{"id":120760,"date":"2011-04-01T12:00:00","date_gmt":"2011-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/04\/peter-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:48","slug":"peter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/04\/peter\/","title":{"rendered":"Volkswirtschaftliche Auswirkungen steigender Gesundheitsausgaben"},"content":{"rendered":"<p>Die Gesundheitsausgaben in der Schweiz steigen und steigen. Inwiefern ist das schlecht oder gut? Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind die Wirkungen unter bestimmten Voraussetzungen tendenziell positiv. Die Evidenz zeigt: Kurz- und mittelfristig steigen Bruttoinlandsprodukt und Besch\u00e4ftigung. Auch l\u00e4ngerfristig erh\u00f6hen steigende Gesundheitsausgaben Wachstum und Wohlfahrt. Die unterschiedliche Belastung der privaten Haushalte kann durch Pr\u00e4mienverbilligungen deutlich abgefedert werden. Trotz dieser grunds\u00e4tzlich positiven Wirkungen sind die Ergebnisse kein Freipass f\u00fcr ungebremst steigende Ausgaben. Wichtig ist, die Mittel gezielt und effizient einzusetzen und Opportunit\u00e4tskosten zu ber\u00fccksichtigen, die entstehen, wenn andere Ausgaben verdr\u00e4ngt werden. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201104_15_Peter_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"244\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Gesundheitswesen geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Branchen der Schweizer Wirtschaft. Im Jahr 2008 betrugen die Ausgaben f\u00fcr das Gesundheitswesen in der Schweiz rund 58 Mrd. Franken.&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.bfs.admin.ch\">http:\/\/www.bfs.admin.ch<\/a>, Themen, 14-Gesundheit, Kosten\/Finanzierung, Daten\/Indikatoren, \u00dcberblick. Dies entspricht knapp 11% des Bruttoinlandprodukts (BIP) in der H\u00f6he von 520 Mrd. Franken. Und die Ausgaben steigen weiter kontinuierlich an.&#13;<br \/>\nAbsolut gesehen, der Anteil am BIP ist in den letzten f\u00fcnf Jahren (2004\u20132008) konstant geblieben bzw. sogar leicht gesunken. Von 1999 bis 2008 sind die Ausgaben um mehr als 40% gestiegen. An dieser Entwicklung entz\u00fcnden sich regelm\u00e4ssig die Diskussionen in den Medien, der Politik und in der Bev\u00f6lkerung.Sind Ausgaben in der H\u00f6he von 58 Mrd. Franken f\u00fcr die Gesundheit gut oder schlecht? Was n\u00fctzen uns diese Ausgaben? Geht es uns und unserer Wirtschaft besser aufgrund der steigenden Ausgaben? Wer sind die Gewinner und Verlierer? In unserer Studie zu den volkswirtschaftlichen Wirkungen steigender Gesundheitsausgaben sind wir diesen Fragen nachgegangen. Steigende Gesundheitsausgaben wurden dabei aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Kurz- und mittelfristige Struktureffekte in der Schweizer Wirtschaft wurden dabei ebenso einbezogen wie l\u00e4ngerfristige dynamische Effekte auf Wachstum und Wohlfahrt sowie die finanzielle Belastung der Haushalte.&#13;<\/p>\n<h2>Bruttoinlandsprodukt und Besch\u00e4ftigung steigen kurz- und mittelfristig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls erstes haben wir die Wirkung steigender Gesundheitsausgaben auf die Volkswirtschaft untersucht. Zu diesem Zweck haben wir mit einem sogenannten <i>Input-Output-Modell,<\/i> welches die Branchen und ihre Vorleistungsverflechtungen in der Schweiz abbildet, die Ausgaben f\u00fcr Gesundheitsleistungen um 5 Mrd. Franken ansteigen lassen. Unterstellt haben wir dabei, dass die h\u00f6heren Ausgaben von einer h\u00f6heren Nachfrage und nicht von h\u00f6heren Preisen ausgel\u00f6st wurden. Da die Budgets der privaten Haushalte beschr\u00e4nkt sind, wurden die Ausgaben f\u00fcr alle anderen G\u00fcter und Dienstleistungen linear um 5 Mrd. reduziert. Das Modell funktioniert komparativ-statisch; d.h. die Ergebnisse sind eine Momentaufnahme zweier unterschiedlicher Zust\u00e4nde, ohne dass dynamische Effekte (siehe unten) ber\u00fccksichtigt werden. Im Modell und in den Ergebnissen nicht ber\u00fccksichtigt sind m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Strukturver\u00e4nderungen innerhalb des Gesundheitswesens wie zum Beispiel Verschiebungen zwischen Akut- und Langzeitpflege. Gesundheitsausgaben fliessen in eine ganze Reihe von Institutionen, beispielsweise in Spit\u00e4ler, Alters- und Pflegeheime, Arztpraxen, Apotheken, Pharmaunternehmen. Steigen die Gesundheitsausgaben, weil mehr Gesundheitsleistungen nachgefragt werden, braucht es vor allem eines: mehr \u00c4rztinnen und \u00c4rzte, mehr Pflegepersonal, mehr medizinisches Praxispersonal. Gesundheitsleistungen sind im Vergleich zum Durchschnitt der Schweizer Branchen wertsch\u00f6pfungs- und besch\u00e4ftigungsintensiver. Es ist deshalb nur logisch, dass steigende Gesundheitsausgaben die Besch\u00e4ftigung erh\u00f6hen, wenn gleichzeitig die Nachfrage nach allen anderen G\u00fctern reduziert wird. Da das Gesundheitswesen nicht nur besch\u00e4ftigungs-, sondern auch wertsch\u00f6pfungsintensiver ist und weniger Vorleistungen aus dem Ausland importiert als der Durchschnitt der Schweizer Branchen, steigt auch das BIP. Konkret erh\u00f6hen sich gem\u00e4ss den durchgef\u00fchrten Modellrechnungen das BIP um 0,30% oder \u00fcber 1 Mrd. Franken und die Besch\u00e4ftigung um 0,53&nbsp;% oder ca. 17&nbsp;000 Vollbesch\u00e4ftigte, wenn die Gesundheitsausgaben um 5 Mrd. Franken steigen und alle anderen Ausgaben im gleichen Ausmass sinken. Von der Erh\u00f6hung profitieren naturgem\u00e4ss vor allem Unternehmen im Gesundheitswesen und die mit dem Gesundheitswesen eng verbundenen Vorleistungssektoren wie etwa die Pr\u00e4zisionsindustrie oder Versicherungen. Der R\u00fcckgang bei den anderen Branchen h\u00e4lt sich in Grenzen, weil die Ausgaben nach den \u00fcbrigen G\u00fctern und Dienstleistungen linear gesenkt werden und sich die Belastung somit breit auf die verschiedenen Branchen verteilt (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Innerhalb des Gesundheitssektors zeigt sich ein analoges Bild: In Subsektoren wie Krankenh\u00e4usern, Spitex und Arztpraxen, welche praktisch ausschliesslich f\u00fcr die inl\u00e4ndische Endnachfrage produzieren, steigen Wertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung deutlich. Im Subsektor Pharma hingegen steigen Wertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung deutlich unterdurchschnittlich. Dieser Sektor ist stark exportorientiert und profitiert deshalb kaum von einer Ausweitung der inl\u00e4ndischen Endnachfrage.&#13;<\/p>\n<h2>L\u00e4ngerfristig tendenziell positive Wirkungen auf Gesundheit, Wachstum und Wohlfahrt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie l\u00e4ngerfristigen dynamischen Wirkungen steigender Gesundheitsausgaben haben wir einerseits beim Wirtschaftswachstum \u2013 gemessen anhand der BIP-Entwicklung \u2013 und andererseits bei der Wohlfahrt, welche auch immaterielle Aspekte wie Lebensqualit\u00e4t und Lebenserwartung einbezieht, untersucht. Um die Wirkungen von Gesundheitsausgaben auf Wachstum und Wohlfahrt verstehen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die Wirkungszusammenh\u00e4nge differenziert betrachtet werden: Als erstes ist der Zusammenhang zwischen Gesundheitsausgaben und Gesundheit der Bev\u00f6lkerung zu untersuchen. Daraus folgt die Frage, welche Effekte eine bessere Gesundheit auf das Wirtschaftswachstum und die Wohlfahrt aus\u00fcben w\u00fcrde. Als Konsumgut stiftet Gesundheit der einzelnen Person Nutzen, indem es ihr Wohlbefinden erh\u00f6ht und ihr die Freiheit einr\u00e4umt, ihren Interessen nachzugehen. Als Kapitalgut erm\u00f6glicht Gesundheit der einzelnen Person, am Arbeitsmarkt Einkommen zu erzielen. Eine wichtige Rolle spielen in diesem Zusammenhang l\u00e4ngerfristige Wirkungen von \u00c4nderungen des Gesundheitszustands auf die Arbeitsproduktivit\u00e4t und schliesslich auf das Wirtschaftswachstum. Zusammenfassend stellt sich die Frage, wie die verschiedenen Wirkungsmechanismen steigender Gesundheitsausgaben insgesamt auf Wirtschaftswachstum und Wohlfahrt wirken. Zu all diesen Fragen sind empirische Grundlagen vorhanden, die wir im Rahmen einer systematischen Analyse in- und ausl\u00e4ndischer Studien ausgewertet haben. Diese Studien haben die verschiedenen Zusammenh\u00e4nge mit unterschiedlichen (statistischen) Methoden analysiert.&#13;<br \/>\nEine gute \u00dcbersicht \u00fcber verschiedene Zusammenh\u00e4nge bietet Surcke et al. 2005. Die Antworten sind f\u00fcr die untersuchten Zusammenh\u00e4nge unterschiedlich eindeutig ausgefallen (siehe <i>Grafik 2<\/i>). <i>Auf die Gesundheit wirken steigende Gesundheitsausgaben tendenziell positiv<\/i> (1), wenn auch mit abnehmendem zus\u00e4tzlichem Nutzen. Dies ist f\u00fcr die Schweiz insofern von Bedeutung, als sie schon ein hohes Ausgabenniveau erreicht hat. Neuere empirische Studien deuten aber darauf hin, dass das Potenzial von Gesundheitsausgaben in der Schweiz noch nicht ausgesch\u00f6pft ist. Es ist deshalb wichtig, dass weitere Ausgaben gezielt eingesetzt werden. Die Literaturanalyse zeigt zudem, dass neben den Gesundheitsausgaben verschiedene andere Faktoren \u2013 wie beispielsweise Einkommen und Bildung \u2013 den Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung wesentlich beeinflussen. Wenn es darum geht, zwischen zus\u00e4tzlichen Gesundheitsausgaben und anderen Ausgaben abzuw\u00e4gen, sollte deshalb die Kostenwirksamkeit der verschiedenen Optionen miteinbezogen werden. Die Studienergebnisse lassen weiter den Schluss zu, dass steigende Gesundheitsausgaben durchaus positiv auf das Wirtschaftswachstum wirken k\u00f6nnen. Je nach Untersuchungsansatz zeigen sich allerdings unterschiedlich starke Zusammenh\u00e4nge. Studien zum Zusammenhang zwischen Gesundheit und individueller Arbeitsproduktivit\u00e4t kommen zu einem eindeutig positiven Ergebnis. <i>Dagegen finden Studien zu den direkten Wirkungen der Gesundheit der Bev\u00f6lkerung auf das Wirtschaftswachstum keinen oder nur einen schwachen Einfluss<\/i> (2). Der gemessene Effekt k\u00f6nnte durch die demografische Alterung abgeschw\u00e4cht werden, weil \u00e4ltere pensionierte Menschen nicht mehr direkt zum BIP-Wachstum beitragen und gleichzeitig die finanzielle Belastung der arbeitenden Bev\u00f6lkerung in Form von Lohnnebenkosten gr\u00f6sser wird. Die Ergebnisse legen jedoch den Schluss nahe, dass bei Verwendung spezifischerer Gesundheitsindikatoren \u2013 zum Beispiel Morbidit\u00e4tsindikatoren \u2013 ein st\u00e4rkerer Zusammenhang resultieren w\u00fcrde. Zu dieser Frage besteht denn auch noch Forschungsbedarf. <i>Die Gesamtwirkung steigender Gesundheitsausgaben auf das Wirtschaftswachstum<\/i> (3) <i>ist somit tendenziell positiv.<\/i> Zu wenig untersucht sind aber der Einfluss der Opportunit\u00e4tskosten steigender Gesundheitsausgaben und deren Konsequenzen f\u00fcr das Wirtschaftswachstum. E<i>indeutig positiv sind die Wirkungen von Gesundheit auf die Wohlfahrt<\/i> (4), weil aus einer besseren Gesundheit neben einem monet\u00e4ren Nutzen \u2013 h\u00f6heres Einkommen aufgrund besserer Arbeitsproduktivit\u00e4t \u2013 auch ein nichtmonet\u00e4rer Nutzen in Form verbesserter Lebensqualit\u00e4t resultiert. So zeigt die Evidenz, dass die Zahlungsbereitschaft f\u00fcr bessere Gesundheit \u2013 beispielsweise in Form einer h\u00f6heren Lebenserwartung \u2013 in der Schweiz sehr hoch ist. Im Weiteren l\u00e4sst die Studie darauf schliessen, dass die tendenziell positive Wirkung von Gesundheitsausgaben auf das Wirtschaftswachstum auch die Wohlfahrt erh\u00f6ht. <i>Die Gesamtwirkung von steigenden Gesundheitsausgaben auf die Wohlfahrt<\/i> (5) <i>wird deshalb tendenziell positiv beurteilt.<\/i> Auch hier gibt es praktisch keine empirische Evidenz zu den Opportunit\u00e4tskosten steigender Gesundheitsausgaben, um eindeutige und abschliessende Aussagen machen zu k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Pr\u00e4mienverbilligungen reduzieren unterschiedliche Belastung bei privaten Haushalten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Zusammenhang mit steigenden Gesundheitsausgaben wird oft die steigende finanzielle Belastung der privaten Haushalte in den Vordergrund ger\u00fcckt. Steigende Gesundheitsausgaben schlagen sich in h\u00f6heren Krankenkassenpr\u00e4mien f\u00fcr die Versicherten nieder. Sie f\u00fchren aber auch zu h\u00f6heren Ausgaben der \u00f6ffentlichen Hand. Diese werden \u00fcber Steuern finanziert, womit schlussendlich wieder die Haushalte belastet werden. Daraus folgt die Frage: Welche Haushaltgruppen werden am st\u00e4rksten von den Gesundheitsausgaben belastet? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir Daten der <i>Haushaltsbudgeterhebung<\/i> (Habe) ausgewertet.&#13;<br \/>\nDie Habe-Daten werden j\u00e4hrlich vom Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) erhoben. Da diese Daten mit verschiedenen Schw\u00e4chen behaftet sind \u2013 insbesondere sind die Angaben zu den Pr\u00e4mienverbilligungen nicht zuverl\u00e4ssig \u2013 sind heute noch keine eindeutigen Aussagen m\u00f6glich. Die auf dieser Grundlage erzielten Ergebnisse sind deshalb mit Vorsicht zu interpretieren. Wird nach Einkommenskategorien unterschieden, sind die unteren Einkommenskategorien trotz Pr\u00e4mienverbilligung mit 17%-22% vom verf\u00fcgbaren Einkommen am st\u00e4rksten belastet. Bei h\u00f6heren Einkommenskategorien betr\u00e4gt die relative Belastung nach Pr\u00e4mienverbilligung 11%\u201314%. Ohne Pr\u00e4mienverbilligung w\u00e4ren die Unterschiede noch deutlicher. Werden verschiedene Haushaltstypen \u2013 Singles, Paare, Familien \u2013 unterschieden, so resultiert nach Pr\u00e4mienverbilligung eine ausgeglichene relative Belastung in der H\u00f6he von 12%\u201313%. Die durchschnittliche Belastung aller Haushalte betr\u00e4gt 14%. Die Ausgaben haben damit einen relevanten Anteil am Haushaltseinkommen erreicht.&#13;<\/p>\n<h2>Kein Freipass f\u00fcr ungebremst steigende Gesundheitsausgaben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSteigende Gesundheitsausgaben sind nicht per se sch\u00e4dlich. Im Gegenteil, sie bieten Chancen f\u00fcr eine bessere Gesundheit, h\u00f6here Lebenserwartung, mehr Lebensqualit\u00e4t und wirtschaftliches Wachstum. Kurz- und mittelfristig beeinflussen steigende Gesundheitsausgaben BIP und Besch\u00e4ftigung eindeutig positiv.&#13;<br \/>\nBei gleichzeitigem R\u00fcckgang der Nachfrage nach anderen G\u00fctern im gleichen Ausmass und in der aktuellen Wirtschaftsstruktur der Schweiz. Auch l\u00e4ngerfristig lassen sich \u00fcber verschiedene Wirkungsmechanismen (Gesundheitsausgaben \u2192 Gesundheit \u2192 Wachstum\/Wohlfahrt) tendenziell positive Wirkungen beobachten. Eine differenzierte Betrachtung der heute vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigt, dass je nach Wirkungszusammenhang mehr oder weniger gesicherte Ergebnisse vorliegen. W\u00e4hrend der Zusammenhang zwischen einer besseren Gesundheit und der Wohlfahrt eindeutig positiv ist, lassen sich andere Wirkungszusammenh\u00e4nge \u2013 wie etwa Gesundheitsausgaben und Wachstum \u2013 nicht eindeutig wissenschaftlich belegen. Eine genauere Betrachtung der Belastungsseite zeigt, dass die privaten Haushalte infolge der steigenden Gesundheitsausgaben unterschiedlich stark betroffen sind. Die Pr\u00e4mienverbilligungen verm\u00f6gen teilweise die Belastung der unteren Einkommen und der Familien zu d\u00e4mpfen. Was bedeutet dieses Ergebnis nun? Sollen wir unkritisch weiter in die Gesundheit investieren? Selbstverst\u00e4ndlich nicht. Ein h\u00f6heres BIP und mehr Besch\u00e4ftigte sind keine Rechtfertigung f\u00fcr grenzenlos steigende Gesundheitsausgaben. Das Schweizer Gesundheitswesen hat bereits eine hohe Qualit\u00e4t und einen hohen Versorgungsgrad erreicht. Schweizer und Schweizerinnen erfreuen sich einer sehr hohen Lebenserwartung und eines \u00fcberdurchschnittlich guten Gesundheitszustandes. Zwar l\u00e4sst sich das wohlfahrtsoptimale Niveau der Gesundheitsausgaben kaum empirisch \u00abwasserdicht\u00bb festlegen. Die verf\u00fcgbare Literatur gibt jedoch deutliche Hinweise, dass der zus\u00e4tzliche Nutzen bei steigenden Gesundheitsausgaben abnimmt. Aber auch in gut versorgten L\u00e4ndern wie der Schweiz k\u00f6nnen noch relevante zus\u00e4tzliche Nutzen erzeugt werden, wenn die Mittel gezielt und effizient eingesetzt werden.Im Zusammenhang mit der Frage der steigenden Gesundheitsausgaben ist auch zu beachten, dass die Schweiz im Vergleich mit anderen L\u00e4ndern hohe Kosten aufweist. Damit stellt sich die Frage nach der Effizienz des Gesundheitswesens und den kostentreibenden Faktoren, wie beispielsweise Fehlanreize oder reglementierte Preise. Und schliesslich sind steigende Gesundheitsausgaben immer auch mit volkswirtschaftlichen Opportunit\u00e4tskosten verbunden. Ressourcen, die in das Gesundheitswesen gesteckt werden, fehlen in anderen Sektoren. Es ist deshalb wichtig, dass die zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel m\u00f6glichst wirksam eingesetzt werden. Dies heisst, dass die Kostenwirksamkeit von zus\u00e4tzlichen Ausgaben (sei es f\u00fcr Pr\u00e4vention oder kurative Medizin) und die Opportunit\u00e4tskosten (zum Beispiel aufgrund des Verzichts auf zus\u00e4tzliche Bildungsausgaben) zu pr\u00fcfen sind. Als Grundlage f\u00fcr einen effizienten Mitteleinsatz im Gesundheitswesen, der auch die Verteilungssicht ber\u00fccksichtigt, scheint uns schliesslich wichtig, dass die Datenbasis \u2013 etwa bez\u00fcglich der Kostenwirksamkeit von Gesundheitsausgaben oder der finanziellen Belastung der Haushalte \u2013 weiter verbessert wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abWertsch\u00f6pfung und Besch\u00e4ftigung bei steigenden Gesundheitsausgaben\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abWirkungszusammenh\u00e4nge in der langfristigen Betrachtung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 INFRAS (2009): Volkswirtschaftliche Wirkungen steigender Gesundheitsausgaben. Iten R., A. Vettori, J. Trageser, C. Marti, M. Peter im Auftrag der vips Vereinigung Pharmafirmen in der Schweiz. Z\u00fcrich.\u2212 Kirchg\u00e4ssner G., B. Gerritzen (2011): Leistungsf\u00e4higkeit und Effizienz von Gesundheitssystemen: Die Schweiz im internationalen Vergleich. Gutachten zuhanden des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft SECO.\u2212 Suhrcke, M., M. McKee, R. Sauto Arce, S. Tsolova, J. Mortensen (2005): The Contribution of Health to the Economy in the European Union, Luxembourg: Office for Official Publications of the European Communities.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gesundheitsausgaben in der Schweiz steigen und steigen. Inwiefern ist das schlecht oder gut? Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind die Wirkungen unter bestimmten Voraussetzungen tendenziell positiv. Die Evidenz zeigt: Kurz- und mittelfristig steigen Bruttoinlandsprodukt und Besch\u00e4ftigung. Auch l\u00e4ngerfristig erh\u00f6hen steigende Gesundheitsausgaben Wachstum und Wohlfahrt. Die unterschiedliche Belastung der privaten Haushalte kann durch Pr\u00e4mienverbilligungen deutlich abgefedert werden. 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