{"id":120765,"date":"2011-04-01T12:00:00","date_gmt":"2011-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/04\/sacchi-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:04","slug":"sacchi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/04\/sacchi\/","title":{"rendered":"Entwicklung des Arbeitsmarkts f\u00fcr Berufseinsteiger"},"content":{"rendered":"<p>Ein herausragender Trend im heutigen Arbeitsmarkt sind die seit langem kontinuierlich steigenden Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeitenden. Berufseinsteiger mit einer abgeschlossenen beruflichen Grundbildung verf\u00fcgen zwar \u00fcber gute Startvoraussetzungen, sehen sich bei der ersten Stellensuche hingegen zunehmend mit zus\u00e4tzlichen Anforderungen bez\u00fcglich Berufserfahrung oder Weiterbildung konfrontiert, die sie nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend auf der einen Seite das f\u00fcr Berufseinsteiger geeignete Stellenangebot schrumpft, ist auf der anderen Seite das Arbeitslosigkeitsrisiko beim Berufseinstieg langfristig weit st\u00e4rker angestiegen als unter \u00e4lteren, bereits bew\u00e4hrten Fachkr\u00e4ften.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201104_09_Sacchi_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr viele Jugendliche ist der Einstieg in die Arbeitswelt nach Abschluss der Berufsausbildung mit Schwierigkeiten verbunden. Angesichts der enormen Bedeutung der Berufsbildung in der Schweiz spielt dabei der Arbeitsmarkt f\u00fcr Berufseinsteiger \u2013 zusammen mit dem Lehrstellenmarkt \u2013 bei der Integration der nachr\u00fcckenden Generationen ins Berufsleben eine entscheidende Rolle. Die Schwierigkeiten beim \u00dcbergang von der Ausbildung in den Arbeitsmarkt sind wohl auch der wichtigste Grund, weshalb die Jugendlichen in der Schweiz \u2013 wie in anderen L\u00e4ndern deutlich \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig von Arbeitslosigkeit betroffen sind.&#13;<br \/>\nSiehe Weber, 2007. Die Schweiz bildet diesbez\u00fcglich keine Ausnahme, wenn auch hierzulande das Niveau der Arbeitslosigkeit generell sehr niedrig ist. Gut belegt ist zudem, dass die Arbeitslosigkeit im Alterssegment der Berufseinsteiger im Vergleich zur gesamten Erwerbsbev\u00f6lkerung stark \u00fcberdurchschnittlich auf konjunkturelle Schwankungen reagiert. Zu Beginn einer Abschwungphase steigen die Arbeitslosenzahlen jeweils sehr rasch an, um sich dann wieder dem Durchschnitt anzun\u00e4hern.&#13;<br \/>\nSiehe Duttweiler und Weber, 2010. \u00dcber die langfristige, konjunkturzyklus\u00fcbergreifende Entwicklung der Berufseinstiegschancen ist aber wenig bekannt. Die Vermutung, dass Jugendliche beim Einstieg ins Berufsleben aufgrund des wirtschaftlichen Strukturwandels auf zunehmend h\u00f6here H\u00fcrden treffen, scheint zwar plausibel, ist aber empirisch kaum belegt.&#13;<br \/>\nSiehe CS Ecomic Research, 2006.Vor diesem Hintergrund m\u00f6chten wir erstens aufzeigen, wie sich das Stellenangebot f\u00fcr Absolventen einer beruflichen Grundbildung langfristig ver\u00e4ndert hat und zweitens die Frage er\u00f6rtern, inwieweit die Stellenmarkt-Entwicklung zur wachsenden Kluft zwischen Jugend- und Gesamtarbeitslosigkeit beigetragen hat.&#13;<br \/>\nDieser Beitrag beruht auf der ausf\u00fchrlichen Fassung des Reports zum Berufseinsteiger-Barometer 2010 (Sacchi &amp; Salvisberg, 2011, siehe auch Kasten 2) und liegt in der alleinigen Verantwortung der Autoren.&#13;<\/p>\n<h2>Schrumpfendes Stellenangebot f\u00fcr Berufseinsteiger<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erhebungen des Stellenmarkt-Monitor Schweiz (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Stellenmarkt-Monitor Schweiz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Der Stellenmarkt-Monitor Schweiz des Soziologischen Instituts der Universit\u00e4t Z\u00fcrich verfolgt das Ziel, die wissenschaftlichen Kenntnisse \u00fcber den Stellenmarkt systematisch zu erweitern und zu einer verbesserten Arbeitsmarkttransparenz beizutragen. Er informiert eine breite \u00d6ffentlichkeit \u00fcber aktuelle Entwicklungen auf dem Stellenmarkt. Datenbasis f\u00fcr die hier gezeigten Analysen sind j\u00e4hrliche Zufallsstichproben von Stellenangeboten aus Presse, Internet-Stellenportalen sowie Unternehmenswebseiten. Die Stellenangebote werden allj\u00e4hrlich w\u00e4hrend einer Stichwoche im M\u00e4rz im Volltext erfasst und f\u00fcr statistische Analysen aufbereitet. Die Erhebungsreihe erfasst im heutigen, seit 2006 bestehenden Ausbaustand s\u00e4mtliche quantitativ ins Gewicht fallenden Ausschreibungskan\u00e4le im Internet (Unternehmenswebseiten, Stellenportale) und dem Printbereich (Zeitungen und Anzeiger) aus der ganzen Schweiz. Urspr\u00fcnglich ist die Datenbasis aus einer bis 1950 zur\u00fcckreichenden Retrospektiv-Erhebung von Stellenanzeigen der Presse des deutschsprachigen Landesteils hervorgegangen, die dann in eine kontinuierliche Stellenmarkt-Beobachtung \u00fcberf\u00fchrt und stark ausgebaut worden ist. Detailliertere Informationen finden sich unter <a href=\"http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch\">http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch<\/a><\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) umfassen j\u00e4hrliche Zufallsstichproben von Stellenangeboten in der Presse (seit 1950) und dem Internet (seit 2001). Sie erlauben damit eine Analyse der sich wandelnden Qualifikationsanforderungen auf dem Stellenmarkt. Im Folgenden st\u00fctzen wir uns dabei auschliesslich auf Stellenangebote, die sich an Absolventen einer beruflichen Grundbildung wenden (Fachkr\u00e4ftestellen). Die Stellenangebote f\u00fcr Berufseinsteiger umfassen dabei nur jene Stellen f\u00fcr Fachkr\u00e4fte, die f\u00fcr Stellensuchende unmittelbar nach Abschluss einer beruflichen Grundbildung in Frage kommen. Dazu geh\u00f6ren nach unserer Definition Stellenangebote, die weder Erfahrung noch Weiterbildung voraussetzen, die keine Leitungsfunktion beinhalten und die Einsteiger auch nicht aufgrund ihres jugendlichen Alters ausschliessen. Diese in den Stellenausschreibungen aufgef\u00fchrten Anforderungen geben Auskunft \u00fcber die Pr\u00e4ferenzen der personalsuchenden Unternehmen. Hingegen sagen sie nichts dar\u00fcber aus, ob und auf welchem Weg die inserierten Stellen schliesslich wie gew\u00fcnscht besetzt werden k\u00f6nnen. Allerdings liegt es im ureigensten Interesse der Unternehmen, Stellenausschreibungen so abzufassen, dass sie gezielt nur jenen Adressatenkreis ansprechen, der f\u00fcr eine gegebene Stelle effektiv in Frage kommt. Aus diesem Grund werden Berufseinsteiger bei der Besetzung von Stellen, die eine oder mehrere der genannten Anforderungen stellen, kaum zum Zug kommen.Betrachten wir zun\u00e4chst die rote Linie in <i>Grafik 1<\/i>, die auf der umfassenden Stellenerhebung in Presse und Internet beruht. Die Linie zeigt, dass sich der Anteil Einsteigerstellen f\u00fcr Fachkr\u00e4fte in den letzten zehn Jahren beinahe halbiert hat und heute nur noch rund 20% aller Fachkr\u00e4ftestellen so ausgeschrieben werden, dass sich Berufseinsteiger gute Bewerbungschancen ausrechnen d\u00fcrfen. Dabei erfolgte der R\u00fcckgang vor allem in den konjunkturell schwachen Jahren zwischen 2003 und 2006.&#13;<br \/>\nPhasen \u00fcberdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit sind in Grafik 1 dunkel unterlegt. Seither hat sich der Anteil Einsteigerstellen auf tieferem Niveau stabilisiert, ohne dass bislang Anzeichen einer Erholung zu erkennen w\u00e4ren.Der deutliche Einbruch in den Krisenjahren entspricht dabei einem langfristig zu beobachtenden Muster. Die blaue Linie in <i>Grafik 1<\/i> (beruhend auf den in der Presse der Deutschschweiz ausgeschriebenen Stellen)&#13;<br \/>\nDer wachsende Abstand der beiden Linien in Grafik 1 ist eine Folge davon, dass der von Jahr zu Jahr steigenden Bedeutung der Internetkan\u00e4le die Personalsuche f\u00fcr anspruchsvollere Fachkr\u00e4ftestellen \u00fcberdurchschnittlich stark ins Internet verlagert wurde. zeigt, wie das Stellenangebot f\u00fcr Berufseinsteiger in Krisenzeiten (in der Grafik dunkler unterlegt) jeweils anteilsm\u00e4ssig deutlich schrumpft, ohne sich in der folgenden Hochkonjunktur wieder zu erholen. Stattdessen kommt es dann lediglich zu einer Stabilisierung auf einem merklich tieferen Niveau. Entsprechend beobachten wir \u00fcber die gesamten letzten 40 Jahre einen stufenweisen R\u00fcckgang im Anteil der f\u00fcr Berufseinsteiger geeigneten Fachkr\u00e4ftestellen. Gemessen an dieser langfristigen Regularit\u00e4t hat sich der Einsteigerstellenmarkt seit dem j\u00fcngsten Konjunkturr\u00fcckgang von 2009 \u00fcberraschend gut gehalten. Anders als bei fr\u00fcheren Wirtschaftseinbr\u00fcchen sind bis anhin keine Anzeichen f\u00fcr einen weiteren R\u00fcckgang auszumachen.&#13;<\/p>\n<h2>Steigende Anforderungen im Stellenmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer r\u00fcckl\u00e4ufige Anteil an Einsteigerstellen wirft Fragen nach der Art der Hindernisse auf, mit denen sich die Berufseinsteiger im Arbeitsmarkt zunehmend konfrontiert sehen. Dazu betrachten wir die Entwicklung der einzelnen Stellenanforderungen n\u00e4her, die einer Bewerbung von Berufseinsteigern entgegenstehen.Wie aus <i>Grafik 2<\/i> hervorgeht, verlangen heute etwa sieben von zehn Stellenangeboten f\u00fcr Fachkr\u00e4fte \u2013 neben der abgeschlossenen beruflichen Grundbildung \u2013 ebenfalls <i>Berufserfahrung.<\/i> Fehlende Erfahrung wird damit zum wichtigsten Hindernis f\u00fcr Berufseinsteiger; und in den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Fachkr\u00e4ftestellen, die Erfahrung voraussetzen, von 55% auf 70% gestiegen. Doch auch <i>Weiterbildungen<\/i> sind wichtiger geworden und werden heute bereits bei rund einem Drittel aller Fachkr\u00e4ftestellen verlangt, verglichen mit knapp einem F\u00fcnftel zu Beginn der Messreihe. Der Anteil der Fachkr\u00e4ftestellen mit <i>Leitungsfunktion<\/i> hat ferner kontinuierlich zugenommen. Und schliesslich fallen Berufseinsteiger bei aktuell rund 8% der angebotenen Fachkr\u00e4ftestellen auch aufgrund ihres Alters aus dem Adressatenkreis heraus. Einzig bez\u00fcglich des verlangten <i>Minimalalters<\/i> ist im betrachteten Zeitraum keine langfristige Zunahme zu verzeichnen. Langfristig stark gestiegen ist ebenfalls der Anteil Stellen, welcher gleich mehrere der genannten Anforderungen stellt; weitaus am h\u00e4ufigsten verlangen die Unternehmen dabei sowohl Erfahrung als auch Weiterbildung. Der in <i>Grafik 1<\/i> erkennbare stufenf\u00f6rmige R\u00fcckgang der Einsteigerstellen spiegelt sich hier in einem deutlichen Anstieg der Anforderungen w\u00e4hrend des Konjunktureinbruchs zwischen 2003 und 2006 wieder. Auch in der l\u00e4ngerfristigen Betrachtung sind es die in konjunkturell schwachen Zeiten steigenden und dann im Aufschwung nicht mehr reduzierten Anforderungen an Erfahrung und Weiterbildung, welche in erster Linie f\u00fcr den schrittweisen R\u00fcckgang der Stellenangebote f\u00fcr Berufseinsteiger (Einsteigerstellen) verantwortlich sind.&#13;<\/p>\n<h2>Langfristig steigende Arbeitslosigkeit von Lehrabg\u00e4ngern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs ist nun durchaus plausibel, dass sich das schrumpfende Stellenangebot f\u00fcr Berufseinsteiger auch auf die Arbeitslosigkeit von Ausbildungsabg\u00e4ngern auswirkt. Aber l\u00e4sst sich eine solche Zunahme \u00fcberhaupt feststellen? <i>Grafik 3<\/i> zeigt die l\u00e4ngerfristige Entwicklung der Arbeitslosigkeit unter Lehrabg\u00e4ngern.&#13;<br \/>\nF\u00fcr diese lange Reihe stehen Daten der Arbeitslosenstatistik des Seco (AVAM) f\u00fcr Lehrabg\u00e4nger zu Verf\u00fcgung, jedoch nicht f\u00fcr Absolventen anderer beruflicher Grundbildungen. Der dargestellte Befund best\u00e4tigt sich f\u00fcr den Zeitraum 2001\u20132010 aber auch bez\u00fcglich des Arbeitslosigkeitsrisikos von 15\u201324 j\u00e4hrigen Absolventen einer beruflichen Grundbildung (siehe Berufseinsteiger-Barometer 2010). Dabei fallen zun\u00e4chst die bedeutenden saisonalen und konjunkturellen Schwankungen ins Auge, die sehr viel ausgepr\u00e4gter sind als bei der Gesamterwerbsbev\u00f6lkerung. Die lange Messreihe spricht daf\u00fcr, dass sich die Situation von Lehrabg\u00e4ngern \u00fcber die betrachteten Konjunkturzyklen hinweg von Hochkonjunktur zu Hochkonjunktur sp\u00fcrbar verschlechtert hat: Zwischen den Hochkonjunkturen von 2001 und 2008 stieg ihre Arbeitslosenquote im Jahresmittel von 2% auf 4,9%. Und auch im Vergleich der Hochkonjunkturen von 1991 und 2001 scheint sie sich ausgehend von einem sehr tiefen Anfangsniveau von etwa 0,3% markant erh\u00f6ht zu haben. Die Datenlage ist mit Blick auf die 90er Jahre allerdings mit gewissen Unsicherheiten behaftet.&#13;<br \/>\nIm AVAM fehlte vor 1993 ein einheitliches System der Datenerfassung. Zur Hochkonjunktur 1990\/91 rechnen wir den Zeitraum bis und mit Juni 1991. Bemerkenswert ist auch, dass die Arbeitslosenquote unter Lehrabg\u00e4ngern sich langfristig deutlich st\u00e4rker erh\u00f6ht hat als f\u00fcr die gesamte Erwerbsbev\u00f6lkerung: In der Hochkonjunktur von 2001 lag die Arbeitslosenquote der Lehrabg\u00e4nger im Jahresdurchschnitt noch etwa 1,2-mal h\u00f6her, in der Hochkonjunktur von 2008 aber gut doppelt so hoch wie in der Erwerbsbev\u00f6lkerung. Mit Blick auf die Hochkonjunktur von 1990\/91 lassen die verf\u00fcgbaren Daten vermuten, dass Lehrabg\u00e4nger damals sogar noch <i>unterdurchschnittlich<\/i> stark von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Die Arbeitslosigkeit unter Lehrabg\u00e4ngern h\u00e4tte demnach bereits zwischen 1991 und 2001 \u00fcberdurchschnittlich zugenommen. Alles in allem belegen die Daten haupts\u00e4chlich f\u00fcr den Zeitraum seit 2001 einen deutlich \u00fcberproportionalen Anstieg der Arbeitslosigkeit unter den Lehrabg\u00e4ngern in den konjunkturell g\u00fcnstigen Phasen. Beim Vergleich der beiden Rezessionsphasen hat sich das Niveau der Lehrabg\u00e4nger-Arbeitslosigkeit (LAL) dagegen nur wenig ver\u00e4ndert; gegen\u00fcber den Spitzenwerten von Mitte der 1990er-Jahre ist LAL sogar leicht zur\u00fcckgegangen. Wir vermuten, dass dies teils auf den schrittweise ausgebauten Arbeitsmarktmassnahmen zugunsten von Berufseinsteigern und teils auch auf einem ver\u00e4nderten Meldeverhalten beruht.Die Befunde best\u00e4tigen insgesamt die stark ausgepr\u00e4gte Konjunktursensitivit\u00e4t der Arbeitslosigkeit von Lehrabg\u00e4ngern. Allerdings ist nach unseren Ergebnissen eine ausschliesslich konjunkturelle Erkl\u00e4rung der langfristigen Entwicklung wohl nicht ausreichend. Verschiedene Indizien lassen uns vielmehr vermuten, dass der \u00fcberproportionale langfristige Anstieg der Arbeitslosigkeit unter den Lehrabg\u00e4ngern teilweise <i>strukturelle Gr\u00fcnde<\/i> hat.&#13;<br \/>\nSiehe Sacchi &amp; Salvisberg, 2011. Dies gilt namentlich f\u00fcr den Zeitraum seit der Jahrtausendwende, in dem die Arbeitslosigkeit unter Berufseinsteigern nachweislich weit st\u00e4rker zugenommen hat als unter \u00e4lteren Fachkr\u00e4ften.&#13;<\/p>\n<h2>M\u00f6gliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die steigenden Einstiegsschwierigkeiten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen des <i>Berufseinsteiger-Barometers 2010<\/i> (vgl. <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Berufseinsteiger-Barometer<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Das im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) 2010 erstmals erstellte Berufseinsteiger-Barometer untersucht die Erwerbssituation von Berufseinsteigern, die nach Abschluss einer beruflichen Grundbildung in den Arbeitsmarkt \u00fcbertreten. Aufgezeigt werden einerseits Entwicklungen im Bestand und in der Zusammensetzung der Absolventen der beruflichen Grundbildung. Andererseits werden die Arbeitslosigkeit von Berufseinsteigern und deren konjunkturbedingten, saisonalen und langfristigen Ver\u00e4nderungen untersucht. Ausserdem widmet sich die Studie der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes und zeigt anhand einer Untersuchung von Stellenausschreibungen aus Presse und Internet auf, wie sich das Stellenangebot f\u00fcr Berufseinsteiger in den letzten zehn Jahren ver\u00e4ndert hat. Das Berufseinsteiger-Barometer kann als Kurzfassung oder als umfassender Report (Sacchi &amp;amp; Salvisberg, 2010\/2011) auf der Internetseite des Stellenmarkt-Monitors (<a href=\"http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch\">http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch<\/a>) heruntergeladen werden.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) haben wir verschiedene strukturelle Erkl\u00e4rungen f\u00fcr den langfristigen Anstieg der Arbeitslosigkeit beim Berufseinstieg n\u00e4her untersucht. Dabei zeigt sich <i>erstens,<\/i> dass die Ver\u00e4nderungen in <i>St\u00e4rke und Zusammensetzung der Absolventenjahrg\u00e4nge<\/i> der beruflichen Grundbildung zu gering sind, um den beobachteten Anstieg auf plausible Weise zu erkl\u00e4ren. <i>Zweitens<\/i> finden wir auch keinerlei Anhaltspunkte f\u00fcr eine schrumpfende <i>Verbleibsquote von Lehrabg\u00e4ngern,<\/i> die nach dem Abschluss weiterhin im Lehrbetrieb angestellt bleiben. Dies l\u00e4sst vermuten, dass die Anzahl der j\u00e4hrlich neu auf den Arbeitsmarkt dr\u00e4ngenden Berufseinsteiger langfristig ungef\u00e4hr konstant geblieben ist. <i>Drittens<\/i> sprechen die verf\u00fcgbaren Anhaltspunkte f\u00fcr den Zeitraum seit 2004 auch dagegen, dass die steigende Arbeitslosigkeit in einem <i>beruflichen Mismatch<\/i> begr\u00fcndet ist \u2013 einer sich vertiefenden Kluft zwischen den erworbenen und den im Arbeitsmarkt nachgefragten Berufsausbildungen. <i>Viertens<\/i> beruht die steigende Arbeitslosigkeit in der Alterskategorie der Berufseinsteiger nach unseren Ergebnissen auch nicht auf einer verst\u00e4rkten <i>Betroffenheit durch Entlassungen<\/i> in der ersten Zeit nach dem Berufseinstieg <i>(Last-in-First-Out-Hypothese).<\/i> Dies st\u00fctzt indirekt die Annahme, dass vor allem das Risiko einer Arbeitslosigkeit unmittelbar beim Berufseinstieg gestiegen ist. Vor dem Hintergrund der skizzierten Ergebnisse bieten die wachsenden Anforderungen bez\u00fcglich Erfahrung und Weiterbildung die alles in allem plausibelste Erkl\u00e4rung f\u00fcr die langfristige Zunahme der Arbeitslosigkeit beim Berufseinstieg. Schrumpft das Angebot an geeigneten Stellen, werden die H\u00fcrden bei der ersten Stellensuche nach dem Ausbildungsabschluss dementsprechend wachsen. Allerdings wird sich ein R\u00fcckgang des Stellenangebotes kaum eins zu eins in einem entsprechend gr\u00f6sseren Arbeitslosigkeitsrisiko spiegeln. Vielmehr werden manche Berufseinsteiger zum Beispiel eine Weiterbildung aufnehmen oder auf unqualifizierte Stellen ausweichen, anstatt den Gang zum Arbeitsamt anzutreten.In der gegenw\u00e4rtigen Konjunkturbaisse ist im Unterschied zu fr\u00fcheren Abschwungphasen bisher auch kein weiterer R\u00fcckgang des Stellenangebots f\u00fcr Berufseinsteiger festzustellen, was aufgrund des langj\u00e4hrigen Verlaufsmusters eher \u00fcberraschend kommt. Aussagen \u00fcber zuk\u00fcnftige Entwicklungen sind dementsprechend kaum m\u00f6glich. Aufgrund der schon seit Jahrzehnten best\u00e4ndig ansteigenden Anforderungen im Stellenmarkt scheint es aber doch eher unwahrscheinlich, dass die H\u00fcrden f\u00fcr Berufseinsteiger in Zukunft wieder kleiner werden.&#13;<br \/>\nSiehe Sacchi, Salvisberg &amp; Buchmann, 2005. In der hochtechnologisierten und globalisierten \u00abWissens\u00f6konomie\u00bb des 21. Jahrhunderts ist eine gute Grundausbildung zunehmend unentbehrlich. Das l\u00e4sst sich unter anderem daran ablesen, dass Jugendliche ohne nachobligatorische Ausbildung ein im Vergleich zu Berufseinsteigern massiv h\u00f6heres Arbeitslosigkeitsrisiko tragen. Gleichzeitig garantiert die berufliche Grundbildung allein je l\u00e4nger desto weniger einen problemlosen Einstieg in den heutigen Arbeitsmarkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abStellenangebote f\u00fcr Berufseinsteiger 1970\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abBerufseinsteiger ausschliessende Anforderungen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abArbeitslosigkeit unter Lehrabg\u00e4ngern (Monatsreihen 1990\u20132009)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Stellenmarkt-Monitor Schweiz&#13;<\/p>\n<h3>Stellenmarkt-Monitor Schweiz<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Stellenmarkt-Monitor Schweiz des Soziologischen Instituts der Universit\u00e4t Z\u00fcrich verfolgt das Ziel, die wissenschaftlichen Kenntnisse \u00fcber den Stellenmarkt systematisch zu erweitern und zu einer verbesserten Arbeitsmarkttransparenz beizutragen. Er informiert eine breite \u00d6ffentlichkeit \u00fcber aktuelle Entwicklungen auf dem Stellenmarkt. Datenbasis f\u00fcr die hier gezeigten Analysen sind j\u00e4hrliche Zufallsstichproben von Stellenangeboten aus Presse, Internet-Stellenportalen sowie Unternehmenswebseiten. Die Stellenangebote werden allj\u00e4hrlich w\u00e4hrend einer Stichwoche im M\u00e4rz im Volltext erfasst und f\u00fcr statistische Analysen aufbereitet. Die Erhebungsreihe erfasst im heutigen, seit 2006 bestehenden Ausbaustand s\u00e4mtliche quantitativ ins Gewicht fallenden Ausschreibungskan\u00e4le im Internet (Unternehmenswebseiten, Stellenportale) und dem Printbereich (Zeitungen und Anzeiger) aus der ganzen Schweiz. Urspr\u00fcnglich ist die Datenbasis aus einer bis 1950 zur\u00fcckreichenden Retrospektiv-Erhebung von Stellenanzeigen der Presse des deutschsprachigen Landesteils hervorgegangen, die dann in eine kontinuierliche Stellenmarkt-Beobachtung \u00fcberf\u00fchrt und stark ausgebaut worden ist. Detailliertere Informationen finden sich unter <i><a href=\"http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch\">http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch<\/a><\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Berufseinsteiger-Barometer&#13;<\/p>\n<h3>Berufseinsteiger-Barometer<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) 2010 erstmals erstellte Berufseinsteiger-Barometer untersucht die Erwerbssituation von Berufseinsteigern, die nach Abschluss einer beruflichen Grundbildung in den Arbeitsmarkt \u00fcbertreten. Aufgezeigt werden einerseits Entwicklungen im Bestand und in der Zusammensetzung der Absolventen der beruflichen Grundbildung. Andererseits werden die Arbeitslosigkeit von Berufseinsteigern und deren konjunkturbedingten, saisonalen und langfristigen Ver\u00e4nderungen untersucht. Ausserdem widmet sich die Studie der Nachfrageseite des Arbeitsmarktes und zeigt anhand einer Untersuchung von Stellenausschreibungen aus Presse und Internet auf, wie sich das Stellenangebot f\u00fcr Berufseinsteiger in den letzten zehn Jahren ver\u00e4ndert hat. Das Berufseinsteiger-Barometer kann als Kurzfassung oder als umfassender Report <i>(Sacchi &amp; Salvisberg, 2010\/2011)<\/i> auf der Internetseite des Stellenmarkt-Monitors <i>(<a href=\"http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch\">http:\/\/www.stellenmarktmonitor.uzh.ch<\/a>)<\/i> heruntergeladen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 CS Ecomic Research (2006). Jugendarbeitslosigkeit als Ergebnis einer ver\u00e4nderten Nachfrage nach Arbeit?, in Swiss Issues: Wirtschaftspolitik, Credit Suisse, Z\u00fcrich.\u2212 Duttweiler Daniel &amp; Bernhard Weber (2010). Arbeitsmarktsituation der Jugendlichen in der j\u00fcngsten Rezession, in Die Volkswirtschaft, 11-2010, S. 47-51.\u2212 Sacchi Stefan, Alexander Salvisberg &amp; Marlis Buchmann (2005). Long-Term Dynamics of Skill Demand in Switzerland from 1950-2000, pp. 105-134, in Kriesi, Hanspeter, Peter Farago, Martin Kohli &amp; Milad Zarin-Nejadan (Hg.), Contemporary Switzerland: Revisiting the Special Case. Houndmills: Palgrave Macmillan.\u2212 Sacchi, Stefan &amp; Alexander Salvisberg (2010\/2011). Berufseinsteiger-Barometer 2010. Report im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT). SMM, Universit\u00e4t Z\u00fcrich. \u2212 Weber, Bernhard (2007). Die Situation von Jugendlichen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt. In, Die Volkswirtschaft 80 (3): S. 52\u201354.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein herausragender Trend im heutigen Arbeitsmarkt sind die seit langem kontinuierlich steigenden Anforderungen an die Qualifikation der Mitarbeitenden. Berufseinsteiger mit einer abgeschlossenen beruflichen Grundbildung verf\u00fcgen zwar \u00fcber gute Startvoraussetzungen, sehen sich bei der ersten Stellensuche hingegen zunehmend mit zus\u00e4tzlichen Anforderungen bez\u00fcglich Berufserfahrung oder Weiterbildung konfrontiert, die sie nicht erf\u00fcllen k\u00f6nnen. 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