{"id":120635,"date":"2011-06-01T12:00:00","date_gmt":"2011-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/06\/zweimueller-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:14","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:14","slug":"zweimueller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/06\/zweimueller\/","title":{"rendered":"Anmerkungen zu Wachstum und Wohlstand in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz war im Jahr 1970 laut Angus Maddison&#13;<br \/>\nAngus Maddison (2009): Statistics on World Population, GDP and Per Capita GDP, 1-2008 AD. noch das reichste OECD Land.&#13;<br \/>\nDas Pro-Kopf-Einkommen (Gemessen in \u00ab1990 International Geary-Khamis Dollars\u00bb) betrug in der Schweiz 16&nbsp;904 US-Dollar gegen\u00fcber 15&nbsp;030 US-Dollar der USA. Im Jahr 2008 hatte sich der Vorsprung der Schweiz gegen\u00fcber den USA in einen deutlichen R\u00fcckstand verwandelt.&#13;<br \/>\n2008 betrug das Pro-Kopf-Einkommen der Schweiz Die Wachstumsrate 1970-2008 betrug nur 1,04%, in den USA jedoch 1,61%. Der Wachstumsbericht (2008) des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zeigt, dass sich das erh\u00f6hte Wachstum vor der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 haupts\u00e4chlich auf eine Besch\u00e4ftigungszunahme st\u00fctzt, w\u00e4hrend die Zuwachsraten der Arbeitsproduktivit\u00e4t auf niedrigem Niveau verharren.&#13;<br \/>\nDer Autor m\u00f6chte Sandro Favre f\u00fcr seine Anregungen und Kommentare danken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWird die Schweiz ihre Wachstumsschw\u00e4che \u00fcberwinden? Folgende drei Punkte werden in den n\u00e4chsten Jahren (und dar\u00fcber hinaus) von Bedeutung sein: die Finanzierung der \u00f6ffentlichen Hand, die demographische Entwicklung und Immigration sowie die Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzierung der \u00f6ffentlichen Haushalte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Grossteil der anderen L\u00e4nder hat die Wirtschafts- und Finanzkrise gewaltige L\u00fccken in die \u00f6ffentlichen Haushalte gerissen. Die Staatsschuldenquote betr\u00e4gt Ende 2011 im Euro-Raum voraussichtlich 94,8%, in Grossbritannien 88,7%, in den USA 98,5% und in Japan 204,2%.&#13;<br \/>\nOECD (2011): Economic Outlook, Paris. Alle Prognosen deuten darauf hin, dass diese Defizite in den n\u00e4chsten Jahren weiter steigen werden. Die Staatsschulden nehmen damit Gr\u00f6ssenordnungen an, die bisher in Friedenszeiten unbekannt waren. In fast allen OECD-L\u00e4ndern wird die Sanierung der Staatshaushalte das dominierende Thema der Wirtschaftspolitik der n\u00e4chsten Jahre sein. Die Schweiz dagegen kann sich anderen Aufgaben widmen. Die Schuldenquote nimmt sich mit 41,1% im Jahr 2011 vergleichsweise gering aus. In 2009 konnte man als einziges OECD-Land sogar einen Budget\u00fcberschuss verzeichnen. Die Belastung durch direkte Steuern hat sich in den letzten Jahren nicht erh\u00f6ht, sondern ist sogar leicht zur\u00fcckgegangen. Gelingt es, die damit verbundenen finanziellen Spielr\u00e4ume zu nutzen \u2013 und nachhaltige Weichenstellung im Bereich der Bildung, Gesundheit, Umwelt und Energie zu setzen \u2013, wird die Schweiz mittelfristig einen Teil des in den 1990er-Jahren verlorenen Terrains wiedergutmachen.&#13;<\/p>\n<h2>Demografische Entwicklung und Immigration<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz weist seit langer Zeit eine sehr niedrige Geburtenrate auf. Bereits seit Mitte der 1970er-Jahre verharrt die totale Fertilit\u00e4tsrate bei 1,5. Die Konsequenz ist nicht nur ein stark zunehmendes Verh\u00e4ltnis von Rentenbez\u00fcgern zu Erwerbst\u00e4tigen, sondern auch eine Alterung der erwerbst\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung. Eine grosse Herausforderung f\u00fcr Wirtschaft und Arbeitsmarktpolitik wird darin bestehen, diesen Teil des Arbeitskr\u00e4ftepotenzials durch ad\u00e4quate Weiterbildungs- und Umschulungsmassnahmen produktiv einzusetzen. Noch bedeutsamer ist die Zuwanderung ausl\u00e4ndischer Arbeitskr\u00e4fte. Wie die \u00fcbrigen OECD L\u00e4ndern setzt die Schweiz auf die Immigration hochqualifizierter Arbeitskr\u00e4fte \u2013 und dies mit Erfolg: Mitte der 1990er-Jahre waren nur 10% der Neuzuwanderer sehr gut qualifiziert; heute sind es mehr als 30%.&#13;<br \/>\nSchweizerische Lohnerhebung (BFS). Als Land mit hoher Lebensqualit\u00e4t, attraktiven Wirtschaftsstandorten und hohen L\u00f6hnen wird es der Schweiz auch in Zukunft gelingen, hochqualifizierte Arbeitskr\u00e4fte zu attrahieren. Der Engpass besteht in der sozialen Integration von Immigranten. Die Schweiz wird verst\u00e4rkte Anstrengungen unternehmen und kreative Ans\u00e4tze finden m\u00fcssen, um sozialen Spannungen vorzubeugen.&#13;<\/p>\n<h2>Verteilung von Einkommen und Verm\u00f6gen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts (BIP) und des Pro-Kopf-Einkommens sind wichtige Indikatoren der Wirtschaftskraft und des Wohlstandes. Sie geben allerdings keine Auskunft dar\u00fcber, wer von den Fr\u00fcchten des Wachstums profitiert. Das seit den 1970er-Jahren hohe Wachstum der USA wurde von einer starken Zunahme der Ungleichheit begleitet. In den letzten Jahren gipfelte die soziale Ungleichheit sogar in eine Polarisierung, die durch starke Zuw\u00e4chse an den R\u00e4ndern der Einkommensverteilung und einem Wegbrechen der Mittelschicht gepr\u00e4gt ist. Die Verteilung der Schweiz war lange relativ stabil; doch in den letzten Jahren tut sich auch hier die Lohnschere auf. Die h\u00f6chsten Zuw\u00e4chse haben Spitzenverdiener, die mittleren Einkommen wachsen weniger. In einer solchen Situation tut die Wirtschaftspolitik gut daran, dem Ziel einer gerechten Einkommensverteilung verst\u00e4rktes Augenmerk zu widmen. Eine von der Bev\u00f6lkerung als gerecht empfundene Einkommensverteilung ist die Basis f\u00fcr nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, hohe gesellschaftliche Koh\u00e4sion und sozialen Frieden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz war im Jahr 1970 laut Angus Maddison&#13; Angus Maddison (2009): Statistics on World Population, GDP and Per Capita GDP, 1-2008 AD. noch das reichste OECD Land.&#13; Das Pro-Kopf-Einkommen (Gemessen in \u00ab1990 International Geary-Khamis Dollars\u00bb) betrug in der Schweiz 16&nbsp;904 US-Dollar gegen\u00fcber 15&nbsp;030 US-Dollar der USA. 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