf sich warten liess. Analysiert man die <i>langzeitarbeitslosen Personen<\/i> des Jahres 2002, so ist die erste sichtbare Auswirkung dieses Ereignisses ein bedeutender Verlust an Arbeitskr\u00e4ften. Dieses Ph\u00e4nomen ist in <i>&#13;<br \/>\n<\/i> dargestellt. In der untersuchten Zeitspanne ist ein massiver R\u00fcckgang der Erwerbsquote zu beobachten: Drei Jahre vor Beginn der Arbeitslosigkeit lag diese bei 75% und ein Jahr zuvor bei 85%. Zwei Jahre nach einer Episode von mindestens 12-monatiger Arbeitslosigkeit pendelte sich die Erwerbsquote bei ca. 60% ein. Mit anderen Worten: Etwa zwei von acht Personen, die vorher erwerbst\u00e4tig oder auf Stellensuche waren, verliessen danach den Arbeitsmarkt.&#13;<br \/>\nDiese Bilanz k\u00f6nnte sich aufgrund der R\u00fcckf\u00e4lle in die Arbeitslosigkeit und des daraus resultierenden Teufelskreises, der in die Langzeitarbeitslosigkeit f\u00fchrt und f\u00fcr einige der Betroffenen den Ausstieg aus der Arbeitswelt bedeutet, noch weiter verschlechtern. Der deutliche R\u00fcckgang ist vor allem auf die Abnahme der Lohnempf\u00e4nger zur\u00fcckzuf\u00fchren: Drei Jahre vor Beginn der Langzeitarbeitslosigkeit waren 61%, und ein Jahr vorher 80% Lohnempf\u00e4nger. Ein Jahr nach Ende der Langzeitarbeitslosigkeit waren es durchschnittlich 44%. Einige Personen kamen \u00fcber eine selbstst\u00e4ndige Erwerbst\u00e4tigkeit aus der Langzeitarbeitslosigkeit heraus; nach Ablauf der ersten zw\u00f6lf Monate lag deren Anteil relativ stabil bei ungef\u00e4hr 4%.&#13;<br \/>\nDass dieses Ph\u00e4nomen vor einer Episode lang andauernden Arbeitslosigkeit wenig Beachtung findet, h\u00e4ngt mit den Bestimmungen \u00fcber den Anspruch auf Arbeitslosenentsch\u00e4digung zusammen.Personen, die eine Arbeitslosenentsch\u00e4digung erhalten und gleichzeitig erwerbst\u00e4tig sind \u2212 hier als <i>Teilarbeitslose<\/i> bezeichnet \u2212 stellen eine weitere Komponente dar, die in den Monaten unmittelbar vor und nach dem Ereignis eine wichtige Rolle spielt. Der sogenannte <i>Zwischenverdienst<\/i> d\u00fcrfte dabei von grosser Bedeutung sein. Bei diesem Instrument der Arbeitslosenversicherung wird ein Arbeitseinkommen, welches etwa wegen eines zu geringen Arbeitspensums unter der vollen Arbeitslosenentsch\u00e4digung liegt, durch eine Kompensationszahlung aufgestockt.&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss Definition gelten Personen als teilzeitarbeitslos, die solche Zahlungen von der ALV erhalten. Zwischenverdienste scheinen sowohl vor wie nach Episoden der Langzeitarbeitslosigkeit relativ h\u00e4ufig zu sein. Dass die Bedeutung der Teilarbeitslosigkeit innerhalb von 12 Monaten nach der Langzeitarbeitslosigkeit abnimmt, d\u00fcrfte zum einen damit zusammenh\u00e4ngen, dass die betroffenen Personen allm\u00e4hlich ihren H\u00f6chstanspruch an Taggeldern aussch\u00f6pfen. Andererseits kann es auch darauf hindeuten, dass sich die betreffenden Personen in ihrer Besch\u00e4ftigungsposition mit der Zeit besser behaupten k\u00f6nnen.Vom R\u00fcckgang der Erwerbsbeteiligung infolge einer l\u00e4nger andauernden Arbeitslosigkeit sind M\u00e4nner wie Frauen betroffen, M\u00e4nner allerdings etwas ausgepr\u00e4gter (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>). Aus Grafik 2 ist ebenfalls das Risiko eines Arbeitsmarktaustritts ersichtlich, welches stark mit dem Alter der Personen zusammenh\u00e4ngt.&#13;<br \/>\nDie Altersangabe bezieht sich auf den Beginn der Arbeitslosigkeitsepisode. \u00c4ltere Personen sind von diesem Schicksal \u00f6fter betroffen. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind etwa Umschulungsschwierigkeiten, geringere Flexibilit\u00e4t, h\u00f6here Lohnkosten oder mangelnde Bereitschaft seitens der Arbeitgeber. Die Erwerbsquote von Personen ab 55 Jahren halbiert sich mit einer Episode der Langzeitarbeitslosigkeit von rund 90% auf rund 45%.&#13;<br \/>\nDie Personen wurden so ausgew\u00e4hlt, dass sie in der beobachteten Zeitspanne in erwerbsf\u00e4higem Alter waren. J\u00fcngeren Personen scheint der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt deutlich leichter zu fallen. Allerdings haben auch 25\u201354-J\u00e4hrige M\u00fche, ganz an die Situation vor der Arbeitslosigkeit anzukn\u00fcpfen, obwohl in der untersuchten Periode recht viele Personen von der Option der Selbstst\u00e4ndigkeit Gebrauch gemacht haben. Bei den 21\u201324-J\u00e4hrigen stieg die Erwerbsquote in den drei Jahren nach der Langzeitarbeitslosigkeit stetig an, weshalb man hier am ehesten davon ausgehen kann, dass sp\u00e4ter wieder eine Erwerbst\u00e4tigkeit aufgenommen wurde.&#13;<br \/>\nUm Auswirkungen von Migrationsfl\u00fcssen auszuschliessen, wurde die Analyse auch f\u00fcr die Schweizer Bev\u00f6lkerung durchgef\u00fchrt. Diese Resultate zeigten keine bedeutungsvollen Abweichungen von den hier pr\u00e4sentierten Gesamtergebnissen.&#13;<\/p>\n<h2>Analyse individueller \u00dcberg\u00e4nge<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie weiter oben beschriebenen Ver\u00e4nderungen des beruflichen Status der Population vor und nach einer Dauererwerbslosigkeit sind das Ergebnis individueller Berufsbiografien mit teilweise h\u00e4ufigen \u00dcberg\u00e4ngen von einem Erwerbsstatus in den anderen. Anhand von sogenannte <i>Transitionsmatrizen<\/i> k\u00f6nnen solche Passagen identifiziert werden und n\u00fctzliche Informationen \u00fcber die Entstehung der oben wiedergegebenen Momentaufnahmen gewonnen werden. Aus den Daten (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>) geht hervor, wie die deutliche Zunahme der beruflich nicht aktiven Personen von 15% auf 43% (und die Abnahme der Erwerbsquote von 85% auf 56,6%) zustande kommt. Der R\u00fcckgang von Arbeitskr\u00e4ften um 28,4 Prozentpunkte ist nicht nur mit dem Ausscheiden von Erwerbst\u00e4tigen aus der Arbeitswelt (7264 von 25&nbsp;556 Personen) zu erkl\u00e4ren. Vielmehr verbergen sich dahinter verschiedene Statuspassagen (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>): 9088 vorher erwerbst\u00e4tige Personen (35,6 Prozentpunkte) werden zu beruflich Inaktiven, was teilweise dadurch aufgefangen wird, dass umgekehrt 1824 Personen, die vorher beruflich inaktiv waren, ein Jahr nachdem sie aus der Phase l\u00e4ngerer Arbeitslosigkeit herausgefunden hatten, nun wieder erwerbst\u00e4tig waren (7,1%).Gem\u00e4ss <i>&#13;<br \/>\n<\/i> besteht eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit, dass Personen den Arbeitsmarkt verlassen, die bereits 12 Monate vorher beruflich inaktiv (52,5%) oder arbeitslos (46,8%) waren, als bei ehemaligen Lohnempf\u00e4ngern (41,7%). Von den 56,6% welche 12 Monate nach einer Langzeitarbeitslosigkeit zur Erwerbsbev\u00f6lkerung geh\u00f6rten, waren 50,5% Lohnempf\u00e4nger, 3,9% Selbst\u00e4ndigerwerbende und 2,2% weiterhin stellensuchend. Personen, welche vor der Langzeitarbeitslosigkeit selbst\u00e4ndig waren, waren zu 13,1% auch ein Jahr nach der Langzeitarbeitslosigkeit wieder bzw. weiterhin selbst\u00e4ndig erwerbst\u00e4tig. Auch ehemalige Lohnempf\u00e4nger (4,2%), ehemalige Stellenlose (3,2%) sowie Personen, die beruflich inaktiv waren (2,1%) nahmen zum Teil sp\u00e4ter eine selbst\u00e4ndige Erwerbst\u00e4tigkeit auf, wobei vor allem M\u00e4nner von dieser M\u00f6glichkeit gebrauch machten.&#13;<br \/>\n5,4% der M\u00e4nner \u00fcben 12 Monate nachdem sie langzeitarbeitslos waren eine selbstst\u00e4ndige T\u00e4tigkeit aus, w\u00e4hrend es bei den Frauen nur 2,2% sind. Diese Variante kommt praktisch nur f\u00fcr Frauen in Frage, die in den 12 Monaten vorher Lohnempf\u00e4ngerinnen oder bereits Selbstst\u00e4ndigerwerbende waren. Neun von zehn Personen, die nach einer Langzeitarbeitslosigkeit selbst\u00e4ndig erwerbst\u00e4tig waren, waren zuvor Lohnempf\u00e4nger. Nur die H\u00e4lfte der Lohnempf\u00e4nger und der beruflich inaktiven Personen befanden sich 12 Monate nach der Episode der Arbeitslosigkeit wieder in der gleichen beruflichen (oder nicht beruflichen) Situation wie 12 Monate zuvor. Dies zeigt, dass die Mobilit\u00e4t insgesamt stark ausgepr\u00e4gt ist. Die wichtigsten Statuspassagen fanden beim \u00dcbergang vom Lohnempf\u00e4nger zur beruflich inaktiven Person statt: Von den knapp 21&nbsp;000 Personen, die 12 Monate bevor sie arbeitslos wurden noch zur Gruppe der Lohnempf\u00e4nger geh\u00f6rten, waren 12 Monate danach 8676 beruflich inaktiv. Demgegen\u00fcber fanden 1674 der vorher beruflich inaktiven Personen den Weg wieder zur\u00fcck in eine unselbstst\u00e4ndige Erwerbst\u00e4tigkeit. Allerdings ist der \u00dcbergang in den neuen Status 12 Monate nach dem Ende einer Episode der Arbeitslosigkeit alles andere als endg\u00fcltig. Analysiert man die Entwicklung im Zeitraum von 12-36 Monaten nach Ende der Arbeitslosigkeit genauer, wird deutlich, dass 32% der Personen weiterhin mobil sind oder im Vergleich zu 24 Monaten vorher ihren Status erneut gewechselt haben. Wenn man die Statuspassagen von beruflich aktiven und inaktiven Personen miteinander vergleicht, dann ergibt sich ein \u00dcbergangssaldo zu Gunsten der ersten Gruppe. Das bedeutet, dass die deutliche Abnahme an Arbeitskr\u00e4ften mit der Zeit teilweise noch kompensiert werden kann (die Erwerbsquote steigt von 56,6% auf 60,7%) \u2212 allerdings weniger durch eine Zunahme der Besch\u00e4ftigung als durch Wiedereintritte in die Arbeitslosigkeit.&#13;<br \/>\nDen 2115 Eintritten in die Arbeitslosigkeit (1665 Lohnempf\u00e4nger, 13 selbstst\u00e4ndig erwerbende Personen, 69 Stellenlose und 368 vorher beruflich inaktive Personen) stehen 559 Austritte gegen\u00fcber.&#13;<\/p>\n<h2>Einzelereignis oder R\u00fcckfallgefahr?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDrei F\u00fcnftel der Personen (62,4%) waren in den drei Jahren bevor sie langzeitarbeitslos wurden nie stellenlos. Auch wenn man die Personen vernachl\u00e4ssigt, die sich schon l\u00e4ngere Zeit am Rande des Arbeitsmarktes befanden,&#13;<br \/>\nBei R\u00fcckf\u00e4llen handelt es sich hier um Personen, die in mindestens 24 von 36 Monaten beruflich inaktiv waren. \u00e4ndert sich das Bild nicht wesentlich (siehe <i>&#13;<br \/>\n<\/i>): 58,8% der Personen waren in den drei Jahren bevor sie ihre Arbeitsstelle verloren nie arbeitslos; 27% der Personen waren in diesem Zeitraum einmal, 9,6% zweimal, 3,2% dreimal arbeitslos; die restlichen 1,4% Personen waren viermal oder mehr (bis zu dreizehnmal) arbeitslos. Bei zwei von f\u00fcnf Langzeitarbeitslosen handelte es sich um einen R\u00fcckfall. Dieses Ergebnis ist unabh\u00e4ngig von Geschlecht und Altersklasse g\u00fcltig.In 70% der F\u00e4lle kommt es in den drei Berufsjahren nach der Episode der Langzeitarbeitslosigkeit zu keiner erneuten Arbeitslosigkeit. Wenn man auch hier jene F\u00e4lle vernachl\u00e4ssigt, die in den drei Jahren nach ihrer Arbeitslosigkeit wenigstens zwei Jahre lang keine T\u00e4tigkeit mehr ausge\u00fcbt haben, so sinkt dieser Anteil auf 55,2%.&#13;<br \/>\nWie schon erw\u00e4hnt, als Folge des bedeutsamen Ph\u00e4nomens des Ausscheidens aus der Arbeitswelt nach einer Episode lang andauernden Arbeitslosigkeit. In 31,7% der F\u00e4lle kommt es in den drei folgenden Jahren einmal zu einem R\u00fcckfall, in 9,3% zweimal, in 2,7% dreimal und in den restlichen 1,1% viermal oder mehr. <i>R\u00fcckf\u00e4lle<\/i> sind demnach hier als Ph\u00e4nomen nicht zu \u00fcbersehen; sie sind etwa Folge eines niedrigen Qualifikationsprofils oder der schwerwiegenden Hypothek der Langzeitarbeitslosigkeit in den Augen der Arbeitgeber und\/oder des geringen Erfolgs der Massnahmen, die zur Wiedereingliederung durchgef\u00fchrt wurden. In Bezug auf <i>Geschlecht und Alterklasse<\/i> passt nur die Gruppe der jungen M\u00e4nner (Altersklasse 21\u201324 Jahre) nicht in das soeben beschriebene Bild, da bei ihnen die R\u00fcckf\u00e4lle im Vergleich zur aktiven Bev\u00f6lkerung nach der Episode der Arbeitslosigkeit \u00fcberdurchschnittlich hoch (51,8%) ausfallen. Bei 35,7% gibt es einen R\u00fcckfall, bei 11,6% zwei,&#13;<br \/>\nBei Frauen und M\u00e4nnern in h\u00f6herem Alter entspricht die Zusammensetzung in etwa dem allgemeinen Bild nach Abzug des recht grossen Anteils an Austritten aus dem Arbeitsmarkt. bei 3,1 drei und bei 1,5% vier oder mehr.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch die hier verwendeten L\u00e4ngsschnittdaten wird das potenzielle Analysefeld des Arbeitsmarktes dahingehend erweitert, dass es m\u00f6glich wird, einen weiten Bogen vom Ausschluss aus der Arbeitswelt bis hin zur Wiedereingliederung zu spannen. Es geht dabei um ein Potenzial, das wir in n\u00e4chster Zukunft nutzen wollen \u2212 und zwar durch eine Ausweitung der beobachteten Bev\u00f6lkerung; durch die Verbindung der Datenbanken der Arbeitslosenversicherung und des Registers der individuellen Konten, die zus\u00e4tzliche Informationen zur Arbeitslosigkeit liefern sowie durch andere administrative Datenbanken, mit deren Hilfe sich etwa die \u00dcberg\u00e4nge zwischen Schule und Arbeitswelt oder das Schicksal von ausgesteuerten Personen erfassen und analysieren lassen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Methodischer Rahmen<\/b>&#13;<\/p>\n<h3>Methodischer Rahmen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nQuelle der Daten&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZu den Aufgaben der Zentralen Ausgleichsstelle in Genf als zentrales Ausf\u00fchrungsorgan der Sozialversicherungen AHV\/IV\/EO geh\u00f6rt unter anderem die Bewirtschaftung einer Reihe von Zentralregistern, die mit Daten von kantonalen und privaten Kassen \u00fcbermittelt werden. Zu diesen z\u00e4hlt auch das <i>Register der individuellen Konten<\/i> (im weiteren IK genannt), das Informationen \u00fcber die Einkommen und Beitragszeiten f\u00fcr die Berechnung von AHV\/IV Renten sammelt. Die AHV\/IV Beitragspflicht beginnt f\u00fcr Erwerbst\u00e4tige ab dem 18. Lebensjahr und f\u00fcr Nichterwerbst\u00e4tige ab dem 21. Lebensjahr. F\u00fcr Analysezwecke stehen uns die IK-Daten der <i>Referenzperiode 1997\u20132007<\/i> zur Verf\u00fcgung. Somit besteht die M\u00f6glichkeit, monatliche Sequenzen von 11 Jahren zu beobachten und zu analysieren. Es sind hingegen jene Personen ausgeschlossen, die in der Referenzperiode niemals Beitr\u00e4ge an die erste S\u00e4ule einbezahlt haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVariablen und methodischer Ansatz&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus dem Register wurde die Population der 25&nbsp;556 Personen (in erwerbsf\u00e4higem Alter w\u00e4hrend des gesamten Zeitraums der Analyse) ausgew\u00e4hlt, die einmal langzeitarbeitslos waren (Beginn der Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres 2002). Als Langzeitarbeitslose wurden Personen ausgew\u00e4hlt, welche w\u00e4hrend mindestens 12 aufeinander folgenden Monaten Arbeitslosenentsch\u00e4digung gem\u00e4ss AVIG bezogen haben.Die IK-Datenbank enth\u00e4lt folgende Variablen: Geschlecht, Alter und Nationalit\u00e4t der Personen, Beitragsart,a wobei anhand letzterer eine Klassifikation des Erwerbsstatus erstellt wurde, die normalerweise <i>vier Kategorien<\/i> umfasst: <i>Lohnempf\u00e4nger<\/i>, <i>selbstst\u00e4ndig erwerbende Personen<\/i> (gem\u00e4ss AHV\/IV-Bestimmungen), <i>Stellenlose<\/i> und <i>beruflich Inaktive<\/i>. Die ersten beiden Kategorien bilden die Besch\u00e4ftigten; Besch\u00e4ftigte und Stellenlose zusammen bilden die Gruppe der aktiven Personen. Der Begriff \u00abinaktiv\u00bb unterscheidet sich von jenem, welcher h\u00e4ufig in der \u00f6ffentlichen Statistik verwendet wird. 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Dabei werden Berufsbiografien innerhalb von drei Jahren vor und nach der Langzeitarbeitslosigkeit analysiert. Das Forschungsprojekt geht folgenden Fragen nach: Wie wird man langzeitarbeitslos? Sind spezielle Verhaltensweisen bei Langzeitarbeitslosen erkennbar? Handelt es sich bei der Langzeitarbeitslosigkeit um eine einmalige Episode, oder gibt es h\u00e4ufig R\u00fcckf\u00e4lle? Wie vielen, wem und wodurch gelingt der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt? 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