{"id":121046,"date":"2010-11-01T12:00:00","date_gmt":"2010-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/11\/bretschger-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:56","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:56","slug":"bretschger-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/11\/bretschger-3\/","title":{"rendered":"Preisentwicklung bei nat\u00fcrlichen Ressourcen"},"content":{"rendered":"<p>Die Entwicklung der letzten Jahre war nicht nur auf den Finanzm\u00e4rkten turbulent; auch die Rohstoffm\u00e4rkte waren von zahlreichen Ver\u00e4nderungen und Preisschocks betroffen. Angesichts der grossen Preisspr\u00fcnge stellt sich die Frage, ob die freien M\u00e4rkte in der Lage sind, den Verbrauch von Rohstoffen in einer Wirtschaft optimal zu steuern. Dieser Beitrag vermittelt einen \u00dcberblick \u00fcber Theorie und Empirie der Ressourcenm\u00e4rkte und zeigt die verschiedenen Einflussfaktoren f\u00fcr die kurz- und langfristige Preisentwicklung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Preisentwicklung auf Ressourcenm\u00e4rkten wird \u2013 wie auf allen anderen M\u00e4rkten \u2013 durch Angebot und Nachfrage gesteuert. Der wesentliche Unterschied zu anderen M\u00e4rkten besteht in der von der Natur vorgegebenen Knappheit des Angebots: Eine erneuerbare Ressource (z.B. Holz, Fische) kann sich innerhalb einer \u00ab\u00f6konomisch sinnvollen\u00bb Zeitspanne regenerieren, so dass es immer ein positives Angebot geben wird, solange die Ressource nicht \u00fcber ihr Reproduktionspotenzial hinaus geerntet wird. F\u00fcr nicht erneuerbare Ressourcen jedoch besteht nach Aussch\u00f6pfung aller Vorkommen \u2013 selbst bei unendlich hohem Preis \u2013 kein Angebot mehr (z.B. Erd\u00f6l, Kohle). Entsprechend bestimmt die unterschiedliche Reproduktionsf\u00e4higkeit der Ressourcen \u00fcber die optimale Extraktion und den optimalen Preisverlauf.Bei der Analyse der Ressourcenm\u00e4rkte gilt es zudem, zwischen der Preisentwicklung in der kurzfristigen und der langfristigen Sicht zu unterscheiden. In der kurzen Frist sind das Angebot und die Nachfrage wenig flexibel, was grosse Preisausschl\u00e4ge f\u00f6rdert. Langfristig ist die absolute Knappheit der nat\u00fcrlichen Ressource das dominante Thema, sofern die Wirtschaftssubjekte in der Lage sind, die Begrenzungen des nat\u00fcrlichen Angebots richtig zu antizipieren. Die verschiedenen Effekte und Mechanismen werden im Folgenden f\u00fcr den Fall der nicht erneuerbaren Ressourcen beschrieben und in der <i>Grafik 1<\/i> schematisch dargestellt. Der Fall der erneuerbaren Ressourcen wird am Schluss des Artikels erl\u00e4utert.&#13;<\/p>\n<h2>Preisentwicklung in der kurzen Frist<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie M\u00e4rkte der nicht erneuerbaren Ressourcen sind in der kurzen Frist durch starke Preisschwankungen gekennzeichnet. Reale Preissteigerungsraten von bis zu 80% in weniger als zwei Monaten sind historisch keine Seltenheit. Doch der reale Preisanstieg in den Jahren 2003 bis 2008 war der am l\u00e4ngsten anhaltende und st\u00e4rkste Aufw\u00e4rtstrend der Geschichte. So vervierfachte sich der \u00d6lpreis von rund 32 US-Dollar im Juli 2003 auf 118 US-Dollar im Juli 2008. Vergleichbare Preistrends fanden auf fast allen M\u00e4rkten f\u00fcr nicht erneuerbare Ressourcen statt.&#13;<br \/>\nVgl. Livernois (2009).Die Preisentwicklung in der kurzen Frist wird durch zahlreiche Faktoren beeinflusst (siehe <i>Grafik 1<\/i>, blaue Pfeile). Grunds\u00e4tzlich l\u00e4sst sich zun\u00e4chst festhalten, dass das Angebot und die Nachfrage relativ starr sind. Das unelastische Angebot ergibt sich vor allem aus der zeit- und kostenintensiven Errichtung von komplexen Abbau- und F\u00f6rderungsanlagen. Auf der Nachfrageseite ist dagegen die kurzfristig beschr\u00e4nkte Substituierbarkeit das Problem. Eine kleine \u00c4nderung auf einer der beiden Marktseiten f\u00fchrt in der Folge zu vergleichsweise gr\u00f6sseren Preisschwankungen, was die oben beschriebenen Auff\u00e4lligkeiten zumindest teilweise erkl\u00e4rt. Die vielf\u00e4ltige Verwendung von Rohstoffen in den unterschiedlichsten Industrien weltweit erschwert eine Prognose der Nachfrageentwicklung und damit die Planung zuk\u00fcnftiger F\u00f6rder-Infrastruktur. Eine zeitlich vorausschauende Planung ist jedoch wichtig: f\u00fcr die F\u00f6rderindustrie selbst, f\u00fcr alle anderen Industrien (die Nachfrager) und schliesslich f\u00fcr den Staat, der die Rahmenbedingungen festlegt und die F\u00f6rder- und Verteilungsinfrastruktur wesentlich mitbestimmt.&#13;<\/p>\n<h2>Hohe Korrelation der verschiedenen Ressourcenpreise<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den sehr hohen Preisschwankungen f\u00e4llt auf, dass Preise verschiedenster Ressourcen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben, eine sehr hohe Korrelation aufweisen. Dieses Ph\u00e4nomen, das in der Literatur als <i>Excess Co-Movement<\/i> bezeichnet wird,&#13;<br \/>\nVgl. Pindyck (1987). kann auf zwei Ursachen zur\u00fcckgef\u00fchrt werden: \u2212 Zum einen weisen Ressourcenm\u00e4rkte <i>Charakteristika<\/i> auf, die sie <i>besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Spekulationen<\/i> machen. Ein Markt weist umso mehr die Tendenz zur Blasenbildung auf, je intransparenter er ist und je schwieriger die Bestimmung des Fundamentalwerts des gehandelten Gutes ist.&#13;<br \/>\nVg. Baker und Wurgler (2007). Gerade f\u00fcr nicht erneuerbare Ressourcen scheinen diese Charakteristika zuzutreffen, da auf den meisten M\u00e4rkten bereits Unsicherheit \u00fcber die noch insgesamt verf\u00fcgbaren Reserven besteht. Obwohl es damit recht wahrscheinlich erscheint, dass die hohe Korrelation verschiedenster Ressourcenarten durch Spekulationen getrieben wird und damit dem Mangel besserer (fundierterer) Informationen zuzuschreiben ist, konnte bisher kein eindeutiger Nachweis von Spekulationen auf die j\u00fcngste Preisentwicklung erbracht werden. \u2212 Der zweite Grund f\u00fcr die hohe Korrelation ist in der <i>\u00c4nderung der Risikobereitschaft von Investoren<\/i> zu sehen: W\u00e4hrend bereits seit einiger Zeit bekannt ist, dass Individuen dazu neigen k\u00f6nnen, Risiken herunterzuspielen und ihr Einsch\u00e4tzungsverm\u00f6gen falsch zu beurteilen, wurde erst k\u00fcrzlich gezeigt, dass die Erfahrung von Rezessionen zu sehr zur\u00fcckhaltendem Investmentverhalten f\u00fchren kann. Diese Pr\u00e4gung kann das \u00f6konomische Verhalten selbst \u00fcber Jahrzehnte beeinflussen.&#13;<br \/>\nVgl. Malmendier (2010). W\u00e4hrend sich vor einer Krise besonders viele Investoren finden, die einen hohen \u00abRisikoappetit\u00bb aufweisen und in risikoreichere Finanzinstrumente investieren, nimmt deren Zahl w\u00e4hrend oder in Folge einer Rezession stark ab. Dieser Umstand dient als weitere Erkl\u00e4rung f\u00fcr die gleichf\u00f6rmige Bewegung der Preise.Die Investition in Angebotskapazit\u00e4ten erfolgt in der Regel prozyklisch, was ebenfalls die Verst\u00e4rkung der Preisausschl\u00e4ge beg\u00fcnstigen kann. So wird in die Entdeckung und Erschliessung von Erd\u00f6lquellen in Zeiten hoher Gewinne investiert, w\u00e4hrend in Zeiten niedriger Preise diese Aktivit\u00e4ten ruhen oder nur in eingeschr\u00e4nktem Umfang stattfinden. Dies gilt in besonderem Mass f\u00fcr Investitionen w\u00e4hrend der letzten Rezession. Da sich durch die Finanzkrise sowohl die Verf\u00fcgbarkeit von Krediten verschlechterte als auch der Preis f\u00fcr Ressourcen fiel, wurden viele Investitionsprojekte in den Ausbau der Kapazit\u00e4ten gestoppt. Die zum heutigen Zeitpunkt bereits wieder relativ hohen Ressourcenpreise d\u00fcrften \u2013 zumindest teilweise \u2013 hierin ihre Ursache finden.&#13;<\/p>\n<h2>Weitere Einflussfaktoren auf die Ressourcenpreisentwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine besondere Rolle f\u00fcr das Gleichgewicht auf Ressourcenm\u00e4rkten spielt der Zinssatz. Allgemein gilt, dass sinkende Zinsen einen Preisanstieg auf den Ressourcenm\u00e4rkten beg\u00fcnstigen, weshalb die Niedrigzinspolitik der USA als ein weiterer kausaler Faktor genannt werden kann. Mit einer Senkung der Zinsen haben Produzenten wie Saudi-Arabien einen geringeren Anreiz, \u00d6l oder Gas zu produzieren. F\u00fcr Investoren hingegen werden Staatsanleihen unattraktiver, so dass eine Verlagerung in alternative Investitionen \u2013 wie z.B. Commodities \u2013 erfolgt. Als aktuelles Beispiel kann hier die Anlagestrategie der Schweizer Pensionskassen genannt werden. Laut einer Umfrage steigerten diese im Schnitt ihre Anlagen in Commodities von 0% im Jahr 2004 auf 28,1% im Jahr 2007.&#13;<br \/>\nQuelle: Complementa (2008). Zuletzt besteht auch f\u00fcr Unternehmen, die Lagerhaltung betreiben, ein Anreiz zur Lagerung von Ressourcen, wenn der Zinssatz niedrig ist; die Opportunit\u00e4tskosten des gebundenen Kapitals sind vergleichsweise gering. Daten \u00fcber US-Lagerbest\u00e4nde zeigen zwar, dass diese w\u00e4hrend der Phase niedriger Zinsen nicht anstiegen, sondern unter das langj\u00e4hrige Mittel fielen. Es ist indes fraglich, inwieweit die aus den USA erh\u00e4ltlichen Daten repr\u00e4sentativ f\u00fcr weltweite Lagerbest\u00e4nde sind.Die Notwendigkeit einer offiziellen Institution, die entsprechende Informationen sammelt, aufbereitet und dem Markt bereitstellt, wurde bereits 1973 erkannt und mit der Gr\u00fcndung der Internationalen Energieagentur (IEA) \u2013 bzw. der <i>Joint Oil Data Initiative<\/i> f\u00fcr den Erd\u00f6lmarkt \u2013 2001 umgesetzt. Die j\u00fcngsten Entwicklungen zeigen jedoch, dass diese Initiativen wom\u00f6glich noch nicht ausreichen, um eine vorausschauende Planung der F\u00f6rder-Infrastruktur zu erm\u00f6glichen: So lag die in China nachgefragte Menge Erd\u00f6l 2007 um 870&nbsp;000 Barrel pro Tag h\u00f6her als 2005. Da das Angebot jedoch nicht rechtzeitig angepasst wurde, dr\u00e4ngte der ansteigende Preis die Nachfrage nach Erd\u00f6l in Europa, den USA und Japan in den Jahren 2005\u20132007 zur\u00fcck.&#13;<br \/>\nVgl. Hamilton (2009).Politische Unruhen in Anbieterl\u00e4ndern verunsichern Investoren und haben das Potenzial, zu starken Preisausschl\u00e4gen zu f\u00fchren. Als Beispiele in j\u00fcngster Vergangenheit dienen der Krieg in Irak, die Unruhen in Nigeria oder das iranische Nuklearprogramm. Wie jedoch erst k\u00fcrzlich gezeigt, wurde der Preisanstieg jeweils durch Vorsichtsk\u00e4ufe \u2013 und damit Angstreaktionen von Investoren \u2013 ausgel\u00f6st und nicht durch tats\u00e4chliche Verknappungen des Angebots.&#13;<br \/>\nVgl. Kilian (2010). F\u00fcr den starken Aufw\u00e4rtstrend der Preise in den Jahren 2001\u20132008 spielten diese politischen Geschehnisse aber nur eine untergeordnete Rolle. Die tats\u00e4chlichen Angebotskapazit\u00e4ten blieben konstant; Preisausschl\u00e4ge waren von kurzer Dauer und wurden nach wenigen Tagen wieder angepasst.&#13;<br \/>\nVgl. Hamilton (2009).&#13;<\/p>\n<h2>Preisentwicklung in der langen Frist<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der Betrachtung der Preise \u00fcber einen langen Zeitraum (oranger Pfad in <i>Grafik 1<\/i>)wird deutlich, dass die kurzfristig wirkenden Kr\u00e4fte in der langen Frist ihre Wirkung verlieren. <i>Grafik 2<\/i> illustriert am Beispiel von Kupfer, Indium und Erd\u00f6l, dass die Wachstumsraten der Preise nicht signifikant von null verschieden sind: Auf die lange Frist sind die Preise f\u00fcr diese nicht erneuerbaren Ressourcen weder signifikant gestiegen noch gesunken. Langfristig sollte die Preisentwicklung von nat\u00fcrlichen Ressourcen massgeblich durch ihre absolute Knappheit getrieben werden. <i>Hotelling<\/i> beschrieb bereits 1931 das Problem, wie ein Besitzer einer nicht erneuerbaren Ressource seine Vorkommen optimal abbauen sollte, wenn er seinen Gewinn maximieren m\u00f6chte: Der Ressourcenbesitzer wird in jeder Periode gerade so viel auf den Markt bringen, dass sein Gewinn mit einer Rate ansteigt, die er auch auf alternativen Investitionen mit gleicher Risikoklasse erzielt h\u00e4tte <i>(Hotelling-Regel).<\/i> Der Ressourcenbesitzer kann zu jedem Zeitpunkt zwischen zwei Handlungsalternativen w\u00e4hlen: Er hat die M\u00f6glichkeit, heute eine Einheit mehr zu extrahieren, zu verkaufen und den Gewinn anzulegen oder die Ressource im Boden zu lassen, eine Periode zu warten und die Einheit dann auf dem Markt zu verkaufen. Damit ein Gleichgewicht besteht, muss der Ressourcenbesitzer indifferent zwischen diesen beiden Handlungsoptionen sein. Best\u00fcnde keine Gleichheit der Alternativen, k\u00f6nnte der Ressourcenbesitzer immer einen h\u00f6heren Gewinn erzielen, wenn er seine Extraktionsmengen entsprechend erh\u00f6ht oder senkt.&#13;<\/p>\n<h2>Implikationen der Hotelling-Regel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiese Regel bedingt damit nicht nur die Arbitrage-Freiheit der Ressourcenm\u00e4rkte, sondern beschreibt zugleich auch ein aus gesamtwirtschaftlicher Sicht optimales Resultat. Im Gegensatz zu anderen M\u00e4rkten entsteht aufgrund der nat\u00fcrlich vorgegebenen insgesamt verf\u00fcgbaren Ressourcenmenge eine Rente f\u00fcr den Ressourcenbesitzer, die einen Anstieg des Preises \u00fcber die Grenzkosten hinaus begr\u00fcndet. Die Existenz einer solchen Rente ist ein Charakteristikum f\u00fcr die Preisentwicklung nicht erneuerbarer Ressourcen und unterscheidet diesen von anderen M\u00e4rkten.Auf Basis der Theorie w\u00fcrde man daher vermuten, dass der langfristige Preistrend positiv sein sollte. Dies entspricht aber nicht den Beobachtungen. Sind die Preise damit nicht optimal? Nicht notwendigerweise, denn der Gewinn wird nicht nur durch den Preis, sondern auch durch die Kosten und die Menge der Vorr\u00e4te getrieben. Um zu beurteilen, ob Ressourcenpreise optimal sind, muss der Anstieg des \u00abNettogewinns\u00bb \u2013 oder besser der Ressourcenrente \u2013 analysiert werden.Eine Analyse der Ressourcenrente hat sich in der Literatur als besonders schwierig erwiesen, da es eine Vielzahl von Faktoren gibt, die sie beeinflussen k\u00f6nnen. Diese Faktoren k\u00f6nnen kategorisiert werden, je nachdem, ob sie die Extraktionskosten, die Knappheit der Ressource oder die Marktmacht \u2013 und damit den erzielbaren Preis \u2013 betreffen. Zu den Faktoren, die eine \u00c4nderung der Extraktionskosten bewirken, z\u00e4hlen der technische Fortschritt in der Extraktionstechnologie (Senkung der marginalen Extraktionskosten), die zunehmende Verschlechterung der Qualit\u00e4t der extrahierten Menge und die zunehmend schlechtere Erreichbarkeit der Extraktionsfelder (Erh\u00f6hung der marginalen Extraktionskosten). In der Praxis gestaltet sich bereits die Bestimmung der marginalen Extraktionskosten schwierig, da die Datenverf\u00fcgbarkeit diesbez\u00fcglich sehr schlecht ist. Zudem spielt die absolut verf\u00fcgbare Menge eine wichtige Rolle f\u00fcr die Analyse des Optimums. Die Entdeckung neuer Vorkommen reduziert die Ressourcenverknappung (Preissprung nach unten, siehe t<i>1<\/i> in <i>Grafik 1<\/i>) und verl\u00e4ngert den Zeithorizont bis zur vollst\u00e4ndigen Extraktion der Ressource. Die bekannte Ressourcenmenge ist in den letzten Jahren stetig angewachsen, so dass eine Anpassung des optimalen Extraktionspfades an die wirkliche Knappheit der Ressource h\u00e4tte stattfinden sollen. Erste Untersuchungen haben aber bisher keine Reaktion des \u00d6lpreises auf Entdeckungen von \u00d6lfeldern nachweisen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\nVgl. Leinert (2010). Die jeweils vorliegende Marktstruktur beeinflusst ebenfalls den Abbaupfad und damit den Preispfad der Ressource. In einem Monopol (oder auch Oligopol) wird der Preis zu Beginn h\u00f6her sein als bei vollst\u00e4ndiger Konkurrenz und im Verlauf der Zeit weniger stark ansteigen.&#13;<\/p>\n<h2>Unsicherheiten der Ressourcenbesitzer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZuletzt beschreibt die oben dargestellte einfache Form der Hotelling-Regel das optimale Extraktionsverhalten in einer Welt vollst\u00e4ndiger Information. In der Praxis sind Ressourcenbesitzer jedoch einer Vielzahl von Unsicherheiten ausgesetzt: Sie wissen nicht, wie der technische Fortschritt und die Entwicklung von Substituten voranschreiten wird (z.B. Entwicklung eines batteriebetriebenen Autos), ob weitere Ressourcen gefunden werden (z.B. das \u00d6lfeld Tupi in Brasilien) oder ob ihre Eigentumsrechte \u00fcber die n\u00e4chsten Jahre gesichert sein werden. Angesichts der Vielzahl von Unsicherheiten erscheint es rational, das Gewinnmaximum nicht \u00fcber die totale Laufzeit der Ressource erzielen zu wollen, sondern \u00fcber einen k\u00fcrzeren Zeitraum. In der Literatur wurde gezeigt, dass Saudi-Arabiens Extraktionsmengen auf eine solche Strategie hinweisen. Eine solche Strategie bedingt jedoch im Vergleich zum Optimum zu hohe Abbauraten der Ressource und tr\u00e4gt sowohl zu einer Verschlechterung von Umwelt und Klima als auch zur Erh\u00f6hung der Generationenungerechtigkeit bei.&#13;<br \/>\nVgl. dazu auch Bretschger et al. (2010).&#13;<\/p>\n<h2>Erneuerbare nat\u00fcrliche Ressourcen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nErneuerbare Ressourcen verf\u00fcgen \u00fcber eine nat\u00fcrliche Regeneration, d.h. \u00fcber ein von der Natur gesteuertes Wachstum. Diese Ressourcen k\u00f6nnen nachhaltig genutzt werden, wenn die Abbaurate die Regenerationsrate nicht \u00fcbersteigt. In einem solchen Fall ist die gehandelte Menge konstant und der (reale) Preis \u00fcber die Zeit unver\u00e4ndert. In der <i>Grafik 1<\/i> ist der langfristige Preispfad damit flach; Strukturbr\u00fcche durch die Entdeckung neuer Vorkommen gibt es keine.Im Gegensatz zu nicht erneuerbaren Ressourcen f\u00fchrt das optimale Marktgleichgewicht nicht notwendigerweise zu einer nachhaltigen und generationengerechten Ressourcennutzung. Selbst wenn die M\u00e4rkte optimal funktionieren, kann ein Ausrotten einer erneuerbaren Ressource nicht ausgeschlossen werden, wenn die Ungeduld \u2013 und damit der Diskontfaktor f\u00fcr die Bewertung der Zukunft \u2013 zu gross ist. Zudem sind bei vielen erneuerbaren Ressourcen, wie zum Beispiel bei den Fischvorr\u00e4ten auf den Weltmeeren, die Eigentumsrechte nicht klar definiert. Anstelle einer optimalen Nutzung ergibt sich \u00fcber den freien Zugang zu den Ressourcen <i>(Open Access)<\/i> eine \u00dcbernutzung und damit im Extremfall ebenfalls die Ausrottung. Die \u00dcbernutzung kann mit der Zuweisung von privaten Eigentumsrechten oder durch eine staatliche Verteuerung der Ressourcennutzung verhindert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abPreistrends f\u00fcr nicht erneuerbare Ressourcen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abPreisentwicklung in der langen Frist, 1955\u20132007\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\n\u2212 Baker M., Wurgler J. (2007): Investor Sentiment in the Stock Market. Journal of Economic Perspectives, 21(2), S. 129\u2013152.\u2212 Bretschger L. et al. (2010): Preisentwicklung bei nat\u00fcrlichen Ressourcen. Vergleich von Theorie und Empirie. Umwelt-Wissen 1001. Bundesamt f\u00fcr Umwelt, Bern.\u2212 Complementa Risiko Check-up 2008: Zur aktuellen Lage schweizerischer Pensionskassen (<i><a href=\"http:\/\/www.live.complementa.ch\">http:\/\/www.live.complementa.ch<\/a>,<\/i> Risiko Check-up, Archiv).\u2212 Hamilton J.D. (2009): Causes and Consequences of the Oil Shock of 2007\u20132008. Brookings Papers on Economic Activity, Spring 2009, Conference Draft.\u2212 Hotelling H. (1931): The Economics of Exhaustible Resources. Journal of Political Economy 30, S. 137\u2013175.\u2212 Kilian L. (2009): Not All Oil Price Shocks Are Alike: Disentangling Demand and Supply Shocks in the Crude Oil Market. American Economic Review, Vol. 99(3), S. 1053\u201369. \u2212 Leinert L. (2010): How Do Unanticipated Discoveries of Oil Fields Affect the Oil Price? CER-ETH Working Paper Series, 10\/140.\u2212 Livernois J. (2009): On the Empirical Significance of the Hotelling Rule. Review of Environmental Economics and Policy, 3 (1), S. 22\u201341.\u2212 Malmendier U. (2010): Depression Babies: Do Macroeconomic Experiences Affect Risk Taking? Quarterly Journal of Economics, forthcoming. \u2212 Pindyck R.S., Rotemberg J.J. (1990): The Excess Co-Movement of Commodity Prices. The Economic Journal, 100, 403, S. 1173\u20131189.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Entwicklung der letzten Jahre war nicht nur auf den Finanzm\u00e4rkten turbulent; auch die Rohstoffm\u00e4rkte waren von zahlreichen Ver\u00e4nderungen und Preisschocks betroffen. Angesichts der grossen Preisspr\u00fcnge stellt sich die Frage, ob die freien M\u00e4rkte in der Lage sind, den Verbrauch von Rohstoffen in einer Wirtschaft optimal zu steuern. 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