{"id":120570,"date":"2011-06-01T12:00:00","date_gmt":"2011-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/06\/bretschger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:19","slug":"bretschger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/06\/bretschger\/","title":{"rendered":"Rohstoffpreisentwicklung und Wirkungen auf das Potenzialwachstum"},"content":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngsten Turbulenzen auf den Rohstoffm\u00e4rkten und die verschiedenen grossen Umweltkatastrophen haben das Interesse am Zusammenhang zwischen Rohstoffpreisen und volkswirtschaftlichem Wachstum massiv vergr\u00f6ssert. Aus Theorie, empirischen Studien und diversen langfristigen Modellprognosen geht hervor, dass der Einfluss von Energie- und Rohstoffpreisen insbesondere f\u00fcr die kurze bis mittlere Frist von Bedeutung ist. Langfristig k\u00f6nnen sich Marktwirtschaften an unterschiedliche Preisniveaus flexibel anpassen. Rohstoffpreise wirken auf das Potenzialwachstum vor allem indirekt \u00fcber die sektorale Struktur einer Wirtschaft und die induzierte Kapitalbildung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf den Rohstoffm\u00e4rkten sind Angebot und Nachfrage in der kurzen Frist typischerweise wenig elastisch, was grosse Preisausschl\u00e4ge f\u00f6rdert. Langfristig ist die absolute Knappheit der nat\u00fcrlichen Ressourcen das dominante Thema \u2013 sofern die Wirtschaftssubjekte in der Lage sind, die Begrenzungen des nat\u00fcrlichen Angebots richtig vorauszusehen. Ein grundlegendes Resultat der Ressourcen\u00f6konomie besagt, dass Besitzer von nicht erneuerbaren Ressourcen einen Preisaufschlag auf die Produktionskosten erzielen und damit eine Knappheitsrente beziehen, die \u00fcber die Zeit kontinuierlich w\u00e4chst. Viele andere Einflussfaktoren \u2013 wie politische Institutionen und regionale Konflikte \u2013 \u00fcberlagern allerdings diesen Zusammenhang stark, so dass er empirisch nur schwer nachgewiesen werden kann. Immerhin sind die Erd\u00f6lpreise seit 2003 massiv gestiegen, und der Trend zeigt weiterhin nach oben. Damit m\u00fcssen sich private und staatliche Entscheidungstr\u00e4ger auf weiterhin hohe Rohstoffpreise und in der Zukunft sogar auf noch h\u00f6here Preise einstellen.&#13;<\/p>\n<h2>Ressourcen und Wachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Voraussagen f\u00fcr Wirkungen der zunehmenden Rohstoffknappheit auf Einkommen und Wachstum waren im Laufe der letzten Jahrzehnte sehr unterschiedlich. Bekannt wurden die ersten Prognosen des <i>Club of Rome,<\/i> der f\u00fcr die baldige Zukunft einen wirtschaftlichen Kollaps der Weltwirtschaft voraussagte. Im Zusammenhang mit den Klimaproblemen wurde prominent darauf hingewiesen, dass die \u00dcbernutzung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen langfristig wirtschaftlich grosse Sch\u00e4den anrichtet. Ein Weg, um diese Sch\u00e4den zu verringern, ist die Verteuerung der Rohstoff- und Energiepreise durch politische Massnahmen, was in den folgenden beiden Abschnitten behandelt wird.&#13;<\/p>\n<h2>Empirische L\u00e4ndervergleiche<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie verschiedenen L\u00e4nder haben ganz unterschiedliche Energiepreise f\u00fcr die Endverbraucher, was sich fast zu 100% aus der unterschiedlichen Steuerbelastung erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Es ist keineswegs so, dass L\u00e4nder mit h\u00f6heren Energiepreisen tiefere Wachstumsraten aufweisen. H\u00f6here Rohstoffpreise f\u00fchren n\u00e4mlich dazu, dass Innovationen und Investitionen induziert werden, die f\u00fcr das Wachstum wichtig sind. Empirisch l\u00e4sst sich deshalb feststellen, dass \u2013 zumindest f\u00fcr die reichen L\u00e4nder \u2013 h\u00f6here Energiepreise langfristig f\u00fcr das Wachstum nicht sch\u00e4dlich sind.&#13;<br \/>\nVgl. Bretschger, 2006. Es kann aus den Daten gefolgert werden, dass die L\u00e4nder mit billiger Energie im Durchschnitt weniger Investitionen t\u00e4tigen, was das Wachstum schw\u00e4cht.&#13;<\/p>\n<h2>Prognosen f\u00fcr die Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit Hilfe eines grossen <i>Simulationsmodells<\/i> f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft wurde der Effekt von steigenden CO<i>2<\/i>-Preisen auf das wirtschaftliche Wachstum berechnet.&#13;<br \/>\nBretschger, Ramer und Schwark, 2010. Dabei ergibt sich als zentrales Resultat, dass die Schweizer Wirtschaft auch mit einer ambitionierten Energie- und Klimapolitik weiterhin wachsen kann. Sowohl der gesamte Konsum als auch die einzelnen Branchen werden bei einem deutlichen Anstieg der Energiepreise und einer Reduktion der CO<i>2<\/i>-Emissionen langfristig zunehmen. Eine Politik der Preiserh\u00f6hung f\u00fcr fossile Brenn- und Treibstoffe verursacht in der mittleren Frist moderate, aber nicht vernachl\u00e4ssigbare Kosten. Damit sind die Aussichten zwar sehr optimistisch, aber gleichwohl etwas moderater als in einer <i>Studie f\u00fcr die EU,<\/i>&#13;<br \/>\nVgl. J\u00e4ger et al., 2011. die f\u00fcr eine scharfe Klimapolitik ausschliesslich Gewinne bei Wachstum und Besch\u00e4ftigung prognostiziert. Es kann insgesamt gefolgert werden, dass sich \u00fcber eine Erh\u00f6hung der Ressourcenpreise ein Strukturwandel ergibt, welcher den Umweltverbrauch senkt und die Innovationst\u00e4tigkeit st\u00e4rkt. Dadurch wird das Potenzialwachstum langfristig eher gest\u00e4rkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Bretschger, Lucas (2006): Energy Prices, Growth, and the Channels in Between: Theory and Evidence, Economics Working Paper Series 06\/47, ETH Zurich.\u2212 Bretschger, Lucas, Roger Ramer and Florentine Schwark (2010): Long-Run Effects of Post-Kyoto Policies: Applying a Fully Dynamic CGE model with Heterogeneous Capital, Economics Working Paper Series 10\/129, ETH Zurich.\u2212 J\u00e4ger Carlo C., Leonidas Paroussos, Diana Mangalagiu, Roland Kupers, Antoine Mandel, and Joan David T\u00e0bara (2011): Generating Prosperity and Jobs in the Low-Carbon Economy, Synthesis Report Study commissioned by the German Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation and Nuclear Safety, Potsdam, 2011.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die j\u00fcngsten Turbulenzen auf den Rohstoffm\u00e4rkten und die verschiedenen grossen Umweltkatastrophen haben das Interesse am Zusammenhang zwischen Rohstoffpreisen und volkswirtschaftlichem Wachstum massiv vergr\u00f6ssert. 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