{"id":120535,"date":"2011-07-01T12:00:00","date_gmt":"2011-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/07\/minsch-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:57","slug":"minsch-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/07\/minsch-3\/","title":{"rendered":"Welche Strategie f\u00fcr die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit?"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der Schweizer EZA hat sich ein System gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeiten etabliert. Am deutlichsten ist jenes zwischen der Deza und den Entwicklungsorganisationen. Entsprechend kritisierte die Gesch\u00e4ftspr\u00fcfungskommission des St\u00e4nderates in ihrem Bericht 2009 die mangelhafte Transparenz bei der Projektvergabe der Deza und dass die Ausschreibungen nicht nach wettbewerblichen Kriterien erfolgen. Zum Selbsterhalt der EZA geh\u00f6rt auch ein gut funktionierendes Lobbying der Interessenvertreter. Dazu geh\u00f6rt auch, dass die EZA gegen\u00fcber der Schweizer Bev\u00f6lkerung immer wieder mit aufw\u00e4ndigen Kommunikationsprojekten vermittelt wird.Die Selbsterhaltung ist zu einem zentralen Ziel der EZA geworden. Eine klare Strategie f\u00fcr die EZA kann unter diesen Umst\u00e4nden nicht erwartet werden. Trotz den wiederkehrenden politischen Forderungen auf eine Fokussierung der EZA wird weiterhin an Metathemen wie die Armutsbek\u00e4mpfung festgehalten, die einen grossen diskretion\u00e4ren Spielraum erlauben und dar\u00fcber diskutiert, was die optimale Zahl der Schwerpunktl\u00e4nder ist oder ob es \u00fcberhaupt zweckm\u00e4ssig ist, die EZA mit einem bestimmten Land weiterzuf\u00fchren. Auch das gegenseitige Ausspielen der beiden zust\u00e4ndigen Departemente ist beliebt. So verteidigen die Entwicklungsorganisationen Strategie und Mittel der Deza vehement und kritisieren gleichzeitig ebenso fordernd das Seco. Das dominante Thema aber ist die Jagd nach einer Erh\u00f6hung der Mittel f\u00fcr die EZA, wobei die OECD, die Weltbank und der IWF willkommene Sch\u00fctzenhilfe leisten. Statt \u00fcber Strategien k\u00e4mpft man erfolgreich f\u00fcr h\u00f6here Quoten.&#13;<\/p>\n<h2>Wie k\u00f6nnte die auf wenige Produkte fokussierte Strategie aussehen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Produkt 1:<\/i><i>Schulen.<\/i> Nach dem Vorbild der Schweizer Schulen im Ausland k\u00f6nnten in vielen L\u00e4ndern Schulen unter dem langfristigen Patronat der Schweiz teilfinanziert werden. Da gerade das duale Berufsbildungssystem ein Erfolg ist, bieten sich auch gewerbliche Berufsschulen unter direktem Einbezug der lokalen Unternehmen an. Dabei ginge es nicht nur um Infrastruktur oder Unterrichtsmaterial: Die Schweizer EZA w\u00fcrde die Schulf\u00fchrungen \u00fcbernehmen. <i>Produkt 2:<\/i><i>Handelsf\u00f6rderung.<\/i> Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber viel Kenntnis im Bereich Handel und Logistik. Die bessere Integration in die Weltm\u00e4rkte ist der zentrale Treiber f\u00fcr die Wohlstandsentwicklung eines Landes. Hier kann die Schweiz eine professionelle Unterst\u00fctzung bieten. <i>Produkt 3:<\/i><i>Finanzdienstleister.<\/i> Die Schweiz verf\u00fcgt \u00fcber hohe Kompetenzen bei den Finanzdienstleistern. Die EZA kann vom Know-how der Banken- und Versicherungsbranche profitieren, indem sie Hilfestellungen beim Aufbau eines stabilen Banken- und Versicherungssystems liefert. <i>Produkt 4:<\/i><i>Abwasserreinigung.<\/i> Die Schweizer EZA kann auf das Wissen in der Schweiz zur\u00fcckgreifen und die Abwasserreinigung in gr\u00f6sseren D\u00f6rfern und St\u00e4dten konzipieren und anbieten. <i>Produkt 5:<\/i><i>Recht.<\/i> Das schweizerische Rechtssystem hat eine lange Tradition und hat durch die liberale Ausrichtung wesentlich zur Wirtschaftsentwicklung der Schweiz beigetragen. Der Export von Rechtserlassen im Zusammenhang mit Fragen der Gouvernanz ist eine Chance, einen langfristigen positiven Einfluss auszu\u00fcben. Da die Unsicherheit bei der Eigentumsfrage die wirtschaftliche Entwicklung hemmt, kann die Schweiz ihr Wissen im Bereich Grundbuch und Vermessung als Produkt anbieten. Damit die Produkte in den Entwicklungsl\u00e4ndern bekannt sind, ist die Information dar\u00fcber zu verst\u00e4rken. Statt ein Deza- oder Seco-B\u00fcro vor Ort w\u00e4re es wohl zielf\u00fchrender, die Botschaften mit st\u00e4ndigem Schweizer Personal mit wirtschaftlichen Kompetenzen auszubauen. Damit lassen sich auch langfristige Beziehungen zu den Entscheidungstr\u00e4gern aufbauen.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Vorgehensweise Chinas Entwicklungsl\u00e4ndern g\u00fcnstige Infrastrukturen gegen Rohstoffe anzubieten, ist inhaltlich f\u00fcr uns kein Vorbild. Aber das Vorgehen Chinas l\u00e4sst eine klare Strategie erkennen, die auf den St\u00e4rken der chinesischen Volkswirtschaft aufbaut. Diesem methodischen Muster sollte auch die Schweiz folgen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp;&#13; &#13; Bei der Schweizer EZA hat sich ein System gegenseitiger Abh\u00e4ngigkeiten etabliert. 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Stattdessen hat sich unsere EZA zum einen auf die Bed\u00fcrfnisse der Empf\u00e4ngerl\u00e4nder ausgerichtet und zum anderen \u2013 wohl nicht weniger wichtig \u2013 an den Kompetenzen der Schweizer Entwicklungsorganisationen. Der Entwurf der aktuellen Botschaft geht zwar einen Schritt in die richtige Richtung. 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