{"id":121056,"date":"2010-11-01T12:00:00","date_gmt":"2010-11-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2010\/11\/duttweiler-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:32:54","modified_gmt":"2023-08-23T21:32:54","slug":"duttweiler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2010\/11\/duttweiler\/","title":{"rendered":"Arbeitsmarktsituation der Jugendlichen in der j\u00fcngsten Rezession"},"content":{"rendered":"<p>In Zeiten schwacher Arbeitsmarktentwicklung sind junge Menschen besonders h\u00e4ufig von Arbeitslosigkeit betroffen, weil viele von ihnen den \u00dcbergang von der Ausbildung ins regul\u00e4re Besch\u00e4ftigungssystem bestehen m\u00fcssen. Dem Lehrstellenmarkt sowie der Nahtstelle vom Ausbildungs- in das regul\u00e4re Besch\u00e4ftigungssystem kommt in diesem Zusammenhang eine besonders hohe Bedeutung zu. Der folgende Beitrag geht der Frage nach, wie sich die j\u00fcngste Rezession auf die Arbeitsmarktsituation von Jugendlichen ausgewirkt hat und was im weiteren Verlauf zu erwarten ist. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201011_13_Duttweiler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Jahr 2009 durchlief die Schweizer Volkswirtschaft die sch\u00e4rfste Rezession seit den 1970er-Jahren. Das Bruttoinlandprodukt schrumpfte real um 1,9%, wobei Finanzdienstleistungs- und Industrieunternehmen besonders stark vom Einbruch der Nachfrage betroffen waren. Ein wirtschaftlicher R\u00fcckschlag dieses Ausmasses konnte denn auch nicht ohne Folgen f\u00fcr den Arbeitsmarkt bleiben: Die Arbeitslosenquote stieg von 2,6% im Herbst 2008 auf 4,2% bis Ende 2009 (saisonbereinigte Werte). H\u00e4tten nicht viele Industrieunternehmen Kurzarbeit eingesetzt, w\u00e4re der Anstieg noch deutlich st\u00e4rker ausgefallen. Relativ \u00fcberraschend bildete sich die Arbeitslosenquote ab Anfang 2010 leicht zur\u00fcck. Die wirtschaftliche Erholung kam nach dem starken Einbruch im letzten Jahr in diesem Jahr deutlich rascher und kr\u00e4ftiger, als man erwartet hatte. Der Aufschwung war stark durch die geld- und fiskalpolitischen Massnahmen gepr\u00e4gt, welche weltweit massiv zum Einsatz kamen. Bis im Herbst 2009 hatten die meisten Schweizer Konjunkturexperten f\u00fcr 2010 noch mit einer sehr z\u00f6gerlichen wirtschaftlichen Erholung und einem Anstieg der Arbeitslosenquote auf deutlich \u00fcber 5% gerechnet. Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte die Arbeitslosenquote 2010 im Jahresdurchschnitt nun 3,9% betragen.&#13;<\/p>\n<h2>Die Jugendarbeitslosigkeit reagiert stark auf die Konjunktur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Jugendarbeitslosigkeit reagiert erfahrungsgem\u00e4ss besonders sensibel auf konjunkturelle Schwankungen. F\u00fcr die Zeitspanne von Anfang 2000 bis September 2010 schlug sich ein Anstieg oder ein R\u00fcckgang der Gesamtarbeitslosenzahl von 10% im Durchschnitt in einem Anstieg bzw. R\u00fcckgang von 12,6% der Jugendarbeitslosenzahl nieder. Dieser l\u00e4ngerfristige statistische Zusammenhang galt auch in der j\u00fcngsten Krise (vgl. <i>Grafik 1<\/i>). Die erh\u00f6hte Konjunktursensitivit\u00e4t der Jugendarbeitslosigkeit hat haupts\u00e4chlich drei Ursachen: \u2212 Viele Jugendliche befinden sich in einer \u00dcbergangssituation zwischen der Ausbildung und dem Arbeitsmarkt. Da viele Unternehmen bei schwacher Auftragslage mit Einstellungsstopps reagieren, bevor sie Personal abbauen, leiden stellensuchende Neueinsteiger als erste und am st\u00e4rksten unter konjunkturellen Einbr\u00fcchen. \u2212 \u00dcberdurchschnittlich viele junge Erwerbst\u00e4tige stehen in befristeten Anstellungsverh\u00e4ltnissen oder arbeiten f\u00fcr Personalverleihfirmen. Solche Arbeitsverh\u00e4ltnisse werden in aller Regel als erste aufgel\u00f6st oder nicht weiter verl\u00e4ngert.\u2212 Personen mit den h\u00f6chsten Qualifikationen treten in der Regel nicht vor 25 Jahren, sondern erst nach Abschluss einer Ausbildung auf der Terti\u00e4rstufe, in den Arbeitsmarkt ein.Wegen der hohen Konjunktursensitivit\u00e4t der Jugendarbeitslosigkeit hatte man vor rund einem Jahr f\u00fcr 2010 noch mit einem Anstieg der Jugendarbeitslosenquote auf deutlich \u00fcber 7% gerechnet. Mittlerweile darf man davon ausgehen, dass die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-J\u00e4hrigen im Jahresdurchschnitt etwa 4,5% erreichen wird. In den letzten Monaten best\u00e4tigte sich die Erfahrung, wonach die Jugendarbeitslosigkeit in Aufschwungphasen deutlich st\u00e4rker sinkt als die Gesamtarbeitslosigkeit. Zwischen September 2009 und September 2010 sank die Arbeitslosenzahl der 15- bis 24-J\u00e4hrigen um 20% \u2013 und damit sogar doppelt so stark wie die Gesamtarbeitslosigkeit. Ende September 2010 lag die Arbeitslosenquote der 15- bis 24-J\u00e4hrigen saison- und zufallsbereinigt noch bei 4,1%, gegen\u00fcber der Gesamtarbeitslosenquote von 3,7%. Ein Jahr zuvor hatte sie noch bei 5,1% bei einer Gesamtarbeitslosenquote von 4,1% gelegen. Die effektive Zahl der 15- bis 24-j\u00e4hrigen Arbeitslosen lag Ende September bei 24&nbsp;035.Ein weiteres Charakteristikum f\u00fcr die Jugendarbeitslosigkeit ist, dass zwar das Risiko, arbeitslos zu werden, stark \u00fcberdurchschnittlich ist, die individuelle Arbeitslosendauer hingegen stark unterdurchschnittlich. \u00dcber den Zeitraum 2004 bis 2010 blieben 15- bis 24-j\u00e4hrige Arbeitslose im Schnitt 4,3 Monate arbeitslos, w\u00e4hrend diese Dauer bei Arbeitslosen im Alter zwischen 25 und 54 Jahren 6,7 Monate betrug.&#13;<\/p>\n<h2>Verschiedene \u00dcberg\u00e4nge bis zur Integration in den Arbeitsmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nJugendliche m\u00fcssen bis zur Integration in den regul\u00e4ren Arbeitsmarkt \u2013 je nach gew\u00e4hltem Ausbildungsweg \u2013 verschiedene \u00dcberg\u00e4nge meistern. Ein erster \u00dcbergang erfolgt nach der obligatorischen Schule. Im Jahr 2008 traten knapp 49% der Jugendlichen direkt danach eine berufliche Grundbildung an. Knapp 15% besuchten zuerst eine \u00dcbergangsausbildung wie etwa ein zehntes Schuljahr oder ein Br\u00fcckenangebot. 26% der Jugendlichen besuchten direkt eine allgemein bildende Schule. F\u00fcr die Mehrzahl der verbleibenden rund 10% der Jugendlichen stand nach der obligatorischen Schule potenziell ein \u00dcbertritt in den regul\u00e4ren Arbeitsmarkt an.&#13;<br \/>\nQuelle: Statistik der Sch\u00fcler und Studierenden BFS. In bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Hinsicht besteht die Herausforderung in dieser ersten \u00dcbergangsphase darin, dass m\u00f6glichst viele Jugendliche, welche eine weiterf\u00fchrende Ausbildung besuchen m\u00f6chten, eine entsprechende Lehrstelle bzw. einen geeigneten Ausbildungsplatz finden k\u00f6nnen.Nach Abschluss der Ausbildung auf Sekundarstufe II erfolgt ein zweiter \u00dcbergang. W\u00e4hrend ein Teil der Absolventen unmittelbar ein Studium auf der Terti\u00e4rstufe anstreben, m\u00f6chten andere auf dem Arbeitsmarkt Fuss fassen. Vor allem Abg\u00e4ngerinnen und Abg\u00e4nger der beruflichen Grundbildung begeben sich in dieser Phase sehr h\u00e4ufig auf Stellensuche. Im langfristigen Durchschnitt verbleiben etwa 40% der Lernenden nach ihrem Abschluss im Lehrbetrieb.&#13;<br \/>\nVgl. Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universit\u00e4t Z\u00fcrich (2010), Berufseinsteiger-Barometer 2010, Kurzfassung des Reports im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT). Die \u00fcbrigen gehen auf Stellensuche, treten eine weiterf\u00fchrende Ausbildung an oder ziehen sich aus dem Erwerbsleben zur\u00fcck. Dieser \u00dcbergang ist bekanntermassen mit einem besonders hohen Arbeitslosigkeitsrisiko verbunden, wobei die Dauer der Arbeitslosigkeit in den meisten F\u00e4llen relativ kurz ist. Auch Personen, welche ein Studium auf der Terti\u00e4rstufe abgeschlossen haben, m\u00fcssen danach den Einstieg in den Arbeitsmarkt bew\u00e4ltigen. W\u00e4hrend Personen mit beruflicher Ausbildung in der Regel bereits mehrere Jahre Berufserfahrung aufweisen, vollziehen jene, welche allgemein bildende Schulen durchlaufen haben, nach dem Studium unter Umst\u00e4nden ihren ersten \u00abrichtigen\u00bb \u00dcbergang in den Arbeitsmarkt.&#13;<br \/>\nVom gymnasialen Maturit\u00e4tsjahrgang 2006 traten 92% sp\u00e4ter an eine Hochschule \u00fcber. Bei den \u00dcbertritten von der gymnasialen Maturit\u00e4t an eine universit\u00e4re Hochschule erfolgten 94% der \u00dcberg\u00e4nge im Jahr der Maturit\u00e4t selber oder im Jahr darauf. Quelle: BFS (2010), Maturit\u00e4ten und \u00dcbertritte an Hochschulen 2009, Neuenburg, 2010.&#13;<\/p>\n<h2>Situation auf dem Lehrstellenmarkt 2010<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNachdem die Zahl der Schulabg\u00e4ngerinnen und -abg\u00e4nger der obligatorischen Schule (Sekundarstufe I) in den letzten Jahren noch stetig zugenommen hat, erfolgt zurzeit ein R\u00fcckgang (vgl. <i>Grafik 2<\/i>). Gem\u00e4ss Prognosen des Bundesamts f\u00fcr Statistik (BFS) wird bis 2018 ein R\u00fcckgang von 18% erwartet, womit auch die Zahl der Lehrstellensuchenden sinken d\u00fcrfte. Aus Sicht der Jugendlichen k\u00f6nnte diese Entwicklung die Situation auf dem Lehrstellenmarkt etwas entspannen, w\u00e4hrend es f\u00fcr die Unternehmen tendenziell schwieriger werden k\u00f6nnte, geeignete Bewerber zu finden.Seit 2004 hat das Lehrstellenangebot um 18% zugenommen. Der positive Trend wurde durch den j\u00fcngste Wirtschaftseinbruch, wie es scheint, nur vor\u00fcbergehend gebrochen. Nach einem leichten R\u00fcckgang des Lehrstellenangebots im Jahr 2009 prognostiziert das Lehrstellenbarometer f\u00fcr dieses Jahr wieder eine Zuname auf 90&nbsp;000 zu vergebende Lehrstellen (2004: 74 000). Die Anzahl abgeschlossener Lehrvertr\u00e4ge hat im Zeitraum seit 2003 ebenfalls zugenommen, wobei sich vor allem im Hochkonjunkturjahr 2008 das Lehrstellenangebot st\u00e4rker ausgedehnt hat als die Zahl der vergebenen Lehrstellen. Im letzten Jahr sank die Zahl der vergebenen Lehrstellen praktisch parallel zur 16-j\u00e4hrigen Wohnbev\u00f6lkerung in der Schweiz. Die Berufsbildung ist arbeitsmarktorientiert und dadurch st\u00e4rker konjunkturellen Entwicklungen ausgesetzt als allgemein bildende Schulen der Sekundarstufe II. Konjunkturelle Einbr\u00fcche haben jedoch nur einen beschr\u00e4nkten negativen Einfluss auf die Anzahl der vergebenen Lehrstellen, wie es sich auch in der j\u00fcngsten Rezession zeigte. St\u00e4rker als auf die konjunkturelle Entwicklung reagieren Lehrbetriebe auf demografische Gegebenheiten. Gem\u00e4ss einer Studie der Universit\u00e4t Bern nimmt jedoch bei r\u00fcckl\u00e4ufigen Sch\u00fclerzahlen das Lehrstellenangebot nicht im gleichen Umfang ab. Dies hat zur Folge, dass es auch in Zeiten konjunktureller Einbr\u00fcche zu einer Entspannung auf dem Lehrstellenmarkt kommen kann.&#13;<br \/>\nVgl. M\u00fchlemann, Samuel; Wolter, Stefan C., W\u00fcest, Adrian (2009), Apprenticeship Training and the Business Cycle, in: Empirical Research in Vocational Education and Training 1(2), 173\u2013186.F\u00fcr das laufende Jahr zeichnet sich eine weitere Entspannung des Lehrstellenmarktes ab. W\u00e4hrend das Lehrstellenangebot um gut 3% zunehmen d\u00fcrfte, ist bei den Lehrstellensuchenden ein leichter R\u00fcckgang absehbar. Angesichts der gegenl\u00e4ufigen Tendenzen ist zu erwarten, dass die Zahl von abgeschlossenen Lehrvertr\u00e4gen in etwa konstant bleiben wird. Die \u00f6ffentliche Hand hat auf dem Lehrstellenmarkt eine Mittlerrolle. Die kantonalen Berufsbildungs\u00e4mter sind mit den Verh\u00e4ltnissen vor Ort vertraut und pflegen den Kontakt mit den Unternehmungen vor Ort. Sie k\u00f6nnen dadurch die Entwicklung des Lehrstellenangebots am besten absch\u00e4tzen, rechtzeitig geeignete Massnahmen ergreifen und die Jugendlichen bei der Lehrstellensuche individuell unterst\u00fctzen. Der Bund bietet den Kantonen Unterst\u00fctzung. Ausserdem beschliesst die j\u00e4hrliche nationale Lehrstellenkonferenz auf Regierungs- und Dachverbandsebene gegebenenfalls gemeinsame strategische Massnahmen.F\u00fcr die Integration der Jugendlichen in die Berufsbildung stehen bew\u00e4hrte Massnahmen zur Verf\u00fcgung, so etwa der Einsatz von Lehrstellenf\u00f6rderinnen und Lehrstellenf\u00f6rderern, Lehrbetriebsverb\u00fcnde, Coaching und Mentoring, Br\u00fcckenangebote und Case Management Berufsbildung. Ist die Lehrstellensituation angespannt, k\u00f6nnen diese Massnahmen rasch intensiviert werden. Um eine drohende Lehrstellenknappheit fr\u00fchzeitig zu erkennen, stehen das Lehrstellenbarometer (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Lehrstellenbarometer bleibt stabil<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist trotz angespannter Wirtschaftslage weitgehend stabil geblieben. Die am 25. Oktober 2010 an der Lehrstellenkonferenz in Biel ver\u00f6ffentlichten Zahlen des Lehrstellenbarometers, welches das Link-Institut seit 1997 im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) erhebt, best\u00e4tigen: Das gemeinsame Engagement von Bund, Kantonen und Wirtschaft zur Lehrstellenf\u00f6rderung hat Fr\u00fcchte getragen. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen hat sich positiv entwickelt. Per August 2010 vergaben die Unternehmen 83&nbsp;000 Lehrstellen (2009: 82 000). Weitere 7000 Ausbildungspl\u00e4tze waren am Stichtag, dem 31. August 2010, noch offen. Die Betriebe hoffen, davon 2500 noch besetzen zu k\u00f6nnen. Das gesamte Angebot hat mit 90&nbsp;000 Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um 3000 Stellen zugenommen. Damit ist es noch vor dem H\u00f6chstangebot von 88&nbsp;000 Ausbildungspl\u00e4tzen im Jahr 2008 das umfangreichste seit dem Jahr 2000 (79 500).Von den 149&nbsp;000 Jugendlichen, die 2010 vor der Ausbildungswahl standen, sind rund 73&nbsp;500 (2009: 75 000) in eine berufliche Grundbildung eingetreten. Die Mehrheit gibt an, eine zumindest vor\u00fcbergehende L\u00f6sung gefunden zu haben. 5% (2009: 6%) bezeichnen sich als arbeitslos bzw. ohne Besch\u00e4ftigung. Dies sind hochgerechnet rund 7500 Personen (2009: 9000).Die \u00abWarteschlange\u00bb \u2013 Jugendliche, die f\u00fcr 2011 eine Lehrstelle suchen \u2013 ist im Vergleich zum Vorjahr von 14% auf 13% gesunken. Hochgerechnet sind dies 20&nbsp;500 Jugendliche. Damit sind zum dritten Mal in Folge leicht weniger Jugendliche in der Warteschlange vertreten. (2009: 21&nbsp;000, 2008: 21 500).Durch die Intensivierung bew\u00e4hrter Massnahmen wie Lehrstellenf\u00f6rderung, Coaching und Mentoring sowie Case Management Berufsbildung konnte verhindert werden, dass sich die angespannte Wirtschaftslage auf das Lehrstellenangebot niederschl\u00e4gt. Entscheidend ist dabei die aktive Rolle der Wirtschaft, die auch in konjunkturell schwierigen Zeiten in die Berufsbildung investiert und zus\u00e4tzliche Lehrstellen geschaffen hat. Um den Lehrstellenmarkt auch 2011 stabil zu halten, hat die diesj\u00e4hrige Lehrstellenkonferenz festgehalten, dass die bestehenden Massnahmen weiterverfolgt und bei Bedarf zus\u00e4tzlich intensiviert werden.Die detaillierten Ergebnisse des Lehrstellenbarometers vom August 2010 sind auf <i><a href=\"http:\/\/www.bbt.admin.ch\">http:\/\/www.bbt.admin.ch<\/a><\/i> publiziert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n) und die monatlichen Trendanalysen der Kantone zur Situation auf dem Lehrstellenmarkt zur Verf\u00fcgung.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarktintegration nach der beruflichen Grundbildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer \u00dcbergang nach der beruflichen Grundbildung in den regul\u00e4ren Stellenmarkt ist f\u00fcr die jungen Erwachsenen mit einem stark erh\u00f6hten Arbeitslosenrisiko verbunden. Ein unfreiwilliger und l\u00e4ngerer Erwerbsunterbruch nach der Ausbildung kann zu einem Verlust des beruflichen Fachwissens f\u00fchren und sich damit negativ auf den weiteren Erwerbsverlauf auswirken. Auf Grund der hohen Bedeutung und angesichts der sich abzeichnenden Krise auf dem Arbeitsmarkt wurde an der Lehrstellenkonferenz 2009 beschlossen, den Einsteigerstellenmarkt von Berufsbildungsabg\u00e4ngern n\u00e4her zu analysieren. Eine solche Analyse wurde erstmals vom Stellenmarkt-Monitor Schweiz der Universit\u00e4t Z\u00fcrich f\u00fcr 2010 erstellt; die folgenden Passagen basieren auf den Auswertungen dieses Berufseinstiegsbarometers.&#13;<br \/>\nStellenmarkt-Monitor Schweiz der Universit\u00e4t Z\u00fcrich (2010), Berufseinsteiger-Barometer 2010, Kurzfassung des Reports im Auftrag des Bundesamts f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT).In <i>Grafik 3<\/i> ist die Entwicklung der Arbeitslosenquote von Personen mit beruflicher Grundbildung im fr\u00fchen Erwerbsverlauf (18\u201325 Jahre) im Vergleich zu zwei Referenzgruppen wiedergegeben. Gut zu erkennen ist dabei, dass Fachkr\u00e4fte im fr\u00fchen Erwerbsverlauf gegen\u00fcber l\u00e4nger integrierten Berufsleuten eine rund doppelt so hohe Arbeitslosenquote aufweisen. Hierin spiegelt sich die \u00dcbergangsproblematik am Ende der beruflichen Grundbildung. Gleichzeitig geht aus den Zahlen klar hervor, dass Personen mit beruflicher Grundbildung im fr\u00fchen Erwerbsverlauf eine deutlich tiefere Arbeitslosenquote haben als gleichaltrige Personen ohne nachobligatorische Ausbildung. Seit 2004 lag letztere um durchschnittlich 90% \u00fcber jener von jungen Personen mit einer beruflichen Grundbildung. Dies illustriert wiederum sehr deutlich, dass die Berufsausbildung einen sehr hohen Schutz vor Arbeitslosigkeit bietet. In den letzten drei Jahren erkennt man bei den Personen mit beruflicher Grundbildung im fr\u00fchen Erwerbsverlauf die typische hohe Konjunktursensitivit\u00e4t. In relativer Hinsicht scheint sich die Situation von unqualifizierten Arbeitskr\u00e4ften gegen\u00fcber Berufsleuten etwas verbessert zu haben. So erreichte die Arbeitslosenquote in der letzten Rezession nicht mehr ganz das Niveau von 2004 und liegt heute sogar um rund einen Viertel tiefer. Eine Erkl\u00e4rung k\u00f6nnte darin liegen, dass die Industrie, welche sehr viele Berufsleute besch\u00e4ftigt, von der Krise sehr stark betroffen war, w\u00e4hrend Branchen wie das Bau- und das Gastgewerbe oder auch der Detailhandel, die einen grossen Anteil an tief qualifiziertem Personal aufweisen, bislang verh\u00e4ltnism\u00e4ssig glimpflich durch die Krise kamen.&#13;<\/p>\n<h2>\u00dcbergang nach einem Studium auf der Terti\u00e4rstufe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcber die Arbeitsmarktsituation von Studienabg\u00e4ngerinnen und -abg\u00e4ngern liegt uns keine detaillierte Analyse vor. Berechnet man jedoch \u2013 analog zur Analyse der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger \u2013 die Arbeitslosenquote von Personen mit terti\u00e4rem Bildungsabschluss im fr\u00fchen Erwerbsalter (hier 25- bis 34-J\u00e4hrige), so stellt man fest, dass diese im Januar 2004 bei 2,5% und im Januar 2010 bei 2,0% lag.&#13;<br \/>\nBei der Berechnung dieser Arbeitslosenquoten ist die starke Zunahme der Erwerbsbev\u00f6lkerung mit terti\u00e4rem Bildungsabschluss ber\u00fccksichtigt. Als Basis f\u00fcr die Arbeitslosenquoten wurden die Daten der Sake 2004 und 2009 f\u00fcr die Erwerbsbev\u00f6lkerung beigezogen. Die Zahl der 25- bis 34-j\u00e4hrigen Arbeitslosen mit terti\u00e4rem Bildungsabschluss stieg zwischen 2004 und 2010 um gut 20% an. Die entsprechende Erwerbsbev\u00f6lkerung stieg jedoch um einen Drittel, womit die Arbeitslosenquote sank. Auf dem H\u00f6hepunkt der j\u00fcngsten Rezession lag die Quote damit tiefer als in der Rezession zuvor. Ende September 2010 lag die entsprechende Quote bei sch\u00e4tzungsweise 1,8%. Insgesamt darf man also feststellen, dass sich die Situation f\u00fcr Studienabg\u00e4nger in der Schweiz vorderhand nicht dramatisch pr\u00e4sentiert. Eher deuten die ausgesprochen tiefen Arbeitslosenquoten darauf hin, dass im Falle eines Wirtschaftsaufschwungs rasch wieder Fachkr\u00e4ftemangel entstehen k\u00f6nnte. In den letzten Jahren konnte dieser vor allem durch Zuwanderung entsch\u00e4rft werden.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erfahrungen der Schweiz mit der Jugendarbeitslosigkeit haben sich in der letzten Rezession grossmehrheitlich best\u00e4tigt. Einmal mehr wurde deutlich, dass die Jugendarbeitslosigkeit sensibler auf die Konjunktur reagiert als die Gesamtarbeitslosigkeit. Es war daher richtig, sofort die bekannten Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu aktivieren und diese bedarfsgerecht durch zus\u00e4tzliche Massnahmen im Rahmen der konjunkturellen Stabilisierungsmassnahmen zu erg\u00e4nzen. Gl\u00fccklicherweise nahm die Krise auf dem Arbeitsmarkt nicht das Ausmass an, welches Mitte 2009 noch hatte bef\u00fcrchtet werden m\u00fcssen. F\u00fcr das laufende Jahr hat sich die Situation sowohl f\u00fcr Berufseinsteiger wie auch f\u00fcr Lehrstellensuchende deutlich verbessert. In beiden F\u00e4llen ist davon auszugehen, dass die ergriffenen Massnahmen zur Stabilisierung des Lehrstellenangebots (z.B. Lehrstellenf\u00f6rderung), zur Integration der Jugendlichen (z.B. individuelle Begleitung, Case Management Berufsbildung) sowie zu Gunsten von arbeitslosen Bildungsabg\u00e4ngern (z.B. Motivationssemester, Berufspraktika) eine positive Wirkung entfalten. Nach wie vor kann allerdings nicht von einer v\u00f6lligen Entspannung der Situation gesprochen werden. Hinzu kommt, dass die konjunkturellen Aussichten auf eine deutliche Abschw\u00e4chung der Wirtschaftsentwicklung hindeuten, womit sich die R\u00fcckbildung der Arbeitslosigkeit wie auch der Jugendarbeitslosigkeit wieder verlangsamen w\u00fcrde. Vor diesem Hintergrund sollten die Massnahmen gegen die Jugendarbeitslosigkeit auch im kommenden Jahr fortgef\u00fchrt werden, und es gilt die Entwicklung weiterhin genau zu beobachten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abArbeitslosenquote nach Altersklassen, saison- und zufallsbereinigt, Januar 2000\u2013September 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abLehrstellenangebot, vergebene Lehrstellen und Bestand der 16-j\u00e4hrigen Bev\u00f6lkerung, 2000\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abArbeitslosigkeit von Personen mit Beruflicher Grundbildung im fr\u00fchen Erwerbsverlauf im Quervergleich, Januar 2004\u2013September 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4: \u00abErwerbslosenquote nach Altersklasse, aktueller Arbeitsmarktsituation und Situation unmittelbar vor Aufnahme der Arbeitssuche, 2. Quartal 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Lehrstellenbarometer bleibt stabil&#13;<\/p>\n<h3>Lehrstellenbarometer bleibt stabil<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Situation auf dem Lehrstellenmarkt ist trotz angespannter Wirtschaftslage weitgehend stabil geblieben. Die am 25. Oktober 2010 an der Lehrstellenkonferenz in Biel ver\u00f6ffentlichten Zahlen des Lehrstellenbarometers, welches das Link-Institut seit 1997 im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Berufsbildung und Technologie (BBT) erhebt, best\u00e4tigen: Das gemeinsame Engagement von Bund, Kantonen und Wirtschaft zur Lehrstellenf\u00f6rderung hat Fr\u00fcchte getragen. Die Zahl der angebotenen Lehrstellen hat sich positiv entwickelt. Per August 2010 vergaben die Unternehmen 83&nbsp;000 Lehrstellen (2009: 82 000). Weitere 7000 Ausbildungspl\u00e4tze waren am Stichtag, dem 31. August 2010, noch offen. Die Betriebe hoffen, davon 2500 noch besetzen zu k\u00f6nnen. Das gesamte Angebot hat mit 90&nbsp;000 Lehrstellen im Vergleich zum Vorjahr um 3000 Stellen zugenommen. Damit ist es noch vor dem H\u00f6chstangebot von 88&nbsp;000 Ausbildungspl\u00e4tzen im Jahr 2008 das umfangreichste seit dem Jahr 2000 (79 500).Von den 149&nbsp;000 Jugendlichen, die 2010 vor der Ausbildungswahl standen, sind rund 73&nbsp;500 (2009: 75 000) in eine berufliche Grundbildung eingetreten. Die Mehrheit gibt an, eine zumindest vor\u00fcbergehende L\u00f6sung gefunden zu haben. 5% (2009: 6%) bezeichnen sich als arbeitslos bzw. ohne Besch\u00e4ftigung. Dies sind hochgerechnet rund 7500 Personen (2009: 9000).Die \u00abWarteschlange\u00bb \u2013 Jugendliche, die f\u00fcr 2011 eine Lehrstelle suchen \u2013 ist im Vergleich zum Vorjahr von 14% auf 13% gesunken. Hochgerechnet sind dies 20&nbsp;500 Jugendliche. Damit sind zum dritten Mal in Folge leicht weniger Jugendliche in der Warteschlange vertreten. (2009: 21&nbsp;000, 2008: 21 500).Durch die Intensivierung bew\u00e4hrter Massnahmen wie Lehrstellenf\u00f6rderung, Coaching und Mentoring sowie Case Management Berufsbildung konnte verhindert werden, dass sich die angespannte Wirtschaftslage auf das Lehrstellenangebot niederschl\u00e4gt. Entscheidend ist dabei die aktive Rolle der Wirtschaft, die auch in konjunkturell schwierigen Zeiten in die Berufsbildung investiert und zus\u00e4tzliche Lehrstellen geschaffen hat. Um den Lehrstellenmarkt auch 2011 stabil zu halten, hat die diesj\u00e4hrige Lehrstellenkonferenz festgehalten, dass die bestehenden Massnahmen weiterverfolgt und bei Bedarf zus\u00e4tzlich intensiviert werden.Die detaillierten Ergebnisse des Lehrstellenbarometers vom August 2010 sind auf <i><a href=\"http:\/\/www.bbt.admin.ch\">http:\/\/www.bbt.admin.ch<\/a><\/i> publiziert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Statistische Erfassung der Jugendarbeitslosigkeit&#13;<\/p>\n<h3>Statistische Erfassung der Jugendarbeitslosigkeit<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Bezifferung der Arbeitslosigkeit bzw. der Erwerbslosigkeit gibt es in der Schweiz zwei unterschiedliche Datenquellen. Sie weisen hinsichtlich der Analyse der Arbeitsmarktsituation der jugendlichen Bev\u00f6lkerung jeweils spezifische Vorz\u00fcge und Nachteile auf: In der Arbeitslosenstatistik des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) sind alle arbeitslosen Personen erfasst, welche sich bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Stellensuche anmelden. Die St\u00e4rke dieser Statistik liegt in der monatlichen Verf\u00fcgbarkeit sowie im hohen Detaillierungsgrad der m\u00f6glichen Auswertungen. Eine Schw\u00e4che liegt darin, dass die H\u00f6he der Arbeitslosenquote wesentlich von der Meldeneigung von erwerbslosen Personen abh\u00e4ngt. Besonders bei Jugendlichen ist der Anteil der Erwerbslosen, welche sich nicht bei einem RAV melden, relativ hoch. In der Schweizerischen Arbeitskr\u00e4fteerhebung (Sake) des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) werden Erwerbslose konsequent nach internationalen Normen erhoben, womit sie sich als einzige f\u00fcr direkte internationale Vergleiche eignet. Die Definition der Erwerbslosigkeit ist hierbei insofern weit gefasst, als auch Personen enthalten sind, welche sich nicht oder nicht mehr bei einem RAV zur Stellensuche melden. Ein Nachteil der weit gefassten Definition ist, dass sie sehr viele verschiedene Formen und Grade von Erwerbslosigkeit vereint und die Kriterien der Arbeitslosigkeit (aktive Stellensuche, unmittelbare Verf\u00fcgbarkeit, keine Erwerbst\u00e4tigkeit) keiner objektiven Pr\u00fcfung unterzogen werden k\u00f6nnen. Dieser Umstand ist bei der Interpretation von Jugenderwerbslosenquoten von besonderer Bedeutung, wie die folgende Auswertung veranschaulicht.In <i>Grafik 4<\/i> ist die Erwerbslosenquote gem\u00e4ss BFS (Sake) f\u00fcr drei Altersgruppen wiedergegeben. Im zweiten Quartal 2009 lag die Jugenderwerbslosenquote bei 8,2%, d.h. um 3,5 Prozentpunkte \u00fcber der entsprechenden Quote von 25- bis 39-J\u00e4hrigen. Z\u00e4hlt man von den Erwerbslosen jene Personen ab, welche sich gleichzeitig in einer Ausbildung befinden, l\u00e4ge die Quote f\u00fcr 15- bis 24-J\u00e4hrige noch bei 5,6% und damit nur noch um 1,3 Prozentpunkte \u00fcber dem Wert f\u00fcr die 25- bis 39-J\u00e4hrigen. Ebenfalls deutlich wird aus den Zahlen, wie bedeutend die \u00dcbergangsproblematik bei der Jugenderwerbslosigkeit ist. Fast ein Drittel der jugendlichen Erwerbslosen gaben an, vor Aufnahme der Arbeitssuche in Ausbildung gewesen zu sein. Der hohe Anteil ist ein Indiz daf\u00fcr, dass die \u00dcbergangsproblematik eine wichtige Ursache der erh\u00f6hten Jugendarbeitslosigkeit ist.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zeiten schwacher Arbeitsmarktentwicklung sind junge Menschen besonders h\u00e4ufig von Arbeitslosigkeit betroffen, weil viele von ihnen den \u00dcbergang von der Ausbildung ins regul\u00e4re Besch\u00e4ftigungssystem bestehen m\u00fcssen. Dem Lehrstellenmarkt sowie der Nahtstelle vom Ausbildungs- in das regul\u00e4re Besch\u00e4ftigungssystem kommt in diesem Zusammenhang eine besonders hohe Bedeutung zu. 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