{"id":120745,"date":"2011-04-01T12:00:00","date_gmt":"2011-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/04\/forster-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:48","slug":"forster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/04\/forster\/","title":{"rendered":"Exportpotenziale im Dienstleistungssektor"},"content":{"rendered":"<p>In einer Studie zuhanden des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) wurde untersucht, welche Dienstleistungsbranchen in der schweizerischen Wirtschaft \u00fcber das gr\u00f6sste Exportpotenzial verf\u00fcgen, inwiefern staatliche Regulierungen die Erschliessung dieses Potenzials behindern und welches zus\u00e4tzliche Exportvolumen durch eine Markt\u00f6ffnung realisiert werden k\u00f6nnte. Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebensversicherungen, das konzerneigene Leasing-Gesch\u00e4ft und grenznahe Spit\u00e4ler am meisten von einer Deregulierung profitieren w\u00fcrden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Dienstleistungssektor hat in der Schweizer Wirtschaft eine dominierende Position erreicht. Rund drei Viertel der Unternehmensums\u00e4tze werden im terti\u00e4ren Sektor erarbeitet. Dienstleistungsunternehmen sind jedoch nicht nur f\u00fcr die Schweiz, sondern in zunehmendem Masse auch f\u00fcr Kunden im Ausland t\u00e4tig und tragen massgeblich zur Exportorientierung der schweizerischen Volkswirtschaft bei. Allerdings sind die Unterschiede der Exportanteile je nach Branche sehr gross (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Woraus resultieren die unterschiedlichen Exportanteile der verschiedenen Dienstleistungsbranchen? Weisen die Branchen unterschiedliche Voraussetzungen f\u00fcr den Export auf? Oder sind es Exportbarrieren, welche die Internationalisierung gewisser Branchen behindern?&#13;<\/p>\n<h2>Unterscheidung der Dienstleistungen anhand der Gats-Modi<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn einer Ex-ante-Analyse wurde das volkswirtschaftliche Potenzial einer Markt\u00f6ffnung f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende Dienstleistungserbringungen in ausgew\u00e4hlten Branchen untersucht. Insbesondere ging es darum aufzuzeigen, welche Dienstleistungsbranchen in der schweizerischen Wirtschaft \u00fcber das gr\u00f6sste Exportpotenzial verf\u00fcgen, inwiefern staatliche Regulierungen die Erschliessung dieses Potenzials behindern, und welche zus\u00e4tzlichen Exportvolumina durch eine Markt\u00f6ffnung realisiert werden k\u00f6nnten.Als Exporte wurden dabei alle Leistungen verstanden, die von in der Schweiz ans\u00e4ssigen Unternehmen f\u00fcr Kunden mit Sitz im Ausland erbracht werden. In Anlehnung an das Allgemeine Abkommen \u00fcber den Dienstleistungshandel (Gats) lassen sich folgende Formen von Export unterscheiden: \u2212 Grenz\u00fcberschreitendes Angebot <i>(Gats-Modus 1):<\/i> Inl\u00e4ndische Anbieter stellen grenz\u00fcberschreitende Leistungen bereit, ohne dass der Anbieter oder der Nachfrager das Land verlassen muss. Dazu z\u00e4hlen internationale Logistik- und Versicherungsleistungen. \u2212 Konsumentenmobilit\u00e4t <i>(Gats-Modus 2):<\/i> Ausl\u00e4ndische Nachfrager kommen vor\u00fcbergehend ins Inland, um Leistungen zu beziehen. Dazu geh\u00f6ren Tourismus und Gesundheitsleistungen an ausl\u00e4ndische Kunden, welche in der Schweiz angeboten werden. \u2212 Leistungen \u00fcber gesch\u00e4ftliche Niederlassungen im Ausland <i>(Gats-Modus 3):<\/i> Dienstleistungen werden durch eine Niederlassung im Ausland erbracht. F\u00fcr das Exportland wertsch\u00f6pfend sind jene Leistungen, welche die Niederlassung aus dem Mutterhaus bezieht. Beispiele daf\u00fcr sind Forschungs- und Entwicklungsleistungen f\u00fcr Produktionsstandorte im Ausland. \u2212 Leistungen, die bei einem vor\u00fcbergehenden Aufenthalt im Ausland erbracht werden <i>(Gats-Modus 4):<\/i> Dazu geh\u00f6ren Unternehmensberatungen, welche durch entsandte Mitarbeitende im Ausland geleistet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Dienstleistungsbranchen mit grossem Exportpotenzial<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Exportpotenzial ist definiert als die zus\u00e4tzlich m\u00f6glichen Exportums\u00e4tze einer Branche. Die Beurteilung dieses Potenzials basiert auf zwei \u00dcberlegungen: Unternehmungen m\u00fcssen \u00fcber bestimmte Voraussetzungen verf\u00fcgen, um Leistungen exportieren zu k\u00f6nnen. Fehlen diese Voraussetzungen, besteht kein Exportpotenzial. Exportieren die Unternehmen aber bereits einen hohen Anteil ihrer Leistungen, ist ebenfalls kein Exportpotenzial vorhanden. Ein bedeutendes Exportpotenzial wird in jenen Branchen erwartet, in denen die Unternehmen \u00fcber gute Voraussetzungen zum Export verf\u00fcgen, die Exportanteile aber noch tief sind.Zur Beurteilung der <i>Exportanteile<\/i> der Dienstleistungsbranchen wurden die entsprechenden Quoten aus der Mehrwertsteuerstatistik \u00fcbernommen (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Schwierige Messung der Dienstleistungsexporte<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDienstleistungsexporte sind in zwei verschiedenen Statistiken erfasst. Zum einen werden Exportums\u00e4tze in der Mehrwertsteuerstatistik der Eidgen\u00f6ssischen Steuerverwaltung (ESTV) gemessen. Basierend auf den Steuerdeklarationen weist diese Statistik die Ums\u00e4tze aller mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmungen und deren Exporte aus. Eine alternative Datenquelle bildet die Zahlungsbilanzstatistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). In der Summe weichen die Daten erheblich voneinander ab, was an den unterschiedlichen Erhebungsmethoden liegt. Die vorliegende Untersuchung st\u00fctzt sich auf die Mehrwertsteuerstatistik, welche im Unterschied zur Zahlungsbilanzstatistik die Dienstleistungsexporte gem\u00e4ss der Noga-Klassifikation detailliert erfasst, was f\u00fcr eine Branchenanalyse unerl\u00e4sslich ist. Folgende Aspekte beschr\u00e4nken jedoch die Aussagekraft der Daten:\u2212 Von der Mehrwertsteuerpflicht befreite Unternehmen sind in der Mehrwertsteuerstatistik nicht enthalten. Dazu z\u00e4hlen wichtige Dienstleistungsbereiche, so unter anderem das Gesundheitswesen, das Unterrichtswesen, Kultur und Sport, die Vermietung von Wohnungen und H\u00e4usern sowie Forschung und Entwicklung. Sofern solche Dienstleistungen jedoch von Unternehmen erbracht werden, die wegen der gleichzeitigen Erzielung von steuerbaren Ums\u00e4tzen steuerpflichtig sind, fliessen auch die Ums\u00e4tze der von der Steuer ausgenommenen Dienstleistungen in die Mehrwertsteuerstatistik. Dazu geh\u00f6ren der Geld- und Kapitalverkehr und die Versicherungen. \u2212 Die Definition des Exports gem\u00e4ss Mehrwertsteuerstatistik erfasst nicht nur Waren und Dienstleistungen, die von der Schweiz ins Ausland geliefert werden, sondern auch die Ausland-Ausland-Ums\u00e4tze der steuerpflichtigen Unternehmen. Dazu z\u00e4hlt der Grosshandel, welcher ausschliesslich im Ausland stattfindet. Die absoluten Exportzahlen \u00fcberzeichnen deshalb das Ausmass des Exports aus der Schweiz; die relativen Zahlen d\u00fcrften dadurch aber wenig verf\u00e4lscht werden. \u2212 Das Mehrwertsteuerrecht weicht in wichtigen F\u00e4llen vom Grundsatz ab, nach welchem Dienstleistungsexporte alle von Gebietsans\u00e4ssigen an Gebietsfremde erbrachten Dienstleistungen sind. So werden etwa medizinische und gastgewerbliche Leistungen sowie Dienstleistungen auf den Gebieten Kultur, K\u00fcnste, Sport, Wissenschaft, Unterricht und Unterhaltung als steuerbare Inlandums\u00e4tze und nicht als Exporte erfasst, auch wenn diese Leistungen von ausl\u00e4ndischen Kunden beansprucht werden. Die Daten der Mehrwertsteuerstatistik sind deshalb als Indikator der Exportanteile zu interpretieren und nicht als ein pr\u00e4zises Mass.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Die Beurteilung der <i>Exportvoraussetzungen<\/i> basierte auf drei, aus empirischen Studien abgeleiteten Faktoren: <i>Competitiveness, Capabilities<\/i> und <i>Commitment.<\/i> Diese Faktoren sind wiederum von Kriterien wie dem Differenzierungs- und Reifegrad der Produkte, der Qualit\u00e4t des Produktionsstandortes und der internationalen Ausrichtung der Gesch\u00e4ftsleitung abh\u00e4ngig.Die Analyse des Exportpotenzials wurde f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Dienstleistungsbranchen vorgenommen. Branchen, welche bereits einen hohen Exportanteil aufweisen (z.B. R\u00fcckversicherungen, Grosshandel) oder \u00fcber offensichtlich schlechte Exportvoraussetzungen verf\u00fcgen (Detailhandel, viele pers\u00f6nliche Dienstleistungen) wurden nicht in die Untersuchung einbezogen. Die Bank- und die Tourismusbranche wurden nicht ber\u00fccksichtigt, weil sie anderweitig bereits untersucht worden sind. Die Exportvoraussetzungen der in der Stichprobe verbliebenen Dienstleistungsbranchen wurden durch Experten evaluiert, die aufgrund ihrer T\u00e4tigkeit f\u00fcr Verb\u00e4nde, f\u00fcr die Wirtschaftsf\u00f6rderung oder in der Forschung \u00fcber fundierte Kenntnisse der betroffenen Bereiche verf\u00fcgen. Als Ergebnis resultierte eine Matrix, welche die untersuchten Branchen bez\u00fcglich ihrer Exportvoraussetzungen und Exportanteile positioniert (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Die Kreise stellen die einzelnen Branchen dar. Die Gr\u00f6sse der Kreise widerspiegelt deren wirtschaftliche Bedeutung gemessen an der Bruttowertsch\u00f6pfung. Im Quadranten unten rechts befinden sich die Branchen mit dem gr\u00f6ssten Exportpotenzial. Es sind dies die Architektur- und Ingenieurb\u00fcros, Grafik und Design, Kunst und Unterhaltung, Messen- und Kongressveranstalter, die Unternehmensberatung, das Unterrichtswesen, die Vermietung beweglicher Sachen (Leasing) und die Versicherungen. Ein relativ grosses Exportpotenzial wurde zus\u00e4tzlich den privaten Spit\u00e4lern zugemessen, da sie (im Gegensatz zu den \u00f6ffentlichen Kliniken) \u00fcber gute Exportvoraussetzungen verf\u00fcgen. Wenig Exportpotenzial wurde trotz der vorteilhaften Positionierung in der Matrix in den Bereichen Kunst und Unterhaltung, Grafik und Design sowie Messen- und Kongressveranstalter erwartet, da ihre wirtschaftliche Bedeutung gering ist.&#13;<\/p>\n<h2>Exportwachstum durch Abbau von Regulierungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Dienstleistungsbranchen mit dem gr\u00f6ssten Exportpotenzial wurde weiter untersucht, inwieweit staatliche Regulierungen die Erschliessung des vorhandenen Exportpotenzials behindern und welches zus\u00e4tzliche Exportvolumen bei einem Wegfall dieser Regulierungen m\u00f6glich w\u00e4re. Diese Einsch\u00e4tzungen basieren auf Interviews mit ausgew\u00e4hlten Unternehmen aus den entsprechenden Branchen. Dabei wurde nach drei Typen von staatlichen Regulierungen unterschieden: Erschwernis der Zulassung auf ausl\u00e4ndischen M\u00e4rkten, Beeintr\u00e4chtigung der Mobilit\u00e4t von Kunden und Mitarbeitenden und Schw\u00e4chung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der eigenen Leistungen im Vergleich zu lokalen Anbietern.Die R\u00fcckmeldungen der befragten Unternehmen zeigen, dass das durch Deregulierung erschliessbare Exportvolumen insgesamt relativ klein ist (vgl. <i>Tabelle 1<\/i>). Schweizerische und ausl\u00e4ndische Regulierungen behindern die grenz\u00fcberschreitenden Dienstleistungsangebote der Unternehmen nur wenig. Anderweitige Exportbarrieren stellen wesentlich bedeutendere H\u00fcrden zur Erschliessung von Auslandm\u00e4rkten dar. In zahlreichen Branchen ist eine lokale Marktpr\u00e4senz zur Erbringungen der Dienstleistungen notwendig. Die Unternehmen k\u00f6nnen ihre Leistungen deshalb nicht exportieren, sondern m\u00fcssen Niederlassungen in den ausl\u00e4ndischen M\u00e4rkten aufbauen. Das hohe Lohnniveau in der Schweiz bewirkt zudem, dass vor allem relativ undifferenzierte Dienstleistungen im Ausland nicht konkurrenzf\u00e4hig angeboten werden k\u00f6nnen.Von einem Abbau grenz\u00fcberschreitender Marktzutrittsbarrieren w\u00fcrden die Lebensversicherungen, das konzerneigene Leasinggesch\u00e4ft und die grenznahen Kliniken im Gesundheitswesen am meisten profitieren. Die Lebensversicherungen erwarten bei einer uneingeschr\u00e4nkten Teilnahme am Pensions-Hub der Europ\u00e4ischen Union (EU) eine bedeutende Steigerung der Exporte. Im Leasing-Gesch\u00e4ft besteht bei konzerneigenen Leasingdienstleistern von exportorientierten Grossunternehmen in den Bereichen Maschinen und Industrieanlagen ein grosses Exportpotenzial. Um dieses auszunutzen, sind Doppelbesteuerungsabkommen, eine weitergehende Vereinfachung im Steuerbereich und eine Verbesserung der Durchsetzung von Eigentumsrechten notwendig. Im Gesundheitswesen k\u00f6nnten grenznahe Privatkliniken von einer \u00d6ffnung der nationalen Grundversicherungen profitieren, w\u00e4hrend international t\u00e4tige Spitzenkliniken durch bestehende Regulierungen kaum behindert werden. Eine Besonderheit ist das Hochschulwesen, in welchem nicht kostendeckende Studiengeb\u00fchren den Zustrom ausl\u00e4ndischer Studierenden f\u00f6rdern. Aufgrund der dadurch entstehenden Finanzierungs- und Kapazit\u00e4tsprobleme werden Zulassungsbeschr\u00e4nkungen diskutiert, welche den Export von Bildungsleistungen bremsen w\u00fcrden. Bei einem \u00dcbergang zu kostendeckenden Studiengeb\u00fchren ist allenfalls mit einem R\u00fcckgang der Exporte zu rechnen, ausser bei den international sehr profilierten Hochschulinstitutionen.&#13;<\/p>\n<h2>Empfehlung zur Deregulierung von Versicherung und Leasing<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse der vorliegenden Studie f\u00fchren zur Empfehlung, eine Markt\u00f6ffnung in der Versicherungs- und Leasingbranche in erster Priorit\u00e4t abzukl\u00e4ren. Im Versicherungsbereich ist es vordringlich, die Regulierung und das Steuersystem im schweizerischen Versicherungswesen gegen\u00fcber dem Ausland (insbesondere gegen\u00fcber der EU) anzugleichen, damit die schweizerische Assekuranz gleich lange Spiesse wie ihre ausl\u00e4ndischen Konkurrenten erh\u00e4lt. In zweiter Linie ist die Ausweitung des Versicherungsabkommens in Richtung eines allgemeinen Abkommens \u00fcber die Dienstleistungsfreiheit mit der EU zu pr\u00fcfen, welches schweizerischen Versicherungsunternehmen erlauben w\u00fcrde, Leistungen aus der Schweiz anzubieten, ohne Niederlassungen im Ausland errichten zu m\u00fcssen. Das gr\u00f6sste Exportpotenzial wird von einer gleichberechtigten Teilnahme schweizerischer Lebensversicherungen am EU-Pensions-Hub erwartet.Im Leasing ist zu pr\u00fcfen, inwieweit die Kosten aus Auflagen im Bereich des Risikomanagements und der Kreditf\u00e4higkeitspr\u00fcfung reduziert werden k\u00f6nnen. Zudem entsteht aufgrund der zivilrechtlichen Regelung des Leasings Rechtsunsicherheit im internationalen Verkehr. Ausserdem w\u00e4re es zweckm\u00e4ssig, den Abschluss von Doppelbesteuerungsabkommen mit wichtigen Zielm\u00e4rkten voranzutreiben und die bestehenden Prozesse der Mehrwertsteuerr\u00fcckerstattung zu beschleunigen und zu vereinfachen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abExportanteil am Umsatz nach Branchen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abExportpotenziale schweizerischer Dienstleistungsbranchen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abZusammenfassung der Resultate\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Schwierige Messung der Dienstleistungsexporte&#13;<\/p>\n<h3>Schwierige Messung der Dienstleistungsexporte<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDienstleistungsexporte sind in zwei verschiedenen Statistiken erfasst. Zum einen werden Exportums\u00e4tze in der Mehrwertsteuerstatistik der Eidgen\u00f6ssischen Steuerverwaltung (ESTV) gemessen. Basierend auf den Steuerdeklarationen weist diese Statistik die Ums\u00e4tze aller mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmungen und deren Exporte aus. Eine alternative Datenquelle bildet die Zahlungsbilanzstatistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB). In der Summe weichen die Daten erheblich voneinander ab, was an den unterschiedlichen Erhebungsmethoden liegt. Die vorliegende Untersuchung st\u00fctzt sich auf die Mehrwertsteuerstatistik, welche im Unterschied zur Zahlungsbilanzstatistik die Dienstleistungsexporte gem\u00e4ss der Noga-Klassifikation detailliert erfasst, was f\u00fcr eine Branchenanalyse unerl\u00e4sslich ist. Folgende Aspekte beschr\u00e4nken jedoch die Aussagekraft der Daten:\u2212 Von der Mehrwertsteuerpflicht befreite Unternehmen sind in der Mehrwertsteuerstatistik nicht enthalten. Dazu z\u00e4hlen wichtige Dienstleistungsbereiche, so unter anderem das Gesundheitswesen, das Unterrichtswesen, Kultur und Sport, die Vermietung von Wohnungen und H\u00e4usern sowie Forschung und Entwicklung. Sofern solche Dienstleistungen jedoch von Unternehmen erbracht werden, die wegen der gleichzeitigen Erzielung von steuerbaren Ums\u00e4tzen steuerpflichtig sind, fliessen auch die Ums\u00e4tze der von der Steuer ausgenommenen Dienstleistungen in die Mehrwertsteuerstatistik. Dazu geh\u00f6ren der Geld- und Kapitalverkehr und die Versicherungen. \u2212 Die Definition des Exports gem\u00e4ss Mehrwertsteuerstatistik erfasst nicht nur Waren und Dienstleistungen, die von der Schweiz ins Ausland geliefert werden, sondern auch die Ausland-Ausland-Ums\u00e4tze der steuerpflichtigen Unternehmen. Dazu z\u00e4hlt der Grosshandel, welcher ausschliesslich im Ausland stattfindet. Die absoluten Exportzahlen \u00fcberzeichnen deshalb das Ausmass des Exports aus der Schweiz; die relativen Zahlen d\u00fcrften dadurch aber wenig verf\u00e4lscht werden. \u2212 Das Mehrwertsteuerrecht weicht in wichtigen F\u00e4llen vom Grundsatz ab, nach welchem Dienstleistungsexporte alle von Gebietsans\u00e4ssigen an Gebietsfremde erbrachten Dienstleistungen sind. So werden etwa medizinische und gastgewerbliche Leistungen sowie Dienstleistungen auf den Gebieten Kultur, K\u00fcnste, Sport, Wissenschaft, Unterricht und Unterhaltung als steuerbare Inlandums\u00e4tze und nicht als Exporte erfasst, auch wenn diese Leistungen von ausl\u00e4ndischen Kunden beansprucht werden. 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