{"id":120710,"date":"2011-05-01T12:00:00","date_gmt":"2011-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/05\/seiler-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:32","slug":"seiler-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/05\/seiler-3\/","title":{"rendered":"Vorsorgegelder zur Finanzierung von Wohneigentum: Wie und von wem werden sie beansprucht?"},"content":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Wohneigentumsf\u00f6rderung (WEF) k\u00f6nnen f\u00fcr die Finanzierung von selbst genutztem privatem Wohneigentum Mittel der Beruflichen Vorsorge (2. S\u00e4ule) und der gebundenen Selbstvorsorge (S\u00e4ule 3a) verwendet werden. Bis dato gibt es wenig Informationen dar\u00fcber, wie und von wem diese Vorsorgegelder verwendet werden. Eine vom Institut f\u00fcr Finanzdienstleistungen (IFZ) durchgef\u00fchrte Umfrage bei Wohneigent\u00fcmern liefert Erkenntnisse dazu. Im Folgenden werden die Verwendungsformen der Vorsorgegelder und die damit verbunden Risiken sowie die wichtigsten Ergebnisse der Studie dargestellt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn den eigenen vier W\u00e4nden zu wohnen, ist f\u00fcr viele in der Schweiz wohnhafte Personen ein Traum. Wohneigentum soll nicht nur f\u00fcr Reiche m\u00f6glich sein, sondern einer breiteren Bev\u00f6lkerung zug\u00e4nglich gemacht werden. Insbesondere sollen junge Haushalte und Haushalte mit schmaler Eigenkapitalbasis, die jedoch mit steigendem Einkommen f\u00fcr die Zukunft rechnen k\u00f6nnen, gef\u00f6rdert werden. Dies ist das Ziel der Wohneigentumsf\u00f6rderung (WEF). Im Rahmen dieser F\u00f6rderung k\u00f6nnen f\u00fcr die Finanzierung von selbst genutztem privatem Wohneigentum seit 1990 Mittel der S\u00e4ule 3a und seit 1995 der 2. S\u00e4ule verwendet werden. Diese Mittel werden im Folgenden als WEF-Gelder bezeichnet. Wer beansprucht WEF-Gelder? Und wie werden sie verwendet? Ausser einer vom BWO in Auftrag gegebene Studie aus dem Jahr 2003, welche die Verwendung von Geldern aus der 2. S\u00e4ule f\u00fcr die Wohneigentumsfinanzierung untersucht,&#13;<br \/>\nVgl. Hornung (2003). F\u00fcr eine Zusammenfassung der Erkenntnisse dieser Studie vgl. auch Hornung, R\u00f6thlisberger (2004). gibt es keine aktuelle Studie. Kenntnisse \u00fcber die Verwendung von WEF-Geldern sind jedoch sowohl \u00f6konomisch wie auch politisch von zentraler Bedeutung. Aus einem \u00f6konomischem Blickwinkel ist insbesondere von Interesse, wie sich eine Beanspruchung der WEF-Gelder auf die zuk\u00fcnftige finanzielle Lage w\u00e4hrend des erwerbsf\u00e4higen Alters, aber auch im Rentenalter der Ben\u00fctzer auswirkt. Aus politischer Sicht interessiert vor allem, ob mit der Wohneigentumsf\u00f6rderung das gew\u00fcnschte Ziel erreicht worden ist 3. Dazu hat das IFZ im Dezember 2009 in Zusammenarbeit mit dem Hauseigent\u00fcmerverband (HEV) Luzern eine Online-Umfrage bei 3400 seiner Mitglieder zur Verwendung von Vorsorgegeldern f\u00fcr die Finanzierung privaten Wohneigentums durchgef\u00fchrt.&#13;<br \/>\nHiermit m\u00f6chte ich dem HEV Luzern f\u00fcr den E-MailVersand des Fragebogens an seine Mitglieder danken. Der HEV Luzern hat es \u00fcberhaupt erm\u00f6glicht, eine Studie zu diesem Thema durchzuf\u00fchren. Ein Dank gilt auch den beiden Masterstudenten Bruno Della Chiesa und Kevin Vonwil, die bei der Datenerhebung massgeblich mitgewirkt haben. Daraus k\u00f6nnen erstmals Hinweise gefunden werden, wie die 2. S\u00e4ule und die S\u00e4ule 3a genutzt werden, welche sonstigen Finanzierungsquellen noch beansprucht werden und welches soziodemografische Profil die WEF-Beanspruchenden aufweisen.&#13;<\/p>\n<h2>Formen der WEF-Beanspruchung \u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie WEF-Gelder k\u00f6nnen entweder in Form eines Vorbezugs oder einer Verpf\u00e4ndung beansprucht werden. Der Vorteil eines <i>Vorbezugs<\/i> besteht darin, dass dieser als Eigenkapital angerechnet wird. Die Hypothekarbelastung kann somit reduziert werden. Ein Vorbezug verringert jedoch das Altersguthaben. Zudem kann er den Schutz gegen Tod und Invalidit\u00e4t reduzieren. Dies ist dann der Fall, wenn IV- und Hinterlassenenrenten nicht aufgrund des Lohns, sondern aufgrund des Pensionskassenguthabens berechnet werden. Eine <i>Verpf\u00e4ndung<\/i> dagegen erm\u00f6glicht eine Belehnung bis zu 90%, da sie f\u00fcr die Bank eine zus\u00e4tzliche Sicherheit bietet. Ohne diese Zusatzsicherheit gew\u00e4hren die meisten Banken eine Belehnung von h\u00f6chstens 80%. Der Vorteil der Verpf\u00e4ndung liegt darin, dass das Altersguthaben nicht reduziert wird, solange die Hypothekarforderungen bedient werden k\u00f6nnen und somit das Pfand nicht verwertet werden muss. Die Verpf\u00e4ndung f\u00fchrt jedoch aufgrund der h\u00f6heren Verschuldung zu h\u00f6heren Hypothekarzinskosten. Als Bedingung f\u00fcr die h\u00f6here Verschuldung werden zudem \u00fcblicherweise h\u00f6here Amortisationszahlungen gefordert.&#13;<\/p>\n<h2>\u2026 und deren Risiken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDank der Wohneigentumsf\u00f6rderung k\u00f6nnen sich auch Personen ein Wohneigentum leisten, deren eigene Mittel ohne die zus\u00e4tzlichen WEF-Gelder zur Anschaffung des Wohneigentums nicht ausreichen w\u00fcrden, die aber mit steigendem zuk\u00fcnftigem Einkommen rechnen k\u00f6nnen. Neben pers\u00f6nlichen Wechself\u00e4llen \u2013 wie Unfall oder Scheidung \u2013 stellen unerwartete makro\u00f6konomische Schocks ein besonderes Risiko f\u00fcr die zuk\u00fcnftige finanzielle Lage der WEF-Bez\u00fcger dar. So f\u00fchrt beispielsweise ein unerwarteter Zinsanstieg zu h\u00f6heren Wohnkosten. Steigt das Einkommen nicht wie erwartet an, kann sich ein Zinsanstieg empfindlich auf die finanzielle Lage des Haushalts auswirken. F\u00fcr jene, die durch Verpf\u00e4ndung eine hohe Belehnung haben, k\u00f6nnen die zus\u00e4tzlichen Wohnkosten im schlimmsten Falle dazu f\u00fchren, dass insbesondere die Amortisation, aber auch die Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlt werden k\u00f6nnen und das Wohneigentum m\u00f6glicherweise verkauft werden muss. F\u00fcr jene, die einen Vorbezug get\u00e4tigt haben, f\u00fchren die h\u00f6heren Wohnkosten dazu, dass weniger gespart werden kann. Geld, welches aus der 2. S\u00e4ule vorbezogen worden ist, kann m\u00f6glicherweise nicht mehr zur\u00fcckbezahlt werden. Zudem k\u00f6nnen Ersparnisse der S\u00e4ule 3a f\u00fcr das Rentenalter nicht mehr ge\u00e4ufnet werden, was insbesondere f\u00fcr selbst\u00e4ndig Erwerbende im Pensionsalter zu dramatischen Konsequenzen f\u00fchren kann. Die durch den Vorbezug der 2. S\u00e4ule entstandene Vorsorgel\u00fccke kann sich \u2013 je nach H\u00f6he der vorbezogenen Mittel \u2013 empfindlich auf die Alters- oder Risikoleistungen auswirken. Oft ist die Folge davon eine schmerzliche Einschr\u00e4nkung des gewohnten Lebensstandards im Ruhestand oder ein Zwangsverkauf des Wohneigentums. Gerade in Phasen von tiefen Zinsen \u2013 wie wir sie gegenw\u00e4rtig beobachten \u2013 ist die Verlockung gross, auch mit kleinem Portemonnaie Wohneigentum zu erwerben.Ein weiteres Beispiel f\u00fcr einen makro\u00f6konomischen Schock stellt ein wirtschaftlicher Abschwung dar. Dieser kann zu Entlassungen oder Lohnk\u00fcrzungen bei einzelnen Personen f\u00fchren. <i>De Coulon und Z\u00fcrcher (2001)<\/i> haben \u2013 wie auch andere Forscher \u2013 in ihrer Untersuchung gezeigt, dass das Erwerbseinkommen nicht bei allen Personen gleichermassen sensitiv auf wirtschaftliche Zyklen (Rezessions-, Erholungs-, Boom- und Abschwungsphasen) reagiert. Vielmehr sind die Auswirkungen auf das Einkommen stark vom soziodemografischen Profil einer Person abh\u00e4ngig. So spielen insbesondere Alter, Beruf, berufliche Stellung, Ausbildung und weitere soziodemografische Faktoren eine grosse Rolle.&#13;<br \/>\nKurz vor der Drucklegung des vorliegenden Beitrags wurde am 18.4.2011 die Studie &#8222;Wohneigentumspolitik in der Schweiz&#8220; (Baur u.a. 2011) des EFD publiziert. Aus diesem Grund ist es nicht nur f\u00fcr die Hypothekarnachfrager selber, sondern auch f\u00fcr die Banken \u2013 und letztlich f\u00fcr die gesamte Volkswirtschaft \u2013 wichtig, Kenntnisse bez\u00fcglich des soziodemografischen Profils von WEF-Bez\u00fcgern zu haben. Die oben genannten Risiken werden weiter versch\u00e4rft, wenn Personen, die Wohneigentum nicht aus eigenen Mitteln finanzieren k\u00f6nnen, neben den WEF-Geldern zus\u00e4tzliche Finanzierungsquellen \u2013 wie etwa Kredite oder Darlehen von Dritten \u2013 beanspruchen. Dadurch m\u00fcssen noch h\u00f6here Zins- und Amortisationszahlen geleistet werden, was dazu f\u00fchrt, dass f\u00fcr die Zukunft noch weniger gespart werden kann. Entwickelt sich das Einkommen nicht wie geplant und ist auch das Ersparte klein, k\u00f6nnen Hypotheken mit Vorzugskonditionen ebenfalls zu finanziellen Problemen f\u00fchren, n\u00e4mlich wenn nach Ablauf des Vorzugszinses der volle Zins bezahlt werden muss. Beispiele f\u00fcr solche Hypothekarprodukte sind etwa Startbonus-, Family-Plus- oder Fifty-Fifty-Hypotheken.&#13;<\/p>\n<h2>Wichtigste Ergebnisse der Umfrage<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse der bei 3400 Mitgliedern des HEV Luzern durchgef\u00fchrten Umfrage dargestellt. Von den angeschriebenen Personen haben 443 an der Umfrage teilgenommen, wovon 333 den Fragebogen beendet und 110 diesen fr\u00fchzeitig abgebrochen haben. Je nach Betrachtungsweise ergibt sich daraus eine R\u00fccklaufquote zwischen 9,8% und 13%. Zu beachten ist, dass die Erkenntnisse aus dieser Befragung aufgrund der Stichprobe (nur Einwohner des Kantons Luzerns mit Internetanschluss) f\u00fcr die gesamte Schweiz nicht unbedingt als repr\u00e4sentativ gelten k\u00f6nnen. Die Ergebnisse geben dennoch wichtige Hinweise darauf, wie und von wem Vorsorgegelder f\u00fcr die Finanzierung von Wohneigentum genutzt werden. Von den befragten Personen geben 45,4% an, Vorsorgegelder f\u00fcr die Finanzierung von Wohneigentum zu verwenden. Die durchschnittliche H\u00f6he der beanspruchten Gelder betr\u00e4gt 108&#8217;000 Franken. Dabei verwenden 37% der Befragten nur die 2. S\u00e4ule, 33% nur die S\u00e4ule 3a und 30% sowohl die 2. S\u00e4ule als auch S\u00e4ule 3a. Die Vorsorgegelder werden am h\u00e4ufigsten (79%) in Form eines Vorbezugs beansprucht. Der Vorbezug spielt damit gegen\u00fcber der Verpf\u00e4ndung eine weitaus bedeutendere Rolle. <i>Tabelle 1<\/i> gibt einen \u00dcberblick bez\u00fcglich der Frage, wie Vorsorgegelder verwendet werden. Dabei sind f\u00fcr verschiedene Faktoren die am h\u00e4ufigsten genannten Auspr\u00e4gungen aufgef\u00fchrt. Spalten 2 und 3 zeigen dabei die absolut am h\u00e4ufigsten genannte Auspr\u00e4gung je Faktor f\u00fcr Wohneigentum, das mit und ohne WEF-Gelder finanziert worden ist. Die letzte Spalte widerspiegelt dagegen jene Auspr\u00e4gung, bei der das H\u00e4ufigkeitsverh\u00e4ltnis von WEF-finanziertem zu Nicht-WEF-finanziertem Wohneigentum am gr\u00f6ssten ist. In dieser Spalte wird somit jene Faktorauspr\u00e4gung wiedergegeben, bei welcher der Unterschied zwischen WEF-finanziertem und Nicht-WEF-finanziertem Wohneigentum gegen\u00fcber den anderen Auspr\u00e4gungen am gr\u00f6ssten ist.Aus der Tabelle geht hervor, dass die meisten der Befragten ein Einfamilienhaus besitzen, wobei beim Stockwerkeigentum relativ h\u00e4ufiger WEF-Gelder eingesetzt werden als bei den \u00fcbrigen Wohneigentumsarten. Des Weiteren werden Objekte ab Baujahr 2000 deutlich \u00f6fter (Faktor 1,8) mit WEF-Geldern finanziert als \u00e4ltere Objekte. Interessant ist ebenfalls, dass Vorsorgegelder haupts\u00e4chlich bei teureren Objekten und bei jenen mit relativ hoher Belehnung von 76%-80% eingesetzt werden. Dementsprechend h\u00f6her sind auch die Wohnkosten der WEF-Beanspruchenden gegen\u00fcber den nicht WEF-Beanspruchenden. Die meisten befragten Personen haben zudem keine Hypotheken mit Vorzugskonditionen. Solche Hypotheken besitzen nur gerade 28% der Befragten. Von jenen, welche Hypotheken mit Vorzugskonditionen haben, sind die meisten jedoch auch Beanspruchende von WEF-Geldern. Knapp \u00fcber die H\u00e4lfte, n\u00e4mlich 51% der Befragten, geben an, dass sie ihre Hypothek amortisieren. Der Anteil derjenigen, die WEF-Gelder beansprucht haben und amortisieren, ist mit 62% bedeutend h\u00f6her als jener, die keine Vorsorgegelder verwendet haben (42%). Dabei werden die Hypotheken von den WEF-Beanspruchenden haupts\u00e4chlich indirekt amortisiert, was nicht zuletzt aus steuertechnischen \u00dcberlegungen zu erwarten ist. F\u00fcr die Finanzierung von Wohneigentum k\u00f6nnen neben den Mitteln von Finanzinstituten \u2013 insbesondere Hypotheken \u2013 und Vorsorgegeldern auch zus\u00e4tzliche Gelder von Verwandten oder Bekannten in Form von Privatdarlehen, Schenkungen, Erbvorbezug usw. beansprucht werden. Diese Gelder werden in der Kategorie \u00abalternative Finanzierungsquellen\u00bb zusammengefasst. Von den Befragten geben 27% an, alternative Finanzierungsquellen verwendet zu haben. Dabei greifen Personen, die keine WEF-Gelder beanspruchen, mit 30% h\u00e4ufiger auf diese Quellen zur\u00fcck als jene, die Vorsorgegelder verwenden (24%). Gesamthaft werden f\u00fcr die Wohneigentumsfinanzierung Mittel in der H\u00f6he von durchschnittlich 125&#8242; 363 Franken von alternativen Finanzierungsquellen beschafft, wobei die WEF-Beanspruchenden im Durchschnitt Mittel im Umfang von 86&#8242; 129 Franken und die nicht WEF-Beanspruchenden im Umfang von 152&#8242; 391 Franken beschaffen.<i>Tabelle 2<\/i> zeigt die Ergebnisse bez\u00fcglich des soziodemografischen Profils von WEF-Beanspruchenden. Dabei handelt es sich um das Profil des Hauptverdieners eines Haushaltes. Aus dieser Tabelle geht hervor, dass sowohl die meisten WEF- als auch nicht WEF-Beanspruchenden \u00fcber 104&#8242; 000 Franken verdienen. Relativ betrachtet werden jedoch in der Einkommensklasse zwischen 78&#8242; 001 und 91&#8242; 000 Franken am h\u00e4ufigsten WEF-Gelder beansprucht. Beim Einkommen handelt es sich um das Brutto-Jahreseinkommen des Hauptverdieners eines Haushalts. Bez\u00fcglich Haushaltsgr\u00f6sse wohnen die meisten Befragten in einem Ein-Personen-Haushalt. Sie sind es auch, die am h\u00e4ufigsten WEF-Gelder beanspruchen. Relativ zu den nicht WEF-Beanspruchenden werden dagegen Vorsorgegelder am h\u00e4ufigsten von F\u00fcnf-Personen-Haushalten beansprucht. Die meisten der Befragten sind M\u00e4nner (88%), was damit zu erkl\u00e4ren ist, dass in der Mehrheit der Haushalte immer noch der Mann der Hauptverdiener ist. Daher stellen sie mit 89% auch die Mehrzahl der WEF-Beanspruchenden. Wie die rechte Spalte in der Tabelle zeigt, sind sie jedoch auch relativ zu ihrer H\u00e4ufigkeit in der Mehrheit: So geben 45% aller M\u00e4nner an, WEF-Mittel zu beanspruchen, w\u00e4hrend es bei den Frauen rund 42% sind. Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 43 Jahren. Dasjenige der WEF-Beanspruchenden ist mit 40 Jahren tiefer als jenes der nicht WEF-Verwender (46). Wie aus Tabelle 2 zu entnehmen ist, sind diejenigen, die keine Vorsorgegelder beanspruchen, \u00fcber die Altersklassen hinweg am h\u00e4ufigsten \u00fcber 64 Jahre alt, w\u00e4hrend die WEF-Beanspruchenden dagegen am h\u00e4ufigsten zwischen 45 und 54 Jahre alt sind. In der Altersklasse der zwischen 25 und 34 Jahren ist der Unterschied zwischen der Anzahl WEF- und nicht WEF-Beanspruchenden am gr\u00f6ssten. Bez\u00fcglich abgeschlossener Ausbildung haben die meisten befragten Wohneigent\u00fcmer eine h\u00f6here Berufsausbildung. Der Unterschied zwischen WEF- und nicht WEF-Beanspruchenden ist in der Ausbildungskategorie \u00abFachkr\u00e4ften in der Landwirtschaft\u00bb am gr\u00f6ssten. Zudem sind die Wohneigent\u00fcmer mehrheitlich F\u00fchrungskr\u00e4fte.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Umfrage hat ergeben, dass die Wohneigentumsf\u00f6rderung bei der Finanzierung von privatem Wohneigentum eine wichtige Rolle spielt und in der j\u00fcngeren Vergangenheit zus\u00e4tzlich an Bedeutung gewonnen hat. Dabei werden die Vorsorgegelder deutlich \u00f6fter vorbezogen als verpf\u00e4ndet, obwohl der Vorbezug eine direkte Rentenk\u00fcrzung zur Folge hat und somit ein h\u00f6heres finanzielles Risiko birgt. Umso erstaunlicher ist, dass die Belehnungsh\u00f6he und die Wohnkosten der WEF-Bez\u00fcger relativ hoch sind, werden doch Vorbez\u00fcge als Eigenmittel angerechnet und sollten daher eine reduzierende Wirkung auf die Belehnungsh\u00f6he haben. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass Wohneigentum ab 2005 mehrheitlich mit Vorsorgegeldern finanziert worden ist und somit die Hypotheken auch noch nicht amortisiert werden konnten. Interessant ist zudem, dass WEF-Bez\u00fcger weniger oft von alternativen Finanzierungsquellen Gebrauch machen. Zumindest in der analysierten Stichprobe besteht somit kein Klumpenrisiko von verwendeten Vorsorgegeldern und zus\u00e4tzlichen bezogenen alternativen Finanzierungsmitteln. Dagegen haben WEF-Bez\u00fcger deutlich h\u00e4ufiger auch Hypotheken mit Vorzugskonditionen. Bez\u00fcglich des soziodemografischen Profils sind die WEF-Bez\u00fcger \u2013 absolut betrachtet \u2013 eher \u00e4lter und leben in einem Ein-Personen-Haushalt. Relativ zu ihrer Grundgesamtheit sind jedoch bei den Jungen und den f\u00fcnfk\u00f6pfige Familien diejenigen, die Vorsorgegelder verwenden, klar in der \u00dcberzahl. Die Ergebnisse der Untersuchung legen nahe, die mit der Verwendung der WEF-Gelder verbundenen Risiken genauer zu untersuchen und regelm\u00e4ssig zu dokumentieren. Nicht nur das Risikomanagement der hypothekarvergebenden Instituten, sondern auch jenes der Vorsorgeeinrichtungen muss diesem Aspekt \u2013 gerade vor dem Hintergrund der makro\u00f6konomischen Unsicherheiten \u2013 systematisch Rechnung tragen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abWelches Wohneigentum wird am h\u00e4ufigsten mit Wohneigentumsf\u00f6rderung finanziert?\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abWer beansprucht am h\u00e4ufigsten WEF-Gelder?\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Baur M., u.a. (2011): Wohneigentumspolitik in der Schweiz, Eidg. Finanzdepartement EFD.\u2212 De Coulon A., Z\u00fcrcher B. A. (2001): Low Pay Mobility in the Swiss Labor Market, Working Paper.\u2212 Hornung D. u.a. (2003): Wirkungsanalyse der Wohneigentumsf\u00f6rderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge (WEF), Beitr\u00e4ge zur Sozialen Sicherheit, Forschungsbericht Nr. 17\/03, Bern 2003.\u2212 Hornung D. R\u00f6thlisberger T. (2004): Wohneigentumsf\u00f6rderung mit Mitteln der beruflichen Vorsorge, Hrsg. Bundesamt f\u00fcr Wohnungswesen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Wohneigentumsf\u00f6rderung (WEF) k\u00f6nnen f\u00fcr die Finanzierung von selbst genutztem privatem Wohneigentum Mittel der Beruflichen Vorsorge (2. S\u00e4ule) und der gebundenen Selbstvorsorge (S\u00e4ule 3a) verwendet werden. Bis dato gibt es wenig Informationen dar\u00fcber, wie und von wem diese Vorsorgegelder verwendet werden. 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