{"id":120795,"date":"2011-03-01T12:00:00","date_gmt":"2011-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/03\/dobrev-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:08","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:08","slug":"dobrev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/03\/dobrev\/","title":{"rendered":"Mehrwert durch elektronische Patientendossiers in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Das elektronische Patientendossier f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ist ein zentraler Bestandteil und Pfeiler der \u00abStrategie eHealth Schweiz\u00bb: Durch die Unterst\u00fctzung der Behandlungsprozesse soll es zu einer verbesserten Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung beitragen. Kosten und Nutzen sowie m\u00f6gliche Anreize und Risiken im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung wurden im Rahmen einer vertieften Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung untersucht. Dabei zeigt sich, dass die angestrebten Regelungen zum elektronischen Patientendossier zu einer beschleunigten Einf\u00fchrung und Verbreitung f\u00fchren d\u00fcrften. F\u00fcr die Gesellschaft sowie f\u00fcr die einzelnen betroffenen Gruppen ergibt sich daraus l\u00e4ngerfristig eine positive Bilanz. Kurz- und mittelfristig sind allerdings aufgrund der Investitionskosten zun\u00e4chst negative Auswirkungen zu erwarten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInternationale Erfahrungen, wissenschaftliche Ergebnisse und politische Stellungnahmen aus zahlreichen L\u00e4ndern deuten darauf hin, dass der Einsatz von elektronischen Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen erheblichen Nutzen bringen kann. Dazu geh\u00f6rt auch ein elektronisches Patientendossier (E-Patientendossier), das die Vernetzung von Behandelnden und Patienten f\u00f6rdert. Durch die vom Eidgen\u00f6ssischen Departement des Innern (EDI) eingesetzte <i>Expertengruppe eHealth<\/i> werden eine bessere Qualit\u00e4t der Gesundheitsversorgung durch Unterst\u00fctzung der Behandlungsprozesse und die verbesserte Wirtschaftlichkeit als Ziele definiert. Um diese Ziele zu erreichen, hat die Expertengruppe in einem 2010 f\u00fcr den Bundesrat erarbeiteten Bericht eine Reihe von Massnahmen zur Umsetzung der <i>Strategie eHealth Schweiz<\/i> vorgeschlagen (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Zusammenfassung der von der Expertengruppe vorgeschlagenen Massnahmen (a)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nKurzfristige Massnahmen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Einf\u00fchrung verbindlicher technischer und organisatorischer Standards f\u00fcr die F\u00fchrung eines gemeinschafts\u00fcbergreifenden E-Patientendossiers sowie der damit verbundene sichere Datenverkehr, auf der Grundlage bestehender rechtlicher Bestimmungen.\u2212 Aufbau eines Zertifizierungssystems zur Sicherstellung der Einhaltung der festgelegten Standards.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMittelfristige Massnahmen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Datensatz: Definition des Inhalts des E-Patientendossiers bzw. der semantischen Standards.\u2212 Datenschutz: Identifizierung, Authentifizierung und Zugriffsrechte f\u00fcr Behandelnde und Patienten.\u2212 Zugangsportal f\u00fcr Patienten.\u2212 Regelungen \u00fcber die Archivierung und L\u00f6schung von Daten.\u2212 Bef\u00e4higung von Behandelnden und Patienten zur Nutzung von E-Patientendossiers.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLangfristige Massnahmen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Kontext einer allf\u00e4lligen umfassenden Revision der Bestimmungen der Bundesverfassung zum Gesundheitswesen (Gesundheitsverfassung) sollen Grundlagen f\u00fcr den Bereich E-Health auf Bundesebene geschaffen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<i>a Anhand von: Expertengruppe eHealth (2010), Umsetzung \u00abStrategie eHealth Schweiz\u00bb: rechtlicher Regelungsbedarf. Bericht der \u00abExpertengruppe eHealth\u00bb zuhanden des Eidg. Departements des Innern. Fassung f\u00fcr die Anh\u00f6rung vom August 2010, Bern, 30. Juni 2010. Die definitive Fassung des Berichts der Expertengruppe wurde am 30. September 2010 unter folgendem Titel verabschiedet: Umsetzung \u00abStrategie eHealth Schweiz\u00bb: Empfehlungen zur rechtlichen Regelung. Bericht der \u00abExpertengruppe eHealth\u00bb zuhanden des Eidg. Departements des Innern. Bez\u00fcglich Ziele und Massnahmen der gesetzlichen Regelung stimmen die beiden Versionen miteinander \u00fcberein.<\/i>).Parallel zu den Arbeiten der Expertengruppe haben das Bundesamt f\u00fcr Gesundheit (BAG) und das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) gemeinsam eine Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung (RFA) in Auftrag geben. Die Untersuchung erfolgte durch die Firmen Empirica (Bonn) und Ecoplan (Bern) und beinhaltete eine erste qualitative und quantitative Analyse der Auswirkungen eines durch ein elektronisches Patientendossier besser vernetzten Gesundheitssystems in der Schweiz, wie es von den Experten skizziert wurde. Obwohl die konkrete Umsetzung erst noch ansteht, geben die ersten quantitativen Analysen eine n\u00fctzliche Einsicht in die Auswirkungen auf die einzelnen Gruppen.&#13;<\/p>\n<h2>Methode<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMethodisch basiert der quantitative Teil der Untersuchung auf einer Modellierung und groben Absch\u00e4tzung der Auswirkungen der Einf\u00fchrung und Vernetzung klinischer Informationssysteme in der Schweiz, welche insgesamt rund 200 relevante Variablen ber\u00fccksichtigte. Vom Ansatz her handelt es sich um eine Kosten-Nutzen-Analyse, die schon in \u00e4hnlicher Form in anderen L\u00e4ndern zur Anwendung gekommen ist. Abgesch\u00e4tzt wurden Kosten und Nutzen sowie m\u00f6gliche Anreize und Risiken im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung, Verbreitung und Nutzung des E-Patientendossiers. Es wurden drei Szenarien betrachtet: das Referenzszenario ohne Regulierung, die Umsetzung der vorgeschlagenen Regulierungsmassnahmen gem\u00e4ss Entwurf des Expertenberichts (vorgeschlagene Regulierung) und eine alternative Regulierung mit Anschubfinanzierung und Obligatorium.Die Analyse konzentrierte sich prim\u00e4r auf die Vernetzung von niedergelassenen \u00c4rzten, Spit\u00e4lern und Apotheken. Untersucht wurde ausschliesslich die Verwendung von Patientendaten im Zusammenhang mit den Diagnose- und Behandlungsprozessen (klinische Verwendung). M\u00f6gliche Sekund\u00e4rverwendungen \u2013 wie z.B. f\u00fcr administrative oder Forschungszwecke \u2013 wurden nicht untersucht. Dadurch wird der Nutzen der Regulierung tendenziell untersch\u00e4tzt.Der untersuchte kumulative sozio-\u00f6konomische Nettonutzen f\u00fcr die Gesellschaft ber\u00fccksichtigt finanzielle, personelle und andere materielle sowie immaterielle Auswirkungen. Er umfasst alle einbezogenen betroffenen Gruppen (Stakeholder) in einem Zeitraum von 2011 bis 2031. Alle in der Zukunft anfallenden Kosten und Nutzen wurden dabei jeweils mit einem Zinssatz von 3,5% auf ihren Gegenwartswert diskontiert. Dies trifft auch f\u00fcr alle im Folgenden genannten Zahlen zu zuk\u00fcnftigen Kosten und Nutzen zu. Als Sicherheitsmassnahme gegen eine \u00dcbersch\u00e4tzung des Nettonutzens wurden zudem bei den einzelnen Kostenkomponenten mittels so genannter Kontingenzfaktoren spezifische Sicherheitsmargen hinzugef\u00fcgt, w\u00e4hrend bei den Nutzenkomponenten die entsprechenden Margen abgezogen wurden. Das Berechnungsmodell ist exemplarisch in <i>Grafik 1<\/i> dargestellt.Als Datenquellen f\u00fcr die Untersuchung dienten der Berichtsentwurf der Expertengruppe, Statistiken (wie z.B. die vom Bundesamt f\u00fcr Statistik BFS ver\u00f6ffentlichten Zahlen zum Gesundheitswesen&#13;<br \/>\nVgl. z.B. Bundesamt f\u00fcr Statistik (2009): Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens. Bern 2007.), Sch\u00e4tzwerte von Interviewpartnern und Stellungnahmen verschiedener Verb\u00e4nde sowie internationale Erfahrungswerte. Letztere basieren vor allem auf der f\u00fcr die Europ\u00e4ischen Kommission durchgef\u00fchrten EHR-Impact-Studie&#13;<br \/>\nVgl. Dobrev, A et al. (2010). Interoperable eHealth is Worth it \u2013 Securing Benefits from Electronic Health Records and ePrescribing. Bonn\/Brussels, European Commission, February 2010, <a href=\"http:\/\/www.ehr-impact.eu\">http:\/\/www.ehr-impact.eu<\/a>. und weiteren Forschungsergebnissen im internationalen Umfeld.&#13;<br \/>\nVgl. z.B. Financing eHealth Study (2008): Assessment of Financing Opportunities Available to Member States to Support and Boost Investment in eHealth, European Commission, <a href=\"http:\/\/www.financing-ehealth.eu\">http:\/\/www.financing-ehealth.eu<\/a&gt;; Stroetmann, K et al. (2006): eHealth is Worth it \u2013 The economic benefits of implemented eHealth solutions at ten European sites \u2013 eHealth Impact study. Luxembourg, Office for Official Publications of the European Communities, <a href=\"http:\/\/www.ehealth-impact.eu\">http:\/\/www.ehealth-impact.eu<\/a>. Bedingt durch den Zeit- und Ressourcenrahmen waren detaillierte eigene Datenerhebungen nicht m\u00f6glich.Die Kosten-Nutzen-Analyse folgt der Methodologie, die in der EHR-Impact-Studie f\u00fcr die Absch\u00e4tzung der sozio-\u00f6konomischen Auswirkungen von vernetzten elektronischen Patientenakten und elektronischen Rezepten entwickelt wurde. Diese Methodologie&#13;<br \/>\nAusf\u00fchrlich dokumentiert in EHR Impact (2008): Methodology for Evaluating the Socio-Economic Impact of Interoperable EHR and ePrescribing Systems, empirica, Bonn, <a href=\"http:\/\/www.ehr-impact.eu\">http:\/\/www.ehr-impact.eu<\/a>. orientiert sich an entsprechenden Vorgehensweisen in Deutschland,&#13;<br \/>\nVgl. Schulenburg MJ et al. (2007) Deutsche Empfehlungen zur gesundheits\u00f6konomischen Evaluation \u2013 dritte und aktualisierte Fassung des Hannoveraner Konsens, Gesundheits\u00f6konomie &amp; Qualit\u00e4tsmanagement 2007; 12: 285\u2013290, <a href=\"http:\/\/www.thieme.de\/local_pdf\/fz\/\">http:\/\/www.thieme.de\/local_pdf\/fz\/<\/a> empfehlungen.pdf; WiBe-Team (2008): WiBe \u2013 Konzept zur Wirtschaftlichkeitsberechnung: Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen und Kosten-Nutzen-Analysen von Projekten, Vorhaben und finanzwirksamen Massnahmen, <a href=\"http:\/\/www.wibe.de\/konzept\/konzept.html\">http:\/\/www.wibe.de\/konzept\/konzept.html<\/a>. Grossbritannien&#13;<br \/>\nVgl. HM Treasury (2003): The Green Book: Appraisal and Evaluation in Central Government, <a href=\"http:\/\/www.hm-treasury.gov.uk\/d\/green_book_complete.pdf\">http:\/\/www.hm-treasury.gov.uk\/d\/green_book_complete.pdf<\/a>. und den USA.&#13;<br \/>\nThe White House Office of Management and Budget (1992): Circular No. A-94 Revised: Guidelines and Discount Rates for Benefit-Cost Analysis of Federal Programs, <a href=\"http:\/\/www.whitehouse.gov\/omb\/circulars_a094\">http:\/\/www.whitehouse.gov\/omb\/circulars_a094<\/a>.&#13;<\/p>\n<h2>Kosten- und Nutzenkomponenten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie <i>Kosten<\/i> wurden separat f\u00fcr jede Stakeholdergruppe abgesch\u00e4tzt und betreffen prim\u00e4r die IT-Infrastruktur, wie z.B. die Lizenzkosten f\u00fcr Informationssysteme in Arztpraxen und die internen und externen Betriebs- und Wartungskosten f\u00fcr Hardware und Software in Spit\u00e4lern. F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung fallen ebenfalls Kosten an, wie z.B. der Zeitaufwand f\u00fcr den Zugang zum E-Patientendossier \u00fcber das Zugriffsportal.Bei der Interpretation der Kosten ist zu beachten, dass die Nutzung des E-Patientendossiers sowohl f\u00fcr Behandelnde wie auch f\u00fcr Patienten grunds\u00e4tzlich freiwillig sein soll (Prinzip der doppelten Freiwilligkeit). Somit werden den betroffenen Akteuren durch die Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz keine Kosten aufgezwungen.Genau wie die Kosten wurden auch die Nutzenfaktoren f\u00fcr alle Stakeholder untersucht. Der Nutzen beruht auf der unmittelbaren Verf\u00fcgbarkeit grundlegender Daten und besteht insbesondere in einfacheren sowie besser abgestimmten Behandlungsabl\u00e4ufen und der Vermeidung von doppelten Untersuchungen. Einfachere und schnellere Abl\u00e4ufe innerhalb der Arztpraxen und Spit\u00e4ler sind ein direkter Nebeneffekt der Digitalisierung des Behandlungsalltags, die eine Voraussetzung f\u00fcr die fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung eines nationalen E-Patientendossiers ist. Einsparungen durch vermiedene Aktivit\u00e4ten seitens der Behandelnden, wie beispielsweise doppelte Untersuchungen, sind ein gesellschaftlicher Nutzen und werden auf 13,3 Mio. Franken f\u00fcr das Jahr 2020 gesch\u00e4tzt. Der j\u00e4hrliche Betrag steigt auf \u00fcber 40 Mio. Franken nach 2029.&#13;<br \/>\nAlle Werte in diesem Artikel sind auf 2011 Franken diskontiert. Vor allem chronisch kranke Personen d\u00fcrften durch das E-Patientendossier von einer besseren Kooperation der verschiedenen Behandelnden profitieren.&#13;<\/p>\n<h2>Generell positive Auswirkungen der vorgeschlagenen Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie <i>Auswirkungen auf einzelne Stakeholder<\/i> werden langfristig als positiv eingesch\u00e4tzt. Demnach \u00fcbersteigt bei <i>\u00c4rzten<\/i> und <i>Spit\u00e4lern<\/i> der j\u00e4hrliche Gesamtnutzen 3 bis 4 Jahre nach Beginn der notwendigen Investitionen (get\u00e4tigt ab ca. 2016) aufgrund der oben genannten Nutzenfaktoren erstmals die j\u00e4hrlichen Gesamtkosten. Bei den Apotheken dauert dies hingegen 8 bis 9 Jahre, da aufgrund der schon jetzt get\u00e4tigten Investitionen der Zusatznutzen gering ausf\u00e4llt. Bei \u00c4rzten und Spit\u00e4lern dauert es noch etwa ein zus\u00e4tzliches Jahr, bis auch der kumulative Nettonutzen aller vorhergehenden Jahre positiv wird, bei den Apotheken etwa 7 Jahre.F\u00fcr die <i>Bev\u00f6lkerung<\/i> wird innerhalb der Modellrechnungen bis zum Ende der untersuchten Periode noch (knapp) kein positiver kumulativer Nettonutzen erreicht. Prim\u00e4r ist dies auf den Zeitaufwand f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung zur\u00fcckzuf\u00fchren (Einf\u00fchrung der elektronischen Identit\u00e4t, Verwaltung der Zugriffsrechte). F\u00fcr die Gruppe der chronisch Kranken, zu der in der Schweiz ca. 1,7 Mio. Menschen gez\u00e4hlt werden, ergibt sich schon ab 2016 ein deutlich positiver Nettonutzen. Voraussichtlich in 8 bis 10 Jahren, wenn die Informationen durch das E-Patientendossier und damit auch die Behandelnden entlang der Behandlungskette vernetzt sind, kann die Gruppe der chronisch Kranken mit einem Nettonutzen im Wert von ca. 40 Mio. Franken im Jahr rechnen. Durch benutzerfreundliche, patientenorientierte L\u00f6sungen \u2013 vor allem bez\u00fcglich des Zugriffportals \u2013 und mit geeigneten Aufkl\u00e4rungs- und Informationsmassnahmen k\u00f6nnte jedoch das Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis f\u00fcr die ganze Bev\u00f6lkerung verbessert werden.Aus Sicht der <i>\u00f6ffentlichen Hand<\/i> f\u00fchrt die durch die vorgeschlagene Regulierung unterst\u00fctzte Einf\u00fchrung eines schweizweiten Systems der E-Patientendossiers zu einem kumulativen Nettonutzen bis 2031 von ca. 114 Mio. Franken. Die Option einer alternativen Regulierung w\u00fcrde erwartungsgem\u00e4ss zu erh\u00f6hten Investitionskosten, aber langfristig auch zu deutlich (bis zu dreifach) h\u00f6herem Nettonutzen f\u00fchren. Durch die Anschubfinanzierung erreichen die j\u00e4hrlichen Kosten f\u00fcr Bund und Kantone im Jahr 2018 einen Maximalwert von ca. 56 Mio. Franken, verglichen mit ca. 20 Mio. Franken im Szenario der vorgeschlagenen Regulierung. Die geringsten finanziellen Kosten f\u00fcr Bund und Kantone verursacht der Referenzfall ohne Regulierung, was aber auch mit entsprechend geringem Nutzen verbunden ist.<i>Tabelle 1<\/i> gibt eine \u00dcbersicht \u00fcber die gesch\u00e4tzte H\u00f6he der diskontierten Kosten und Nutzen f\u00fcr die verschiedenen Gruppen nach Kategorie der Auswirkung. Zu beachten ist, dass bei den Auswirkungen jeweils zwischen den einzelnen Organisationen (z.B. Spit\u00e4ler) und dem dazugeh\u00f6rigen Personal (z.B. Spitalpersonal) unterschieden wird.Insgesamt ist mit der Einf\u00fchrung von E-Patientendossiers langfristig von einer positiven sozio-\u00f6konomischen Bilanz <i>f\u00fcr die Gesamtgesellschaft<\/i> auszugehen, allerdings bei einem gewissen permanenten finanziellen Zuschussbedarf. Der kumulative sozio-\u00f6konomische Nettonutzen wird nach 12 Jahren positiv. Gem\u00e4ss den erfolgten Absch\u00e4tzungen im Rahmen der Modellrechnungen ist f\u00fcr den untersuchten Zeitraum von 2011 bis 2031 mit kumulierten direkten finanziellen Nettokosten von 1,5 Mrd. Franken zu rechnen. Diesen stehen \u00fcber 1,7 Mrd. Franken an materiellen Nettoeinsparungen gegen\u00fcber (z.B. bei personellen Ressourcen), die f\u00fcr andere Aufgaben eingesetzt werden k\u00f6nnen. Dazu kommt ein gesch\u00e4tzter immaterieller Nettonutzen von 1,4 Mrd. Franken, etwa aufgrund einer besseren medizinischen Versorgung chronisch kranker Patienten und aufgrund positiver Effekte auf die Arbeitsbedingungen der einzelnen Behandelnden. Damit wird der kumulative sozio-\u00f6konomische Nettonutzen \u00fcber den gesamten Betrachtungszeitraum bis 2031 auf insgesamt \u00fcber 1,6 Mrd. Franken gesch\u00e4tzt.Nachdem die wesentlichen Kosten und Nutzen im Jahr 2016 einzusetzen beginnen, erreicht der sozio-\u00f6konomische Nettonutzen rund 10 Jahre sp\u00e4ter ein stabiles Niveau von j\u00e4hrlich rund 200 Mio. Franken. Dieser Nettonutzen ergibt sich aus der Differenz zwischen Nutzen in der H\u00f6he von ca. 550 Mio. Franken und Kosten in der H\u00f6he von ca. 350 Mio. Franken.&#13;<\/p>\n<h2>Die Rolle des Staates bei der Realisierung des Potenzials<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter den in der Schweiz gegebenen Rahmenbedingungen d\u00fcrfte eine fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung und Vernetzung von klinischen Informationssystemen ohne staatliche Intervention nur sehr verz\u00f6gert eintreten. Einheitliche Standards f\u00fcr den Austausch und die Verkn\u00fcpfung von Patientendaten bringen gegen\u00fcber unkoordinierten Standards betr\u00e4chtliche positive Netzwerkeffekte mit sich: Der Nutzen eines einzelnen E-Patientendossiers steigt mit dem Grad der Vernetzung der einzelnen Behandelnden.Staatliches Handeln im Sinne einer Regulierung zur Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz w\u00fcrde eine schnellere Diffusion und damit das Erreichen einer kritischen Masse von Teilnehmern sowie Patientendaten und anderen Informationen im System beg\u00fcnstigen. Erst mit Erreichen dieser kritischen Masse sind hinreichende Netzwerkeffekte zu erwarten, die es f\u00fcr die meisten Akteure im Gesundheitssystem interessant machen, sich aktiv am Aufbau von Datenaustauschsystemen zu beteiligen und die erw\u00fcnschten reibungslosen \u00dcberg\u00e4nge entlang der Behandlungskette zu unterst\u00fctzen.Die Durchsetzung des Datenschutzes schliesslich stellt ein legitimes \u00f6ffentliches Interesse dar. Ohne Durchsetzung des Datenschutzes k\u00f6nnte zudem aufgrund des mangelnden Vertrauens der m\u00f6glichen Nutzer die Verbreitung von E-Patientendossiers und damit auch die Realisierung des entsprechenden volkswirtschaftlichen Potenzials grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Alternative Regulierungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs sind eine Vielzahl an alternativen bzw. erg\u00e4nzenden Regelungen denkbar, deren Untersuchung im Rahmen der hier dargestellten Untersuchung nicht m\u00f6glich war. Neben der vorgeschlagenen Regulierung und dem Referenzfall (keine Regulierung) wurde \u2013 wie oben erw\u00e4hnt \u2013 eine Alternative mit Anschubfinanzierung und einem Obligatorium zur Verwendung von E-Patientendossiers abgesch\u00e4tzt.Diese alternative Regulierung w\u00fcrde im Vergleich zur vorgeschlagenen Regulierung zu einer beschleunigten Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz und aus sozio-\u00f6konomischer Sicht zu einem um zwei Jahre fr\u00fcheren Break-Even-Punkt f\u00fchren. Sie w\u00e4re jedoch mit h\u00f6heren Investitionskosten seitens des Staates verbunden. Der kumulierte sozio\u00f6konomische Nettonutzen f\u00fcr den untersuchten Zeitraum zwischen 2011 und 2031 im Szenario der alternativen Regulierung liegt bei gesch\u00e4tzten 2 Mrd. Franken im Vergleich zu den 1,6 Mrd. Franken des Szenarios der vorgeschlagenen Regulierung.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick auf die weitere Umsetzung der Strategie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Ergebnisse der Untersuchung von Anreizen und Risiken k\u00f6nnen helfen, die weitere Konkretisierung von Massnahmen und Vollzug zu optimieren. Zu den Anreizen z\u00e4hlen vor allem der zu erwartende Nutzen f\u00fcr einzelne Gruppen und Einzelpersonen, die gesundheitspolitische Signalwirkung und die gr\u00f6ssere Investitionssicherheit. Risiken, die bei der weiteren Konkretisierung von Massnahmen und Vollzug beachtet werden sollten, konnten insbesondere im Zusammenhang mit folgenden Themen identifiziert werden:\u2212 Grad des Einbezugs von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern;\u2212 Fokus der Regulierungs\u00fcberlegungen auf die Technologie und weniger auf die Neugestaltung klinischer und administrativer Prozesse;\u2212 Prinzip der doppelten Freiwilligkeit;\u2212 dezentrale Infrastruktur f\u00fcr die Identifizierung von Patienten;\u2212 derzeit sehr offene und unpr\u00e4zise Definition der vorgeschlagenen Massnahmen;\u2212 Zeitpunkt, in dem der Nutzen realisiert werden kann;\u2212 finanzielle Belastungen vor allem f\u00fcr Arztpraxen und Spit\u00e4ler;\u2212 Austragung von nicht direkt mit eHealth in Verbindung stehenden Konflikten im Zusammenhang mit der Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt und bei gegebenem Informationsstand ist die vorgeschlagene Regulierung zur Umsetzung der Strategie eHealth Schweiz grunds\u00e4tzlich sinnvoll. Die durch die Einf\u00fchrung des E-Patientendossiers gef\u00f6rderte technologische sowie organisatorische Vernetzung entlang der Behandlungskette wird auch in der Schweiz zu einem Mehrwert im Sinne eines sozio-\u00f6konomischen Nettonutzens f\u00fchren. Allerdings bietet die Untersuchung nur eine erste, grobe Absch\u00e4tzung und l\u00e4sst einige zentrale Fragen offen. Nach einer politisch unumg\u00e4nglichen Konkretisierung gesundheitspolitischer Ziele und Inhalte betreffend E-Health k\u00f6nnte eine weitere Vertiefung der Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung helfen, das Potenzial von E-Patientendossiers in der Schweiz bestm\u00f6glich auszusch\u00f6pfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abWirkungsmodell f\u00fcr die Kosten-Nutzen-Analyse\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abGesch\u00e4tzte kumulative Kosten und gesch\u00e4tzter kumulativer Nutzen f\u00fcr einzelne gesellschaftliche Gruppen, 2011\u20132031\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Zusammenfassung der von der Expertengruppe vorgeschlagenen Massnahmen (a)&#13;<\/p>\n<h3>Zusammenfassung der von der Expertengruppe vorgeschlagenen Massnahmen (a)<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nKurzfristige Massnahmen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Einf\u00fchrung verbindlicher technischer und organisatorischer Standards f\u00fcr die F\u00fchrung eines gemeinschafts\u00fcbergreifenden E-Patientendossiers sowie der damit verbundene sichere Datenverkehr, auf der Grundlage bestehender rechtlicher Bestimmungen.\u2212 Aufbau eines Zertifizierungssystems zur Sicherstellung der Einhaltung der festgelegten Standards.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMittelfristige Massnahmen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u2212 Datensatz: Definition des Inhalts des E-Patientendossiers bzw. der semantischen Standards.\u2212 Datenschutz: Identifizierung, Authentifizierung und Zugriffsrechte f\u00fcr Behandelnde und Patienten.\u2212 Zugangsportal f\u00fcr Patienten.\u2212 Regelungen \u00fcber die Archivierung und L\u00f6schung von Daten.\u2212 Bef\u00e4higung von Behandelnden und Patienten zur Nutzung von E-Patientendossiers.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nLangfristige Massnahmen&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Kontext einer allf\u00e4lligen umfassenden Revision der Bestimmungen der Bundesverfassung zum Gesundheitswesen (Gesundheitsverfassung) sollen Grundlagen f\u00fcr den Bereich E-Health auf Bundesebene geschaffen werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Anhand von: Expertengruppe eHealth (2010), Umsetzung \u00abStrategie eHealth Schweiz\u00bb: rechtlicher Regelungsbedarf. Bericht der \u00abExpertengruppe eHealth\u00bb zuhanden des Eidg. Departements des Innern. Fassung f\u00fcr die Anh\u00f6rung vom August 2010, Bern, 30. Juni 2010. Die definitive Fassung des Berichts der Expertengruppe wurde am 30. September 2010 unter folgendem Titel verabschiedet: Umsetzung \u00abStrategie eHealth Schweiz\u00bb: Empfehlungen zur rechtlichen Regelung. Bericht der \u00abExpertengruppe eHealth\u00bb zuhanden des Eidg. Departements des Innern. Bez\u00fcglich Ziele und Massnahmen der gesetzlichen Regelung stimmen die beiden Versionen miteinander \u00fcberein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das elektronische Patientendossier f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ist ein zentraler Bestandteil und Pfeiler der \u00abStrategie eHealth Schweiz\u00bb: Durch die Unterst\u00fctzung der Behandlungsprozesse soll es zu einer verbesserten Qualit\u00e4t und Wirtschaftlichkeit der Gesundheitsversorgung beitragen. Kosten und Nutzen sowie m\u00f6gliche Anreize und Risiken im Zusammenhang mit der Einf\u00fchrung wurden im Rahmen einer vertieften Regulierungsfolgenabsch\u00e4tzung untersucht. Dabei zeigt sich, [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3567,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[154],"post_content_subject":[133,230],"acf":{"seco_author":3567,"seco_co_author":[3568,3569,0],"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"empirica Gesellschaft f\u00fcr Kommunikations- und Technologieforschung mbH, Bonn","seco_author_post_occupation_fr":"empirica Gesellschaft f\u00fcr Kommunikations- und Technologieforschung mbH, Bonn","seco_co_authors_post_ocupation":[{"seco_co_author":3568,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"Ecoplan, Bern","seco_co_author_post_occupation_fr":"Ecoplan, Berne"},{"seco_co_author":3569,"seco_co_author_post_occupation_year":"","seco_co_author_post_occupation_de":"empirica Gesellschaft f\u00fcr Kommunikations- und Technologieforschung mbH, Bonn","seco_co_author_post_occupation_fr":"empirica Gesellschaft f\u00fcr Kommunikations- und Technologieforschung mbH, Bonn"}],"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":120798,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8603","post_abstract":"","magazine_issue":"20110301","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54f46204450b3"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120795"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3567"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120795"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120795\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127620,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120795\/revisions\/127620"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3569"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3568"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3567"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120795"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=120795"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=120795"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=120795"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=120795"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=120795"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}