{"id":120770,"date":"2011-04-01T12:00:00","date_gmt":"2011-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/04\/schneller-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:33","slug":"schneller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/04\/schneller\/","title":{"rendered":"An der Schnittstelle zwischen ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen, Entwicklung und politischer Risiken"},"content":{"rendered":"<p>Die Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (Miga) ist Teil der Weltbankgruppe und mit dem Mandat versehen, ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder zu katalysieren. Sie bietet Versicherungen gegen Verluste aus politischen Risiken an. Der Artikel pr\u00e4sentiert eine Momentaufnahme des operativen Umfeldes der Agentur. Zum einen zeichnet sich dieses durch aktuelle Trends bei Direktinvestitionen aus und zum anderen durch die Pr\u00e4ferenz der Investoren, politische Risiken zu versichern. Im Anschluss wird die Rolle der Miga als Entwicklungsinstitution beleuchtet und ihre Antwort auf neue Herausforderungen, um auch in Zukunft eine relevante Rolle spielen zu k\u00f6nnen. Diese Herausforderungen bewogen die Aktion\u00e4re, mitunter die Gr\u00fcndungskonvention von 1988 anzupassen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201104_14_Schneller_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls Folge der Finanzkrise sind alle Kategorien der Kapitalfl\u00fcsse mit Destination Entwicklungsl\u00e4nder eingebrochen (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Die ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen in Entwicklungsl\u00e4nder, welche ungef\u00e4hr einen Drittel der globalen Direktinvestitionen ausmachen, sind zwischen 2008 und 2009 um rund 40% eingebrochen \u2013 von 587 auf 354 Mrd. US-Dollar. Gem\u00e4ss aktueller Prognosen erholen sich Direktinvestitionen schneller als andere private Kategorien und bewegen sich auf alte H\u00f6chstst\u00e4nde zu. Dieses Erholungszenario ist jedoch zahlreichen Risiken unterworfen. Die Direktinvestitionen bleiben stark auf aufstrebende Schwellenm\u00e4rkte konzentriert, insbesondere auf die so genannten <i>Bric-Staaten.<\/i> Seit den 2000er-Jahren sind diese zu rasch wachsenden Quellen von S\u00fcd-S\u00fcd-Direktinvestitionen avanciert: F\u00fcr 2010 wird der S\u00fcd-S\u00fcd-Anteil an Direktinvestitionen mittlerweile auf mehr als einen Drittel gesch\u00e4tzt und ist eine treibende Kraft im gegenw\u00e4rtigen Aufschwung. W\u00e4hrend der Anteil der L\u00e4nder mit geringem Einkommen am globalen Volumen insgesamt relativ tief bleibt, stellen Direktinvestitionen in dieser L\u00e4nderkategorie per Land betrachtet oftmals einen signifikanten Beitrag des gesamten Investitionsaufkommens dar. Ebenso dominieren hier langfristige Direktinvestitionen, die kurzfristigen Darlehen, was nicht immer so wahr.&#13;<\/p>\n<h2>Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen und politische Risikoversicherung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Dynamik von Direktinvestitionen wird durch sogenannte <i>push<\/i> Faktoren (d.h. die Antriebsfaktoren in den Quellenl\u00e4ndern) und <i>pull<\/i> Faktoren (d.h. die Anziehungsfaktoren in den Ziell\u00e4ndern) beschrieben. Diese Faktoren waren bereits Bestandteil zahlreicher Studien. An dieser Stelle sei lediglich ein innovativer Beitrag zur Analyse der <i>pull<\/i> Faktoren erw\u00e4hnt. Es handelt sich um den von der Weltbank erstmals erstellte Pilotbericht <i>Investing Across Borders.<\/i> Darin wurden Gesetzgebungen und Regulierungsbestimmungen, die sich explizit auf Direktinvestitionen beziehen, in einem 87 L\u00e4nder umfassenden Vergleich untersucht. Auf der Basis des verwendeten Indikatorensets zeigt sich, dass L\u00e4nder mit transparenter und effektiver Regulierung \u2013 im Verh\u00e4ltnis zur Gr\u00f6sse der Volkswirtschaft und der Bev\u00f6lkerung \u2013 tendenziell mehr Direktinvestitionen anzuziehen verm\u00f6gen. Da die regulatorischen Rahmenbedingungen nur einer von zahlreichen <i>pull<\/i> Faktoren ist, kann nicht von einer Kausalit\u00e4t gesprochen werden. Hingegen lassen sich verschiedene Praktiken vergleichen, was zwecks Verbesserung der Attraktivit\u00e4t des Investitionsstandortes interessante Aufschl\u00fcsse geben kann. Politische Risiken bleiben sowohl f\u00fcr Investoren im Norden als auch im S\u00fcden der zentrale Risikofaktor bei grenz\u00fcbergreifenden Direktinvestitionen in Entwicklungsl\u00e4nder. Dies zeigt der in 2010 zum zweiten Mal erschienene und von der Miga verfasste <i>World Investment and Political Risk Report.<\/i> Nach wie vor sind es die nicht-vertraglichen Massnahmen \u2212 wie Diversifizierung, Dialog mit lokalen Beh\u00f6rden, Kommunen und Nichtregierungsorganisationen \u2013 welche am h\u00e4ufigsten von Investoren zur politischen Risikoverminderung eingesetzt werden. Hingegen gibt nur einer von drei Investoren an sich vertraglich abzusichern \u2013 wie etwa durch Kreditausfallversicherungen; und nur einer von f\u00fcnf schliesst direkt eine politische Risikoversicherung ab (vgl. <i>Grafik 2<\/i>).Die Deckungsrate von Direktinvestitionen in Entwicklungsl\u00e4nder mit politischer Risikoversicherung hat sich in den letzten Jahren bei 10% eingependelt, obwohl die Risikowahrnehmungen nicht statisch geblieben sind. Unter Annahme einer gegebenen Zeichnungskapazit\u00e4t deutet dies darauf hin, dass das Marktpotenzial f\u00fcr den Verkauf von Versicherungen tendenziell eher vom Investitionsvolumen als von Risikowahrnehmungen bestimmt wird. Historisch betrachtet hat der Markt jedoch sensibel auf Krisenereignisse (z.B. Nationalisierungswelle in den 70er Jahren) reagiert und die Deckungsraten in die H\u00f6he getrieben. Trotzdem ist die Beziehung zwischen Direktinvestitionen und politischer Risikoversicherung sowie das Zusammenspiel von letzterem mit alternativen Risikoverminderungsstrategien ein immer noch nicht gut gekl\u00e4rtes Ph\u00e4nomen. Im Einklang mit dem Wachstum von Direktinvestitionen seit 2003 hat sich der politische Risikoversicherungsmarkt \u2013 gemessen anhand der Neuemissionen der Mitglieder der <i>Berner Union<\/i>&#13;<br \/>\nDie Namensgebung ist auf die erste Sitzung der Exportkreditagenturen von Frankreich, Italien, Spanien und Grossbritannien zur\u00fcckzuf\u00fchren, welche 1934 in Bern stattfand. Das Sekretariat befindet sich in London. \u2013 ebenfalls ausgeweitet. Mit dem krisenbedingten Einbruch hat das Zeichnungsvolumen zwischen 2008 und 2009 um 38% abgenommen und 2009 rund 36 Mrd. US-Dollar erreicht.Die Berner Union ist eine Vereinigung von bilateralen und multilateralen Agenturen sowie von privaten Versicherern, welche sich auf die Vergabe von Exportkredit- und Investitionsversicherungen verstehen. Sie gilt als internationale Referenzgruppe f\u00fcr die Versicherung politischer Risiken. Dieser Markt wurde urspr\u00fcnglich von \u00f6ffentlichen Agenturen dominiert, wobei die privaten Versicherer ihre Zeichnungskapazit\u00e4t \u00fcber die Zeit erh\u00f6ht haben, insbesondere seit den sp\u00e4ten 90er Jahren. Gleichzeitig haben sich die politischen Versicherungsprodukte weiterentwickelt, um den sich wandelnden Bed\u00fcrfnissen der Investoren gerecht zu werden. Policen mit Deckung von terroristischen Akten kamen hinzu; im heutigen Umfeld sind Versicherungen gegen staatliche Zahlungsausf\u00e4lle ein stark wachsendes Produktsegment.Die \u00f6ffentlichen und privaten Marktteilnehmer spielen tendenziell eine komplement\u00e4re Rolle. Gleichwohl bleiben Bedenken bez\u00fcglich Wettbewerbsverzerrungen und Verdr\u00e4ngungseffekten bestehen. W\u00e4hrend sich die privaten Anbieter durch hohe Flexibilit\u00e4t und Anpassungsf\u00e4higkeit auszeichnen, ist ihre Zeichnungskapazit\u00e4t anf\u00e4lliger auf zyklische Faktoren. Die \u00f6ffentlichen Agenturen k\u00f6nnen die Deckungskapazit\u00e4t \u00fcber Zyklen leichter halten und lange Laufzeiten anbieten. Ihr Handlungsspielraum ist jedoch durch rigide Mandate limitiert. Bilaterale Agenturen, wie etwa die in 2001 gegr\u00fcndete chinesische Versicherungsgesellschaft <i>Sinosure,<\/i> bedienen die Nachfrage ihrer staatlichen Auftraggeber. Die multilateralen Agenturen m\u00fcssen sicherstellen, dass ihre Aktivit\u00e4ten mit entwicklungspolitischen Zielsetzungen \u00fcbereinstimmen.&#13;<\/p>\n<h2>Die Rolle der Miga als Mitglied der Weltbankgruppe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Miga wurde im April 1988 gegr\u00fcndet, mit der Schweiz als Gr\u00fcndungsmitglied. Die Gr\u00fcndung fiel in die Folgezeit der internationalen Verschuldungskrise und der damit einhergehenden Erkenntnis, dass langfristiges und weniger volatiles Kapital in Form von Direktinvestitionen einen positiven Beitrag im Entwicklungsprozess leistet. Die oft zitierten <i>Wirkungsmechanismen<\/i> von Direktinvestitionen auf Wachstum und Entwicklung gliedern sich in zwei Bestandteile: <i>Direkte Effekte<\/i> durch die Erh\u00f6hung des Kapitalstocks und die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen sowie <i>indirekte Effekte<\/i> durch Produktivit\u00e4tssteigerung via Transfer von Technologie, Know-how und Managementkapazit\u00e4ten.&#13;<br \/>\nDie empirischen Resultate bez\u00fcglich Wachstumseffekte sind in l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Studien ambivalent. Hingegen finden sich positive Effekte, wenn strukturelle Faktoren (z.B. Entwicklungsgrad des Finanzsektors, Sektorkomposition, institutionelle Qualit\u00e4t) und Politikfaktoren (z.B. Handels- und Investitionspolitik) ber\u00fccksichtigt werden. Tendenziell sind Direktinvestitionen weniger volatil und negativ mit der Wahrscheinlichkeit einer W\u00e4hrungskrise korreliert. F\u00fcr eine \u00dcbersicht siehe Kose et al., 2009a\/2009b. Direktinvestitionen enthalten zudem wichtige Elemente, die f\u00fcr die kollaterale Wirkungsweise auf die Produktivit\u00e4t und Wachstum, also jenen zus\u00e4tzlichen indirekten Kanal, welcher von den Autoren als entscheidend f\u00fcr die Wirkungsweise der finanziellen Globalisierung angesehen wird.Ziel und Zweck der Miga ist die Katalysierung von produktivem Kapital und die Nutzbarmachung von ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen f\u00fcr den Entwicklungsprozess. Die Agentur verkauft politische Risikoversicherungen (Garantien) an private Investoren f\u00fcr Investitionsprojekte, welche nicht nur kommerziell rentabel sind, sondern mit entwicklungspolitischen Zielsetzungen im Einklang stehen und insbesondere den von Miga festgelegten Anforderungen bez\u00fcglich Umwelt- und Sozialstandards gen\u00fcgen. Die Agentur handelt nach dem Grundsatz der finanziellen Nachhaltigkeit und nicht der Gewinnmaximierung: Die operationellen und finanziellen Ergebnisse m\u00fcssen die operativen Kosten decken und eine gesunde Bilanz gew\u00e4hrleisten, die potentielle Forderungen absorbieren kann und den Status einer <i>erstklassigen (highly rated)<\/i> multilateralen Institution unter Basel II garantiert. Als Mitglied der Weltbankgruppe profitiert die Agentur zudem von einem globalen Wissens- und Expertisennetzwerk und kann ihre Operationen mit L\u00e4nderprogrammen und Projekten abstimmen. Dank der M\u00f6glichkeit, mit Beh\u00f6rden der Gastl\u00e4nder eng zu kooperieren, verf\u00fcgt die Agentur \u00fcber eine effektive Mediations- und Streitschlichtungskapazit\u00e4t. Dies widerspiegelt sich in einer nahezu \u00abperfekten\u00bb Schadensstatistik. Die Risikokosten liegen somit deutlich tiefer als anderswo, w\u00e4hrend die administrativen Kosten aufgrund der entwicklungspolitisch motivierten komplexeren Unterzeichnungs- und Aufsichtsverfahren h\u00f6her liegen.Im Schnitt stellte die Miga \u00fcber die letzten f\u00fcnf Jahre j\u00e4hrlich Garantien im Umfang von 1,5 Mrd. US-Dollar aus. Aufgrund des Additionalit\u00e4tsprinzips und Entwicklungsmandates zielt die Miga auf komplexe, langfristige und risikoreiche Projekte sowie auf schwierige Grenzm\u00e4rkte ab, f\u00fcr welche keine kosteneffiziente Alternativen bestehen. Folglich besteht eine f\u00fcnf- bis sechsfache \u00dcbergewichtung in den \u00e4rmsten und risikoreicheren L\u00e4ndern, im Vergleich zu deren Absorptionsanteil an den gesamten Direktinvestitionen. Aufgrund des guten Kapitalisierungsgrades konnte die Miga w\u00e4hrend der Finanzkrise, als die Nachfrage drastisch stieg, eine anti-zyklische Rolle wahrnehmen. Im Rahmen der <i>Finanzsektorinitiative<\/i>&#13;<br \/>\nGemeinsamer Aktions- und Investitionsplan der Europ\u00e4ischen Bank f\u00fcr Wiederaufbau und Entwicklung, der Europ\u00e4ischen Investitionsbank und der Weltbankgruppe, um eine systemische Bankenkrise in Zentral- und Osteuropa aufgrund der sich ausweitenden Finanzkrise zu verhindern. unterst\u00fctzte die Miga Investitionen von rund 1,9 Mrd. US-Dollar in ost- und zentraleurop\u00e4ische Finanzinstitute. Sie versicherte Aktion\u00e4rsdarlehen gegen politische Risiken, um den Bankensektor zu stabilisieren und die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aufrechtzuerhalten. Einen Schwerpunkt bildet derzeit der Themenbereich <i>Konflikt und Fragilit\u00e4t,<\/i> welchem auch der <i>Weltentwicklungsbericht 2011<\/i> gewidmet ist. Hier spielen politische Risiken eine zentrale Rolle; und Direktinvestitionen k\u00f6nnen einen kritischen Beitrag f\u00fcr den Wiederaufbau und die Stabilisierung eines Landes leisten.&#13;<\/p>\n<h2>Die institutionellen Reformen der Miga<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Reformprozess der Miga wurde im wesentlichen durch zwei \u00dcberlegungen beeinflusst. Zum einen zeichneten sich Probleme struktureller Natur ab. Zum anderen widerspiegelt die Reform die Bedeutung privater Kapitalfl\u00fcsse in einer Perspektive nach der Finanz- und Wirtschaftskrise. W\u00e4hrend politische Risiken ein konsistenter Parameter f\u00fcr Investitionsentscheide bleiben \u2013 im Lichte der Umw\u00e4lzungen in Nordafrika k\u00f6nnte deren Gewichtung generell zunehmen \u2013 haben sich, seit der Gr\u00fcndung der Agentur in 1988 die Anforderungen der Investoren an die Versicherungsprodukte gewandelt. Die wachsende Kluft zwischen Nachfrage und institutioneller Kapazit\u00e4t um ad\u00e4quat auf diese zu reagieren, f\u00fchrte vermehrt dazu, dass Projekte nicht realisiert werden konnten. Diese Entwicklung ging zu Lasten des Entwicklungsmandates der Agentur, obwohl die hierf\u00fcr notwendige Kapitaldecke best\u00fcnde. Andererseits erholen sich die ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen auch gespeist durch das wachsende Angebot der Schwellenl\u00e4nder sehr rasch. Nach der Krise wird ihre Rolle im Finanzierungsmix f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder wahrscheinlich weiter zunehmen. Die Kapazit\u00e4t der \u00f6ffentlichen Haushalte ist zunehmend ersch\u00f6pft. So werden beispielsweise die Rekordausleihungen der Weltbank, trotz Kapitalerh\u00f6hung, relativ rasch wieder auf ein normales Vorkrisenniveau sinken. Das Mandat der Agentur bleibt folglich hochaktuell; trotzdem bedingen externe Entwicklungen einige Anpassungen.Deshalb initiierten die Aktion\u00e4re einen Modernisierungsprozess, in welchem interne Strukturen und operationelle Richtlinien angepasst wurden. Er m\u00fcndete schliesslich in die erste Konventions\u00e4nderung, die am 15. November 2010 in Kraft getreten ist. Mit diesen Reformmassnahmen wird der Agentur ein gr\u00f6sserer Handlungsspielraum bei der Auswahlpr\u00fcfung f\u00fcr Projekte einger\u00e4umt. Die entwicklungspolitischen Zielsetzungen und Kriterien bleiben dabei unver\u00e4ndert. Neu kann die Miga Deckungen f\u00fcr eigenst\u00e4ndige Darlehensfinanzierungen von Projekten (im Gegensatz zur Bindung an eine Anteilseignerschaft) und f\u00fcr bestehende Investitionen und deren \u00dcbernahmen (im Gegensatz zu Neuinvestitionen) anbieten sowie den Ausfall einer unkonditionellen finanziellen staatlichen Zahlungsverpflichtung versichern. Gleichzeitig wurden interne Prozesse gestrafft \u2013 insbesondere der Applikationsprozess \u2013 und die Entwicklungskomponente im Zeichnungs- und Monitoringprozess weiter gest\u00e4rkt. Der Erwerb neuer Mandate \u2013 insbesondere mit asiatischen Investoren \u2013 wurde durch eine formalisierte Zusammenarbeit mit dem Privatsektorarm der Weltbank, der Internationalen Finanzierungsgesellschaft, gest\u00e4rkt.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch verschiedene Reformschritte hat sich die Miga neu in ihrem operativen Umfeld positioniert. Dieses Umfeld bleibt dynamisch. Wie die Umw\u00e4lzungen in Nordafrika zeigen, sind lokale politische Risiken auch in einer globalisierten Welt von Bedeutung. Die anstehende Strategiediskussion ist f\u00fcr die Miga eine Gelegenheit, die erh\u00f6hte institutionelle Flexibilit\u00e4t in zus\u00e4tzliche neue Operationen mit hoher entwicklungspolitischer Wirkung zu \u00fcbertragen \u2013 gerade auch mit Bezug zu den wichtiger werdenden S\u00fcd-S\u00fcd-Investitionen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abNetto Kapitalfl\u00fcsse in Entwicklungsl\u00e4nder\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abKlassifizierung der bedeutendsten Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr Direktinvestitionen in Entwicklungsl\u00e4ndern\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Politische Risiken und politische Risikoversicherung&#13;<\/p>\n<h3>Politische Risiken und politische Risikoversicherung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nPolitische Risikoversicherungen decken einen Grossteil der nicht-kommerziellen Risiken. So werden politische Ereignisse gedeckt \u2013 inklusiv direkter und indirekter Massnahmen der Regierungen des Gastlandes \u2013 wenn sich diese negativ auf Investitionen auswirken. Das politische Risiko kann als die <i>Wahrscheinlichkeit eines Eintreffens solcher Ereignisse<\/i> definiert werden. Zus\u00e4tzlich zur Entsch\u00e4digungszahlung im Schadensfall k\u00f6nnen politische Risikoversicherungen die Finanzierung erleichtern und\/oder deren Bestimmungen, Gr\u00f6sse und Laufzeit verbessern. F\u00fcr Finanzintermedi\u00e4re k\u00f6nnen politische Risikoversicherungen l\u00e4nderbezogene R\u00fcckstellungsverpflichtungen erleichtern <i>(regulatory relief).<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMiga bietet Deckungen f\u00fcr folgende politische Risiken an:&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Transferrestriktionen <i>(transfer restriction):<\/i> Deckung von Verlusten, die sich aus Umtauschrestriktionen der lokalen W\u00e4hrung ergeben k\u00f6nnen (z.B. R\u00fcckf\u00fchrung von Profiten oder Dividendenzahlungen; dies schliesst kommerzielle Abwertungsrisiken aus). \u2212 Enteignung <i>(expropriation):<\/i> Deckung gegen staatliche Handlungen, welche Eigentums- und Kontrollrechte der versicherten Investition beeintr\u00e4chtigen. \u2212 Krieg und zivile Unruhen <i>(war and civil disturbance):<\/i> Deckung gegen die Zerst\u00f6rung von Sachanlagen hervorgerufen durch politisch motivierte Kriegshandlungen oder ziviler Unruhen, einschliesslich Revolutionen, Aufst\u00e4nde und Staatsstreiche.\u2212 Vertragsbruch <i>(breach of contract)<\/i> der Regierung: Zahlungen sind in der Regel von einer richterlichen Zubilligung von Schadensersatz abh\u00e4ngig, welche jedoch nicht honoriert wird. \u2212 Nichteinhaltung einer staatlichen finanziellen Verpflichtung <i>(non-honoring of sovereign financial obligation):<\/i> Deckt Verluste aufgrund einer Nichtzahlung einer unkonditionellen Verpflichtung\/Garantie f\u00fcr ein Projekt, welche alle normalen Auswahlkriterien der Miga erf\u00fcllt. Im Gegensatz zu Vertragsbruch braucht es zur Schadenszahlung keinen Gerichtsentscheid.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Projektbeispiele&#13;<\/p>\n<h3>Projektbeispiele<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Geothermiekraftwerk in Kenia:<\/i> Durch zwei Garantien (2002, 2008) unterst\u00fctzte Miga das erste von privaten Investoren entwickelte und finanzierte (\u00fcber 150 Millionen US-Dollar) geothermische Bandenergiekraftwerk in Afrika. Das Projekt hat eine Kapazit\u00e4t von 55 Megawatt CO2 freier Energie f\u00fcr das lokale Netz, in einem Land, in welchem etwa 15% der Bev\u00f6lkerung Zugang zu Elektrizit\u00e4t hat.<i>Kleininvestitionsprogramm:<\/i> Das Programm versichert Investitionen von bis zu 10 Millionen US-Dollar in KMU. Seit seinem Bestehen wurden 33 Garantien f\u00fcr insgesamt 86 Millionen US-Dollar gezeichnet, wovon 76% in den \u00e4rmsten L\u00e4ndern und 48% in fragilen Staaten. Projekte betreffen den Mikrofinanzsektor in Pakistan, den Tourismussektor in Burkina Faso und Mali oder eine Zuliefererfirma f\u00fcr die Autoindustrie in Bosnien-Herzegowina.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Referenzen und Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Referenzen und Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2013 Miga-Website: <i><a href=\"http:\/\/www.miga.org\">http:\/\/www.miga.org<\/a><\/i&gt;; Informationsportale zu politischen Risiken: <i><a href=\"http:\/\/www.pri-center.com\">http:\/\/www.pri-center.com<\/a><\/i> und ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen: <i><a href=\"http:\/\/www.fdi.net\">http:\/\/www.fdi.net<\/a><\/i>\u2013 MIGA (2010, 2009), Political Risk, World Investment and Political Risk.\u2013 The World Bank Group (2010), Investing Across Borders, Indicators of Foreign Direct Investment Regulations, A Pilot Indicator Set Comparing Regulation of Foreign Direct Investment in 87 Economies. <i><a href=\"http:\/\/iab.worldbank.org\">http:\/\/iab.worldbank.org<\/a>\u2013 The World Bank Group (2011), Global Economic Prospects, Navigating Strong Currents, <a href=\"http:\/\/web.worldbank.org\">http:\/\/web.worldbank.org<\/a>\u2013 The World Bank Group (2011 forthcoming), World Development Report: Conflict, Security and Development, <a href=\"http:\/\/wdr2011.worldbank.org\">http:\/\/wdr2011.worldbank.org<\/a>\u2013 International Monetary Fund (2011), New Growth Drivers for Low-Income Countries \u2013 The Role Of BRICs.\u2013 Dabla-Norris, E., Honda, J., Lahreche, A., Verdier, G., (2010), FDI Flows to LowIncome Countries: Global Drivers and Growth Implications, IMF Working Paper, WP\/10\/132.\u2013 Kose, M. Ayhan, Eswar S. Prasad, Kenneth Rogoff, Shang-Jin Wei, (2009a), Financial Globalization: A Reappraisal, Staff Papers, IMF, Vol. 56 (1), pp. 8\u201362.\u2013 Kose, M. Ayhan, Eswar S. Prasad, Ashley D. Taylor, (2009b), Thresholds in the Process of International Financial Integration, NBER Working Paper No. 14916.<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Multilaterale Investitions-Garantie-Agentur (Miga) ist Teil der Weltbankgruppe und mit dem Mandat versehen, ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen f\u00fcr die Entwicklungsl\u00e4nder zu katalysieren. Sie bietet Versicherungen gegen Verluste aus politischen Risiken an. Der Artikel pr\u00e4sentiert eine Momentaufnahme des operativen Umfeldes der Agentur. 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