{"id":120740,"date":"2011-04-01T12:00:00","date_gmt":"2011-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/04\/egger-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:32","slug":"egger-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/04\/egger-3\/","title":{"rendered":"Nutzen unterschiedlicher Arten von bilateralen Abkommen"},"content":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag berichten wir \u00fcber die Resultate einer Studie, welche die Effekte von \u00f6konomischen Integrationsabkommen auf Aussenhandelsstr\u00f6me und Direktinvestitionen untersucht. Dabei werden auch die Faktoren ber\u00fccksichtigt, die einen Einfluss darauf haben, wer mit wem welche Art Abkommen schliesst. Angaben zum Zeitpunkt des Abschlusses der genannten Abkommenstypen \u00fcber nahezu zwei Jahrzehnte erlauben die Identifikation typischer sequentieller Muster der \u00f6konomischen Integration. Des Weiteren erm\u00f6glichen die Daten Aussagen zum Punkt, ob wirtschaftliche Aktivit\u00e4t \u00fcberhaupt zustande kommt (der so genannte Effekt am extensiven Rand) als auch in welchem Ausmass eine bestehende Aktivit\u00e4t durch ein Abkommen prozentual ausgeweitet wird (der so genannte Effekt am intensiven Rand).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201104_05_Egger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"245\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft im Herzen Westeuropas erscheint die Frage nach der Entwicklung optimaler Integrationsstrategien \u00fcber die Zeit hinweg als besonders wichtig. Das Land zeichnet sich u.a. durch eine starke Exportposition im verarbeitenden Gewerbe, wissensintensive handelbare Dienstleistungen, aber auch durch eine beachtliche Pr\u00e4senz an multinationalen Unternehmen aus. Welche Abkommen sind n\u00f6tig, um diese St\u00e4rken zu sichern bzw. noch auszubauen? Was k\u00f6nnen wir f\u00fcr die Schweiz aus typischen \u00f6konomischen Integrationspfaden, die andere L\u00e4nder in Form von Abkommen beschritten haben, lernen? Welche Auswirkungen auf aussenwirtschaftliche Transaktionen d\u00fcrfen wir daraus erwarten? Ziel dieses Artikels und insbesondere der zugrunde liegenden Studie ist es, einige Antworten auf diese Fragen zu geben. Wir wollen im Folgenden typische Muster im Abschluss von \u00f6konomischen Abkommen beschreiben, die Determinanten bei der Wahl der Abschlusspartner und der Abkommensart bestimmen und Auswirkungen auf Handels- sowie Direktinvestitionsvolumina absch\u00e4tzen. Am Ende des Artikels sollen Folgerungen f\u00fcr die Schweiz aufgezeigt werden.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00e4ufigkeit und Abschlussmuster von Mitgliedschaften in \u00f6konomischen Integrationsabkommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Tabelle 1<\/i> enth\u00e4lt f\u00fcr die 129 wichtigsten Volkswirtschaften Informationen \u00fcber die H\u00e4ufigkeit des Auftretens von bestimmten bilateralen Abkommen \u00fcber den gesamten Zeitraum 1990\u20132005. Zudem gibt die Tabelle Auskunft, wie sich das Abkommensnetzwerk im betrachteten Zeitraum ver\u00e4ndert hat. Die Studie fasst \u00f6konomische Integrationsabkommen sehr weit. Es werden G\u00fcterhandelsabkommen (GA), Dienstleistungshandelsabkommen (DA), bilaterale Investitionsschutzabkommen (IA), bilaterale Doppelbesteuerungsabkommen (SA) und W\u00e4hrungsabkommen (W\u00e4hrungsunionen bzw. W\u00e4hrungen mit Kursbindung, WA) betrachtet. Alle eindeutigen bilateralen Aussenwirtschaftsbeziehungen, welche diese L\u00e4nder bilden \u2013 d.h., 129*128\/ = 8256 L\u00e4nderpaare \u2013 und alle 16 Jahre zwischen 1990 und 2005 gehen in die Analyse ein. Da wir 5 Typen von Abkommen betrachten, denen L\u00e4nder alternativ oder \u00fcberlappend beitreten k\u00f6nnen, ergeben sich 25 = 32 M\u00f6glichkeiten \u00f6konomischer Integration. In Tabelle 1 sind diese Kombinationen nach ihrer H\u00e4ufigkeit in den Daten aufgelistet. Da der Datensatz in grosser Zahl Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder umfasst, ist es nicht \u00fcberraschend, dass die meisten L\u00e4nderpaar-Jahr Kombinationen durch ein Fehlen jeglicher Mitgliedschaften (als 00000 indiziert) gekennzeichnet sind, da viele solcher L\u00e4nder noch wenig in die Weltwirtschaft eingebunden sind. Dass sich f\u00fcr viele dieser bilateralen Beziehungen das Aushandeln bilateraler Abkommen nicht lohnt, zeigt, wie wichtig und n\u00fctzlich es ist, in Form der WTO-Bestimmungen f\u00fcr diese bilateralen Wirtschaftsbeziehungen relevante Handelsregeln zu haben. Es zeigt sich allerdings auch, dass relativ viele L\u00e4nderpaare diesen abkommenslosen Zustand im Vergleichszeitraum verlassen. F\u00fcr nahezu 10% der Beobachtungen besteht ein SA ohne jegliche andere Mitgliedschaft. Dieser Zustand wird h\u00e4ufiger aufgesucht als verlassen. Als n\u00e4chst h\u00e4ufige Zust\u00e4nde folgen DAs. W\u00e4hrend in 7093 L\u00e4nderpaar-Jahren lediglich ein DA abgeschlossen wurde und daneben kein weiteres Abkommen bestand, k\u00f6nnen in 4356 L\u00e4nderpaar-Jahren noch ein oder mehrere weitere Abkommen neben einem DA beobachtet werden. Ein GA ohne weiteres Abkommen bestand unter den 129 L\u00e4ndern in 4345 L\u00e4nderpaar-Jahren. In 5325 F\u00e4llen existierte neben einem GA noch ein oder mehrere weitere Abkommen. Nur 8 der 32 Kombinationsm\u00f6glichkeiten kommen in den Daten gar nicht vor.Fragt man nach typischen Integrationspfaden, zeigt sich, dass viele L\u00e4nder ohne \u00f6konomische Integrationsabkommen einen ersten Integrationsschritt in Form von SAs, gefolgt von WAs und DAs,&#13;<br \/>\nDienstleistungsabkommen sind in dieser Untersuchung so zahlreich, da auch einfache Handelsabkommen ber\u00fccksichtigt wurden. unternehmen. Immerhin wird in 79 F\u00e4llen als erster Integrationsschritt ein GA abgeschlossen. WAs sind insgesamt als Abkommen besonderer Art anzusehen. Selbst zwischen L\u00e4ndern (etwa in Westeuropa oder Nordamerika), welche der Idee eines optimalen W\u00e4hrungsraumes noch am n\u00e4chsten kommen, wird diese Integrationsform nicht wahrgenommen. Zudem ergeben sich eine Vielzahl von W\u00e4hrungsunionen oder Kursbindungen aus einer Krise heraus und sind nicht notwendigerweise auf eine langfristige Bindung angelegt. Dies zeigt sich unter anderem in dem Umstand, dass relativ h\u00e4ufig (immerhin in 27 F\u00e4llen) von einem Status mit GA und WA in einen solchen nur mit GA gewechselt wird. <i>Tabelle 2<\/i> fokussiert auf Integrationspfade mit mindestens zwei sequentiellen Integrationsschritten bei Fehlen jeglicher Abkommen oder bei Bestehen eines SA im Ausgangszustand. Aus der Tabelle kann man sehen, dass 59 L\u00e4nderpaare ohne Abkommen zun\u00e4chst ein SA abschlossen und dieses dann um ein IA erg\u00e4nzten. Von 49 L\u00e4nderpaaren wurde der umgekehrte Weg beschritten, d.h. zuerst ein IA und dann ein SA. Weitere 49 L\u00e4nderpaare ohne Abkommen schlossen ein GA ab, um dieses dann um ein SA zu erg\u00e4nzen. 28 L\u00e4nderpaare ohne Abkommen schlossen ein SA ab und traten dann zus\u00e4tzlich sowohl einem GA als auch einem DA bei. Insgesamt kann beobachtet werden, dass h\u00e4ufig die Integration zwischen zwei L\u00e4ndern mit einem SA oder IA beginnt und dann um ein IA bzw. SA erg\u00e4nzt wird, bevor ein GA und oder ein DA abgeschlossen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Determinanten von Mitgliedschaften in \u00f6konomischen Integrationsabkommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin wichtiges Ziel der Studie war es, nach Bestandsaufnahme \u00f6konomischer Integrationsschritte die Systematik hinter diesen Schritten zu erkl\u00e4ren. Dies erfolgte mit Hilfe statischer und dynamischer multivariater Entscheidungsmodelle. Insbesondere wurden \u00f6konomische Erkl\u00e4rungsfaktoren herangezogen, welche aus der Literatur als Triebkr\u00e4fte bzw. Hemmnisse des Handels mit G\u00fctern und Dienstleistungen bzw. der Direktinvestitionst\u00e4tigkeit bekannt sind. Wir wissen aus fr\u00fcheren Forschungsarbeiten, dass L\u00e4nder mit hohem nat\u00fcrlichen \u2013 also h\u00f6her als durch \u00f6konomische Faktoren erkl\u00e4rbarem \u2013 Handels- und Direktinvestitionsvolumen grosses Interesse am Abbau bzw. an der Beseitigung von politischen Barrieren f\u00fcr diese Aktivit\u00e4ten haben sollten. Dar\u00fcber hinaus wurden noch politische Erkl\u00e4rungsfaktoren (Stabilit\u00e4t des politischen Regimes, H\u00e4ufigkeit und L\u00e4nge politischer Konflikte, etc.) ber\u00fccksichtigt. Die Ber\u00fccksichtigung der erw\u00e4hnten Einflussvariablen f\u00fchrte zu empirischen Modellen mit hohem Erkl\u00e4rungsgehalt f\u00fcr die Selektion von Integrationsstrategien. Die gleichzeitige Betrachtung von 5 unterschiedlichen Abkommen er\u00f6ffnet interessante Vergleichsm\u00f6glichkeiten. So zeigt sich beispielsweise, dass geographische Faktoren, wie z.B. die Entfernung zwischen L\u00e4nderpaaren, die Wahrscheinlichkeit ein Abkommen abzuschliessen unterschiedlich beeinflusst, je nachdem um welche spezifische Abkommensart es sich handelt. Insgesamt \u00fcben verschiedene nat\u00fcrliche, \u00f6konomische und politische Bestimmungsfaktoren signifikante Einfl\u00fcsse auf den Abschluss eines Abkommens aus.&#13;<\/p>\n<h2>Effekte von Mitgliedschaften in \u00f6konomischen Integrationsabkommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Sch\u00e4tzung der oben genannten multivariaten Entscheidungsmodelle erlaubte es, L\u00e4nderpaare zu bestimmen, die mit der gleichen Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Abkommenskombination aufweisen, sich in Wirklichkeit aber durch das Bestehen respektive Fehlen eines bilateralen Abkommens unterscheiden. Gest\u00fctzt auf diese Paarbildung kann der durchschnittliche Effekt der verschiedenen Abkommensarten auf den G\u00fcterhandel (GH), den Dienstleistungshandel (DH) und die Direktinvestitionen (DI) abgesch\u00e4tzt werden. Es wurden sowohl die langfristigen Auswirkungen der Abkommen als auch die kurzfristigen Effekte f\u00fcr das durchschnittliche L\u00e4nderpaar gesch\u00e4tzt. Die Sch\u00e4tzergebnisse ergaben, dass im Durchschnitt jegliche Form von Integrationsabkommen die Wahrscheinlichkeit erh\u00f6ht, dass zwischen L\u00e4nderpaaren mit G\u00fctern gehandelt wird. Im Mittel findet sich ein Effekt von ca. 10 Prozentpunkten. Das bedeutet: Im Vergleich mit der Situation ohne jegliche Integration erh\u00f6ht ein Abkommen die Wahrscheinlichkeit, dass L\u00e4nderpaare \u00fcberhaupt miteinander handeln, um 10 Prozentpunkte. Auch am intensiven Rand, d.h. auf das Ausmass des G\u00fcterhandels, kann ein positiver Zusammenhang best\u00e4tigt werden. Vergleicht man wiederum den Zustand ohne jegliche Integration mit Zust\u00e4nden, in denen ein oder mehrere Abkommen abgeschlossen wurden, erh\u00f6ht das den (logarithmierten) Wert der G\u00fcterexporte um durchschnittlich ca. 2,7.Untersucht man die Auswirkungen auf den Dienstleistungshandel sowohl auf den intensiven als auch auf den extensiven Rand zeigen sich \u00e4hnliche Effekte. Das \u00f6konomische Ausmass am extensiven Rand f\u00e4llt sogar noch gr\u00f6sser aus und entspricht im Mittel ca. 18 Prozentpunkten. Das heisst: Im Vergleich mit der Situation ohne jegliche Integration erh\u00f6ht ein Abkommen die Wahrscheinlichkeit, dass L\u00e4nderpaare \u00fcberhaupt miteinander handeln, um 18 Prozentpunkte. Am intensiven Rand steigt der (logarithmierte) Wert der Serviceexporte um ca. 1,56.Schaut man sich schliesslich die Direktinvestitionen am extensiven und intensiven Rand an, f\u00e4llt auf, dass in diesem Fall vor allem von SAs und IAs positive Effekte ausgehen. Wohingegen scheint sowohl bei den G\u00fcter- als auch bei den Serviceexporten die spezifische Form der Integration keine so grosse Rolle zu spielen: Hier scheint jede Form von Abkommen zu mehr Exporten am extensiven und intensiven Rand zu f\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h2>Folgerungen f\u00fcr die Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Schweiz ergeben sich verschiedene Folgerungen aus der durchgef\u00fchrten Studie. Zun\u00e4chst lohnt sich ein genauerer Blick auf die Situation des Landes. Gem\u00e4ss der verf\u00fcgbaren Daten f\u00fcr das Jahr 2005 hatte die Schweiz mit ca. 30 der potentiellen Partnerl\u00e4nder ein GA abgeschlossen, mit 3 ein DA, mit 58 ein SA, mit 23 ein IA und ein WA.&#13;<br \/>\nDas F\u00fcrstentum Liechtenstein ist nicht als solches unter den 129 L\u00e4ndern aufgef\u00fchrt. Wenn man sich die wichtigsten Integrationskombinationen ansieht, stellt man fest, dass mit 40% der potentiellen Partnerl\u00e4nder gar kein Abkommen abgeschlossen wurde, mit ca. 19% der L\u00e4nder lediglich ein SA, mit ca. 18% ein GA und ein SA und mit ca. 10% ein SA und gleichzeitig ein IA.&#13;<br \/>\nEU-weite Abkommen werden zwischen L\u00e4nderpaaren bilateral ber\u00fccksichtigt.Hinsichtlich der \u00f6konomischen Aktivit\u00e4t am intensiven Rand zeigt ein deskriptiver Vergleich, dass sich das in der empirischen Untersuchung aller L\u00e4nder gefundene Muster auch in den Daten der Schweiz widerspiegelt. Mit den L\u00e4ndern, mit denen die Schweiz keinerlei Abkommen abgeschlossen hat, bel\u00e4uft sich der durchschnittliche (logarithmierter) Wert des bilateralen G\u00fcterhandels auf 2,29. Dies entspricht einem Wert von ann\u00e4hernd 10 Mio. US $. Ist mit einem Land ein SA sowie ein IA abgeschlossen worden (aber kein GA, DA oder WA; eine Kombination, die im Falle der Schweiz h\u00e4ufiger vorkommt, beispielsweise mit China, Indien und Thailand), dann steigt dieser Wert im Durchschnitt auf 6,31 an. Dies entspricht etwa einem bilateralen Handelswert von 550 Mio. US $. Ein einfacher Vergleich der beiden Durchschnittswerte (10 vs. 550 Mio. US $) zeigt, dass im Falle einer bilateralen Integration das durchschnittliche Handelsvolumen deutlich h\u00f6her liegt; dieser einfache Mittelwertvergleich sollte allerdings nicht kausal interpretiert werden. Bei den Direktinvestitionen zeigt sich ein \u00e4hnliches Bild. W\u00e4hrend ohne ein Abkommen sich der Wert der Direktinvestitionen auf 3,41 (ca. 30 Mio. US $) bel\u00e4uft, liegt der Mittelwert gegen\u00fcber L\u00e4ndern mit SA und IA mit 6,41 (ca. 608 Mio. US $) deutlich h\u00f6her.Aus diesen Resultaten k\u00f6nnen Erkenntnisse dar\u00fcber gewonnen werden, inwiefern sich \u2013 ausgehend von der aktuellen Situation \u2013 eine weitere Integration f\u00fcr die Schweiz auszahlen w\u00fcrde. W\u00fcrde die Schweiz mit all jenen L\u00e4ndern, mit denen sie gar kein Abkommen hat (wie das bei 40% der potentiellen Partnerl\u00e4nder der Schweiz zu beobachten ist) ein erstes solches Abkommen abschliessen, erg\u00e4ben sich unabh\u00e4ngig von der Art dieses Abkommen positive Effekte auf die G\u00fcterexporte, die Dienstleistungsexporte sowie die Direktinvestitionen. Um genau zu sein w\u00fcrde ein GA als erster Integrationsschritt zu einem (logarithmierten) Langfrist-Effekt von 2,32 bei den bilateralen G\u00fcterexporten gegen\u00fcber dem neuen Partnerland f\u00fchren. W\u00fcrde anstatt eines GA zuerst ein SA abgeschlossen, k\u00f6nnte man einen (logarithmierten) Langfrist-Effekt von 2,7 auf die G\u00fcterexporte erwarten. Bei den Direktinvestitionen w\u00e4re ein (logarithmierter) Langfrist-Effekt von 2,33 zu erwarten, w\u00e4hrend bei den Dienstleistungsexporten noch mit einem (logarithmierten) Langfrist-Effekt von 1,58 zu rechnen w\u00e4re. Weitere Integrationsschritte w\u00e4ren dann, bestehende Investitionsschutz und\/oder Steuerabkommen durch Abkommen des G\u00fcter- und Dienstleistungshandels zu erg\u00e4nzen, oder Abkommen des G\u00fcter- und Dienstleistungsverkehrs um solche des Investitionsschutzes oder der Doppelbesteuerungsvermeidung anzureichern. Im ersten Fall w\u00e4re mit einem Ansteigen des bilateralen G\u00fcterhandels um (log) 0,68 bzw. (log) 0,78 zu rechnen. Werden bei bestehenden DAs und GAs diese um ein SA erg\u00e4nzt, dann erh\u00f6ht sich der Wert des bilateralen G\u00fcterhandels um (log) 2,98. Falls gleichzeitig neben dem SA auch noch ein IA abgeschlossen wird, sogar um (log) 3,4.&#13;<\/p>\n<h2>Res\u00fcmee<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Beitrag untersuchte die Auswirkungen von 5 verschiedenen \u00f6konomischen Integrationsabkommen. In einem ersten Schritt wurden hierf\u00fcr die Determinanten f\u00fcr den Abschluss bilateraler Abkommen \u00fcber einen Zeitraum von 16 Jahren ermittelt. Anschliessend wurden basierend auf diesen Ergebnissen \u00e4hnliche L\u00e4nderpaare mit und ohne Integrationsabkommen miteinander verglichen und so die \u00f6konomischen Effekte der Integration via eines Abkommensabschlusses bestimmt. Insgesamt zeigt die Untersuchung deutlich, dass mehr vertragliche Integration zu mehr \u00f6konomischer Aktivit\u00e4t f\u00fchrt, wobei die berechneten Langfrist-Effekte im Bereich einer Verdoppelung der Handels- und Investitionsstr\u00f6me liegt. Eine wesentliche Implikation der Ergebnisse ist, dass L\u00e4nder nicht so sehr dar\u00fcber nachdenken sollten, welches Abkommen sie zuerst abschliessen \u2013 da ein GA oder SA den Handel mit G\u00fctern und Dienstleistungen sowie Direktinvestitionen auf \u00e4hnliche Weise stimuliert. Vielmehr sollten sie einen ersten Schritt tun, gleich welcher Art, denn vom Abschluss eines spezifischen Abkommens gehen langfristig signifikante Effekte auf weite Bereiche der \u00d6konomie aus. Schliesslich zeigte ein Blick auf die Schweiz, dass sich eine weitere \u00d6ffnung des Landes im Sinne einer weiteren Integration gewinnbringend auswirken w\u00fcrde. Potenzial f\u00fcr so einen Weg \u2013 im Sinne von nicht abgeschlossenen Integrationsabkommen \u2013 ist ausreichend gegeben. Die in der Studie produzierten Sch\u00e4tzungen der \u00f6konomischen Effekte von einzelnen Integrationsabkommen und ihrer kombinierten Wirkung k\u00f6nnen in der Verfeinerung der zuk\u00fcnftigen Ausrichtung der aussenwirtschaftlichen Strategie der Schweiz wichtige Anhaltspunkte liefern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abM\u00f6glichkeiten \u00f6konomischer Integration\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abIntegrationsverl\u00e4ufe \u2013 H\u00e4ufigste F\u00e4lle\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Beitrag berichten wir \u00fcber die Resultate einer Studie, welche die Effekte von \u00f6konomischen Integrationsabkommen auf Aussenhandelsstr\u00f6me und Direktinvestitionen untersucht. Dabei werden auch die Faktoren ber\u00fccksichtigt, die einen Einfluss darauf haben, wer mit wem welche Art Abkommen schliesst. 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