{"id":120494,"date":"2011-07-01T12:00:00","date_gmt":"2011-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/07\/egger-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:53","slug":"egger-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/07\/egger-5\/","title":{"rendered":"Die Rolle des Privatsektors in der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit im Wandel"},"content":{"rendered":"<p>Im Verlaufe der letzten f\u00fcnfzig Jahre entstand eine Vielzahl von Entwicklungstheorien, welche einerseits versuchten, die Unterentwicklung der ehemaligen Kolonialgebiete zu erkl\u00e4ren und anderseits Strategien zur \u00dcberwindung dieses Zustandes zu entwickeln. Diese Theoriebildung fand im Wettstreit zwischen liberal und marxistisch orientierten \u00d6konomen statt. Inzwischen hat sich die \u00dcberlegenheit des marktwirtschaftlichen Modells in der Realit\u00e4t gezeigt. Geblieben ist hingegen die Unterentwicklung weiter Teile der Erde. Im Folgenden wird aufgezeigt, welche Rolle der Privatsektor in der Entwicklungszusammenarbeit spielen soll und wie sich die Ansichten dar\u00fcber gewandelt haben. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201107_12_Egger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"248\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltige Entwicklung verlangt unternehmerisches Handeln<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie neueren Ans\u00e4tze der entwicklungstheoretischen Diskussion stehen alle unter dem Dach der nachhaltigen Entwicklung mit den drei Bereichen Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Die marktwirtschaftlichen Elemente \u2212 wie Privateigentum, Privatinitiative, freie Preisbildung, kurz: die Beschr\u00e4nkung der Rolle des Staates auf die Setzung optimaler Rahmenbedingungen \u2212 bilden die Basis f\u00fcr eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung. Daneben haben die sozialen Elemente \u2212 wie gleiche Zugangschancen, \u00f6ffentliche Auffangnetze, politische Partizipation und Armutsbek\u00e4mpfung \u2212 ebenfalls ihren geb\u00fchrenden Platz erhalten. Als dritter Bereich sind \u2212 sp\u00e4testens seit der <i>UNCED-Konferenz<\/i>&#13;<br \/>\nUnited Conference on Environment and Development. <i>von Rio (1992)<\/i> \u2212 die \u00f6kologischen Anliegen eingeflossen. Damit wird <i>Entwicklung als lenkbarer Prozess<\/i> verstanden, der zwei institutionellen Endzielen zustrebt: zum einen die Verwirklichung des demokratischen Rechtsstaates, in welchem die Zivilgesellschaft den Staat kontrolliert; zum andern die Etablierung einer pluralistischen marktwirtschaftlichen Ordnung, welche durch Wettbewerb der Wirtschaftsakteure und gesetzgeberische Massnahmen im sozialen und umweltpolitischen Bereich begrenzt wird. Ein effizienter staatlicher Sektor ist demnach eine notwendige Erg\u00e4nzung zur Privatwirtschaft. Die Glaubw\u00fcrdigkeit dieses staatlichen Sektors bildet letztlich die Voraussetzung f\u00fcr private Investitionen, was nur gelingt, wenn das Verhalten der staatlichen Akteure den Kriterien guter Regierungsf\u00fchrung gen\u00fcgt. Es gilt mittlerweilen als gesicherte Erkenntnis, dass nachhaltige Entwicklung nicht nur aus wirtschaftlichem Wachstum besteht, aber dass ohne wirtschaftliches Wachstum kein Entwicklungsprozess nachhaltig sein kann. Dynamisches Wachstum entsteht nur, wenn Unternehmerinnen und Unternehmer bereit sind, Risiken einzugehen, Investitionen vorzunehmen und so Gewinn und Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen. In den letzten zehn Jahren erlebten wir eine Verschiebung der wirtschaftlichen Dynamik nach Asien. Dies dr\u00fcckt sich etwa im st\u00e4ndig steigenden Anteil Asiens an der globalen Wirtschaft aus. Betrug der Anteil von Indien und China am globalen BIP 1970 erst 9%, liegt dieser 2009 bereits bei 28% (Kaufkraftparit\u00e4t 1990 in US-Dollars). Diese L\u00e4nder konnten erst zu diesem Wachstumsschub ansetzen, als dem privaten Unternehmertum keine Steine mehr in den Weg gelegt wurden. In Indien herrschte lange Jahre eine protektionistische Politik zum Schutz einzelner ineffizienter Sektoren (z.B. Fahrzeugbau), w\u00e4hrend in der VR China das private Unternehmertum aus ideologischen Gr\u00fcnden nicht zugelassen wurde. Indien z\u00e4hlt zwar immer noch zu den armen Staaten, will interessanterweise aber keine Unterst\u00fctzung in Form von Entwicklungshilfegeldern mehr beziehen. Daher stellt sich die Frage, mit welchen Instrumenten Wachstumsprozesse in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern in Gang gesetzt werden k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Was Entwicklungszusammenarbeit zum Wachstumsprozess beitragen kann<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnalog zum Wandel bei den Entwicklungstheorien haben sich auch in der Entwicklungszusammenarbeit im Verlaufe der Zeit erhebliche Paradigmenwechsel ergeben. Das zeigt sich auch beim diesj\u00e4hrigen R\u00fcckblick der Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) \u00fcber ihr 50-j\u00e4hriges Wirken. Wir k\u00f6nnen hier diesen Wandel aus Platzgr\u00fcnden nicht im Einzelnen nachzeichnen, doch l\u00e4sst sich feststellen, dass heute im Allgemeinen die Privatinitiative als wichtiges Kriterium f\u00fcr die Nachhaltigkeit von Entwicklungsprogrammen angesehen wird. Richtigerweise wird auch betont, dass sich Entwicklungsprojekte und -programme in die Strategien der Partnerl\u00e4nder integrieren sollten. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Umsetzung im Sinne der <i>Pariser Deklaration der OECD<\/i> zum Einsatz der Mittel am richtigen Ort f\u00fchrt. Gem\u00e4ss diesen Prinzipien sollten alle Finanzfl\u00fcsse der Entwicklungszusammenarbeit \u00fcber die Verwaltungen der Partnerl\u00e4nder fliessen. Wenn ein Land eine funktionierende Verwaltung aufweist, welche die Forderung nach guter <i>Regierungsf\u00fchrung<\/i> erf\u00fcllt, mag dies Sinn machen. Doch zeichnen sich gerade die armen L\u00e4nder durch schlecht und oft korrupt funktionierende Verwaltungen aus. In solchen F\u00e4llen ist die Kontrolle \u00fcber den Einsatz der Mittel nur schwer m\u00f6glich. Das gilt auch f\u00fcr die in den letzten 10 Jahren wieder in Mode gekommene Budgethilfe. In j\u00fcngster Zeit werden vermehrt Zweifel an deren Wirksamkeit laut, doch d\u00fcrfte es schwierig sein, die gemachten Zusagen bez\u00fcglich Mittelverteilung \u00fcber die Partnerstaaten wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Wenn heute die Armutsreduktion als zentrales Prinzip in allen Programmen betont wird, ist dies eigentlich nichts Neues, war dies doch immer das grundlegende Motiv f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit \u2013 auf jeden Fall bei privaten Organisationen. Die Armut wird verringert, wenn Einkommen und Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Arme geschaffen werden. Dies geschieht nur, wenn sich Unternehmen entwickeln k\u00f6nnen. Ob dies nun international t\u00e4tige Firmen oder lokal verankerte KMU sind, ist irrelevant, solange durch deren T\u00e4tigkeit Armen der Zugang zu M\u00e4rkten geschaffen wird. Aus umgekehrter Optik bedeutet dies, die Armen als Markt mit Wachstumspotenzial zu sehen, wie dies <i>C.K. Prahalad<\/i> mit seinem Konzept <i>The Bottom of the Pyramid<\/i> dargelegt hat. Dieses Prinzip wird in der Entwicklungszusammenarbeit als <i>Making Markets work for the Poor<\/i> bezeichnet \u2013 in der Schweiz erfolgreich von Swisscontact umgesetzt. Dieser Ansatz setzt eine systemische Sichtweise voraus, bei welcher die Schwachpunkte in einer lokalen \u00d6konomie analysiert und daraus Massnahmen abgeleitet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Armen den Marktzugang erm\u00f6glichen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Ansatz geht davon aus, dass nachhaltige Ver\u00e4nderungen zugunsten der Armen nur dann entstehen, wenn das \u00f6konomische System bzw. seine politischen und institutionellen Rahmenbedingungen ge\u00e4ndert werden (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Das sind einerseits die Regeln, welche einen Markt steuern. Anderseits sind es aber auch die Infrastruktur \u2212 wie z.B. Strassen in abgelegenen Gegenden. Damit zuvor Ausgeschlossene am jeweiligen Markt teilnehmen k\u00f6nnen (inkl. Arbeitsmarkt), ben\u00f6tigen sie den Zugang zu Wissen und Ressourcen \u2212 wie z.B. Finanzen oder Land. Dazu m\u00fcssen die Akteure im jeweiligen System die Armen als Marktpotenzial erkennen und ihre Produkte und\/oder Dienstleistungen auf diese ausrichten. Angeregt und unterst\u00fctzt wird dieser Prozess durch einen Akteur von ausserhalb des Systems \u2212 z.B. durch eine Entwicklungsorganisation wie Swisscontact. Diese Rolle als <i>Facilitator<\/i> ist entscheidend f\u00fcr die Nachhaltigkeit der Ver\u00e4nderungen. Wenn sich n\u00e4mlich eine Organisation nicht an die Regeln h\u00e4lt und direkt im System interveniert, sind die Ver\u00e4nderungen nicht nachhaltig. Somit setzt dieser Ansatz voll auf die Privatinitiative der Akteure. Diese sollen auch durch ihre aktive Teilnahme am Politikdialog den Staat dazu bringen, seine Leistungen (z.B. Infrastruktur, Bildungswesen, Fiskalpolitik etc.) zugunsten der Armen zu erbringen. Bei der Entwicklung der Projektinterventionen ist es entscheidend, dass keine Massnahmen unterst\u00fctzt werden, welche private Akteure vom Markt verdr\u00e4ngen. So d\u00fcrfen z.B. Ausbildungskurse nicht gratis angeboten werden. Oder wenn Bauern einer Region ihre Produkte zu einem h\u00f6heren Preis anbieten und daher weniger verkaufen als andere, soll nicht mittels Subventionen das Angebot kurzfristig verbilligt werden. Vielmehr muss versucht werden, die Produktion effizienter zu gestalten oder die Verhandlungsmacht durch den Zusammenschluss zu einer Vereinigung von Gesch\u00e4ftsleuten zu st\u00e4rken. Lokal bestehende Anbieter k\u00f6nnen durch Projektaktivit\u00e4ten dazu gebracht werden, ihre Angebote auf die Armen auszurichten.All diese Projektaktivit\u00e4ten zielen darauf ab, das betreffende Marktsystem so zu ver\u00e4ndern, dass die Armen Zugang zu M\u00e4rkten und Ressourcen erhalten. Die Wettbewerbsf\u00e4higkeit dieser Kleinunternehmen kann etwa durch Ausbildungskurse verbessert werden; so lassen sich dann h\u00f6here Einkommen generieren. Damit wird letztlich die Armut reduziert, was oberstes Ziel der Entwicklungszusammenarbeit ist.&#13;<\/p>\n<h2>Globale Herausforderungen f\u00fcr die internationale Zusammenarbeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bev\u00f6lkerungsbewegungen der letzten Jahre machen immer deutlicher, dass zuk\u00fcnftige Herausforderungen f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit in den st\u00e4dtischen R\u00e4umen liegen werden. Der Urbanisierungsprozess kann nicht gestoppt, sondern h\u00f6chstens die unkontrollierte Migration in die Metropolen mit einer wie oben skizzierten Industrialisierungsstrategie etwas gebremst werden. Bez\u00fcglich Priorit\u00e4ten der Entwicklungspolitik bedeutet dies \u2212 neben der traditionellen Entwicklung l\u00e4ndlicher R\u00e4ume \u2212 in Zukunft mitzuhelfen, gewerbliche und industrielle Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr unter prek\u00e4ren Bedingungen lebende Massen in den st\u00e4dtischen R\u00e4umen zu schaffen. Denn f\u00fcr sie gibt es kein Zur\u00fcck mehr in die D\u00f6rfer, aus denen sie gekommen sind. Erfolgreiche industrielle Entwicklung basiert auf der Schaffung eines Umfeldes, das die Anstrengungen einzelner Firmen oder Gruppen von Unternehmen unterst\u00fctzt und verst\u00e4rkt. In der globalisierten Konkurrenz k\u00f6nnen nur diejenigen Unternehmen bestehen, welche dank gemeinsamer Anstrengungen privater und \u00f6ffentlicher Organisationen ihre Standortvorteile nutzen k\u00f6nnen. Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist in diesem Sinne systemisch, weil der Erfolg nur aus dem Wechselspiel richtig gesetzter Rahmenbedingungen der <i>Makropolitik,<\/i> unternehmerischer F\u00e4higkeiten der Akteure auf der <i>Mikroebene<\/i> sowie einer Reihe von Institutionen auf der <i>Mesoebene<\/i> \u2212 wie Netzwerke von Unternehmen, Nachfrage orientierte Aus- und Weiterbildungsangebote, rascher Informationsfluss, Anbieter von Business Dienstleistungen oder leistungsf\u00e4hige Sektor- und Umweltpolitiken \u2212 entstehen kann.Die Bem\u00fchungen der Entwicklungszusammenarbeit k\u00f6nnen nur erg\u00e4nzend zur globalen T\u00e4tigkeit der Privatwirtschaft wirken. Deren Kritiker sehen das allerdings anders; immer wieder wird der Ruf laut, dass global t\u00e4tige Firmen zusammen mit der \u00f6ffentlichen Hand Projekte realisieren sollten <i>(Public Private Partnerships).<\/i> Gleichzeitig wird auch seitens gewisser NGOs verlangt, dass sich Direktinvestitionen in \u00e4rmere L\u00e4nder verlagern sollten. Beide Forderungen zielen an der Realit\u00e4t vorbei: Die Privatwirtschaft hat andere Ziele als die mit \u00f6ffentlichen Mitteln finanzierte Entwicklungszusammenarbeit. Zudem kommt hier eine europazentrierte Sichtweise zum Tragen. Mittlerweilen sind Firmen gerade aus der VR China, Indien, S\u00fcdafrika, Brasilien l\u00e4ngst dabei, in L\u00e4ndern des S\u00fcdens zu investieren. China verfolgt eine gezielte Strategie in Afrika, bei der nicht nur im Tausch gegen agrarische Landnutzung Infrastrukturen wie Strassen, H\u00e4fen oder Eisenbahnen erstellt, sondern auch Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr ihre Produkte geschaffen werden. Chinesische Firmen stellen vor Ort Produkte f\u00fcr <i>the bottom of the pyramid<\/i> her, wie etwa g\u00fcnstige Textilien, Schuhe oder Fahrr\u00e4der. Die Produktion erfolgt allerdings weitgehend mit chinesischen Arbeitskr\u00e4ften. So sollen unterdessen ca. 1 Mio. chinesische Landarbeiter in Afrika t\u00e4tig sein. Auch in der Agrarforschung wurden inzwischen dreizehn chinesisch finanzierte Zentren in Afrika geschaffen. Die afrikanischen Konsumenten kaufen diese industriellen Produkte gerne und akzeptieren den Export von energiereichen Agrarrohstoffen als Gegenleistung. Es stellt sich die Frage, ob die Entwicklungszusammenarbeit in Afrika einmal mehr die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat und der wirtschaftlich motivierten Marktentwicklung hinterherhinkt. Diese Entwicklungen nur positiv zu sehen, w\u00e4re aber zu simpel.&#13;<\/p>\n<h2>Bedeutung der Armen f\u00fcr die Privatwirtschaft als Teil der Gesch\u00e4ftsstrategie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVielen Unternehmensf\u00fchrungen international t\u00e4tiger Firmen ist l\u00e4ngst klar geworden, dass auch \u00e4rmere L\u00e4nder in ihren Entwicklungsstrategien eine wichtige Rolle spielen k\u00f6nnen. F\u00fcr Direktinvestitionen m\u00fcssen jedoch die Rahmenbedingungen gerade in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern verbessert werden <i>(Good Governance).<\/i> Der Druck auf die jeweiligen Regierungen m\u00fcsste in diesem Bereich in erster Linie von den globalen Institutionen der UNO ausgehen. \u00dcber solche Institutionen k\u00f6nnen auch Initiativen zur Absicherung von Naturkatastrophen abgewickelt werden. So entwickelt die <i>Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB)<\/i> zusammen mit <i>Swiss Re<\/i> ein Risiko Management System f\u00fcr Lateinamerika. Dabei geht es einerseits um den Aufbau von Rettungssystemen, anderseits aber auch um Versicherungsl\u00f6sungen. Denn in Entwicklungsl\u00e4ndern ist meistens nur der kleinste Teil der Verm\u00f6genswerte versichert. Dem Staat kommt bei diesen langfristig orientierten Ans\u00e4tzen \u2212 zusammen mit der IDB \u2212 eine entscheidende Rolle zu. So kann der Wiederaufbau nach Naturkatastrophen rascher an die Hand genommen und <i>Moral Hazard<\/i>-Probleme eher umgangen werden.In Wertsch\u00f6pfungsketten leisten immer mehr Firmen \u2212 vor allem im Agrarbereich \u2212 wichtige Entwicklungsbeitr\u00e4ge in l\u00e4ndlichen Regionen. So tr\u00e4gt etwa <i>Nestl\u00e9<\/i> in Milchsammelsystemen wesentlich zur Alphabetisierung in L\u00e4ndern wie Pakistan bei. Gleichzeitig wird die Milchleistung der K\u00fche verbessert, was zu h\u00f6heren Einkommen f\u00fchrt. <i>Syngenta<\/i> betreibt \u00fcber ihr Vertriebssystem landwirtschaftliche Beratung f\u00fcr Bauern in Bangladesch. Im Versicherungswesen hat <i>Allianz<\/i> in Indonesien \u2212 dank Zusammenarbeit mit Swisscontact \u2212 Kleinunternehmer als Kundengruppe entdeckt. Sie passte ihre Produkte bez\u00fcglich Preisgestaltung, Risikomanagement und Zahlungskonditionen den M\u00f6glichkeiten der neuen Kundschaft an.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAn diesem Punkt treffen sich dann \u00f6ffentlich finanzierte Entwicklungszusammenarbeit und Privatwirtschaft wieder. Letztlich geht es darum, die Privatinitiative der Armen zu aktivieren, indem ihnen der Zugang zu M\u00e4rkten erm\u00f6glicht wird. Dies geschieht einerseits durch marktwirtschaftliche Mechanismen und anderseits durch Bildungsanstrengungen \u2013 beides jedoch nur durch Preisanreize nachhaltig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abMarktsystem: Rahmenbedingungen und Akteure\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Verlaufe der letzten f\u00fcnfzig Jahre entstand eine Vielzahl von Entwicklungstheorien, welche einerseits versuchten, die Unterentwicklung der ehemaligen Kolonialgebiete zu erkl\u00e4ren und anderseits Strategien zur \u00dcberwindung dieses Zustandes zu entwickeln. Diese Theoriebildung fand im Wettstreit zwischen liberal und marxistisch orientierten \u00d6konomen statt. Inzwischen hat sich die \u00dcberlegenheit des marktwirtschaftlichen Modells in der Realit\u00e4t gezeigt. 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