{"id":120850,"date":"2011-03-01T12:00:00","date_gmt":"2011-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/03\/von-greyerz-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:18","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:18","slug":"von-greyerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/03\/von-greyerz\/","title":{"rendered":"Auf dem Weg zu einem Bundesgesetz \u00fcber das elektronische Patientendossier"},"content":{"rendered":"<p>Gest\u00fctzt auf den Bericht der Expertengruppe eHealth und die ersten Ergebnisse der Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung hat der Bundesrat am 3. Dezember 2010 das Eidgen\u00f6ssische Departement des Innern (EDI) beauftragt, die bundesgesetzlichen Grundlagen zur Einf\u00fchrung eines elektronischen Patientendossiers auszuarbeiten. Mit dem elektronischen Patientendossier sollen die Qualit\u00e4t der medizinischen Versorgung und dadurch die Patientensicherheit erh\u00f6ht werden. Eine entsprechende Vernehmlassungsvorlage soll im September 2011 vorliegen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie vom Bund gemeinsam mit den Kantonen erarbeitete <i>Strategie eHealth Schweiz<\/i> wurde vom Bundesrat im Juni 2007 verabschiedet. Um die Umsetzung zu koordinieren, wurde mit einer Rahmenvereinbarung zwischen Bund und Kantonen das <i>Koordinationsorgan eHealth Schweiz eingesetzt.<\/i> Das Koordinationsorgan formulierte im August 2009 Empfehlungen zu den rechtlichen Grundlagen f\u00fcr ein elektronisches Patientendossier. Aufgrund dieser Empfehlungen setzte das EDI im Auftrag des Bundesrates im Dezember 2009 die <i>Expertengruppe eHealth<\/i> ein. Diese hatte den Auftrag, einen Bericht \u00fcber den Regelungsgegenstand, die Regelungsinstrumente sowie die verschiedenen gesetzestechnischen Varianten einer solchen rechtlichen Regelung zu erarbeiten. Die Expertengruppe nahm ihre Arbeit im Februar 2010 auf. Nach Durchf\u00fchrung eines informellen Hearings mit den betroffenen Interessengruppen hat sie ihren Bericht Ende September 2010 dem EDI \u00fcbergeben.&#13;<br \/>\nDie Empfehlungen der Expertengruppe sind im Artikel von Dobrev, Stroetmann und Rissi auf S. 34 ff. in dieser Ausgabe zusammengefasst.Das BAG pr\u00fcfte anschliessend diesen Vorschlag der Expertengruppe eHealth zur gesetzestechnischen Umsetzung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Pr\u00fcfung zeigte, dass auf der Grundlage bestehender Gesetze keine Verordnung \u00fcber die Festlegung und Einhaltung von Standards zur Einf\u00fchrung eines elektronischen Patientendossiers erlassen werden kann. Hingegen kann die bundesgesetzliche Regelung gest\u00fctzt auf die Artikel 95 (privatwirtschaftliche T\u00e4tigkeit), 122 (Zivilrecht) und 117 (Kranken- und Unfallversicherung) der Bundesverfassung erlassen werden. Auf eine Teilrevision der Bundesverfassung kann somit vorderhand verzichtet werden.Gem\u00e4ss Auftrag des Bundesrates vom 3. Dezember 2010 sollen die spezialgesetzlichen Grundlagen die Voraussetzungen f\u00fcr einen sicheren und datenschutzkonformen Datenaustausch zwischen den am Behandlungsprozess beteiligten Gesundheitsinstitutionen und -fachpersonen schaffen. Dazu sind insbesondere folgende Aspekte zu regeln:\u2212 <i>Massnahmen zur Umsetzung und Durchsetzung des Datenschutzes:<\/i> Diese beinhalten unter anderem die Umschreibung des Zwecks der Datenbearbeitung sowie die rechtliche Verankerung des Prinzips, dass der Zugriff auf die Daten nur mit Zustimmung des Patienten erfolgen darf. \u2212 <i>Organisatorische Massnahmen zur Gew\u00e4hrleistung des Datenaustausches zwischen Gemeinschaften und zur Sicherstellung der Datensicherheit:<\/i> Hier sind die Definition des Prozesses zur Auswahl, Festlegung und Weiterentwicklung der technischen und semantischen Standards, welche die Interoperabilit\u00e4t zwischen \u00abGemeinschaften von Behandelnden\u00bb gew\u00e4hrleisten, zu erlassen. Dazu kommen auch Bestimmungen \u00fcber die Anforderungen an eine Zertifizierung der Gemeinschaften.\u2212 <i>Rechtliche Verankerung der schweizweit zu koordinierenden Infrastrukturkomponenten:<\/i> Diese f\u00fcr einen sicheren und nachvollziehbaren Datenaustausch notwendigen Komponenten umfassen \u2013 neben den Instrumenten zur Identifikation und Authentifizierung der Patientinnen und Patienten sowie der Behandelnden \u2013 auch verschiedene Referenzdienste (z.B. Verzeichnis der Gemeinschaften, Verzeichnis der Rollen und Berechtigungen). Obschon eine rechtliche Regelung \u2013 wie in der Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung gezeigt \u2013 die Einf\u00fchrung eines elektronischen Patientendossiers deutlich beschleunigt, sind weitergehende flankierende Massnahmen notwendig. Es wird deshalb zu pr\u00fcfen sein, ob in der gesetzlichen Regelung auch Bestimmungen vorzusehen sind, welche die fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung eines elektronischen Patientendossiers unterst\u00fctzen. Dabei stehen insbesondere folgende M\u00f6glichkeiten zur Diskussion:\u2212 Schaffung nachhaltiger Strukturen zur F\u00f6rderung der nationalen Zusammenarbeit;\u2212 Anreize f\u00fcr Behandelnde und Gemeinschaften sowie Patienten;\u2212 Ausbildung und Bef\u00e4higung von Behandelnden und Patienten zur Ben\u00fctzung von elektronischen Patientendossiers;\u2212 Mitfinanzierung kantonaler oder regionaler Modellversuche durch den Bund.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gest\u00fctzt auf den Bericht der Expertengruppe eHealth und die ersten Ergebnisse der Regulierungsfolgeabsch\u00e4tzung hat der Bundesrat am 3. Dezember 2010 das Eidgen\u00f6ssische Departement des Innern (EDI) beauftragt, die bundesgesetzlichen Grundlagen zur Einf\u00fchrung eines elektronischen Patientendossiers auszuarbeiten. Mit dem elektronischen Patientendossier sollen die Qualit\u00e4t der medizinischen Versorgung und dadurch die Patientensicherheit erh\u00f6ht werden. 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