{"id":120991,"date":"2010-12-01T12:00:00","date_gmt":"2010-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/12\/kaufmann-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:30","slug":"kaufmann-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/12\/kaufmann-7\/","title":{"rendered":"Ein Schritt in die richtige Richtung"},"content":{"rendered":"<p>Ein Ausbau der risikotragenden Eigenmittel kann das TBTFProblem substanziell mildern, vor allem wenn k\u00fcnftig nebst dem Eigenkapital auch Teile des Fremdkapitals als Verlusttr\u00e4ger eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die neuen Eigenmittel- und Liquidit\u00e4ts-Mindeststandards von Basel III zielen in diese Richtung. Es erscheint sinnvoll, die risikogewichtete Eigenmittelquote durch eine Leverage-Ratio zu erg\u00e4nzen. Die Risikogewichtung wurde mit Basel III zwar neu definiert, aber sie bleibt eine Achillesferse, da sie sich weiterhin auf die Risikogutachten von Rating-Agenturen abst\u00fctzt, die teilweise in Abh\u00e4ngigkeit von den Zulassungsstaaten sowie der beurteilten Schuldner stehen. Ebenso problematisch sind die historischen Kreditausf\u00e4lle, Volatilit\u00e4ten und Korrelationen, die zur Anwendung kommen. Handlungsbedarf besteht zudem bei den internen und externen Revisionsstellen sowie bei der Finanzmarktaufsicht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit der Problematik des Too big to fail (TBTF) besch\u00e4ftigte sich die Politik bereits 1998. Damals vertrat der Bundesrat noch die Ansicht, es w\u00fcrden sich keine weitergehenden Massnahmen aufdr\u00e4ngen, um die Eidgenossenschaft vor allf\u00e4lligen faktischen Haftungsrisiken zu sch\u00fctzen. Die Bilanzsumme der zwei Schweizer Grossbanken erreichte bereits dannzumal 400% des Schweizer Bruttosozialproduktes. Im Zuge der Liberalisierung und Globalisierung der Finanzindustrie nahm sie bis zum Ausbruch der Finanzkrise Mitte 2007 auf einen Spitzenwert von 760% zu. W\u00e4hrend der Finanzkrise bis Ende 2009 erfolgte ein R\u00fcckbau um 47% (UBS) bzw. 27% (CS), und das Verh\u00e4ltnis der Bilanzsumme zum BIP sank wieder auf 440%. Damit erfuhr das TBTF-Problem eine erste Entsch\u00e4rfung, auch wenn die Bilanzsummen bis Mitte 2010 wieder um rund 10% zulegten.&#13;<\/p>\n<h2>Die Verflechtung der Banken ist das Problem<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer ordnungspolitische S\u00fcndenfall der UBS-Rettung hat nun zu einem Umdenken und zum Einsatz einer Expertengruppe gef\u00fchrt. Sie soll Vorschl\u00e4ge ausarbeiten, um die Risiken systemrelevanter Banken auf ein f\u00fcr unsere Volkswirtschaft verkraftbares Ausmass zur\u00fcckzuf\u00fchren. Wo dieses Limit liegt, l\u00e4sst sich nicht objektiv ermitteln, denn letztlich ist es nicht das Verh\u00e4ltnis von Bilanzsumme zum BIP, das die Systemrelevanz ausmacht. Massgebend hierf\u00fcr sind die Verflechtung mit anderen Finanzinstituten, mit Zahlungsverkehr- und Handelssystemen, die Komplexit\u00e4t eines Finanzkonzerns und die Nettoauslandguthaben, die im Falle der Schweizer Grossbanken rund 100 Mrd. Franken betragen. Die Hypothekenkrise in den USA ist nicht wegen der Gr\u00f6sse einzelner Banken entstanden, sondern wegen der zu largen \u00dcberwachung der Kreditvergabe-Usanzen durch die US-Fed, insbesondere aber infolge des Verschuldungs-Herdentriebs, der von den staatsnahen Pfandbriefbanken Fannie Mae und Freddie Mac und der lockeren Geldpolitik des US-Fed gef\u00f6rdert wurde. Diese Ursachen m\u00fcssten prim\u00e4r therapiert werden. Und erg\u00e4nzend m\u00fcsste ein internationales Konkursrecht f\u00fcr Finanzkonzerne geschaffen werden. Die Politik glaubt jedoch, die Systemrisiken lediglich mit einer Neuregulierung des Bankensektors eind\u00e4mmen zu k\u00f6nnen. Die Diskussionen gehen dabei in zwei Richtungen. Die Zerschlagung von grossen Finanzimperien in kleinere Einheiten oder in einzelne Gesch\u00e4ftssparten erscheint zwar bestechend, aber das geforderte Trennbankensystem, gewissermassen staatlich verordnete Klumpenrisiken in einzelnen Gesch\u00e4ftssparten, ist kein erfolgsversprechender L\u00f6sungsansatz. Die gescheiterten Investmentbanken in den USA waren auf einzelne Gesch\u00e4ftssparten spezialisiert. Sie agierten wie unter einem Trennbankenregime. Das Gleiche gilt auch f\u00fcr viele kleine US-Regionalbanken, die Hypothekar- und Spargesch\u00e4fte in Monokultur betreiben und derzeit ein Massensterben erleben. Auch Holding- oder \u00e4hnliche juristische Konstrukte sch\u00fctzen nicht vor Haftung. Ein Finanzinstitut kann eine Tochtergesellschaft nicht wie ein Industrieunternehmen ohne schwerwiegende Konsequenzen fallenlassen. International t\u00e4tige Grossbanken sind spinnennetz\u00e4hnlich mit vielen Gegenparteien verbunden, und konzernintern bestehen oft komplizierte Verflechtungen. Im Insolvenzfall einer Tochtergesellschaft w\u00fcrden die Gegenparteien s\u00e4mtliche Gesch\u00e4ftsbeziehungen blockieren \u2013 auch jene zum Stammhaus und zu unbeteiligten Konzerngesellschaften.&#13;<\/p>\n<h2>Augenmass der Beh\u00f6rden gefragt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFalsche, \u00fcberdosierte oder voreilige staatliche Eingriffe und Neuregulierungen k\u00f6nnen zu volkswirtschaftlichen Grosssch\u00e4den und internationalen Wettbewerbsverzerrungen f\u00fchren. Diese Gefahr ist nicht zu untersch\u00e4tzen, da sich die Beh\u00f6rden nicht noch einmal der Kritik mangelhafter Aufsicht aussetzen wollen. Deshalb ist zu bef\u00fcrchten, dass sie so hohe Eigenmittelpflichten und andere Restriktionen einf\u00fchren werden, damit ihnen k\u00fcnftiges Krisenmanagement erspart bleibt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ausbau der risikotragenden Eigenmittel kann das TBTFProblem substanziell mildern, vor allem wenn k\u00fcnftig nebst dem Eigenkapital auch Teile des Fremdkapitals als Verlusttr\u00e4ger eingesetzt werden k\u00f6nnen. Die neuen Eigenmittel- und Liquidit\u00e4ts-Mindeststandards von Basel III zielen in diese Richtung. Es erscheint sinnvoll, die risikogewichtete Eigenmittelquote durch eine Leverage-Ratio zu erg\u00e4nzen. Die Risikogewichtung wurde mit Basel III [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":3545,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[67],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[96],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":3545,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Nationalrat, Kaufmann Research AG","seco_author_post_occupation_fr":"Conseiller national, Kaufmann Research AG","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":120994,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"8553","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/559ce18cd3631"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120991"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3545"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=120991"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120991\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127660,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/120991\/revisions\/127660"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3545"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=120991"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=120991"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=120991"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=120991"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=120991"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=120991"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}