{"id":120560,"date":"2011-06-01T12:00:00","date_gmt":"2011-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/06\/balaster-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:30:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:30:48","slug":"balaster-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/06\/balaster-3\/","title":{"rendered":"Outputl\u00fccke und Trendwachstum nach der Finanz- und Wirtschaftskrise"},"content":{"rendered":"<p>Die Aktualit\u00e4t des Themas dieses Heftes ergibt sich aus der j\u00fcngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Es w\u00e4re interessant zu wissen, ob nach der Krise das trendm\u00e4ssige Wachstum mit der gleichen Rate wie vorher weitergehen kann und ob dies auf dem gleichen Wachstumspfad oder auf einem nach unten versetzten Wachstumspfad geschehen wird. Das trendm\u00e4ssige Wachstum in der Schweiz setzt sich dabei nach der Fortsetzung dieses Trends seit l\u00e4ngerer Zeit aus einem j\u00e4hrlichen Produktivit\u00e4tszuwachs von 1% und aus einem ungewisseren, da stark von der Migration beeinflussten Besch\u00e4ftigungswachstum von 0,5% bis 1% pro Jahr zusammen. Die historische Distanz zur Beantwortung der Frage fehlt heute zwar noch. Faktoren, die eine erste Einsch\u00e4tzung der Lage zulassen, k\u00f6nnen aber benannt werden. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201106_04_Balaster_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"259\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Blick in die letzten Jahrzehnte der Schweizer Wirtschaftsgeschichte zeigt die Relevanz der Fragestellung, ob nach der Krise das trendm\u00e4ssige Wachstum mit der gleichen Rate wie vorher weitergehen kann: Denn zweimal blieb die rasche R\u00fcckkehr zum vorher beobachteten Trendwachstum nach einer Rezession aus. Nach dem markanten konjunkturellen Einbruch von 1975 verharrte die Zuwachsrate des Trend-Bruttoinlandprodukts (BIP) auf einem niedrigen Niveau: Erholte sich das Trendwachstum erst am Ende der Dekade nach tiefgreifenden Reformen, oder gab es keinen Trendbruch, sondern nur Mitte der 1990er-Jahre und damit rascher als \u00fcblich schon wieder einen konjunkturellen R\u00fcckschlag? H\u00e4lt man sich allerdings die damaligen Ursachen vor Augen, fehlt es an klaren Gr\u00fcnden f\u00fcr die Bef\u00fcrchtung, dass sich die Wirtschaftsentwicklung der Schweiz nach der j\u00fcngsten Finanz- und Wirtschaftskrise auf einem tieferen Niveau mit ged\u00e4mpfter Zuwachsrate abspielen wird (siehe <i>Grafik 1<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Trend und Zyklus: Wie unabh\u00e4ngig sind sie voneinander?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Vorstellung, dass nach einer Rezession eine R\u00fcckkehr auf den Trendwachstumspfad erfolgt, setzt implizit voraus, dass man Konjunkturzyklus und Trendwachstum in der BIP-Entwicklung trennen kann. In der Tat ist es die g\u00e4ngige Auffassung der Volkswirtschaftslehre, dass die trendm\u00e4ssige Entwicklung der Wirtschaftsleistung durch den Einsatz von mehr und besser qualifizierter Arbeit und durch die Nutzung von mehr Kapitalg\u00fctern erkl\u00e4rt wird, zuz\u00fcglich des technischen Fortschritts; die zyklische Entwicklung wird hingegen durch Schwankungen bei der Nachfrage nach G\u00fctern und Dienstleistungen erkl\u00e4rt, die vor\u00fcbergehender Natur sind. Angebot und Nachfrage sind indes grunds\u00e4tzlich miteinander verkn\u00fcpft, indem der Erl\u00f6s, der den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital aus den verkauften G\u00fctern und erbrachten Dienstleistungen zufliesst, das Einkommen ergibt. Dieses Einkommen kann dann in der n\u00e4chsten Periode ausgegeben werden und sorgt somit f\u00fcr eine neuerliche Nachfrage nach G\u00fctern und Dienstleistungen. Wenn so das Angebot die Nachfrage schafft und vice versa, warum sollten Trend und Zyklus auseinanderlaufen? Verschiedene Schocks k\u00f6nnen der Grund sein, dass in einer bestimmten Periode \u00fcberdurchschnittlich viele Wirtschaftsteilnehmer ein Motiv haben, mehr oder weniger auszugeben als durch ihr Erwerbseinkommen und ihre Kapitalertr\u00e4ge gerechtfertigt. Solche Faktoren k\u00f6nnen in der Geldpolitik liegen, in Angebotsst\u00f6rungen oder in Verwerfungen an den Finanzm\u00e4rkten. <i>Drei Risiken<\/i> scheinen geeignet, dass sich ein konjunktureller R\u00fcckschlag auch in der weiteren BIP-Entwicklung niederschl\u00e4gt: <i>Erstens<\/i> kann eine Rezession so schwerwiegend sein, dass sie Gefahr l\u00e4uft, in eine Deflation umzuschlagen, was st\u00e4ndig sinkende Preise und sinkendes Einkommen bedeutet (was beispielsweise in den 1930er-Jahren geschehen ist). <i>Zweitens<\/i> kann eine mangelnde Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Produktionsapparates vorliegen, die m\u00f6glicherweise durch st\u00e4ndige Stimulierungen mit den Instrumenten der Nachfragesteuerung eine Zeitlang \u00fcbert\u00fcncht worden war, bis eine unhaltbare Verschuldungssituation gegen\u00fcber dem Ausland eine Z\u00e4sur erzwingt (siehe z.B. Griechenland). <i>Drittens<\/i> k\u00f6nnen schwer haltbare Verschuldungssituationen bei Banken und Staat dazu f\u00fchren, dass die eingehenden Mittel f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung von Altlasten eingesetzt werden m\u00fcssen, statt dass Neues in Angriff genommen werden kann (Japan ist ein Beispiel daf\u00fcr). Die Frage ist, wieweit potenziell dauerhaften Wirkungen von solchen St\u00f6rungen gegebenenfalls mit den Instrumenten der Wirtschaftspolitik entgegengetreten werden kann.&#13;<\/p>\n<h2>Outputl\u00fccke als Steuerungsinstrument der Geld- und Finanzpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Umschlagen einer Rezession in eine Deflation wird heute als Versagen der Geld- und Finanzpolitik qualifiziert. Denn nach vorherrschender Auffassung der Volkswirtschaftslehre besteht in der Situation nach Eintritt eines Schocks ein Potenzial, mit den Instrumenten der Geldpolitik die Wirtschaft rascher wieder auf den gleichgewichtigen Wachstumpfad zur\u00fcckzuf\u00fchren, der durch trendm\u00e4ssige Entwicklung bei Arbeitsangebot und Kapitalg\u00fcterbestand erkl\u00e4rt wird. Um mit der Geldpolitik nicht zu sehr zu stimulieren, sollte man allerdings den Grad der konjunkturellen Unterauslastung kennen. Sind die Zinsen schon bei Null, wird eine deflation\u00e4re Spirale zwischen Mindernachfrage, Minderbesch\u00e4ftigung, Mindereinkommen und Mindernachfrage mit den Mitteln einer expansiven Ausgabenpolitik der \u00f6ffentlichen Haushalte durchbrochen werden. Die konjunkturelle Unterauslastung als Indikator f\u00fcr n\u00f6tiges konjunkturpolitisches Eingreifen zu brauchen, ist allerdings nur die sekund\u00e4re Funktion der sogenannte <i>Outputl\u00fccke<\/i> in der Finanzpolitik. Mit den Angaben \u00fcber die Gr\u00f6sse der Outputl\u00fccke k\u00f6nnen die Staatseinnahmen um die Effekte der konjunkturellen \u00dcber- und Unterauslastung bereinigt werden. Damit kann erreicht werden, dass in Phasen gewohnter Schwankungen des BIP nicht auf konjunkturbedingte Mindereinnahmen mit Minderausgaben reagiert und die Amplitude des Zyklus so verst\u00e4rkt wird, dass sich die Wirtschaft einer Deflation n\u00e4hert. Folglich besteht sowohl ein Interesse der Geldpolitik wie der Finanzpolitik, m\u00f6glichst treffgenau zwischen Trend und Zyklus zu unterscheiden. Da sich der Trend nicht direkt beobachten l\u00e4sst, sind, um diese Unterscheidung vorzunehmen, allerdings fortgeschrittene statistische und \u00f6konometrische Methoden erforderlich. Zudem braucht es ein tiefes \u00f6konomisches Verst\u00e4ndnis, um im Rahmen der Nutzung dieser Information f\u00fcr die Politikgestaltung zu vermeiden, dass die Konjunkturpolitik auf ihre eigenen vergangenen Impulse zu reagieren beginnt. Die Artikel von <i>Barbara Rudolf und Mathias Zurlinden<\/i> sowie von <i>Carsten Colombier und Alain Geier<\/i> in dieser Ausgabe befassen sich mit dieser Thematik.&#13;<\/p>\n<h2>Trendwachstumsrate f\u00fcr Nachhaltigkeit entscheidend<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wirtschaftspolitik ist indes nicht nur an der Produktionsl\u00fccke, sondern auch am Trend selber interessiert (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Das Motiv, das durchschnittliche Wachstum des BIP \u00fcber einen Konjunkturzyklus hinaus zu kennen, gr\u00fcndet im Anliegen der Nachhaltigkeit. Dabei geht es nicht nur um die verfassungsm\u00e4ssig verankerten Dimensionen der \u00f6konomischen, sozialen und \u00f6kologischen Nachhaltigkeit, sondern auch um die Nachhaltigkeit der \u00f6ffentlichen Finanzen. Letztere w\u00fcrde bedeuten, im Rahmen der staatlichen Altersvorsorgesysteme nur Leistungsversprechen zu machen, die sich aus der absehbaren Wirtschaftsleistung in 20 oder 40 Jahren auch finanzieren lassen. Bei der Nachhaltigkeit in ihrer \u00f6kologischen Dimension geht es darum abzusch\u00e4tzen, wie stark ersch\u00f6pfbare Ressourcen durch das weitere Wirtschaftswachstum beansprucht werden und ob sich damit eventuell ein Ausstoss von Treibhausgasen verbindet, der im schlimmsten Fall die Lebensgrundlagen \u2212 und damit nat\u00fcrlich auch die Wirtschaftsleistung selbst \u2212 in Frage stellt. Letzteres ist Gegenstand der Stellungnahme von <i>Lukas Bretschger<\/i> in dieser Ausgabe, w\u00e4hrend sich der Artikel von <i>Marc Surchat<\/i> mit der Frage auseinandersetzt, wie man Szenarien einer trendm\u00e4ssigen BIP-Entwicklung auf 20 oder 40 Jahre hinaus entwickeln kann. Der Artikel von <i>Oliver Adler<\/i> und <i>Marcel Thieliant<\/i> beschl\u00e4gt schliesslich das Thema, ob die in der j\u00fcngsten Krise aufgebauten Staatsschulden das weitere Wirtschaftswachstum beeintr\u00e4chtigen werden. Er gilt daher der eingangs formulierten Fragestellung, wie unabh\u00e4ngig das Trendwachstum von Krisen und deren Folgen f\u00fcr den Staat ist.&#13;<\/p>\n<h2>Trend und Krise: Historische Erfahrungen in der Schweiz und Lehren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnkn\u00fcpfend an der Thematik des letztgenannten Artikels soll nachstehend mittels qualitativen \u00dcberlegungen ausgelotet werden, ob der j\u00fcngste Einbruch der wirtschaftlichen Aktivit\u00e4t das Potenzial hat, zu einem schleppenderen Wachstum auf tieferem Niveau zu f\u00fchren. Die Bruchstelle von 1975 sowie die Stagnationsphase der 1990er-Jahre in der BIP-Entwicklung der Schweiz sind Ausgangspunkt unserer \u00dcberlegungen: Diesen Wendepunkten beim trendm\u00e4ssigen Wachstum waren lange Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs vorangegangen, die \u2013 verbunden mit Fehlern in der Geldpolitik \u2013 zu einer hartn\u00e4ckigen Kernteuerung und einer Immobilienblase gef\u00fchrt hatten. Dass heute eine \u00fcbersch\u00fcssige Liquidit\u00e4tsversorgung fortbesteht, kann nicht ausgeschlossen werden, nachdem das n\u00f6tige Einschreiten gegen die Bankenkrise die Zentralbank in noch fremde Gew\u00e4sser gef\u00fchrt hat; zudem wird \u2212 wenn auch nur regional beschr\u00e4nkt \u2212 von \u00fcberhitzten Immobilienm\u00e4rkten gesprochen. Da jedoch beim Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 in der Schweiz weder eine Teuerung noch ein \u00fcberhitzter Immobilienmarkt vorlagen, besteht die begr\u00fcndete Aussicht, dass sich die weitere zyklische Entwicklung des BIP im Umfang gewohnter Konjunkturschwankungen halten wird. Diese positive Einsch\u00e4tzung bez\u00fcglich Fortsetzung der bisherigen trendm\u00e4ssigen Entwicklung des BIP wird verst\u00e4rkt durch einen Blick auf die volkswirtschaftliche Angebotsseite. Im R\u00fcckblick wird man den Frankenkurs von 2007 zwar als zu tief einsch\u00e4tzen. Die Unterbewertung des Frankens hatte in unserer Einsch\u00e4tzung allerdings nicht lange genug angehalten, um Strukturen aufzubauen, die bei einem h\u00e4rteren Schweizer Franken nicht mehr Bestand haben k\u00f6nnen. Anders war dies in der Periode 1973\u20131975, als der Franken nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems auf einen neuen, h\u00f6heren Gleichgewichtskurs anstieg und wohl gr\u00f6ssere Teile des damals in der Schweiz implementierten Kapitalstocks nicht mehr rentabel zu betreiben und stillzulegen waren. Dass an der Wettbewerbsf\u00e4higkeit des schweizerischen Produktionsapparates wenig Zweifel bestehen, ist eine sp\u00e4te, aber positive Nachwirkung der Krise der 1990er-Jahre. Deren \u00dcberwindung war nur durch eine Neuausrichtung der schweizerischen Industrie auf andere G\u00fcter und M\u00e4rkte m\u00f6glich.Der Staat hatte \u2212 wie im Bereich der Telekom \u2212 Reformen bei sektoralen Wettbewerbsordnungen einzuleiten, welche die Schweiz in allen Sektoren international konkurrenzf\u00e4higer machten. Aus dem damals geschaffenen Wachstumspotenzial \u2013 siehe den zweiten Wendepunkt in der trendm\u00e4ssigen BIP-Entwicklung um das Jahr 1998 \u2013 kann noch heute Nutzen gezogen werden, wenn man etwa an die vergleichsweise gute Situation der Maschinenindustrie nach der letzten Rezession denkt. Und wie steht es mit der Verschuldung der Banken oder des Staates, welche die Schweiz in eine langj\u00e4hrige Stagnationsphase f\u00fchren k\u00f6nnte? Bei der Frage, ob der Einbruch aufgrund der j\u00fcngsten Finanzkrise auch einen Trendbruch bei der Wachstumsrate bedeutet, werden gerne die gegenteiligen Entwicklungen in Japan und Skandinavien ab den 1990er-Jahren angef\u00fchrt. W\u00e4hrend Schweden und Finnland die Banken konsequent rekapitalisierten und mit etwas Gl\u00fcck auch der Staat am Schluss ohne grosse Verluste dastand, wollte Japan das offizielle Eingest\u00e4ndnis der Pleite von Banken vermeiden und kennt heute nach Jahren der wirtschaftlichen Stagnation am Rande der Deflation den h\u00f6chsten Staatsschuldenbestand in der OECD. Vor entsprechenden Risiken nicht gefeit ist auch die Schweiz (Pleiten von Kantonalbanken im Zeichen der Immobilienkrise der 1990er-Jahre). Nur Mut und gl\u00fcckliche F\u00fcgung bei der Rettung der UBS haben die Schweiz vor einem schmerzhaften Anpassungsprozess bewahrt.&#13;<\/p>\n<h2>Erweiterte Bestimmungsfaktoren des BIP-Trends in einer globalisierten Welt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBeim Trendwachstum kann man nicht einfach darauf abstellen, wie die einheimische Bev\u00f6lkerung \u2013 namentlich jene im erwerbsf\u00e4higen Alter \u2013 w\u00e4chst und wie hoch die Sparquote ist, um mit den so finanzierten Investitionen den Kapitalg\u00fcterbestand zu \u00e4ufnen. Es gilt auch, der Globalisierung der Wirtschaft Rechnung zu tragen. Dabei spielen namentlich die wachsende Mobilit\u00e4t der Produktionsfaktoren Arbeitskr\u00e4fte, Kapital und Wissen eine immer wichtigere Rolle. Im Fall der Schweiz wurden die Demografieszenarien immer wieder von der tats\u00e4chlichen Entwicklung \u00fcberrollt; zwischen Migration und Gang der Wirtschaft besteht eine ausgesprochene Interdependenz. In einem Land mit einem Finanzplatz von globaler Bedeutung, wie in der Schweiz, gilt es auch beim Produktionsfaktor Kapital der Globalisierung Rechnung zu tragen: Nationale Ersparnis und Investitionst\u00e4tigkeit im Inland k\u00f6nnen weit auseinandergehen. Neben der Mobilit\u00e4t der Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital ist aber auch der globale Transfer von Wissen stark gewachsen und verlangt, bei der Projektion von Wachstumsraten ber\u00fccksichtigt zu werden.F\u00fcr den Fall offener Volkswirtschaften wie der Schweiz tendiert die Wachstumstheorie zum Ergebnis, dass sich die wirtschaftlich erfolgreichsten L\u00e4nder wegen der Faktorwanderung \u2212 ganz besonders wegen des Wissenstransfers \u2212 im Niveau, aber nicht in der Wachstumsrate, vom trendm\u00e4ssigen Zuwachs des BIP\/Kopf in der Gruppe der Industriel\u00e4nder absetzen k\u00f6nnen. Wie die Stagnationsphase der 1990er-Jahre mit ihrem Reformstau lehrt, ist dabei nicht gesichert, dass ein erworbener, relativer Einkommensvorsprung gewahrt werden kann. Voraussetzung f\u00fcr ein ungebrochenes Wachstum auf einem Trendpfad leicht \u00fcber jenem des Pro-Kopf-Bruttoinlandprodukts anderer industrialisierter L\u00e4nder ist, dass die Wirtschaft global genug ausgerichtet und in ihrer regionalen Ausrichtung und branchenm\u00e4ssigen Spezialisierung auch gen\u00fcgend flexibel bleibt. Die gute Anbindung unserer Wirtschaft an die aufstrebenden Volkswirtschaften \u2212 insbesondere im fern\u00f6stlichen Raum \u2013 spielt sicherlich eine wichtige Rolle, wenn angesichts der schwierigen Lage zahlreicher Handelspartner unter den Industriel\u00e4ndern dennoch die Fortsetzung des trendm\u00e4ssigen Wachstums im bisherigen Umfang m\u00f6glich sein soll. Aber nur bei fortgesetzten Strukturreformen, die vor allem die Inlandwirtschaft betreffen, kann davon ausgegangen werden, dass weiterhin die wertsch\u00f6pfungsst\u00e4rksten Aktivit\u00e4ten innerhalb unserer Landesgrenzen angesiedelt werden und der Arbeitsproduktivit\u00e4tszuwachs gehalten werden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abBIP-Entwicklung der Schweiz, 1966\u20132011\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abBeitr\u00e4ge zum Potenzialwachstum in der Eurozone\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aktualit\u00e4t des Themas dieses Heftes ergibt sich aus der j\u00fcngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Es w\u00e4re interessant zu wissen, ob nach der Krise das trendm\u00e4ssige Wachstum mit der gleichen Rate wie vorher weitergehen kann und ob dies auf dem gleichen Wachstumspfad oder auf einem nach unten versetzten Wachstumspfad geschehen wird. 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