{"id":120615,"date":"2011-06-01T12:00:00","date_gmt":"2011-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/06\/rudolf-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:18","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:18","slug":"rudolf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/06\/rudolf\/","title":{"rendered":"Potenzialoutput und Outputl\u00fccke aus geldpolitischer Sicht"},"content":{"rendered":"<p>Die als Abweichung des Bruttoinlandprodukts (BIP) vom Potenzialoutput berechnete Outputl\u00fccke beeinflusst die Inflationsdynamik, weshalb Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs f\u00fcr die Geldpolitik n\u00fctzlich sind. Methoden zur Sch\u00e4tzung des Potenzialoutputs unterscheiden sich unter anderem darin, inwieweit sie volkswirtschaftliche Zusammenh\u00e4nge aussch\u00f6pfen. Sie reichen daher von einfachen Gl\u00e4ttungsverfahren bis zur Herleitung des Potenzialoutputs aus einem mikrofundierten allgemeinen Gleichgewichtsmodell einer Volkswirtschaft. Trotz dieser Unterschiede zeigen mit drei verschiedenen Verfahren berechnete Outputl\u00fccken im Zeitraum von 1987\u2013 2010 ein \u00e4hnliches Bild des Konjunkturverlaufs.&#13;<br \/>\nDer Beitrag spiegelt die Meinung der Autoren wieder und muss nicht notwendigerweise mit jener der Nationalbank \u00fcbereinstimmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201106_07_Rudolf_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Potenzialoutput bezeichnet seit <i>A.M. Okun (1962)<\/i> normalerweise das maximale Outputniveau, welches eine Volkswirtschaft ohne Inflationsdruck produzieren kann. Weshalb interessiert sich die Nationalbank f\u00fcr diese Gr\u00f6sse? Die Nationalbank hat den gesetzlichen Auftrag, die Preisstabilit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten (Art. 5, Abs. 1 NBG). Ihr Interesse am Potenzialoutput ergibt sich daher haupts\u00e4chlich daraus, dass die Outputl\u00fccke \u2013 d.h. die Abweichung des tats\u00e4chlichen Outputs vom Potenzialoutput \u2013 die Inflationsdynamik beeinflusst. Wenn der Output \u00fcber dem Potenzialoutput liegt und die Outputl\u00fccke positiv ist, sind die Arbeits- und G\u00fcterm\u00e4rkte stark ausgelastet, sodass die Inflation tendenziell steigt. Umgekehrt wird die Inflation tendenziell fallen, wenn der Output unter dem Potenzialoutput liegt, die Kapazit\u00e4ten also schlecht ausgelastet sind und die Outputl\u00fccke negativ ist. Dieser Zusammenhang wird durch die <i>Phillips-Kurve<\/i> beschrieben. Empirische Untersuchungen zeigen, dass die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik auf die Outputl\u00fccke reagieren. Die Outputl\u00fccke ist auch Bestandteil der von <i>J.B. Taylor (1992)<\/i> vorgeschlagenen geldpolitischen Regel, wonach eine Zentralbank mit ihrem geldpolitischen Zinssatz auf die Abweichung der Inflation von ihrem angestrebten Wert und die Outputl\u00fccke reagieren soll. Gem\u00e4ss der <i>Taylor-Regel<\/i> hebt die Zentralbank den geldpolitischen Zinssatz an, wenn die Inflation steigt oder der Output schneller w\u00e4chst als der Potenzialoutput; und sie senkt ihn, wenn die Inflation f\u00e4llt und der Output langsamer w\u00e4chst als der Potenzialoutput. Die Taylor-Regel beschreibt die amerikanische Geldpolitik der 1980er- und 1990er-Jahre bemerkenswert gut und ist das zurzeit bekannteste Beispiel f\u00fcr eine normative geldpolitische Stabilisierungsregel.&#13;<\/p>\n<h2>Angebots- und Nachfragefaktoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Potenzialoutput ist nicht beobachtbar und muss deshalb gesch\u00e4tzt werden. Die Sch\u00e4tzung bedeutet im Kern nichts anderes, als dass die Outputentwicklung in eine Trendkomponente und eine zyklische Komponente aufgespalten wird. Bis in die 1970er-Jahre wurden Outputschwankungen im Wesentlichen auf Nachfragefaktoren zur\u00fcckgef\u00fchrt, w\u00e4hrend die Angebotsseite kaum beachtet wurde. Der Potenzialoutput verl\u00e4uft in dieser Sichtweise linear oder zumindest glatt. Tats\u00e4chlich gibt es jedoch angebotsseitige Faktoren wie Missernten, technologische Innovationen und andere Produktivit\u00e4tsschocks, die daf\u00fcr sorgen, dass der Potenzialoutput schwankt und ein unruhiges Profil aufweist. Zentralbanken tun gut daran, ebenso mit Angebotsschocks wie mit Nachfrageschocks zu rechnen. Falls sie Angebotsschocks \u00fcbersehen, sch\u00e4tzen sie die Outputl\u00fccke und damit die Inflationsgefahr falsch ein. Ein prominentes Beispiel liefert die Geldpolitik vieler Industriel\u00e4nder in den 1970er-Jahren. Verschiedene negative Angebotsschocks \u2013 wie beispielsweise der Anstieg der Erd\u00f6lpreise \u2013 f\u00fchrten damals zu einer Reduktion des Wachstums des Potenzialoutputs. Viele Zentralbanken untersch\u00e4tzten indessen diese Entwicklung und gingen von einem zu hohen Potenzialoutput aus. Da sie ihre geldpolitischen Beschl\u00fcsse auf der Annahme grosser negativer Outputl\u00fccken fassten, verfolgten sie eine zu lockere Geldpolitik, die sich sp\u00e4ter in steigenden Inflationsraten niederschlug.&#13;<br \/>\nSiehe Orphanides, 2001.Es gibt verschiedene Methoden, um den Potenzialoutput zu sch\u00e4tzen. Im Folgenden werden zuerst einige verbreitete traditionelle Techniken beschrieben. Anschliessend stellen wir Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs vor, die sich auf ein <i>dynamisches stochastisches Modell des allgemeinen Gleichgewichts<\/i> abst\u00fctzen (engl. <i>dynamic stochastic general equilibrium (DSGE) model<\/i>). Die DSGE-basierten Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs sind vergleichsweise neu und werden in der Praxis insbesondere als Erg\u00e4nzung zu den traditionellen Methoden eingesetzt. Sie sind jedoch vom Konzept her so attraktiv, dass es sinnvoll erscheint, sie etwas ausf\u00fchrlicher zu behandeln, als dies ihrem Gewicht in der Praxis derzeit zukommt.&#13;<\/p>\n<h2>Traditionelle Sch\u00e4tzverfahren<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>HP-Filter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie einfachsten Verfahren zur Sch\u00e4tzung des Potenzialoutputs sind <i>univariate Filter<\/i>. Zum Beispiel setzt der <i>Hodrick-Prescott-Filter (HP-Filter)<\/i> den Potenzialoutput so, dass ein gewichteter Durchschnitt der quadrierten Abweichungen des Outputs vom Potenzialoutput und der quadrierten Ver\u00e4nderungen des Wachstums des Potenzialoutputs minimiert wird. Der HP-Filter liefert damit einen flexiblen Trend, der sich umso st\u00e4rker einem linearen Trend ann\u00e4hert, je st\u00e4rker das zweite Kriterium gewichtet wird. F\u00fcr die Wahl des Gewichtungskoeffizienten haben sich zwar gewisse Konventionen durchgesetzt (\u03bb = 1600 f\u00fcr Quartalszahlen), doch lassen sich je nach Situation und Fragestellung auch andere Werte begr\u00fcnden. Vorteile des HP-Filters sind seine Einfachheit sowie geringe Anforderungen an die Daten. Darin liegen allerdings auch seine Grenzen, da er keine \u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge aussch\u00f6pft.&#13;<\/p>\n<h2>Produktionsfunktionsansatz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00d6konomisches Wissen kann auf verschiedene Weise in die Berechnung des Potenzialoutputs einfliessen. Eine weit verbreitete Methode ist der <i>Produktionsfunktionsansatz<\/i>&#13;<br \/>\nIWF, OECD, US Budget Office; f\u00fcr die Schweiz siehe L\u00fcscher und Ruoss, 1996., bei welchem das Outputwachstum als Summe des Wachstums der Inputfaktoren (Arbeit, Kapital) und eines Residuums (Wachstum der totalen Faktorproduktivit\u00e4t) ausgedr\u00fcckt wird. Indem Kapital- und Arbeitsinputs auf ihre Vollbesch\u00e4ftigungswerte und die Produktivit\u00e4t auf ihren Trendwert gesetzt werden, l\u00e4sst sich der Potenzialoutput berechnen. Der Produktionsfunktionsansatz setzt also bei den Quellen des Wirtschaftswachstums an und ber\u00fccksichtigt detaillierte Informationen \u00fcber die Produktionsseite der Volkswirtschaft. Er erm\u00f6glicht damit eine Zerlegung des Wachstums des Potenzialoutputs in die Beitr\u00e4ge der verschiedenen Inputfaktoren. Allerdings werden auch hier vereinfachende Annahmen getroffen. Besonders deutlich wird dies bei der Berechnung der Trendkomponenten der totalen Faktorproduktivit\u00e4t und des Arbeitsangebots (bzw. seiner Komponenten), die h\u00e4ufig mit Hilfe des HP-Filters berechnet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Multivariate Modelle<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine weitere M\u00f6glichkeit, um makro\u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge f\u00fcr die Berechnung des Potenzialoutputs nutzbar zu machen, bilden <i>multivariate Modelle<\/i>. Ein einfaches Beispiel stellt der multivariate HP-Filter dar, der zus\u00e4tzlich zu den zwei Kriterien des univariaten HP-Filters die quadrierten Residuen aus einer gesch\u00e4tzten Gleichung der Phillips-Kurve minimiert.&#13;<br \/>\nSiehe Laxton und Tetlow, 1992. Die Phillips-Kurve beschreibt den empirischen Zusammenhang zwischen Outputl\u00fccke und Ver\u00e4nderungen der Inflationsrate, weshalb ihre Ber\u00fccksichtigung bei der Sch\u00e4tzung des Potenzialoutputs sinnvoll erscheint. Ein anderes Beispiel eines multivariaten Modells ist ein um die Phillips-Kurve erweitertes Modell mit unbeobachtbaren Komponenten.&#13;<br \/>\nSiehe Kuttner, 1994. In Modellen mit unbeobachtbaren Komponenten wird die dynamische Struktur der Trendkomponente und der zyklischen Komponente explizit gemacht. Der als unbeobachtbarer stochastischer Trend behandelte Potenzialoutput l\u00e4sst sich dann mit Hilfe des <i>Kalman-Filters<\/i> aus der Zeitreihe des beobachteten Outputs extrahieren. Ein Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass die Sch\u00e4tzung zusammen mit dem Potenzialoutput ein Mass der Unsicherheit liefert, was f\u00fcr die Anwendung in der Praxis n\u00fctzlich ist.Informationen aus makro\u00f6konomischen Zusammenh\u00e4ngen \u2013 insbesondere aus der Phillips-Kurve \u2013 werden heute in vielf\u00e4ltiger Form zur Sch\u00e4tzung des Potenzialoutputs herangezogen. Man kann die Idee unterschiedlich weit vorantreiben. Die beschriebenen Beispiele des multivariaten HP-Filters und des multivariaten Kalman-Filters sind ziemlich einfach und machen von dem, was wir \u00fcber makro\u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge wissen, nur in geringem Ausmass Gebrauch. Es ist deshalb naheliegend, dar\u00fcber hinauszugehen und zu versuchen, den Potenzialoutput aus einem empirisch gesch\u00e4tzten strukturellen Modell einer Volkswirtschaft zu extrahieren.&#13;<\/p>\n<h2>Dynamische stochastische Modelle des allgemeinen Gleichgewichts<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEmpirisch gesch\u00e4tzte DSGE-Modelle sind ein n\u00fctzliches Instrument f\u00fcr geldpolitische Analysen und makro\u00f6konomische Prognosen. Sie sind aus dem optimierenden Verhalten der Haushalte und Firmen abgeleitet, wobei unvollkommen flexible L\u00f6hne und Preise dazu f\u00fchren, dass Schocks ineffiziente Konjunkturschwankungen ausl\u00f6sen k\u00f6nnen. Erweitert um eine ausreichende Anzahl struktureller Schocks liefern diese Modelle eine relativ gute empirische Beschreibung der Wirklichkeit.&#13;<br \/>\nSiehe Smets und Wouters, 2003.Aus DSGE-Modellen mit unvollkommen flexiblen L\u00f6hnen und Preisen l\u00e4sst sich ein Mass des Potenzialoutputs ableiten, indem die nominalen Rigidit\u00e4ten auf Null gesetzt werden. Der so berechnete Potenzialoutput entspricht dem effizienten Outputniveau, das bei vollkommen flexiblen Preisen und L\u00f6hnen resultieren w\u00fcrde. Bei flexiblen L\u00f6hnen und Preisen fallen die unerw\u00fcnschten, auf nominellen Rigidit\u00e4ten basierenden Schwankungen der relativen Preise und deren Folgen weg.Die auf DSGE-Modellen beruhenden Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs sind in den letzten Jahren auf wachsendes Interesse gestossen. Dazu tr\u00e4gt bei, dass sich die Unsicherheit der Sch\u00e4tzung des Potenzialoutputs quantifizieren l\u00e4sst und die Outputl\u00fccke in die Beitr\u00e4ge der verschiedenen Schocks zerlegt werden kann. Beides ist bei der Interpretation der Outputl\u00fccke n\u00fctzlich. Der DSGE-Potenzialoutput ist allerdings auch mit Problemen verbunden. So h\u00e4ngen die Resultate stark vom gew\u00e4hlten DSGE-Modell ab und sind oft schwerer nachzuvollziehen als die einfacheren traditionellen Berechnungen. Das hat dazu gef\u00fchrt, dass Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs und der Outputl\u00fccke in der Praxis nach wie vor zumeist auf den traditionellen Verfahren basieren.&#13;<\/p>\n<h2>Resultate f\u00fcr den Schweizer Potenzialoutput<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den <i>Grafiken 1<\/i> und <i>2<\/i> sind drei mit verschiedenen Verfahren berechnete Zeitreihen des Potenzialoutputs und der entsprechenden Outputl\u00fccken f\u00fcr die Schweiz abgebildet. <i>Grafik 1<\/i> zeigt den Verlauf des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) zusammen mit den Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs gem\u00e4ss Produktionsfunktionsansatz, HP-Filter und DSGE-Modell (in Mio. Franken, logarithmiert). Die entsprechenden prozentualen Outputl\u00fccken sind aus <i>Grafik 2<\/i> ersichtlich. Der Zeitraum erstreckt sich von 1987 bis 2010. Alle Angaben sind Quartalswerte. Der Produktionsfunktionsansatz folgt dem in <i>L\u00fcscher und Ruoss (1996)<\/i> beschriebenen Verfahren. Der HP-Filter ist auf \u03bb = 3000 gesetzt, was der den aktuellen Grafiken der Outputl\u00fccke im SNB-Quartalsheft unterstellten Annahme entspricht.&#13;<br \/>\nSiehe z.B. \u00abBericht \u00fcber die Geldpolitik\u00bb 1\/2011, Grafik 3.11. Das DSGE-Modell ist eine mit bayesianischen Methoden gesch\u00e4tzte Version des Modells von <i>Beltran und Draper (2008)<\/i>. Das Modell behandelt die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft mit unvollst\u00e4ndiger \u00dcbertragung (<i>pass-through<\/i>) der Wechselkursbewegungen auf die Importpreise. Das Ausland ist als grosse geschlossene Volkswirtschaft, sonst aber gleich modelliert wie die Schweiz. Die ausl\u00e4ndischen Daten sind gewichtete Durchschnitte aus Daten f\u00fcr die Eurozone und die USA. Durch die Ber\u00fccksichtigung der Offenheit der Volkswirtschaft wird der f\u00fcr die Schweiz gesch\u00e4tzte Potenzialoutput zus\u00e4tzlich auch vom Potenzialoutput im Ausland und von den gleichgewichtigen Terms of Trade beeinflusst. Die Resultate zeigen, dass der mit dem HP-Filter und dem Produktionsfunktionsansatz berechnete Potenzialoutput glatt verl\u00e4uft. Im Unterschied dazu weist der DSGE-Potenzialoutput ein unruhiges Profil auf. L\u00e4ngerfristig entwickeln sich die drei Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs aber \u00e4hnlich und schwanken weniger ausgepr\u00e4gt als das BIP. In der Rezession von 2008\/09 zeigen alle drei Sch\u00e4tzungen eine Verlangsamung der Entwicklung des Potenzialoutputs an. Seither hat sich nur der DSGE-Potenzialoutput wieder deutlich beschleunigt. Die mit den drei Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs verbundenen Outputl\u00fccken zeigen alle ein \u00e4hnliches Bild des Konjunkturverlaufs. In den 1990er-Jahren, kurz nach dem Jahr 2000 sowie im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008\/09 ergeben sich negative Outputl\u00fccken, die auf unterausgelastete Kapazit\u00e4ten hindeuten. Im j\u00fcngsten Konjunkturzyklus f\u00e4llt das BIP ab dem vierten Quartal 2008 (Produktionsfunktion) bzw. ersten Quartal 2009 (HP-Filter, DSGE) unter den Potenzialoutput. Die auf dem DSGE-Potenzialoutput basierende Outputl\u00fccke bleibt bis zuletzt (viertes Quartal 2010) deutlich negativ, w\u00e4hrend die beiden anderen Outputl\u00fccken (Produktionsfunktion, HP-Filter) zu diesem Zeitpunkt nahezu geschlossen sind.&#13;<\/p>\n<h2>Problem der Randwertstabilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Problem aller hier behandelten Methoden ist die <i>Randwertinstabilit\u00e4t<\/i>. Dies bedeutet, dass die Sch\u00e4tzungen am aktuellen Rand besonders unsicher sind. Da Zentralbanken vor allem deshalb an der Outputl\u00fccke interessiert sind, weil sie die aktuelle Konjunkturlage und die Inflationsaussichten einsch\u00e4tzen wollen, ist dies ein gewichtiger Nachteil. Im Prinzip sollten die Methoden, die makro\u00f6konomische Zusammenh\u00e4nge ber\u00fccksichtigen, von diesem Problem weniger betroffen sein. Dies spricht f\u00fcr den DSGE-Ansatz sowie in gewissem Umfang auch f\u00fcr den Kalman-Filter und den multivariaten Filter. Um das Problem der Randwertinstabilit\u00e4t zu mildern, ber\u00fccksichtigen der HP-Filter und der Produktionsfunktionsansatz am aktuellen Rand prognostizierte Werte \u00fcber die n\u00e4chsten zwei Jahre.Die mit der Sch\u00e4tzung des Potenzialoutputs einhergehenden Unsicherheiten sind ein Grund, verschiedene Methoden zu verwenden. Die Vielfalt der Sch\u00e4tzverfahren liefert einen gewissen Schutz vor groben Irrt\u00fcmern. Weiter ist es vern\u00fcnftig und zweckm\u00e4ssig, die Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs und der Outputl\u00fccke im Lichte zus\u00e4tzlicher Informationen zu interpretieren. Daf\u00fcr kommen vor allem die Ergebnisse der Umfragen der Konjunkturfoschungsstelle der ETH (KOF) in Frage. In den KOF-Umfragen werden Industriefirmen nach der H\u00f6he ihrer Kapazit\u00e4tsauslastung gefragt. Weiter werden sie gefragt, inwieweit sie sich durch Faktoren wie technische Kapazit\u00e4ten, Schwierigkeiten bei der Personalrekrutierung oder Finanzierungsbedingungen restringiert f\u00fchlen. Da die Ergebnisse keine Probleme der Randwertstabilit\u00e4t aufweisen, sind Umfragen vor allem f\u00fcr die Beurteilung der aktuellen Situation n\u00fctzlich. Sie erg\u00e4nzen damit die auf Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs beruhenden Outputl\u00fccken, ohne diese zu ersetzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abBIP und Potenzialoutput, in Mio. Franken (logarithmiert), verschiedene Methoden, 1987:1 \u2013 2010:4\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abOutputl\u00fccke in Prozent, verschiedene Methoden, 1987:1 \u2013 2010:4\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Beltran, Daniel O. und David Draper (2008): Estimating the Parameters of a Small Open Economy DSGE Model: Identifiability and Inferential Validity, International Finance Discussion Papers Nr. 955, Board of Governors of the Federal Reserve System.\u2212 Kuttner, Kenneth N. (1994): Estimating Potential Output as a Latent Variable, Journal of Business and Economic Statistics 12, S. 361\u2013368.\u2212 Laxton, Douglas und Robert J. Tetlow (1992): A Simple Multivariate Filter for the Measurement of Potential Output, Bank of Canada Technical Report Nr. 59, Bank of Canada.\u2212 L\u00fcscher, Barbara und Eveline Ruoss (1996): Entwicklung der potentiellen Produktion in der Schweiz. Geld, W\u00e4hrung und Konjunktur, Quartalsheft der Schweizerischen Nationalbank 1996(1): S. 61\u201374. \u2212 Okun, Arthur M. (1962): Potential GNP: Its Measurements and Significance, American Statistical Association, 1962 Proceedings of the Business and Economic Statistics Section: S. 98\u2013104.\u2212 Orphanides, Anthanasios (2001): Monetary Policy Rules Based on Real-Time Data, American Economic Review 91: page 964\u2013985. \u2212 Smets, Frank und Raf Wouters (2003): An Estimated Stochastic Dynamic General Equilibrium Model of the Euro Area, Journal of the European Economic Association 1: S. 1123\u20131175.\u2212 Taylor, John B. (1993): Discretion versus Policy Rules in Practice. Carnegie-Rochester Conference Series on Public Policy 39: S. 195\u2013214.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die als Abweichung des Bruttoinlandprodukts (BIP) vom Potenzialoutput berechnete Outputl\u00fccke beeinflusst die Inflationsdynamik, weshalb Sch\u00e4tzungen des Potenzialoutputs f\u00fcr die Geldpolitik n\u00fctzlich sind. Methoden zur Sch\u00e4tzung des Potenzialoutputs unterscheiden sich unter anderem darin, inwieweit sie volkswirtschaftliche Zusammenh\u00e4nge aussch\u00f6pfen. Sie reichen daher von einfachen Gl\u00e4ttungsverfahren bis zur Herleitung des Potenzialoutputs aus einem mikrofundierten allgemeinen Gleichgewichtsmodell einer Volkswirtschaft. 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