{"id":120525,"date":"2011-07-01T12:00:00","date_gmt":"2011-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/07\/leibundgut-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:53","slug":"leibundgut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/07\/leibundgut\/","title":{"rendered":"Wirksamkeit wirtschaftlicher Entwicklungszusammenarbeit des Seco"},"content":{"rendered":"<p>Die Wirksamkeit der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. \u00d6ffentlichkeit und Parlamente in den Geberl\u00e4ndern wollen genauer wissen, wie die Mittel in den Entwicklungsl\u00e4ndern eingesetzt werden und was sie bewirken. Dies kommt auch in der internationalen Diskussion zum Ausdruck, sei es im Zusammenhang mit den Millennium-Entwicklungszielen der UNO oder im Kontext mit der OECD Declaration on Aid Effectiveness \u2013 auch Pariser Erkl\u00e4rung genannt. Geber- und Empf\u00e4ngerl\u00e4nder sind darin aufgefordert worden, ihre Arbeit auf eine h\u00f6here Wirksamkeit auszurichten. Evaluationen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit bilden dabei die Grundlage, um Rechenschaft \u00fcber die erreichten Resultate abzulegen und \u00fcber aufgedeckte Verbesserungspotenziale einen Lernprozesse anzustossen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) hat seit Jahren bei seiner wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit Instrumente zur Projektsteuerung eingesetzt und eine Evaluationspolitik definiert, welche eine Beurteilung von Projekten und Programmen hinsichtlich Planung, Umsetzung, Resultate oder Auswirkungen nach klar vorgegebenen Regeln vornimmt (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Bei den durchgef\u00fchrten Evaluationen und den entsprechenden Bewertungen von Seco-Projekten werden zwei grundlegende Zielsetzungen verfolgt: \u2013 <i>Erstens<\/i> soll \u00fcber die in der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit verwendeten Mittel und die dadurch erzielte Wirkung transparent Rechenschaft abgelegt werden <i>(accountability).<\/i>\u2013 <i>Zweitens<\/i> sollen die aus Evaluationen gewonnenen Erkenntnisse in den internen <i>Lernprozess<\/i> einfliessen und so zu einer Optimierung der Interventionen der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit und deren Wirksamkeit beitragen. Konkret werden dem Management Empfehlungen aus Evaluationen als Grundlage zur Formulierung von Massnahmen vorgelegt, mit dem Ziel, die methodologische Umsetzung und inhaltliche Ausgestaltung der Interventionen und somit deren Wirkung zu st\u00e4rken. Die Evaluationen erfolgen nach Standards der Schweizerischen Evaluationsgesellschaft (Seval) und der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Um die Objektivit\u00e4t dieser Massnahmen zu st\u00e4rken, hat das Seco 2009 zudem ein <i>unabh\u00e4ngiges externes Evaluationskomitee<\/i>&#13;<br \/>\nDas unabh\u00e4ngige Evaluationskomitee setzt sich aus 5 Mitgliedern aus politischen, akademischen, wirtschaftlichen und internationalen Kreisen sowie aus der Zivilgesellschaft zusammen und wird derzeit von Herrn Pietro Veglio pr\u00e4sidiert. geschaffen. Die Gr\u00fcndung dieses Komitees wurde vom OECD-Entwicklungsausschuss (DAC) ausdr\u00fccklich begr\u00fcsst. Es schl\u00e4gt unter anderem Interventionslinien zur Evaluation vor, kommentiert die Resultate unabh\u00e4ngiger Evaluationen und \u00fcberwacht die Umsetzung der darin enthaltenen Empfehlungen.Vor dem Hintergrund der beiden Ziele der Rechenschaftsablegung und des Lernens f\u00fchrt das Seco seit rund zehn Jahren systematische Analysen \u00fcber Resultate und Wirksamkeit seiner Aktivit\u00e4ten durch, welche jeweils im Jahresbericht zur Wirksamkeit der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit ver\u00f6ffentlicht werden. Diese Praxis kennen nur wenige andere Entwicklungsagenturen. Die Arbeiten basieren auf externen Evaluationen, die mittels systematischer Analysen \u00fcber Resultate und Wirksamkeit der Aktivit\u00e4ten in den Partnerl\u00e4ndern des S\u00fcdens und Ostens erfolgen.&#13;<br \/>\nDie Jahresberichte finden sich unter <a href=\"http:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch\">http:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch<\/a>, Rubrik \u00abThemen\u00bb, \u00abEvaluation\u00bb, \u00abEvaluationsbericht\u00bb.Die allgemeine Einsch\u00e4tzung der Projekt-Performance basiert beim Seco auf einer detaillierten Bewertung der einzelnen Projekte in Bezug auf vier vom OECD\/DAC definierten Kriterien: <i>Relevanz, Effektivit\u00e4t, Effizienz<\/i> und <i>Nachhaltigkeit<\/i> (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>OECD-DAC Evaluierungskriteriena<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nRelevanz&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAusmass, in dem die Ziele einer Entwicklungsmassnahme mit den Bed\u00fcrfnissen der Beg\u00fcnstigten, den Anforderungen eines Landes, den globalen Priorit\u00e4ten und den Politiken der Partner und Geber im Einklang stehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEffektivit\u00e4t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAusmass, in dem die Ziele einer Entwicklungsmassnahme unter Ber\u00fccksichtigung ihrer relativen Bedeutung erreicht worden sind oder voraussichtlich erreicht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEffizienz&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Mass daf\u00fcr, wie sparsam Ressourcen\/Inputs (Finanzmittel, Fachwissen, Zeit usw.) in Ergebnisse umgewandelt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNachhaltigkeit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Mass f\u00fcr das Fortbestehen der positiven Effekte einer Entwicklungsmassnahme nach Abschluss der Projekt-Leistungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<i>a OECD-DAC, 2009: Glossar entwicklungspolitischer Schl\u00fcsselbegriffe aus den Bereichen Evaluierung und ergebnisorientiertes Management.<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Resultate der Evaluation 2005\u20132010<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie 123 Evaluationen, welche im Zeitraum 2005-2010 durchgef\u00fchrt wurden, ergaben folgende Resultate:\u2013 <i>Rund 77% der Projekte wurden als befriedigend bis sehr befriedigend bewertet:<\/i> Im internationalen Vergleich erreicht das Seco hiermit Werte, die mit anderen bilateralen und multilateralen Entwicklungsagenturen vergleichbar sind. \u2013 <i>Rund 23% der Projekte wurden als unbefriedigend erkl\u00e4rt:<\/i> Diese Quote muss in Relation gestellt werden zum schwierigen Umfeld, in welchem Vorhaben der wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit umgesetzt werden. Sie sollen innovative Wege aus der Armut aufzeigen und sind zus\u00e4tzlich zweckbestimmt in L\u00e4ndern und M\u00e4rkten aktiv, welche sich durch labile sozio\u00f6konomische und politische Rahmenbedingungen auszeichnen, was insgesamt mit erh\u00f6hten Risiken verbunden ist.&#13;<\/p>\n<h2>Resultate im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit Bezug auf die einzelnen OECD\/DAC Kriterien ergab sich im selben Zeitraum folgendes Bild: <i>Relevanz:<\/i> Rund 87% aller evaluierten Seco-Projekte erreichten hier zufriedenstellende Resultate und waren somit gut auf die realen Bed\u00fcrfnisse des Partnerlandes und der Projektbeg\u00fcnstigten ausgerichtet.<i>Effektivit\u00e4t:<\/i> In rund drei Viertel der Seco-Projekte konnten die geplanten Aktivit\u00e4ten umgesetzt und Zielsetzungen erreicht werden, was in der Folge auch die gew\u00fcnschten entwicklungspolitischen Wirkungen auf h\u00f6here Ebene ausl\u00f6ste. <i>Effizienz:<\/i> Rund 57% der untersuchten Projekte erzielten gute bis sehr gute Resultate. Potenzial f\u00fcr Verbesserung liegt vor allem in einer konsequenteren Datenerhebung, die aussagekr\u00e4ftigere Kosten-Nutzen-Analysen erlaubt. Zudem werden zahlreiche Projekte auch als weniger effizient bewertet, wenn sie aufgrund unvorhergesehener Verz\u00f6gerungen l\u00e4nger brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten.<i>Nachhaltigkeit:<\/i> Rund 62% der Projekte erreichten ein befriedigendes Ergebnis. Der Umstand, dass 38% der extern evaluierten Projekte ein unbefriedigendes Ergebnis erreichten, ist f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit des Seco die gr\u00f6sste Herausforderung. Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses Resultat liegen einerseits in der Schwierigkeit, Annahmen in Bezug auf das Projektumfeld zu Projektbeginn realistisch einzusch\u00e4tzen, was zu \u00fcbertrieben optimistischen Einsch\u00e4tzungen f\u00fchrt. Andererseits m\u00fcssten Projektpartner von Anbeginn st\u00e4rker eingebunden und bef\u00e4higt werden, Projektinteressen nach Projektabschluss selbst\u00e4ndig zu vertreten.&#13;<br \/>\nDazu geh\u00f6rt insbesondere, dass die n\u00f6tigen finanziellen Mittel zur Interessenswahrnehmung zur Verf\u00fcgung stehen. Allerdings handelt es sich bei der Nachhaltigkeit um das anspruchsvollste Kriterium, sowohl in Bezug auf die Erreichbarkeit als auch auf dessen Messung.&#13;<\/p>\n<h2>Die Evaluation am Beispiel des Projekts National Cleaner Production Center in Kolumbien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Bedeutung und Bewertung l\u00e4sst sich anhand eines konkreten Projekts beispielhaft illustrieren:Zwischen 1998 und 2009 unterst\u00fctzte das Seco das <i>National Cleaner Production Center in Kolumbien (CPC Kolumbien)<\/i>. Dieses Kompetenzzentrum hat zum Ziel, durch Beratung von kolumbianischen Unternehmungen im Bereich neuer Umwelttechnologien dazu beizutragen, dass Technologien zum Einsatz kommen, die aufgrund gesteigerter Energieeffizienz gewinnbringend und ressourcenschonender sind als herk\u00f6mmliche Produktionsarten.Im Bezug auf die <i>Relevanz<\/i> stellten die externen Evaluatoren dem Projekt sehr befriedigende Noten aus: Einerseits ist Kolumbien aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums und dem zunehmenden Druck auf vorhandene Ressourcen darauf angewiesen, Technologien anzuwenden, die eine nachhaltige Ressourcennutzung erlauben. Andererseits wurde das Zentrum durch die lokalen Beh\u00f6rden bereits 1995 selbstst\u00e4ndig gegr\u00fcndet, und ein Technologietransfer aus der Schweiz wurde ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht. Was die <i>Effektivit\u00e4t<\/i> anbelangt, wurde im Fall des CPC Kolumbien aus folgenden Gr\u00fcnden eine befriedigende Beurteilung abgegeben: Die vorgegebene Zielsetzung des Projekts wurde gr\u00f6sstenteils erreicht, indem beispielweise rund 10&nbsp;000 Personen im Zentrum eine Beratung oder Ausbildung erhielten, viele Unternehmen wirklich neue Technologien einsetzten und diese in den Betrieben auch tats\u00e4chlich zur erw\u00fcnschten ressourcensparenderen Produktion f\u00fchrte. Das CPC Kolumbien Projekt zeichnete sich durch eine hohe <i>Effizienz<\/i> aus, da die vorhandenen personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen \u00f6konomisch eingesetzt wurden, was zu einer laufenden Steigerung des Umsatzes und einer finanziellen Unabh\u00e4ngigkeit des Zentrums ab 2007 f\u00fchrte. Das CPC Kolumbien erreichte finanzielle Unabh\u00e4ngigkeit, die personelle Fluktuation blieb begrenzt und die Anzahl der Angestellten stieg sogar leicht an; es reagierte flexibel und innovativ auf neue Herausforderungen und Bed\u00fcrfnisse im Bereich der <i>Cleaner Production<\/i>. Entsprechend erreichte das Projekt eine sehr zufriedenstellende Beurteilung im Bezug auf seine <i>Nachhaltigkeit:<\/i> Die durch die Projektaktivit\u00e4ten aufgebaute Kapazit\u00e4t auf institutioneller, finanzieller und personeller Ebene entfalten ebenfalls mittel- und langfristig ohne \u00e4ussere Unterst\u00fctzung ihre entwicklungspolitische Wirkung.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der in diesem Artikel beschriebenen Evaluationspolitik verf\u00fcgt das Seco \u00fcber ein international anerkanntes Instrumentarium, welches die Identifikation von St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der durchgef\u00fchrten Projekte erlaubt und in einem zweiten Schritt, durch die Umsetzung der n\u00f6tigen Verbesserungsmassnahmen, mittelfristig eine Optimierung der Wirkung der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit sicherstellt. Damit sollen die Herausforderungen, die sich bez\u00fcglich Effizienz und Nachhaltigkeit stellen, gezielt angegangen und die bereits in den letzten Jahren erzielten guten Resultate bez\u00fcglich Relevanz und Effektivit\u00e4t auch in Zukunft erreicht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung der Evaluationst\u00e4tigkeit beim Seco\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: OECD-DAC Evaluierungskriteriena&#13;<\/p>\n<h3>OECD-DAC Evaluierungskriteriena<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nRelevanz&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAusmass, in dem die Ziele einer Entwicklungsmassnahme mit den Bed\u00fcrfnissen der Beg\u00fcnstigten, den Anforderungen eines Landes, den globalen Priorit\u00e4ten und den Politiken der Partner und Geber im Einklang stehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEffektivit\u00e4t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAusmass, in dem die Ziele einer Entwicklungsmassnahme unter Ber\u00fccksichtigung ihrer relativen Bedeutung erreicht worden sind oder voraussichtlich erreicht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEffizienz&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Mass daf\u00fcr, wie sparsam Ressourcen\/Inputs (Finanzmittel, Fachwissen, Zeit usw.) in Ergebnisse umgewandelt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNachhaltigkeit&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Mass f\u00fcr das Fortbestehen der positiven Effekte einer Entwicklungsmassnahme nach Abschluss der Projekt-Leistungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na OECD-DAC, 2009: Glossar entwicklungspolitischer Schl\u00fcsselbegriffe aus den Bereichen Evaluierung und ergebnisorientiertes Management.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wirksamkeit der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. \u00d6ffentlichkeit und Parlamente in den Geberl\u00e4ndern wollen genauer wissen, wie die Mittel in den Entwicklungsl\u00e4ndern eingesetzt werden und was sie bewirken. 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