{"id":120499,"date":"2011-07-01T12:00:00","date_gmt":"2011-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/07\/egler-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:04","slug":"egler-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/07\/egler-3\/","title":{"rendered":"Freiwillige private Standards als marktorientierte Instrumente einer nachhaltigen Handelspolitik"},"content":{"rendered":"<p>Mit der zunehmenden Rohstoffknappheit, der Weltern\u00e4hrungskrise und den Herausforderungen in den Bereichen Klima und Biodiversit\u00e4t gewinnt ein schonender Umgang mit Ressourcen und deren effiziente Nutzung zunehmend an Bedeutung. Die internationalen Regelwerke tragen dem heute nur beschr\u00e4nkt Rechnung. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) unterst\u00fctzt deshalb im Rahmen der Handelsf\u00f6rderung die Schaffung und Anwendung von freiwilligen privaten Standards, die als marktorientierte Instrumente f\u00fcr die Umsetzung einer nachhaltigen Handelspolitik eine wichtige L\u00fccke zwischen den verschiedenen internationalen Regelungen im Handels-, Umwelt- und Sozialbereich schliessen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201107_07_Egler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"248\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Globalisierung des Handels und die damit verbundene internationale Arbeitsteilung, aber auch die zunehmende Komplexit\u00e4t der Produktionsprozesse verlangen nach transparenten, international verbindlichen Richtlinien. Neben Qualit\u00e4t, Gesundheit, Sicherheit und Hygiene stellen heute Konsumenten, Konsumentenschutzorganisationen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Bezug auf den Produktionsprozess vermehrt auch Anforderungen an den Umwelt- und Sozialbereich. Damit sehen sich viele Unternehmen mit neuen Risiken konfrontiert, die sie zu einer verantwortungsbewussten Unternehmensstrategie veranlassen, einer <i>Corporate Social Responsability (CSR).<\/i>Da die Bestimmungen der internationalen Regelwerke die neuen Anforderungen der M\u00e4rkte in Bezug auf Umwelt- und Sozialkriterien, aber auch technische Qualit\u00e4tsmerkmale nicht gen\u00fcgend abdecken, hat der Privatsektor eine Vielzahl von freiwilligen privaten Standards ins Leben gerufen. Freiwillige private Standards sind Verhaltensnormen, die auf privater Ebene Kriterien f\u00fcr Prozess- und Produktionsmethoden festlegen und diese einer unabh\u00e4ngigen Zertifizierung unterziehen. Einerseits spielen sie eine tragende Rolle f\u00fcr die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in den Produzentenl\u00e4ndern, weil sie \u00fcber die Einf\u00fchrung von effizienteren, Ressourcen schonenden Produktionsmethoden soziale und \u00f6kologische Verbesserungen bewirken und zur Steigerung der Produktivit\u00e4t beitragen. Andererseits dienen sie zur \u00dcberwindung des in verschiedenen L\u00e4ndern unterschiedlichen Umgangs mit gesetzlichen Normen, die nicht einheitlich sind oder nicht eingehalten werden und international t\u00e4tige Unternehmen zunehmend vor Schwierigkeiten stellen. Die Anwendung von freiwilligen privaten Standards gew\u00e4hrt dem internationalen Eink\u00e4ufer eine transparente R\u00fcckverfolgbarkeit zum Produzenten und f\u00fchrt zu einer Minderung m\u00f6glicher Reputationssch\u00e4den, die infolge Nichteinhaltens von international anerkannten Umwelt- und Sozialvorschriften entstehen k\u00f6nnten.&#13;<\/p>\n<h2>Internationale Regelwerke mit L\u00fccken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit dem Abschluss der <i>Uruguay-Runde (GATT-WTO)<\/i> und der weitgehenden Zollreduktion auf G\u00fcter seitens zahlreicher Industriel\u00e4nder hat sich das Hauptinteresse der Handelsteilnehmer auf die sogenannten <i>technischen Handelshemmnisse<\/i>&#13;<br \/>\nTechnical Barriers to Trade, TBT. sowie gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Massnahmen&#13;<br \/>\nSanitary and Phytosanitary Measures, SPS. verlagert. Bei den internationalen Handels-, Sozial- und Umweltregeln bestehen diesbez\u00fcglich jedoch Asymmetrien, die noch ungen\u00fcgend gel\u00f6st sind. So unterscheidet das internationale Handelsregelwerk der WTO f\u00fcr eine handelspolitisch unterschiedliche Behandlung der Produkte nur nach Eigenschaften des Endproduktes und nicht nach Herstellungsart bzw. <i>Prozess- und Produktionsmethoden (PPM).<\/i> In den Sozialregelwerken&#13;<br \/>\nBeispielsweise die \u00dcbereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation. und den Umweltregelwerken&#13;<br \/>\nZum Beispiel die Klima- und Baslerkonventionen. hingegen sind f\u00fcr Mensch und Natur gef\u00e4hrliche Substanzen oder Emissionen ausschlaggebend, die durch nachhaltige Produktionsmethoden eliminiert oder reduziert werden. Damit besteht ein Zielkonflikt zwischen der WTO und Sozial- und Umwelt\u00fcbereinkommen, der bis anhin ein konsistentes internationales Regelwerk verhindert hat.Heutzutage ist die Frage der Nachhaltigkeit von Produktionsprozessen bei Produzenten, international t\u00e4tigen Unternehmen und Konsumenten allgegenw\u00e4rtig und absolut zentral. Entsprechend steht die WTORegel, ein Produkt unabh\u00e4ngig des Produktionsprozesses als \u00ablike product\u00bb oder vermeintlich gleichwertig zu betrachten, zunehmend im Widerspruch zur Marktrealit\u00e4t. Stabile, auf nationaler und internationaler Ebene verbindliche Rahmenbedingungen w\u00e4ren ein klarer Wegweiser f\u00fcr den internationalen Handel. Ein differenzierter Umgang mit PPM auf WTO-Ebene k\u00f6nnte zudem eine unterschiedliche Zollbehandlung und damit einen Anreiz f\u00fcr nachhaltige Produktionsprozesse bedeuten. Dennoch ist ein solches System gegenw\u00e4rtig international keine Verhandlungsoption.&#13;<\/p>\n<h2>Freiwillige private Standards im Aufwind<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFreiwillige private Standards helfen, diese L\u00fccken bei den Regelwerken und der internationalen Handelspolitik zu schliessen. So werden Standards f\u00fcr nachhaltige PPM weltweit auf freiwilliger Basis mit Erfolg umgesetzt: 2010 stammten beim internationalen Teehandel 10% aus zertifizierter Produktion. Im Kaffeesektor, ein Markt mit 90 Mrd. US-Dollar, waren es 8% des globalen Kaffeeexports (vgl. <i>Grafik 1<\/i>). Der weltweite Marktanteil von zertifizierten Bananen ist in den letzten zehn Jahren von 1% auf 22% angestiegen.Von unabh\u00e4ngigen Stellen zertifizierbare Standardsysteme sind zur Zeit vor allem im Landwirtschaftssektor verbreitet. F\u00fcr die verarbeitende Industrie besteht noch Handlungsbedarf, obschon im Industriebereich das Potenzial, aber auch die Anspr\u00fcche bez\u00fcglich \u00abgreen economy\u00bb und sozialvertr\u00e4glicher Prozesse mindestens so hoch sind. Erfahrungen bei ISO-Normen oder dem privaten Sozialstandard SA8000 zeigen, dass sich gerade in der Industrie die Umsetzung von Standards auch wirtschaftlich lohnt: Durch Ressourceneffizienz (Energie- und Rohstoffverbrauch, Abfall, Wasser, Emissionen und Gesundheitsrisiken) und Verbesserungen auf sozialer Ebene (Motivation und Selbstverantwortung der Arbeitskr\u00e4fte, Reduktion von Unf\u00e4llen und Absenzen) k\u00f6nnen die Produktionskosten erheblich reduziert werden. Obwohl freiwillige private Standards reine Marktinstrumente sind und per se nicht direkt den zwischenstaatlichen \u00dcbereinkommen unterliegen, sollten sie so ausgestaltet werden, dass sie die Kompatibilit\u00e4t mit den Grunds\u00e4tzen dieser Abkommen sicherstellen. Damit wird verhindert, dass sich gutgemeinte Nachhaltigkeitskriterien zu neuen oder zus\u00e4tzlichen technischen Handelsh\u00fcrden f\u00fcr Produzenten entwickeln.&#13;<\/p>\n<h2>Der Staat als subsidi\u00e4re Triebkraft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRegierungen in den Produzenten- und Geberl\u00e4ndern sollten daf\u00fcr sorgen, dass private Standards den Zielen einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung dienen. Eine Weltbank-Studie zum peruanischen Spargelanbau und kenianischen Gem\u00fcsesektor hat gezeigt, dass Regierungen in Produzentenl\u00e4ndern, die sich aktiv um die Entwicklung und Umsetzung von Standards bem\u00fchen und in entsprechende Strukturen zur Einhaltung solcher Standards investieren, grosse Erfolge verbuchen k\u00f6nnen.Eine entscheidende Rolle spielen aber auch die Geberl\u00e4nder, die freiwilligen privaten Standards durch subsidi\u00e4re Unterst\u00fctzung zum Durchbruch verhelfen k\u00f6nnen. Die Schweiz hat das Potenzial der freiwilligen privaten Standards fr\u00fch erkannt. Der <i>Bericht Umsetzung der Strategie des Bundesrates zur nachhaltigen Entwicklung,<\/i> 2000 <i>(Massnahme Nr. 6<\/i> \u00ab<i>Anerkennung und F\u00f6rderung von Labels<\/i>\u00bb<i>)<\/i> h\u00e4lt fest: \u00abLabels sind ein marktkonformes Instrument der Umwelt- und Sozialpolitik, das auf Information und Motivation sowie das Umwelt- und Sozialengagement von Produzenten und Verbrauchern setzt. Diese Information bewegt den Verbraucher dazu, gerade dieses Produkt und kein anderes zu kaufen. Dieses Verhalten hat eine R\u00fcckwirkung auf das Produkt und die Produktionsmethode <i>(Process and Production Methods)<\/i>.\u00bb Mit dem Entwicklungshilfegesetz hat das Parlament zudem die M\u00f6glichkeit geschaffen, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit handelspolitische F\u00f6rdermassnahmen zu definieren, welche die Unterst\u00fctzung von freiwilligen privaten Standards miteinschliessen.&#13;<\/p>\n<h2>Seco-Engagement f\u00fcr freiwillige private Standards<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm das oberste Ziel eines nachhaltig ausgerichteten Handels mit Entwicklungsl\u00e4ndern zu erreichen, unterst\u00fctzt das Seco im Rahmen der Handelsf\u00f6rderung freiwillige private Standards mit Aktivit\u00e4ten auf verschiedenen Ebenen.&#13;<\/p>\n<h2>Aufbau von Standards schafft Marktzugang<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Aufbau von freiwilligen privaten Standards antwortet auf die grosse Nachfrage nach sozial- und umweltvertr\u00e4glich produzierten G\u00fctern und steigert beim Verbraucher ein sozial- und umweltbewusstes Kaufverhalten. F\u00fcr die Produzenten wiederum bedeuten sie einen verbesserten Marktzugang. Eine Vorreiterrolle spielte das Fairtrade-Label, das den Produzenten aus dem S\u00fcden im Nischenmarkt seit mehr als zwanzig Jahren langfristige und privilegierte Handelsbeziehungen und einen besseren Preis garantiert. Neue Initiativen f\u00fcr Masseng\u00fcter, in der mit einem Nicht-Label-Ansatz Vertreter der Industrie, lokaler Produzenten und Nichtregierungsorganisationen zusammen ebenfalls Nachhaltigkeitsstandards entwickeln und auf demokratischer Basis vereinbaren, erh\u00f6hen die Breitenwirkung.&#13;<\/p>\n<h2>Umsetzung von Standards verbessert Wettbewerbsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDamit die Produzenten aus Entwicklungsl\u00e4ndern einen m\u00f6glichst grossen Vorteil aus der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstandards erzielen k\u00f6nnen, werden sie von der Anwendung bis hin zur Verifizierung bzw. Zertifizierung mit Ausbildung und massgeschneiderter Beratung unterst\u00fctzt. Ausbildung ist in diesem Zusammenhang zentral, weil gut geschulte Produzenten ihr Schicksal letztlich selbst in die Hand nehmen und \u00fcber Produktqualit\u00e4t, Effizienz und Nachhaltigkeit ihre internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit verbessern. Mit Finanzierungsm\u00f6glichkeiten oder finanzieller Unterst\u00fctzung zur Deckung der Umsetzungskosten wird sichergestellt, dass sich auch weniger finanzstarke Kleinproduzenten an den privaten Standards und nachhaltigen Wertsch\u00f6pfungsketten beteiligen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Informationsvermittlung f\u00f6rdert Bewusstsein<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Zugang zu Informationen ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Information beginnt mit dem Bewusstsein der Produzenten um die Vorteile nachhaltiger Produktionsmethoden und mit einer realistischen Einsch\u00e4tzung und Abw\u00e4gung der zu erwartenden Kosten und Nutzen der verschiedenen Standards. Nur dadurch haben sie die M\u00f6glichkeit, die f\u00fcr sie beste Option zu w\u00e4hlen. Ein breiter Zugang zu Informationen erlaubt Produzenten und Herstellern, die Entwicklungen lokaler und globaler M\u00e4rkte vorauszusehen, ihre Produktionsmethoden den sich \u00e4ndernden Konsumbed\u00fcrfnissen anzupassen und damit von den neuen Marktvoraussetzungen zu profitieren. Die verbesserte Kommunikation und die Vermittlung von Know-how entlang der Lieferkette durch engere, auf verbindlichen Standards beruhende Handelsbeziehungen reduzieren die Transaktionskosten, die oft eine betr\u00e4chtliche H\u00fcrde f\u00fcr die Teilnahme am Welthandel darstellen.&#13;<\/p>\n<h2>Harmonisierung steigert Breitenwirkung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Harmonisierung von Standardsystemen und Ausbildungsprogrammen sowie die gegenseitige Anerkennung der Zertifizierungskriterien k\u00f6nnen die Kosten f\u00fcr die Produzenten weiter senken und gleichzeitig die Breitenwirkung solcher Initiativen vergr\u00f6ssern. Von den \u00abguten Praktiken\u00bb bez\u00fcglich Standardsetzung und -anwendung, Zertifizierung und Akkreditierung \u2013 wie sie die <i>Iseal<\/i><i>Alliance,<\/i>&#13;<br \/>\nInternational Social and Environmental Accreditation and Labelling. ein Zusammenschluss f\u00fchrender Labelorganisationen, festlegt \u2013 k\u00f6nnen alle Marktteilnehmer in der Wertsch\u00f6pfungskette profitieren: die Produzenten, der Handel, die Detaillisten und nicht zuletzt die informierten, kritischen Konsumentinnen und Konsumenten (vgl. <i>Grafik 2<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Private Standards auf dem Pr\u00fcfstand<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZu Recht wird heute auch einer umfassenden und fundierten <i>Wirkungsanalyse<\/i> von freiwilligen privaten Standards eine zentrale Bedeutung beigemessen. So hat das Seco aufgrund seines umfangreichen Engagements im Standardbereich die erste wissenschaftlich abgest\u00fctzte Wirkungsanalyse des <i>Committee on Sustainable Assessment (Cosa)<\/i> finanziert. Sie vergleicht den Nutzen unterschiedlicher Labels f\u00fcr die Produzenten und misst deren Entwicklungswirkung. Mit <i>The State of Sustainability Initiatives Review 2010<\/i> (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>The State of Sustainability Initiatives Review 2010<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>The State of Sustainability Initiatives Review 2010 ist die erste Ausgabe einer Bewertung von freiwilligen privaten Initiativen, die regelm\u00e4ssig deren Entwicklung und Markttrends verfolgen und beurteilen soll. Sie will das Verst\u00e4ndnis \u00fcber die Eigenschaften und die Wirkung von Standards erh\u00f6hen und damit nicht nur diese selbst verbessern, sondern auch auf nationaler und internationaler Ebene eine Handelspolitik im Sinne nachhaltiger Standards beg\u00fcnstigen.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) liegt nun auch ein umfassender Bericht vor, der eine Auslegeordnung von freiwilligen privaten Standards betreffend Eigenschaften und Kennzahlen, Leistungen und Ergebnissen sowie den aktuellen Markttrends liefert.Die Cosa-Studie hat bei einem ihrer Pilotprojekte im Kaffeesektor in Tansania, wo mehr als 2 Mio. Menschen ihren Lebensunterhalt vollumf\u00e4nglich oder teilweise mit Kaffee verdienen, auf allen drei Ebenen der nachhaltigen Entwicklung und Vorteile der zertifizierten gegen\u00fcber der konventionellen Produktion nachgewiesen. So erh\u00f6ht die nachhaltige Produktion \u00fcber die sozialen&#13;<br \/>\nBeispielsweise die St\u00e4rkung des sozialen Kapitals durch Ausbildung oder h\u00f6here Einschulungsrate bei Kindern. und \u00f6kologischen&#13;<br \/>\nZum Beispiel die Verhinderung von Erosion oder Erhalt von Ressourcen. Vorz\u00fcge hinaus auch das verf\u00fcgbare Nettoeinkommen. Dieses beruht <i>direkt<\/i> auf dem besseren Preis oder Aufpreis <i>(Premium)<\/i> und <i>indirekt<\/i> auf der durch Effizienz und Know-how gesteigerten Produktivit\u00e4t und der Kostenreduktion. Doch entgegen den Erwartungen sind es nicht in erster Linie Nachfrage oder Aufpreis, der immerhin zwischen 5 und 80 Rappen pro Kilo betr\u00e4gt, die Kaffeeproduzenten zur Umsetzung freiwilliger Labels motivieren. Vielmehr sind es Ausbildung und St\u00e4rkung ihrer Managementkompetenz, die sie zu Fortschritten bei Herstellungs-, Verarbeitungs- und Vermarktungsmethoden bef\u00e4higt (siehe <i>Grafik 2<\/i>).Eine Studie im Baumwollsektor zeigt, dass die biologische Bewirtschaftung die Ausgaben unter anderem f\u00fcr D\u00fcngemittel bis zu 90% senkt und damit nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch die finanzielle Abh\u00e4ngigkeit verringert. Produzenten investieren zudem in die Diversifizierung, welche den Selbstversorgungsgrad erh\u00f6ht, die Abh\u00e4ngigkeit von einem einzigen Agrarrohstoff reduziert und somit die Einkommensbasis erweitert. Der Biobaumwollbauer erzielt durchschnittlich ein Netto-Mehreinkommen von 30%. Die nicht-monet\u00e4ren Vorteile sind dabei nicht zu vergessen: bessere Gesundheit, h\u00f6here Bodenfruchtbarkeit und \u2013 entgegen dem verbreiteten Glauben \u2013 tiefere Arbeitsbelastung sprechen zus\u00e4tzlich f\u00fcr die Umstellung auf Biobaumwolle. Wie positiv die Wirkung von Standards ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt jedoch stark vom Kontext und von jeweils unterschiedlichen Faktoren ab, die zur Erreichung der gew\u00fcnschten Resultate f\u00fchren. Die Cosa-Studie hat gezeigt, dass die regionalen Unterschiede der Einkommen im Kaffeesektor teilweise gr\u00f6sser sein k\u00f6nnen als diejenigen zwischen zertifizierter und konventioneller Produktion. Es ist deshalb wichtig, trotz der gemessenen Erfolge weitere Wirkungsanalysen durchzuf\u00fchren und tiefergreifende Antworten auf die Fragen zu finden, inwiefern verschiedene Labels eine bessere Wirkung aufweisen und mit welchen Mitteln Produzenten diese unter den lokalen Voraussetzungen die besten Erfolge erzielen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Nachhaltigkeit auf Erfolgskurs<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVon den Produzenten werden freiwillige private Standards nicht als H\u00fcrde, sondern als Chance wahrgenommen. Mit dem stetig wachsenden Interesse der Produzenten, Opportunit\u00e4ten nachhaltiger Produktionsprozesse zu nutzen, ist die nachhaltige Produktion in den letzten f\u00fcnf Jahren f\u00fcr Kaffee, Kakao, Tee und Bananen mit j\u00e4hrlichen Wachstumsraten im zwei- oder gar dreistelligen Bereich sprunghaft gestiegen. Auch auf der Nachfrageseite sind nachhaltige Produkte bei Konsumenten, Unternehmen und der \u00f6ffentlichen Hand st\u00e4rker gefragt als je zuvor. Doch fehlt den Eink\u00e4ufern oft das spezifische Fachwissen, um entsprechende Einkaufsentscheide zu f\u00e4llen. Die <i>Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ)<\/i> und das Seco haben deshalb die Erarbeitung eines <i>Kompasses Nachhaltigkeit<\/i>&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.kompass-nachhaltigkeit.ch\">http:\/\/www.kompass-nachhaltigkeit.ch<\/a> unterst\u00fctzt, der es Eink\u00e4ufern in der \u00f6ffentlichen Beschaffung und bei KMU erlaubt, einen besseren \u00dcberblick \u00fcber freiwillige private Standards zu erhalten und ihre Beschaffung zu optimieren.Die Kompassnadel zeigt auf einen beispiellosen Erfolgskurs nachhaltiger Prozess- und Produktionsmethoden und weist den Produzenten und Konsumenten den Weg. Doch dieser bleibt nicht ohne Hindernisse. Um die Erfolgsgeschichte fortzusetzen, m\u00fcssen freiwillige private Standards die Qualit\u00e4t, Effizienz, Glaubw\u00fcrdigkeit und nicht zuletzt Harmonisierungsbestrebungen vorantreiben. Zuk\u00fcnftige WTO-Verhandlungen k\u00f6nnten freiwilligen privaten Standards zus\u00e4tzlich Fahrt geben. Die m\u00fcsste anerkennen, dass bei Produkten mit nachhaltigen Prozess- und Produktionsmethoden Werte mitber\u00fccksichtigt werden, die \u00e4usserlich kaum erkennbar sind, sich in der Praxis aber von konventionellen Produkten nachvollziehbar und merklich abgrenzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abWeltweiter Verkauf von Nachhaltigem Kaffee, 2004\u20132009 (Metrische Tonnen)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abHarmonisierung steigert Breitenwirkung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Glossar&#13;<\/p>\n<h3>Glossar<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Freiwillige private Standards<\/i> sind nicht einfach zu definieren. Es existiert eine Vielzahl an Normen, Richtlinien, Verhaltenskodexen, Initiativen oder Labels, die sich in Bezug auf Kommunikation und Verifizierungsmechanismen stark unterscheiden. Hier werden private Standards als unter den verschiedenen Anspruchsgruppen ausgehandelte, auf Kriterien basierende und von dritter Stelle gepr\u00fcfte Initiativen verstanden, die \u2013 mit oder ohne Label \u2013 in einem Sektor international eine gewisse Relevanz haben. <i>Process and Production Methods (PPM)<\/i> charakterisieren die Art und Weise, wie Produkte hinsichtlich des Qualit\u00e4ts-, Gesundheits- und Sicherheitsmanagements, aber auch der sozialen und \u00f6kologischen Komponente hergestellt oder bearbeitet werden, wobei zwischen produktbezogenen PPM (z.B. biologische Landwirtschaft) und nicht-produktbezogenen PPM (z.B. Energieeffizienz) unterschieden wird.<i>Sanitary and Phytosanitary Measures (SPS)<\/i> regeln den Umgang mit den internationalen Standards in den Bereichen der Lebensmittelsicherheit und der Tier- und Pflanzengesundheit. Sie k\u00f6nnen je nach Auslegung nachhaltige Prozess- und Produktionsmethoden f\u00f6rdern oder missbr\u00e4uchlich ein technisches Handelshemmnis (TBT) darstellen. <i>Technical Barriers to Trade (TBT)<\/i> sind nicht-tarif\u00e4re Handelshemmnisse und bezeichnen den Umstand, dass unterschiedliche Anforderungen an Produkte zu Handelsbeschr\u00e4nkungen und Diskriminierung f\u00fchren k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: The State of Sustainability Initiatives Review 2010&#13;<\/p>\n<h3>The State of Sustainability Initiatives Review 2010<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>The State of Sustainability Initiatives Review 2010<\/i> ist die erste Ausgabe einer Bewertung von freiwilligen privaten Initiativen, die regelm\u00e4ssig deren Entwicklung und Markttrends verfolgen und beurteilen soll. Sie will das Verst\u00e4ndnis \u00fcber die Eigenschaften und die Wirkung von Standards erh\u00f6hen und damit nicht nur diese selbst verbessern, sondern auch auf nationaler und internationaler Ebene eine Handelspolitik im Sinne nachhaltiger Standards beg\u00fcnstigen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2013 Aussenwirtschaftsbericht, 2009.\u2013 Bericht \u00fcber die Umsetzung der Strategie des Bundesrates zur nachhaltigen Entwicklung (2000), Massnahme Nr. 6 \u00abAnerkennung und F\u00f6rderung von Labels, Interdepartementaler Ausschuss Rio (IDA Rio), (Labelstrategie des Bundes)\u00bb.\u2013 Unterst\u00fctzung von Privaten Standards und Bezug zur Labelstrategie des Bundes 2000, SECO (Hans-Peter Egler).\u2013 Swiss Submission on Voluntary Standards, WTO, Oktober 2009.\u2013 Coffee Production in Tanzania: 2009\u20132010 COSA Survey, Committee on Sustainability Assessment (COSA), Mai 2010 (Entwurf).\u2013 The State of Sustainability Initiatives Review 2010: Sustainability and Transparency, State of Sustainability Initiatives (SSI), November 2010.\u2013 Etude d\u2019impact du programme coton-bio et \u00e9quitable d\u2019Helvetas (2009), Centre for development and environment.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der zunehmenden Rohstoffknappheit, der Weltern\u00e4hrungskrise und den Herausforderungen in den Bereichen Klima und Biodiversit\u00e4t gewinnt ein schonender Umgang mit Ressourcen und deren effiziente Nutzung zunehmend an Bedeutung. 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