{"id":120835,"date":"2011-03-01T12:00:00","date_gmt":"2011-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/03\/schluep-campo-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:04","slug":"schluep-campo-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/03\/schluep-campo-3\/","title":{"rendered":"Volkswirtschaftliche Auswirkungen der elektronischen Vernetzung am Beispiel von E-Government-Projekten"},"content":{"rendered":"<p>Die elektronische Vernetzung als Konsequenz der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ist aus unserem beruflichen wie privaten Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch vom elektronischen Beh\u00f6rdenverkehr (E-Government) k\u00f6nnen wichtige Wachstumsimpulse ausgehen. Dem Staat kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Der folgende Artikel geht auf den Nutzen, aber auch die Kosten und Risiken im Zusammenhang mit E-Government-Projekten ein; denn nicht in jedem Fall werden solche Projekte erfolgreich abgeschlossen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201103_05_Schluep-Campo_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"265\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIKT und immer mehr auch die elektronische Vernetzung wirken sich direkt und indirekt auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aus. Dank IKT k\u00f6nnen Dienstleistungen von einem beliebigen Ort aus erbracht werden. Offshoring und Outsourcing von Firmenfunktionen werden dadurch seit l\u00e4ngerer Zeit erm\u00f6glicht (z. B. Call-Center eines Konzerns in Kairo oder Softwareentwicklung in Indien); Privatpersonen profitieren von gesunkenen Handelskosten; und Beh\u00f6rden informieren und kommunizieren \u00fcber das Internet. Neueren Datums ist die Entwicklung sozialer Netzwerke und Web-2.0-Technologien. Der Artikel befasst sich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der elektronischen Vernetzung, insbesondere von E-Government-Projekten.&#13;<\/p>\n<h2>Akteure und Anwendungen elektronischer Vernetzung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie folgende Typologie der Anwendungen elektronischer Netzwerke basiert auf den elektronischen Interaktionen zwischen den Hauptakteuren: Unternehmen, Individuen (Konsumenten bzw. B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern) sowie Beh\u00f6rden. Die Interaktionen dieser Gruppen sind in <i>Tabelle 1<\/i> aufgezeichnet, und zwar in Form einer Matrix der klassischen Kategorien des E-Commerce, wie z.B. Business-to-Business (B2B) oder Business-to-Consumer (B2C). Da nur die Beziehung zwischen den Akteuren, nicht aber die Richtung unterschieden wird (das Feld B2C entspricht dem Feld C2B), sind nur sechs Felder ausgef\u00fcllt. Dennoch enth\u00e4lt die Darstellung alle m\u00f6glichen Formen der Interaktion. Allerdings sind die Grenzen zwischen den Akteuren immer durchl\u00e4ssiger, da neue Anwendungen sowohl von Konsumenten (C2C) wie auch von Unternehmen (B2B, B2C) benutzt werden k\u00f6nnen. So findet etwa die neue elektronische Identit\u00e4t SuisseID sowohl im Verkehr mit den Beh\u00f6rden wie auch mit Unternehmen oder Privatpersonen Anwendung.&#13;<\/p>\n<h2>Potenzial der neuen Technologien ausn\u00fctzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZu den Aufgaben des Staates geh\u00f6rt es, eine preiswerte, zuverl\u00e4ssige und qualitativ hochstehende technische Infrastruktur sowie ein Grundangebot an Dienstleistungen zu erm\u00f6glichen. Damit das Produktivit\u00e4tspotenzial ausgen\u00fctzt werden kann, muss der Staat die Wettbewerbssituation im Auge behalten und daf\u00fcr sorgen, dass wettbewerbliche Markteintrittsbarrieren auf ein Minimum reduziert werden. Funktioniert der Wettbewerb aufgrund privater Einfl\u00fcsse (Marktversagen durch Kartelle, antikompetitive Standards etc.) oder staatlicher Einfl\u00fcsse (Staatsversagen wegen Regulierungsfehlern, Innovationsschranken etc.) nicht, kommt es zu einem suboptimalen IKT-Einsatz. Im Hinblick auf einen verbesserten IKT-Einsatz soll der Staat insbesondere f\u00fcr g\u00fcnstige Rahmenbedingungen sorgen. Dazu geh\u00f6ren \u2013 neben der erw\u00e4hnten Wettbewerbspolitik \u2013 unter anderem auch IKT-konforme Regulierungen f\u00fcr Normen und Standards, die etwa die Interoperabilit\u00e4t von IKT-Komponenten verschiedener Hersteller oder die Cyberkriminalit\u00e4t betreffen. Bei Normen und Standards, die den Charakter von \u00f6ffentlichen G\u00fctern aufweisen, sollte der Staat normierend t\u00e4tig werden.Damit soziale oder wirtschaftliche Ausgrenzungen und Ungleichheiten beim Zugang zu IKT nicht zementiert oder verst\u00e4rkt werden (digitaler Graben), k\u00f6nnen im Bereich IKT-Bildung und -Bef\u00e4higung der Bev\u00f6lkerung staatliche Massnahmen gepr\u00fcft werden. Risiken betreffend u.a. den Datenschutz, die Informationssicherheit oder die \u00f6ffentliche Sicherheit sollen minimiert werden. Beim Schutz vor Missbr\u00e4uchen sowie der Durchsetzung des Rechts ist der Staat ebenfalls gefordert. Beim elektronischen Beh\u00f6rdenverkehr, wo der Staat (Bund, Kanton, Gemeinde) direkt involviert ist, soll er gezielt auf einen bestm\u00f6glichen IKT-Einsatz hinwirken. Mit einer optimalen Politik kann das Produktivit\u00e4tspotenzial der IKT und der elektronischen Vernetzung ausgen\u00fctzt werden. Die Wirkungskan\u00e4le von Produktivit\u00e4tsfortschritten dank IKT sind im Artikel von Hauri und Saurer (siehe Seite 4) aufgef\u00fchrt. <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Quantitative Auswirkungen der IKT auf das Wirtschaftswachstum<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nQuantitative Aussagen dar\u00fcber, wie sich die IKT auf das Wirtschaftswachstum auswirken, sind schwierig. Das liegt erstens daran, dass IKT (z.B. Software) gleichzeitig auch als immaterielles Gut gelten k\u00f6nnen. Viele immaterielle G\u00fcter werden mit Hilfe von IKT realisiert und IKT erm\u00f6glicht Produktivit\u00e4ts- und Wachstumseffekte von immateriellen G\u00fctern. Zweitens ist der wirtschaftliche Effekt viel gr\u00f6sser, wenn Ver\u00e4nderungen und Innovationen, welche die IKT ausl\u00f6sen, einbezogen werden, als wenn bei der Vorhersage nur auf die reinen IKT-Investitionen abgestellt wird. Denn mit IKT verbundene Innovationen k\u00f6nnen betr\u00e4chtliche wirtschaftliche Auswirkungen haben, wie die Reorganisation und Rationalisierung bestehender Gesch\u00e4ftsprozesse oder die strukturellen Reformen ganzer Wirtschaftssektoren. Ungel\u00f6st bleibt, wie das Zusammenspiel von IKT und anderen Variablen modelliert werden soll, so etwa die Mitarbeiterf\u00e4higkeiten, welche aus Reorganisationsverm\u00f6gen von Firmen nach der Beschaffung von IKT behindern k\u00f6nnen, oder andere Faktoren, die generell den Gebrauch von IKT beeinflussen. Wegen des rasanten technologischen Fortschritts \u00e4ndert sich auch der Einfluss von IKT \u00fcber die Zeit hinweg. Van Reenen et al. (2010) pl\u00e4dieren f\u00fcr einen Ansatz, der auf Firmenebene die Auswirkungen der IKT erfasst und diese aggregiert, um den gesamtwirtschaftlichen Effekt zu messen (micro to macro).a Um dennoch eine generelle Aussage zu machen, verweisen wir auf Berechnungen der OECDb, welche f\u00fcr die Zeit zwischen 1985 und 2008 f\u00fcr OECD-L\u00e4nder einen Beitrag des IKT-Dienstleistungskapitals zum Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von zwischen 0,2 und 0,6 Prozentpunkten pro Jahr ausweist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Vgl. Van Reenen J., Bloom N., Draca M., Kretschmer T. und Sadun R. (2010): The Economic Impact of ICT, Centre for Economic Performance, London School of Economics, London.b Vgl. OECD Compendium of Productivity Indicators (2008). bespricht die Auswirkungen von IKT auf das Wirtschaftswachstum und deren Messung.&#13;<\/p>\n<h2>Was ist E-Government?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnhand der Tabelle 1 kann das, was wir im Rahmen dieses Artikels als E-Government verstehen, klar umschrieben werden: E-Government als Interaktion der Beh\u00f6rden mit den anderen Akteuren (G2B, B2G, G2C, C2G) sowie mit anderen Beh\u00f6rden (G2G). Unter \u00abBeh\u00f6rden\u00bb werden alle Ebenen \u2013 von der kommunalen bis zur supranationalen \u2013 eingeschlossen. In der Tabelle 1 sind einige Anwendungsbeispiele von E-Government erw\u00e4hnt. Um die Projekte nach ihrem Entwicklungs- und Ausarbeitungsstand zu beurteilen, werden folgende Stadien unterschieden:1. <i>Information:<\/i> Angaben sind auf Internet vorhanden;2. <i>Ein-Weg-Kommunikation:<\/i> Download eines Formulars per Internet;3. <i>Zwei-Weg-Kommunikation:<\/i> Online-Ausf\u00fcllen und -Versand eines Formulars;4. <i>Umfassende Abwicklung von Transaktionen<\/i> auf elektronischem Weg;5. <i>Personalisierung (\u00abTargetization\u00bb):<\/i> Wiederverwendung und Personalisierung der Daten sowie proaktives Verhalten der Beh\u00f6rden gegen\u00fcber den Anwendern.Mit Hilfe dieses Referenzrahmens kann der Entwicklungsstand der E-Government-Anwendungen in einem Land beurteilt sowie mit dem Stand in anderen L\u00e4ndern verglichen werden. International bekannt ist der E-Government-Benchmark-Report, der j\u00e4hrlich von Capgemini erstellt wird. In diesen Erhebungen ist die Schweiz bez\u00fcglich Infrastruktur im Allgemeinen gut positioniert; bez\u00fcglich E-Government schneidet sie hingegen regelm\u00e4ssig bedeutend schlechter ab.Die <i>E-Government-Strategie Schweiz (2006)<\/i> ist ein wichtiger Schritt, um die E-Government-Aktivit\u00e4ten der unterschiedlichen f\u00f6deralen Ebenen gemeinsam und aufeinander abgestimmt voranzutreiben. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die Beh\u00f6rdendienste f\u00fcr die Wirtschaft ein.&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftliche Auswirkungen von E-Government<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nE-Government-Anwendungen haben oft gr\u00f6ssere Ver\u00e4nderungen der staatlichen Abl\u00e4ufe zur Folge. Deren Auswirkungen h\u00e4ngen wesentlich von Kosten und Nutzen, aber auch von den Risiken dieser Projekte ab.&#13;<\/p>\n<h2>Tiefere Kosten?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Kostendimension von E-Government-Projekten geh\u00f6ren nicht nur die Kostenfolgen bei den Beh\u00f6rden selber, sondern auch auf der Seite der Unternehmen sowie der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. W\u00e4hrend die Kosten auf Seiten der Beh\u00f6rden in der Regel offenkundig sind, da sie im Budget erscheinen, sind die Kosten f\u00fcr die Unternehmen oft nur teilweise oder gar nicht bekannt. Folgende Faktoren wirken sich auf die Kostenentwicklung aus:\u2212 <i>H\u00f6here Investitionskosten<\/i> in der Anfangsphase des Projekts (Hardware, Software, Consulting, Ausbildung auf dem neuen System), anschliessend Betriebs- und Wartungskosten;\u2212 <i>Reduktion der Transaktionskosten,<\/i> insbesondere der administrativen Kosten (innerhalb der Beh\u00f6rde, des Unternehmens oder im Austausch zwischen beiden);\u2212 <i>Reduktion der Transport- und Kommunikationskosten,<\/i> vor allem wenn ein elektronischer Austausch eine physische Pr\u00e4senz ersetzt.\u2212 <i>Reduktion von Versp\u00e4tungen und Wartezeiten<\/i> (z.B. f\u00fcr \u00dcbermittlung, Erteilen einer Bewilligung usw.) <i>und ihrer Opportunit\u00e4tskosten.Eine Kostenreduktion ist nicht immer garantiert: So kann es sein, dass eine Beh\u00f6rde eine Dienstleistung doppelt anbietet (E-Government und klassisch), weil sie auch f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ohne Internet-Anschluss zug\u00e4nglich sein muss. Damit Unternehmen effektiv Kosten einsparen, m\u00fcssen die Systeme leicht zug\u00e4nglich und kosteng\u00fcnstig sein. Andernfalls fehlen den KMU die Mittel, um die Systeme auszusch\u00f6pfen, und der Nutzen bleibt grossen Unternehmen vorbehalten. Ein gelungenes Beispiel von E-Government ist im <i>Kasten 2<\/i><\/i>&#13;<\/p>\n<h3>E-Cites<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Washingtoner Artenschutzabkommen Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (Cites) hat zum Ziel, den internationalen Handel mit bedrohten Pflanzen- und Tierarten und den daraus gewonnenen Produkten zu kontrollieren. In der Schweiz ist das Bundesamt f\u00fcr Veterin\u00e4rwesen (BVET) f\u00fcr den Vollzug des \u00dcbereinkommens zust\u00e4ndig. Aufgrund des hohen Bedarfs der Uhren- und Luxusg\u00fcterindustrie an bewilligungspflichtigen Produkten werden vom BVET weltweit mit Abstand am meisten entsprechende Dokumente ausgestellt. E-Cites verf\u00fcgt \u00fcber mehrere rollenspezifische Zugriffsarten. Der Antragsteller (Exporteur) loggt sich via Software-Zertifikat und pers\u00f6nlicher Benutzeridentifikation ins System ein und hat dann Zugriff auf sein Firmenkonto. Dieses Konto wird vom Exporteur unter Kontrolle des BVET weitgehend selbst\u00e4ndig bewirtschaftet. Die Eingabe der Einfuhrdaten sowie das Beantragen der Wiederausfuhrantr\u00e4ge geschieht durch den Kunden selber. Das Ausdrucken und Unterschreiben der Bewilligungen erfolgt wahlweise beim BVET oder bei einer akkreditierten Handelskammer. Vom Moment der Einfuhr bis zum Ausdrucken der (Wieder-)Ausfuhrbescheinigung vergehen im besten Fall weniger als 24 Stunden. Im Jahr 2010 stellte das BVET \u00fcber 100&nbsp;000 Ausfuhrbewilligungen aus gegen\u00fcber 75&nbsp;000 im Jahr 2006. F\u00fcr die Administration der Bewilligungen ben\u00f6tigte das BVET 2010 vier Vollzeitstellen gegen\u00fcber f\u00fcnfeinhalb 2006. Die Investitionen in das neue System waren bereits nach 2,4 Jahren amortisiert. Durch die Effizienz und die Schnelligkeit des Systems ist es f\u00fcr Firmen attraktiv, ab dem Standort Schweiz entsprechende G\u00fcter zu vertreiben. E-Cites ist eine Win-Win-Situation f\u00fcr alle Seiten:\u2212 Die Schweizer Wirtschaft, aber auch die B\u00fcrger erhalten einen besseren und vor allem schnelleren Service.\u2212 Die Verwaltung leistet mehr in weniger Zeit mit weniger Ressourcen.\u2212 Die Schweiz erh\u00e4lt einen Standortvorteil gegen\u00fcber dem umliegenden Ausland.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\naufgef\u00fchrt; es zeigt auf, wie IKT der Schweiz zu Standortvorteilen verhelfen k\u00f6nnen. Generell kann E-Government die Standortattraktivit\u00e4t f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investoren und qualifizierte Arbeitskr\u00e4fte erh\u00f6hen.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00f6herer Nutzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin hoher Nutzen entsteht vor allem bei gut durchgef\u00fchrten Projekten, die in einwandfrei funktionierende Anwendungen m\u00fcnden:\u2212 <i>Verbesserung von Qualit\u00e4t, Flexibilit\u00e4t und Image:<\/i> Dank einem durchgehend ge\u00f6ffneten elektronischen Schalter verschwinden z.B. die Nachteile der eingeschr\u00e4nkten \u00d6ffnungszeiten, was die Lebensqualit\u00e4t verbessert. Einige Anwendungen reduzieren Fehler (z.B. elektronische Steuererkl\u00e4rung oder Unternehmens-Identifikationsnummer UID). Dadurch werden Unsicherheiten beseitigt, und die Zufriedenheit von Partnern und Zulieferern steigt.\u2212 <i>Quantitative Verbesserung:<\/i> Kostenreduktionen k\u00f6nnen die staatlichen Leistungen bei gegebenem Budget verbessern. Im Bereich der \u00f6ffentlichen Beschaffungen k\u00f6nnen E-Government-Anwendungen zu Kosteneinsparungen durch Effizienzgewinne oder st\u00e4rkerer Konkurrenz f\u00fchren; die eingesparten Kosten werden so f\u00fcr andere Investitionen zur Verbesserung des Service public frei.\u2212 <i>Verbesserung der Governance:<\/i> Elektronische Transaktionen sind oft transparenter als herk\u00f6mmliche Abl\u00e4ufe und k\u00f6nnen \u2013 vor allem in Transitionsl\u00e4ndern \u2013 die Korruption reduzieren. E-Voting-Projekte k\u00f6nnen eine h\u00f6here demokratische Partizipation bewirken.\u2212 <i>Verbesserung von Innovationsf\u00e4higkeit und Produktivit\u00e4t<\/i> sowie letztlich <i>Wirtschaftswachstum:<\/i> Dies erfolgt dank Investitionen in Kapital und technologischen Fortschritten. Der schnellere und bessere Zugang zu Informationen f\u00fchrt auch zu einer schnelleren Entwicklung von Innovationen.Oftmals ist dieser Nutzen \u2013 insbesondere der nicht-monet\u00e4re \u2013 nicht leicht zu quantifizieren, auch wenn er offensichtlich ist. Ein in der Schweiz entwickeltes qualitatives Modell (Utilitas&#13;<br \/>\nE-Government Schweiz, Schlussbericht zur Evaluation nach qualitativen Kriterien mit dem Modell \u00abUtilitas\u00bb 2010.) dient speziell dazu, die priorit\u00e4ren Projekte im Rahmen der E-Government-Strategie zu evaluieren.&#13;<\/p>\n<h2>Risiken bei E-Government-Projekten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTiefere Kosten bei besserer Qualit\u00e4t w\u00e4ren eigentlich ideale Voraussetzungen, um ein Projekt in Angriff zu nehmen. Allerdings ist nicht alles im Zusammenhang mit elektronischen Netzwerken rosig, weshalb auch hier Enthusiasmus gef\u00e4hrlich ist.&#13;<br \/>\nVgl. The Economist, A special report on technology and government, 16. Februar 2008. F\u00fcr den Erfolg von E-Government-Projekten m\u00fcssen folgende Risiken im Auge behalten werden:\u2212 <i>Projektbezogene Risiken:<\/i> Technologisch komplexe sowie kosten- und zeitintensive Projekte sind von Natur aus risikobehaftet. Das Management komplexer Projekte innerhalb der Verwaltung kann eine Herausforderung sein, weshalb hier ein effizientes Monitoring besonders wichtig ist. Zudem scheitern gewisse E-Government-Projekte, weil ihr Nutzen nicht gegeben ist, und es sich um \u00abAlibi-\u00dcbungen\u00bb handelt, die an den Bed\u00fcrfnissen der Zielgruppen vorbeigehen. Hier besteht das Risiko einer Verschwendung \u00f6ffentlicher Mittel. In einer Beilage des Magazins <i>The Economist<\/i> zum Thema wurde dies so formuliert: <i>\u00abThe failure of government computerisation projects is so routine that it no longer excites much comment\u00bb,<\/i> oder: <i>\u00abOnly rarely do the promised benefits materialise\u00bb.<\/i>&#13;<br \/>\nVgl. The Economist, op.cit.<i>\u2212 Um das Potenzial von E-Government voll auszusch\u00f6pfen, braucht es Reformen der administrativen Prozesse. Oft ist es wenig sinnvoll, eine neue Internetanwendung zu entwickeln, ohne die entsprechenden Prozesse anzupassen. Der Reformprozess kann jedoch mit etablierten Interessen \u2013 inner- oder ausserhalb der Verwaltung \u2013 in Konflikt geraten. So geschieht es h\u00e4ufig, dass Interessengruppen ihre Anliegen geltend machen und L\u00f6sungen zum Durchbruch verhelfen, die nicht den vollen Return on Investment bieten. Deshalb gehen einige potenziell viel versprechende E-Government-Angebote nicht \u00fcber eine elektronische Schreibmaschine (Stadien 2-3 der oben genannten Kategorisierung) hinaus. Aufgrund solcher Hindernisse kommt die OECD zum Schluss, dass E-Government eher eine administrative als eine elektronische Angelegenheit darstellt.&#13;<br \/>\nVgl. Anne de Chambrier, Administrative Entlastung und E-Government: Eine unverzichtbare Zusammenarbeit. In: Die Volkswirtschaft 12-2007, S. 61 ff.\u2212 <i>Sicherheits- und Datenschutzrisiken:<\/i> Die Steigerung der Datenmengen sowie deren einfache Kopie und Weitergabe birgt neue Sicherheitsrisiken. Sie f\u00fchren zu neuen M\u00f6glichkeiten der B\u00fcrgerkontrolle durch den Staat, aber auch zu Risiken von Datenlecks (Wikileaks) oder betr\u00fcgerischer Datenverwendung. Die Konsequenzen von fehlerhaften Dateneingaben k\u00f6nnen ebenfalls sehr unangenehm sein.\u2212 <i>Skalenrisiken:<\/i> Oft braucht es bei E-Government-Projekten eine \u00abkritische Masse\u00bb an Benutzern, damit das Potenzial voll ausgesch\u00f6pft werden kann (Skalenertr\u00e4ge und Netzexternalit\u00e4ten), wie dies oft bei E-Health-Projekten zu sehen ist. Bei Unterschreiten der kritischen Masse droht ein Misserfolg. Das ist speziell f\u00fcr die Schweiz eine Herausforderung, da zur geringen Landesgr\u00f6sse noch die sprachliche Vielfalt und der F\u00f6deralismus hinzukommen. Alle drei Elemente beeinflussen die kritische Masse negativ. <\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Weshalb eine Analyse der wirtschaftlichen Auswirkungen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese Ausgabe des Magazins <i>Die Volkswirtschaft<\/i> pr\u00e4sentiert die Resultate verschiedener Folgenabsch\u00e4tzungen im Bereich E-Government. Ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Auswahl dieser Projekte ist, dass sie Anfangsinvestitionen beinhalten, w\u00e4hrend die Gewinne erst mittel- bis langfristig anfallen. Da die Zusatzinvestitionen nicht in den laufenden Budgets enthalten sind, m\u00fcssen sie ex ante gerechtfertigt werden.Zu dieser zeitlichen Diskrepanz, die \u00fcblich ist, kommt ein weiteres schwerwiegendes Problem hinzu: Kosten und Nutzen fallen oft nicht am selben Ort an. Bei vielen G2B-Projekten tr\u00e4gt der Staat die Kosten, w\u00e4hrend der Nutzen bei der Privatwirtschaft anf\u00e4llt. Bei G2G-Projekten k\u00f6nnen die Kosten bei einer Institution (z.B. Bundesamt, Kanton) und der Nutzen bei einer anderen anfallen. Dadurch kann es notwendig werden, dass ganze Prozesse neu geordnet und hohe administrative Barrieren \u00fcberwunden werden m\u00fcssen. H\u00e4ufig treten in einem solchen Kontext Blockaden auf, welche mit einer umfassenden Kosten-Nutzen-Analyse \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen. Erst wenn die Beg\u00fcnstigten identifiziert sind, kann der Nutzen zwischen den Akteuren besser verteilt und die Akzeptanz der Projekte bei den betroffenen Kreisen erh\u00f6ht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abAnwendungsbeispiele elektronischer Netzwerke\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Quantitative Auswirkungen der IKT auf das Wirtschaftswachstum&#13;<\/p>\n<h3>Quantitative Auswirkungen der IKT auf das Wirtschaftswachstum<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nQuantitative Aussagen dar\u00fcber, wie sich die IKT auf das Wirtschaftswachstum auswirken, sind schwierig. Das liegt erstens daran, dass IKT (z.B. Software) gleichzeitig auch als immaterielles Gut gelten k\u00f6nnen. Viele immaterielle G\u00fcter werden mit Hilfe von IKT realisiert und IKT erm\u00f6glicht Produktivit\u00e4ts- und Wachstumseffekte von immateriellen G\u00fctern. Zweitens ist der wirtschaftliche Effekt viel gr\u00f6sser, wenn Ver\u00e4nderungen und Innovationen, welche die IKT ausl\u00f6sen, einbezogen werden, als wenn bei der Vorhersage nur auf die reinen IKT-Investitionen abgestellt wird. Denn mit IKT verbundene Innovationen k\u00f6nnen betr\u00e4chtliche wirtschaftliche Auswirkungen haben, wie die Reorganisation und Rationalisierung bestehender Gesch\u00e4ftsprozesse oder die strukturellen Reformen ganzer Wirtschaftssektoren. Ungel\u00f6st bleibt, wie das Zusammenspiel von IKT und anderen Variablen modelliert werden soll, so etwa die Mitarbeiterf\u00e4higkeiten, welche aus Reorganisationsverm\u00f6gen von Firmen nach der Beschaffung von IKT behindern k\u00f6nnen, oder andere Faktoren, die generell den Gebrauch von IKT beeinflussen. Wegen des rasanten technologischen Fortschritts \u00e4ndert sich auch der Einfluss von IKT \u00fcber die Zeit hinweg. <i>Van Reenen et al. (2010)<\/i> pl\u00e4dieren f\u00fcr einen Ansatz, der auf Firmenebene die Auswirkungen der IKT erfasst und diese aggregiert, um den gesamtwirtschaftlichen Effekt zu messen <i>(micro to macro).<\/i>aUm dennoch eine generelle Aussage zu machen, verweisen wir auf Berechnungen der OECDb, welche f\u00fcr die Zeit zwischen 1985 und 2008 f\u00fcr OECD-L\u00e4nder einen Beitrag des IKT-Dienstleistungskapitals zum Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von zwischen 0,2 und 0,6 Prozentpunkten pro Jahr ausweist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Vgl. Van Reenen J., Bloom N., Draca M., Kretschmer T. und Sadun R. (2010): The Economic Impact of ICT, Centre for Economic Performance, London School of Economics, London.b Vgl. OECD Compendium of Productivity Indicators (2008).&#13;<br \/>\nKasten 2: E-Cites&#13;<\/p>\n<h3>E-Cites<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Washingtoner Artenschutzabkommen <i>Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (Cites)<\/i> hat zum Ziel, den internationalen Handel mit bedrohten Pflanzen- und Tierarten und den daraus gewonnenen Produkten zu kontrollieren. In der Schweiz ist das Bundesamt f\u00fcr Veterin\u00e4rwesen (BVET) f\u00fcr den Vollzug des \u00dcbereinkommens zust\u00e4ndig. Aufgrund des hohen Bedarfs der Uhren- und Luxusg\u00fcterindustrie an bewilligungspflichtigen Produkten werden vom BVET weltweit mit Abstand am meisten entsprechende Dokumente ausgestellt. E-Cites verf\u00fcgt \u00fcber mehrere rollenspezifische Zugriffsarten. Der Antragsteller (Exporteur) loggt sich via Software-Zertifikat und pers\u00f6nlicher Benutzeridentifikation ins System ein und hat dann Zugriff auf sein Firmenkonto. Dieses Konto wird vom Exporteur unter Kontrolle des BVET weitgehend selbst\u00e4ndig bewirtschaftet. Die Eingabe der Einfuhrdaten sowie das Beantragen der Wiederausfuhrantr\u00e4ge geschieht durch den Kunden selber. Das Ausdrucken und Unterschreiben der Bewilligungen erfolgt wahlweise beim BVET oder bei einer akkreditierten Handelskammer. Vom Moment der Einfuhr bis zum Ausdrucken der (Wieder-)Ausfuhrbescheinigung vergehen im besten Fall weniger als 24 Stunden. Im Jahr 2010 stellte das BVET \u00fcber 100&nbsp;000 Ausfuhrbewilligungen aus gegen\u00fcber 75&nbsp;000 im Jahr 2006. F\u00fcr die Administration der Bewilligungen ben\u00f6tigte das BVET 2010 vier Vollzeitstellen gegen\u00fcber f\u00fcnfeinhalb 2006. Die Investitionen in das neue System waren bereits nach 2,4 Jahren amortisiert. Durch die Effizienz und die Schnelligkeit des Systems ist es f\u00fcr Firmen attraktiv, ab dem Standort Schweiz entsprechende G\u00fcter zu vertreiben. E-Cites ist eine Win-Win-Situation f\u00fcr alle Seiten:\u2212 Die Schweizer Wirtschaft, aber auch die B\u00fcrger erhalten einen besseren und vor allem schnelleren Service.\u2212 Die Verwaltung leistet mehr in weniger Zeit mit weniger Ressourcen.\u2212 Die Schweiz erh\u00e4lt einen Standortvorteil gegen\u00fcber dem umliegenden Ausland.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die elektronische Vernetzung als Konsequenz der modernen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ist aus unserem beruflichen wie privaten Alltag nicht mehr wegzudenken. Auch vom elektronischen Beh\u00f6rdenverkehr (E-Government) k\u00f6nnen wichtige Wachstumsimpulse ausgehen. Dem Staat kommt dabei eine wichtige Rolle zu. 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