{"id":120720,"date":"2011-04-01T12:00:00","date_gmt":"2011-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/04\/arvanitis-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:52","slug":"arvanitis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/04\/arvanitis\/","title":{"rendered":"Die Internationalisierung des Dienstleistungssektors der Schweizer Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag&#13;<br \/>\nDieser Beitrag basiert auf einer Studie im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco), die eine Unternehmungsbefragung bei einer repr\u00e4sentativen Stichprobe der Sektoren Industrie, Bau und Dienstleistungen durchf\u00fchrte. gehen die Autoren folgenden Fragen nach: Welche Faktoren beeinflussen die Entscheidung der Dienstleistungsunternehmen im Ausland zu investieren? Welche Form und welchen Umfang soll ihr Auslandengagement annehmen? Dabei setzen die Verfasser der Studie drei Schwerpunkte: Erstens werden die Bestimmungsfaktoren der Auslandspr\u00e4senz von Unternehmen ermittelt. Zweitens werden die Leistungsverflechtung zwischen der Mutterfirma und den ausl\u00e4ndischen Filialen behandelt. Drittens wird die Frage untersucht, ob Investitionen im Ausland den Standort Schweiz \u2013 wie h\u00e4ufig vermutet \u2013 schw\u00e4chen (Verlagerung) oder eher st\u00e4rken (komplement\u00e4re Aktivit\u00e4ten).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Einbindung der schweizerischen Dienstleistungsfirmen (DL-Firmen) in die Weltwirtschaft \u2013 sowohl durch Exporte als auch durch direkte Auslandaktivit\u00e4ten&#13;<br \/>\nUnter direkten Auslandsaktivit\u00e4ten verstehen wir die lokale Pr\u00e4senz von Unternehmen im Ausland in Form von Tochtergesellschaften, Gemeinschaftsunternehmen oder langfristig angelegten Kooperationsvertr\u00e4gen. \u2013 ist noch nicht so ausgepr\u00e4gt wie jene der sehr stark globalisierten Industrieunternehmen (vgl. <i>Tabelle 1<\/i>). Die wichtigsten Gr\u00fcnde f\u00fcr diesen Unterschied sind die geringere Handelbarkeit von Dienstleistungen, die im DL-Sektor h\u00f6heren Handelsschranken sowie der kleinere geografische Aktionsbereich der vielfach (klein-)gewerblichen DL-Firmen. Dennoch betr\u00e4gt der Anteil exportierender DL-Firmen rund 30%; 12% sind direkt im Ausland pr\u00e4sent. In der Industrie sind diese Anteile doppelt so hoch. Auslandaktivit\u00e4ten sind stark gr\u00f6ssenabh\u00e4ngig; f\u00fcr die direkte Auslandpr\u00e4senz gilt dies noch sehr viel ausgepr\u00e4gter als f\u00fcr die Exporte. Zudem zeigt sich, dass 25% aller im Jahr 2010 direkt im Ausland aktiven Firmen nach 1990 erstmals im Ausland investiert haben; bei den kleinen Firmen und den wissensintensiven DLUnternehmen sind es sogar rund 50%. Zahlreiche Faktoren haben zur beschleunigten Internationalisierung beigetragen: sinkende Informations- und Transportkosten, die bilateralen Abkommen mit der EU, die \u00d6ffnung Osteuropas, die Liberalisierung der Kapitalm\u00e4rkte und Infrastrukturbranchen sowie die vermehrt aussenorientierten Wachstumsstrategien in Schwellenl\u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h2>Determinanten der Auslandaktivit\u00e4ten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Analyse der Bestimmungsfaktoren der Auslandaktivit\u00e4ten von Unternehmen diente als theoretischer Bezugsrahmen das OLI-Modell von <i>Dunning (2000),<\/i> welches die wichtigsten Ans\u00e4tze zur Erkl\u00e4rung von Auslandinvestitionen zusammenfasst. In diesem Modell veranlassen drei Faktorengruppen eine Firma dazu, an ausl\u00e4ndischen Standorten aktiv zu werden: \u2212 Eine vorteilhafte Kombination von <i>firmenspezifischen Charakteristika<\/i> wie beispielsweise Innovationsf\u00e4higkeit, Humankapital, Auslanderfahrung <i>(O-Advantages).<\/i>\u2212 Nachteilige <i>standortspezifische Faktoren<\/i> wie zum Beispiel hohe Lohnkosten, starke Marktregulierung <i>(L-Disadvantages).<\/i>\u2212 Die <i>Internalisierung von Marktbeziehungen,<\/i> etwa durch \u00dcbernahme eines Lieferanten zur Sicherung der Qualit\u00e4t von Schl\u00fcsselkomponenten <i>(I-Advantages).<\/i> Das OLI-Modell vermag die Auslandaktivit\u00e4ten der Unternehmen relativ gut zu erkl\u00e4ren. F\u00fcr beide Sektoren sind firmenspezifische St\u00e4rken die treibende Kraft der Auslandsaktivit\u00e4ten (vgl. <i>Tabelle 2<\/i>). Diese St\u00e4rken stimmen mit den komparativen Vorteilen der Schweiz \u00fcberein (Innovationsf\u00e4higkeit, Humankapital usw.). Die Determinanten der direkten Auslandpr\u00e4senz divergieren zwischen dem DL-Sektor und der Industrie nicht stark. Die Unterschiede beziehen sich haupts\u00e4chlich auf die Eigenfinanzierung (nur im DL-Sektor relevant), die Kooperation im Inland (nur f\u00fcr die Industrie von Bedeutung), den Preiswettbewerb (nur im DL-Sektor wichtig), das Firmenalter (nur f\u00fcr die Industrie von Relevanz) und die Firmengr\u00f6sse.Ein Vergleich zwischen exportierenden Firmen und im Ausland angesiedelten Unternehmen zeigt, dass mit wachsender Zahl von im Ausland angesiedelten Unternehmensfunktionen die einzelnen Variablen des OLI-Modells \u2013 im Vergleich zu den \u00abreinen Exporteuren\u00bb \u2013 zusehends einen st\u00e4rkeren Einfluss haben, wobei dies haupts\u00e4chlich f\u00fcr die Industriefirmen gilt. Die international t\u00e4tigen DL-Firmen divergieren nur im Vergleich zu den ausschliesslich im Binnenmarkt t\u00e4tigen Firmen.&#13;<\/p>\n<h2>Leistungsverflechtung zwischen Mutterfirma und ausl\u00e4ndischen Filialen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWelches Gewicht besitzen die Auslandeinheiten (exkl. Kooperationen), wenn eine Firma einmal im Ausland t\u00e4tig ist, an den Aktivit\u00e4ten des gesamten Konzerns? Die Einsch\u00e4tzung dar\u00fcber beruht auf dem durchschnittlichen Auslandanteil von Umsatz, Besch\u00e4ftigung, Investitionen und F&amp;E-Ausgaben im Jahr 2008, der zwischen 38% (Umsatz) und 28% (F&amp;E) variiert. Diese Anteile liegen im DL-Sektor nur noch um 3 (F&amp;E) bis 8 Prozentpunkte (Besch\u00e4ftigung) tiefer als in der Industrie.Dabei ist zu beachten, dass die Berechnung des prozentualen Durchschnittswerts von der Firmengr\u00f6sse abstrahiert. Bei einer Hochrechnung w\u00fcrden die Auslandaktivit\u00e4ten der Grossunternehmen, f\u00fcr die der Schweizer Markt vielfach wenig relevant ist, stark zu Buche schlagen. Dass der Auslandanteil bei F&amp;E geringer ist als bei der Besch\u00e4ftigung, widerspiegelt den Umstand, dass die Unternehmen den Prozess der Wissensgenerierung unmittelbar kontrollieren wollen. Abgesehen davon ist F&amp;E-Personal in der Schweiz reichlicher vorhanden als an den meisten Standorten im Ausland.Ein bisher f\u00fcr die Schweiz noch nie untersuchter Aspekt der Internationalisierung ist <i>die Art und Intensit\u00e4t der konzerninternen Leistungsverflechtung.<\/i> Bei der Analyse werden vier Warenarten (Rohstoffe, einfache und komplexe Komponenten\/Vorprodukte, Fertigprodukte) und drei Arten von Dienstleistungen (Software\/IT, Knowhow\/Patente, Verkaufslizenzen) unterschieden. Die Auswertungen zeigen (vgl. <i>Grafik 1<\/i>): Die Summe der Anteile der liefernden Firmen ist sowohl im DL-Sektor wie in der Industrie um 80% h\u00f6her als jene der beziehenden Unternehmen. Eine Sichtung der Profile der Lieferungen bzw. Bez\u00fcge zeigt, dass in beiden Sektoren die drei wissensorientierten Leistungsarten Software\/IT, Knowhow\/Patente und Verkaufslizenzen besonders hohe \u00abLiefer\u00fcbersch\u00fcsse\u00bb verzeichnen. Unter Ber\u00fccksichtigung der Liefer-Volumina \u2013 d.h. die Summe der Lieferungen und Bez\u00fcge \u2013 sind in der Industrie die Mutterfirmen vor allem auf die Lieferung von Knowhow\/Patenten, Fertigprodukten und komplexen Komponenten\/Vorprodukten spezialisiert, w\u00e4hrend aus dem Ausland in betr\u00e4chtlichem Mass einfache Komponenten\/Vorprodukte bezogen werden. Im DL-Sektor spielen bei den Lieferungen der Mutterfirmen \u2013 neben Fertigprodukten \u2013 vor allem Software\/IT-Leistungen eine zentrale Rolle. Das Muster der konzerninternen Leistungsverflechtung entspricht den komparativen Vorteilen der Schweiz. W\u00e4hrend in der Schweiz haupts\u00e4chlich die humankapital- und wissensintensiven Aktivit\u00e4ten angesiedelt sind, dienen Auslandeinheiten der Distribution von G\u00fctern auf den lokalen M\u00e4rkten und dem Bezug von einfachen Vorprodukten aus dem Ausland. Somit werden die im Ausland angesiedelten Verkaufspunkte\/-netze haupts\u00e4chlich mit Fertigprodukten, die Produktionsst\u00e4tten mit komplexen Komponenten\/Zwischenprodukten beliefert.Quantitative Angaben best\u00e4tigen, dass die Mutterfirmen Liefer\u00fcbersch\u00fcsse aufweisen. Rund 30% der DL-Firmen und \u00fcber 40% der Industriefirmen liefern mehr als 15% ihrer Exporte den Auslandeinheiten. Dem gegen\u00fcber beziehen in beiden Sektoren nur circa 20% der Mutterfirmen mehr als 15% ihrer Importe von Auslandeinheiten (vgl. <i>Tabelle 3<\/i>).&#13;<\/p>\n<h2>Motive der Auslandaktivit\u00e4ten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie bisherigen Ausf\u00fchrungen haben bereits Hinweise auf die Motive f\u00fcr Auslandaktivit\u00e4ten ergeben. Nachstehend wird separat f\u00fcr die Funktionen Distribution, Fertigung und Beschaffung und F&amp;E untersucht, welche Motive massgebend sind.Bei der <i>Distribution<\/i> dominieren <i>absatzorientierte Motive;<\/i> kostenorientierte oder regulierungsbedingte Motive sind hingegen praktisch irrelevant. Im Gegensatz dazu stellte im Jahr 1998 der beschr\u00e4nkte Zutritt zum EU-Markt noch recht h\u00e4ufig ein Motiv f\u00fcr eine direkte Pr\u00e4senz in einem EU-Land dar. Unter den absatzseitigen Motiven sind die dominierenden Faktoren: \u00abErschliessung neuer M\u00e4rkte\u00bb und \u00abSicherung\/Ausbau bestehender M\u00e4rkte\u00bb. Daneben spielen die Vorteile eine Rolle, die eine Pr\u00e4senz vor Ort f\u00fcr eine gute Bedienung der Kundenw\u00fcnsche und die Vertrautheit mit den lokalen Marktverh\u00e4ltnissen bieten. Ein Ziel ist es auch, sich in der N\u00e4he des Hauptabnehmers anzusiedeln, was unter Umst\u00e4nden erforderlich ist, um mit (lokalen) Konkurrenten mithalten zu k\u00f6nnen. Die Distributionsmotive unterscheiden sich zwischen der Industrie und dem DL-Sektor nur unwesentlich.Bei <i>Fertigung\/Beschaffung<\/i> sind <i>absatzseitige Motive<\/i> von etwa gleich grosser Bedeutung wie f\u00fcr die Distribution; auch die relative Bedeutung der entsprechenden Einzelmotive ist sehr \u00e4hnlich (vgl. <i>Grafik 2<\/i>). Bei Fertigung\/Beschaffung fallen nun aber auch <i>kostenseitige Motive<\/i> ins Gewicht. In erster Linie sind es die tiefen Lohnkosten und in zweiter Linie die Absicht, die Mutterfirma vom Ausland aus zu beliefern. Letzteres ist erneut ein Hinweis auf die Bedeutung der Optimierung der Standorte entlang der Wertsch\u00f6pfungskette. Der einzige wesentliche Unterschied zwischen Industrie und DL-Sektor betrifft das Motiv der tiefen Lohnkosten, das im DL-Sektor bei weitem nicht so stark ins Gewicht f\u00e4llt wie in der Industrie. Insgesamt \u00fcberwiegen im DL-Sektor eindeutig die absatzseitigen Motive. Diese Motivgruppe scheint auch in der Industrie eine etwas gr\u00f6ssere Rolle zu spielen als die kostenseitigen Faktoren. Regulatorische Nachteile des Standorts Schweiz sind auch bei Fertigung\/Beschaffung kein Motiv, um im Ausland aktiv zu werden.Bei <i>F&amp;E<\/i> sind zus\u00e4tzlich <i>wissensorientierte Motive<\/i> zu ber\u00fccksichtigen. In der Industrie sind diese etwa von gleich grosser Bedeutung wie die absatz- und kostenseitigen Motive. Hinter dem Absatzmotiv steht die Absicht\/Notwendigkeit, durch F&amp;E vor Ort die meistens in der Schweiz entwickelten Produkte an die spezifischen lokalen Marktbed\u00fcrfnisse anzupassen. Wissensmotivierte F&amp;E-Auslandsaktivit\u00e4ten dienen zunehmend aber auch dazu, durch die N\u00e4he zu Hochschulen im Ausland oder zu lokalen Netzwerken innovativer Firmen Zugang zu neuem Wissen zu erlangen, was nur m\u00f6glich ist, wenn auch die Firma selbst vor Ort F&amp;E betreibt. Im DL-Sektor ist das Motivmuster weniger ausgewogen als in der Industrie. In diesem Fall dominieren absatzseitige Motive, obwohl wissens- und kostenorientierten Motiven ebenfalls eine gewisse Bedeutung zukommt. Nicht ins Gewicht fallen in beiden Sektoren regulierungsbedingte Nachteile.&#13;<\/p>\n<h2>Einfluss der Auslandsaktivit\u00e4ten auf die Leistungsf\u00e4higkeit der Mutterfirma<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAbschliessend wurde erforscht, ob Unternehmungen, die im Ausland investieren, ihre Produktivit\u00e4t im Zeitablauf st\u00e4rker steigern konnten als Firmen, die nur im Inland operieren oder nur exportieren. Hier lassen sich lediglich f\u00fcr Teilsegmente der Wirtschaft positive Produktivit\u00e4tseffekte finden.In der Industrie resultieren direkte positive Effekte von Auslandinvestitionen auf das Produktivit\u00e4tswachstum f\u00fcr Unternehmen, die im Internationalisierungsprozess bereits weit fortgeschritten sind. Es sind dies Firmen, die neben Distribution und\/oder Produktion im Ausland auch F&amp;E betreiben oder solche, die prim\u00e4r in den Zielregionen Nordamerika, Asien oder Lateinamerika investiert haben (vgl. <i>Tabelle 4<\/i>). Ausserdem bewirkt auch die hohe Humankapitalintensit\u00e4t einer Firma eine im Vergleich zu Unternehmen ohne Auslandpr\u00e4senz h\u00f6here Produktivit\u00e4tssteigerung. Allerdings kommt dieser Einfluss indirekt durch das Zusammenwirken von Auslandaktivit\u00e4t und Humankapital zustande.&#13;<br \/>\nAuslandaktivit\u00e4ten erh\u00f6hen die Produktivit\u00e4t des im Mutterhaus arbeitenden qualifizierten Personals. Produktivit\u00e4ts-Spillovers von den im Ausland aktiven auf die nur im Inland operierenden oder nur exportierenden Unternehmen liegen keine vor.Auch im DL-Sektor beg\u00fcnstigt die Auslandpr\u00e4senz die Entwicklung der Produktivit\u00e4t der Mutterfirmen, wobei die treibenden Faktoren etwas andere sind als in der Industrie. Positive Effekte resultierten f\u00fcr Firmen, die noch wenig internationalisiert sind (Auslandaktivit\u00e4t ausschliesslich bei Distribution). Dasselbe trifft zu, wenn die Auslandaktivit\u00e4ten im Rahmen von Joint Ventures (Gemeinschaftsunternehmen) durchgef\u00fchrt werden, ebenso bei Investitionen in der Zielregion \u00abandere L\u00e4nder\u00bb.&#13;<br \/>\nJapan, Australien, Afrika. Insgesamt scheinen \u2013 im Unterschied zur Industrie \u2013 die Produktivit\u00e4tsgewinne von Auslandaktivit\u00e4ten bei relativ schwachem Internationalisierungsgrad am h\u00f6chsten zu sein. Wie in der Industrie gibt es keine Hinweise auf Produktivit\u00e4ts-Spillovers.&#13;<\/p>\n<h2>Schlussfolgerungen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Komplementarit\u00e4tseffekte dominieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNicht nur in der Schweiz werden die Auswirkungen von Investitionen an ausl\u00e4ndischen Standorten auf die heimische Wirtschaft unterschiedlich beurteilt. Vertreter der Substitionshypothese sind der Meinung, dass Auslandinvestitionen auf Kosten der inl\u00e4ndischen Wirtschaft gehen, also inl\u00e4ndische Aktivit\u00e4ten durch Auslagerung verdr\u00e4ngen. Die Vertreter der Komplementarit\u00e4tshypothese gehen davon aus, dass inl\u00e4ndische Aktivit\u00e4ten durch eine direkte Auslandpr\u00e4senz profitieren, unter anderem durch die Markterweiterung f\u00fcr im Inland entwickelte Produkte, die Konzentration im Inland auf wertsch\u00f6pfungsintensive Aktivit\u00e4ten oder die Verbreiterung der Wissensbasis der Mutterfirmen. Im Fall der Schweiz dominieren die Komplementarit\u00e4tseffekte. Diese Schlussfolgerung wird durch die Resultate verschiedener Teilanalysen gest\u00fctzt:\u2212 Die Analyse der Leistungsverflechtung innerhalb der Konzerne zeigt, dass die Lieferungen der Mutterfirmen an ihre Auslandeinheiten die in umgekehrter Richtung fliessenden Leistungen bei weitem \u00fcberwiegen. Das Muster der konzerninternen Leistungsverflechtung entspricht den komparativen Vorteilen der Schweiz (Humankapital, technologisches Wissen). \u2212 Die Komplementarit\u00e4tshypothese wird auch durch die Resultate zu den Motiven f\u00fcr Auslandaktivit\u00e4ten gest\u00fctzt. Im DL-Sektor dominieren bei allen drei Unternehmensfunktionen die Motive, die auf eine Erh\u00f6hung des Absatzes abzielen. Aber auch in der Industrie, in der auch die kostenorientierten Motive von erheblicher Bedeutung sind, \u00fcberwiegen insgesamt die Motive, welche die Markt- und Konkurrenzstellung der Mutterfirma st\u00e4rken. \u2212 Wir finden auch in der Teiluntersuchung zu den Determinanten der Auslandpr\u00e4senz keine Evidenz f\u00fcr Substitutionseffekte. Vielmehr sind firmenspezifische St\u00e4rken die treibende Kraft und zwar solche, die mit den komparativen Vorteilen der Schweiz \u00fcbereinstimmen (Innovationsf\u00e4higkeit, Humankapital usw.). \u2212 Zudem liefert die Teiluntersuchung zum Einfluss der Auslandaktivit\u00e4ten auf die Produktivit\u00e4tsentwicklung und die Innovationsleistung der Mutterfirmen \u2013 jedenfalls f\u00fcr einen erheblichen Teil der auslandaktiven Unternehmen \u2013 Evidenz f\u00fcr die Komplementarit\u00e4tshypothese.&#13;<\/p>\n<h2>Zwei politikrelevante Implikationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts der Komplementarit\u00e4t von ausl\u00e4ndischen und inl\u00e4ndischen Aktivit\u00e4ten der Mutterfirmen und des hohen Internationalisierungsgrads der Schweizer Wirtschaft \u2013 und nicht nur der Grossunternehmen \u2013 besteht f\u00fcr die Wirtschaftspolitik grunds\u00e4tzlich kaum Handlungsbedarf. Dennoch sei hier auf zwei politikrelevante Punkte hingewiesen: <i>Erstens<\/i> bietet die Schweiz offensichtlich gute Voraussetzungen, um vom Internationalisierungsprozess zu profitieren. Deshalb muss die Politik in erster Linie daf\u00fcr sorgen, dass die Schweiz als Standort f\u00fcr F&amp;E-intensive Headquartes und generell f\u00fcr innovative Unternehmen weiterhin gute Bedingungen bietet bzw. ihre Standortattraktivit\u00e4t noch verbessert. Gefordert sind in zweiter Linie die Bildungs- und Forschungspolitik sowie die Steuerpolitik. <i>Zweitens<\/i> ist es unter dem Aspekt des Abbaus von Hemmnissen wichtig, darauf hinzuwirken, dass in den Zielregionen der Zugang f\u00fcr ausl\u00e4ndische Firmen m\u00f6glichst frei ist, das geistige Eigentum gen\u00fcgend gesch\u00fctzt ist und generell restriktive Regulierungen wirtschaftlicher Aktivit\u00e4ten abgebaut werden. Verbesserungen in dieser Hinsicht sind wohl nur im Rahmen von bilateralen, \u00fcber die WTO-Regeln hinaus gehenden Wirtschaftsabkommen zu erreichen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abProzentanteil Mutterfirmen mit Lieferungen an ihre Auslandeinheiten bzw. mit Bez\u00fcgen von ihren Auslandeinheiten\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abMotive f\u00fcr die Aufnahme oder Erweiterung der Auslandpr\u00e4senz: Fertigung\/Beschaffung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abProzentanteil der Firmen mit Exporten bzw. direkter Auslandpr\u00e4senz\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abAuslandaktivit\u00e4ten ja\/nein: Probit-Sch\u00e4tzungen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 3: \u00abIntensit\u00e4t der Leistungsverflechtung zwischen der Mutterfirma und den Auslandt\u00f6chtern\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 4: \u00abWachstum der Arbeitsproduktivit\u00e4t und Auslandsaktivit\u00e4ten (AA); OLS-Sch\u00e4tzung\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag&#13; Dieser Beitrag basiert auf einer Studie im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco), die eine Unternehmungsbefragung bei einer repr\u00e4sentativen Stichprobe der Sektoren Industrie, Bau und Dienstleistungen durchf\u00fchrte. gehen die Autoren folgenden Fragen nach: Welche Faktoren beeinflussen die Entscheidung der Dienstleistungsunternehmen im Ausland zu investieren? 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