{"id":120685,"date":"2011-05-01T12:00:00","date_gmt":"2011-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/05\/eichler-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:32","slug":"eichler-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/05\/eichler-3\/","title":{"rendered":"Der Wirtschaftsstandort Schweiz und seine Regionen im internationalen Wettbewerb"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einige Strukturschw\u00e4chen identifiziert und auch behoben worden sind, weist die Schweiz in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts im westeurop\u00e4ischen Vergleich eine erfreuliche Entwicklung auf. Auch aus der grossen Finanz- und Wirtschaftskrise geht die Schweiz relativ gest\u00e4rkt hervor. Und doch ist nicht alles einfach gut: Die Schweiz k\u00f6nnte aus der hervorragenden Ausgangslage mehr machen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Rangliste der wohlhabenden L\u00e4nder Europas liegt die Schweiz hinter dem Spezialfall Luxemburg und dem \u00f6lreichen Norwegen auf dem dritten Platz. F\u00fcr ein rohstoffarmes Land wie die Schweiz ist das ein sehr sch\u00f6nes Ergebnis, das selbst unter Ber\u00fccksichtigung des starken Frankens, also der relativ hohen Preise in unserem Land, Bestand hat. Das bedeutet, dass sich die Schweizer Bev\u00f6lkerung G\u00fcter und Dienstleistungen leisten kann wie kaum in einem anderen Land. Dieser Wohlstand ist Ausdruck einer hohen wirtschaftlichen Leistungs- oder Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Am einfachsten zeigt sich dies am Aussenhandel: W\u00e4hrend der Importanteil der Schweizer Volkswirtschaft bei 42% vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt, betr\u00e4gt der Exportanteil 54%. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Schweiz somit einen Aussenhandels\u00fcberschuss von 12% vom BIP \u2013 sie hat also f\u00fcr 65 Mrd. Franken mehr exportiert als importiert. Dabei ist auch bemerkenswert, dass die Exporte in den letzten drei Dekaden nominell jeweils um rund einen Prozentpunkt pro Jahr st\u00e4rker gewachsen sind als die Importe. Folglich ist der relative Aussenhandels\u00fcberschuss \u00fcberproportional angewachsen. Das ist ein eindr\u00fccklicher Beweis der internationalen Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz. W\u00e4hrend der Wohlstand \u00fcber Einkommen oder Verm\u00f6gen pro Kopf gemessen wird, ist der zentrale Indikator f\u00fcr wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft das BIP pro Kopf. Wie aus <i>Grafik 1<\/i> ersichtlich ist, lag diese Gr\u00f6sse im Jahr 2009 f\u00fcr die Schweiz fast ein Viertel \u00fcber dem westeurop\u00e4ischen Durchschnitt. Kaufkraftbereinigt existieren allerdings einige Regionen auf der Welt \u2013 wie Hong Kong, Massachusetts oder Singapur \u2013, die noch besser dastehen. Alternativ k\u00f6nnte man das BIP auch pro Erwerbst\u00e4tigen berechnen, wobei die Schweiz wesentlich schlechter abschneidet und nur noch im westeurop\u00e4ischen Mittelfeld liegt. Dies h\u00e4ngt mit der im internationalen Vergleich hohen gesamtwirtschaftlichen Besch\u00e4ftigungsquote zusammen. Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind (neben den Grenzg\u00e4ngern), dass die Arbeitslosenrate relativ gering ist und die Frauenerwerbsquote wie auch das Pensionierungsalter in der Schweiz relativ hoch sind. Die hohe Leistungsf\u00e4higkeit wird weniger durch eine hohe Produktivit\u00e4t als vielmehr durch einen \u00fcberdurchschnittlich hohen Arbeitseinsatz erreicht. Der von der BAK Basel Economics entwickelte <i>Performance Index<\/i> deckt verschiedene Aspekte der Leistungsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft ab und misst nicht nur einen Zustand, sondern auch die Dynamik. <i>Grafik 2<\/i> zeigt, dass die ausgew\u00e4hlten Vergleichsregionen im Schnitt besser abschneiden als Westeuropa; dieser Vorsprung f\u00e4llt aber seit zehn Jahren etwa gleich gross aus. Demgegen\u00fcber lag die Schweiz bis 2003 aufgrund der m\u00e4ssigen Wachstumsraten in den 90er Jahren im Mittelfeld. Die relativ hohen Zuw\u00e4chse bei BIP und Besch\u00e4ftigung haben seither zu einer systematischen Steigerung gef\u00fchrt. Damit steht die Schweiz heute als sehr wettbewerbsf\u00e4hig da (vgl. <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Wie die Wettbewerbsf\u00e4higkeit messen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Untersuchung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Wirtschaft bedarf einer sorgf\u00e4ltigen und vielschichtigen Analyse. Einige zentrale Kennzahlen sind jedoch hilfreich f\u00fcr einen ersten \u00dcberblick und unterst\u00fctzen die Strukturierung einer detaillierten Analyse. BAK Basel Economics hat zu diesem Zweck eine Benchmarking Index Family entwickelt, bestehend aus drei aufeinander abgestimmten Indizes, welche die zentralen und international vergleichbaren Indikatoren der Wettbewerbsf\u00e4higkeit zusammenfassen: Eine wettbewerbsf\u00e4hige Wirtschaft zeichnet sich durch eine erfolgreiche bisherige Entwicklung <i>(Performance Index),<\/i> durch eine hohe Anziehungskraft auf hochqualifiziertes Humankapital und Unternehmen <i>(Attractiveness Index)<\/i> und durch eine zukunftstr\u00e4chtige Wirtschaftsstruktur <i>(Structural Potential Index)<\/i> aus.\u2013 Der <i>Performance Index<\/i> erfasst die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Vergangenheit \u00fcber die Messung der bisherigen Wirtschaftsentwicklung und schliesst sowohl eine Niveau- (Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, Gewicht 50%) als auch eine Wachstumskomponente (BIP- und Erwerbst\u00e4tigenwachstum, Gewicht je 25%) ein. Das Niveau zeigt an, wie viel Wohlstand in der Region produziert wird, w\u00e4hrend das Wachstum den Fortschritt misst. \u2013 Der <i>Attractiveness Index<\/i> erfasst die F\u00e4higkeit einer Region, Unternehmungen und Humankapital anzulocken bzw. vorhandene Ressourcen zu halten. Befragungen zeigen regelm\u00e4ssig, dass f\u00fcr die Standortwahl von Unternehmen Steuerbelastung, Verf\u00fcgbarkeit von Arbeitskr\u00e4ften, Erreichbarkeit, Innovationskraft und Regulierung der M\u00e4rkte besonders wichtig sind. F\u00fcr nat\u00fcrliche Personen kommt insbesondere noch Lebensqualit\u00e4t hinzu. Der <i>Attractiveness Index<\/i> fasst Indikatoren aus den oben genannten Bereichen zusammen \u2013 soweit verf\u00fcgbar und international vergleichbar.\u2013 Der <i>Structural Potential Index<\/i> erfasst das in den gegenw\u00e4rtigen Strukturen inh\u00e4rente Potenzial f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Entwicklung. Der <i>Structural Potential Index<\/i> l\u00e4sst sich wiederum in drei Teilbereiche gliedern: 1. <i>Industry Structure Potential<\/i> untersucht die vorhandene Branchenstruktur bezogen auf k\u00fcnftige Wachstumsaussichten. Die Branchen zeigen ein stark unterschiedliches Wachstumspotenzial; gleichzeitig weisen die Regionen erhebliche Unterschiede in der Branchenstruktur auf. So bieten ausgepr\u00e4gte regionale Konzentrationen von Branchen mit hohen erwarteten Wachstumsraten das Potenzial, die zuk\u00fcnftigen Wachstumsaussichten der Region nachhaltig positiv zu gestalten. 2. <i>Capacity to Compete<\/i> untersucht die Produktivit\u00e4ten der sich im interregionalen Wettbewerb befindenden Branchen und fasst die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der exportorientierten Branchen einer Region zusammen. Branchen mit Produktivit\u00e4tsvorspr\u00fcngen gegen\u00fcber konkurrierenden Regionen verm\u00f6gen l\u00e4ngerfristig ihre Wertsch\u00f6pfung \u00fcber den interregionalen Wettbewerb auszuweiten. 3. <i>Political Structure Potential<\/i> misst die politischen Rahmenbedingungen. Zur Umsetzung werden Indikatoren zum Anteil der Schattenwirtschaft am BIP, zur wahrgenommenen Korruption und zur Kompetenzverteilung innerhalb der Staatsebenen herangezogen.Alle drei Indizes der <i>Benchmarking Index Family (Performance, Attractiveness<\/i> und <i>Structural Potential Index)<\/i> sind methodisch gleich konstruiert, wobei der Wert 100 den westeurop\u00e4ischen Mittelwert wiedergibt und 10 Indexpunkte einer Standardabweichung aller westeurop\u00e4ischen Regionen entsprechen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Mittelm\u00e4ssige Produktivit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas bedeutet jedoch nicht, dass das Wachstum in der Schweiz viel h\u00f6her ausfallen w\u00fcrde als in unseren Konkurrenzregionen. Zwar liegt der Wert der Schweiz mit 1,5% im Schnitt der Jahre 2000\u20132009 leicht \u00fcber dem Wert Westeuropas (1,2%). Die wirklich starken Regionen weisen indes ein deutlich h\u00f6heres Wachstum auf (siehe <i>Grafik 3<\/i>). Dabei f\u00e4llt auf, dass das Wachstum in der Schweiz prim\u00e4r von der steigenden Bev\u00f6lkerung und entsprechend h\u00f6heren Besch\u00e4ftigung getragen wird, w\u00e4hrend asiatische und einige europ\u00e4ische Konkurrenzstandorte prim\u00e4r dank Produktivit\u00e4tszuw\u00e4chsen florieren. Beunruhigend ist dies (noch) nicht, da diese Volkswirtschaften von einem tieferen Niveau aus gestartet sind; es f\u00fchrt aber dazu, dass der Weltmarktanteil der Schweiz kontinuierlich abnimmt. Beunruhigender ist ein Vergleich der Produktivit\u00e4tsgewinne der Schweiz mit jenen in Finnland, Schottland oder selbst Westeuropa. Hier tut sich eine Schw\u00e4che der Schweiz kund. Die Produktivit\u00e4t, hier gemessen als BIP pro Erwerbst\u00e4tigen, liegt sowohl bez\u00fcglich Niveau als auch Wachstum nur etwa im westeurop\u00e4ischen Mittel, aber tiefer als in Nordamerika und bez\u00fcglich Wachstum deutlich tiefer als in den aufstrebenden asiatischen Standorten. Die Produktivit\u00e4t ist jedoch der langfristige Schl\u00fcssel zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft. Weshalb werden wir nicht produktiver?&#13;<\/p>\n<h2>Gute Rahmenbedingungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Folgenden werden kurz die wichtigsten <i>Standortfaktoren<\/i> der Schweizer Wirtschaft im internationalen Vergleich diskutiert. Zun\u00e4chst wird in <i>Grafik 4<\/i> die <i>Erreichbarkeit<\/i> dargestellt. Gemessen wird, wie schnell aus einer Region alle anderen europ\u00e4ischen Regionen erreicht werden k\u00f6nnen, wobei die Zielregionen jeweils mit ihrem BIP gewichtet werden. Ein hoher Erreichbarkeitswert besagt, dass innert kurzer Zeit \u00abviel BIP\u00bb erreicht werden kann. Dass die Schweiz hier sehr gut abschneidet, liegt angesichts der zentralen Lage in Europa und der guten Verkehrsinfrastruktur und -verbindungen auf der Hand. Deutlich besser schneiden lediglich Grossstadtregionen wie Paris, London oder Frankfurt ab. Umgekehrt haben eher peripher gelegene Regionen wie etwa Schottland oder Finnland trotz guter Flugverbindungen nur m\u00e4ssige Werte. Interessant sind Ver\u00e4nderungen der Erreichbarkeit in der Periode 2000\u20132008. Viele andere Regionen haben sich deutlich verbessert und den Abstand zur Schweiz verringern k\u00f6nnen. In Finnland sind es bessere Flugverbindungen, w\u00e4hrend \u00d6sterreich von besseren Verbindungen nach Osteuropa profitiert, dessen Wirtschaft zudem gewichtiger wird.Unbestritten ist eine F\u00fchrungsposition der Schweiz im europ\u00e4ischen Steuerwettbewerb. Sowohl bei der Besteuerung von Unternehmen als auch von hoch qualifizierten Besch\u00e4ftigten \u2013 mit einem Nettoeinkommen von 100&#8217;000 Euro pro Jahr \u2013 liegt der Durchschnitt der Schweizer Kantone unter den relevanten Konkurrenzstandorten in Europa und Nordamerika. Tiefere Steuerbelastungen weisen einzig einige Konkurrenzstandorte in Ostasien auf. W\u00fcrden anstelle des Durchschnitts Werte f\u00fcr einige Tiefsteuerkantone betrachtet, w\u00e4re die Steuersituation noch komfortabler. Der Vorsprung der Schweiz gegen\u00fcber anderen Standorten k\u00f6nnte sich angesichts der Schuldenlage in vielen westlichen Staaten gar noch ausweiten.W\u00e4hrend die Daten zu Erreichbarkeit und Steuerbelastung zusammen mit einer hohen Lebensqualit\u00e4t auf eine hohe Attraktivit\u00e4t der Schweiz hindeuten, ist f\u00fcr die Entwicklung der Produktivit\u00e4t das Innovationspotenzial entscheidend. Auch hier ist die Position der Schweiz im internationalen Vergleich komfortabel. Als Massstab f\u00fcr die akademische Forschungskapazit\u00e4t verwenden wir den <i>Shanghai-Index,<\/i> der weltweit die Qualit\u00e4t von Universit\u00e4ten vergleicht. W\u00e4hrend Massachusetts mit der weltbesten Universit\u00e4t (Harvard) und einer Vielzahl weiterer Spitzenuniversit\u00e4ten einsam das Feld anf\u00fchrt, liegt die Schweiz dank der besten Hochschule Kontinentaleuropas (ETH Z\u00fcrich) und zwei weiteren Universit\u00e4ten unter den hundert besten der Welt (Z\u00fcrich, Basel) in einer Spitzenposition.Auch die praktische <i>Forschungskapazit\u00e4t,<\/i> die anhand der gew\u00e4hrten Patente pro Kopf der Bev\u00f6lkerung gemessen wird, attestiert der Schweiz gute Werte. Lediglich Regionen wie Baden-W\u00fcrttemberg, die sehr stark auf Investitionsg\u00fcterindustrien ausgerichtet sind, weisen h\u00f6here Werte auf. \u00c4hnlich gute Ergebnisse ergeben sich f\u00fcr die Schweiz auch bei anderen Indikatoren \u2013 wie der Anzahl wissenschaftlicher Publikationen (pro Kopf) oder der Ausgaben f\u00fcr Forschung und Entwicklung (pro Kopf oder als Anteil vom BIP).&#13;<\/p>\n<h2>Gesunde Strukturen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie sieht jedoch der Blick in die Zukunft aus? Verliert die Schweiz weiter relativ an Position gegen\u00fcber ihren Mitbewerbern und rutscht ins Mittelfeld der Regionen ab? Oder waren die letzten Jahre, mit einer im internationalen Vergleich der Industrienationen \u00fcberdurchschnittlichen Dynamik, Vorbote eines neuen H\u00f6henflugs? Zahlreiche Prognose-Institute, auch BAK Basel Economics selbst, k\u00f6nnten hierzu befragt werden. Stattdessen soll der Blick auf das Potenzial f\u00fcr zuk\u00fcnftige Dynamik gerichtet werden, welches der Schweizer Wirtschaft heute inh\u00e4rent ist.Das strukturell bedingte Potenzial der Schweiz erscheint insgesamt als ausgezeichnet. Wie der zusammenfassende <i>Structural Potential Index<\/i> zeigt, liegt die Schweiz nur knapp geschlagen von Massachusetts an zweiter Stelle unter den westlichen Vergleichsregionen (vgl. <i>Grafik 7<\/i>).&#13;<br \/>\nVergleichbare Berechnungen f\u00fcr asiatische Regionen sind auf Grund fehlender Daten sowie aus methodischen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Der Structural Potential Index ist so konstruiert, dass er explizit f\u00fcr Regionen aus hochentwickelten westlichen Industriel\u00e4ndern geeignet ist. In dieser Gruppe starker Regionen \u2013 die Lombardei kommt als einzige Region deutlich unterhalb des Westeurop\u00e4ischen Werts von 100 zu liegen \u2013 erreicht Baden-W\u00fcrttemberg als drittplazierte Region bereits einen deutlich tieferen Indexwert als die Schweiz. Das ausgesprochen hohe (wirtschaftliche) Potenzial, welches den Schweizer Strukturen innewohnt, basiert dabei nicht auf einem einzelnen Standbein, sondern wird von unterschiedlichen S\u00e4ulen gest\u00fctzt. An erste Stelle zu nennen ist das politisch-wirtschaftlichen System. St\u00e4rken des Schweizer Systems sind die hohe politische Verl\u00e4sslichkeit sowie Strukturen, die der Verbreitung von Korruption und Schattenwirtschaft entgegenwirken. Auch die ausgepr\u00e4gte Verteilung von Kompetenzen auf kantonaler und kommunaler Ebene tr\u00e4gt dazu bei. Die Entwicklung einer dynamischen und innovativen Wirtschaft ist ohne derartige Rahmenbedingungen langfristig kaum denkbar. Getragen wird das strukturelle Wachstumspotenzial der Schweiz vor allem von der vorhandenen Branchenstruktur. Branchen wie Chemie-Pharma, Feinmechanik\/Uhren oder der Finanzsektor, denen im kommenden Jahrzehnt in den Industriel\u00e4ndern ein \u00fcberdurchschnittliches Wachstumspotenzial attestiert wird, sind in der Schweiz deutlich \u00fcbervertreten. Dar\u00fcber hinaus sind diese exportorientierten Branchen im Schnitt international ausgesprochen wettbewerbsf\u00e4hig, wie anhand der Produktivit\u00e4t gemessen werden kann.Fasst man Wachstumspotenzial und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zusammen, ergibt sich ein positives Bild. Zwar gibt es durchaus einzelne Bereiche, in denen noch mit weiterem Strukturwandel zu rechnen ist oder in denen die Wettbewerbsf\u00e4higkeit die Wachstumsaussichten eintr\u00fcbt. Gesamthaft betrachtet verf\u00fcgt die Schweizer Wirtschaft jedoch \u00fcber die strukturelle Ausgangslage, um in den kommenden Jahren eine \u00fcberdurchschnittliche Dynamik zu erreichen. Betrachtet man die Schweizer Grossregionen differenziert, so weisen alle Regionen ein strukturelles Potenzial oberhalb von 100 (= westeurop\u00e4ischer Durchschnitt, vgl. <i>Grafik 8<\/i>) auf. Allerdings unterscheiden sich die Niveaus erheblich. Basel (Nordwestschweiz) f\u00fchrt klar, was vorrangig auf die starke Pharmaindustrie in der Region zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Ebenfalls \u00fcberdurchschnittlich sind die Grossregionen mit den Wirtschaftsmetropolen Z\u00fcrich und Genf im Zentrum. Auch wenn die Schweiz insgesamt gut aufgestellt ist, so zeigt sich deutlich, dass die hervorragende Position der Schweiz bez\u00fcglich des strukturellen Potenzials stark durch die Wachstumskerne Basel, Z\u00fcrich und Genf gepr\u00e4gt wird.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGemessen am BIP pro Kopf der Bev\u00f6lkerung ist der Wirtschaftsstandort Schweiz gut im internationalen Wettbewerb positioniert. Die Produktivit\u00e4t (BIP pro Erwerbst\u00e4tiger oder pro geleistete Arbeitsstunde) hingegen liegt nur im westeurop\u00e4ischen Mittel, und auch das Wirtschaftswachstum lag bis vor kurzem kaum \u00fcber dem westeurop\u00e4ischen Schnitt. An den Rahmenbedingungen kann dies nicht liegen: Bei den Themen Erreichbarkeit, Steuerbelastung und Innovationskapazit\u00e4t liegt die Schweiz international sehr gut im Rennen, auch wenn sich der Abstand zu den Verfolgern etwas verkleinert hat. Und auch die Branchenstruktur gibt vornehmlich Anlass zum Optimismus. Das Potenzial f\u00fcr eine \u00fcberdurchschnittliche Entwicklung der Schweiz ist vorhanden. Nutzen wir es, indem wir die Rahmenbedingungen pflegen und offen sind f\u00fcr Neues.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abBIP pro Kopf, 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abBAK Performance Index\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abBIP Wachstum 2000\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4: \u00abKontinentale Erreichbarkeit\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 5: \u00abBAK Taxation Index, 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 6: \u00abInnovation: Patente und Forschungsqualit\u00e4t der Universit\u00e4ten\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 7: \u00abBAK Structural Potential Index, 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 8: \u00abBAK Structural Potential Index, 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Auswahl der Vergleichsregionen&#13;<\/p>\n<h3>Auswahl der Vergleichsregionen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZur empirischen Einordnung der Schweiz hat BAK Basel Economics (BAK Basel) einige Vergleichsl\u00e4nder und -regionen ausgew\u00e4hlt, die bez\u00fcglich Gr\u00f6sse und Wahrnehmung als Konkurrenten unseres Landes gelten k\u00f6nnen. Zum Teil sind es Nachbarn, zum Teil starke Volkswirtschaften in Nordeuropa. Dazu kommen ein US-Bundesstaat, drei Standorte in Ostasien sowie f\u00fcr einen allgemeinen Vergleich Westeuropa.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Wie die Wettbewerbsf\u00e4higkeit messen?&#13;<\/p>\n<h3>Wie die Wettbewerbsf\u00e4higkeit messen?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Untersuchung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit einer Wirtschaft bedarf einer sorgf\u00e4ltigen und vielschichtigen Analyse. Einige zentrale Kennzahlen sind jedoch hilfreich f\u00fcr einen ersten \u00dcberblick und unterst\u00fctzen die Strukturierung einer detaillierten Analyse. BAK Basel Economics hat zu diesem Zweck eine <i>Benchmarking Index Family entwickelt,<\/i> bestehend aus drei aufeinander abgestimmten Indizes, welche die zentralen und international vergleichbaren Indikatoren der Wettbewerbsf\u00e4higkeit zusammenfassen: Eine wettbewerbsf\u00e4hige Wirtschaft zeichnet sich durch eine erfolgreiche bisherige Entwicklung <i>(Performance Index),<\/i> durch eine hohe Anziehungskraft auf hochqualifiziertes Humankapital und Unternehmen <i>(Attractiveness Index)<\/i> und durch eine zukunftstr\u00e4chtige Wirtschaftsstruktur <i>(Structural Potential Index)<\/i> aus.\u2013 Der <i>Performance Index<\/i> erfasst die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Vergangenheit \u00fcber die Messung der bisherigen Wirtschaftsentwicklung und schliesst sowohl eine Niveau- (Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, Gewicht 50%) als auch eine Wachstumskomponente (BIP- und Erwerbst\u00e4tigenwachstum, Gewicht je 25%) ein. Das Niveau zeigt an, wie viel Wohlstand in der Region produziert wird, w\u00e4hrend das Wachstum den Fortschritt misst. \u2013 Der <i>Attractiveness Index<\/i> erfasst die F\u00e4higkeit einer Region, Unternehmungen und Humankapital anzulocken bzw. vorhandene Ressourcen zu halten. Befragungen zeigen regelm\u00e4ssig, dass f\u00fcr die Standortwahl von Unternehmen Steuerbelastung, Verf\u00fcgbarkeit von Arbeitskr\u00e4ften, Erreichbarkeit, Innovationskraft und Regulierung der M\u00e4rkte besonders wichtig sind. F\u00fcr nat\u00fcrliche Personen kommt insbesondere noch Lebensqualit\u00e4t hinzu. Der <i>Attractiveness Index<\/i> fasst Indikatoren aus den oben genannten Bereichen zusammen \u2013 soweit verf\u00fcgbar und international vergleichbar.\u2013 Der <i>Structural Potential Index<\/i> erfasst das in den gegenw\u00e4rtigen Strukturen inh\u00e4rente Potenzial f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Entwicklung. Der <i>Structural Potential Index<\/i> l\u00e4sst sich wiederum in drei Teilbereiche gliedern: 1. <i>Industry Structure Potential<\/i> untersucht die vorhandene Branchenstruktur bezogen auf k\u00fcnftige Wachstumsaussichten. Die Branchen zeigen ein stark unterschiedliches Wachstumspotenzial; gleichzeitig weisen die Regionen erhebliche Unterschiede in der Branchenstruktur auf. So bieten ausgepr\u00e4gte regionale Konzentrationen von Branchen mit hohen erwarteten Wachstumsraten das Potenzial, die zuk\u00fcnftigen Wachstumsaussichten der Region nachhaltig positiv zu gestalten. 2. <i>Capacity to Compete<\/i> untersucht die Produktivit\u00e4ten der sich im interregionalen Wettbewerb befindenden Branchen und fasst die internationale Wettbewerbsf\u00e4higkeit der exportorientierten Branchen einer Region zusammen. Branchen mit Produktivit\u00e4tsvorspr\u00fcngen gegen\u00fcber konkurrierenden Regionen verm\u00f6gen l\u00e4ngerfristig ihre Wertsch\u00f6pfung \u00fcber den interregionalen Wettbewerb auszuweiten. 3. <i>Political Structure Potential<\/i> misst die politischen Rahmenbedingungen. Zur Umsetzung werden Indikatoren zum Anteil der Schattenwirtschaft am BIP, zur wahrgenommenen Korruption und zur Kompetenzverteilung innerhalb der Staatsebenen herangezogen.Alle drei Indizes der <i>Benchmarking Index Family (Performance, Attractiveness<\/i> und <i>Structural Potential Index)<\/i> sind methodisch gleich konstruiert, wobei der Wert 100 den westeurop\u00e4ischen Mittelwert wiedergibt und 10 Indexpunkte einer Standardabweichung aller westeurop\u00e4ischen Regionen entsprechen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einige Strukturschw\u00e4chen identifiziert und auch behoben worden sind, weist die Schweiz in der ersten Dekade dieses Jahrhunderts im westeurop\u00e4ischen Vergleich eine erfreuliche Entwicklung auf. Auch aus der grossen Finanz- und Wirtschaftskrise geht die Schweiz relativ gest\u00e4rkt hervor. 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