{"id":120630,"date":"2011-06-01T12:00:00","date_gmt":"2011-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/06\/zuercher-3\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:25","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:25","slug":"zuercher-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/06\/zuercher-3\/","title":{"rendered":"Wirtschaftswachstum verlangt nach Investitionen"},"content":{"rendered":"<p>Seit Mitte des letzten Jahrzehnts weist die Schweiz im historischen wie auch im internationalen Vergleich ein \u00fcberdurchschnittliches Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) auf. Dabei deutet einiges auf eine Zunahme des Potenzialwachstums hin. Das Wirtschaftswachstum ist in der Schweiz sehr arbeitsintensiv, was sich einerseits in einem vergleichsweise geringen Niveau und Wachstum der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivit\u00e4t, anderseits in einer tiefen Arbeitslosigkeit und hohen Arbeitsmarktpartizipation niederschl\u00e4gt. Das Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen mit der Europ\u00e4ischen Union bildet eine wichtige Voraussetzung f\u00fcr dieses spezifisch schweizerische Wachstumsregime.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zunahme des Wohlstandes in der Schweiz beruht auf einem \u00fcberdurchschnittlich arbeitsintensiven Wirtschaftswachstum. W\u00e4hrend in der Nachkriegszeit bis 1973 ein Zuwachs des BIP um 1% im Jahresdurchschnitt mit einem Anstieg der Erwerbst\u00e4tigkeit um knapp 0,4% einherging (im Vergleich dazu: BE 0,1; F 0,1; DE 0,2; NL 0,2; UK 0,2; USA 0,4), waren es seit 1973 0,6% (BE 0,2; F 0,2; DE 0,2; NL 0,5; UK 0,1; USA 0,5). Die Arbeitsintensit\u00e4t des Wachstums erreichte \u00fcber das letzte Jahrzehnt mit 0,8% beinahe wieder den H\u00f6chstwert von 0,9% der 1980er- Jahre. Eine hohe Arbeitsintensit\u00e4t bedeutet ein Wachstum in die Breite. Ein Wachstum in die Tiefe w\u00e4re demgegen\u00fcber durch hohe Produktivit\u00e4tssteigerungen gepr\u00e4gt, die wohl auch mit einer geringeren Arbeitskr\u00e4ftenachfrage einher ginge. Trotz des Wachstums in die Breite ist es der Schweiz gelungen, sich zu einem der reichsten L\u00e4nder der Welt zu entwickeln, wenn man das BIP pro Kopf der Bev\u00f6lkerung als Mass f\u00fcr den Wohlstand nimmt. Insbesondere erlaubte dieses Wachstum in die Breite dank der hohen Arbeitsmarktpartizipation allen Bev\u00f6lkerungsschichten am zus\u00e4tzlich geschaffenen Wohlstand zu partizipieren. In Anbetracht des erreichten Wohlstandsniveaus war und ist das spezifisch schweizerische Wachstumsregime durchaus erfolgreich.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Arbeitskr\u00e4ftenachfrage<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie hohe Arbeitsintensit\u00e4t des Wirtschaftswachstums generiert naturgem\u00e4ss eine hohe Arbeitskr\u00e4ftenachfrage, die durch das einheimische Arbeitskr\u00e4fteangebot nicht mehr gedeckt werden kann. Die hohe Zuwanderung ist weniger eine Folge davon, dass viele Ausl\u00e4nder in die Schweiz zu kommen w\u00fcnschen <i>(Zuwanderungsdruck),<\/i> sondern resultiert aus einer hohen Arbeitskr\u00e4ftenachfrage <i>(Sogwirkung des Arbeitsmarktes).<\/i> Die seit Einf\u00fchrung des Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommens nachfragegesteuerte Zuwanderung hat bislang zu keinen nennenswerten negativen Auswirkungen am Arbeitsmarkt gef\u00fchrt. Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit ist w\u00e4hrend der Finanzmarktkrise stets unter 4% geblieben, w\u00e4hrend sie im OECD-Durchschnitt deutlich \u00fcber 8% gestiegen ist. Ebenso konnten keine systematisch negativen Effekte der Zuwanderung bez\u00fcglich der Lohnentwicklung festgestellt werden. Die Lohnsumme insgesamt und pro Erwerbst\u00e4tigen ist real seit Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit im Jahr 2002 nicht langsamer gewachsen als fr\u00fcher; der Anteil des Arbeitseinkommens am Gesamteinkommen ist stabil geblieben, und die Verteilung des Lohnwachstums war \u00fcber die verschiedenen Lohnsegmente recht ausgeglichen.&#13;<\/p>\n<h2>Bauinvestitionen stagnieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Produktion in der Schweiz profitiert mit der Personenfreiz\u00fcgigkeit heute von einer hohen Vermehrbarkeit des Faktors Arbeit, der ausserdem \u00fcber das gesamte Qualifikationsspektrum reichlich vorhanden ist. Als den Wachstumsprozess limitierender Faktor erweist sich zunehmend der Immobilienmarkt, auf welchem sich nach Regionen differenziert mehr oder weniger starke Verknappungsph\u00e4nomene mit entsprechenden Preissteigerungen bemerkbar machen. Da die Bauinvestitionen heute real gerechnet auf demselben Niveau wie 1990 liegen und die Zahl der neu erstellten Wohnungen seit den 1980er-Jahren bei j\u00e4hrlich knapp 40&nbsp;000 Einheiten stagniert, ist dies nicht weiter erstaunlich. Die Bauinvestitionen haben bislang kaum auf das zuwanderungsbedingte Bev\u00f6lkerungswachstum reagiert. Bleiben daher h\u00f6here Bauinvestitionen weiterhin aus, k\u00f6nnte dies nicht nur zu weiteren Verknappungserscheinungen mit inflation\u00e4ren Tendenzen am Immobilienmarkt f\u00fchren, sondern es k\u00f6nnte dadurch auch die bislang hohe politische Akzeptanz der Personenfreiz\u00fcgigkeit und der damit verbundenen Zuwanderung erodieren. Ein solcher Stimmungsumschwung w\u00fcrde das Wachstumspotenzial der Schweiz nachhaltiger einschr\u00e4nken, als der chronische Mangel an ad\u00e4quat qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften zu Zeiten vor der Personenfreiz\u00fcgigkeit mit der EU\/EFTA (Europ\u00e4ischen Freihandelsassoziation). Mit einer Nettoinvestitionsquote von gegenw\u00e4rtig unter 5% und seit gut zwanzig Jahren laufend sinkendem Anteil der Bruttoinvestitionen am BIP muss es nun in der Schweiz selber wieder zu einem Investitionsschub kommen. In einer alternden Gesellschaft, die eher dem Konsum Priorit\u00e4t beimisst, ist dies allerdings zugegebenermassen schwierig.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Mitte des letzten Jahrzehnts weist die Schweiz im historischen wie auch im internationalen Vergleich ein \u00fcberdurchschnittliches Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) auf. Dabei deutet einiges auf eine Zunahme des Potenzialwachstums hin. 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