{"id":120895,"date":"2011-01-01T12:00:00","date_gmt":"2011-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2011\/01\/ischi-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:12","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:12","slug":"ischi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2011\/01\/ischi\/","title":{"rendered":"Die Akkreditierung: Eine volkswirtschaftliche Basisinfrastruktur"},"content":{"rendered":"<p>Die Akkreditierung ist ein weltweit etabliertes System zur Schaffung und Aufrechterhaltung einer kompetenten und international anerkannten Infrastruktur an Konformit\u00e4tsbewertungsstellen. Was zun\u00e4chst nach einer technischen Expertenangelegenheit klingt, entpuppt sich auf den zweiten Blick als Basisinfrastruktur f\u00fcr moderne Volkswirtschaften. Der vorliegende Beitrag beleuchtet die volkswirtschaftliche Rolle der Akkreditierung und ihre Funktionsweise. Er zeigt auf, welche Bedeutung das dichte Netz an akkreditierten Stellen und dessen internationale Einbindung f\u00fcr den Zugang schweizerischer Unternehmen auf ausl\u00e4ndische M\u00e4rkte hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen von Akkreditierungsverfahren wird beurteilt, ob Pr\u00fcf-, Inspektions- oder Zertifizierungsstellen \u2013 zusammengefasst Konformit\u00e4tsbewertungsstellen (KBS) genannt \u2013 ihre Aufgaben mit der geforderten Zuverl\u00e4ssigkeit ausf\u00fchren. Wird die Akkreditierung erteilt, bedeutet dies die formelle Anerkennung der Kompetenz einer KBS zur Durchf\u00fchrung einer bestimmten Dienstleistung. Unter Kompetenz werden verschiedene Dimensionen verstanden: <i>personelle<\/i> Kompetenz (Fachwissen, Erfahrung, Weiterbildung), <i>technische<\/i> Kompetenz (R\u00e4umlichkeiten, Infrastruktur und Einrichtungen, Verfahren und Entscheidungsabl\u00e4ufe) sowie <i>organisatorische<\/i> Kompetenz (Unabh\u00e4ngigkeit, Unparteilichkeit, Qualit\u00e4tsmanagement). Der Ablauf eines Akkreditierungsverfahrens ist in <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Ablauf einer Akkreditierung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Ablauf einer Akkreditierung beginnt mit der Anmeldung einer Konformit\u00e4tsbewertungsstelle bei der Schweizerischen Akkreditierungsstelle (SAS). Im Informationsgespr\u00e4ch werden Fragen zum Ablauf und zum gew\u00fcnschten Geltungsbereich der Akkreditierung gekl\u00e4rt.Nachdem die zu akkreditierende Stelle die Massnahmen zur Umsetzung der entsprechenden Normen durchgef\u00fchrt hat, folgt ein Vorgespr\u00e4ch. Das Begutachterteam \u2013 bestehend aus dem leitenden Begutachter der SAS und einem oder mehreren externen Fachexperten \u2013 erh\u00e4lt dabei Einblick in die zur Begutachtung vorgesehenen Bereiche und gibt Hinweise zu den bereits eingereichten, f\u00fcr die Akkreditierung relevanten Dokumenten.Im Anschluss daran folgt die Begutachtung. Mit Unterst\u00fctzung von Checklisten beurteilt das Begutachterteam die Fachkompetenz und Infrastruktur der Stelle sowie die Wirksamkeit ihres Managementsystems. Das Team verfasst einen Bericht, welcher die Ergebnisse der Begutachtung festh\u00e4lt. Sind alle Anforderungen erf\u00fcllt, stellt das Begutachterteam den Antrag zur Erteilung der Akkreditierung. Aufgrund dieses Berichtes nimmt die Eidgen\u00f6ssische Akkreditierungskommission (Akko) zum Antrag Stellung.Der Leiter der SAS erteilt die Akkreditierung. Eine Akkreditierung gilt jeweils f\u00fcr f\u00fcnf Jahre. Dann ist eine erneute Begutachtung erforderlich, um die Akkreditierung f\u00fcr weitere f\u00fcnf Jahre zu erneuern. Dazwischen f\u00fchrt die SAS \u00dcberwachungen durch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\ndargestellt.KBS spielen heute f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft in vielf\u00e4ltiger Weise eine zentrale Rolle. So wird beispielsweise ein Lebensmittelhersteller regelm\u00e4ssig durch akkreditierte Inspektionsstellen des Kantons im Hinblick auf die Einhaltung des Lebensmittelrechts inspiziert. In der Regel betreibt derselbe Hersteller heute auch ein Qualit\u00e4tsmanagementsystem, welches ebenfalls durch eine KBS zertifiziert wird. Ist er im Export t\u00e4tig, stehen zus\u00e4tzlich Managementsysteme (z.B. in Bezug auf die Betriebs-, Personal- und Produktionshygiene) und weltweit g\u00fcltige Standards im Bereich Lebensmittelsicherheit zur Zertifizierung an. Nat\u00fcrlich sind auch die Laboratorien des Herstellers akkreditiert, ebenso wie diejenigen der Kontrollbeh\u00f6rden. Falls das Unternehmen dar\u00fcber hinaus Produkte aus biologischem Landbau verarbeitet, wird auch diese Verarbeitung zertifiziert. \u00dcberall spielt die Akkreditierung im Hintergrund eine bedeutende Rolle.&#13;<\/p>\n<h2>Die Akkreditierung aus \u00f6konomischer Perspektive<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00d6konomisch kann man die Akkreditierung und das System der Konformit\u00e4tsbewertung aus der Warte der Transaktionskostentheorie (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Transaktionskostentheorie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dem auf Ronald H. Coase zur\u00fcckgehenden und sp\u00e4ter von Oliver E. Williamson weiterentwickelten Ansatz der Transaktionskostentheorie ist jegliches Handeln in einer Marktwirtschaft (z.B. \u00dcbertragungen von Verf\u00fcgungsrechten an G\u00fctern und Dienstleistungen) mit Transaktionskosten verbunden.Zu den Transaktionskosten geh\u00f6rt eine F\u00fclle verschiedener Kostenarten (z.B. Informationsbeschaffungskosten \u00fcber potenzielle Transaktionspartner, Anbahnungskosten, Vereinbarungskosten, Abwicklungskosten, Transportkosten, Kontrollkosten, Anpassungskosten). Einen Einfluss auf diese Kosten hat dabei auch der Faktor Unsicherheit \u2013 sei es aufgrund der begrenzten Rationalit\u00e4t der Akteure (begrenzte Wahrnehmung und Information) oder aufgrund von Verhaltensunsicherheiten (Akteure maximieren in opportunistischer Weise ihren Eigennutzen, u.U. indem sie Vereinbarungen nicht einhalten).Die H\u00f6he von Transaktionskosten kann dabei das Zustandekommen von Transaktionen verhindern, etwa wenn die anf\u00e4nglichen Informationskosten f\u00fcr einen potenziellen K\u00e4ufer so hoch ausfallen, dass die Transaktion prohibitiv verteuert wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) erkl\u00e4ren:Der Produktionsapparat entwickelter Volkswirtschaften zeichnet sich regelm\u00e4ssig durch eine hohe Fragmentierung der Wertsch\u00f6pfungskette aus. Hauptgr\u00fcnde sind Spezialisierungsvorteile und Skaleneffekte, welche die Konzentration der einzelnen Marktakteure auf ihr jeweiliges Kerngesch\u00e4ft, in dem sie Wettbewerbsvorteile haben, bedingen. Die Fragmentierung der Wertsch\u00f6pfungskette f\u00fchrt ihrerseits bei den einzelnen Firmen zu einem komplexen Netzwerk zahlreicher Transaktionspartner und Schnittstellen, womit Risiken und Kosten verbunden sind: Wie kann beispielsweise sichergestellt werden, dass Vorleistungen den geltenden Normen entsprechen oder dass die Zuverl\u00e4ssigkeit des Transaktionspartners \u00fcber Managementsysteme gesichert ist? Solche Fragen akzentuieren sich noch, wenn die Transaktionspartner nicht nur aus dem regionalen Umfeld stammen, sondern wenn die Opportunit\u00e4ten globaler M\u00e4rkte genutzt werden, indem mit Transaktionspartnern in aller Welt zusammengearbeitet wird. Die stetig wachsenden Anforderungen, welche aus der technologischen Komplexit\u00e4t und der gesellschaftlichen Risikoaversion resultieren, sind weitere Herausforderungen.Hier tr\u00e4gt ein dichtes Netz an KBS im Zusammenspiel mit einem glaubw\u00fcrdigen Akkreditierungssystem zu einer Minimierung von Transaktionsrisiken bei. Die KBS best\u00e4tigen mit der Zertifizierung von Produkten, Dienstleistungen oder Managementsystemen der Transaktionspartner, dass diese in \u00dcbereinstimmung mit Normen und Standards stehen. Die nationalen Akkreditierungsstellen \u00fcberpr\u00fcfen ihrerseits die Kompetenz der KBS und stellen somit sicher, dass deren Zertifikate auf dem Markt und von den Beh\u00f6rden \u2013 auch international \u2013 effektiv anerkannt werden. Im Ergebnis wird so Vertrauen zwischen an sich unbekannten Transaktionspartnern geschaffen, und Risiken werden minimiert. Die entsprechende Senkung der Transaktionskosten erh\u00f6ht die M\u00f6glichkeiten zum beiderseitig vorteilhaften Tausch. Das Wirkungsmodell der Akkreditierung ist in <i>Grafik 1<\/i> dargestellt.&#13;<\/p>\n<h2>Die internationale Dimension der Akkreditierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls vertrauensbildende Massnahme ist die Akkreditierung auch ein wichtiger Faktor f\u00fcr den Abbau technischer Handelshemmnisse und tr\u00e4gt damit zur internationalen Markt\u00f6ffnung bei. Dies gilt besonders \u2013 aber nicht ausschliesslich \u2013 im europ\u00e4ischen Kontext. Im Rahmen ihres globalen und neuen Ansatzes ist die EU dazu \u00fcbergegangen, anstelle nationaler Vorschriften einheitliche Richtlinien zu den grundlegenden Anforderungen an ein Produkt \u2013 beispielsweise an dessen Sicherheit \u2013 zu erlassen. Produkte, die unter solche Richtlinien fallen, werden \u2013 sofern sie konform sind \u2013 mit dem CE-Zeichen versehen. Sie k\u00f6nnen im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum (EWR) frei in Verkehr gebracht werden. Damit dieses Konzept umfassend realisiert werden kann, braucht es in allen beteiligten Staaten kompetente Kalibrier-, Pr\u00fcf-, Inspektions- und Zertifizierungsstellen. Auch die Schweiz profitiert im Rahmen des bilateralen Abkommens \u00fcber die gegenseitige Anerkennung von Konformit\u00e4tsbewertungen von diesem System durch einen erleichterten Zugang zum wichtigen EU-Markt. Dementsprechend tr\u00e4gt die in der Schweiz bestehende, umfassende Infrastruktur kompetenter KBS zur Attraktivit\u00e4t des Wirtschaftsstandorts Schweiz bei. Die internationale Dimension der Akkreditierung erfordert ihrerseits, dass sich die nationalen Akkreditierungssysteme untereinander vernetzen und koordinieren. Durch Abkommen zwischen den Akkreditierungsstellen wird weltweit die Zuverl\u00e4ssigkeit und Gleichwertigkeit von Akkreditierungen gesichert. Diese Abkommen bilden die Grundlage f\u00fcr die internationale Anerkennung von Berichten und Zertifikaten. Auf globaler Ebene erfolgt die Zusammenarbeit im Rahmen der <i>International Laboratory Accreditation Cooperation (Ilac)<\/i> und des <i>International Accreditation Forum (IAF).<\/i> Auf europ\u00e4ischer Ebene ist wiederum die <i>European co-operation for Accreditation (EA)<\/i> aktiv. Die <i>Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS)<\/i> ist in diesen Gremien Mitglied und bringt dort ihre Interessen aktiv ein. Die Zusammenarbeit innerhalb der EA gewinnt zunehmend an Gewicht, nachdem die EU im Jahr 2008 die Akkreditierung gesetzlich geregelt hat&#13;<br \/>\nVerordnung (EG) Nr. 765\/2008 des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates vom 9. Juli 2008 \u00fcber die Vorschriften f\u00fcr die Akkreditierung und Markt\u00fcberwachung im Zusammenhang mit der Vermarktung von Produkten und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 339\/93 des Rates. und seither auch die Mitgliedschaft der nationalen Akkreditierungsstellen in den multilateralen Abkommen der EA fordert. Angesichts der Bedeutung der Akkreditierung f\u00fcr den Zugang auf den Exportmarkt Europa sind die entsprechenden Bestimmungen auch f\u00fcr die Schweiz relevant. Durch ein Rahmenabkommen zwischen EU und Efta einerseits und der EA andererseits wurde im Juni 2010 die Zusammenarbeit zus\u00e4tzlich formalisiert.&#13;<br \/>\nFramework Partnership Agreement; siehe www.european-accreditation.org. Es versteht sich von selbst, dass eine aktive Einbindung der Schweiz in diese Mechanismen von hoher wirtschaftlicher Bedeutung ist.&#13;<\/p>\n<h2>Das schweizerische Akkreditierungssystem<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Zentrum des schweizerischen Akkreditierungssystems steht die Schweizerische Akkreditierungsstelle (SAS). Aufgrund eines Konzeptes, welches das Institut f\u00fcr Technologiemanagement (Item) an der Hochschule St. Gallen (HSG) im Auftrag des damaligen Bundesamtes f\u00fcr Aussenwirtschaft (Bawi, heute Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft Seco) erstellt hatte, wurde die SAS im Jahr 1991 gegr\u00fcndet und ins Eidgen\u00f6ssische Amt f\u00fcr Messwesen (EAM, heute Bundesamt f\u00fcr Metrologie Metas) in Bern-Wabern eingegliedert. Aufgrund neuer internationaler Normanforderungen f\u00fcr Akkreditierungsstellen wurde die SAS per 1. April 2006 vom Metas ins Seco \u00fcberf\u00fchrt.&#13;<br \/>\nRechtsgrundlagen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit der SAS sind das Bundesgesetz vom 6. Oktober 1995 \u00fcber die technischen Handelshemmnisse (THG; SR 946.51) und die Verordnung vom 17. Juni 1996 \u00fcber das schweizerische Akkreditierungssystem und die Bezeichnung von Pr\u00fcf-, Konformit\u00e4tsbewertungs-, Anmelde- und Zulassungsstellen (Akkreditierungs- und Bezeichnungsverordnung, AkkBV; SR 946.512). Seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 1991 hat sich die Akkreditierung in der Schweiz stark entwickelt. Gemessen an der Bev\u00f6lkerungszahl verf\u00fcgen wir \u00fcber eines der dichtesten Netze an akkreditierten KBS (770 Stellen per Ende 2010, siehe <i>Grafik 2<\/i>).Im Einklang mit den europ\u00e4ischen Vorgaben und verbreiteter internationaler Praxis liegt auch in der Schweiz das Monopol f\u00fcr die Akkreditierung beim Staat. Als sogenannte Flag-Einheit&#13;<br \/>\nFlag = F\u00fchren mit Leistungsauftrag und Globalbudget. wird die SAS mit einem mehrj\u00e4hrigen Leistungsauftrag und j\u00e4hrlichen Leistungsvereinbarungen gef\u00fchrt. Dieses Konzept beruht auf der \u00abwirkungsorientierten Verwaltungsf\u00fchrung\u00bb bzw. dem im angels\u00e4chsischen Raum als \u00abNew Public Management\u00bb bekannten Ansatz und erlaubt der SAS eine betriebswirtschaftlich optimierte Leistungserbringung. Die SAS wird beratend von der <i>Eidgen\u00f6ssischen Akkreditierungskommission (Akko)<\/i> unterst\u00fctzt.&#13;<br \/>\nRechtsgrundlage f\u00fcr die T\u00e4tigkeit der Akko ist die Verordnung des <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/\">EVD<\/a> vom 27. Februar 1992 \u00fcber die eidgen\u00f6ssische Akkreditierungskommission (SR 941.291.4). Die Akko \u00fcberpr\u00fcft die durch die SAS vorgenommenen Begutachtungen und erarbeitet Entscheidungsantr\u00e4ge zuhanden der SAS. Ausserdem steht sie den akkreditierten Stellen im Rahmen eines informellen Vorverfahrens f\u00fcr Einspr\u00fcche gegen Entscheide des Leiters SAS zur Verf\u00fcgung. Die insgesamt elf Mitglieder der Akko vertreten ein breites Spektrum von an Akkreditierung interessierten Wirtschafts- und Gesellschaftskreisen. Ebenfalls eine wichtige Rolle im System der Akkreditierung spielen die Sektorkomitees. Ihre Aufgabe besteht darin, die Anforderungen der relevanten Normen in den jeweiligen Bereichen zu interpretieren. Sie unterst\u00fctzen damit die SAS bei der Umsetzung der Normen sowie bei der Harmonisierung der Normforderungen auf nationaler und internationaler Ebene. Den Sektorkomitees stehen leitende Begutachter der SAS vor. Sie umfassen \u2013 neben SAS-externen Fachexperten \u2013 Vertreter interessierter Kreise aus der entsprechenden Branche, wie z.B. KBS und deren Kunden oder Beh\u00f6rden. Aktuell gibt es zw\u00f6lf Sektorkomitees in den Bereichen Baustoffe, Chemie, Elektrotechnik, Informatiksicherheit, Kalibrierung, Laboratoriumsmedizin, Landwirtschaft, Lebensmittel, zerst\u00f6rende und zerst\u00f6rungsfreie Materialpr\u00fcfung, Rechtsmedizin und Kriminaltechnik, Transport und Personenbef\u00f6rderung sowie Zertifizierung.&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen f\u00fcr die Akkreditierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz ihrer bisherigen Erfolge sieht sich die Akkreditierung in den n\u00e4chsten Jahren vor neue Herausforderungen gestellt. Eine Herausforderung besteht im <i>Spannungsfeld zwischen zunehmenden Anforderungen an die Akkreditierung einerseits und den beschr\u00e4nkten Ressourcen andererseits.<\/i> So ist die anhaltende Nachfrage nach Akkreditierungsdienstleistungen in vielf\u00e4ltigen, neuen Gebieten grunds\u00e4tzlich erfreulich. Beispiele sind \u2013 um nur einige zu nennen \u2013 die Sicherheit bei Trendsportarten (Safety in Adventures), die Qualit\u00e4tssicherung von Feldversuchen im Bereich des Pflanzenschutzes, der Unterhalt von Eisenbahng\u00fcterwagen, die Kompetenz forensisch-genetischer Laboratorien oder das Datenschutzmanagement. W\u00e4hrend dieser Ausbau grunds\u00e4tzlich die Akkreditierung st\u00e4rkt und zu mehr Vertrauen, Sicherheit und Qualit\u00e4t in verschiedenen Lebens- und Wirtschaftsbereichen beitr\u00e4gt, erfordert die Erarbeitung der entsprechenden Grundlagen betr\u00e4chtliche Ressourcen. Angesichts des Spardrucks bei den \u00f6ffentlichen Haushalten m\u00fcssen die an Akkreditierungsleistungen interessierten Kreise den Grossteil dieser Entwicklungskosten selbst tragen. F\u00fcr die Kunden der Akkreditierungsstelle (die KBS) ebenso wie f\u00fcr deren Endkunden (Industrie- und Dienstleistungsunternehmen), die selbst unter Wettbewerbs- und Kostendruck stehen, ergeben sich hieraus gewisse Belastungen. Positiv anzumerken ist indessen, dass durch die Knappheit der Mittel auch sichergestellt wird, dass es nicht zu einem ungerichteten Mengenwachstum kommt, sondern dass Druck auf eine effiziente Allokation der Ressourcen besteht. Die SAS ist ihrerseits bem\u00fcht, durch m\u00f6glichst effiziente Arbeitsabl\u00e4ufe und laufende Optimierung die Kosten tief zu halten. Eine weitere Herausforderung betrifft die <i>internationale Anerkennung.<\/i> Im europ\u00e4ischen Rahmen ist die Akkreditierung mittlerweile ein gut abgest\u00fctztes Instrument \u2013 nicht zuletzt dank der zentralen Rolle, die ihr im EU-Recht f\u00fcr die Binnenmarktintegration zugewiesen wird. Entsprechend werden Zertifikate akkreditierter KBS im europ\u00e4ischen Rahmen in der Regel problemlos anerkannt, was f\u00fcr das Funktionieren des Binnenmarktes von Bedeutung ist. Wenngleich sich Akkreditierungssysteme auch ausserhalb der Industriel\u00e4nder erfolgreich etabliert haben, ist deren Status in den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern oft noch weniger gefestigt. Als Folge kommt es im Handel mit diesen Staaten gelegentlich zu Problemen aus der Nichtanerkennung von Zertifikaten akkreditierter KBS durch ausl\u00e4ndische Beh\u00f6rden. Hier ist deshalb weiterhin Aufbauarbeit notwendig. Diese vollzieht sich einerseits \u00fcber die multilateralen Organisationen im Akkreditierungsbereich, andererseits aber auch durch die bilaterale Zusammenarbeit zwischen westlichen Akkreditierungsstellen und Akkreditierungsstellen in den aussereurop\u00e4ischen Schwellenl\u00e4ndern. Auch die SAS beteiligt sich, nicht zuletzt im Interesse der einheimischen Wirtschaft, an diesen Bem\u00fchungen. Im internationalen Bereich stellt auch die <i>Kooperation innerhalb der EA<\/i> eine Herausforderung dar. Dieser Organisation wurden im Rahmen der bereits erw\u00e4hnten EG-Verordnung, welche im gesamten Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum (EWR) gilt, neue Aufgaben zugeteilt. Die EA wird auf alle ihre Mitglieder z\u00e4hlen m\u00fcssen, um diese Aufgaben wahrzunehmen. Diese Mitarbeit bietet der Schweiz die M\u00f6glichkeit einer aktiven Mitsprache auf europ\u00e4ischer Ebene im Bereich der Konformit\u00e4tsbewertung.Schliesslich ist auch das <i>Rollenbild der Akkreditierung<\/i> einem Wandel unterworfen. So dominiert bei den KBS zwar oft noch eine einseitige Ausrichtung auf die Einhaltung der normativen Anforderungen \u2013 im Fachjargon <i>Compliance<\/i> genannt. Wenngleich diese Compliance selbstverst\u00e4ndlich die zentrale Grundvoraussetzung f\u00fcr die Akkreditierung einer Stelle ist, so versperrt umgekehrt ein reines \u00abCompliance-Denken\u00bb den Blick auf Lerneffekte und Verbesserungsm\u00f6glichkeiten aus einer Begutachtung. Die SAS plant daher ein Pilotprojekt, in dessen Rahmen sich die gepr\u00fcften Stellen noch besser mit ihrem Lernprozess auseinandersetzen und dadurch ihre Wettbewerbsf\u00e4higkeit weiter steigern k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausblick<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie die vorangehenden Ausf\u00fchrungen zeigen, verf\u00fcgt die Schweiz heute \u00fcber eine sehr dichte Infrastruktur an akkreditierten KBS. Dies ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Schweiz mit seinem hoch entwickelten, stark internationalisierten und auf Qualit\u00e4t ausgerichteten Produktionsapparat. Auch k\u00fcnftig wird die SAS alles daran setzen, um diesen Wettbewerbsvorteil zu halten und in effizienter Art und Weise weiter zu st\u00e4rken.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abWirkungsmodell der Akkreditierung\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abEntwicklung des Akkreditierungssystems in der Schweiz, 1991\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Ablauf einer Akkreditierung&#13;<\/p>\n<h3>Ablauf einer Akkreditierung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Ablauf einer Akkreditierung beginnt mit der Anmeldung einer Konformit\u00e4tsbewertungsstelle bei der Schweizerischen Akkreditierungsstelle (SAS). Im Informationsgespr\u00e4ch werden Fragen zum Ablauf und zum gew\u00fcnschten Geltungsbereich der Akkreditierung gekl\u00e4rt.Nachdem die zu akkreditierende Stelle die Massnahmen zur Umsetzung der entsprechenden Normen durchgef\u00fchrt hat, folgt ein Vorgespr\u00e4ch. Das Begutachterteam \u2013 bestehend aus dem leitenden Begutachter der SAS und einem oder mehreren externen Fachexperten \u2013 erh\u00e4lt dabei Einblick in die zur Begutachtung vorgesehenen Bereiche und gibt Hinweise zu den bereits eingereichten, f\u00fcr die Akkreditierung relevanten Dokumenten.Im Anschluss daran folgt die Begutachtung. Mit Unterst\u00fctzung von Checklisten beurteilt das Begutachterteam die Fachkompetenz und Infrastruktur der Stelle sowie die Wirksamkeit ihres Managementsystems. Das Team verfasst einen Bericht, welcher die Ergebnisse der Begutachtung festh\u00e4lt. Sind alle Anforderungen erf\u00fcllt, stellt das Begutachterteam den Antrag zur Erteilung der Akkreditierung. Aufgrund dieses Berichtes nimmt die Eidgen\u00f6ssische Akkreditierungskommission (Akko) zum Antrag Stellung.Der Leiter der SAS erteilt die Akkreditierung. Eine Akkreditierung gilt jeweils f\u00fcr f\u00fcnf Jahre. Dann ist eine erneute Begutachtung erforderlich, um die Akkreditierung f\u00fcr weitere f\u00fcnf Jahre zu erneuern. Dazwischen f\u00fchrt die SAS \u00dcberwachungen durch.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Transaktionskostentheorie&#13;<\/p>\n<h3>Transaktionskostentheorie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nGem\u00e4ss dem auf Ronald H. Coase zur\u00fcckgehenden und sp\u00e4ter von Oliver E. Williamson weiterentwickelten Ansatz der Transaktionskostentheorie ist jegliches Handeln in einer Marktwirtschaft (z.B. \u00dcbertragungen von Verf\u00fcgungsrechten an G\u00fctern und Dienstleistungen) mit Transaktionskosten verbunden.Zu den Transaktionskosten geh\u00f6rt eine F\u00fclle verschiedener Kostenarten (z.B. Informationsbeschaffungskosten \u00fcber potenzielle Transaktionspartner, Anbahnungskosten, Vereinbarungskosten, Abwicklungskosten, Transportkosten, Kontrollkosten, Anpassungskosten). Einen Einfluss auf diese Kosten hat dabei auch der Faktor Unsicherheit \u2013 sei es aufgrund der begrenzten Rationalit\u00e4t der Akteure (begrenzte Wahrnehmung und Information) oder aufgrund von Verhaltensunsicherheiten (Akteure maximieren in opportunistischer Weise ihren Eigennutzen, u.U. indem sie Vereinbarungen nicht einhalten).Die H\u00f6he von Transaktionskosten kann dabei das Zustandekommen von Transaktionen verhindern, etwa wenn die anf\u00e4nglichen Informationskosten f\u00fcr einen potenziellen K\u00e4ufer so hoch ausfallen, dass die Transaktion prohibitiv verteuert wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Weitere Informationen&#13;<\/p>\n<h3>Weitere Informationen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSchweizerische Akkreditierungsstelle (SAS): <i><a href=\"http:\/\/www.sas.ch\">http:\/\/www.sas.ch<\/a>.<\/i> Informationen zur Akkreditierung k\u00f6nnen auch den Publikationen entnommen werden, welche \u00fcber die Website zug\u00e4nglich sind, u.a. der zweimal j\u00e4hrlich erscheinenden elektronischen Zeitschift <i>SAS E-Forum<\/i> sowie dem jeweils aktuellen Jahresbericht der SAS.Informationen \u00fcber die internationalen Arbeiten im Bereich der Akkreditierung sind \u00fcber die Webseiten der entsprechenden Organisationen erh\u00e4ltlich:\u2212 European co-operation for Accreditation (EA): <i>www.european-accreditation.org.\u2212 International Laboratory Accreditation Cooperation (Ilac): <a href=\"http:\/\/www.ilac.org\">http:\/\/www.ilac.org<\/a>.\u2212 International Accreditation Forum (IAF): <a href=\"http:\/\/www.iaf.nu\">http:\/\/www.iaf.nu<\/a>.<\/i><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Akkreditierung ist ein weltweit etabliertes System zur Schaffung und Aufrechterhaltung einer kompetenten und international anerkannten Infrastruktur an Konformit\u00e4tsbewertungsstellen. 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