{"id":120940,"date":"2010-12-01T12:00:00","date_gmt":"2010-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/12\/ammann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:32","slug":"ammann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/12\/ammann\/","title":{"rendered":"CoCos statt Bailout: Details sind entscheidend"},"content":{"rendered":"<p>Es ist unbestritten, dass das Too-big-to-fail-Problem und die damit einhergehenden impliziten Garantien ein gravierendes Problem darstellen, welches zu drastischen \u00f6konomischen Verzerrungen f\u00fchren kann. Die L\u00f6sung des Problems ist aber weder einfach noch in ihrer Wirkung auf die betroffenen Institute und das Finanzsystem harmlos. Es gilt deshalb eine sorgf\u00e4ltige G\u00fcterabw\u00e4gung vor-zunehmen zwischen der Schwere des Eingriffes, der Wirksamkeit der Operation und ihrer m\u00f6glichen Nebenwirkungen auf das Finanzsystem. Kann eine zufriedenstellende Wirkung mit einer milderen Arznei erreicht werden, ist ein starkes Medikament nicht zu rechtfertigen. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass die Expertenkommission von Gr\u00f6ssenbeschr\u00e4nkungen, Einf\u00fchrung des Trennbankensystems, Verboten bestimmter Gesch\u00e4ftsarten oder anderen direkten Eingriffen in das Gesch\u00e4ftsmodell der betroffenen Institute Abstand genommen hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben bereits bekannten Massnahmen im Bereich der Liquidit\u00e4t und der Risikoverteilung hat sich die Expertenkommission f\u00fcr zwei komplement\u00e4re, weniger einschneidende L\u00f6sungsans\u00e4tze ausgesprochen. Der erste L\u00f6sungsansatz besteht darin, systemrelevante Banken \u00abkonkursf\u00e4hig\u00bb zu machen. Dies soll mit besonderen organisatorischen Massnahmen erreicht werden. Zudem sollen die Banken einen Notfallplan vorlegen, dessen Umsetzung im Konkursfall den Weiterbestand der systemrelevanten Teile der Bank erm\u00f6glicht. Die Wiederherstellung der Konkursf\u00e4higkeit ist zwar die theoretisch gr\u00fcndlichste L\u00f6sung des Too-big-to-fail-Problems. International t\u00e4tige systemrelevante Banken auf eine geordnete Abwicklung auszurichten, ist in der Praxis allerdings ein komplexes Unterfangen mit unsicherer Erfolgsaussicht. Die daf\u00fcr notwendigen strukturellen und organisatorischen Massnahmen sind f\u00fcr die betroffenen Banken teuer, und die Vorbereitung der Abwicklungsprozesse bed\u00fcrfen auf Seiten der Beh\u00f6rden einer aufw\u00e4ndigen internationalen Zusammenarbeit. Auch wenn angenommen wird, dass die damit verbundenen Schwierigkeiten gel\u00f6st werden k\u00f6nnen, ist es h\u00f6chst unsicher, ob die Politik im konkreten Fall einfach zusehen w\u00fcrde, wie eine grosse Bank oder ein Teil davon in Konkurs geht. Die Versuchung einzugreifen, um einen allgemeinen Vertrauensverlust zu verhindern, w\u00e4re betr\u00e4chtlich.&#13;<\/p>\n<h2>CoCos als Ersatz f\u00fcr die Konkursf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGr\u00f6ssere Bedeutung kommt deshalb dem zweiten L\u00f6sungsansatz zu, welche das Ziel verfolgt, das \u00dcberleben der systemrelevanten Bank auch in Krisenzeiten ohne staatliche Hilfe zu sichern. Entscheidend dabei ist das Eigenkapital der Bank, mit welchem Verluste absorbiert werden k\u00f6nnen. Da die Eigenmittelanforderungen nicht beliebig hoch angesetzt werden k\u00f6nnen, ist ein Instrument besonders vielversprechend: Contingent Convertible Bonds (CoCos). Durch die Wandlung der Schulden in Eigenkapital wird die Bilanz saniert. Die Bank ist somit auch nach existenzbedrohenden Verlusten solvent und kreditw\u00fcrdig. Durch die Ausgabe grosser Mengen neuer Aktien zur Wandlung der Obligationen verlieren die Aktion\u00e4re ihr Eigentum an der Bank an die Obligation\u00e4re. Wie bei einer konkursf\u00e4higen Institution sind die Risiken wieder am richtigen Ort: bei den Aktion\u00e4ren und Obligation\u00e4ren. Das verzerrende Anreizproblem ist somit entsch\u00e4rft.&#13;<\/p>\n<h2>Praxistauglichkeit h\u00e4ngt von der Ausgestaltung ab<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie gut dieses neue Instrument in der Praxis funktioniert, h\u00e4ngt weitgehend von seiner Ausgestaltung ab. Davon abh\u00e4ngig ist auch die H\u00f6he des Zinsaufschlags, den die Banken auf diesen Wandelanleihen bezahlen m\u00fcssen. Die Expertenkommission schl\u00e4gt vor, den Banken gewisse Freiheiten zu lassen, zu welchem Preis die neuen Aktien bei der Wandlung den Obligation\u00e4ren zugeteilt werden. Diese Regelung ist zu begr\u00fcssen, denn so k\u00f6nnen sich die Banken f\u00fcr eine marktg\u00e4ngige Variante entscheiden. Die Vorgaben bez\u00fcglich des Wandlungszeitpunkts erscheinen hingegen problematischer. Die Wandlung soll bei einigen Anleihen bereits eintreten, wenn die Aktienkapitalquote von 10% auf 7% f\u00e4llt. Eine so fr\u00fche Wandlung bedeutet ein relativ hohes Risiko f\u00fcr die Investoren, dass ihre Anleihen irgendwann in Aktien gewandelt werden. Entsprechend teuer werden sie sich dieses Risiko entgelten lassen. Besser ist es, dieses innovative Finanzierungsinstrument so auszugestalten, dass das Wandlungsrisiko f\u00fcr die Investoren gering bleibt, weil nur im \u00e4ussersten Notfall \u2013 nach Aussch\u00f6pfung aller anderen privatwirtschaftlichen Rekapitalisierungsm\u00f6glichkeiten \u2013 gewandelt wird. In diesem Fall ist die Chance bedeutend h\u00f6her, dass die CoCos bei den Anlegern auch ohne hohe Zinsaufschl\u00e4ge auf eine breite Akzeptanz stossen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist unbestritten, dass das Too-big-to-fail-Problem und die damit einhergehenden impliziten Garantien ein gravierendes Problem darstellen, welches zu drastischen \u00f6konomischen Verzerrungen f\u00fchren kann. Die L\u00f6sung des Problems ist aber weder einfach noch in ihrer Wirkung auf die betroffenen Institute und das Finanzsystem harmlos. Es gilt deshalb eine sorgf\u00e4ltige G\u00fcterabw\u00e4gung vor-zunehmen zwischen der Schwere des Eingriffes, [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3232,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[67],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[96],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3232,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Professor f\u00fcr Finanzen, Dekan der School of Finance, Direktor des Schweizerischen Instituts f\u00fcr Banken und Finanzen an der Universit\u00e4t St. Gallen","seco_author_post_occupation_fr":"Professeur, doyen de l'\u00c9cole de finance, directeur de l'Institut suisse d'\u00e9conomie bancaire et de finance de l'universit\u00e9 de Saint-Gall","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":120943,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8531","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/559ce0d35691f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120940"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3232"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120940"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120940\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127649,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120940\/revisions\/127649"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3232"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120940"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=120940"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=120940"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=120940"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=120940"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=120940"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}