{"id":120845,"date":"2011-03-01T12:00:00","date_gmt":"2011-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/03\/spichiger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:31:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:31:59","slug":"spichiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/03\/spichiger\/","title":{"rendered":"Was bringt die Identifikationsnummer den Unternehmen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Unternehmens-Identifikationsnummer (UID) bildet einen zentralen Teil der zuk\u00fcnftigen Basisinfrastruktur von E-Government in der Schweiz. Dazu wurde 2009 eine vertiefte Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung durchgef\u00fchrt. Wie bei Infrastrukturvorhaben immer wieder beobachtet werden kann, ist insbesondere die Quantifizierung des Nutzens eine grosse Herausforderung. Durch die Freiwilligkeit in der B2BVerwendung entscheiden die \u00fcber 800&nbsp;000 Unternehmen auf der Basis ihrer Bed\u00fcrfnisse eigenst\u00e4ndig \u00fcber ihren UID-Einsatz. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201103_10_Spichiger_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"239\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAm 20. Februar 2008 beauftragte der Bundesrat das Eidg. Departement des Innern (EDI), ein Gesetz \u00fcber die Unternehmens-Identifikationsnummer (UIDG) auszuarbeiten und diese Nummer einzuf\u00fchren. Das UIDG sieht vor, dass wichtige Register zwischen 2011 und Ende 2013 die UID einf\u00fchren. Am 31. Dezember 2015 soll die Realisierungsphase bei den wesentlichen Registern auf Stufe Bund, Kanton und Gemeinde abgeschlossen sein.Dieses wirtschaftlich wichtige Gesetz wurde im Zeitraum M\u00e4rz bis September 2009 einer vertieften Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung (RFA) unterzogen.&#13;<br \/>\nVgl. Iseli, Spichiger (2010). Zum Untersuchungsfeld geh\u00f6rten die Auswirkungen auf die Verwaltungsstellen von Bund, Kantonen und Gemeinden sowie auf die Akteure der Wirtschaft, insbesondere auf deren Hauptkommunikationsfl\u00fcsse, EDV-L\u00f6sungen, Register, Archive und andere Hilfsmittel. Konkret gibt die Untersuchung einen \u00dcberblick \u00fcber die erwarteten volkswirtschaftlichen Auswirkungen des UIDG und identifizierte M\u00f6glichkeiten zur Verbesserung in der Einf\u00fchrung und Nutzung. Dabei werden die f\u00fcnf RFA-Pr\u00fcfpunkte beachtet: Notwendigkeit und M\u00f6glichkeit staatlichen Handelns, Auswirkungen auf einzelne gesellschaftliche Gruppen, gesamtwirtschaftliche Auswirkungen, alternative Regelungen und Zweckm\u00e4ssigkeit im Vollzug.Der vorliegende Artikel beschreibt das Vorgehen und fasst die wesentlichsten Resultate der RFA vom September 2009 zusammen. Dabei werden insbesondere bisher unpublizierte Resultate zum Einfluss der UID auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie eine im Rahmen einer Fallstudie nachtr\u00e4glich erstellte Bewertung des UID-Vorhabens pr\u00e4sentiert.&#13;<br \/>\nVgl. Neuroni et al. (2009).&#13;<\/p>\n<h2>Analyseschritte der RFA<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen der RFA wurden zuerst die Auswirkungen auf die Wirtschaft analysiert. Gemeinsam mit dem Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) als Auftraggeber der RFA wurden die 20 Wirtschaftszweige mit den meisten Unternehmen und Angestellten selektiert. In einer groben Betrachtung wurden die Auswirkungen des UIDG auf diese 20 Wirtschaftszweige analysiert. Mittels Einzelinterviews mit Vertretern des entsprechenden Wirtschaftszweigs wurden die Auswirkungen des UIDG qualitativ beurteilt, plausibilisiert und konsolidiert. Das Resultat dieser Analyse waren Standardinformationsfl\u00fcsse, die im Wesentlichen f\u00fcr alle Wirtschaftszweige gleich ablaufen. Daraus wurden die wesentlichen Informationsfl\u00fcsse zwischen den Unternehmen (Business-to-Business, B2B), in denen Unternehmen referenziert werden, abgeleitet. Auf Basis der Standardinformationsfl\u00fcsse identifizierten wir zudem die h\u00e4ufigsten Informationsfl\u00fcsse der Wirtschaft mit den Beh\u00f6rden (Business-to-Government, B2G). Diese haben schliesslich ihre Auswirkungen auf die entsprechenden Beh\u00f6rdenprozesse (Government-to-Government, G2G).Ausgehend von dieser ersten Analyse wurde gemeinsam mit dem BFS eine Liste mit sechs Wirtschaftszweigen festgelegt, um spezifische Fragestellungen vertiefter betrachten zu k\u00f6nnen. Zudem wurde eine Liste von sechs priorisierten E-Government-Vorhaben festgelegt, die ebenso in der zweiten Phase n\u00e4her untersucht werden sollten. Insgesamt fanden im Rahmen der Grob- und Detailanalyse \u00fcber 80 explizite Befragungen statt.&#13;<\/p>\n<h2>Notwendigkeit staatlichen Handelns<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine der Konsequenzen des Informations- und Dienstleistungszeitalters sind die zunehmenden Datenquellen, die gleichartige Informationen anh\u00e4ufen. Wiederholt f\u00fchrt eine Beh\u00f6rde zum einfacheren Referenzieren auf ein Unternehmen einen eigenen Identifikator ein, sodass die Menge der Identifikatoren laufend steigt. Die daraus f\u00fcr Unternehmen und Beh\u00f6rden resultierende administrative Belastung nimmt stetig und kaum auffallend zu. Durch die Einf\u00fchrung der UID sollen die nachhaltige administrative Entlastung von Unternehmen und eine effiziente Verwaltung erreicht werden (vgl. <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Administrative Entlastung durch UID<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Reduktion der Kosten von Partikularl\u00f6sungen: Die Einf\u00fchrung einer einheitlichen L\u00f6sung ist ein Mittel, um Partikularl\u00f6sungen mit ihren hohen Investitions- und Betriebskosten zu reduzieren. Die Abl\u00f6sung von bestehenden Identifikatoren der Verwaltung durch eine einheitliche Nummer f\u00fchrt zu einer administrativen Entlastung. Bei grundlegenden Themen fallen die Investitionen in Partikularl\u00f6sungen und deren Betrieb in der Summe h\u00f6her aus als f\u00fcr eine \u00fcbergreifende L\u00f6sung, erzeugen aber einen geringeren Nutzen.\u2212 <i>Reduktion der Kosten bei Mutationen:<\/i> Das zentrale Register erlaubt, den Gesamtaufwand sowohl auf der Seite der Beh\u00f6rden wie auch auf der Seite der Unternehmen bei Mutationen (inkl. Er\u00f6ffnungen und L\u00f6schungen) zu reduzieren, weil diese durch das UID-Register den angeschlossenen Registern weitergegeben werden. \u2212 <i>Erh\u00f6hung der Datenqualit\u00e4t:<\/i> Die Datenqualit\u00e4t wird erh\u00f6ht, indem Unternehmensdaten in den bestehenden Registern im Rahmen vieler unterschiedlicher Prozesse miteinander abgeglichen und \u00fcberpr\u00fcft werden.\u2212 <i>Prozessverbesserungen:<\/i> Mit dem UIDG werden s\u00e4mtliche Unternehmen zuk\u00fcnftig \u00fcber einen eindeutigen Identifikator referenzierbar, womit ein beachtliches Potenzial f\u00fcr Prozessverbesserungen entsteht. Medienbr\u00fcche k\u00f6nnen beseitigt resp. reduziert werden. Die UID erleichtert damit den Informationsaustausch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).Zur Umsetzung einer einheitlichen und effizienten E-Government-Strategie m\u00fcssen sowohl die Wirtschaftsteilnehmer wie auch die Beh\u00f6rden eindeutig identifiziert werden k\u00f6nnen. Die UID als solcher Indikator ist unabdingbar, um organisations\u00fcbergreifende Transaktionen zu realisieren. Die Nummer gilt somit als Voraussetzung f\u00fcr die Realisierung verschiedener priorisierter E-Government-Vorhaben; deren Einf\u00fchrung ist in diesem Sinne ein zentrales Infrastruktur-Projekt. Bundesrat Didier Burkhalter hat hierzu am 10. M\u00e4rz 2010 im St\u00e4nderat gesagt: \u00abIch m\u00f6chte doch einen in unseren Augen grundlegenden Punkt betonen, n\u00e4mlich dass diese neue Nummer eine Basisinfrastruktur f\u00fcr das gesamte zuk\u00fcnftige E-Government darstellt.\u00bb&#13;<br \/>\nVgl. Amtliches Bulletin (2010), \u00dcbersetzung der Redaktion.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkungen aus Sicht der RFA<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBeim <i>Staat (G2G)<\/i> verursacht die Einf\u00fchrung der UID Investitions- und Betriebskosten f\u00fcr Registerbetreiber. Zwar sind die Investitionskosten der UID betr\u00e4chtlich h\u00f6her als bei einer Weiterf\u00fchrung der bestehenden Nummern und Registern. Die Betriebskosten der UID sind aber wesentlich tiefer als die voraussichtlichen j\u00e4hrlichen Betriebsausgaben f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung der bestehenden Systeme. Wenn die Kosten der UID \u00fcber einen Zeitraum von 15 Jahren mit den voraussichtlich anfallenden Kosten f\u00fcr die grossen Register des Bundes und der Kantone verglichen werden, f\u00fchrt die UID zu gesch\u00e4tzten Einsparungen von insgesamt 34,3 Mio. Franken (vgl. <i>Tabelle 1<\/i>). Den Berechnungen liegen u.a. die in <i>Tabelle 2<\/i> zusammengestellten Basisdaten zu Grunde. Dazu kommt ein wesentlicher qualitativer Nutzen, sei es in Form h\u00f6herer Datenqualit\u00e4t in den bestehenden Prozessen oder in Form von Unterst\u00fctzung f\u00fcr k\u00fcnftige E-Government-Vorhaben.Auf der <i>privatwirtschaftlichen Ebene (B2B)<\/i> sind die Auswirkungen schwierig einzusch\u00e4tzen. Der langfristige potenzielle Nutzen wird als gross, aber auch als spekulativ bezeichnet (vgl. <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Reduktion der administrativen Belastung B2G<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Einige befragte Unternehmer \u00e4usserten sich spontan etwa folgendermassen: \u00abDas UIDG ist f\u00fcr mich kein Kaffee wert\u00bb. Ausgehend von den Redundanzen zwischen den verschiedenen Registern und den damit verbundenen zus\u00e4tzlichen Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen bei Mutationen wurde allerdings eine Einsparung f\u00fcr die Unternehmen von 4,9 Mio. Franken pro Jahr gesch\u00e4tzt. Konkretere Befragungen lassen vermuten, dass der Aufwand von mehreren Beh\u00f6rdennummern bei etwa einer Stunde pro Jahr liegen k\u00f6nnte, was einem Nutzen von rund 30 Mio. Franken pro Jahr entsprechen w\u00fcrde. Ein Experte im Bereich Konkursverfahren zeigte sich zudem \u00fcberzeugt, dass sich dank der eindeutigeren Identifizierung und aktuelleren Informationslage durch die UID 2% der Konkursverluste (2,7 bis 4,7 Mrd. Franken pro Jahr von 2000\u20132008) vermeiden liessen. Dies w\u00e4ren etwa 50\u2013100 Mio. Franken pro Jahr.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).Die UID kann Prozesse im Customer Relationship Management (CRM), im Supply Chain Management (SCM) oder in den Finanzen vereinfachen. Im SCM-Umfeld lassen sich m\u00f6glicherweise die Kunden- und Lieferantenbeziehungsprozesse ab ca. 2020 schrittweise standardisieren. Voraussetzung dazu wird aber immer ein verlangter wirtschaftlicher Nutzen f\u00fcr einen oder mehrere Partner sein, die meist in unterschiedliche Lieferketten eingebunden sind. Um im SCM-Umfeld den vollen Nutzen zu schaffen, br\u00e4uchte es zudem die eindeutige Identifikation von Unternehmensteilen oder Betrieben (nicht nur von Unternehmen).F\u00fcr KMU ist die UID zu weit vom Zielprofil eines CRM-Systems entfernt, um im Kundenbeziehungskontext einen grossen Nutzen zu erzielen. Die Ersetzung der Kundennummer oder Debitorennummer durch die UID bedingt Investitionen und bringt keinen unmittelbaren Nutzen. Weil allerdings die Verwendung dieser einheitlichen Nummer im privaten Kontext freiwillig ist, werden nur jene Unternehmen investieren, welche sich daraus einen Nutzen versprechen. Das Umstellen auf die UID w\u00fcrde in gewissen F\u00e4llen zu erheblichen Kosten f\u00fchren, weshalb es sinnvoll ist, der Wirtschaft die Verwendung freizustellen.Die Analyse einzelner Sektoren zeigt ein positiveres Bild:\u2212 Im <i>Gesundheitswesen<\/i> sind die Transaktionszahlen hoch; hier ist die Elektronifizierung der Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4lle zwischen Leistungserbringern und Versicherern relativ weit gediehen. Die UID l\u00f6st ein zus\u00e4tzliches Potenzial aus, auch wenn die Einf\u00fchrung etwas sp\u00e4t kommt. Die UID muss allerdings international verwendbar sein, weil im Gesundheitswesen zunehmend Gesch\u00e4ftsvorf\u00e4lle grenz\u00fcberschreitend ausgerichtet sind. F\u00fcr den Durchbruch von E-Health braucht es zus\u00e4tzlich zur UID eine Social Security Number. \u2212 Im <i>Bauwesen<\/i> bringt die UID einen Nutzen bei projektbezogenen Arbeitsgemeinschaften (Arge), weil dadurch die Identifizierung der Partner einfacher wird. \u2212 In der <i>Logistikbranche<\/i> sowie in anderen Branchen kann die UID den Nachweis und die Delegation von Zertifizierungen erleichtern. Im Hinblick auf die zuk\u00fcnftige Frachtb\u00f6rse sollte sichergestellt werden, dass die UID mit ausl\u00e4ndischen Systemen kompatibel ist (z.B. mit der Atlas-Anmeldung des deutschen Zolls). \u2212 In der <i>Strombranche<\/i> kann infolge der Strommarktliberalisierung die UID f\u00fcr eine rasche Identifizierung der Gesch\u00e4ftskunden, die ihre Stromlieferanten wechseln, hilfreich sein. Ebenso besteht Potenzial in der Finanzbranche und im internationalen Gesch\u00e4ftsverkehr. In der Chemiebranche wird der Nutzen eher kleiner sein, weil die Identifikation via Reach-System der EU erfolgt. Neue Identifikatoren bringen in der Regel allerdings erst im Zusammenspiel mit firmeninternen Strukturbereinigungen einen wirklichen Nutzen.Weiteres Potenzial liegt im Verkehr zwischen Unternehmen und Beh\u00f6rden (B2G): \u2212 19,1% der Unternehmen haben sich 2008 im Handelsregister entweder neu angemeldet, die Adresse mutiert oder das Unternehmen geschlossen. Diese Unternehmen erfahren j\u00e4hrlich Vereinfachungen (weniger Beh\u00f6rdeng\u00e4nge) in diesen Prozessen.\u2212 Ein indirekter Nutzen f\u00fcr die Unternehmen entsteht aus der Kombination von anderen priorisierten E-Government-Vorhaben mit der UID. So reduziert sich z.B. bei der \u00dcbertragung von Lohndaten die Zahl der Fehler, oder beim MWST-Portal f\u00e4llt bei den Kunden der ESTV mittel- bis langfristig ein Nutzen an. Gewisse Synergien ergeben sich auch mit den Zolldeklarationen. \u2212 Bei Mikrounternehmen herrscht heute Verwirrung bez\u00fcglich der Verwendung der korrekten Identifikationsnummer; grunds\u00e4tzlich ist auch hier ein Potenzial vorhanden. Volkswirtschaftlich betrachtet liegt der Nutzen der UID prim\u00e4r bei reduzierten Verwaltungskosten, besserer Datenqualit\u00e4t und effizienteren Prozessen. Die Qualit\u00e4t der Daten wird durch das Mehrfachreferenzieren \u00fcber mehrere Prozesse hinweg \u2013 trotz sehr geringen inhaltlichen Umfangs des UIDRegisters \u2013 wesentlich steigen. Die Korrektur wird durchaus etwas Aufwand mit sich bringen; die Reduktion der Fehlerkosten wird dies aber bei weitem kompensieren. Diese Effekte werden sich, wenn auch nur in kleinen Schritten, in Verwaltung und bei grossen Unternehmen \u2013 insbesondere im Dienstleistungsbereich \u2013 positiv auswirken und schliesslich bei allen Unternehmen einen nachhaltigen Beitrag zur Effizienzsteigerung leisten.&#13;<\/p>\n<h2>Alternative Regelungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der RFA wurden sieben Anregungen identifiziert, die w\u00e4hrend den Arbeiten als Ideen eingebracht worden sind. Einer dieser Punkte beschreibt den <i>Wunsch nach einer Betriebsidentifikation,<\/i> der angegangen werden sollte, sobald das UIDG auf guten Wegen ist. Die Befragungen haben gezeigt, dass die Wirtschaft bei Kenntnis der Verkn\u00fcpfung zwischen der UID und den Betriebsst\u00e4tten viel eher von der UID Gebrauch machen w\u00fcrde. Auf eine direkte Einf\u00fchrung der Betriebsidentifikation wurde allerdings verzichtet, weil Verz\u00f6gerungen bei der Einf\u00fchrung des UIDG zu weiteren unbefriedigenden lokalen L\u00f6sungen f\u00fchren w\u00fcrde. Die aufgrund von R\u00fcckmeldungen im UIDG vorgesehene <i>Administrativnummer<\/i> wird die Einf\u00fchrung der UID seitens der Beh\u00f6rden zus\u00e4tzlich erleichtern.&#13;<\/p>\n<h2>Einf\u00fchrung und Vollzug<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie UID baut auf dem bestehenden Betriebs- und Unternehmensregister (BUR) auf. Beim BUR handelt es sich um das System, welches die gr\u00f6sste Grundgesamtheit von Unternehmen der Schweiz abdeckt. Auch ist hier entsprechende Betriebserfahrung f\u00fcr die Abstimmung mit einer grossen Zahl von Registern vorhanden. Auf dieser Basis l\u00e4sst sich die UID zweckm\u00e4ssig und rasch einf\u00fchren. Bei Betriebsstart am 11. Januar 2010 enthielt das Register bereits die 500&nbsp;000 im Handelsregister verzeichneten Unternehmen. Die mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen werden im Verlauf von 2011 aufgeschaltet, sobald sie \u00fcber ihre neue Nummer informiert sein werden.Die UID wird bei Verwaltungsstellen vor\u00fcbergehend als zus\u00e4tzlicher Identifikator eingef\u00fchrt und l\u00f6st die heute bestehenden Nummernsysteme sukzessive ab. Somit kann der <i>\u00dcbergang<\/i> reibungslos geschehen und bei der Einf\u00fchrung k\u00f6nnen Synergien genutzt werden. Es besteht aber ein gewisses Risiko, dass nicht alle bestehende Identifikatoren abgel\u00f6st werden. Das vorgeschlagene Format f\u00fcr die UID hat \u2013 soweit dies aktuell beurteilbar ist \u2013 beste Chancen, auch <i>international<\/i> integrierbar zu sein. Dies ist angesichts der fortschreitenden Globalisierung unabdingbar. Vorliegende Verordnungen zeigen allerdings, dass die Identifikation von Unternehmen in repetitiven Prozessen noch einige Zeit l\u00e4nderspezifisch sein wird. Dies erh\u00e4rtet die Erkenntnis, dass es bis auf weiteres zweckm\u00e4ssig ist, die Anwendung der UID durch die Wirtschaft im zwischenbetrieblichen Bereich auf freiwillige Basis zu stellen.Die <i>rasche Einf\u00fchrung<\/i> der UID und das rasche Zuteilen der Nummern sind wichtig. Indem die UID nun schnell die jetzige vielf\u00e4ltige Landschaft abl\u00f6st, werden weitere Partikularvorhaben vermieden. Damit l\u00e4sst sich der direkte Nutzen und das Potenzial f\u00fcr Prozessoptimierungen und Effizienzgewinne f\u00fcr die Beh\u00f6rden am besten steigern.&#13;<\/p>\n<h2>Potenzial aus Sicht einer einzelnen Unternehmung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Stellenwert der korrekten Identifikation von Partnerunternehmen innerhalb eines Unternehmens kann daran illustriert werden, wie h\u00e4ufig in den Unternehmensprozessen andere Unternehmen referenziert werden. Aus Sicht der Logistikkette sind dies die nachstehenden Teilprozesse: Produkt ausw\u00e4hlen, Bestellung ausgehend, Bestellung eingehend, Warenausgang, Wareneingang, Rechnung ausgehend, Rechnung eingehend, Zahlungsauftrag, Zahlungseingang, Mahnung und Revision. Daraus kann erahnt werden, welches Potenzial in der Verwendung der UID auch im B2B-Kontext liegt. Dieses Potenzial wird sich in KMU allerdings erst realisieren, wenn die Verwendung der UID auch in den eingesetzten IT-Systemen allt\u00e4glich wird.&#13;<\/p>\n<h2>Qualitative Bewertung der UID-Einf\u00fchrung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen des Konzepts eines homogenen Berechnungsmodells zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit und des qualitativen Nutzens von E-Government-Vorhaben&#13;<br \/>\nVgl. Neuroni et al. (2009). wurde der qualitative Nutzen der UID-Einf\u00fchrung auf der Basis eines Standardsets von Indikatoren bewertet. Die Fallstudie kommt zum Schluss, dass im Vergleich mit anderen E-Government-Vorhaben eine grosse Zahl von Indikatoren eine wesentliche Verbesserung erreichen, so u.a. die Transparenz, interne Kommunikation, Interoperabilit\u00e4t, Kooperationsf\u00e4higkeit und Qualit\u00e4t. Die Gesamtbewertung in dieser Fallstudie ergibt einen sehr hohen qualitativen Nutzen bei gleichzeitig sehr geringem Risiko.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Beispiel der Unternehmensidentifikation demonstriert, was auch f\u00fcr andere Infrastrukturvorhaben gilt: Einem verh\u00e4ltnism\u00e4ssig geringen finanziellen Nutzen steht ein sehr hoher qualitativer und ein potenziell hoher zuk\u00fcnftiger Nutzen gegen\u00fcber. Es verdeutlicht aber auch etwas anderes: Die finanziellen Berechnungen st\u00fctzen sich stark auf den Nutzen, der sich aus der Vereinfachung von teilweise redundanten Leistungen bei \u00fcber 250 Verzeichnissen ergibt. Wenn es diese bedauerliche Situation heute nicht g\u00e4be, w\u00fcrden die Indikatoren f\u00fcr eine Beurteilung des finanziellen Nutzens weitgehend fehlen. Seitens der Beh\u00f6rden konnten die wichtigsten Verzeichnisse und deren Umfang identifiziert werden, was schliesslich eine Quantifizierung auf der Seite der Beh\u00f6rden \u00fcberhaupt erst erm\u00f6glichte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abSch\u00e4tzung der Ausgaben der \u00f6ffentlichen Hand, 2011\u20132025\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abBerechnungsbasis zu UID-Einheiten (ganze Schweiz)\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Administrative Entlastung durch UID&#13;<\/p>\n<h3>Administrative Entlastung durch UID<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 <i>Reduktion der Kosten von Partikularl\u00f6sungen:<\/i> Die Einf\u00fchrung einer einheitlichen L\u00f6sung ist ein Mittel, um Partikularl\u00f6sungen mit ihren hohen Investitions- und Betriebskosten zu reduzieren. Die Abl\u00f6sung von bestehenden Identifikatoren der Verwaltung durch eine einheitliche Nummer f\u00fchrt zu einer administrativen Entlastung. Bei grundlegenden Themen fallen die Investitionen in Partikularl\u00f6sungen und deren Betrieb in der Summe h\u00f6her aus als f\u00fcr eine \u00fcbergreifende L\u00f6sung, erzeugen aber einen geringeren Nutzen.\u2212 <i>Reduktion der Kosten bei Mutationen:<\/i> Das zentrale Register erlaubt, den Gesamtaufwand sowohl auf der Seite der Beh\u00f6rden wie auch auf der Seite der Unternehmen bei Mutationen (inkl. Er\u00f6ffnungen und L\u00f6schungen) zu reduzieren, weil diese durch das UID-Register den angeschlossenen Registern weitergegeben werden. \u2212 <i>Erh\u00f6hung der Datenqualit\u00e4t:<\/i> Die Datenqualit\u00e4t wird erh\u00f6ht, indem Unternehmensdaten in den bestehenden Registern im Rahmen vieler unterschiedlicher Prozesse miteinander abgeglichen und \u00fcberpr\u00fcft werden.\u2212 <i>Prozessverbesserungen:<\/i> Mit dem UIDG werden s\u00e4mtliche Unternehmen zuk\u00fcnftig \u00fcber einen eindeutigen Identifikator referenzierbar, womit ein beachtliches Potenzial f\u00fcr Prozessverbesserungen entsteht. Medienbr\u00fcche k\u00f6nnen beseitigt resp. reduziert werden. Die UID erleichtert damit den Informationsaustausch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Reduktion der administrativen Belastung B2G&#13;<\/p>\n<h3>Reduktion der administrativen Belastung B2G<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEinige befragte Unternehmer \u00e4usserten sich spontan etwa folgendermassen: \u00abDas UIDG ist f\u00fcr mich kein Kaffee wert\u00bb. Ausgehend von den Redundanzen zwischen den verschiedenen Registern und den damit verbundenen zus\u00e4tzlichen Beh\u00f6rdeng\u00e4ngen bei Mutationen wurde allerdings eine Einsparung f\u00fcr die Unternehmen von 4,9 Mio. Franken pro Jahr gesch\u00e4tzt. Konkretere Befragungen lassen vermuten, dass der Aufwand von mehreren Beh\u00f6rdennummern bei etwa einer Stunde pro Jahr liegen k\u00f6nnte, was einem Nutzen von rund 30 Mio. Franken pro Jahr entsprechen w\u00fcrde. Ein Experte im Bereich Konkursverfahren zeigte sich zudem \u00fcberzeugt, dass sich dank der eindeutigeren Identifizierung und aktuelleren Informationslage durch die UID 2% der Konkursverluste (2,7 bis 4,7 Mrd. Franken pro Jahr von 2000\u20132008) vermeiden liessen. Dies w\u00e4ren etwa 50\u2013100 Mio. Franken pro Jahr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Iseli, Werner und Spichiger, Andreas: Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung zum Bundesgesetz \u00fcber die Unternehmens-Identifikationsnummer (UIDG). Iseli + Iseli Partner GmbH und Berner Fachhochschule, Version 1.2 (4.2.2010), <i><a href=\"http:\/\/www.uid.ch\">http:\/\/www.uid.ch<\/a><\/i>.\u2212 Neuroni Alessia, Spichiger Andreas, Rasc\u00f3n Alberto, Riedl Reinhard et al.: Konzept eines homogenen Berechnungsmodells zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit und des qualitativen Nutzens von E-Government-Vorhaben. Berner Fachhochschule (2009), <i><a href=\"http:\/\/www.wirtschaft.bfh.ch\/de\/forschung\/schwerpunkte\/e_government.html\">http:\/\/www.wirtschaft.bfh.ch\/de\/forschung\/schwerpunkte\/e_government.html<\/a><\/i>.\u2212 Amtliches Bulletin, Fr\u00fchjahrssession 2010, St\u00e4nderat, 07. Sitzung \/ 10.3.2010, 09.080, Unternehmens-Identifikationsnummer. Bundesgesetz, <i><a href=\"http:\/\/www.parlament.ch\">http:\/\/www.parlament.ch<\/a><\/i>.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Unternehmens-Identifikationsnummer (UID) bildet einen zentralen Teil der zuk\u00fcnftigen Basisinfrastruktur von E-Government in der Schweiz. Dazu wurde 2009 eine vertiefte Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung durchgef\u00fchrt. Wie bei Infrastrukturvorhaben immer wieder beobachtet werden kann, ist insbesondere die Quantifizierung des Nutzens eine grosse Herausforderung. 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