{"id":120981,"date":"2010-12-01T12:00:00","date_gmt":"2010-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/12\/jordan-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:46","slug":"jordan-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/12\/jordan-7\/","title":{"rendered":"Das Massnahmenpaket reduziert die TBTF-Problematik deutlich"},"content":{"rendered":"<p>In der Schweiz ist das Problem des Too big to fail (TBTF) aufgrund der dominierenden Rolle der beiden Grossbanken besonders ausgepr\u00e4gt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) begr\u00fcsst daher das von der Expertenkommission ausgearbeitete Massnahmenpaket ausdr\u00fccklich. Der vorgeschlagene Policy-Mix ist ausgewogen und steht im Einklang mit den internationalen Reformbem\u00fchungen. Insgesamt wird die Umsetzung des Massnahmenpakets die TBTF-Problematik in der Schweiz ohne Zweifel deutlich entsch\u00e4rfen und gleichzeitig das Risiko sowie die Kosten einer Krise f\u00fcr die Schweizer Volkswirtschaft reduzieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus Sicht der SNB bilden drei wesentliche Aspekte die Grundlage f\u00fcr eine positive Beurteilung des Massnahmenpakets.&#13;<\/p>\n<h2>Durchsetzung der Marktordnung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErstens sind die vorgeschlagenen Massnahmen darauf ausgerichtet, dass die Eigent\u00fcmer von systemrelevanten Finanzinstituten die Verantwortung f\u00fcr die eingegangenen Risiken \u2013 wie der Normalfall bei jedem anderen Unternehmen \u2013 wieder selber tragen. In Zukunft sollen im Insolvenzfall die aus diesen Risiken entstehenden Kosten nicht mehr der Allgemeinheit aufgeb\u00fcrdet werden m\u00fcssen. Das Paket ist also derart ausgestaltet, dass Fehlanreize und Marktverzerrungen abgebaut werden. Dies st\u00e4rkt die Disziplinierungsfunktion des Marktes \u2013 eine Grundvoraussetzung f\u00fcr Wachstum und Wohlstand. So m\u00fcssen Banken, die ein gr\u00f6sseres Risiko f\u00fcr das Finanzsystem darstellen, mehr Eigenmittel halten, als solche, die ein kleineres Risiko darstellen. Auf diese Weise werden Systemrisiken und die damit einhergehenden potenziellen Kosten f\u00fcr die Volkswirtschaft vermindert. Gleichzeitig erm\u00f6glichen die Massnahmen im Insolvenzfall ein besseres Ausscheiden einer systemrelevanten Bank aus dem Markt. Die Expertenkommission hat somit diejenigen Massnahmen identifiziert, welche die von systemrelevanten Instituten ausgehenden Risiken wirkungsvoll reduzieren, aber gleichzeitig die zentralen wohlfahrtsteigernden Funktionen des Finanzystems nicht behindern.&#13;<\/p>\n<h2>Policy Mix: Eine Kombination effektiver Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZweitens besteht das Massnahmenpaket aus einer Kombination von <i>pr\u00e4ventiven<\/i> und <i>kurativen<\/i> Massnahmen, die alle aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansatzpunkte und Zielsetzungen aufeinander abgestimmt sind. Falls die pr\u00e4ventiven Massnahmen nicht gen\u00fcgen und es trotzdem zu einer Krisensituation kommt, greifen die kurativen Massnahmen. So wird die Abwicklungsf\u00e4higkeit einer Bank und die Weiterf\u00fchrung von systemrelevanten Funktionen wie die inl\u00e4ndische Kreditvergabe durch organisatorische Massnahmen verbessert oder gar erst erm\u00f6glicht. Der entscheidende Punkt ist, dass jede einzelne Massnahme f\u00fcr sich allein nicht ausreicht. Vielmehr unterst\u00fctzen und erg\u00e4nzen sie sich und gleichen individuelle Schwachstellen gegenseitig aus. Es ist somit essenziell, dass alle vorgeschlagenen Massnahmen integral umgesetzt werden. Nur so kann die gew\u00fcnschte Reduktion des TBTF-Problems erzielt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Kompatibilit\u00e4t mit internationalen Entwicklungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDrittens \u00fcbernimmt das Paket international zwar eine Vorreiterrolle, steht dabei aber im Einklang mit der internationalen Reformagenda, insbesondere mit den Vorgaben des Financial Stability Board (FSB) sowie den Ans\u00e4tzen des Basler Ausschusses. Diese internationale Kompatibilit\u00e4t und Kooperation ist von h\u00f6chster Bedeutung. Nur eine einheitliche Definition von Eigenkapital oder eine weltweit gleiche Risikogewichtung von Assets erlaubt die Vergleichbarkeit des tats\u00e4chlichen Zustands von Banken. Ebenso wichtig ist, dass es sich beim Schweizer Vorschlag zur Abwicklung von Grossbanken nicht um ein \u00abRing-Fencing\u00bb der Schweizer Teile der Bank handelt. Vielmehr soll der Ansatz eine geordnete internationalen Abwicklung im Krisenfall erm\u00f6glichen. Die systemrelevanten Banken d\u00fcrfen diesen Swiss Finish nicht einseitig als Kostenangelegenheit betrachten. Durch die Umsetzung des Massnahmenpakets werden sie im internationalen Vergleich herausstechen. Das wird sie in interessanten Gesch\u00e4ftsgebieten einzigartig machen und ihnen Vorteile bringen. Gerade im Kerngesch\u00e4ft der Schweizer Banken, der Verm\u00f6gensverwaltung, ist die Signalwirkung von Stabilit\u00e4t von immenser Bedeutung. Die Expertenkommission hat die vorgeschlagenen Massnahmen und Instrumente genau abgewogen und begr\u00fcndet. Dies ist eine wichtige Voraussetzung, damit sie f\u00fcr die politischen Entscheidungstr\u00e4ger und die \u00d6ffentlichkeit nachvollziehbar sind. Letztlich ist der Vorschlag der Expertenkommission aber lediglich ein erster Schritt. Entscheidend f\u00fcr die Entsch\u00e4rfung des TBTF-Problems ist schliesslich die konkrete Umsetzung des Massnahmenpakets durch die Politik.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz ist das Problem des Too big to fail (TBTF) aufgrund der dominierenden Rolle der beiden Grossbanken besonders ausgepr\u00e4gt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) begr\u00fcsst daher das von der Expertenkommission ausgearbeitete Massnahmenpaket ausdr\u00fccklich. Der vorgeschlagene Policy-Mix ist ausgewogen und steht im Einklang mit den internationalen Reformbem\u00fchungen. 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