{"id":121041,"date":"2010-11-01T12:00:00","date_gmt":"2010-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/11\/braendle-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:48","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:48","slug":"braendle-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/11\/braendle-5\/","title":{"rendered":"Die Unternehmenskonzentration der Schweiz im Wandel"},"content":{"rendered":"<p>Die Entwicklung der Unternehmenskonzentration dokumentiert als einer von vielen Indikatoren den Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft in der vergangenen Dekade. Insgesamt hat die Unternehmenskonzentration zwischen 1998 und 2008 leicht abgenommen, und die Unterschiede zwischen den Branchen sind kleiner geworden. Liberalisierungsschritte haben entscheidend dazu beigetragen, die Konzentration in ehemals stark regulierten Branchen zu verringern. Trotzdem sind Branchen mit hohen Markteintrittsh\u00fcrden und grossem staatlichem Einfluss nach wie vor deutlich st\u00e4rker konzentriert als wettbewerbsintensive Branchen mit tiefen Markteintrittsh\u00fcrden.&#13;<\/p>\n<h2>Gest\u00e4rkt aus der Krise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAller schweizerischen Bescheidenheit zum Trotz: Mittlerweile betonen Politiker jeglicher Couleur, dass die Schweiz als eine der wenigen entwickelten Volkswirtschaften die Krise gut \u00fcberstanden hat, ja sogar gest\u00e4rkt aus ihr hervorgeht. Die seit den sp\u00e4ten 1990er-Jahren verschriebene Dosierung der staatlichen Medizin in Form von Liberalisierungen, gezielten Reformen und vorausschauender Geldpolitik hat gewirkt. Die Wirtschaft selbst hat sich zudem einer heilenden Kur unterzogen; die Unternehmen haben ihre Abl\u00e4ufe gestrafft, ihre Aktivit\u00e4ten fokussiert und sich gegen\u00fcber der Welt ge\u00f6ffnet. In den Jahren 2005 bis 2008 erlebte die Schweiz sogar einen regelrechten Wirtschaftsboom, der mit dem Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise sein j\u00e4hes Ende fand und in einer Rezession m\u00fcndete.&#13;<\/p>\n<h2>Erhebliche strukturelle Ver\u00e4nderungen in der letzten Dekade<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus der hier vorgestellten Studie&#13;<br \/>\nCredit Suisse Economic Research: Swiss Issues Branchen \u2013 Die Struktur der Schweizer Wirtschaft 1998\u20132020 (vgl. Kasten 1)., welche die Strukturdaten zur Schweizer Wirtschaft von den sp\u00e4ten 1990er-Jahren bis heute analysiert, geht hervor, dass die Schweizer Wirtschaft in der letzten Dekade erheblichen strukturellen Ver\u00e4nderungen unterworfen war (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Die Struktur der Schweizer Wirtschaft 1998\u20132020<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Die Studie des Economic Research der Credit Suisse, welche in diesem Artikel vorgestellt wird, befasst sich mit den Trends, welche dem Wandel der Schweizer Wirtschaft und ihrer Branchen 1998\u20132008 zugrunde liegen. Auf Basis der eidgen\u00f6ssischen Betriebsz\u00e4hlung betrachten wir in dieser Studie sechs ausgew\u00e4hlte Indikatoren respektive Trends, welche selten im Rampenlicht der \u00f6ffentlichen Diskussion stehen und helfen, den Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft besser zu verstehen. Neben der Unternehmenskonzentration, welche im vorliegenden Artikel im Zentrum steht, beleuchten wir in der Studie Tertiarisierung, Outsourcing, Produktivit\u00e4t, regionale Verteilung (vgl. Kasten 3) und Filialisierung. Zudem entwerfen wir ein Szenario f\u00fcr das Jahr 2020, welches zeigt, dass die Schweiz das Potenzial hat, aus dem internationalen Wettbewerb langfristig als Gewinnerin hervorzugehen. Die Studie ist auf dem Internet verf\u00fcgbar unter www.credit-suisse.com\/research, Schweizer Wirtschaft, Branchen.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Anhand von sechs ausgew\u00e4hlten Indikatoren respektive Trends \u2013 Tertiarisierung, Outsourcing, Produktivit\u00e4t, Unternehmenskonzentration, regionale Verteilung und Filialisierung \u2013 wird eine Standortbestimmung der Schweizer Wirtschaft vorgenommen. Zudem wird ein m\u00f6gliches Szenario f\u00fcr die Branchenstruktur im Jahr 2020 entworfen. Dieses zeigt, dass sich der Schweiz heute eine einmalige Chance er\u00f6ffnet, sich im internationalen Wettbewerb langfristig als Zukunftsmodell mit Vorbildcharakter zu positionieren. Im vorliegenden Artikel steht mit der Unternehmenskonzentration ein Indikator im Mittelpunkt, der selten aus einer branchen\u00fcbergreifenden Perspektive untersucht worden ist.&#13;<\/p>\n<h2>Wie l\u00e4sst sich Unternehmenskonzentration messen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDurch Meldungen \u00fcber expandierende Global Player, Fusionen oder \u00dcbernahmen kann der Eindruck entstehen, dass sich die Unternehmenslandschaft in der Schweiz immer st\u00e4rker konzentriert. Allerdings fallen Neugr\u00fcndungen von Unternehmen sowie Marktanteilsverschiebungen meist durch das Netz der medialen Berichterstattung. Um etwas Licht in diesen Themenkreis zu bringen, wurde das Ausmass der Unternehmenskonzentration branchen\u00fcbergreifend untersucht und insbesondere auf die Ver\u00e4nderung \u00fcber die letzten zehn Jahre fokussiert. Doch wie l\u00e4sst sich Unternehmenskonzentration \u00fcberhaupt messen? Klassischerweise wird sie als Ausmass der Marktmacht der Unternehmen in einem bestimmten Markt definiert und findet deshalb besonders in der Wettbewerbspolitik Beachtung. Als Indikator wird dabei typischerweise auf den Marktanteil der Unternehmen am Gesamtumsatz einer Branche oder eines Marktes zur\u00fcckgegriffen. Solche Zahlen liegen leider meist nur f\u00fcr die gr\u00f6ssten Unternehmen eines Marktes vor. Die vorliegende Analyse w\u00e4hlt deshalb einen anderen Blickwinkel und misst die Unternehmenskonzentration in 11 Branchenaggregaten anhand der Besch\u00e4ftigten pro Unternehmen.&#13;<br \/>\nF\u00fcr eine Definition der Branchenaggregate siehe Kapitel 6.1 (S. 37) im Anhang der Studie. Hierf\u00fcr liegen dank der j\u00fcngsten Betriebsz\u00e4hlung des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) aus dem Jahr 2008 \u2013 eine Vollerhebung der Schweizer Unternehmenslandschaft \u2013 detaillierte Zahlen vor. Besonders in binnenorientierten Branchen kann die Verteilung der Besch\u00e4ftigung auf die Unternehmen als Indikator f\u00fcr deren Marktmacht interpretiert werden.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzbranche: 76% der Besch\u00e4ftigten in 3% der Unternehmen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeil eine hohe Unternehmenskonzentration mit einer ungleichen Besch\u00e4ftigungsverteilung einhergeht, versuchen wir in einem ersten Schritt, das Niveau der Konzentration mittels Lorenzkurven zu visualisieren. <i>Grafik 1<\/i> zeigt die Kurven f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Branchenaggregate, wobei auf der Vertikalen die kumulierten Besch\u00e4ftigungsanteile der nach Gr\u00f6sse geordneten Unternehmen abgetragen sind. In der Finanzbranche, mit den beiden Grossbanken und den Versicherungen auf der einen und vielen kleineren Verm\u00f6gensverwaltern auf der anderen Seite, herrscht eine stark ungleiche Besch\u00e4ftigungsverteilung: Die 3% gr\u00f6ssten Unternehmen stellen 76% der Besch\u00e4ftigten der Branche; in der Gesamtwirtschaft sind es nur 59%. Eine ebenfalls ungleiche Besch\u00e4ftigungsverteilung weisen die Verkehrs- und die Postbranche auf. Im Mittelfeld positionieren sich die Industrie und der Handel. Dass der Handel \u00fcber den ganzen Bereich der Lorenzkurve eine leicht ausgewogenere Verteilung aufweist als der Durchschnitt der Gesamtwirtschaft, ist erstaunlich. Das Ergebnis ist auf den Grosshandel zur\u00fcckzuf\u00fchren, bei dem es relativ wenige Grossunternehmen gibt. Der Detailhandel ist mit den wenigen grossen und vielen kleinen lokalen Anbietern deutlich konzentrierter.&#13;<br \/>\nBei Laden- und Restaurantketten im Franchisingsystem werden die Franchisenehmer als eigenst\u00e4ndige Unternehmen erfasst. Dadurch wird die Marktmacht der wichtigsten Ketten und damit die Branchenkonzentration in unseren Berechnungen etwas untersch\u00e4tzt. Am gleichm\u00e4ssigsten sind die Besch\u00e4ftigten im Bau und im Gastgewerbe verteilt; auf die 3% gr\u00f6ssten Unternehmen fallen \u00abnur\u00bb 37% bzw. 38% der Besch\u00e4ftigten. Beide Branchen zeichnen sich durch eine kleinbetriebliche Struktur, tiefe Markteintrittsh\u00fcrden und eine entsprechend hohe Unternehmensdynamik aus. Zudem sind die wenigen Grossunternehmen im Vergleich mit anderen Branchen relativ klein.&#13;<\/p>\n<h2>Messung der Konzentration unter Ber\u00fccksichtigung der Unternehmenszahl<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nLorenzkurven sind zwar sehr anschaulich, haben aber einen entscheidenden Nachteil: Sie zeigen ausschliesslich Unterschiede in der Besch\u00e4ftigungsverteilung, ber\u00fccksichtigen aber nicht die Zahl der Unternehmen pro Branche. So liegen beispielsweise die Lorenzkurven der traditionellen Industrie und der Energieversorgung eng beieinander. Weil sich aber die Besch\u00e4ftigten in der traditionellen Industrie 2008 auf \u00fcber 28&nbsp;000 Unternehmen verteilen, in der Energieversorgung aber lediglich auf gut 500, ist die Unternehmenskonzentration in der Energiebranche deutlich h\u00f6her zu werten. Deshalb greifen wir zur Quantifizierung der Konzentration auf den sogenannten Herfindahl-Hirschmann-Index (HHI) zur\u00fcck, welcher die Zahl der Unternehmen ber\u00fccksichtigt und es uns zudem erm\u00f6glicht, die Ver\u00e4nderung der Unternehmenskonzentration in der Dekade zwischen 1998 und 2008 in eine Zahl zu fassen (siehe <i>Kasten 2<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Berechnungsmethode des Herfindahl-Hirschmann-Index<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer HHI f\u00fcr ein bestimmtes Branchenaggregat berechnet sich aus der Summe der quadrierten Besch\u00e4ftigungsanteile: (f\u00fcr Formeln siehe PDF) wobei <i>b<\/i><i>i<\/i> die Besch\u00e4ftigung des Unternehmens <i>i<\/i> und <i>N<\/i> die Gesamtzahl der Unternehmen des Branchenaggregats kennzeichnet. Logarithmiert man den HHI, dann l\u00e4sst sich die Ver\u00e4nderung des HHI summarisch in zwei Effekte zerlegen:a Der erste Effekt (1) ergibt sich aus der Ver\u00e4nderung der Zahl der Unternehmen <i>N<\/i>. Der zweite Effekt (2) stammt aus einer sich \u00e4ndernden Verteilung der Besch\u00e4ftigungsanteile, gemessen anhand des Variationskoeffizienten <i>VK<\/i>:(f\u00fcr Formeln siehe PDF)Die Idee der Zerlegung ist einfach: Eine steigende Unternehmenskonzentration, also ein h\u00f6herer HHI in <i>t+1<\/i>, kann auf einer sinkenden Zahl von Unternehmen (Term 1) oder einer ungleicheren Besch\u00e4ftigungsverteilung \u2013 sprich einem h\u00f6heren Variationskoeffizienten in <i>t+1<\/i> (Term 2) \u2013 beruhen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na F\u00fcr technische Details siehe Kapitel 6.2 (S. 38) im Anhang der Studie.).&#13;<br \/>\nNeben dem weit verbreiteten HHI werden in der Literatur unz\u00e4hlige alternative Messindizes f\u00fcr die Konzentrationsmessung aufgef\u00fchrt. F\u00fcr eine \u00dcbersicht siehe beispielsweise Stephen Davies (1979), Choosing Between Concentration Indices: The Iso-Concentration Curve, Economica 46, S. 67\u201375.<i>Grafik 2<\/i> zeigt die Ver\u00e4nderung der Konzentration im Zeitraum 1998 bis 2008 und zerlegt die Ver\u00e4nderung in einen Effekt der Anzahl Unternehmen und einen Verteilungseffekt. Es zeigt sich, dass \u2013 entgegen einer verbreiteten Annahme \u2013 die Konzentration der Schweizer Unternehmenslandschaft insgesamt leicht abgenommen hat. Die Abnahme geht ausschliesslich auf einen Verteilungseffekt zur\u00fcck, denn die Zahl der Unternehmen hat im Untersuchungszeitraum sogar leicht abgenommen. Wenn man die Entwicklung nach Branchenaggregaten auff\u00e4chert, so zeigen sich allerdings deutliche Unterschiede.&#13;<\/p>\n<h2>Liberalisierung von Monopolbranchen reduziert Unternehmenskonzentration<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie eindr\u00fccklichste Erkenntnis ist, dass Liberalisierungsbem\u00fchungen der Politik von Erfolg gekr\u00f6nt waren. So bewegten sich die stark konzentrierten Branchen Post und Telekom nach dem (teilweisen) Knacken der staatlichen Monopole in der Dekade zwischen 1998 und 2008 allm\u00e4hlich hin zu einer etwas ausgewogeneren Verteilung der Besch\u00e4ftigung. Die Telekommunikation, wo die Liberalisierung am umfassendsten ausfiel, erfuhr von allen Branchen die st\u00e4rkste Abnahme in der Unternehmenskonzentration. Diese wurde haupts\u00e4chlich von einer gleichm\u00e4ssigeren Besch\u00e4ftigungsverteilung (\u00abVerteilungseffekt\u00bb) getrieben. Die Post hingegen geniesst dank dem Monopol auf Briefe unter 50 g weiterhin einen gewichtigen staatlichen Schutz. Bei der Paketpost haben sich die Konkurrenten zwar in Stellung gebracht, vereinen aber noch zu wenig Schlagkraft, um der Post ernsthaft zuzusetzen. Es erstaunt deshalb kaum, dass die Branche Verkehrs- und Postleistungen sowohl 1998 wie auch 2008 \u2013 trotz fallender Tendenz \u2013 den Spitzenplatz bei der Unternehmenskonzentration belegte.&#13;<\/p>\n<h2>Energieversorgung: Schwacher Wettbewerb, hohe Konzentration<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Energieversorgung, welche haupts\u00e4chlich Elektrizit\u00e4tsunternehmen umfasst, und wie die Post oder Telekommunikation ein klassischer Netzsektor ist, ver\u00e4nderte sich die Unternehmenskonzentration zwischen 1998 und 2008 nicht. Dies ist angesichts des regulatorischen Umfeldes auch keine \u00dcberraschung. Nach der Ablehnung des Elektrizit\u00e4tsmarktgesetzes 2002 verharrte der Markt in den regionalen Monopolen der Energieversorger. Die Zahl der Unternehmen nahm zwar unter dem Strich zu; der Effekt wurde allerdings von einer ungleicheren Besch\u00e4ftigungsverteilung kompensiert. Die zentrale Frage wird sein, wie sich die neue Marktordnung mit dem Anfang 2008 in Kraft getretenen Stromversorgungsgesetz auswirken wirkt. Im Vorfeld der Liberalisierung hat es mit der Grossfusion von Atel und EOS zur Alpiq eher eine B\u00fcndelung der Kr\u00e4fte gegeben. Zurzeit deutet wenig darauf hin, dass sich an der aktuellen Situation etwas \u00e4ndern wird. Wie in allen Netzsektoren sind die H\u00fcrden eines Markteintritts aufgrund der hohen Fixkosten bedeutend. Zudem zeigt sich der neue Wettbewerb bisher fl\u00fcgellahm und setzt damit wenig Anreize f\u00fcr ausl\u00e4ndische Unternehmen, in den Schweizer Markt einzutreten. Selbst wenn der Wettbewerb an Fahrt gewinnen w\u00fcrde, d\u00fcrfen wir aufgrund der Gr\u00f6ssenvorteile nicht damit rechnen, dass in diesem Sektor die Unternehmenskonzentration wesentlich zur\u00fcckgeht.&#13;<\/p>\n<h2>Finanzbranche: Stark konzentriert, aber mit abnehmender Tendenz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Finanzbranche war 2008 die am zweitst\u00e4rksten konzentrierte Branche. Die Versicherungsgesellschaften sowie die Gross-, Kantonal-, Raiffeisen- und Regionalbanken stellen einen Grossteil der Branchenbesch\u00e4ftigung und verzeichnen relativ stabile Besch\u00e4ftigungsanteile. Weil gleichzeitig die Zahl der Unternehmen im Betrachtungszeitraum um 37% angestiegen ist, hat dies in der Summe aber zu einer Abnahme der Konzentration gef\u00fchrt. Besonders im Bereich der unabh\u00e4ngigen Verm\u00f6gensverwalter traten viele neue Unternehmen auf den Plan. Zwischen 1998 und 2008 stieg deren Zahl von 1250 auf 2250, w\u00e4hrend sich die Besch\u00e4ftigung auf 10&nbsp;200 verdoppelte.&#13;<\/p>\n<h2>Bau und Handel: Trend zu h\u00f6herer Konzentration<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn den wettbewerbsintensiven und eher schwach konzentrierten Branchen Gastgewerbe, Handel und Bau erh\u00f6hte sich die Konzentration zwischen 1998 und 2008. Am st\u00e4rksten war die Bewegung im Bau. Die Zahl der Unternehmen nahm in dieser Periode zwar um 6% zu, was sich d\u00e4mpfend auf die Konzentration auswirkte. Gleichzeitig fand besonders bei den grossen Baufirmen eine B\u00fcndelung der Kr\u00e4fte statt, um international an Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu gewinnen; der Verteilungseffekt ist stark positiv. Im Handel widerspiegelt sich die gef\u00fchlte Zunahme der Konzentration auch in den Zahlen. Die Skaleneffekte im Handel setzen einen gewichtigen Anreiz f\u00fcr die Akteure, mittels \u00dcbernahmen und Zusammenschl\u00fcssen Marktmacht zu erlangen. Im Handel ging die Zahl der Unternehmen zwischen 1998 und 2008 um insgesamt 11% zur\u00fcck \u2013 ein Rekord unter allen Branchenaggregaten.&#13;<\/p>\n<h2>Industrie, Unternehmensdienstleister, Staat und Soziales: Relativ hohe Stabilit\u00e4t in der Unternehmenslandschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der traditionellen und in der Spitzenindustrie, bei den Unternehmensdienstleistungen sowie bei den Staats-, Sozial- und Gesundheitsdienstleistungen herrscht in der Unternehmenslandschaft eine relativ hohe Stabilit\u00e4t. Die Zahl der Unternehmen \u00e4nderte sich nur geringf\u00fcgig \u2013 mit Ausnahme der Unternehmensdienstleister, die insgesamt ein Plus von 25% verzeichneten. Diese Branchen reihen sich bei der Konzentration im Mittelfeld ein und erfuhren in der letzten Dekade \u2013 bis auf den Staats-, Gesundheits- und Sozialsektor sowie die Unternehmensdienstleister \u2013 eine leichte Zunahme der Konzentration.&#13;<\/p>\n<h2>Grenzen der Analyse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Interpretation der Konzentrationsmessung muss man sich folgender Grenzen bewusst sein. Unsere Analyse l\u00e4sst keine Aussage zu, inwiefern ein gewisses Niveau der Unternehmenskonzentration problematisch ist. Denn eine hohe Konzentration in der Schweiz ist aus Wettbewerbssicht nur dann kritisch, wenn es sich um binnenorientierte Branchen handelt. In Branchen mit ge\u00f6ffneten M\u00e4rkten ist die Unternehmenskonzentration im relevanten Markt entscheidend, welcher sich in gewissen Branchen auf Europa oder die ganze Welt ausdehnt. So geh\u00f6rt die Luftfahrt \u2013 wenig \u00fcberraschend \u2013 zu den am st\u00e4rksten konzentrierten Branchen der Schweiz, was angesichts der globalen Ausrichtung und des harten Wettbewerbs im relevanten Markt kein Problem darstellt. Im binnenorientierten, schw\u00e4cher konzentrierten Telekomsektor verbot die Wettbewerbskommission hingegen die geplante Fusion von Orange und Sunrise, weil sie eine zu starke Ballung von Marktmacht bef\u00fcrchtete.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit: Liberalisierung setzt Energien frei<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnsere Analyse zeigt auf, dass in stark regulierten Branchen mit (ehemals) staatlichen Monopolen sowie Branchen mit hohen Markteintrittsh\u00fcrden die Unternehmenskonzentration besonders hoch ist. Am niedrigsten f\u00e4llt diese in den wettbewerbsintensiven Branchen mit tiefen Markteintrittsh\u00fcrden aus. Allerdings hat es in den vergangenen zehn Jahren eine gewisse Nivellierung der Konzentration zwischen den verschiedenen Branchen gegeben, welche von zwei gegens\u00e4tzlichen Grundkr\u00e4ften getrieben wurde: In konzentrierten Branchen mit marktm\u00e4chtigen Unternehmen \u2013 wie etwa der Post oder der Telekom \u2013 dr\u00e4ngten neue Akteure auf den Markt, um die Grossen herauszufordern oder von diesen vernachl\u00e4ssigte Nischen zu besetzen. In stark regulierten Branchen hatten Liberalisierungen dabei wesentliche Energien freigesetzt. Der harte Wettbewerb in Branchen mit einer \u00abatomisierten\u00bb Branchenstruktur \u2013 wie zum Beispiel dem Bau \u2013 trieb (und treibt) viele Unternehmen dazu, sich durch Zusammenschl\u00fcsse und \u00dcbernahmen in eine vorteilhafte, marktm\u00e4chtigere Stellung zu bringen. Steigende Skalenertr\u00e4ge spielen dabei als Triebfeder eine wichtige Rolle. \u00dcber die gesamte Schweizer Wirtschaft betrachtet wirkten aber die T\u00e4tigkeit der Wettbewerbsbeh\u00f6rden, Liberalisierungsbem\u00fchungen der Politik und die \u00fcberaus dynamische Unternehmensdemografie in der Schweiz dieser Konzentrationstendenz wirkungsvoll entgegen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abLorenzkurven der Besch\u00e4ftigungsverteilung in ausgew\u00e4hlten Branchen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abVer\u00e4nderung der Unternehmenskonzentration (HHI) nach Branchen, 1998\u20132008\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Die Struktur der Schweizer Wirtschaft 1998\u20132020&#13;<\/p>\n<h3>Die Struktur der Schweizer Wirtschaft 1998\u20132020<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Studie des Economic Research der Credit Suisse, welche in diesem Artikel vorgestellt wird, befasst sich mit den Trends, welche dem Wandel der Schweizer Wirtschaft und ihrer Branchen 1998\u20132008 zugrunde liegen. Auf Basis der eidgen\u00f6ssischen Betriebsz\u00e4hlung betrachten wir in dieser Studie sechs ausgew\u00e4hlte Indikatoren respektive Trends, welche selten im Rampenlicht der \u00f6ffentlichen Diskussion stehen und helfen, den Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft besser zu verstehen. Neben der Unternehmenskonzentration, welche im vorliegenden Artikel im Zentrum steht, beleuchten wir in der Studie Tertiarisierung, Outsourcing, Produktivit\u00e4t, regionale Verteilung (vgl. <i>Kasten<\/i> 3) und Filialisierung. Zudem entwerfen wir ein Szenario f\u00fcr das Jahr 2020, welches zeigt, dass die Schweiz das Potenzial hat, aus dem internationalen Wettbewerb langfristig als Gewinnerin hervorzugehen. Die Studie ist auf dem Internet verf\u00fcgbar unter <i>www.credit-suisse.com\/research<\/i>, Schweizer Wirtschaft, Branchen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Berechnungsmethode des Herfindahl-Hirschmann-Index&#13;<\/p>\n<h3>Berechnungsmethode des Herfindahl-Hirschmann-Index<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDer HHI f\u00fcr ein bestimmtes Branchenaggregat berechnet sich aus der Summe der quadrierten Besch\u00e4ftigungsanteile:(f\u00fcr Formeln siehe PDF)wobei <i>b<\/i><i>i<\/i> die Besch\u00e4ftigung des Unternehmens <i>i<\/i> und <i>N<\/i> die Gesamtzahl der Unternehmen des Branchenaggregats kennzeichnet. Logarithmiert man den HHI, dann l\u00e4sst sich die Ver\u00e4nderung des HHI summarisch in zwei Effekte zerlegen:a Der erste Effekt (1) ergibt sich aus der Ver\u00e4nderung der Zahl der Unternehmen <i>N<\/i>. Der zweite Effekt (2) stammt aus einer sich \u00e4ndernden Verteilung der Besch\u00e4ftigungsanteile, gemessen anhand des Variationskoeffizienten <i>VK<\/i>:(f\u00fcr Formeln siehe PDF)Die Idee der Zerlegung ist einfach: Eine steigende Unternehmenskonzentration, also ein h\u00f6herer HHI in <i>t+1<\/i>, kann auf einer sinkenden Zahl von Unternehmen (Term 1) oder einer ungleicheren Besch\u00e4ftigungsverteilung \u2013 sprich einem h\u00f6heren Variationskoeffizienten in <i>t+1<\/i> (Term 2) \u2013 beruhen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na F\u00fcr technische Details siehe Kapitel 6.2 (S. 38) im Anhang der Studie.&#13;<br \/>\nKasten 3: Agglomerationsboom in praktisch allen Branchen&#13;<\/p>\n<h3>Agglomerationsboom in praktisch allen Branchen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nEin besonderes Augenmerk unserer Studie liegt auf der regionalen Branchenentwicklung. Der sogenannte Lokationskoeffizient gibt an, ob sich der Besch\u00e4ftigungsanteil einer bestimmten Branche in einer bestimmten Region \u00fcber oder unter dem entsprechenden gesamtschweizerischen Durchschnitt befindet. Diese Betrachtung wird durch eine sogenannte Shift-Share-Analyse erweitert, welche aufzeigt, ob die Ver\u00e4nderung der Besch\u00e4ftigung in einer Region durch das allgemeine Wirtschaftswachstum (Konjunktureffekt), die Branchenentwicklung (Brancheneffekt) oder regionalspezifische Faktoren (Residuum) erkl\u00e4rt werden kann. Der augenf\u00e4lligste regionale Trend der Jahre 1998 bis 2008 ist demnach ein regelrechter Agglomerationsboom. Mit Ausnahme der traditionellen Industrie verzeichneten s\u00e4mtliche Branchen einen Anstieg der Besch\u00e4ftigung in Agglomerationsgebieten. Vor allem Branchen mit Filialcharakter (Finanzdienstleister, Verkehr, Post und Telekom) trugen zum Besch\u00e4ftigungswachstum der Agglomerationen bei und verringerten ihre Pr\u00e4senz in den St\u00e4dten. Der Trend zur Verlagerung von Arbeitspl\u00e4tzen aus den St\u00e4dten war bei insgesamt knapp zwei Dritteln aller Branchen zu beobachten und zeigte sich besonders ausgepr\u00e4gt bei der Spitzenindustrie, wo eine eigentliche Flucht aus der Stadt hinaus aufs Land festzustellen war.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entwicklung der Unternehmenskonzentration dokumentiert als einer von vielen Indikatoren den Strukturwandel der Schweizer Wirtschaft in der vergangenen Dekade. Insgesamt hat die Unternehmenskonzentration zwischen 1998 und 2008 leicht abgenommen, und die Unterschiede zwischen den Branchen sind kleiner geworden. Liberalisierungsschritte haben entscheidend dazu beigetragen, die Konzentration in ehemals stark regulierten Branchen zu verringern. 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