{"id":120670,"date":"2011-05-01T12:00:00","date_gmt":"2011-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/05\/cina-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:32","slug":"cina-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/05\/cina-3\/","title":{"rendered":"Standortpromotion im Ausland: Prozess weiterf\u00fchren \u2013 und zusammen besser werden"},"content":{"rendered":"<p>Die Standortpromotion im Ausland setzt eine Kooperation zwischen Bund und Kantonen voraus. Die Osec vollzieht diese Koordinationsaufgabe f\u00fcr die beiden Partner seit mehr als zwei Jahren. Zurzeit wird dieses Mandat neu aufgelegt. Die Kantone und das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) wollen mit der Osec weitermachen. Allerdings ben\u00f6tigt es f\u00fcr die Zukunft mehr Koordination und eine klare Aufgabenteilung, um gemeinsam gr\u00f6sseren Erfolg zu haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Standortf\u00f6rderung des Bundes will die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft f\u00f6rdern. Hierf\u00fcr werden im Rahmen der im eidg. Parlament aktuell diskutierten Botschaft \u00fcber die Standortf\u00f6rderung 2012\u20132015 die F\u00f6rderungsinstrumente neu dotiert. Die Kantone sind als Standorte f\u00fcr Unternehmen von der F\u00f6rderpolitik des Bundes stark tangiert und haben w\u00e4hrend der letzten Laufzeit positive Erfahrungen gemacht. Die dazu verwendeten Instrumente \u2013 Exportf\u00f6rderung, Standortpromotion, Tourismuspolitik, KMU-Politik und Regionalpolitik \u2013 haben sich grunds\u00e4tzlich bew\u00e4hrt; darauf sollte man sich f\u00fcr die kommenden vier Jahre wieder st\u00fctzen. Deshalb ist es wichtig, dass das Bundesparlament in der anstehenden Beschlussfassung die finanziellen Mittel f\u00fcr die Standortf\u00f6rderung auf dem Niveau der letzten Periode bel\u00e4sst.&#13;<\/p>\n<h2>Partnerwerk Standortpromotion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas gilt insbesondere auch f\u00fcr die Standortpromotion im Ausland, wo sich die Kantone neben dem Bund (5,1 Mio. Franken pro Jahr) j\u00e4hrlich mit 1,3 Mio. Franken beteiligen. Die Gelder werden f\u00fcr ein Mandat von der Osec eingesetzt. Basis ist eine Leistungsvereinbarung zwischen Kantonen und der Osec, die aktuell f\u00fcr die neue Laufzeit ab anfangs 2012 in Revision steht. Der Vereinbarungsentwurf befindet sich bis Ende April bei den Kantonen in der Vernehmlassung. Im Rahmen der n\u00e4chsten Versammlung der Volkswirtschaftsdirektorenkonferenz (VDK) von Mitte Juni 2011 soll der neue Vertrag zur Ratifikation in den Kantonen verabschiedet werden. Das Ziel der Partner \u2013 Seco, Osec und Kantone \u2013 ist es, ab Anfang 2012 mit den neuen Regelungen zu starten, um nachhaltige Ansiedelungsprojekte zu f\u00f6rdern und vermehrte Direktinvestitionen aus dem Ausland in der Schweiz auszul\u00f6sen.&#13;<\/p>\n<h2>Ansiedelung als Prozess zu verstehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie <i>Ansiedelung<\/i>&#13;<br \/>\nUnter Ansiedlungen sind Investitionen und Gr\u00fcndungen von ausl\u00e4ndischen Firmen zu verstehen, bei denen im entsprechenden Jahr ein Eintrag im Handelsregister erfolgt ist. (Definition gem\u00e4ss Arbeitsgruppe Landesmarketing, 2011). einer neuen Firma ist als Prozess zu verstehen. An diesem Prozess beteiligen sich alle Partner in verschiedenen Rollen. Klar ist: Die heutigen Aktivit\u00e4ten der Osec alleine gen\u00fcgen nicht; es braucht auch jene der Kantone.Im Zentrum der Arbeit von der Osec stehen die ersten <i>vier Phasen,<\/i> d.h. <i>Marketing, Marketing-Research, Targeting<\/i> sowie <i>Contacting.<\/i> Die daran anschliessenden Arbeiten werden direkt den Kantonen oder den kantonalen Promotions-Organisationen&#13;<br \/>\nHeute sind in der Schweiz drei grosse regionale Zusammenschl\u00fcsse vorhanden, die im Auftrag der jeweils angeschlossenen Kantone ebenfalls Standortpromotion betreiben. Es sind dies: Greater Geneva Berne Area (GGBa), Basel Area (BA) und Greater Zurich Area (GZA). \u00fcberlassen. Diese verfolgen zusammen mit den kantonalen Wirtschaftsf\u00f6rderungs-Organen den Kontakt weiter, bis hin zur konkreten Investition. Das Seco begleitet den Prozess und pr\u00fcft die Wirksamkeit der Massnahmen und des Mitteleinsatzes.&#13;<\/p>\n<h2>Kantone entscheiden am Schluss<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAn diesem Konzept soll aus kantonaler Sicht nicht ger\u00fcttelt werden. Die konkrete Ansiedelung muss bei den Kantonen verbleiben, weil nur die kantonalen Beh\u00f6rden \u00fcber letztlich entscheidende Faktoren im Ansiedelungsprozess relevant entscheiden k\u00f6nnen. Hierbei geht es unter anderem um Fragen bez\u00fcglich des Baulandes, der Steuerbelastung oder des arbeitsmarktlichen Umfelds. Und genau in diesen Punkten besteht auf Seiten der Kantone eine hohe institutionelle und staatliche Autonomie, die auf dem verfassungsm\u00e4ssig verbrieften Grundrecht zur Kantonsfreiheit&#13;<br \/>\nArt. 3 Schweiz. Bundesverfassung BV (SR 101). beruht. Die Kantone bewegen sich hier in ihren ureigensten staatlichen Aufgaben und nehmen diese auch entsprechend selbstverantwortlich und selbstbewusst wahr.&#13;<\/p>\n<h2>Verhaltensregeln unter Partnern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine erfolgreiche Standortpromotion basiert auf einer Kooperation unter Partnern. Eine solche Zusammenarbeit verlangt Spielregeln, denn man befindet sich \u2013 und das ist ebenfalls eine Folge der Kantonsautonomie \u2013 trotz aller Partnerschaft in einem Wettbewerb. Diesem Umstand will man im Rahmen der neuen Leistungsvereinbarung mit verbindlichen Verhaltensregeln begegnen. Grundlage der \u00abModalit\u00e4ten der Zusammenarbeit\u00bb&#13;<br \/>\nSiehe: Kap. 6, Entwurf Leistungsvereinbarung vom 17. M\u00e4rz 2011. bildet eine transparente Information bezogen auf die geplanten Aktivit\u00e4ten in den M\u00e4rkten. Das verhilft der Schweiz bei der Erstansprache von potenziell interessierten ausl\u00e4ndischen Unternehmen und Investoren zu einem einheitlicheren Auftritt. Es ist wichtig, dass beispielsweise der interessierte Investor in China nur <i>eine<\/i> Schweiz pr\u00e4sentiert bekommt. Das wird durch einheitliche Publikationen und Internetauftritte in der jeweiligen Landessprache, durch Marktanalysen und eine sich daraus entwickelnde, gezielte Kontaktpflege mit wichtigen Unternehmen unterst\u00fctzt. Hier verf\u00fcgt die Osec \u00fcber ihre haupts\u00e4chliche Kompetenz und auch \u00fcber ein gut ausgebildetes Netzwerk. Aus Sicht der Kantone gilt es im Weiteren, die Synergien mit der staatlichen Exportf\u00f6rderung \u2013 dem eigentlichen Hauptgesch\u00e4ft der Osec \u2013 konsequent zu nutzen.&#13;<\/p>\n<h2>Keine Ausweitung des Leadmanagements<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Sonderstellung in der Standortpromotion hat der Wirtschaftsmarkt Japan inne. Dort vollzieht die Osec heute bereits f\u00fcr die Kantone zus\u00e4tzlich zu den Grunddienstleistungen das \u00abLeadmanagement\u00bb.&#13;<br \/>\nUnter Lead versteht man einen Investor, der ein konkretes Interesse bekundet hat, dass er an einer Ansiedelung in der Schweiz und\/oder an konkreten Gespr\u00e4chen mit einer Region oder einem Kanton interessiert ist. Das Potenzial und die entsprechenden Detailangaben werden dann auch von den Kantonen individuell erfasst. Der auf dem Lead basierende Prozess, um das Interesse des Kunden weiter zu entwickeln und im optimalen Fall den Kunden zu einem Abschluss einer Ansiedelung zu f\u00fchren, ist dann das Leadmanagement. In diesem besteht unter den Kantonen Wettbewerb (Definition gem\u00e4ss Arbeitsgruppe Landesmarketing, 2011). Die VDK hat an ihrer Versammlung im Januar beschlossen, dass das Leadmanagement in den kommenden vier Jahren nicht auf weitere L\u00e4nder ausgebaut werden soll. Das ist nicht \u2013 wie teilweise unterstellt \u2013 die Folge eines harten Konkurrenzkampfes, sondern vielmehr die Einsicht, dass die Kantone diese Arbeit, welche sie teilweise bereits seit vielen Jahren mit ausgewiesener Kompetenz selber vollziehen, einfach besser umsetzen k\u00f6nnen als die Osec. Das gilt etwa f\u00fcr die Westschweizer Organisation <i>Greater Geneva Berne area (GGBa),<\/i> die im Ausland \u00fcber eigene Repr\u00e4sentanten und ein entsprechendes Know-how verf\u00fcgt. Die Kantone sind heute der festen \u00dcberzeugung, dass eine saubere Rollenteilung in den M\u00e4rkten zu mehr Erfolg verhilft. Dazu geh\u00f6rt auch, dass alle Beteiligten sich an ihren wahren Kompetenzen orientieren. Im Zentrum stehen \u2013 und das ist unbestritten \u2013 der einheitliche Auftritt der Schweiz in den Erstkontakten und eine verbesserte Koordination der Massnahmen in den M\u00e4rkten. Daf\u00fcr wollen sich die Kantone in den kommenden vier Jahren verst\u00e4rkt einsetzen.&#13;<\/p>\n<h2>Keine Alternative zur Standortpromotion<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Standortpromotion als Prozess gesehen \u2013 vom Marketing bis hin zur Ansiedelung \u2013 ist wichtig f\u00fcr die Schweiz. Die heute unterhaltene Organisation \u2013 wie zuvor dargestellt \u2013 ist effizient und effektiv. Den kritischen Stimmen, die sagen, dass Standortpromotion \u00fcberfl\u00fcssig sei, ist entgegenzuhalten, dass es ein nationales Marketing f\u00fcr das Premiumprodukt \u00abWirtschaftsstandort Schweiz\u00bb braucht. Erstens haben das alle anderen L\u00e4nder auch; und w\u00fcrde die Schweiz auf ein solches verzichten, w\u00e4re dies ein Verkennen der internationalen Realit\u00e4t. Zweitens ist die Alternative zu einer national organisierten Promotion konsequenterweise die unkontrollierte Konkurrenz unter den Kantonen im Ausland. Man muss sich bewusst sein: Die Kantone gehen so oder so ins Ausland, um sich dort als starke Wirtschaftsstandorte zu pr\u00e4sentieren. Von daher dr\u00e4ngt es sich aus Effizienzgr\u00fcnden auf, dass bestimmte Massnahmen koordiniert ablaufen. Der totale Wettbewerb unter den Kantonen in allen Phasen der Standortpromotion w\u00fcrde die Schweiz als Ganzes schw\u00e4chen. Und das wollte insbesondere auch der Bund bei der Neuorganisation verhindern.&#13;<\/p>\n<h2>Standortpromotion \u2013 nicht ausreichend<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf der anderen Seite ist aber den Kritikern daf\u00fcrzuhalten, dass eine effiziente Standortpromotion noch nicht den alleinigen Erfolg f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Schweiz ausmacht. Hier steht eine f\u00fcr die Kantone naheliegende Massnahme im Vordergrund: Man muss als verantwortliche Beh\u00f6rde im Rahmen der kantonalen Wirtschaftsf\u00f6rderung zu seinen bereits vorhandenen, ans\u00e4ssigen Unternehmen Sorge tragen. Dabei helfen effiziente und direkte Verwaltungsabl\u00e4ufe und eine tiefe fiskalische Belastung am meisten. Aber auch das im internationalen Kontext liberale Arbeitsrecht oder das schweizerische duale Bildungssystem als wichtige Grundvoraussetzungen f\u00fcr ein Funktionieren des Arbeitsmarkts gilt es von staatlicher Seite her zu pflegen und weiterzuentwickeln.&#13;<\/p>\n<h2>Zentrale Infrastrukturfragen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Erwerb eines hohen Niveaus der wichtigen Infrastrukturen im Bereich Verkehr, Energie und Service public ist ebenfalls wesentlich. Wir sprechen konkret von anstehenden politischen Grossprojekten \u2013 wie die Finanzierung der Bahninfrastruktur,&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.bav.admin.ch\">http:\/\/www.bav.admin.ch<\/a>, Rubrik \u00abThemen\u00bb, \u00abNeue Finanzierung der Bahninfrastruktur\u00bb die Neuauflage des Bundesbeschlusses \u00fcber das Nationalstrassennetz NEB&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.astra.admin.ch\">http:\/\/www.astra.admin.ch<\/a>, Rubrik \u00abThemen\u00bb, \u00abNationalstrasse\u00bb, \u00abNationalstrassennetz\u00bb sowie Fragen rund um die Sachplanungen \u00fcber die Infrastruktur zur Luftfahrt.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.bazl.admin.ch\">http:\/\/www.bazl.admin.ch<\/a>, Rubrik \u00abThemen\u00bb, \u00abLuftfahrtpolitik\u00bb, \u00abSachplan Infrastruktur der Luftfahrt\u00bb Es geht aber ebenfalls um Fragen der Strommarktliberalisierung ganz generell und um Versorgungssicherheit.Obwohl der Bund in vielen der aufgezeigten Politikbereichen die Federf\u00fchrung inne hat, funktioniert die politische Umsetzung nicht ohne Kantone. Die kantonalen Direktorenkonferenzen \u2013 insbesondere die VDK&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.vdk.ch\">http:\/\/www.vdk.ch<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.haus-der-kantone.ch\">http:\/\/www.haus-der-kantone.ch<\/a> \u2013 k\u00f6nnen hier als Scharniere zwischen Bund und Kantonsregierungen funktionieren. Denn auch hier gilt \u2013 wie bei der Standortpromotion: Tragf\u00e4hige L\u00f6sungen k\u00f6nnen nur durch Zusammenarbeit erwirkt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Tourismus: Umsetzung der Wachstumsstrategie&#13;<\/p>\n<h3>Tourismus: Umsetzung der Wachstumsstrategie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben dem Dossier \u00abStandortpromotion\u00bb beinhaltet die Botschaft \u00fcber die Standortf\u00f6rderung ebenfalls Massnahmen, welche den Tourismus betreffen. Die VDK hat sich stets f\u00fcr eine Verstetigung von Innotour ausgesprochen, welche Innovation und Zusammenarbeit im Tourismus f\u00f6rdern will. Falsch ist hingegen, wenn der Beitrag von 20 Mio. Franken an Innotour der touristischen Landeswerbung abgeht. Die VDK tr\u00e4gt die Wachstumsstrategie im Tourismus des Bundesrats mit. Hierf\u00fcr braucht es mindestens eine gleich hohe Dotierung der finanziellen Leistungen an Schweiz Tourismus wie in den vier Jahren 2008 bis 2011 (191 Mio. Franken). Der Bundesrat liegt heute mit seinem Vorschlag darunter. Obschon die Sofortmassnahmen gegen den starken Schweizer Franken von je 12 Mio. Franken f\u00fcr das Jahr 2011 und 2012 etwas Gegensteuer geben, ist die Situation f\u00fcr die touristische Landeswerbung ab 2013 nicht klar und ungen\u00fcgend finanziert. Es wird dann beim Bundesrat liegen, f\u00fcr die Jahre nach 2013 den finanziellen Bedarf von Schweiz Tourismus angesichts der wirtschaftlichen Lage erneut aufzuzeigen und entsprechende Massnahmen einzuleiten. Ein erfolgreiches Marketing braucht die hierzu erforderlichen Mittel. Auch im Tourismus.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Standortpromotion im Ausland setzt eine Kooperation zwischen Bund und Kantonen voraus. Die Osec vollzieht diese Koordinationsaufgabe f\u00fcr die beiden Partner seit mehr als zwei Jahren. Zurzeit wird dieses Mandat neu aufgelegt. Die Kantone und das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) wollen mit der Osec weitermachen. 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