{"id":121031,"date":"2010-11-01T12:00:00","date_gmt":"2010-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/11\/babey-10\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:57","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:57","slug":"babey-9","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/11\/babey-9\/","title":{"rendered":"Arbeitslosenversicherung im Jahre 2009"},"content":{"rendered":"<p>Das Jahr 2009 war durch eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise gepr\u00e4gt, von der die Schweiz allerdings weniger stark betroffen war als andere Volkswirtschaften. Dennoch durchlief die Schweizer Volkswirtschaft die sch\u00e4rfste Rezession seit den 1970er-Jahren. Die Arbeitslosigkeit stieg rasch und kr\u00e4ftig an: Im Jahresdurchschnitt 2009 waren 146&nbsp;089 Personen als arbeitslos gemeldet; das sind 44% mehr als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg von 2,6% auf 3,7%. Die pessimistischen Prognosen zur Arbeitsmarktentwicklung des letzten Jahres best\u00e4tigten sich somit nicht. Auch der Einsatz der Kurzarbeit \u2013 im Jahresdurchschnitt 2009 bezogen fast 67&nbsp;000 Personen Kurzarbeitsentsch\u00e4digung \u2013 d\u00e4mpfte den Anstieg der Arbeitslosigkeit. Anfang 2009 entspannte sich die Arbeitsmarktlage etwas fr\u00fcher als erwartet. Die Rechnung schloss im Berichtsjahr mit einem Verlust von 1463,8 Mio. Franken ab.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung der Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Verlauf des Jahres 2008 ging in der Schweiz und weltweit eine wirtschaftliche Boom-Phase zu Ende. Was in den USA als Immobilien- und Finanzkrise begann, wuchs sich 2009 zu einer weltweiten Wirtschaftskrise aus, welche auch die Schweiz erfasste. Vor allem die Finanzdienstleister und die Exportindustrie wurden hierzulande stark in Mitleidenschaft gezogen, wobei insbesondere in der Industrie bedeutende negative Besch\u00e4ftigungseffekte zu verzeichnen waren. Die starke Nutzung der Kurzarbeit in der Industrie vermochte den Anstieg der Arbeitslosigkeit etwas zu d\u00e4mpfen. Dennoch stieg die Arbeitslosigkeit rasch an, n\u00e4mlich von 2,8% Anfang 2009 auf 4,2% am Ende des Jahres (saisonbereinigte Werte). Im Jahresdurchschnitt 2009 erreichte die Arbeitslosenquote 3,7%. Rechnet man durch Kurzarbeit ausgefallenen Arbeitsstunden in Arbeitskr\u00e4fte um, kommt man zur Einsch\u00e4tzung, dass die Arbeitslosenquote 2009 statt 3,7% etwa 4,3% betragen h\u00e4tte.Fast parallel zur Arbeitslosigkeit entwickelte sich auch die Zahl der Stellensuchenden.&#13;<br \/>\nSumme von registrierten Arbeitslosen und registrierten nichtarbeitslosen Stellensuchenden. Auf saisonbereinigter Basis stieg diese von 164&nbsp;000 Anfang 2009 auf 226&nbsp;000 am Ende des Jahres. Der durchschnittliche Bestand registrierter Stellensuchender belief sich auf 204&nbsp;070 Personen, was gegen\u00fcber dem Vorjahreswert einer Zunahme von 32% entspricht. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen&#13;<br \/>\nArbeitslose mit einer Dauer der Arbeitslosigkeit von mehr als einem Jahr. nahm von durchschnittlich 15&nbsp;731 im Jahr 2008 auf 19&nbsp;169 im Jahr 2009 zu. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen am Total aller Arbeitslosen stieg im Jahresverlauf 2009 von 13% auf 16% an (saisonbereinigte Werte). Bis Mitte 2010 wuchs der Anteil Langzeitarbeitslosigkeit weiter auf rund 22% an. Dies erkl\u00e4rt sich einerseits damit, dass seit Beginn der Krise mittlerweile mehr als ein Jahr vergangen ist. Zum zweiten f\u00fchrt ein R\u00fcckgang der Neueintritte in die ALV gegenw\u00e4rtig ebenfalls zu einer Erh\u00f6hung des Anteils an Langzeitarbeitslosen.&#13;<\/p>\n<h2>Aufsichtskommission ALV<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Mitgliederbestand der Aufsichtskommission des Ausgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung (ALV) blieb 2009 konstant. W\u00e4hrend des Jahres sind Hans Furer, Mitglied Vorstand Travail Suisse und Sekret\u00e4r der Angestelltenpolitik Angestellte Schweiz, sowie Frau Manuela Bruderer, Zentralsekret\u00e4rin der wirtschaftspolitischen Abteilung des SGB, zur\u00fcckgetreten. Die Ersatzwahl erfolgte Anfang 2010.Die Aufsichtskommission \u00fcbernimmt im Bereich der ALV \u00dcberwachungs-, Beratungs- und Entscheidfunktionen und trat im Berichtsjahr zu insgesamt 4 Sitzungen (Vorjahr ebenfalls 4 Sitzungen) zusammen. Die Kommission befasste sich unter anderem mit dem dritten Stabilisierungspaket (Massnahmen im Bereich Arbeitsmarkt), der Neukonzeption Avam, der Wirtschaftskrise und ihrer Auswirkungen auf die ALV, der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung und der Vereinbarung RAV\/LAM\/Kast 2010.Die Subkommission Finanzen ber\u00e4t die Aufsichtskommission in finanziellen Fragen der ALV. Sie stellt sicher, dass die Aufsichtskommission die gesetzlichen Aufgaben in diesem Bereich wahrnimmt. Alle Antr\u00e4ge der Ausgleichsstelle zum Budget, zur Jahresrechnung und zur Informatiksteuerung gem\u00e4ss Reglement werden von der Subkommission Finanzen begutachtet. Sie richtet Empfehlungen an die Aufsichtskommission und kann eigene Antr\u00e4ge stellen. Als Vorinstanz der Aufsichtskommission befasste sie sich gem\u00e4ss T\u00e4tigkeitsbericht unter anderem mit folgenden Themen:\u2212 Jahresrechnung 2008 des ALV-Ausgleichsfonds sowie Voranschl\u00e4ge 2010 der Vollzugsstellen und der Ausgleichsstelle der ALV;\u2212 Projekt und Betrieb der Neukonzeption Avam;\u2212 Genehmigung der Grunds\u00e4tze zur Anpassung der IT-Strategie, insbesondere die Strategie zur Anwendungsarchitektur.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Beitr\u00e4ge der Versicherten und Arbeitgeber<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei einem Beitragssatz von 2% beliefen sich die Beitr\u00e4ge der Versicherten und Arbeitgeber im Berichtsjahr auf 5253 Mio. Franken (2008: 4987 Mio. Fr.). Diese haben gegen\u00fcber dem Vorjahr um 266 Mio. Franken oder 5,3% zugenommen.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitslosenentsch\u00e4digungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Berichtsjahr sind brutto Entsch\u00e4digungen von insgesamt 4781,6 Mio. Franken (2008: 3272,8 Mio.Fr.) an Arbeitslose ausgerichtet worden; das sind 1508,8 Mio. Franken oder 46,1% mehr als im Vorjahr. Es wurden somit durchschnittlich je Monat rund 398,5 Mio. Franken ausbezahlt.&#13;<\/p>\n<h2>Kurzarbeitsentsch\u00e4digung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Kurzarbeitsentsch\u00e4digungen haben gegen\u00fcber dem Vorjahr um 979,4 Mio. auf 997,3 Mio. Franken zugenommen (2008: 17,9 Mio. Fr.).&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarktliche Massnahmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAn individuellen Arbeitsmarktlichen Massnahmen sind im Berichtsjahr 126,6 Mio. Franken (2008: 130,4 Mio. Fr.) bzw. 3,8 Mio. Franken oder 2,9% weniger ausbezahlt worden. Die Kosten der kollektiven Arbeitsmarktlichen Massnahmen haben sich gegen\u00fcber dem Vorjahr um 45,9 Mio. oder 12,4% auf 415,7 Mio. Franken erh\u00f6ht (2008: 369,8 Mio. Fr.). Der Beitrag der Kantone an Kurskosten betr\u00e4gt im Berichtsjahr 3,0 Mio. Franken (2008: 3,4 Mio. Fr.). Dies entspricht einer Abnahme von 0,4 Mio. Franken oder 11,8%.&#13;<\/p>\n<h2>Beitragsr\u00fcckerstattungen an Nachbarstaaten f\u00fcr Grenzg\u00e4nger<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHier handelt es sich erstens um erhobene ALV-Beitr\u00e4ge von Grenzg\u00e4ngern, die in der Schweiz arbeiten, jedoch im Ausland wohnen. Die Schweiz als Besch\u00e4ftigungsstaat \u00fcberweist an vier Nachbarstaaten gem\u00e4ss den einzelnen Abkommen diese Beitr\u00e4ge zur Abdeckung des Risikos der Ganzarbeitslosigkeit. Im Gegenzug erstatten die vier Nachbarstaaten dem ALV-Fonds ihre Lohnabz\u00fcge der schweizerischen Grenzg\u00e4nger (Wohnort Schweiz, Arbeitsort Nachbarstaat). Die Abkommen mit den vier Nachbarstaaten haben nur noch bis Ende Mai 2009 G\u00fcltigkeit. Im Berichtsjahr belaufen sich diese Betr\u00e4ge f\u00fcr 5 Monate auf 107,1 Mio. Franken (2008: 240,5 Mio. Fr. f\u00fcr 12 Monate).&#13;<\/p>\n<h2>Beitragsr\u00fcckerstattungen Kurzaufenthalter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Einf\u00fchrung der bilateralen Vertr\u00e4ge per 1.6.2002 mit den EU-Staaten und der Efta-Konvention wurde die Schweiz verpflichtet, die Retrozessionen (ohne Liechtenstein) bis und mit 31.5.2009 durchzuf\u00fchren. Seit dem 1.4.2006 sind die 10 neuen EU-Staaten hinzugekommen, wobei die Retrozessionen f\u00fcr Zypern und Malta ebenfalls per 31.5.2009 endeten. F\u00fcr die verbleibenden acht Staaten werden die Betr\u00e4ge bis 30.4.2011 weiterhin retrozediert. Zus\u00e4tzlich werden neu ab 1.6.2009 Bulgarien und Rum\u00e4nien retrozediert. Im Berichtsjahr betragen diese 11,8 Mio. Franken (2008: 29,9 Mio. Fr.).&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnis<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Rechnung schloss im Berichtsjahr mit einem Verlust von 1463,8 Mio. Franken ab (2008: \u00dcberschuss von 617,7 Mio. Fr.).&#13;<\/p>\n<h2>Bundestresoreriedarlehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Finanzierung der Leistungen des ALV-Fonds mussten im Berichtsjahr 1500 Mio. Franken an zus\u00e4tzlichen Tresoreriedarlehen beim Bund aufgenommen werden (2008: -700 Mio. Fr.). Ende Jahr belaufen sich diese Darlehen total auf 5600 Mio. Franken (2008: 4100 Mio. Fr.).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAuszahlungen der Arbeitslosenkassen, 1999\u20132009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abAusgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung: Bilanz per 31. Dezember 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abAusgleichsfonds der Arbeitslosenversicherung: Rechnungsergebnis 1. Januar bis 31. Dezember 2009\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahr 2009 war durch eine weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise gepr\u00e4gt, von der die Schweiz allerdings weniger stark betroffen war als andere Volkswirtschaften. Dennoch durchlief die Schweizer Volkswirtschaft die sch\u00e4rfste Rezession seit den 1970er-Jahren. 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