{"id":120955,"date":"2010-12-01T12:00:00","date_gmt":"2010-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/12\/bonjour-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:31","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:31","slug":"bonjour","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/12\/bonjour\/","title":{"rendered":"Zus\u00e4tzliche Sicherheitspolster: Die Kernmassnahmen Eigenmittel und Liquidit\u00e4t n\u00e4her erkl\u00e4rt"},"content":{"rendered":"<p>Die Finanzkrise 2008\/2009 hat deutlich vor Augen gef\u00fchrt, dass es Banken gibt, welche der Staat in einer Krisensituation retten muss. Sie sind zu wichtig, zu vernetzt und zu gross, um fallengelassen zu werden \u2013 sie sind Too big to fail (TBTF). Die TBTFExpertenkommission hat Massnahmen vorgeschlagen, um diesen Zwang zur Rettung zu reduzieren. Dazu geh\u00f6ren die Kernmassnahmen in den Bereichen Eigenmittel und Liquidit\u00e4t. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201012_06_Bonjour_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"252\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Hauptziel des von der Expertenkommission vorgeschlagenen Policy Mix ist es, die Widerstandsf\u00e4higkeit systemrelevanter Banken gegen\u00fcber Krisen zu erh\u00f6hen und damit ihre Konkurswahrscheinlichkeit zu reduzieren. Denn je gr\u00f6sser und systemrelevanter eine Bank ist, desto verheerender w\u00e4ren die Auswirkungen eines Konkurses auf die Gesamtwirtschaft. Die Erh\u00f6hung der Widerstandsf\u00e4higkeit wird dadurch erreicht, dass die Sicherheitspolster \u2013 in Form von mehr Eigenmitteln und mehr Liquidit\u00e4t \u2013 f\u00fcr systemrelevante Banken ausgebaut werden. Die besonderen Eigenmittelanforderungen sollen zus\u00e4tzlich einen Beitrag zum Krisenmanagement leisten und im Krisenfall die Weiterf\u00fchrung systemrelevanter Funktionen unterst\u00fctzen. Zudem sollen sie systemrelevanten Banken einen Anreiz setzen, den Grad ihrer Systemrelevanz zu begrenzen.Im Folgenden werden die Kernmassnahmen Eigenmittel und Liquidit\u00e4t sowie das Zusammenwirken der Massnahmen Eigenmittel und Organisation genauer erl\u00e4utert.&#13;<\/p>\n<h2>Konzept der besonderen Eigenmittelanforderungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Eigenmittelanforderungen f\u00fcr systemrelevante Banken umfassen drei Komponenten: \u2212 Die <i>Basisanforderung<\/i> ist ein minimaler Kapitalstock, der zur Aufrechterhaltung der normalen Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit notwendig ist. Er darf zu keiner Zeit unterschritten werden.\u2212 Der <i>Puffer<\/i> ist ein Polster zum Auffangen von gr\u00f6sseren Verlusten. Kleinere Verluste werden mit den \u00fcbersch\u00fcssigen Eigenmitteln \u2013 jene Eigenmittel, die \u00fcber die regulatorischen Anforderungen hinausgehen und von einer Bank freiwillig gehalten werden \u2013 gedeckt. Die Eigenmittelanforderung, die sich aus dem Puffer ergibt, ist eine Zielgr\u00f6sse, welche eine Bank in guten Zeiten einhalten muss. Wenn die Bank gr\u00f6ssere Verluste erleidet, darf sie die Zielgr\u00f6sse des Puffers vor\u00fcbergehend unterschreiten. In guten Zeiten \u2013 d.h. wenn die Bank wieder Gewinne erwirtschaftet \u2013 hat die Bank den Puffer rasch wieder aufzuf\u00fcllen. \u2212 Die <i>progressive Komponente<\/i> ist f\u00fcr Ausnahmesituationen gedacht, wenn realisierte Verluste noch gr\u00f6sser werden und der Puffer aufgebraucht ist. Sie unterst\u00fctzt die Weiterf\u00fchrung systemrelevanter Funktionen im Krisenfall. Sie steigt mit zunehmender Systemrelevanz einer Bank an und setzt systemrelevanten Banken Anreize, den Grad ihrer Systemrelevanz zu beschr\u00e4nken.F\u00fcr jede der drei Komponenten wird eine Anforderung f\u00fcr die <i>risikogewichteten Eigenmittel<\/i> formuliert. Dabei werden die Eigenmittel den risikogewichteten Aktiven (Risk Weighted Assets, RWA) gegen\u00fcbergestellt. Die RWA sind ein Mass f\u00fcr die Gr\u00f6sse einer Bank unter Ber\u00fccksichtigung der eingegangenen Risiken. Zur Berechnung werden den Bilanzpositionen risikoabh\u00e4ngige Gewichte zugeordnet \u2013 je h\u00f6her das Risiko, desto gr\u00f6sser das Gewicht. So haben zum Beispiel Bundesobligationen oder Hypotheken geringere Gewichte als ungedeckte Kredite. Die risikogewichteten Anforderungen h\u00e4ngen also von den eingegangenen Risiken ab: Eine Bank mit geringeren Risiken auf ihrer Bilanz muss weniger Eigenmittel halten.Die Risikomessung ist aber nicht perfekt; zudem gibt es unvorhersehbare Risiken. Dies birgt gewisse Gefahren. Wenn beispielsweise das Risiko einzelner Aktiven f\u00e4lschlicherweise als sehr tief eingesch\u00e4tzt wird und daher ein geringes Risikogewicht hat, kann eine Bank damit grosse Risikopositionen aufbauen und ihre Bilanz ausweiten, ohne dass aufgrund der risikogewichteten Vorschriften merklich mehr Eigenmittel erforderlich werden. Deshalb wird zus\u00e4tzlich f\u00fcr jede Komponente eine Anforderung an die Leverage Ratio eingef\u00fchrt. Die <i>Leverage Ratio<\/i> schreibt ein minimales Verh\u00e4ltnis der Eigenmittel zur ungewichteten Bilanzsumme vor. Damit setzt sie eine Obergrenze f\u00fcr den Verschuldungsgrad einer Bank und dient \u2013 als Erg\u00e4nzung zu den risikogewichteten Eigenmittelvorschriften \u2013 in erster Linie als Sicherheitsnetz: Sie sch\u00fctzt gegen die Auswirkungen m\u00f6glicher M\u00e4ngel der risikogewichteten Vorschriften. Eine Leverage Ratio stellt sicher, dass auch scheinbar sichere Positionen mit einem Minimum an Eigenmitteln unterlegt werden.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00f6he der besonderen Eigenmittelanforderungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kalibrierung der <i>Basisanforderung<\/i> orientiert sich am internationalen Standard und betr\u00e4gt 4,5% der RWA. Der <i>Puffer<\/i> soll die Verlusttragungsf\u00e4higkeit vergr\u00f6ssern. Bei der Festlegung des Puffers hat man sich an historischen Verlusten und an Risikomodellen orientiert. Der Puffer betr\u00e4gt 8,5% der RWA und soll dazu dienen, dass Verluste in einer Krise absorbiert werden k\u00f6nnen, ohne dass eine Bank unter die Basisanforderung f\u00e4llt. Die <i>progressive Komponente<\/i> soll mit zunehmender Systemrelevanz einer Bank ansteigen. Je systemrelevanter eine Bank ist, desto h\u00f6her f\u00e4llt die progressive Komponente aus. Als Indikatoren f\u00fcr die Systemrelevanz dienen dabei der Marktanteil im Inlandgesch\u00e4ft sowie die Gr\u00f6sse. Als Mass f\u00fcr die Gr\u00f6sse dient die ungewichtete Bilanzsumme einer Bank. Die progressive Komponente setzt sich zusammen aus Zuschl\u00e4gen f\u00fcr diese beiden Indikatoren (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Bei der gegenw\u00e4rtigen Situation der Grossbanken mit einer Bilanzsumme von je ca. 1500 Mrd. Franken und einem Marktanteil von je ca. 20% betr\u00e4gt die progressive Komponente 6%: 3% Zuschlag f\u00fcr die Gr\u00f6sse und 3% Zuschlag f\u00fcr den Marktanteil. Bei Bilanzsummen um 1000 Mrd. Franken und einem Marktanteil von 16% w\u00fcrde die progressive Komponente auf 3,6% zur\u00fcckgehen.&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4t des Eigenkapitals<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBez\u00fcglich der Qualit\u00e4t des Eigenkapitals hat sich die Expertenkommission daf\u00fcr entschieden, dass das Eigenkapital der Basisanforderung und des Puffers vorwiegend in <i>Common Equity<\/i> gehalten werden m\u00fcssen. Common Equity ist Eigenkapital von bester Qualit\u00e4t. Bei der Definition von Common Equity liegt der Fokus auf verlusttragendem Kapital.&#13;<br \/>\nDieser Fokus auf verlusttragendem Kapital ist eine Folge der Krise, da sich sog. hybride Kapitalformen, die auch Fremdkapitalcharakter aufweisen, als nicht verlusttragend erwiesen haben. Der andere Teil der Eigenmittel kann mit bedingten Pflichtwandelanleihen, sog. <i>Cotingent Convertible Bonds (CoCos),<\/i> abgedeckt werden. CoCos sind Obligationen, die beim Unterschreiten einer Schranke, eines sog. Triggers, automatisch in Eigenkapital gewandelt werden (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Was sind CoCos?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nCoCos sind Obligationen \u2013 also Schulden der Bank \u2013, die bei einem bestimmten Ereignis (Erreichen eines Ausl\u00f6sers oder Triggers) automatisch in Eigenkapital umgewandelt oder abgeschrieben werden. Die Expertenkommission schl\u00e4gt CoCos vor, die als Ausl\u00f6ser das Unterschreiten einer regulatorischen Kapitalquote vorsehen.Die Expertenkommission schl\u00e4gt vor, dass ein Teil der besonderen Kapitalanforderungen der Banken die Form von CoCos hat. Die Wirkungsweise der CoCos im vorgeschlagenen Konzept ist dreifach:\u2212 Die CoCos stellen einen Teil der Marktdisziplin wieder her, die durch den TBTF-Status einer Bank ausser Kraft gesetzt wird. Die Gl\u00e4ubiger einer TBTF-Bank sind versichert und verlangen deshalb nur eine reduzierte Risikopr\u00e4mie f\u00fcr ihre Obligationen in Form einer entsprechend hohen Verzinsung. Bei den CoCos ist dies anders. Durch die vertraglich vorgesehene Wandlung in Eigenkapital, wenn es der Bank schlecht geht, tragen die Gl\u00e4ubiger wieder ein Risiko und werden deshalb auf den CoCos eine entsprechend h\u00f6here Risikopr\u00e4mie, also eine h\u00f6here Verzinsung, verlangen als auf herk\u00f6mmlichen Obligationen. Dieser Kostenanstieg ist durchaus erw\u00fcnscht. Denn damit werden die bestehenden Kosten der Risiko\u00fcbernahme durch den Steuerzahler aufgrund der impliziten Staatsgarantie im Sinne des Verursacherprinzips von der Allgemeinheit auf die Banken verlagert.\u2212 CoCos haben f\u00fcr die Banken den Vorteil, dass sie aus steuerlicher Sicht wie Fremdkapital bevorzugt behandelt werden, da die Zinsleistung vom steuerbaren Gewinn abgezogen werden kann. Aus Sicht der Banken sind sie damit g\u00fcnstiger als Eigenkapital. Oder anders ausgedr\u00fcckt, bei gleichbleibenden Kosten kann ein dickeres Sicherheitspolster angelegt werden. Zudem sind die Kosten f\u00fcr CoCos durch die Bank selbst beeinflussbar. Denn je weniger Risiken die Bank eingeht, desto tiefer wird die Verzinsung auf CoCos sein.\u2212 Im Konzept der Expertenkommission leisten die CoCos zudem einen Beitrag zum Krisenmanagement, indem das mit der Wandlung der CoCos bereitgestellte Kapital zur Finanzierung der Notfallplanung beitr\u00e4gt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSind CoCos Eigenkapital?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Basler Ausschuss hat definiert, unter welchen Bedingungen CoCos dem Gesamtkapital zugerechnet werden k\u00f6nnen. Diese Bedingungen betreffen u.a. die minimale Laufzeit, die Nachrangigkeit und die Aussetzung von Couponzahlungen. Die CoCos im Konzept der Expertenkommission m\u00fcssen diese minimalen Bedingungen f\u00fcr eine Anrechnung zum Gesamtkapital erf\u00fcllen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Die Expertenkommission schl\u00e4gt vor, das Unterschreiten einer regulatorischen Kapitalquote als Trigger zu definieren. Die Basisanforderung und 5,5 Prozentpunkte des Puffers m\u00fcssen in Common Equity gehalten werden. Die restlichen 3 Prozentpunkte des Puffers k\u00f6nnen die Banken in Form von CoCos mit einem hohen Trigger (Wandlung bei Unterschreitung von 7% Common Equity) halten. Die progressive Komponente besteht g\u00e4nzlich aus CoCos mit einem tiefen Trigger (Wandlung bei Unterschreitung von 5% Common Equity).&#13;<\/p>\n<h2>Die neuen Eigenmittelanforderungen im nationalen und internationalen Kontext<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 2<\/i> fasst die Eigenmittelanforderungen bez\u00fcglich H\u00f6he und Qualit\u00e4t zusammen. Interessant ist ein Vergleich der Vorschl\u00e4ge der Experten mit den heute geltenden sowie mit den neuen internationalen Vorschriften. Vergleiche mit den heute geltenden Vorschriften in Prozentzahlen sind nur bedingt m\u00f6glich, weil die Kapitaldefinition und die Berechnung der RWA angepasst wurde. Die neuen Kapitaldefinitionen sind strenger. Die Anpassungen bei den RWA f\u00fchren zu fast einer Verdoppelung der RWA der beide Grossbanken. In Franken gemessen m\u00fcssen die Banken im Vergleich mit den im Herbst 2008 verf\u00fcgten Anforderungen mehr und qualitativ besseres Eigenkapital halten. Die Banken m\u00fcssen ca. f\u00fcnf Mal mehr Common Equity, also die beste Qualit\u00e4t von Eigenkapital, halten, und gleichzeitig werden die Anforderungen an Common Equity strenger. Zudem f\u00fchren die Vorschl\u00e4ge der Experten zu mehr als einer Verdoppelung der Anforderungen an das Gesamtkapital.Das neue Regelwerk des Basler Ausschuss f\u00fcr Bankenaufsicht, Basel III, schreibt Common Equity im Umfang von 7% vor, der Vorschlag der Expertenkommission von 10%. Unter Basel III m\u00fcssen die Banken Gesamtkapital im Umfang von 10,5% halten, w\u00e4hrend die Expertenkommission gesamthaft 19% vorsieht. Der Vorschlag der Experten ist also nicht nur strenger als die geltenden Vorschriften, sondern geht auch deutlich \u00fcber das neue internationale Minimum hinaus.&#13;<\/p>\n<h2>Zusammenspiel der Eigenmittelvorschriften mit organisatorischen Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kernmassnahme Eigenmittel ist an zwei Stellen eng mit den Massnahmen im Bereich Organisation verkn\u00fcpft. Einerseits tragen die CoCos der progressiven Komponente zur <i>Weiterf\u00fchrung systemrelevanter Funktionen<\/i> im Krisenfall bei. Systemrelevante Banken m\u00fcssen den Nachweis erbringen, dass eine solche Weiterf\u00fchrung m\u00f6glich ist. Konkret wird das \u00fcber eine Notfallplanung geschehen. Die Notfallplanung wird ausgel\u00f6st, wenn die CoCos in der progressiven Komponente gewandelt werden. Das durch die Wandlung bereitgestellte Kapital unterst\u00fctzt die Finanzierung der Notfallplanung. Andererseits kann einer Bank ein <i>Rabatt auf der progressiven Komponente<\/i> gew\u00e4hrt werden. Ein Rabatt wird dann gew\u00e4hrt, wenn sie die organisatorischen Mindestanforderungen betreffend Weiterf\u00fchrung systemrelevanter Funktionen \u00fcbertrifft und ihre Sanier- bzw. Aufteilbarkeit im organisatorischen Bereich verbessert. Eine Verbesserung der Sanier- bzw. Aufteilbarkeit f\u00fchrt dazu, dass f\u00fcr die Weiterf\u00fchrung der systemrelevanten Funktionen weniger Eigenkapital ben\u00f6tigt wird. Keinen Rabatt gibt es f\u00fcr den minimal erforderlichen Nachweis der Weiterf\u00fchrung systemrelevanter Funktionen in der Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Liquidit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den Eigenmitteln dient auch die Ausstattung mit gen\u00fcgend Liquidit\u00e4t als Sicherheitspolster. Die j\u00fcngste Finanzkrise f\u00fchrte deutlich vor Augen, wie rasch Gelder abfliessen und sich Refinanzierungsm\u00f6glichkeiten massiv einschr\u00e4nken k\u00f6nnen, wenn Gl\u00e4ubiger das Vertrauen in eine Bank verlieren. Um die Folgen eines Vertrauensverlusts m\u00f6glichst gering zu halten, sollen systemrelevante Banken auch besonderen Anforderungen an ihre Liquidit\u00e4tshaltung unterstehen.Die neuen Liquidit\u00e4tsanforderungen basieren auf folgendem Konzept: Die Beh\u00f6rden definieren ein allgemeines Stressszenario, unter welchem die Grossbanken eine Liquidit\u00e4tskrise simulieren und alle relevanten Zu- und Ausfl\u00fcsse sch\u00e4tzen m\u00fcssen. Das Szenario geht von einer Stresssituation auf den Finanzm\u00e4rkten sowie einem grossen Vertrauensverlust der Gl\u00e4ubiger in die Bank aus. Die Bank erleidet einen Sturm auf ihre Einlagen und kann sich nicht mehr auf dem Interbankenmarkt und an den Finanzm\u00e4rkten refinanzieren. Die neuen Liquidit\u00e4tsanforderungen verlangen nun, dass die Banken \u00fcber ausreichend Liquidit\u00e4t verf\u00fcgen m\u00fcssen, um die unter diesem Szenario gesch\u00e4tzten Ausfl\u00fcsse w\u00e4hrend mindestens eines Monats decken zu k\u00f6nnen. Dies gew\u00e4hrt der betroffenen Bank und den Beh\u00f6rden die minimal notwendige Zeit, um die erforderlichen Massnahmen einzuleiten und die Situation zu stabilisieren. Die neuen Liquidit\u00e4tsanforderungen sind bewusst antizyklisch: In wirtschaftlich guten Zeiten soll ein Liquidit\u00e4tspuffer aufgebaut bzw. gehalten werden, der in einer Stresssituation eingesetzt werden kann.Die neuen Liquidit\u00e4tsanforderungen sind strenger als die bisher geltenden. Sie f\u00fchren dazu, dass die Grossbanken einen gr\u00f6sseren Teil des Liquidit\u00e4tsrisikos selber tragen, das heute auf den Schultern der Allgemeinheit lastet. F\u00fcr die Grossbanken ist dieses neue Regime seit Juni 2010 in Kraft. Es wurde damals mit Hinweis auf die laufenden TBTF-Arbeiten in Form einer Vereinbarung festgelegt. Im Rahmen der TBTF-Massnahmen geht es nun darum, die festgelegten inhaltlichen Grunds\u00e4tze auf eine rechtliche Basis zu stellen.Auf internationaler Ebene erarbeitet der Basler Ausschuss quantitative Liquidit\u00e4tsmindeststandards. Die Finma und die SNB setzen sich stark daf\u00fcr ein, dass diese \u00fcberaus wichtigen Arbeiten weitergef\u00fchrt und mittelfristig erfolgreich abgeschlossen werden. Diese internationalen Standards sind ein Minimum. Sie d\u00fcrfen nicht als Substitut f\u00fcr die eigens auf die Besonderheiten einer systemisch relevanten Bank in der Schweiz ausgerichteten Anforderungen angesehen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kernmassnahmen Eigenmittel und Liquidit\u00e4t wirken in erster Linie pr\u00e4ventiv. Sie erh\u00f6hen die Sicherheitspolster systemrelevanter Banken und reduzieren damit die Konkurswahrscheinlichkeit. Zudem setzt die progressive Komponente der Eigenmittelanforderungen systemrelevanten Banken den Anreiz, ihre Systemrelevanz zu reduzieren. Auch dies hat eine pr\u00e4ventive Wirkung. Im Zusammenspiel mit den organisatorischen Massnahmen haben die Eigenmittelanforderungen zus\u00e4tzlich eine kurative Wirkung. Die verbesserten Sicherheitspolster tragen in Kombination mit den anderen Massnahmen zu einer deutlichen Reduktion der TBTF-Problematik bei.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAusgestaltung der progressiven Zuschl\u00e4ge\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abH\u00f6he und Form der Eigenmittelanforderungen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Was sind CoCos?&#13;<\/p>\n<h3>Was sind CoCos?<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nCoCos sind Obligationen \u2013 also Schulden der Bank \u2013, die bei einem bestimmten Ereignis (Erreichen eines Ausl\u00f6sers oder Triggers) automatisch in Eigenkapital umgewandelt oder abgeschrieben werden. Die Expertenkommission schl\u00e4gt CoCos vor, die als Ausl\u00f6ser das Unterschreiten einer regulatorischen Kapitalquote vorsehen.Die Expertenkommission schl\u00e4gt vor, dass ein Teil der besonderen Kapitalanforderungen der Banken die Form von CoCos hat. Die Wirkungsweise der CoCos im vorgeschlagenen Konzept ist dreifach:\u2212 Die CoCos stellen einen Teil der Marktdisziplin wieder her, die durch den TBTF-Status einer Bank ausser Kraft gesetzt wird. Die Gl\u00e4ubiger einer TBTF-Bank sind versichert und verlangen deshalb nur eine reduzierte Risikopr\u00e4mie f\u00fcr ihre Obligationen in Form einer entsprechend hohen Verzinsung. Bei den CoCos ist dies anders. Durch die vertraglich vorgesehene Wandlung in Eigenkapital, wenn es der Bank schlecht geht, tragen die Gl\u00e4ubiger wieder ein Risiko und werden deshalb auf den CoCos eine entsprechend h\u00f6here Risikopr\u00e4mie, also eine h\u00f6here Verzinsung, verlangen als auf herk\u00f6mmlichen Obligationen. Dieser Kostenanstieg ist durchaus erw\u00fcnscht. Denn damit werden die bestehenden Kosten der Risiko\u00fcbernahme durch den Steuerzahler aufgrund der impliziten Staatsgarantie im Sinne des Verursacherprinzips von der Allgemeinheit auf die Banken verlagert.\u2212 CoCos haben f\u00fcr die Banken den Vorteil, dass sie aus steuerlicher Sicht wie Fremdkapital bevorzugt behandelt werden, da die Zinsleistung vom steuerbaren Gewinn abgezogen werden kann. Aus Sicht der Banken sind sie damit g\u00fcnstiger als Eigenkapital. Oder anders ausgedr\u00fcckt, bei gleichbleibenden Kosten kann ein dickeres Sicherheitspolster angelegt werden. Zudem sind die Kosten f\u00fcr CoCos durch die Bank selbst beeinflussbar. Denn je weniger Risiken die Bank eingeht, desto tiefer wird die Verzinsung auf CoCos sein.\u2212 Im Konzept der Expertenkommission leisten die CoCos zudem einen Beitrag zum Krisenmanagement, indem das mit der Wandlung der CoCos bereitgestellte Kapital zur Finanzierung der Notfallplanung beitr\u00e4gt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSind CoCos Eigenkapital?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Basler Ausschuss hat definiert, unter welchen Bedingungen CoCos dem Gesamtkapital zugerechnet werden k\u00f6nnen. Diese Bedingungen betreffen u.a. die minimale Laufzeit, die Nachrangigkeit und die Aussetzung von Couponzahlungen. Die CoCos im Konzept der Expertenkommission m\u00fcssen diese minimalen Bedingungen f\u00fcr eine Anrechnung zum Gesamtkapital erf\u00fcllen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzkrise 2008\/2009 hat deutlich vor Augen gef\u00fchrt, dass es Banken gibt, welche der Staat in einer Krisensituation retten muss. Sie sind zu wichtig, zu vernetzt und zu gross, um fallengelassen zu werden \u2013 sie sind Too big to fail (TBTF). Die TBTFExpertenkommission hat Massnahmen vorgeschlagen, um diesen Zwang zur Rettung zu reduzieren. Dazu geh\u00f6ren [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3540,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[96],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3540,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Senior Economist, Finanzstabilit\u00e4t \u2013 Systemrelevante Banken, Schweizerische Nationalbank SNB","seco_author_post_occupation_fr":"Senior economist, Stabilit\u00e9 financi\u00e8re \u2013 Banques d\u2019importance syst\u00e9mique, Banque nationale suisse BNS","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":120958,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8537","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/559cd3773007b"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120955"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3540"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120955"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120955\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127652,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120955\/revisions\/127652"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120955"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=120955"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=120955"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=120955"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=120955"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=120955"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}